Freitag der 28. Woche im Jahreskreis

Eph 1,11-14; Ps 33,1-2.4-5.12-13; Lk 12,1-7

Eph 1
11 In ihm sind wir auch als Erben vorherbestimmt nach dem Plan dessen, der alles so bewirkt, wie er es in seinem Willen beschließt;

12 wir sind zum Lob seiner Herrlichkeit bestimmt, die wir schon früher in Christus gehofft haben.
13 In ihm habt auch ihr das Wort der Wahrheit gehört, das Evangelium von eurer Rettung; in ihm habt ihr das Siegel des verheißenen Heiligen Geistes empfangen, als ihr zum Glauben kamt.
14 Der Geist ist der erste Anteil unseres Erbes, hin zur Erlösung, durch die ihr Gottes Eigentum werdet, zum Lob seiner Herrlichkeit.

In der heutigen Lesung hören wir wieder einen Ausschnitt aus dem Epheserbrief. Es endete mit einigen Versen des Brief-Proömiums. Heute geht es weiter damit. Man muss hier anmerken, dass das Proömium dieses Briefes besonders ausführlich ist. Ab Vers 15 beginnt die zweite Hälfte, die bis Vers 23 geht und vom Lobpreis in ein Fürbittgebet übergeht. Hier bewegen wir uns aber noch in dem ersten, lobpreisenden Teil.
„In ihm“ bezieht sich auf Christus, dem Haupt, der zuvor genannt worden ist. In Christus sind die Getauften also als Erben vorherbestimmt. Das liegt daran, dass durch Christi Erlösungswirken der Neue Bund geschlossen worden ist. Und mit diesem Bundesschluss sind die Getauften zu Erben im Reiche Gottes eingesetzt worden. Das alles ist aber nicht willkürlich, sondern „nach dem Plan dessen, der alles so bewirkt, wie er es in seinem Willen beschließt.“ Gott hat diesen Heilsplan für alle Menschen vorgesehen, aber es liegt an jedem Einzelnen, dieser Berufung zur Erbschaft des Himmels zuzustimmen oder sie abzulehnen.
„Wir sind zum Lob seiner Herrlichkeit bestimmt, die wir schon früher in Christus gehofft haben.“ Das Lob der Herrlichkeit Gottes ist ein Ausdruck für den vorläufigen Lobpreis auf Erden, aber vor allem für den ewigen Lobpreis des Himmels. Alle Menschen sind dazu berufen, den Herrn im Himmelreich auf ewig zu lobpreisen. Hier geht es Paulus aber um jene, die schon früher in Christus gehofft haben, also die Juden. Denn diese haben jahrhundertelang auf den Messias gewartet. Diese sind also zum Lobpreis bestimmt, aber nicht nur sie, denn es heißt sofort im nächsten Vers: „In ihm habt auch ihr das Wort der Wahrheit gehört, das Evangelium von eurer Rettung“. Nicht nur jene, die zuvor Juden waren, sollen gerettet werden durch den Neuen Bund, sondern auch jene, die zuvor Heiden waren. Das universale Heil ist auf der Höhe der Zeit verkündet worden.
Paulus spricht vom „Siegel des verheißenen Heiligen Geistes“, den die Epheser empfingen, als sie zum Glauben kamen. Das ist für uns ein wichtiges Bild für die Taufe, das bis heute in der Tauftheologie verwendet wird und auch ins Kirchenrecht eingegangen ist. Dem Menschen wird ein unauslöschliches Siegel aufgedrückt durch den Hl. Geist, der in dessen Herz eingegossen wird. Der Geist Gottes setzt auf diese Weise den Menschen, der neugeboren wird, als Erben des Reiches Gottes ein. Durch Pauli Aussage wird uns etwas Entscheidendes vermittelt: Wer nicht zum Glauben an Jesus Christus gekommen ist, kann nicht getauft werden. Die Taufe ist sakramentales Zeichen dieses Glaubens.
Paulus bringt noch ein weiteres Bild ins Spiel, nämlich das des Unterpfands: Es ist so, dass das griechische Wort für „Anteil“, wie es die Einheitsübersetzung übersetzt ἀρραβὼν arrabon eigentlich so viel bedeutet wie Pfand, das eine Garantie oder Bürgschaft bedeutet. Wenn wir getauften Christen also den Geist Gottes in unserem irdischen Dasein erfahren, ist dieser so ein Pfand, das uns erahnen lässt, was uns nach dem Tod erwartet, insofern wir die Taufgnade bis zum Schluss aufrecht erhalten. Der Hl. Geist in unserem Leben mit seinen reichen Früchten und Manifestationen ist also schon eine Anzahlung des Erbes, das wir dann antreten. Zum Schluss bringt Paulus noch ein weiteres Bild ins Spiel: Die Getauften werden zu Gottes Eigentum. In der Antike ist es üblich, dass Gegenstände oder Vieh mit einem Siegel als Eigentum markiert hat. Wenn der Geist Gottes in der Taufe den Menschen also besiegelt – und uns muss bewusst sein, dass zu Anfang Taufe UND Firmung in einem Sakrament gespendet wurden, bis heute also auch die Firmung als Besiegelung! – dann markiert er diesen als sein Eigentum. Wir sind aber kein Vieh oder Ding, keine Objekte Gottes, sondern es ist ein Bild, das natürlich unzureichend ist. Wir werden sein Eigentum, ohne dass er uns unterdrückt oder ausnimmt. Wir dürfen ihm auf Augenhöhe begegnen. Das macht die Liebesbeziehung zwischen Gott und den Menschen aus.
Bei all den Bildern, die Paulus anführt, muss man sie stets als das betrachten, was sie sind – Bilder. Gott und seine wunderbare Gnade ist noch viel viel größer und ganz anders als die Vergleiche und Metaphern, die wir dafür heranziehen. Das muss uns immer bewusst sein.

Ps 33
1 Jubelt im HERRN, ihr Gerechten, den Redlichen ziemt der Lobgesang.

2 Preist den HERRN auf der Leier, auf der zehnsaitigen Harfe spielt ihm!
4 Denn das Wort des HERRN ist redlich, all sein Tun ist verlässlich.

5 Er liebt Gerechtigkeit und Recht, erfüllt von der Huld des HERRN ist die Erde.
12 Selig die Nation, deren Gott der HERR ist, das Volk, das er sich zum Erbteil erwählt hat.

13 Der HERR blickt herab vom Himmel, er sieht alle Menschen.

Der Psalm, den wir als Antwort auf den Epheserbrief beten, reflektiert Gottes Heilsplan, um den es ja in der Lesung bereits ging.
Wie so oft erfolgt zu Anfang eine Aufforderung zum Lob („Jubelt im HERRN“). Die Aufforderung umfasst sogar die Begleitung des Lobgesangs mit Instrumenten („auf der Leier, auf der zehnsaitigen Harfe“). Dies beteten wir gestern bereits in einem anderen Psalm.
Das Wort und die Tat Gottes sind verlässlich. Gott ist treu und hält sich an seine Versprechen, auch wenn wir ihm untreu werden. Jesus hat seinen Aposteln angekündigt, dass sein Heil die ganze Welt erreichen wird. Es beginnt in Jerusalem und das Wachsen der Gemeinde bestätigt ihnen, dass Gott wirklich treu an ihnen handelt. Deshalb sendet der Vater den Hl. Geist jenen, die sich in seinem Namen taufen lassen. Dieser ist der Garant dafür, dass Gottes Worte wahr sind und er treu sein Versprechen hält.
Gott liebt die Gerechtigkeit und das Recht. Das ist für uns keine Drohbotschaft im Sinne eines strengen Richterbildes. Gott sorgt für Gerechtigkeit, wo wir Unrecht erleiden. Sein Recht setzt sich durch, auch wenn es in unserem Leben aktuell nicht so erscheinen mag. Das ist eine totale Trostbotschaft, gerade in Zeiten der Bedrängnis und Christenverfolgung, die noch nie so schlimm war wie heute.
„Selig die Nation, deren Gott der HERR ist, das Volk, das er sich zum Erbteil erwählt hat.“ Wir können voller Glauben sagen, was die Israeliten zur Zeit der Abfassung noch gar nicht geahnt haben bzw. erst einmal lernen mussten: Gottes Volk ist nicht mehr verbunden durch eine biologische Abstammung. Sein Volk ist nicht mehr beschränkt auf die zwölf Stämme Israels, sondern es ist ein Volk, das durch den Hl. Geist „verwandt“ ist, eine geistliche Familie! Diese übernatürliche Nation ist zusammengesetzt aus Gläubigen jeder Sprache, jeden Volkes, jeder irdischen Nation. Und diese übernatürliche Familie tritt das Erbe an.
Gott schaut vom Himmel herab und übersieht keinen. Das sagt uns zweierlei: Er ist der ganz Andere, dessen Wohnort eine andere Dimension darstellt. Zugleich hat er Anteil an unserem Dasein. Er sieht alles und weiß um alles. Er ist kein ferner Gott, der für sich lebt, isoliert von seiner Schöpfung, desinteressiert und die Schöpfung sich selbst überlassend. Das ist die deistische Illusion, für die es biblisch gesehen keine Grundlage gibt. Gott ist zwar nicht mit seiner Schöpfung gleichzusetzen, ist aber Feuer und Flamme für sie! Wäre dem nicht so, wäre er nicht so weit gegangen, selbst Mensch zu werden und unter den Menschen zu wohnen. So sehr liebt er seine Schöpfung.

Lk 12
1 Unterdessen strömten Tausende von Menschen zusammen, sodass es ein gefährliches Gedränge gab. Jesus begann zu sprechen, vor allem zu seinen Jüngern: Hütet euch vor dem Sauerteig der Pharisäer, das heißt vor der Heuchelei!

2 Nichts ist verhüllt, was nicht enthüllt wird, und nichts ist verborgen, was nicht bekannt wird.
3 Deshalb wird man alles, was ihr im Dunkeln redet, im Licht hören, und was ihr einander hinter verschlossenen Türen ins Ohr flüstert, das wird man auf den Dächern verkünden.
4 Euch aber, meinen Freunden, sage ich: Fürchtet euch nicht vor denen, die den Leib töten, danach aber nichts weiter tun können!
5 Ich will euch zeigen, wen ihr fürchten sollt: Fürchtet euch vor dem, der nicht nur töten kann, sondern die Macht hat, euch auch noch in die Hölle zu werfen! Ja, das sage ich euch: Ihn sollt ihr fürchten.
6 Verkauft man nicht fünf Spatzen für zwei Pfennige? Und doch ist nicht einer von ihnen vor Gott vergessen.
7 Bei euch aber sind sogar die Haare auf dem Kopf alle gezählt. Fürchtet euch nicht! Ihr seid mehr wert als viele Spatzen.

Im Evangelium werden viele Aspekte aufgegriffen, die wir in Lesung und Psalm betrachtet haben. Jesus ist von vielen Menschen umgeben, die sich um ihn versammeln und ihn bedrängen. Doch Jesus hat etwas zu sagen – vor allem zu seinen Jüngern.
Er warnt seine Jünger nämlich vor dem Sauerteig der Pharisäer. Das ist ein Bild, das er sonst für das Reich Gottes verwendet. Aber auch schädliches Gedankengut kann wie ein Sauerteig wirken, also einen ganzen restlichen Teig durchsäuern. Die Pharisäer haben eine schädliche Einstellung, voller Selbstgerechtigkeit und Heuchelei. Weil sie nicht wahrhaftig und demütig sind, fällt es ihnen mit solch einer Haltung schwer, umzukehren. Das ist das Gefährliche an ihnen. Und davor sollen sich die Jünger hüten, damit sie stets reumütig und umkehrbereit bleiben. Wer nicht stets selbstkritisch ist, ohne sich selbst stets schlecht zu machen im Sinne eines mangelnden Selbstwertgefühls, wird auf dem Teppich bleiben und immer wieder die Vergebung Gottes suchen. So wird man im Stand der Gnade bleiben, statt im Stand der Todsünde zu verharren. Verstocktheit wird einem dagegen am Ende zum Verhängnis. Denn man will sich selbst nicht sehen, wie man ist. Die Heuchelei der Pharisäer wird aber eines Tages aufgedeckt werden. Es gibt nichts Geheimes, was nicht eines Tages ans Tageslicht kommt. Entweder wird es in diesem Leben schon bekannt, sodass einem die große Demütigung widerfährt, oder spätestens beim Gericht Gottes wird es eine böse Überraschung geben. Denn Gott hält jedem Menschen das Leben vor, sodass keiner sich mehr verstecken kann. Wenn dann ein Verstockter und Selbstgerechter seinen eigentlichen Zustand sieht, wird es sehr sehr schmerzhaft werden….
Dann kommt Jesus zu einer anderen Sache, nämlich der Verfolgung der Jünger aufgrund ihres Glaubens: Sie werden auf regen Widerstand treffen, doch Jesus erklärt hier, dass sie keine Angst vor dem biologischen Tod haben müssen. Ihre Beziehung zu Gott und das ewige Leben bei ihm können die Menschen den Jüngern nicht nehmen. Die größere Gefahr geht vom Bösen aus, dem Widersacher, der die Menschen von Gott wegreißen will.
Jesus wendet mehrere Beispiele an, um den Aposteln zu verdeutlichen, dass Gott ganz mit ihnen ist. Sie brauchen keine Angst zu haben, weil er alles in seiner wunderbaren Vorsehung regelt. Er hat alles nach seinem Willen gemacht und erhält auch alles durch seinen Willen. Sogar um die Spatzen kümmert sich Gott, die vermeintlich billige Vögel sind. Man bekommt fünf Spatzen für zwei Pfennige. Um wie viel mehr kümmert sich Gott um die Jünger, die mehr wert sind als Spatzen! Jedes einzelne Haar auf ihren Köpfen ist gezählt. Das ist eine absolute Vertrauenszusage. Und ausgehend von diesem Verhältnis absoluter Geborgenheit können sich die Jünger dann freimütig zum Herrn bekennen. Sie wissen tief in ihren Herzen, dass sie nichts verlieren können. Und so werden sie dann nach ihrem Tod dieses innige Verhältnis fortführen, nun aber nicht mehr im Verborgenen, sondern ganz unverhüllt von Angesicht zu Angesicht mit Gott. Dass die Jünger so freimütig den Glauben an Christus bekennen können, dafür hat Gott ihnen den Hl. Geist als Garant zur Seite gestellt. Davon hat Paulus ja im Epheserbrief schon gesprochen. Dieser ist das Pfand und doch ist es schon total überwältigend, was dieser dem Menschen schenkt! Um wie viel schöner muss dann das ewige Leben sein, wenn das Wirken des Geistes in diesem Leben erst der Anfang ist…

Wenn uns unser Leben manchmal schwerfällt, denken wir daran, das der Geist Gottes uns durchtränkt und innerlich stets aufrichten will. Lassen wir es zu und nehmen wir seine unerschöpfliche Lebensquelle in Anspruch. Und denken wir stets daran: Wir können nicht tiefer fallen als in Gottes Hand. Er kennt uns durch und durch, jedes einzelne Haar. Er wird uns nicht zugrunde gehen lassen. Denn er ist der gute Gott.

Ihre Magstrauss

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