Mittwoch der dritten Adventswoche

Jes 45,6b-8.18.21b-25; Ps 85,9-10.11-12.13-14; Lk 7,18b-23

Jes 45
6 Ich bin der HERR und sonst niemand.

7 Der das Licht formt und das Dunkel erschafft, der das Heil macht und das Unheil erschafft,/ ich bin der HERR, der all dies macht.
8 Taut, ihr Himmel, von oben, ihr Wolken, lasst Gerechtigkeit regnen! Die Erde tue sich auf und bringe das Heil hervor, sie lasse Gerechtigkeit sprießen. Ich, der HERR, erschaffe es.
18 Denn so spricht der HERR, der den Himmel erschafft, er ist der Gott, der die Erde formt und macht – er ist es, der ihr Bestand gibt, er hat sie nicht als Nichtiges erschaffen, er hat sie zum Wohnen geformt – : Ich bin der HERR und sonst niemand.
21 Wer hat das alles seit Langem verkündet und längst im Voraus angesagt? War es nicht ich, der HERR? Es gibt keinen Gott außer mir; außer mir gibt es keinen gerechten und rettenden Gott.

22 Wendet euch mir zu und lasst euch erretten, alle Enden der Erde, denn ich bin Gott und sonst niemand!
23 Ich habe bei mir selbst geschworen: Aus meinem Mund ist Gerechtigkeit hervorgegangen, ein unwiderrufliches Wort: Vor mir wird jedes Knie sich beugen und jede Zunge wird schwören:
24 Nur beim HERRN – sagt man von mir – sind Heilstaten und Stärke. Beschämt kommen alle zu ihm, die gegen ihn entbrennen.
25 Alle Nachkommen Israels bekommen ihr Recht und erlangen Ruhm durch den HERRN.

In der heutigen Lesung aus dem Buch Jesaja offenbart Gott seine Heilspläne, bei denen er auch den Perserkönig Kyros einbezieht, den er hier direkt anspricht.
„Ich bin der HERR und sonst niemand“ ist eine Wiederholung des ersten Gebots des Dekalogs. Gott ist der Einzige und deshalb sollen die Israeliten auch keine anderen Götter neben ihm haben. Diese Botschaft richtet sich nun aber an einen Nichtjuden, was langsam aber sicher auf den universalen Heilsplan Gottes vorbereitet. Gott ist der Schöpfer, er hat Licht und Dunkelheit gemacht und Heil sowie Unheil liegen in seiner Hand.
Gott lässt Gerechtigkeit sprießen, das ist eine Heilszusage. Dieses Heil wird konkret mit einer Person kommen, mit Jesus Christus. Er wird hervorsprießen aus der Wurzel Isai, als verheißener Nachkomme Davids.
Gott ist es, der den Himmeln den Befehl gibt, den Gerechten herabzuregnen, wie wir im adventlichen Ruf der Kirche ebenfalls beten. Auch ein bekanntes Adventslied geht auf diese Wort des Jesajabuches zurück.
Es ist auch kein Zufall, dass dieser Gerechte von den Wolken kommen wird. Jesaja sagt in Kapitel 55 dann, dass das Wort Gottes wie Niederschlag auf die Erde kommen und seine Spuren hinterlassen, ja die Welt verändern wird, bevor es zurückkehrt. Und die Wolke ist ein Theophaniezeichen Gottes. Sie ist immer da wahrzunehmen, wo Gottes Gegenwart einen Ort erfüllt – den Sinai, den Tempel, den Berg Tabor.
Wenn Jesus dann zum Vater heimkehrt, ist es eben jene Wolke, die ihn aufnimmt – es ist ein Phänomen, das die Verbindung von irdischer Welt und Ewigkeit begleitet, den Übergang in beide Richtungen. Deshalb wird der Menschensohn am Ende der Zeiten auch auf eben jener Wolke zurückkehren mit großer Macht und Herrlichkeit. Durch die Wolken hindurch ist er eingegangen in die Schöpfung und weil dies bei Jesaja noch aussteht, wird es hier als Bitte formuliert. Die Wolken werden den Messias tatsächlich herabregnen.
Beides verbindet sich miteinander und ist für uns ein wunderbares Zeugnis der zwei Naturen Jesu: Er kommt herabgeregnet, weil er ganz Gott ist. Er ist zugleich hineingeboren in eine Genealogie, in einen ganz konkreten Stammbaum, deshalb das Hervorsprießen als Pflanze. Er ist also zugleich ganz Mensch geworden.
Gott hat ja alles gemacht und beherrscht alles. So ist alles in seinen heiligen Willen einbezogen – es ist sein Wille, dass das Heil in diese Welt eingeht.
Gott ist wahrlich ein gerechter und rettender Gott. Dass er selbst die Welt erlösen würde, hat er längst im Voraus bekanntgemacht durch die vielen Propheten. Es steht schon von Anbeginn fest, dass er seinen einzigen Sohn dahingeben würde!
Weil Gott so große Heilspläne für die ganze Welt hat, soll die ganze Welt ihn als Gott anerkennen, nicht nur die Juden. Das sehen wir an der Bezeichnung „Enden der Erde“ und an dem angesprochenen König Kyros. Er soll erkennen, dass Gott der einzige Gott ist.
Das Wort Gottes ist ja bereits hervorgegangen aus seinem Mund – der Sohn ist ja vor aller Zeit gezeugt worden und ebenso wie der Vater ewig. Er ist der Gleichewige, wie Augustinus es ausdrückt. Gott führt dabei ein Wort an, dass Paulus dann im Philipperbrief aufgreift: Jedes Knie wird sich beugen, jeder Mund wird bekennen. Wenn Gott seine Macht offenbart, dann wird die ganze Welt erkennen, dass er der einzige Gott ist. Es wird spätestens am Ende der Zeiten die ganze Welt ihn anerkennen. Dann werden jene, die bis dahin Gott abgelehnt haben, beschämt werden. Sie werden bereuen, was sie über den Allmächtigen gesagt haben. Denn er allein hat das ewige Heil bereit. Er ist der Erlöser und sonst niemand.
Die Nachkommen Israels werden gerühmt und zu ihrem Recht kommen – denn sie sind im babylonischen Exil. Sie sind gedemütigt und sitzen auf den Trümmern ihres eigenen Lebens. Sie sind ganz am Boden und in diesem Moment sind noch jene stark, die Gott spotten. Das werden sie ja eines Tages bereuen und die Israeliten werden erhöht werden als ein demütig und arm gewordenes Volk. Das wird sich nicht erst mit dem zweiten Kommen Christi erfüllen, auf das wir am Weltende zugehen, sondern ist schon mit dem ersten Kommen Realität geworden: Gott wurde Mensch, aber nicht irgendwo, sondern in Israel! Er ist Jude geworden, ist in den königlichen Stamm Juda geboren, in das Geschlecht Davids. Diesem ist dadurch unendlich große Ehre erwiesen worden, obwohl es bis dahin an Bedeutung verloren hat.
Der Gerechte kommt bald – wir feiern es liturgisch, aber bereits als Erlöste!

Ps 85
9 Ich will hören, was Gott redet: Frieden verkündet der HERR seinem Volk und seinen Frommen, sie sollen sich nicht zur Torheit wenden.
10 Fürwahr, sein Heil ist denen nahe, die ihn fürchten, seine Herrlichkeit wohne in unserm Land.
11 Es begegnen einander Huld und Treue; Gerechtigkeit und Friede küssen sich.
12 Treue sprosst aus der Erde hervor; Gerechtigkeit blickt vom Himmel hernieder.
13 Ja, der HERR gibt Gutes und unser Land gibt seinen Ertrag.
14 Gerechtigkeit geht vor ihm her und bahnt den Weg seiner Schritte.

Als Antwort beten wir Psalm 85, der für die jüdische Liturgie bestimmt war. Es geht in diesen Versen um die Bitte um Gerechtigkeit, heute also um eben jene Gerechtigkeit in Person! Wir sehen das leidende Volk Israel vor uns, das um Erlösung vom „Frondienst“ bittet.
„Ich will hören, was Gott redet“ ist ein Ausdruck der Bereitschaft des Beters. Gottes Willen anzuhören und nicht verstockt zu sein, ist eine wichtige Zusage an Gott. Die Selbstaufforderung ist als Psalmenanfang ja häufig belegt. Gott verkündet seinem Volk den Frieden, das ist so eine große Verheißung, dass ihre Ablehnung eine einzige Torheit darstellt, einen absoluten Leichtsinn. Wer einen gesunden Menschenverstand besitzt, kann nur so reagieren. Dieser Friede, der Schalom, ist Gottes Gabe, die hier noch als Gabe an das auserwählte Volk Israel verstanden wird. Bei Paulus weitet sich aber der Blick auf alle Menschen, die den Frieden Gottes in ihren Herzen willkommen heißen. Schon in der Botschaft an den Perserkönig Kyros entdecken wir erste Hinweise auf das universale Heil Gottes.
Im Folgenden hören wir von Heilsverheißungen: Huld und Treue begegnen einander. Das Begriffspaar wird üblicherweise auf Gott bezogen. Sie sind seine Eigenschaften. Ebenso kommen „Gerechtigkeit und Friede“ von Gott. Wenn hier bildlich-poetisch gesagt wird, dass sie sich küssen, meint das ihre Verbindung. Ich habe schon öfter erklärt, dass dem umfassenden Heil eine Gerichtsvollstreckung vorausgeht. Beides gehört zusammen. Gericht und Heil sind zwei Seiten einer Medaille. Der Friede des Gottesreiches kommt, nachdem alles Böse vernichtet und gerichtet worden ist. Es hat im Reich Gottes keinen Platz. Gottes Gerechtigkeit ist nicht als etwas Böses und Angsterfüllendes anzusehen, sondern als Erlösung von den Ungerechtigkeiten dieser Welt. Bedrohlich ist es nur für jene, die bis zum Schluss Gott abgelehnt haben. Diese erhalten dann ihre finale Abrechnung.
„Treue sprosst aus der Erde hervor“ ist eine wunderbare poetische Formulierung, die verdeutlicht: Egal, wie sehr nun alles in Trümmern liegt und zerstört ist – Gott ist dennoch treu und hält fest an dem Bund, den er mit seiner Braut geschlossen hat. Die Treue sprosst aus der Erde hervor, denn die Wurzeln sind trotz der Verwüstung intakt geblieben. Auch wenn die Bäume abgehauen worden sind (was ein Gerichtsbild ist, das auch Johannes der Täufer aufgreifen wird), wächst aufgrund der gebliebenen Wurzel ein neuer Baum hervor. Und die hervorsprossende Treue in Person ist Jesus Christus, auf dessen Geburt wir zugehen.
„Gerechtigkeit blickt vom Himmel hernieder“ ist wie bereits oben beschrieben keine bedrohliche Aussage, sondern ein tröstlicher Satz. Gott ist der Zustand auf Erden nicht egal. Er kümmert sich um seine Schöpfung und greift ein, wo Ungerechtigkeit herrscht. Er blickt vom Himmel herab, der sein „Wohnort“ ist, das heißt trotz seiner Existenz in der Ewigkeit sieht er alles, was im Diesseits geschieht. Das ist eine Aussage gegen deistische Konzepte.
Beides gemeinsam weist auf die Eigenschaften des Messias hin – wahrer Gott (Gerechtigkeit blick vom Himmel hernieder) und wahrer Mensch (Treue sprosst aus der Erde hervor).
Was von Gott kommt, ist immer gut. Auch das Gericht ist etwas Gutes, weil ohne es das umfassende Heil nicht kommen kann. Er gibt Gutes auch schon im Diesseits, indem er zum Beispiel für eine gute Ernte sorgt. Das ist Ausdruck seines Segens für die Menschen.
„Gerechtigkeit geht vor ihm her und bahnt den Weg seiner Schritte.“ Wie mehrfach gesagt kann Gott erst unter den Menschen wohnen im Himmlischen Jerusalem, wenn seine Gerechtigkeit alles Böse vernichtet, die gefallene Schöpfung komplett auf Null gebracht und eine neue Schöpfung hervorgebracht hat. Weil Gott der Gute ist, kann nichts Böses in seiner Gegenwart bestehen.
Für uns bedeutet diese Aussage ganz konkret: Der ganze Zustand in unserer Welt muss erst immer schlimmer werden, weil es wie die Geburtswehen ist, die dem Glück des geborenen Kindes vorausgehen. Diese werden auch immer stärker, bis das Kind endlich kommt. Es ist für uns in dieser Welt also sehr schmerzhaft und wird immer schlimmer, aber wir wissen, dass mit zunehmender Drastik das Kommen unseres Herrn immer näherrückt. Und sein Erbe, der Hl. Geist, trägt uns in diesen letzten Tagen hindurch.

Lk 7
18 Da rief Johannes zwei seiner Jünger zu sich,

19 schickte sie zum Herrn und ließ ihn fragen: Bist du der, der kommen soll, oder sollen wir auf einen andern warten?
20 Als die Männer zu Jesus kamen, sagten sie: Johannes der Täufer hat uns zu dir geschickt und lässt dich fragen: Bist du der, der kommen soll, oder müssen wir auf einen andern warten?
21 Zu jener Stunde heilte Jesus viele Menschen von Krankheiten und Leiden und bösen Geistern und schenkte vielen Blinden das Augenlicht.
22 Er antwortete ihnen: Geht und berichtet Johannes, was ihr gesehen und gehört habt: Blinde sehen wieder, Lahme gehen und Aussätzige werden rein; Taube hören, Tote stehen auf und Armen wird das Evangelium verkündet.
23 Selig ist, wer an mir keinen Anstoß nimmt.

Das Evangelium verdichtet all die Gedanken der bisherigen Lesungen und wendet sie auf den gekommenen Messias an. Wir lesen hier nun von dem größten aller Propheten, die diese vorbereitende Haltung mit seinem ganzen Sein gelebt hat: Johannes der Täufer.
Er hat in seiner gesamten Verkündigung kein Blatt vor den Mund genommen, so auch vor Herodes, den Jesus mit dem schwankenden Schilfrohr angedeutet hat. Weil Johannes sein ehebrecherisches Verhalten angeprangert hatte, ließ dieser den Täufer ins Gefängnis werfen.
Wir lesen im heutigen Abschnitt nun, wie Johannes vom Gefängnis aus von Jesus hört und deshalb seine Jünger ihn nach dessen messianischer Identität fragen lässt. Jesus antwortet aber nicht einfach mit „ja, ich bin es“, sondern mit einem Code – genau dem Code, den wir von Jesaja her kennen! Die Juden kannten die messianischen Heilstaten, die angekündigt wurden: Blinde sehen, Lahme gehen, Taube hören, Lahme gehen. Warum codiert Jesus seine Antwort, anstatt eine direkte Antwort zu geben? Jesus tut dies für die Menschen – für die Johannesjünger und diejenigen, die das Gespräch mitbekommen. Gottes Pädagogik ist immer so feinfühlig, dass er es uns begreifen lässt: Die Juden kannten die Schriften, sie wussten von dem Messias und konnten sich zudem von Jesu Worten und Taten selbst überzeugen (berichtet, was ihr hört und seht!). Sie sollten von selbst einen Aha-Effekt bekommen, indem sie eins und eins zusammenzählten. Hätte Jesus darüber hinaus „ja, ich bin es“ geantwortet, wäre er sofort zum Zellengenossen des Johannes geworden und hätte nicht noch drei Jahre wirken können. Das war aber nicht der Hauptgrund für Jesu Antwort. Jesu Aufzählung von messianischen Heilstaten beinhaltet über Jesaja hinaus noch weitere neue Taten wie die Totenerweckung. Dies kann nur Gott, wodurch er selbst sich als göttlich kennzeichnet. Jesus erweckt seinen Freund Lazarus zum Leben, wodurch seine Aufzählung wahrlich durch Taten erfüllt wird.
Das heißt also, dass Johannes seine Frage an Jesus nicht aufgrund von Zweifeln stellt. Es geht vor allem um seine Jünger. Viele der Johannesjünger werden ja Jünger Jesu.
Auch das letzte Element, das wir in der Antwort Jesu hören, ist ein Jesajawort: Bei der Antrittspredigt in Nazaret liest er selbst diesen Ausschnitt aus dem Kapitel 61 vor: Der Messias kommt, um den Armen die frohe Botschaft zu verkünden – zu Griechisch euangelion!
Der Jesajacode ist ganz und gar ein Bekenntnis, das jeder Jude verstehen musste!
Vom Verstand her ergibt es Sinn, doch entscheidend ist der nächste Schritt – es anzunehmen oder daran Anstoß zu nehmen. Gerade die Pharisäer und Schriftgelehrten müssen diese vielen Andeutungen erkannt haben, die Jesus im Laufe seines Lebens macht. Und dennoch bringt es nichts, wenn sie es nicht annehmen, vielmehr Jesus als Gotteslästerer beschimpfen, sogar ihre Gewänder zerreißen und ihn am End mundtot machen.
Selig ist deshalb, wer die Botschaft nicht nur erkennt – sie ist ja doch so offensichtlich für den allgemeinen Juden! – sondern sie auch annimmt.
Wer sie dagegen erkennt und doch nicht annimmt, hat das Heil vor ihren Augen abgelehnt, hat die Zeit der Gnade nicht erkannt.

Gebe uns Gott, dass wir die Zeit der Gnade erkennen, dass auch wir Christus, der direkt vor unserer Nase ist, nicht ablehnen. Selig sind nämlich auch wir, die wir keinen Anstoß nehmen – an seinem Evangelium, das so entlarvend schlicht und einfach ist, an der Heiligsten Eucharistie, in der er sich so klein macht, an seiner lieben Mutter, die er uns zur Mutter geschenkt hat, an der Heiligkeit der Kirche, die seine Braut und sein Leib ist.

Ihre Magstrauss

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