Dienstag der dritten Adventswoche

Zef 3,1-2.9-13; Ps 34,2-3.6-7.17-18.19-23; Mt 21,28-32

Zef 3
1 Wehe, trotzige und schmutzige, gewalttätige Stadt!

2 Sie will nicht hören und nimmt sich keine Warnung zu Herzen. Sie verlässt sich nicht auf den HERRN und sucht nicht die Nähe ihres Gottes.
9 Ja, dann werde ich die Lippen der Völker verwandeln in reine Lippen, damit alle den Namen des HERRN anrufen, ihm Schulter an Schulter dienen.

10 Von jenseits der Ströme von Kusch bringen mir meine Verehrer dann als Gabe die Gemeinde meiner Verstreuten.
11 An jenem Tag brauchst du dich nicht mehr zu schämen, wegen all deiner schändlichen Taten, die du gegen mich verübt hast. Ja, dann entferne ich aus deiner Mitte die überheblichen Prahler und du wirst nicht mehr hochmütig sein auf meinem heiligen Berg.

12 Und ich lasse in deiner Mitte übrig ein demütiges und armes Volk. Sie werden Zuflucht suchen beim Namen des HERRN
13 als der Rest von Israel. Sie werden kein Unrecht mehr tun und nicht mehr lügen, in ihrem Mund findet man keine trügerische Rede mehr. Ja, sie gehen friedlich auf die Weide und niemand schreckt sie auf, wenn sie ruhen.

In der heutigen Lesung hören wir sehr strenge Gerichtsworte, die Gott über den Propheten Zefanja dem Volk Israel vermittelt – es ist ein Gericht über Jerusalem. Zefanja wirkt in der Zeit zwischen der Kapitulation des Nordreiches gegenüber den Assyrern und vor der Katastrophe des babylonischen Exils. Seine Worte sind ganz scharfe Kritik und Warnung 5 vor 12. Deshalb hören wir gleich zu Anfang die Anrede „trotzige und schmutzige, gewalttätige Stadt“. Es geht weniger um die Stadt als solche, vielmehr um ihre Bewohner. Diese sind trotzig, weil sie nicht auf Gottes Umkehrrufe hören. Sie sind stur und verstockt. Deshalb muss Gott immer härtere Ansprachen an sie richten, damit sie überhaupt reagieren. Schmutzig sind sie nicht, weil jemand vergessen hat, die Straßen zu fegen. Es geht um die Unreinheit des Verhaltens. Durch die Übertretung der Gebote Gottes verunreinigt sie sich, die doch die makellose Braut Gottes sein sollte. So wurde sie ja am Sinai beim Bundesschluss bezeichnet. Das ist ihre Berufung. Stattdessen ist sie gewalttätig geworden. Vor kurzem hörten wir, dass Jesus sagte: „Seit den Tagen des Johannes wird dem Himmelreich Gewalt angetan (Mt 11,12).“ Damit greift er auf, was hier schon Gott zu den Bewohnern Jerusalems in der Zeit der „kleinen“ Propheten zu sagen hat. Wir müssen es uns so vorstellen, dass mit jedem Bundesbruch Jerusalems Gott das Herz gebrochen wird oder ihm ein Dolch ins Herz gestoßen wird. Hier geht es um Beziehung und Krise.
Als Braut Gottes hört Jerusalem nicht auf den Herrn, schlägt jede Warnung aus, geht eigene Wege und verliert jeglichen Segen.
Gott wird deshalb etwas Unerwartetes tun: Er wird die Lippen der Völker – gemeint sind die heidnischen Völker – in reine Lippen verwandeln. Was hier angekündigt wird, ist der neue, universale Bund! Dann werden die Nichtjuden zu Glaubensvorbilder werden und jene beschämen, die die ganze Zeit an der Quelle gesessen, aber nicht getrunken haben. Wir sehen die vielen Glaubensvorbilder des NT vor uns, die den Juden zur Beschämung wurden: den Hauptmann, dessen Diener krank ist, die Syrophänizierin, deren Tochter besessen ist, ja selbst der eine dankbare Aussätzige ist zu nennen, der nach seiner Heilung zu Jesus zurückkehrt – nämlich ein Samariter.
Zefanja kündigt eine große Katastrophe und Demütigung für das Südreich Juda an. Wir denken wörtlich-historisch zunächst an das babylonische Exil mit der einhergehenden Zerstreuung des Volkes. Diese Unheilsankündigung können wir aber auch als Gerichtshandeln Gottes auf geistlicher Ebene verstehen. Am Ende der Zeiten, auf das wir zugehen, wird es ein Weltgericht geben, dem keiner entrinnen kann.
Doch dann wird Gott etwas Neues entstehen lassen: Er wird das Volk sammeln – die tröstliche Botschaft, dass das Exil ein Ende finden wird. Wir sehen die Sammlung des neuen Gottesvolkes vor uns, das Jesus um sich sammeln wird. Wir sehen aber auch schon die Sammlung aller Menschen am Ende der Zeiten vor uns. Das wird ein Tag des Heils sein, weil die Demütigung und damit verbundene Scham ein Ende finden werden. Dann werden nur noch die Demütigen auf dem heiligen Berg übrigbleiben. Damit ist zunächst die Heilige Stadt Jerusalem gemeint, in der die Gottlosen nicht mehr sein werden. Damit ist aber auch das Reich Gottes gemeint, das mit Jesus Christus angebrochen ist. Dort werden nur jene sein, die Jesus Christus gläubig annehmen, seine Jünger werden und sich später dann auf seinen Namen taufen lassen. Dieser heilige Berg ist am Ende der Zeiten aber vor allem auf das himmlische Jerusalem zu beziehen, in dem nur Heiliges Bestand haben wird. Dort werden die Bösen keinen Platz finden.
Übrig bleibt ein armes und demütiges Volk. Jesus erklärt, dass wer nicht arm ist, nicht in das Reich Gottes eingehen kann. Es meint vielmehr als eine materielle Armut – wer sich arm vor Gott versteht und alles von ihm erwartet statt von sich selbst, wer die Hände dem Allmächtigen entgegenstreckt, statt zu meinen, bereits alles zu haben, ist arm und kann ins Reich Gottes eingehen.
Diese werden nicht mehr sündigen, denn im Himmelreich wird keine Sünde sein. Sie werden die ewige Ruhe auf der Weide finden, wie es in Ps 23 bereits ausgedrückt wird. Dort werden keine Wölfe sie mehr aufschrecken, denn diese sind ein für alle Mal vernichtet.
Bereits vor dieser anagogischen Lesart kann man die Verheißung begreifen: Die Schäfchen der Herde Christi sind bereits in diesem Leben sicher vor den Wölfen, auch wenn ihr biologisches Leben noch angegriffen wird. Denn nichts kann sie scheiden von der Liebe Gottes. Auch wenn sie unter Verfolgungen leiden – ihre innige Beziehung zum Hirten wird sie innerlich festigen. Schon in diesem Leben haben sie den inneren Frieden im Herzen, den nur Gott geben kann – am letzten Adventssonntag ging es genau darum: das ist die Freude, von der Paulus z.B. am Ende des ersten Thessalonicherbriefes schreibt. Es ist die innere Gewissheit und der innere Frieden um das ewige Heil Gottes, das über allem Gegenwärtigen und Schlimmen steht, das passiert. Der österliche Frieden ist unser Fundament, auf den wir ja getauft sind. Das Reich Gottes ist bereits das Erbe, das uns sicher ist, solange wir unsere Taufgnade nicht verlieren. Wir gehören bereits zu dieser Herde, die am Ende auf die Weiden des Himmelreiches geführt wird!
Gericht und Heil gehören zusammen. Ohne die Ausmerzung alles Hochmütigen und Sündhaften kann das Heil nicht kommen. Dort hat nur das Heilige Bestand.

Ps 34
2 Ich will den HERRN allezeit preisen; immer sei sein Lob in meinem Mund. 

3 Meine Seele rühme sich des HERRN; die Armen sollen es hören und sich freuen. 
6 Die auf ihn blickten, werden strahlen, nie soll ihr Angesicht vor Scham erröten. 
7 Da rief ein Armer und der HERR erhörte ihn und half ihm aus all seinen Nöten.
17 Das Angesicht des HERRN richtet sich gegen die Bösen, ihr Andenken von der Erde zu tilgen.
18 Die aufschrien, hat der HERR erhört, er hat sie all ihren Nöten entrissen.
19 Nahe ist der HERR den zerbrochenen Herzen und dem zerschlagenen Geist bringt er Hilfe.
20 Viel Böses erleidet der Gerechte, doch allem wird der HERR ihn entreißen.
21 Er behütet all seine Glieder, nicht eins von ihnen wird zerbrochen.
22 Den Frevler wird die Bosheit töten, die den Gerechten hassen, werden es büßen.
23 Der HERR erlöst das Leben seiner Knechte, niemals müssen büßen, die bei ihm sich bergen.

Heute beten wir einen Lobpreispsalm, der zum heilvollen Ausgang der Zefanja-Botschaft passt:
„Ich will preisen“ ist ein typischer Psalmenbeginn – die Selbstaufforderung zum Lob. David bekundet sein „Jawort“ gegenüber Gott durch einen andauernden Lobpreis.
Mit „meine Seele“ wird das hebräische Wort נַפְשִׁ֑י nafschi übersetzt, was eigentlich viel mehr als nur die Seele meint. Das biblische Menschenbild ist nicht geteilt, sodass man sagen kann, er hat einen Körper und eine Seele. Vielmehr ist der Mensch Körper und Seele. Das hebräische Wort ist also umfassender zu übersetzen im Sinne von „mein Leben“. Es meint die gesamte Existenz des Menschen, die sich des HERRN rühmen soll. David möchte Gott in allen Lebenslagen, mit seinem ganzen Sein preisen. Er möchte das tun, was wir Menschen in der Ewigkeit dauerhaft vornehmen werden – den Lobpreis Gottes.
„Die Armen sollen es hören und sich freuen“ erinnert uns an die Lesung. Denn am Ende bleibt ein armes und demütiges Volk übrig. Aber warum haben die Armen einen Grund zur Freude? Wenn ein Mensch Gott mit allem preist, was er ist und hat, dann tut er dies auch durch die gelebte Nächstenliebe. Und deshalb können die Armen aufatmen, das heißt die Randständigen, Rechtlosen, die Witwen und Waisen, die Fremden und Kranken. Sie werden nämlich Menschen um sich haben, die ihnen bereits hier auf Erden endlich zum Recht verhelfen. Hier geht es um das Doppelgebot der Liebe. Je mehr jemand in Gott lebt, desto mehr gibt er sich auch für den Nächsten hin.
Vers 6 ist eine wunderbare Reflektion dessen, wen man eigentlich anschauen soll – nämlich Gott. Wenn man auf ihn schaut und von ihm aus dann auf die Menschen, dann ist es die richtige Haltung. Dann wird man nicht auf das Ansehen der Person achten und sich vom Strahlen des Reichen beeinflussen lassen. Denn Gottes Licht übertönt alles Andere. Es wird auch auf das eigene Gesicht zurückfallen, sodass das einzige Ansehen der Person, auf die wir bei unseren Mitmenschen beachten sollen, die Reflektion des Lichtes Gottes ist. Und da ist es dann egal, ob es das Gesicht eines Armen oder Reichen ist. Und wenn sie die Ärmsten sind, so werden sie keinen Grund zur Scham haben. Gottes Gnade zeichnet sich in ihrem Gesicht ab, was gibt es Höheres? Nach der Beschämung durch das Gericht wird auch am Ende keine Seele mehr Scham empfinden müssen. Das ist uns in der Lesung bereits gesagt worden.
So lesen wir in Vers 7, dass Gott die Gebete eines Armen erhört und ihn aus seinen Nöten erlöst. Was mit Armut gemeint ist, haben wir bereits in der Lesung bedacht. Es meint die absolute Angewiesenheit auf Gott, der uns reich machen kann.
Und Gott erhört wirklich alle Bitten! Bei ihm gibt es kein „Nein“, nur ein „Ja“, „Anders“ oder „Später“.
„Das Angesicht des HERRN richtet sich gegen die Bösen, ihr Andenken von der Erde zu tilgen.“ Das ist das Gottesbild König Davids, der die Psalmen komponiert hat. Er spricht aus Erfahrung, denn seine schweren Sünden haben Unheil nach sich gezogen. Der eigene Sohn Abschalom trachtete ihm sogar nach dem Leben. Aber wir verstehen heute, dass dies nicht heißt, dass Gott sich vom Angesicht des Sünders abgewandt hat. Vielmehr muss David, der durch die Sünde aus dem Stand der Gnade getreten ist, nun die Konsequenzen seiner Tat tragen und Gott muss es akzeptieren. Wenn die Wendung „ihr Andenken von der Erde zu tilgen“ verwendet wird, ist das ein Zeichen des Fluchs. Erinnert man sich dagegen auch nach dem Tod eines Menschen noch an ihn, ist es Zeichen des Segens. Dies können wir heute auf die Gottlosen der Lesung beziehen. Ihre Sünde schreit zum Himmel und zieht lange Kreise. Nicht Gott wendet sich ab, sondern der Mensch hat sich von ihm abgewandt.
„Die aufschrien, hat der HERR erhört, er hat sie all ihren Nöten entrissen.“ Gott ist barmherzig und er hört das Schreien seines Volkes. Er hat dies schon getan, als sein auserwähltes Volk unter der Sklaverei Ägyptens litt. Er hat das Schreien der Propheten gehört, die für seine Weisung umgebracht worden sind. Er hat auch das Schreien seines eigenen Sohnes am Kreuz gehört. So hat er ihn von den Toten auferweckt und ihn über alle erhöht.
Dann macht David eine entscheidende Beobachtung: Gott bringt den zerschlagenen Geistern und zerbrochenen Herzen Hilfe. Erstens müssen wir das auf David selbst beziehen, der hier aus Erfahrung spricht. Seine Sünde hat ihn unglücklich gemacht, in erster Linie wegen der zerbrochenen Beziehung zu Gott. Er hat sich selbst gedemütigt, er hat sich selbst in seiner ganzen Unvollkommenheit und Erlösungsbedürftigkeit gesehen. Er ist arm geworden, indem er seine eigene Armut erkannt hat. Dieser realistische Selbstblick ist, was wir Demut nennen und das der fruchtbare Ausgangspunkt für Gottes Gnade ist. So ist es auch mit dem ganzen Volk Israel, das immer wieder schuldig geworden ist durch Götzendienst, das immer wieder die schmerzhaften Konsequenzen tragen musste und so nach dem Messias geschrien hat. Dieser ist gekommen, er ist die Hilfe, er ist Jesus, „Jahwe rettet“. Gott rettet auch die Menschen heute, indem er jenen die Taufgnade schenkt, die umkehren und an ihn glauben. Er rettet jeden einzelnen Menschen, der schuldig geworden ist und voller Reue, mit einem zerschlagenen Geist und einem zerbrochenen Herzen zu ihm zurückkehrt. Er ist sofort bereit, den Menschen zu vergeben, die von Herzen umkehren. Er versetzt uns alle dann wieder zurück in den Stand der Gnade. Das Sakrament der Versöhnung ist ein ganz großes Geschenk, das viel zu selten angenommen wird. Und am Ende der Zeiten wird Gott allen zerbrochenen Herzen und zerschlagenen Geistern die Tränen von den Augen abwischen. Sie alle werden das Heil schauen und in Ewigkeit bei Gott sein. Jesus hat so viel gelitten und ist am Ende schandvoll gestorben, doch mit der Auferstehung hat er, haben auch alle seine Lieben, vor allem seine mitleidende Mutter, allen Grund zu feiern und sich zu freuen. Sie sind beide jetzt mit Leib und Seele bei Gott und sind in der ewigen Glückseligkeit, die auch wir erfahren dürfen, wenn wir den Weg Jesu nachgehen.
„Er behütet all seine Glieder, nicht eins von ihnen wird zerbrochen.“ Das ist hier in einem poetischen Kontext (Psalmen sind Poesie) bildhaft gemeint. Gott behütet uns ja nicht vor jedem Knochenbruch oder körperlichem Schaden. Im Gegenteil. Menschen lassen gerade heute ihr biologisches Leben um des Himmelreiches willen! Wir müssen das so verstehen, dass Gott das ewige Leben bewahrt. Das irdische Dasein können die Verfolger einem nehmen, aber nicht den Glauben. Sie können auch das ewige Leben nicht nehmen. Selbst wenn sie den Menschen umbringen – Gott entscheidet, was mit der Seele passiert. Und am Ende der Zeiten wird dieser umgebrachte Körper wie bei Jesus von Gott wiederhergestellt und gewandelt. Dann werden wir in Ewigkeit bei ihm leben als ganze Menschen! Unter dem Strich sorgt Gott also tatsächlich dafür, dass uns kein Haar gekrümmt wird, auch körperlich – und wenn doch, dann nur vorübergehend!
„Der HERR erlöst das Leben seiner Knechte“ – Er hat die Menschen erlöst dadurch, dass er seinen Sohn dahingegeben hat. Dadurch sind wir alle erlöst! Und seinen Sohn hat er zuerst aus dem Tod erlöst, der dadurch zum Anfang der neuen Schöpfung geworden ist.
„Niemals müssen büßen, die bei ihm sich bergen“ – wenn wir Gottes Willen tun und seine Gebote halten, werden wir nicht büßen müssen. Durch die Taufe bergen wir uns auf besondere Weise bei Gott, der so zu unserem Vater geworden ist. Als seine Erben steht uns das ewige Heil in Aussicht. Und doch müssen wir entsprechend leben, weil wir das Erbe verlieren können. Mit jeder Sünde beleidigen wir Gott und müssen alles, was wir ihm angetan haben, büßen. Er gibt uns in diesem Leben schon die Gelegenheit, dies zu tun. Doch was in diesem irdischen Leben noch nicht gebüßt ist, muss danach gebüßt werden. Das ist ein schmerzhafter Prozess, den wir Fegefeuer nennen. Doch selbst da können wir uns sicher sein, danach ganz die Herrlichkeit Gottes schauen zu dürfen. Haben wir Gott in diesem Leben aber ganz und gar abgelehnt, uns nicht bei ihm geborgen, sondern unser eigenes Leben fernab von ihm gelebt, werden wir auf ewig büßen müssen nach dem Tod. Er läuft uns aber immer nach und ruft uns zu, rüttelt uns wach, versucht alles, um um unsere Liebe zu werben, damit es am Ende nicht so mit uns ausgeht. Er möchte die Liebe jedes Menschen. So ist Gott.

Mt 21
28 Was meint ihr? Ein Mann hatte zwei Söhne. Er ging zum ersten und sagte: Mein Kind, geh und arbeite heute im Weinberg!

29 Er antwortete: Ich will nicht. Später aber reute es ihn und er ging hinaus.
30 Da wandte er sich an den zweiten und sagte zu ihm dasselbe. Dieser antwortete: Ja, Herr – und ging nicht hin.
31 Wer von den beiden hat den Willen seines Vaters erfüllt? Sie antworteten: Der erste. Da sagte Jesus zu ihnen: Amen, ich sage euch: Die Zöllner und die Dirnen gelangen eher in das Reich Gottes als ihr.
32 Denn Johannes ist zu euch gekommen auf dem Weg der Gerechtigkeit und ihr habt ihm nicht geglaubt; aber die Zöllner und die Dirnen haben ihm geglaubt. Ihr habt es gesehen und doch habt ihr nicht bereut und ihm nicht geglaubt.

Im heutigen Evangelium erzählt Jesus ein Gleichnis, dass zwei Söhne nebeneinander stellt, weil er den Pharisäern und Schriftgelehrten in Jerusalem etwas Wichtiges erklären möchte. Ein Mann hat zwei Söhne und bittet sie um Hilfe in seinem Weinberg. Während der erste Nein sagt, es sich nachher aber anders überlegt und doch hilft, sagt der zweite Ja, tut es aber im Endeffekt gar nicht. Die entscheidende Frage Jesu an die Jerusalemer lautet: „Wer von beiden hat den Willen seines Vaters erfüllt?“ Diese Frage ist entscheidend in allem, was Jesus erklärt. Er sagt einmal, dass nicht jene in das Himmelreich gelangen, die sagen „Herr, Herr!“, sondern jene, die den Willen seines Vaters erfüllen. Darauf kommt es an. Das Rufen von „Herr, Herr“ beherrschen gerade die Pharisäer sehr gut. Sie perfektionieren die Oberfläche, einfach alles, was zu sehen ist. Aber ihr Herz ist verdorben und sie tun gar nicht, was sie nach außen hin vermitteln.
Die Pharisäer und Schriftgelehrten antworten korrekterweise auf die Frage des Gleichnisses „Der erste.“
Jesus möchte sie aufrütteln, denn sie wissen ganz genau, wie die Gebote Gottes lauten. Sie wissen es besser als das gewöhnliche Volk. Und doch halten sie sich nicht daran. Sie sind jene Verstockten, die Gott durch Zefanja bereits gewarnt hat von ihrer Haltung her. Gott ist besonders streng mit jenen, die viel verstehen. Jesu Verhalten ist ein Spiegel und eine Ankündigung für uns, wie das Gericht Gottes am Ende der Zeiten sein wird.
Weil die Pharisäer viel wissen, antwortet Jesus ganz streng: „Die Zöllner und die Dirnen gelangen eher in das Reich Gottes als ihr.“ Das ist ein verbaler Schlag ins Gesicht, aber anders dringt die Botschaft nicht zu ihnen durch. Jene, die unerwartet zu Glaubenszeugen werden, beschämen jene, die eigentlich an der Quelle sitzen.
Zöllner und Dirnen sind zwei Menschengruppen, die besonders verachtet werden. Sie leben in tiefer Sünde, denn während die Dirnen Unzucht treiben, bestehlen und belügen Zöllner regelmäßig die Steuerzahler. Die Spitze des Eisbergs, ihre Oberfläche ist offensichtlich schlecht. Doch den Rest des Eisbergs, das Herz, das Innenleben, kennt nur Gott. Das letzte Wort ist also nicht gesprochen und wenn diese Menschen umkehren, haben sie genau dieselbe Chance auf das Himmelreich wie jene, die nicht in diesen offensichtlichen Sünden leben. Sie sind die Nein sagenden Söhne des Vaters im Weinberg. Sie sagen für alle hörbar Nein, aber sie entscheiden sich wenigstens um. Sie sind echt und stehen zu dem, was sie nach außen hin sagen. Die Pharisäer und Schriftgelehrten dagegen haben eine sehr saubere Spitze des Eisbergs. Nach außen hin sichtbar und hörbar haben sie ein fehlerloses Image. Doch was sich unter dem Wasser befindet, ihr Innenleben, ihr Herz, das kennt nur Gott. Auch hier ist das letzte Wort noch nicht gesprochen, das Urteil „vollkommen“ nicht in Stein gemeißelt. Sie sind wie der andere Bruder, denn nach außen hin für alle hörbar sagt er Ja zu seinem Vater. Doch in Wirklichkeit arbeiten sie gar nicht im Weinberg. Sie sind Heuchler, weil sie sich nach außen so gehorsam geben, doch letztendlich ungehorsam sind. Im Gegensatz zum ersten Sohn sind sie nicht umkehrbereit und werden mit ihrer Haltung letztendlich böse Söhne bleiben. Die Pharisäer und Schriftgelehrten erkennen ihre Sünde nicht und kehren deshalb nicht um. Deshalb werden sie gar nicht ins Himmelreich können. Denn keiner kann von sich sagen, dass er keine Umkehr braucht. Jeder ist manchmal ungehorsam und muss es sich anders überlegen wie der erste Sohn im Gleichnis. Und wenn es ausgerechnet jene sind, die viel Erkenntnis haben und an der Quelle sitzen, ist der Ungehorsam besonders gravierend.

Gehen wir erneut in uns und prüfen wir, welcher Bruder wir aktuell in unserem Leben sind. Kehren wir um und nehmen wir die Barmherzigkeit Gottes wieder in Anspruch. Schauen wir ganz genau unsere Sündhaftigkeit an und kehren wir sie nicht unter den Teppich. Halten wir sie Gott hin und nehmen wir unsere Armseligkeit an, damit wir demütig werden. Nur so können wir Christus bis zum Kreuz nachfolgen und Heiligkeit erlangen. Wir müssen auch auf die Ewigkeit hin anstreben, zum demütigen und armen Volk zu gehören, das auf die Weiden des Himmelreiches geführt wird und in Ewigkeit ruhen kann. Das ist unser Ziel und unsere Perspektive, von der aus wir unser jetziges Leben gestalten sollen.

Ihre Magstrauss

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