Freitag der 25. Woche im Jahreskreis

Koh 3,1-11; Ps 144,1au. 2abc.3-4; Lk 9,18-22

Koh 3
1 Alles hat seine Stunde. Für jedes Geschehen unter dem Himmel gibt es eine bestimmte Zeit:

2 eine Zeit zum Gebären und eine Zeit zum Sterben, eine Zeit zum Pflanzen und eine Zeit zum Ausreißen der Pflanzen,
3 eine Zeit zum Töten und eine Zeit zum Heilen, eine Zeit zum Niederreißen und eine Zeit zum Bauen,
4 eine Zeit zum Weinen und eine Zeit zum Lachen, eine Zeit für die Klage und eine Zeit für den Tanz;
5 eine Zeit zum Steinewerfen und eine Zeit zum Steinesammeln, eine Zeit zum Umarmen und eine Zeit, die Umarmung zu lösen,
6 eine Zeit zum Suchen und eine Zeit zum Verlieren, eine Zeit zum Behalten/ und eine Zeit zum Wegwerfen,
7 eine Zeit zum Zerreißen/ und eine Zeit zum Zusammennähen, eine Zeit zum Schweigen und eine Zeit zum Reden,
8 eine Zeit zum Lieben und eine Zeit zum Hassen, eine Zeit für den Krieg und eine Zeit für den Frieden.
9 Wenn jemand etwas tut – welchen Vorteil hat er davon, dass er sich anstrengt?
10 Ich sah mir das Geschäft an, für das jeder Mensch durch Gottes Auftrag sich abmüht.
11 Das alles hat er schön gemacht zu seiner Zeit. Überdies hat er die Ewigkeit in ihr Herz hineingelegt, doch ohne dass der Mensch das Tun, das Gott getan hat, von seinem Anfang bis zu seinem Ende wiederfinden könnte.

In der heutigen Lesung aus dem Buch Kohelet hören wir Salomos Ausführungen über die Zeit. Seine zentrale Aussage in diesen Versen lautet: „Alles hat seine Stunde.“ Dies betrifft das irdische Dasein, denn dort stellt die Zeit eine wichtige Kategorie dar. Bei Gott gibt es dagegen keine Zeit. Er hat sie geschaffen, doch als Schöpfer ist er nicht in seine Schöpfung eingebunden.
So nennt Salomo nun verschiedene Begriffspaare, die oft Gegenteilpaare darstellen:
gebären und sterben, pflanzen und ernten, töten und heilen, niederreißen und bauen, weinen und lachen, klagen und tanzen. Das Leben ist dynamisch, weil es eben solche und solche Zeiten gibt. Wir sehen kreatives und destruktives nebeneinander, die Freude und das Leid. Diese Ambivalenz ist dabei nicht, wie Gott die Welt geschaffen hat. Ursprünglich sollte es nichts Destruktives oder Leidvolles geben. Doch durch die Sünde ist diese Gespaltenheit in die Schöpfung gekommen. Sie ist gefallen.
Und so sind auch einige der weiteren Begriffspaare zu verstehen: Steinewerfen, Steinesammeln, umarmen, Umarmung lösen, suchen und verlieren, behalten und wegwerfen, zerreißen und zusammennähen, schweigen und reden, lieben und hassen, Krieg und Frieden. Sie spiegeln die Zerrissenheit der Schöpfung wider, aber es gibt auch Begriffspaare, die zeigen, dass alles einmal ein Ende hat: So kann eine Umarmung nicht ewig anhalten und die Menschen können sich nicht ewig anschweigen. Alles in dieser Welt hat einmal ein Ende. Aber in Gottes Herrlichkeit herrscht die Ewigkeit. In der gefallenen Schöpfung gibt es Kreatives – das heißt Schöpferisches, doch es gibt auch Zerstörerisches. Dadurch wird der Neuaufbau immer wieder notwendig. Bei Gott gibt es nichts Zerstörerisches. Er muss diese gefallene Welt irgendwann beenden und abbauen, um eine neue Schöpfung zu errichten, aber das Himmelreich ist davon nicht betroffen. Während es in unserer Welt zugleich Liebe und Hass gibt, weil das erste Menschenpaar gesündigt hat, herrscht bei Gott allein die Liebe. Dort wird nicht mit Steinen geworden, dort herrscht auch kein Krieg, denn Gottes Gegenwart ist der wahre Frieden.
Salomo sagt das alles, um zu zeigen, dass man nichts erzwingen sollte und akzeptieren muss, dass es für all diese Aspekte eine Zeit gibt. Der Mensch kann es nicht krampfhaft ändern, denn dazu fehlt ihm die Kompetenz. In seinem Realismus stellt er die Frage, wofür man sich eigentlich so sehr anstrengt, wenn sowieso alles ein Ende hat. Man hat keinen Vorteil, über die eigenen Kräfte hinaus etwas anzugehen. Es endet genauso wie alle anderen Dinge.
Die Zeiten für alle oben aufgezählten Dinge und darüber hinaus hat Gott festgelegt. Er selbst hat ein bestimmtes Timing in seiner Heilsgeschichte und dieses ist immer vollkommen. Der Mensch kann Gottes Timing und Zeitvorgaben nur manchmal nicht durchschauen. Er hat einen gebrochenen Blick und kann der Transzendenz Gottes auch nicht nachkommen. Gott bleibt in seiner Vorsehung stets Geheimnis und was wir von ihm wissen, hat er uns selbst offenbart.

Ps 144
1 Von David. Gepriesen sei der HERR, mein Fels,
2 Er, meine Huld und meine Festung, meine Burg und mein Retter, mein Schild, dem ich vertraue,
3 HERR, was ist der Mensch, dass du ihn wahrnimmst, des Menschen Kind, dass du es beachtest?
4 Der Mensch gleicht einem Hauch, seine Tage sind wie ein flüchtiger Schatten.

Als Antwort beten wir den Lobpreispsalm 144. David preist zunächst Gottes Macht und Schutz. Dabei nennt er ihn seinen Fels, seine Huld und Burg. Nicht umsonst wird Jesus das Bild des Felsens aufgreifen, wenn er den Gehorsam gegenüber den Geboten Gottes als „Bauen auf Felsen“ bezeichnet und Petrus zum Felsen seiner Kirche beruft. Ein Fels bietet Stabilität und trotzt der Witterung. Er bietet Schutz vor der Hitze des Tages und der Kälte des Windes. Er speichert Wärme und hält den Menschen warm, der in der Felsspalte Schutz sucht. Gerade König David musste sich oft auf diese Weise verstecken, weil viele Menschen ihm nach dem Leben getrachtet haben. Gott ist für David auch seine Burg. Als König und Feldherr ist dieses Bild besonders zugänglich für ihn. Eine Burg soll nämlich vor Feinden beschützen. Und davon hatte David viele. Er hat aber einen Feind kennengelernt, den er nicht besiegt hat im Gegensatz zu den vielen militärischen Erfolgen. Und das ist der Widersacher Gottes, der mit spirituellen Waffen zuschlägt. David ist in die Falle getappt und hat schwer gesündigt. Und doch ist Gott seine Burg auch im spirituellen Sinne. Wenn man innig mit ihm verbunden ist, wird er nicht zulassen, dass der Mensch ganz und gar vom Weg abkommt. Auf Gott kann der König ganz vertrauen, wie seine Erfolge ihm bewiesen haben. Der Herr ist ihm wirklich ein Schild, auf das er vertrauen kann.
Und dann greift David Aspekte auf, die wir schon in der Lesung gehört haben: Der Mensch ist vergänglich und der Zeit unterworfen. Er ist ein Hauch, der verweht, und ein flüchtiger Schatten. Und doch ist Gott bereit, alles zu tun, um den Menschen zu beschützen, als ob er der einzige Mensch auf der Welt wäre! David bestaunt diese Hingabe Gottes an jeden Einzelnen. Seine Stärke besteht in der Demut und dem realistischen Selbstblick. Er schaut nüchtern auf sich und steht zu seiner Erlösungsbedürftigkeit. Umso mehr erstaunt ihn die Aufmerksamkeit, die Gott den Menschen schenkt, die es menschlich gedacht gar nicht verdienen.

Lk 9
18 Und es geschah: Jesus betete für sich allein und die Jünger waren bei ihm. Da fragte er sie: Für wen halten mich die Leute?

19 Sie antworteten: Einige für Johannes den Täufer, andere für Elija; wieder andere sagen: Einer der alten Propheten ist auferstanden.
20 Da sagte er zu ihnen: Ihr aber, für wen haltet ihr mich? Petrus antwortete: Für den Christus Gottes.
21 Doch er befahl ihnen und wies sie an, es niemandem zu sagen.
22 Und er sagte: Der Menschensohn muss vieles erleiden und von den Ältesten, den Hohepriestern und den Schriftgelehrten verworfen werden; er muss getötet und am dritten Tage auferweckt werden.

Jesus ist im heutigen Evangelium im Gebet und seine Jünger sind bei ihm. Als er sie fragt, für wen die Leute ihn halten, fassen sie die Gerüchteküche um Jesu Identität zusammen: Er sei Johannes der Täufer, Elija oder einer der alten Propheten.
Das ist teilweise sehr sinnlos und unlogisch, denn Johannes der Täufer war ja zusammen mit Jesus zu sehen. Wie kann Jesus also zugleich der Täufer sein? Die Elija-Frage ergibt als logische Konsequenz der Täufer-Aussage Sinn, denn Johannes ist als wiedergekommener Elija vermutet worden. Jesu Heilstaten lassen dies vermuten, denn er tut einige der von Elija bekannten Heilstaten. Wir merken hier, wie Gerüchte funktionieren: Ob sie überhaupt Sinn ergeben, wie hoch der Wahrheitsgehalt ist, spielt eine untergeordnete Rolle. Das Sensationelle daran erhält das Gerücht am Leben.
Dass Jesus ihnen die Frage überhaupt gestellt hat, ist eine Hinführung zu seiner eigentlichen Frage: Für wen haltet IHR mich?
Petrus ist wie so oft der erste, der sich zu Wort meldet. Dass er so schnell die treffende Antwort gibt, zeigt sein geisterfülltes Sprechen: Für den Christus Gottes. Das ist keine Schlussfolgerung aufgrund von logischem Nachdenken. Dies hätte mehr Zeit beansprucht. Es handelt sich um etwas, wofür ihm der Hl. Geist die Augen des Herzens geöffnet hat. Wie sonst kann ein ungebildeter Fischer aus Galiläa eine solch tiefe Wahrheit erkennen, wenn nicht aus dem Geist Gottes heraus?
Wie die Nachgeschichte des Messiasbekenntnisses ist, erfahren wir bei Lukas nicht, das erzählt uns dafür Matthäus sehr ausführlich. Stattdessen wird hier nur erwähnt, dass Jesus seinen Jüngern verbietet, seine Identität anderen Menschen preiszugeben. Zum Messiasgeheimnis habe ich schon oft etwas gesagt – es hat pragmatische Gründe, denn Jesus kann nicht auf halbem Wege bereits verhaftet und hingerichtet werden. Sein Werk ist noch nicht vollenden. Es hat zudem den viel tiefer gehenden Grund, dass die Menschen es von selbst erkennen sollen, indem er ihnen viele messianische Signale gibt.
Zum Ende hin erfolgt eine Leidensankündigung wie auch in der Matthäusversion. Wie Petrus sich dagegen sträubt und wie heftig Jesus darauf reagiert, wird uns bei Lukas nicht berichtet. Jesus erklärt den Jüngern, dass er von den Hohepriestern und Schriftgelehrten hingerichtet werde, aber am dritten Tag auferstehen werde. Das mag für die Jünger alles noch unglaublich oder unverständlich geklungen haben, doch im Nachhinein werden sie alles verstehen.

Heute offenbart sich Gott wirklich als ein leidenschaftlich Liebender, der alles gibt, um jeden Menschen zu behandeln wie den Einzigen auf der Welt. Er ist bereit, zu sterben und aufzuerstehen, damit die gesamte Menschheit gerettet werde. Das macht seine verschwenderische Liebe aus. Mit menschlicher Logik ist das nicht zu verstehen, weil wir „wirtschaftlich“ denken nach dem Motto „lohnt es sich, alles zu geben? Werde ich auch alles wieder zurückbekommen?“ Der Mensch ist so ein unvollkommenes und begrenztes Wesen, weil er eine gefallene Natur ist. Und doch ist Gott bereit, zu geben, was er rein mathematisch gesehen nicht verdient hat. So groß ist Gottes Gnade! Lassen wir uns täglich davon berühren, damit wir stets dankbar für alles sind, was er uns immer schenkt!

Ihre Magstrauss

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