Samstag der 28. Woche im Jahreskreis

Eph 1,15-23; Ps 8,2-3.4-5.6-7; Lk 12,8-12

Eph 1
15-16 Darum höre ich nicht auf, für euch zu danken, wenn ich in meinen Gebeten an euch denke; denn ich habe von eurem Glauben an Jesus, den Herrn, und von eurer Liebe zu allen Heiligen gehört.

17 Der Gott Jesu Christi, unseres Herrn, der Vater der Herrlichkeit, gebe euch den Geist der Weisheit und Offenbarung, damit ihr ihn erkennt.
18 Er erleuchte die Augen eures Herzens, damit ihr versteht, zu welcher Hoffnung ihr durch ihn berufen seid, welchen Reichtum die Herrlichkeit seines Erbes den Heiligen schenkt
19 und wie überragend groß seine Macht sich an uns, den Gläubigen, erweist durch das Wirken seiner Kraft und Stärke.
20 Er ließ sie wirksam werden in Christus, den er von den Toten auferweckt und im Himmel auf den Platz zu seiner Rechten erhoben hat,
21 hoch über jegliche Hoheit und Gewalt, Macht und Herrschaft und über jeden Namen, der nicht nur in dieser Weltzeit, sondern auch in der künftigen genannt wird.
22 Alles hat er ihm zu Füßen gelegt und ihn, der als Haupt alles überragt, über die Kirche gesetzt.
23 Sie ist sein Leib, die Fülle dessen, der das All in allem erfüllt.

In der heutigen Passage aus dem Epheserbrief hören wir den zweiten Teil des sogenannten Proömiums. Es ist nicht mehr im lobpreisenden Duktus verfasst, sondern nun als Fürbittgebet.
Der Übergang besteht zunächst noch aus der Bemerkung, dass Paulus unaufhörlich für die Epheser dankt und für sie betet. „Denn ich habe von eurem Glauben an Jesus, den Herrn, und von eurer Liebe zu allen Heiligen gehört.“ Eigentlich kennt er die Gemeinde ja persönlich, da er eine längere Zeit in Ephesus verbracht hat. Doch was er mit dieser Aussage meint, ist ihr Verhalten seit seiner Abwesenheit. Sie haben sich auch ohne ihn bewährt und sind der ersten Liebe treu geblieben. Diese verlassen sie aber nach einigen Jahrzehnten, sodass Johannes dann in der Offenbarung kritische Worte an sie richten muss.
Daraufhin erfolgt eine Reihe von Fürbitten: „Der Gott Jesu Christi (….) gebe euch den Geist der Weisheit und Offenbarung, damit ihr ihn erkennt.“ Das könnte eine Fürbitte für alle Christen darstellen, da wir alle und zu jeder Zeit Gottes Weisheit und Offenbarung brauchen. Dass wir ihn erkennen und zum Glauben an ihn kommen können, verdanken wir seiner überreichen Gnade, die immer vorausgeht. Wir müssen diese immer wieder erbitten – für uns und die Anderen.
„Er erleuchte die Augen eures Herzens, damit ihr versteht, zu welcher Hoffnung ihr durch ihn berufen seid“ – wir dürfen das ewige Leben erlangen! Uns kann also nichts umhauen, selbst wenn jemand unser biologisches Leben rauben will! Wir denken sofort an den Tagesheiligen Ignatius von Antiochien. Er ist von Löwen zerfressen worden und hat mit Sehnsucht das Martyrium angenommen. So sehr war er von dieser österlichen Hoffnung erfüllt! Er schreibt: „Freuen will ich mich auf die Tiere, die für mich bereit gehalten werden, und ich bete, dass sie sich scharf gegen mich zeigen; ich will sie noch locken, dass sie mich sogleich aufzehren, nicht dass sie, wie es bei einigen (geschah), aus Furcht nicht anpacken. Und wenn sie widerspenstig sind und nicht wollen, werde ich sie mit Gewalt dazu zwingen. Verzeiht mir; was mir zum Vorteil ist, weiß ich. Jetzt fange ich an, ein Jünger zu sein. Nichts möge sich um mich bemühen von dem Sichtbaren noch von dem Unsichtbaren, damit ich zu Jesus Christus gelange, Feuer, Kreuz, Kämpfe mit wilden Tieren, Zerschneidungen, Zerteilungen, Zerschlagen der Gebeine, Verzerrung der Glieder, Zermalmung des ganzen Körpers, des Teufels böse Plagen sollen über mich kommen, nur damit ich zu Jesus Christus gelange.“
Er hat verstanden, wie groß dieser Reichtum ist im Gegensatz zu allen Schätzen dieser Welt. So sollen die Epheser erkennen, womit sie beschenkt sind.
Er bittet auch für die Epheser, dass sie erkennen, dass Gott durch sie große Machttaten wirkt. So wie der Vater den Sohn auferweckt hat am Ostertag und über alle anderen erhöht hat, so wird jedem Menschen in der Taufgnade die Auferstehung und Verherrlichung zuteilwerden, auch wenn es natürlich zu unterscheiden ist von Christus, der ganz Gott und ganz Mensch ist, wir aber nur Geschöpfe.
Christus hat der Vater alles zu Füßen gelegt und als Haupt über die Kirche gesetzt. Zum Ende hin erklärt Paulus, dass die Kirche der Leib Christi ist. Das ist bis heute eine unumstößliche Wahrheit, die wir nie vergessen dürfen. Und der Leib des Allerhöchsten kann nicht böse sein. Und wenn es auch schwarze Schafe gibt, dürfen wir nie daran zweifeln, dass die Kirche heilig ist.

Ps 8
2 HERR, unser Herr, wie gewaltig ist dein Name auf der ganzen Erde, der du deine Hoheit gebreitet hast über den Himmel.

3 Aus dem Mund der Kinder und Säuglinge hast du ein Bollwerk errichtet wegen deiner Gegner, um zum Einhalten zu bringen Feind und Rächer.
4 Seh ich deine Himmel, die Werke deiner Finger, Mond und Sterne, die du befestigt:
5 Was ist der Mensch, dass du seiner gedenkst, des Menschen Kind, dass du dich seiner annimmst?
6 Du hast ihn nur wenig geringer gemacht als Gott, du hast ihn gekrönt mit Pracht und Herrlichkeit.
7 Du hast ihn als Herrscher eingesetzt über die Werke deiner Hände, alles hast du gelegt unter seine Füße.

Im Psalm preisen wir nun den Namen Gottes auf der Erde. Es ist eben jener Name, der die Macht über das ganze Universum hat und auch über die Kirche herrscht. Der Name liegt auf der Erde wie der Rauch bzw. die Wolke Gottes auf dem Tempel. Gott ist überall und das ist eine Trostbotschaft für uns. Er ist bei uns, die wir seine Schöpfung sind.
Wir betrachten in dem Psalm vor allem die Schöpfung der Menschheit. Wie kostbar ist diese für den Herrn, dass er sich ihrer annimmt und eine durchgehende Beziehung zu ihr führt! Die ganze Heilsgeschichte, die wir von der Genesis bis zur Johannesoffenbarung vor uns haben, ist eine einzige Liebesgeschichte Gottes mit den Menschen. Er wendet sich seinen Geschöpfen zu und tut alles, um deren (Gegen)Liebe zu erwerben.
Es ist natürlich bildlich zu verstehen, wenn die Rede von den Werken „deiner Finger“ ist. Gott ist Geist und hat keine Finger wie ein Mensch. Und doch enthält der Vers die tiefste Wahrheit: Gott hat alles wunderbar geschaffen und geordnet. Die Himmelskörper, die für Licht und für Zeit sorgen, sind Gottes Werk.
Der Mensch hat im Gesamt der Schöpfung eine besondere Stellung. Er ist wahrlich die Krone der Schöpfung, denn „du hast ihn nur wenig geringer gemacht als Gott, du hast ihn gekrönt mit Pracht und Herrlichkeit.“ Dies wird im Schöpfungsbericht ja dadurch deutlich, dass der Mensch als Abbild Gottes geschaffen worden ist. Die ewige Seele ist es, die ihm Herrlichkeit und Pracht verleiht.
„Du hast ihn als Herrscher eingesetzt über die Werke deiner Hände, alles hast du gelegt unter seine Füße“ – die restliche Schöpfung ist dem Menschen anvertraut, weil dieser befähigt ist, Verantwortung für sie zu übernehmen. Gott legte ihm die Schöpfung aber nicht unter die Füße, damit er sie wie ein Tyrann unterdrücke, sondern wie ein Hirte für sie sorge. Das führt uns zurück zum Epheserbrief. So wie der Mensch die Sorge um die Schöpfung hat, so ist Christus die Neue Schöpfung zu Füßen gelegt worden. Er ist der neue Adam, der zweite Mensch, der den Schaden des ersten Menschen wiedergutmacht. Er trägt Sorge für die zweite Schöpfung, die eine geistige ist. Jesus hat diese neue Schöpfung begründet und auch ihm legt der Vater die gesamte Schöpfung unter die Füße – ihm, dem Erhöhten am Kreuz!
Und diese gesamte Schöpfung ist zusammengefasst in Maria und Johannes, die unter dem Kreuz stehen. Maria ist der Archetyp der Kirche, sie ist das Vorbild der vollkommenen Jüngerschaft und durch die Zuteilung des Johannes zu Maria als Sohn wird Maria zur Mutter aller Glaubenden – sie ist dadurch die neue Eva, die Mutter der Lebenden, nicht mehr der irdisch Lebenden, sondern ewig Lebenden bei Gott.
Jesus Christus ist wahrlich Herrlichkeit und Pracht verliehen worden in einem Maße, den der alte Mensch nicht erfahren hat – schon allein durch den Sündenfall. Wir sprechen hier von Christus in seiner Menschheit, in seiner Gottheit ist er Gott gleich.
Jesus ist der Herrscher über die Schöpfung – die Neugeschaffenen durch den Hl. Geist in der Taufe. Er ist das Haupt und wir die Glieder. Er ist der König des Reiches Gottes.
Und Christus ist dies alles nicht nur für die Menschen: Durch sein Erlösungswirken erlöst er die ganze Welt, auch die Tierwelt, denn diese ist durch den Sündenfall des ersten Menschenpaares auch ins Chaos gestürzt. Wir lesen bei der Friedensvision des Jesaja davon, wie die Tiere vor dem Sündenfall waren und wie sie mit Neuschöpfung Gottes wieder sein werden.
Es wird eine Versöhnung der gesamten Schöpfung sein!

Lk 12
8 Ich sage euch aber: Jeder, der sich vor den Menschen zu mir bekennt, zu dem wird sich auch der Menschensohn vor den Engeln Gottes bekennen.

9 Wer mich aber vor den Menschen verleugnet, der wird auch vor den Engeln Gottes verleugnet werden.
10 Jedem, der ein Wort gegen den Menschensohn sagt, wird vergeben werden; wer aber den Heiligen Geist lästert, dem wird nicht vergeben werden.
11 Wenn man euch vor die Gerichte der Synagogen und vor die Herrscher und Machthaber schleppt, dann macht euch keine Sorgen, wie ihr euch verteidigen oder was ihr sagen sollt!
12 Denn der Heilige Geist wird euch in derselben Stunde lehren, was ihr sagen müsst.

Heute geht es weiter mit den Worten, die Jesus an seine Jünger richtet, als eine große Menschenmenge sich um ihn versammelt.
Ausgehend von einem Verhältnis absoluter Geborgenheit zwischen Gott und Mensch, wie der gestrige Abschnitt endete, können sich die Jünger freimütig zum Herrn bekennen, wie es ihr Nachfolger Ignatius von Antiochien dann gleichgetan hat. Sie wissen tief in ihren Herzen, dass sie nichts verlieren können. Und so werden sie dann nach ihrem Tod dieses innige Verhältnis fortführen, nun aber nicht mehr im Verborgenen, sondern ganz unverhüllt von Angesicht zu Angesicht mit Gott. Wer aber in diesem irdischen Leben in Misstrauen gegenüber Gott gelebt hat und ängstlich um sich selbst gekreist ist, der wird am Ende kein positives Gerichtsurteil von Gott erhalten. Jesus sagt sogar, dass er ihn vor seinem Vater verleugnen wird. Wir müssen bedenken, dass Jesus das mit aller Dramatik betont, weil es endgültig ist. Er tut das nicht, weil er seinen Jüngern Angst einjagen will, sondern weil er ihnen die drastischen Konsequenzen ihrer endgültigen Ablehnung Gottes aufzeigt. Gott bietet jedem Menschen seine bedingungslose Liebe und Geborgenheit an. Doch wer sie stets ablehnt, muss am Ende mit den entsprechenden Konsequenzen rechnen. Schließlich haben sie einen freien Willen geschenkt bekommen, um sich frei zu entscheiden.
Jesus erklärt daraufhin die Sünde gegen den Hl. Geist. In den Auferstehungserzählungen lesen wir davon, dass der auferstandene Jesus den Aposteln erscheint, sie anhaucht, ihnen sagt: „Empfangt den Heiligen Geist!“ und ihnen daraufhin die Vollmacht der Sündenvergebung überträgt („Wem ihr die Sünden vergebt, dem sind sie vergeben, wem ihr die Vergebung verweigert, dem ist sie verweigert“). Wer den Geist Gottes leugnet, der leugnet die Vergebung Gottes. Nicht Gott selbst verweigert den Menschen also die Vergebung, sondern sie selbst stellen sich quer. Deshalb formuliert Jesus diese drastischen Worte. Die Pharisäer und Schriftgelehrten unterstellen ihm ja zum Beispiel bei einem Exorzismus, er hätte diesen mithilfe der Dämonen vorgenommen.
Hüten wir uns davor, ebenfalls in dieses Missverständnis zu fallen. Gott ist es, auf den alles Gute zurückgeht. Er ist es aber nicht, ich betone NICHT, der das Böse in der Welt tut, der für unser Leiden verantwortlich ist. Er ist gut, nur gut.

In den heutigen Lesungen hören wir sehr viel von inniger Gottesgemeinschaft, Wirken des Geistes durch die Getauften und über die wunderbare geistige Schöpfung, die das Reich Gottes ist. Große Vorbilder sind uns vorausgegangen in der brennenden Überzeugung, dass uns nichts von dieser Gemeinschaft Gottes trennen kann, und wie eine große Sehnsucht nach Christus aussieht. Das heißt natürlich nicht, dass wir alle nun aktiv das Martyrium suchen sollen, aber erstens müssen wir es annehmen, wenn es auf uns zukommt, zweitens sterben wir doch jeden Tag aufs Neue in seinem Namen ein wenig: Mit jeder Demütigung, die wir in seinem Namen erleiden, mit jedem Absterben unseres eigenen Egos und unserer Bequemlichkeit. Das Glaubenszeugnis ohne biologischen Tod ist eine große Herausforderung, doch viele Bekenner haben es uns vorgelebt. Wichtig ist bei beiden Wegen – dem biologischen Sterben oder dem Bekenntnis ohne Sterben – dass wir uns immer bewusst sind: Wir haben nichts zu verlieren, wenn wir uns an Christus klammern und uns zu ihm bekennen.

Ihre Magstrauss

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