Samstag der 23. Woche im Jahreskreis

1 Kor 10,14-22; Ps 116,12-13.17-18; Lk 6,43-49

1 Kor 10
14 Darum, meine Geliebten, meidet den Götzendienst!

15 Ich rede doch zu verständigen Menschen; urteilt selbst über das, was ich sage!
16 Ist der Kelch des Segens, über den wir den Segen sprechen, nicht Teilhabe am Blut Christi? Ist das Brot, das wir brechen, nicht Teilhabe am Leib Christi?
17 Ein Brot ist es. Darum sind wir viele ein Leib; denn wir alle haben teil an dem einen Brot.
18 Schaut auf das irdische Israel: Haben die, welche von den Opfern essen, nicht teil am Altar?
19 Was meine ich damit? Dass Götzenopferfleisch wirklich etwas ist? Oder dass ein Götze wirklich etwas ist?
20 Nein, aber was man dort opfert, opfert man den Dämonen und nicht Gott. Ich will jedoch nicht, dass ihr Gemeinschaft mit Dämonen habt.
21 Ihr könnt nicht den Kelch des Herrn trinken und den Kelch der Dämonen. Ihr könnt nicht teilhaben am Tisch des Herrn und am Tisch der Dämonen.
22 Oder wollen wir die Eifersucht des Herrn wecken? Sind wir stärker als er?

Gestern hörten wir vom Götzenopferfleisch, das in Korinth für Dilemmata und Konflikten gesorgt hat. Ich erklärte, dass Paulus mit seinen Ausführungen keinesfalls die Wirklosigkeit rituell belasteter Lebensmittel aussagen wollte, und verwies auf das zehnte Kapitel. Heute hören wir genau diese Worte, die uns beweisen: Paulus erlaubt kein Essen von Götzenopferfleisch – wenn man genau weiß, dass es Götzenopferfleisch ist!
Das Essen dieses Fleisches wertet er nämlich als Götzendienst, den die Korinther um jeden Preis vermeiden sollen. Das ist eine der schlimmsten Sünden.
Er stellt rhetorische Fragen: „Ist der Kelch des Segens, über den wir den Segen sprechen, nicht Teilhaben am Blut Christi?“ Und sodann: „Ist das Brot, das wir brechen, nicht Teilhabe am Leib Christi?“ Das griechische Wort κοινωνία koinonia hat die Hauptbedeutung „Gemeinschaft“ und wird auch verwendet im Kontext des ehelichen Aktes. Leib und Blut, die eucharistischen Gaben zu empfangen, bedeutet eine Vereinigung mit Christus. Wenn wir ihn empfangen, werden wir ein Teil von ihm. Und so wirkt die Eucharistie gemeinschaftsstiftend, denn Paulus sagt, dass wir alle an dem einen Brot teilhaben.
Er vergleicht diese Teilhabe durch Konsumierung des Speiseopfers mit dem irdischen Israel. Er meint damit den Opferkult der Juden, der unter anderem auch Speiseopfer vorsieht. Auch dort ist es so, dass der Konsument Teil am Altar hat.
Und dann kommt er zu eben jener Unterscheidung, die ich gestern schon angesprochen habe: Es gibt keine Götzen. Sie sind Nichtse. Doch wenn Speisen diesen Götzen geopfert werden, hat das eine Wirkung, denn sie werden stattdessen den Dämonen geopfert! Und auch da gilt, was er für den jüdischen Opferkult gesagt hat und was auch für die Eucharistie gilt: Wer an diesen Opfern teilnimmt durch Konsumierung von Götzenopferfleisch, hat Teil an diesem dämonischen Altar. Paulus möchte aber nicht, dass die Korinther Gemeinschaft mit Dämonen hat. Auch hier findet sich im Griechischen die Wortfamilie von κοινωνία koinonia, in diesem Fall die Bezeichnung für die Partner dieser Gemeinschaft – κοινωνός koinonos. Paulus möchte nicht, dass die Korinther ihrer Seele schaden und aus der Gemeinschaft mit Gott herausfallen. Deshalb spricht er das Thema hier an. Beides zugleich ist nämlich nicht möglich. Er sagt, dass man nicht den Kelch des Herrn und den der Dämonen zugleich trinken kann bzw. ist keine Teilhabe an zwei so diametral unterschiedlichen Altären möglich. Es würde einem Ehebruch gleichkommen. Wir sollen unserem Partner ja auch ganz treu sein. Letztendlich geht es um Beziehung. Ich kann nicht den Gott, mit dem ich mich ganz vereinige, hintergehen, indem ich sodann zu den Dämonen gehe und mich mit ihnen vereinige. Deshalb sagt Paulus auch, dass es die Eifersucht des Herrn wecken würde.
Also noch einmal als Zusammenfassung: Wenn wir genau wissen, dass unser konsumiertes Fleisch Götzenopferfleisch ist und wir es dennoch essen, ist das eine große Sünde, die einem Ehebruch gleichkommt, denn seine geliebte Braut betrügt ihren Bundespartner Gott, mit dem sie durch die Taufe im Neuen Bund vereint ist. Der Ehebrecher ist ein Phantom aus der Perspektive der Götzen, doch von der Wirkung her handelt es sich um ein Opfer für die Dämonen. Gott ist stärker als die Dämonen und kann jegliche Flüche von uns abwenden, wenn wir unsicher sind, was für ein Essen wir einkaufen. Doch wenn wir bewusst teilhaben am Tisch der Dämonen, ist das eine schwere Sünde. Da können wir es dann nicht drauf anlegen lassen und sagen: Ich esse zwar bewusst vom Götzenopferfleisch, aber egal. Gott wird den Fluch schon irgendwie wegnehmen, denn er ist ja stärker als die Dämonen. Warum? Weil wir bewusst „Ehebruch“ begehen. Da ist der Segen Gottes weg und wir werden keinesfalls geschützt.

Ps 116
12 Wie kann ich dem HERRN vergelten all das Gute, das er mir erwiesen?

13 Den Becher des Heils will ich erheben. Ausrufen will ich den Namen des HERRN.
17 Ich will dir ein Opfer des Dankes bringen, ausrufen will ich den Namen des HERRN.

18 Meine Gelübde will ich dem HERRN erfüllen in Gegenwart seines ganzen Volks,

Heute beten wir einen Dankespsalm, der zum sogenannten Ägyptischen Hallel gehört (ein großes Loblied bestehend aus den Psalmen 113-118). Es wird so genannt, weil es an das erste Pessachfest in Ägypten erinnert. Das ägyptische Hallel ist zu den großen Wallfahrtsfesten gebetet worden. Auch für uns, die wir die Eucharistie feiern (Eucharistia=Danksagung!), ist dieser Dankespsalm absolut passend für die Liturgie. Der Psalm passt sehr gut im Anschluss an die Lesung, weil wir zu einer vertieften Betrachtung der Teilhabe am Tisch des Herrn kommen.
„Wie kann ich dem HERRN vergelten all das Gute, das er mir erwiesen?“ Mit dieser rhetorischen Frage bringen schon die Israeliten zum Ausdruck, dass der Exodus mit der Befreiung aus dem Sklavenhaus Ägypten absoluter Gnadenerweis Gottes ist. Das Volk hätte es nie zustande gebracht, diese Befreiungsaktion erst einmal zu verdienen durch gute Taten und Opfer. Und auch wir können nur so beten, denn wer von uns hätte das Kreuzesopfer durch eigenes Gutsein zuerst verdienen können? Die übergroße Schuld mit den hohen Wellen ihrer todbringenden Konsequenzen hätte durch menschliche Kraft nie gesühnt werden können. Es war ein einziger Gnadenakt Gottes, seinen geliebten Sohn für uns dahinzugeben, um diese übergroße Schuld zu sühnen!
„Den Becher des Heils will ich erheben. Ausrufen will ich den Namen des HERRN.“ Jesus musste den Becher des Leidens und Todes trinken, von dem er voller Todesangst im Garten Getsemani noch gesagt hat: „Vater, nimm diesen Kelch von mir…doch nicht mein, sondern dein Wille geschehe“. Weil er ihn bereitwillig getrunken hat, ist er für uns zum Becher des Heils geworden! Wir rufen den Namen des HERRN an, bis er wiederkommt in Herrlichkeit. So geschehen in seinem Namen bis heute Zeichen und Wunder. Wie undankbar wäre es doch von uns, zuvor von den Dämonen gekostet zu haben und nun den eucharistischen Becher einzufordern!
„Ich will dir ein Opfer des Dankes bringen, ausrufen will ich den Namen des HERRN.“ Dies ist eine gelübdeartige Zusage, die liturgisch im Laufe der Wallfahrt ja umgesetzt wird. Es werden Opfer im Tempel von Jerusalem dargebracht. Wir lesen es als Christen eucharistisch: Ja, wir bringen ein Opfer des Dankes dar, die Eucharistie, die Danksagung, die zwar auf den ersten Blick Mahl (ja, das darf man nicht vergessen), aber zutiefst vom Kern und Wesen her Opfer ist.
„Meine Gelübde will ich dem HERRN erfüllen in Gegenwart seines ganzen Volks.“ Diese Zusage im Kontext der Wallfahrt geschieht vor den Augen der anderen. Danksagung ist ein Opfervorgang, der nicht individuell bleibt, sondern in Versammlung. Deshalb feiern wir bis heute die Eucharistie in der Gemeinschaft der Heiligen – und damit sind nicht nur jene auf Erden gemeint, sondern auch die Heiligen, die bereits am Thron Gottes stehen, auch die Engel, die Gott dienen! Wir sehen bei dieser ganzen eucharistischen Lesart des Psalms, wie wenig all das mit der Gemeinschaft der Dämonen zu tun hat. Es gibt kein Sowohl-als-Auch, nur ein Entweder-Oder.

Lk 6
43 Es gibt keinen guten Baum, der schlechte Früchte bringt, noch einen schlechten Baum, der gute Früchte bringt.

44 Denn jeden Baum erkennt man an seinen Früchten: Von den Disteln pflückt man keine Feigen und vom Dornstrauch erntet man keine Trauben.
45 Der gute Mensch bringt aus dem guten Schatz seines Herzens das Gute hervor und der böse Mensch bringt aus dem bösen das Böse hervor. Denn wovon das Herz überfließt, davon spricht sein Mund.
46 Was sagt ihr zu mir: Herr! Herr! und tut nicht, was ich sage?

Was wir bisher gehört haben, könnte der ein oder andere als Schwarzweiß-Malerei empfinden. Doch das ist die Realität. Es geht um Beziehung und um Liebe. Bei Gott muss man sich entscheiden und da gibt es nur ein Ja oder Nein, kein Jein. Das greift auch Jesus auf, wenn er das Gleichnis von Früchten und Bäumen heranzieht:
„Es gibt keinen guten Baum, der schlechte Früchte bringt, noch einen schlechten Baum, der gute Früchte bringt.“ Selbst die Natur zeigt, dass es unmöglich ist: Der Mensch als Baum ist ein typisches Sinnbild bei moralischen Aussagen, also wenn es um den Lebenswandel des Menschen geht. Ein Mensch, der innerlich von Gott geleitet wird, dessen Herz rein ist und der in sich keine bösen Gedanken und Absichten trägt, dessen Worte und Taten, die nach außen dringen, werden ebenfalls gut sein. Wer innerlich aber verdorben ist, dessen Herz von Begierde und bösen Absichten erfüllt ist, wird nur Verdorbenes sprechen und tun. Das ist ein Kausalzusammenhang, der sich nicht verbergen lässt. Wenig später heißt es: „Wovon das Herz voll ist, davon spricht der Mund.“ Führen wir das auf die Lesung zurück, heißt das: Wenn man teilhat an einem Opferaltar, handelt es sich um eine Gemeinschaft und Vereinigung des Herzens. Wir sehen an den Worten Jesu im Evangelium also auch, was die Konsequenzen einer dämonischen Gemeinschaft ist – das wir immer mehr die Verhaltensweisen annehmen, die nicht von Gott kommen. Und wenn wir uns ganz mit Gott vereinen, nehmen wir ganz die Verhaltensweisen Gottes an. Deshalb werden wir immer mehr zum Leib Christi, den wir in der Eucharistie empfangen. Sie erfüllt und prägt unser Herz so sehr, dass wir verwandelt werden in das Bild Christi.
Das Baum- und Früchtemotiv ist nicht zufällig gewählt. Es hat neben der moralischen Bedeutung noch eine viel tiefere, die uns zur Eucharistie führt: So wie der erste Mensch von der Frucht des Baumes aß und damit die Sünde und der Tod in die Welt kamen, so hat der zweite Mensch eine Frucht am Holz des Kreuzes für uns dargebracht – sich selbst und seinen Tod, sodass wir, die wir von die Frucht von diesem Baum essen – die Hl. Eucharistie, das ewige Leben haben. Das Bild ist also zutiefst eucharistisch!
Und Früchte dieses Baumes entspringen der Gnade Gottes. In seiner Nachfolge sollen wir selbst Bäume dieses ersten Baums sein – Menschen im Stand der Gnade, die mit Gott im Neuen Bund vereint sind. Wenn wir von derselben Art sind, werden auch wir dieselben Früchte tragen wie Christus, der mit Leib und Seele im Himmel thront als verherrlichter Menschensohn. So werden wir ebenfalls die volle Auferstehung mit Leib und Seele erleben.
Was im Menschen ist, sieht man an seinem Verhalten. So erkennt man den Baum ja auch an seinen Früchten. Der Baum mit seinen Wurzeln und seinem Stamm ist das Herz des Menschen, sein Inneres. Die Früchte sind sein Verhalten. Den Zusammenhang habe ich oben erklärt.
Am Ende hören wir auch, warum Jesus überhaupt davon spricht: Es geht immer noch um die Heuchler, die nach außen hin eine besonders ausgeprägte Frömmigkeit vorspielen, deren Herz aber ganz verdorben ist. Jesus möchte ihnen damit sagen: Ihr könnt mir nichts vormachen, ebenso wenig den Menschen. Das Schlechte im Menschen kommt früher oder später heraus.
Gott sieht den ganzen Menschen, sein Innen und Außen. Er entlarvt das „Herr, Herr!“ jener, die nicht den Willen Gottes tun. Er tut dies nicht, um die Menschen bloßzustellen und niederzumachen. Er tut dies, damit jeder Mensch sich bekehre und aufrichtig werde. Wir alle sind berufen zum Heil und zur Gemeinschaft mit Gott. Das geht aber nur, wenn wir den Schritt in die Deckungsgleichheit tun. Das Gute zu sagen, ist schon gut, aber der Rest muss damit zusammenpassen. Eine Erneuerung des Herzens ist der entscheidende Schritt zu einer umfassenden Bekehrung.

Ihre Magstrauss

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