Donnerstag der 25. Woche im Jahreskreis

Koh 1,2-11; Ps 90,3-4.5-6.12-13.14 u. 17; Lk 9,7-9

Koh 1
2 Windhauch, Windhauch, sagte Kohelet, Windhauch, Windhauch, das ist alles Windhauch.

3 Welchen Vorteil hat der Mensch von all seinem Besitz, für den er sich anstrengt unter der Sonne?
4 Eine Generation geht, eine andere kommt. Die Erde steht in Ewigkeit.
5 Die Sonne, die aufging und wieder unterging, atemlos jagt sie zurück an den Ort, wo sie wieder aufgeht.
6 Er weht nach Süden, dreht nach Norden, dreht, dreht, weht, der Wind. Weil er sich immerzu dreht, kehrt er zurück, der Wind.
7 Alle Flüsse fließen ins Meer, das Meer wird nicht voll. Zu dem Ort, wo die Flüsse entspringen, kehren sie zurück, um wieder zu entspringen. 8 Alle Dinge sind rastlos tätig, kein Mensch kann alles ausdrücken, nie wird ein Auge satt, wenn es beobachtet, nie wird ein Ohr vom Hören voll.
9 Was geschehen ist, wird wieder geschehen, was getan wurde, wird man wieder tun: Es gibt nichts Neues unter der Sonne.
10 Zwar gibt es bisweilen ein Ding, von dem es heißt: Sieh dir das an, das ist etwas Neues – aber auch das gab es schon in den Zeiten, die vor uns gewesen sind.
11 Nur gibt es keine Erinnerung an die Früheren und auch an die Späteren, die erst kommen werden, auch an sie wird es keine Erinnerung geben bei denen, die noch später kommen werden.

In der Lesung hören wir heute einen Abschnitt aus dem Buch Kohelet. Es ist geschrieben von König Salomo, der als Weisheitslehrer hier zum Realismus neigt. In diesem Buch betrachtet er die Vergänglichkeit des irdischen Daseins. Manche bewerten seine Worte hier als Pessimismus und Skeptizismus, andere wiederum erkennen eine heitere Gelassenheit gegenüber der Dinge, die man nicht ändern kann. Eines ist klar – es ist ein anderer Salomo als noch zu Beginn seiner Regierungsjahre. Womöglich vom Leben gezeichnet, denn er hat durch seine vielen Frauen viele Sünden begangen und ist unglücklich geworden, hat er einen anderen Blick auf das Leben als im jungen Alter.
So beginnt er seine Worte mit dem Ausruf „Windhauch, Windhauch“, um die Vergänglichkeit des Lebens zusammenzufassen. Ein Wehen, schon ist es vorbei. Was bringt es dem Menschen, viel irdischen Besitz anzuhäufen? Er selbst hat ein prunkvolles Königreich aufgebaut, sodass die Herrscher anderer Reiche dieses sogar wertschätzen und loben. Doch der Segen Gottes ist von ihm gewichen, weil er den vielen Götzen seiner Frauen geopfert hat. Es hat ihn unglücklich gemacht.
Der Tod ist allgegenwärtig. Keiner lebt für immer, sondern Menschen sterben, andere werden geboren. Es ist ein unaufhörlicher Kreislauf. Die Menschen kommen und verlassen die Erde, doch die Erde besteht ewig. Das ist eine Vorstellung jener Zeit, bevor apokalyptische Vorstellungen eines Weltenabbruchs vor allem durch die Propheten der Exilszeit aufkommen. Und eine solche Vorstellung besitzen auch wir Christen, denn in der Johannesoffenbarung wird es ebenso beschrieben. Gott wird die Schöpfung wieder auseinanderfallen lassen, nur um einen neuen Himmel und eine neue Erde zu schaffen.
Wie es typisch ist für weisheitliche Texte, verwendet er viele Beispiele aus der Schöpfung, um die Vergänglichkeit des Lebens zu vertiefen: Die Sonne nimmt täglich den Weg von Ost nach West, sie geht auf und unter, „atemlos jagt sie zurück an den Ort, wo sie wieder aufgeht.“ Das ist natürlich bildlich gemeint, denn weder bewegt die Sonne sich, noch hat sie einen Atem. Es ist die Beobachtung und Verbildlichung der Schöpfung. Es ist ein festes Naturgesetz, das sich nicht ändert. Oder hat die Sonne jemals versäumt, aufzugehen?
Der Wind weht in die verschiedenen Himmelsrichtungen, kehrt sozusagen zurück, wenn er in die entgegengesetzte Richtung weht. Die Flüsse münden ins Meer, ohne es zum Überfließen zu bringen. Vielmehr kommt das Wasser wieder am Ursprung an, sodass die Flüsse nicht mehr aufhören, zu sein. Wir würden nach heutigem Wissensstand erklären, dass es den Kreislauf von Verdunstung, Kondensation und Wolkenbildung sowie Niederschlag darstellt, weshalb das Wasser wieder in den Flüssen landet. Aber hier geht es nicht um wissenschaftliche Erklärungen, sondern um Beobachtungen der Schöpfung aus Sicht des Königs. Die ganze Schöpfung ist in Bewegung, „rastlos tätig“, die Naturgesetze sorgen für eine wunderbare Ordnung. Und doch erschöpft sich die Schöpfung nicht. Als Beispiel bringt der König das Gehör, das nie zuende gehört hat.
Und weil alles eine Dynamik besitzt, wiederholt sich auch die Geschichte. Was einmal geschehen ist, wird irgendwann wieder geschehen. „Es gibt nichts Neues unter der Sonne“ ist eine tiefe Weisheit. Die ganze Weltgeschichte wimmelt von Déjà vus, auch wenn es uns nicht immer auffällt. Schließlich gibt es so viele Menschen, die im Grunde dieselben Erfahrungen machen. Wir kennen einander aber nicht alle. Und doch sehen wir an historischen und politischen Entwicklungen, dass sich alles irgendwann wiederholt. Das hängt auch damit zusammen, dass der Mensch aufgrund der Erbsünde oft unfähig ist, aus seinen Fehlern zu lernen. Er vergisst die dunklen Zeiten der Geschichte, sodass diese von vorne beginnen. Was in heutiger Zeit geschieht, ist ein wunderbares Beispiel dafür…Auch die Beichtväter können ein Lied davon singen, dass es nichts Neues unter der Sonne gibt. Sie hören immer wieder dieselben Sünden, vielleicht in verschiedenen Variationen, aber doch im Kern gleich. Es gibt irgendwann nichts mehr, was sie nicht schon einmal gehört haben. Psychiater und Therapeuten ergeht es wohl ähnlich. Und wenn es auf den ersten Blick doch anders erscheint – beim zweiten Blick erkennen wir oft, dass es schon früher einmal so etwas gab.
Auch König Salomo spricht vom Vergessen des Geschehenen: Weil wir die Vergangenheit vergessen oder vieles in den kommenden Generationen einfach nicht mehr bekannt ist, wird es sich wiederholen, obwohl wir denken, es sei neu.
Das ist das irdische Dasein. Und wir mittendrin.

Ps 90
3 Zum Staub zurückkehren lässt du den Menschen, du sprichst: Ihr Menschenkinder, kehrt zurück!

4 Denn tausend Jahre sind in deinen Augen wie der Tag, der gestern vergangen ist, wie eine Wache in der Nacht.
5 Du raffst sie dahin, sie werden wie Schlafende. Sie gleichen dem Gras, das am Morgen wächst:
6 Am Morgen blüht es auf und wächst empor, am Abend wird es welk und verdorrt.
12 Unsere Tage zu zählen, lehre uns! Dann gewinnen wir ein weises Herz.

13 Kehre doch um, HERR! – Wie lange noch? Um deiner Knechte willen lass es dich reuen!
14 Sättige uns am Morgen mit deiner Huld! Dann wollen wir jubeln und uns freuen all unsre Tage.
17 Güte und Schönheit des Herrn, unseres Gottes, sei über uns! Lass gedeihen das Werk unserer Hände, ja, das Werk unserer Hände lass gedeihn!

Als Antwort auf die sehr nachdenkliche Lesung beten wir Psalm 90. Er ist deshalb besonders, weil er Mose zugeschrieben wird. Es handelt sich um einen Klagepsalm, der die Vergänglichkeit des Menschen beklagt.
Zunächst kommen Aussagen, die uns an die Lesung erinnern, weil sie die Beschränktheit des irdischen Lebens betrachten.
„Zum Staub zurückkehren lässt du den Menschen, du sprichst: Ihr Menschenkinder, kehrt zurück!“ Das drückt den Kreislauf des Lebens gut aus, denn laut Schöpfungsbericht ist der Mensch ja aus dem Ackerboden geschaffen worden. Deshalb heißt er ja auf Hebräisch auch Adam. Es leitet sich von dem Wort Adamah ab, das „Ackerboden“ heißt.
„Tausend Jahre sind in deinen Augen wie der Tag, der gestern vergangen ist, wie eine Wache in der Nacht.“ Die Nachtwachen dauern laut jüdischer Zählung um die vier Stunden im Gegensatz zur römischen Zählung von drei. Das hängt damit zusammen, dass die Juden die Nacht in drei Phasen aufteilen. Bei Gott gibt es keine Zeit. Er lebt in der Ewigkeit und die Kategorie der Zeit gehört zum Bereich der Schöpfung. Bei Gott ist Timing also ganz anders als bei den Menschen. Das erkennt schon Mose, auch wenn er noch nicht so viele eschatologische Betrachtungen anstellt.
Das Leben des Menschen ist schnell vorbei, es ist wie mit dem Gras, das schnell wächst, aber auch schnell verdorrt. Mose vergleicht den Tod mit dem Schlaf. Wer gestorben ist, wird wie ein Schlafender. Diese Tradition zieht sich durch die gesamte Bibel, soweit dass sogar Paulus von den Entschlafenen spricht und die Auferstehung Jesu von den Toten „Auferweckung“ genannt wird.
Mit Vers 12 erreichen wir den Kern des Psalms, denn er beinhaltet die zentrale Bitte an Gott: „Unsere Tage zu zählen, lehre uns! Dann gewinnen wir ein weises Herz.“ Gott möge den Israeliten damals wie uns Christen heute die Gnade schenken, das Leben bewusst zu leben. Jesus nennt es „wachsam sein“ und nüchtern bleiben statt berauscht von der Weltlichkeit der Welt. Wir sollen immer so leben, als wäre es unser letzter Tag. Dann werden wir ihn bewusst durchleben und uns von Herzen um ein Leben nach den Geboten bemühen. Wir sollen nicht so dahinvegetieren, als gebe es kein Morgen, perspektivlos und unmotiviert. Wir sollen stets sinnerfüllt leben. Wenn Gott uns seine Weisheit schenkt, wird unser Herz weise. Diese Weisheit ist ewig und vollkommen, weil sie eine Gabe Gottes darstellt.
„Kehre doch um, HERR! – Wie lange noch? Um deiner Knechte willen lass es dich reuen!“ Gott soll nicht umkehren wie ein Mensch im Sinne einer Bekehrung von den Sünden. Gott ist vollkommen und heilig, er ist nur gut. Aber er soll sein Angesicht den Israeliten wieder zuwenden. Mose betet diese Worte wohl im Kontext eines Leidens aufgrund der Sünden des Volkes. Wir verstehen heute, dass nicht Gott sein Angesicht von uns abwendet, sondern der Mensch sich von ihm entfernt. Gott muss nichts „bereuen“, weil das eine Eigenschaft ist, die sündige Menschen haben können, nicht der heilige Gott. Das ist eine menschliche Sichtweise auf Gott, die ihrer Zeit geschuldet ist. Wir erkennen an so einer Bibelstelle, dass es auch menschliche Einflüsse gibt, viele Anthropomorphismen, Gottesbilder aus Sicht von Menschen einer bestimmten Zeit und Kultur.
„Sättige uns am Morgen mit deiner Huld“ – Gott soll dem Israeliten Segen verleihen für den Tag. Das gilt auch für uns heute. Wenn wir den Morgen mit einer guten Meinung begehen und alles im Laufe des Tages Gott zur Ehre und in seiner Gegenwart tun, dann wird es geheiligt und gereinigt. Dann erfüllt es unseren Tag mit Sinn. Dann leben wir so, dass wir die Beschränktheit unseres Lebens stets vor Augen haben. Und wenn Gottes Segen über allem steht, dann ist der Mensch zeitlebens glücklich. Von Gott hängt ab, ob das Werk unserer Hände gedeiht, Früchte trägt, etwas Gutes bringt. Wir können wirklich zusammenfassen: An Gottes Segen ist alles gelegen.

Lk 9
7 Der Tetrarch Herodes hörte von allem, was geschah, und wusste nicht, was er davon halten sollte. Denn manche sagten: Johannes ist von den Toten auferstanden.

8 Andere meinten: Elija ist erschienen. Wieder andere: Einer der alten Propheten ist auferstanden.
9 Herodes aber sagte: Johannes habe ich enthaupten lassen. Wer aber ist dieser, von dem man mir solche Dinge erzählt? Und er hatte den Wunsch, ihn zu sehen.

Heute hören wir in dem kurzen Abschnitt aus dem Lukasevangelium von König Herodes. Es ist so, dass Jesu Wirken im ganzen Heiligen Land Wellen schlägt und die Nachricht von seinen Heilstaten sich wie ein Lauffeuer verbreitet. So dringt es vor bis zum Tetrarchen. Er hört von Jesu Machttaten und von den Gerüchten, er sei der auferstandene Täufer, den er hatte hinrichten lassen. Bei Herodes handelt es sich um eine zutiefst gespaltene Person. Einerseits mochte er den Täufer, andererseits beunruhigte dieser ihn. Mit dessen Tod konnte er sein inneres Dilemma wohl kurzzeitig ein wenig verdrängen, doch nun kommt alles wieder hoch.
Jesus wird von den Menschen unterschiedlich bewertet, weshalb die Gerüchte in ganz unterschiedliche Richtungen verlaufen. Die einen setzen Jesus mit Johannes den Täufer in Beziehung, wiederum andere sehen in Jesus einen Propheten wie jene aus dem Alten Testament. Gerade Elija, so die jüdische Vorstellung, werde kurz vor dem kommenden Gottesgericht wiederkommen und dem Messias den Weg bereiten. Während die einen Johannes den Täufer als wiedergekommenen Elija identifiziert hatten, ziehen wiederum andere Jesus als den wiedergekommenen Propheten in Betracht.
Herodes hört von diesen ganzen Spekulationen und wird neugierig. Seine innere Offenheit, die Heilsgestalten seiner Zeit anzuhören, ist auch mit dem Tod des Johannes nicht verschwunden. So möchte er Jesus treffen.
An dem heutigen Abschnitt ist bemerkenswert, dass hier das Thema des Déjà vus aufgegriffen wird. Alles wiederholt sich. Elija kommt wieder und das schließt seine Botschaft mit ein. Wieder erhält der König die Chance, auf die Worte einer wichtigen Person zu hören, diesmal sogar von Gott selbst.

Nutzen wir die Chancen, die Gott uns heute schenkt. Und denken auch wir heute daran, dass unser Leben schnell vorüber geht. Sagen wir nicht „ach, ich kann noch morgen umkehren, heute genieße ich mein Leben“. Morgen kann es schon vorbei sein. Und wenn wir vom Schlafen in die Auferweckung kommen möchten, müssen wir in diesem Leben stets wachsam sein. Dann haben wir Segen und werden sinnerfüllt und glücklich ein irdisches Leben führen.

Ihre Magstrauss

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s