Mittwoch der 25. Woche im Jahreskreis

Spr 30,5-9; Ps 119,29 u. 72.89 u. 101.104 u. 163; Lk 9,1-6

Spr 30
5 Jede Rede Gottes ist im Feuer geläutert; ein Schild ist er für alle, die bei ihm sich bergen.

6 Füg seinen Worten nichts hinzu, sonst überführt er dich und du stehst als Lügner da.
7 Um zweierlei bitte ich dich, versag es mir nicht, bevor ich sterbe:
8 Falschheit und Lügenwort halt fern von mir; gib mir weder Armut noch Reichtum, nähr mich mit dem Brot, das mir nötig ist,
9 damit ich nicht, satt geworden, dich verleugne und sage: Wer ist denn der HERR?, damit ich nicht als Armer zum Dieb werde und mich am Namen meines Gottes vergreife.

Im heutigen Abschnitt aus dem Buch der Sprichwörter hören wir die Worte nicht von Salomo selbst, sondern von einem gewissen Agur.
„Jede Rede Gottes ist im Feuer geläutert; ein Schild ist er für alle, die bei ihm sich bergen.“ Die Läuterung im Feuer zeigt bereits, was er damit meint: Gottesrede ist immer ganz rein und unverfälscht. Der Mensch kann irren und Dinge von sich geben, die nicht stimmen, von böser Absicht kommen oder einfach nur vergänglich sind. Agur spricht hier von sich selbst, denn er erkennt in Gottes Angesicht, wie armselig sein eigenes Tun im Gegensatz zu Gott ist.
Das reinigende Feuer, durch das die Worte Gottes zum Menschen kommen, kann auch als seine brennende Liebe verstanden werden: Gottes Offenbarung an uns ergeht immer aus seiner leidenschaftlichen Liebe zu uns. Alles, was er tut, dient uns zum Heil, weil Gott die Liebe ist. Deshalb ist Gott für uns ein Schild, die wir zu ihm kommen und seinen Schutz beanspruchen.
„Füg seinen Worten nichts hinzu, sonst überführt er dich und du stehst als Lügner da.“ Jede Lüge kommt irgendwann ans Tageslicht. Es lohnt sich vor allem nicht, Gottes Worte zu manipulieren. Er sorgt dafür, dass diese Lüge bekannt wird. Gottes Wort ist die Wahrheit. Nicht umsonst spricht das fleischgewordene Wort Jesus Christus zu seinen Jüngern: „Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben. Keiner kommt zum Vater, außer durch mich.“ Wer diese Offenbarung verändern will, und das geschieht in unserer Zeit sehr häufig durch „Verkürzungen“ und einer Konstruierung eines „Patchwork-Jesus“ als Sozialist, Klimaschützer oder sonst was, den wird Gott selbst korrigieren. Wer sind wir Menschen, dass wir es wagen, Gottes Identität zu verdunkeln?
Agur bittet Gott um zwei Dinge in seinem Leben: „Falschheit und Lügenwort halt fern von mir; gib mir weder Armut noch Reichtum, nähr mich mit dem Brot, das mir nötig ist.“ Das erste kann man als Versuchung verstehen, mit der Agur nicht konfrontiert werden möchte im Sinne einer Versuchung zum Lügenpropheten. Man kann es aber auch so verstehen, dass er von einem anderen Menschen nicht getäuscht werden möchte. Gott möge ihn vor einem Lügenpropheten bewahren. Die zweite Bitte könnte irritieren, wenn man den nächsten Vers nicht mitliest: Agur möchte, dass Gott ihm nur so viel Reichtum gibt, dass es für ihn ausreicht, um ein sorgenfreies Leben zu führen. Er möchte von Gott keinen Luxus erhalten, damit er nicht übersättigt wird, Gott vergisst und sich undankbar von ihm abwendet. Er möchte aber auch nicht, dass Gott ihn hungern lässt, damit er nicht aus Verzweiflung zum Dieb wird. Gott möge ihm genau das richtige Maß an allem schenken, damit seine Gottesbeziehung nicht verschlechtert wird. Agur sagt hier etwas Wichtiges aus: Wenn es dem Menschen zu gut geht, vergisst er Gottes Güte. Not lehrt beten. Aber zu viel Not stürzt den Menschen in Verbitterung und Sünde.
Wir können getrost sein, dass Gott uns so viel von allem schenkt, wie wir mit unserem Charakter „ertragen“ können – an Gnaden wie an Kreuzen. Er kennt unsere Herzen und wird keinem viel Reichtum schenken, wenn er weiß, dass jemand zur Habgier neigt. Er wird auch kein allzu schweres Kreuz auferlegen, wenn er weiß, dass ein Mensch psychisch labil ist. Gott kennt uns durch und durch und passt alles an uns an. Und wenn wir selbst etwas dafür tun möchten, dass unsere Beziehung zu ihm gut bleibt, können wir bewusst asketisch leben – das heißt nicht in purer Armut leben, sondern nur so viel von allen Gütern anstreben, wie wir wirklich brauchen. Gehen wir den Weg der Gebote Gottes, damit wir durch unsere Sünden keine zusätzlichen selbstgemachten Kreuze auferlegen, sondern nur die Kreuze Gottes tragen. Diese sind schließlich perfekt auf uns abgestimmt und lassen uns reifen.

Ps 119
29 Halte mich fern vom Weg der Lüge, begnade mich mit deiner Weisung!
72 Gut ist für mich die Weisung deines Munds, mehr als große Mengen von Gold und Silber.
89 O HERR, in Ewigkeit steht aufrecht dein Wort am Himmel.
101 Von jedem bösen Pfad hielt ich meine Füße zurück, damit ich dein Wort beachte.
104 Aus deinen Befehlen gewinne ich Einsicht, darum hasse ich alle Pfade der Lüge.
163 Ich hasse die Lüge, sie ist mir ein Gräuel, doch deine Weisung liebe ich.

Als Antwort beten wir Psalm 119, der sich den Worten aus dem Buch der Sprichwörter anschließt. Es handelt sich wieder um einige Verse aus dem längsten Psalm des Psalters. Der heutige Abschnitt beginnt mit einer Bitte: „Halte mich fern vom Weg der Lüge, begnade mich mit deiner Weisung!“ Auch König David bittet darum, von Lüge und Täuschung verschont zu bleiben. Schon Agur hat darum gebeten. Vielmehr soll Gott den Menschen seine Weisung geben, denn wenn Gott sich offenbart, wissen die Menschen besser, wie sie seinen Willen erfüllen sollen.
„Gut ist für mich die Weisung deines Munds, mehr als große Mengen von Gold und Silber.“ Irdische Schätze kann man nach dem Tod nicht in die Ewigkeit mitnehmen. Sie bleiben zurück. Das göttliche Wort ist aber ewig und verleiht dem Menschen erst das ewige Leben. Deshalb ist es so viel wertvoller als Silber und Gold.
„O HERR, in Ewigkeit steht aufrecht dein Wort am Himmel.“ Wir verstehen diesen Vers besonders christologisch. Das göttliche Wort ist von Anfang an, es ist beim Vater, es ist Schöpfungsmittler und es ist der himmlischen Sphäre zuzuordnen. Dieses göttliche Wort ist auf der Höhe der Zeit Fleisch geworden und hat unter uns sein Zelt aufgeschlagen. Jesus Christus ist dieses göttliche Wort, der nach seiner Himmelfahrt nun wieder beim Vater ist und am Ende der Zeiten wiederkommen wird. Er steht wirklich in Ewigkeit aufrecht beim Vater, denn er ist der verherrlichte Menschensohn.
„Von jedem bösen Pfad hielt ich meine Füße zurück, damit ich dein Wort beachte.“ Was wir Menschen aktiv tun können, auch wenn Versuchungen kommen, ist das Meiden des Bösen. Wir entscheiden doch aktiv, welchen Weg unsere Füße einschlagen. Wenn wir bewusst nein zur Sünde sagen und damit auf dem Weg Gottes bleiben, dann erteilen wir dem Bösen immer wieder eine Absage. Jeden Tag müssen wir Menschen Entscheidungen treffen, weshalb wir unbedingt ein reines Gewissen haben müssen. Ist unser Entscheidungsorgan – unser Herz – korrumpiert, benebelt oder betäubt, wird es für uns immer schwieriger, sich für das Gute zu entscheiden. Immer wieder müssen wir uns neu für Gott entscheiden und gegen den Bösen.
Einsicht erlangt der Mensch in seinem Leben, wenn er im Stand der Gnade ist. Auf dem Weg der Lüge, wird er nicht weiterkommen.
Das einzige, wofür der Mensch Hass empfinden soll, radikale Ablehnung, ist die Sünde. Aber der Mensch darf zu keiner Zeit Hass gegen einen Menschen empfinden, auch wenn dieser ein Sünder ist. Lieben soll der Mensch Gottes Weisung und Gott selbst, der sie dem Menschen verleiht.
Was uns Psalm 119 immer wieder aufzeigt, ist die richtige Beziehung zu Gott, eine Bemühung um den Stand der Gnade im gesamten Leben.

Lk 9
1 Dann rief er die Zwölf zu sich und gab ihnen Kraft und Vollmacht über alle Dämonen und um Krankheiten zu heilen.

2 Und er sandte sie aus, das Reich Gottes zu verkünden und die Kranken gesund zu machen.
3 Er sagte zu ihnen: Nehmt nichts mit auf den Weg, keinen Wanderstab und keine Vorratstasche, kein Brot, kein Geld und kein zweites Hemd!
4 Bleibt in dem Haus, in dem ihr einkehrt, bis ihr den Ort wieder verlasst!
5 Wenn euch aber die Leute nicht aufnehmen, dann geht weg aus jener Stadt und schüttelt den Staub von euren Füßen, zum Zeugnis gegen sie!
6 Die Zwölf machten sich auf den Weg und wanderten von Dorf zu Dorf. Sie verkündeten das Evangelium und heilten überall.

Heute sendet Jesus seinen Zwölferkreis hinaus, weil die Evangelisierung so schneller vorangehen kann. Er tut es aber nicht nur aus pragmatischen Gründen. Das ist nie der Hauptgrund im Falle Jesu. Er möchte seine Jünger dafür sensibilisieren, dass sie nach seinem Tod, seiner Auferstehung und Himmelfahrt, nach der Geistsendung auf diese Weise das Reich Gottes bis an die Enden der Erde bringen sollen und dabei in seiner Vollmacht all die Heilstaten des Messias weiterführen werden. Es handelt sich also sozusagen um eine „Generalprobe“, die vorübergehend ist.
Jesus bevollmächtigt sie noch nicht zu allem, was dann später noch folgen wird, z.B. kommt die Sündenvergebung erst nach seiner Auferstehung. Er bevollmächtigt sie aber jetzt schon zum Exorzismus und zur Krankenheilung.
Wenn Jesus in Vers 3 seine Apostel dazu aufruft, keinen Wanderstab und keine Vorratstasche mitzunehmen, möchte er damit vermitteln: Ihr sollt ganz auf die Vorsehung Gottes vertrauen. Euch soll es zuerst um das Reich Gottes gehen, alles Andere wird euch dazugegeben. Sie sollen deshalb kein Brot, keine Vorratstasche oder Geld mitnehmen. Sie sollen darauf vertrauen, dass Gott ihnen das alles durch andere Menschen geben wird. Dadurch vollziehen seine Apostel für die Menschen eine prophetische Zeichenhandlung. So wie Jesus alles, was er verkündet, auch an seinem Leben verdeutlicht, so sollen seine Nachfolger ebenfalls an ihrer Lebensführung das Verkündete lebendig werden lassen. So können die Menschen an ihrer Person das Gesagte ablesen und werden es als authentisch annehmen.
Sie sollen zudem in dem Haus bleiben, in das sie einkehren. Das soll heißen, dass sie nicht schauen sollen, wo es angenehmer ist. Sie sollen dankbar annehmen, was ihnen angeboten wird.
Wenn man sie an dem Ort aber nicht annimmt, also ihre Botschaft nicht annimmt, sollen sie diesen Ort verlassen und selbst den Staub abschütteln. Sie sollen nicht mehr zurückschauen oder sich an den Ort gebunden fühlen. Wenn man sie nicht möchte, sollen sie stattdessen dorthin gehen, wo das Evangelium angenommen wird. Dieses Abschütteln des Staubs hat noch eine andere Bedeutung, die uns heutzutage nicht mehr so vor Augen steht. Es war nämlich eine Geste der Gerichtsankündigung. Damit wird also ausgesagt: Ihr sollt das Richten Gott überlassen, der mit ihnen tun wird, wie er es für richtig hält. Ihr sollt nicht verurteilen, sondern es Gott überlassen. Nehmt den Segen mit zu jenen, die ihn annehmen.

Gottes Weisung ist für die ganze Menschheit gedacht. Es geht aber nicht mehr um das geschriebene Wort Gottes, die Torah. Vielmehr ist Gott nun bereit, sich den Menschen selbst als Person hinzugeben. Was die Apostel verkünden, was sie an Heilstaten vollbringen, tun sie im Namen Jesu, der die fleischgewordene Torah ist. Er ist die Wahrheit und vertreibt jede Lüge. Das Heil, das Gott zu spenden bereit ist, ist mehr wert als Gold und Silber. Es eröffnet allen Menschen das ewige Leben, wenn sie sich für Gott entscheiden.

Heute begehen wir den Gedenktag des Hl. Pater Pio von Pietrelcina. Er ist wirklich ein Mensch, an dessen Leben und Person wir die Güte Gottes deutlich ablesen können, so sehr, dass er sogar die Wundmale Christi bekommen hat. So sehr hat er sich mit dieser fleischgewordenen Weisung Gottes, Jesus Christus vereint. Ihm hat Gott zudem das Charisma der Seelenschau geschenkt. Er hat die Lüge des Menschen mit einem Blick durchschaut und so viele Seelen zu einer guten Beichte verholfen. Möge Gott uns auf seine Fürsprache die Gnade verleihen, stets das Gute zu tun und das Böse zu meiden.

Ihre Magstrauss

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