Samstag der 22. Woche im Jahreskreis

1 Kor 4,6b-15; Ps 145,17-18.14 u. 19.20-21; Lk 6,1-5

1 Kor 4
6 Damit ihr an uns lernt: Nicht über das hinaus, was in der Schrift steht, dass also keiner zugunsten des einen und zum Nachteil des andern sich wichtig machen darf.
7 Denn wer räumt dir einen Vorrang ein? Und was hast du, das du nicht empfangen hättest? Wenn du es aber empfangen hast, warum rühmst du dich, als hättest du es nicht empfangen?
8 Ihr seid schon satt, ihr seid schon reich geworden, ohne uns seid ihr zur Herrschaft gelangt. Wäret ihr doch nur zur Herrschaft gelangt! Dann könnten auch wir mit euch zusammen herrschen.
9 Ich glaube nämlich, Gott hat uns Apostel auf den letzten Platz gestellt, wie Todgeweihte; denn wir sind zum Schauspiel geworden für die Welt, für Engel und Menschen.
10 Wir stehen als Toren da um Christi willen, ihr dagegen seid kluge Leute in Christus. Wir sind schwach, ihr seid stark; ihr seid angesehen, wir sind verachtet.
11 Bis zur Stunde leiden wir Hunger und Durst und Blöße und werden mit Fäusten geschlagen und sind heimatlos.
12 Wir mühen uns ab, indem wir mit eigenen Händen arbeiten; wir werden beschimpft und segnen; wir werden verfolgt und halten stand;
13 wir werden geschmäht und reden gut zu. Wir sind sozusagen der Unrat der Welt geworden, der Abschaum von allen bis heute.
14 Nicht um euch zu beschämen, schreibe ich das, sondern um euch als meine geliebten Kinder zu ermahnen.
15 Hättet ihr nämlich auch unzählige Erzieher in Christus, so doch nicht viele Väter. Denn in Christus Jesus habe ich euch durch das Evangelium gezeugt.

In der ersten Lesung führt Paulus das gestrige Argument weiter. Dort hat er ja darüber gesprochen, dass Menschen nicht die Kompetenz haben, die innersten Herzensregungen des Anderen zu erkennen, weshalb sie einander nicht vor der Zeit richten sollen. Ich erklärte, dass damit das Gericht Gottes am Ende der Zeiten gemeint ist.
Paulus sagt daraufhin, dass er dies auf sich und Apollos bezogen hat, damit die Korinther lernen. Zugleich stellt er klar, dass dieses Beziehen auf sich selbst keine Wichtigtuerei darstellt, denn er sagt nichts, was über die Schrift hinausgeht. Mit „Schrift“ meint er das, was wir heute Altes Testament nennen, denn zu seiner Zeit gibt es nur die jüdische Bibel. Er verdeutlicht, dass keiner einen Vorrang besitzt, sondern alles Gesagte auf der Offenbarung der Schrift beruht. Apollos sowie Paulus erzählen ja nichts Neues, was sie sich ausgedacht hätten. Sie verkünden das Evangelium, das sie selbst empfangen haben und die Schrift als Zeugnis des kommenden Christus. Warum sollten sie sich also rühmen? Das kommt einem Schmücken mit fremden Federn gleich. Er sagt das alles, um klarzustellen, dass die Parteilichkeiten in Korinth absurd sind, da weder er noch Apollos etwas Eigenes verkünden. Sie sprechen für ein und denselben Christus.
In Vers 8 wird Paulus sehr ironisch, wenn er sagt: „Ihr seid schon satt, ihr seid schon reich geworden, ohne uns seid ihr zur Herrschaft gelangt.“ Es ist nämlich das Gegenteil der Fall, Paulus hat die Korinther zuvor ja als unmündige Kinder bezeichnet. Sie stehen also eigentlich noch ganz am Anfang und überschätzen sich maßlos, wenn sie von sich so eine Meinung besitzen. Deshalb löst Paulus auf: „Wäret ihr doch nur zur Herrschaft gelangt! Dann könnten auch wir mit euch zusammen herrschen.“ Sie sollen erst einmal so weit kommen wie Paulus und Apollos. Und das meint er ganz und gar nicht hochmütig. Er bezeichnet sich und ihn nämlich als Todgeweihte, die auf dem letzten Platz stehen. Und von Herrschaft kann keiner reden, der nicht bereit ist, der Diener aller zu sein. Das ist es, was Jesus seinen Aposteln immer wieder erklärt hat,
Diese gesellschaftliche Stellung als Tore steht ja im Gegensatz zu der hohen Stellung jener reichen Korinther, die auch zur Christengemeinde gehören. Während diese ein hohes Ansehen genießen, zu den Klugen und Starken gehören (und gehören wollen!), sind die Apostel zu Abschaum geworden, die „Hunger, Durst und Blöße“ erleiden und „mit Fäusten geschlagen“ werden, „heimatlos“. Sie nehmen das alles auf sich und leiden für jene Korinther, die sich schon so fortgeschritten einschätzen. Sie werden maßlos gedemütigt, damit Gott den Korinthern die Gnade der Demut schenken möge.
Paulus sagt diese Dinge sehr drastisch und ungeschönt, aber nicht als Vorwurf. Er möchte die Korinther nicht fertig machen, sondern sie ermahnen, damit sie umkehren.
Zum Schluss sagt Paulus, dass die Korinther viele Erzieher, doch nicht viele Väter hatten. Das deutet ihre heidenchristliche Mehrheit an, denn die Väter der Christen sind die Juden. Erzieher sind solche wie Apollos, aber sich selbst bezeichnet Paulus als Vater, der die Korinther „gezeugt“ hat. Wie muss man das verstehen? Paulus hat als Apostel diese Gemeinde gegründet. Die Kirche ist die Familie Gottes und die Geistlichen „gebären“ bzw. „zeugen“ jene, die im Hl. Geist neugeboren werden. Die Taufe ist eine geistliche Geburt und so ist Paulus der Vater der Korinther. Durch ihn sind sie zum Glauben an Jesus Christus gekommen und haben sich taufen lassen. Er selbst ist selten der Täufer. Das sagt er an anderer Stelle. Das tun immer andere Geistliche, deren Berufung und Aufgabe es ist. Als Apostel evangelisiert er.

Ps 145
17 Gerecht ist der HERR auf all seinen Wegen und getreu in all seinen Werken.
18 Nahe ist der HERR allen, die ihn rufen, allen, die ihn aufrichtig rufen.
14 Der HERR stützt alle, die fallen, er richtet alle auf, die gebeugt sind.
19 Denen, die ihn fürchten, erweist er Wohlgefallen, ihr Schreien hört er und rettet sie.
20 Der HERR behütet alle, die ihn lieben, doch alle Frevler vernichtet er.
21 Das Lob des HERRN spreche mein Mund,/ alles Fleisch preise seinen heiligen Namen auf immer und ewig!

Wir beten heute Psalm 145 als Antwort auf die ermahnenden Worte des Paulus. Wir loben Gott zusammen mit David, denn auch die ermahnenden Worte dienen dem Heil der Menschen. Auch „Gerichtsworte“, wie man sie im übertragenen Sinne nennen kann, können den Menschen Anlass zur Freude geben, denn dank ihnen kehrt der Mensch um. Wer wieder auf den Weg Gottes zurückkommt, kann sich nur freuen. So ist Gott wirklich gerecht auf allen Wegen und in seinen Werken. Wenn Paulus in seinem Namen kritisiert, dann spricht Gott durch diesen Menschen. Gott ist wirklich allen nahe, die ihn rufen. Er lässt nicht lange auf sich warten und er ist auch wirklich da, selbst wenn der Beter es nicht „spürt“. Selbst in der gefühlten Gottverlassenheit des erprobten Gläubigen ist Gott nahe.
Und wenn jemand fällt, das heißt wenn er sündigt, dann stützt er die Sünder. Ihm geht es darum, dass alle Sünder zu ihm umkehren. Wer gebeugt ist – in erster Linie moralisch gesehen – die richtet er wieder auf. Er vergibt die Schuld und versetzt uns zurück in den Stand der Gnade. Das Aufrichten kann auch auf die Herausforderungen des Lebens bezogen werden. Wenn wir Menschen gebeugt sind von der Last des Lebens, möchte uns der Herr stärken mit seiner Gnade.
Die Gottesfürchtigen bekommen Segen von Gott und wenn sie schreien, rettet er sie. Diese Gottesfurcht fehlt heute den Korinthern, wenn sie sich so überschätzen. Sie meinen, herrschen zu können, dabei muss sich jegliche „Herrschaft“ in der Kirche von Gott her definieren.
Gott vernichtet die Frevler, die Liebenden werden behütet. Wir müssen bei solchen Aussagen immer bedenken, dass diese Texte in einer Zeit entstehen, die den Tun-Ergehen-Zusammenhang großschreiben. Wer sündigt, muss sterben. Wer gerecht ist, wird belohnt. Wir Christen lehnen das auch nicht einfach ab, denn daran ändert sich nichts. Wer sündigt, muss sterben – aber das betrifft das ewige Leben und nicht die Todesstrafe. Bis zum Gottesgericht kann der Mensch aber noch umkehren und somit wieder lebendig werden (von der Todsünde (!) hin zum Stand der Gnade).
Gott behütet die Liebenden nicht deshalb, weil er selektiert, sondern weil die Liebenden durch ihre Liebe zu Gott Ja sagen. Sie nehmen ihn an, lassen ihn in ihr Leben, führen eine Beziehung mit ihm. Deshalb bildet sich eine Schutzmauer um sie. Das heißt aber nicht, dass sie nie mehr leiden, keine Angriffe erleiden, nicht versucht werden. Vielmehr ist es eine Schutzmauer um ihre Seele. Das nennen wir moralisch gesehen den Stand der Gnade. Dieser Schutz ist weg, sobald wir aus dem Liebesradius Gottes freiwillig heraustreten. Dies geschieht, wenn wir sündigen. Denn dann weisen wir den ab, der uns beschützt.
Der heutige Psalmabschnitt endet mit einer erneuten Lobbekundung und mündet in eine Lobaufforderung an die ganze sichtbare Schöpfung: „Alles Fleisch preise seinen heiligen Namen auf immer und ewig!“ Die unsichtbare Schöpfung ist ja geistlich und somit kein Fleisch. Dazu zählen die Engel im Himmel, die Gott unentwegt loben und preisen.

Lk 6
1 Es geschah aber an einem Sabbat, dass er durch die Kornfelder ging, und seine Jünger rissen Ähren ab, zerrieben sie mit den Händen und aßen sie.
2 Da sagten einige Pharisäer: Warum tut ihr, was am Sabbat nicht erlaubt ist?
3 Jesus erwiderte ihnen: Habt ihr nicht gelesen, was David getan hat, als er und seine Begleiter hungrig waren –
4 wie er in das Haus Gottes ging und die Schaubrote nahm, die allein die Priester essen dürfen, und sie aß und auch seinen Begleitern davon gab?
5 Und Jesus sagte ihnen: Herr über den Sabbat ist der Menschensohn.

Im Evangelium hören wir eine Episode, dir wir schon einmal in der Markusversion gehört haben: Die Pharisäer stören sich erneut an Jesu Verhalten bzw. an dem seiner Jünger so wie gestern: Die Jünger wagen es, am Sabbat Ähren vom Feld zu pflücken und zu essen. Warum tun sie das überhaupt? Jesus ist mit seinen Jüngern unterwegs und da bekommt man eben Hunger. Sie müssen etwas essen, deshalb bedienen sie sich an den Ähren. Das hat auch nichts mit Stehlen zu tun, wie man jetzt vielleicht daraus schließen könnte. Laut Dtn 23,26 ist es erlaubt, mit der Hand Ähren vom Feld eines anderen zu pflücken. Jesus und seine Jünger sind stets unterwegs. Sie haben keinen festen Wohnsitz und führen ein anderes Leben als die anderen. Sie müssen irgendwann essen und somit erlaubt Jesus ihnen auch das Essen von den Ähren.
Als sie dafür von anderen kritisiert werden, verweist Jesus auf König David und seine Begleiter, die sogar die Schaubrote im Offenbarungszelt essen, die eigentlich nur für die Priester gedacht sind. Was Jesus durch diesen Verweis sagen möchte, ist: Es gibt Gebote nicht dafür, dass wir eingeschränkt werden. Sie sollen uns ja in die Freiheit führen. Wenn Jesus den Sinn von Geboten erklärt, hat das höchste Autorität. Er ist Gott und erklärt den Menschen höchstpersönlich, warum er die Gebote den Menschen überhaupt gegeben hat! Die Sabbatruhe ist nicht dafür da, dass man verhungert (auch nicht, dass jemand an einer Krankheit stirbt, wenn man ihn nicht heilt). Er ist dafür da, damit wir mehr Zeit für das Gebet und die Beziehung mit Gott haben. Die Kritik der Menschen geht also an dem Sinn der Sabbatruhe vorbei. Seine Jünger werden ihre Gottesbeziehung nicht weniger verinnerlichen können, nur weil sie eine Mahlzeit zu sich genommen haben. Im Gegenteil: Sie folgen Jesus nach, durch den sie eine ganz innige Beziehung zum Herrn lernen. Aber auch heute sehen wir, dass die Menschen Jesus als Messias und Gott nicht erkennen. Sie sehen nicht, dass er schon längst mitten unter ihnen ist. Sie verstehen dadurch auch nicht, wenn Jesus sagt: Der Menschensohn ist Herr über den Sabbat. Gott ist höher als seine gegebene Torah.
Auch hier lernen wir, worum es eigentlich gehen sollte: um die Beziehung zu Gott. So wie König David ganz nah an Gottes Herz hing, sollen auch die Juden zur Zeit Jesu leben. Schließlich ist die Motivation für das Halten der Gebote Gottes die Liebe zu ihm. Den Kritikern Jesu geht es aber nicht um Beziehung, um Liebe oder sonst etwas. Ihnen geht es um das Halten der Gebote um der Gebote selbst willen. Sie sind so beschäftigt damit, in ihrer eigenen Selbstgerechtigkeit und der Buchstabentreue zu verbleiben, dass sie das Heil direkt vor ihren Augen nicht erkennen. Ja noch schlimmer – sie verwehren es auch noch jenen, die sie wie eine Torah-Polizei verurteilen. Sie lassen sich nicht belehren, auch nicht von Gott selbst. Aber Jesus sieht ihr Herz und gibt durch seine Erklärungen immer wieder die Chance, es zu verstehen. Er liebt auch die Pharisäer von ganzem Herzen und möchte ihnen helfen. Er sieht, dass die Pharisäer zwar kritisieren, aber selbst die absolut strikte Sabbatruhe nicht nutzen, um ihre Beziehung zum Herrn zu vertiefen. Jesus nimmt kein Blatt vor den Mund wie Paulus bei den Korinthern. Manchmal braucht es eine härtere Sprache oder strengeres Ermahnen, damit die Menschen überhaupt zur Einsicht kommen. Aber das geschieht genauso aus Liebe wie die Worte „Auch ich verurteile dich nicht“ oder „Fürchte dich nicht“ oder „Noch heute wirst du mit mir im Paradies sein“. Liebe kennt viele Sprachen und manchmal muss man auch kritisieren. Liebe heißt nicht Friede, Freude, Eierkuchen. Gott ist die Liebe und das schließt auch das Gericht ein. Doch womit Gott „straft“ ist immer nur die Liebe.

Ihre Magstrauss

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