Montag der 6. Woche im Jahreskreis

Gen 4,1-15.25; Ps 50,1 u. 8.16b-17.20-21; Mk 8,11-13

Gen 4
1 Der Mensch erkannte Eva, seine Frau; sie wurde schwanger und gebar Kain. Da sagte sie: Ich habe einen Mann vom HERRN erworben.

2 Sie gebar ein zweites Mal, nämlich Abel, seinen Bruder. Abel wurde Schafhirt und Kain Ackerbauer.
3 Nach einiger Zeit brachte Kain dem HERRN eine Gabe von den Früchten des Erdbodens dar;
4 auch Abel brachte eine dar von den Erstlingen seiner Herde und von ihrem Fett. Der HERR schaute auf Abel und seine Gabe,
5 aber auf Kain und seine Gabe schaute er nicht. Da überlief es Kain ganz heiß und sein Blick senkte sich.
6 Der HERR sprach zu Kain: Warum überläuft es dich heiß und warum senkt sich dein Blick?
7 Ist es nicht so: Wenn du gut handelst, darfst du aufblicken; wenn du nicht gut handelst, lauert an der Tür die Sünde. Sie hat Verlangen nach dir, doch du sollst über sie herrschen.
8 Da redete Kain mit Abel, seinem Bruder. Als sie auf dem Feld waren, erhob sich Kain gegen Abel, seinen Bruder, und tötete ihn.
9 Da sprach der HERR zu Kain: Wo ist Abel, dein Bruder? Er entgegnete: Ich weiß es nicht. Bin ich der Hüter meines Bruders?
10 Der HERR sprach: Was hast du getan? Das Blut deines Bruders erhebt seine Stimme und schreit zu mir vom Erdboden.
11 So bist du jetzt verflucht, verbannt vom Erdboden, der seinen Mund aufgesperrt hat, um aus deiner Hand das Blut deines Bruders aufzunehmen.
12 Wenn du den Erdboden bearbeitest, wird er dir keinen Ertrag mehr bringen. Rastlos und ruhelos wirst du auf der Erde sein.
13 Kain antwortete dem HERRN: Zu groß ist meine Schuld, als dass ich sie tragen könnte.
14 Siehe, du hast mich heute vom Erdboden vertrieben und ich muss mich vor deinem Angesicht verbergen; rastlos und ruhelos werde ich auf der Erde sein und jeder, der mich findet, wird mich töten.
15 Der HERR aber sprach zu ihm: Darum soll jeder, der Kain tötet, siebenfacher Rache verfallen. Darauf machte der HERR dem Kain ein Zeichen, damit ihn keiner erschlage, der ihn finde.
25 Adam erkannte noch einmal seine Frau. Sie gebar einen Sohn und gab ihm den Namen Set, Setzling. Denn sie sagte: Gott setzte mir einen anderen Nachkommen anstelle Abels, weil Kain ihn getötet hat.

Heute hören wir nun nach dem ersten Sündenfall eine nächste Episode, in der die Folge des ersten Sündenfalls auf dramatische Weise sichtbar wird: Es geht um die zwei Söhne des ersten Menschenpaars Kain und Abel.
Adam erkennt seine Frau und sie wird schwanger. Das Verb „erkennen“ ist oft in der Hl. Schrift ein Begriff für die eheliche Vereinigung von Mann und Frau. Weil Kain das erstgeborene Kind ist, verleiht sie ihm dem Namen „Kain, was vom Verb קנה kanah, „erwerben“ kommt. Aufgrund dieses Wortspiels erfolgt hier die Aussage „Ich habe einen Mann vom HERRN erworben“.
Sie bekommt noch einen Sohn, den sie Abel nennt.
Beide Männer ergreifen Berufe, die für die archaische Zeit normal sind, Ackerbauer und Schafhirt. Zugleich wird uns bewusst, dass diese „nachsündlich“ geborenen Männer, also die ersten Menschen mit der Erbsünde geboren, trotz zerbrochener Gottesbeziehung der Eltern einen Bezug zu Gott haben. Die Gemeinschaft mit Gott ist zwar beeinträchtigt, aber nicht ganz gescheitert. Das wird uns besonders dadurch bewusst, dass sie Opfer darbringen.
So bringen sie Opfer dar von dem, was sie verwalten: Erntegaben vom Acker und Tieropfer von der Herde. Nun geschieht etwas, das für uns auf den ersten Blick unlogisch erscheint: Gott schaut auf das Tieropfer Abels, aber nicht auf das Früchteopfer des Erstgeborenen. Warum ist Gott so parteiisch, könnte man fragen. Beide bringen doch dar, was sie haben? Lesen wir noch einmal genau: Kain bringt dar von den Früchten des Feldes, aber Abel bringt von den Erstlingen dar. Er gibt sich mehr Mühe, was auf eine größere Gottesfurcht und reine Absicht hindeutet! Er wählt für das Opfer das beste aus, was er hat. Kain verwendet, was ihm in die Hände fällt. Wir dürfen also nicht sagen, dass Tieropfer besser sind als Früchte und Gott deshalb das eine anschaut und das andere nicht. Er sieht vielmehr auf die Absicht hinter dem Opfer und deshalb wird Abels Opfer als rein bezeichnet.
Es geschieht sodann zum ersten Mal etwas, das Gott bei der Erschaffung des Menschen ursprünglich nicht vorgesehen hat und was eine Folge der Erbsünde ist: Kain wird von negativen Gefühlen gepackt. Es wird wunderbar lebensnah beschrieben, wie ihm heiß wird und er den Blick senkt. Der Mensch erfährt zum ersten Mal das Gefühl von Eifersucht!
Warum schaut Gott auf das Opfer meines Bruders? Vor allem bin ich doch der Erstgeborene! Was ist das für eine Demütigung! Das sind die Gedanken, die ihm wohl aufgekommen sind. Ist nicht genau diese Eifersucht Grund für viele Streitereien und für den Unfrieden in den Familien bis heute? Der Konkurrenzkampf unter Geschwistern, das sich gegenseitige Vergleichen, die Missgunst, der Neid. Kains Reaktion ist irrational. Wir erkennen von außen und aus Distanz, dass Kain ja nachfragen könnte, warum Gott sein Opfer nicht beachtet. So könnte er sich erklären lassen, dass nicht nur das Opfer, sondern auch die reine Absicht dahinter zählen. Doch irrationale Gefühle sind eine Folge der Erbsünde.
Gott weiß alles und überblickt die Situation. Er überlässt Kain nicht den negativen Gefühlen. Er warnt ihn vor der Versuchung des Bösen, der schon wieder einem Menschen auflauert. Gott warnt uns bis heute, wenn wir in Versuchung geraten. Er ruft nach uns, wenn wir uns einem Abgrund nähern. Er leidet mit, er fiebert mit, er freut sich mit uns mit. Gottes Herz ist ganz bei uns Menschen. So erklärt er Kain, wie er sich in der Versuchung richtig verhalten muss. Das, was hier geschieht, ist brandaktuell zu jeder Zeit. Denn wir Menschen werden zu jeder Zeit versucht. Und wie Gott zu Kain sagt, dass er den negativen Gefühlen keinen Raum geben soll, so sagt es uns der Herr auch heute. Wenn wir sie zulassen, breiten sie sich aus und verselbstständigen sich. So wachsen böse Gedanken in uns, die irgendwann zur Sprache kommen und in die Tat umgesetzt werden. Wir sollen diesen Weg der Sünde im Keim ersticken. Das sagt Gott Kain und auch uns heute.
Doch Kain lässt sich verführen. Er erschlägt seinen Bruder auf dem Feld. Die Eifersucht war nur der Anfang. Aus ihr ist der Hass auf den Bruder und der Brudermord erwachsen. Das reine Opfer des Schafhirten ist vollendet worden durch sein eigenes Blut, das er dahingegeben hat. Abel ist deshalb als Präfiguration, als Typos Christi bezeichnet worden – nicht erst von späteren Kirchenmännern, sondern bereits in den Texten des Neuen Testaments, wir denken vor allem an den Hebräerbrief. So wie Christus ist Abel zugleich Opfer und Darbringer. Jene Personen, die als besonders herausragende Präfiguration zu bezeichnen sind, haben eine Affinität zu Schafen und zum Hirtenberuf: Abraham hat große Herden, Mose hütet die Schafe seines Schwiegervaters Jitro, David wird von der Weide geholt und zum König gesalbt, schreibt den Psalm 23, die ersten Zeugen der Geburt Jesu Christi sind die Hirten auf den Feldern von Betlehem. So fällt uns auf, dass Abels Beruf kein Zufall sein kann.
So wie nach dem ersten Sündenfall ruft Gott nun nach dem Sünder. Bereits bei der letzten Episode erklärte ich, wie Gott uns alle ruft, weil er uns zur Umkehr bewegen möchte. Er geht jedem einzelnen Sünder nach, um ihn oder sie zurückzugewinnen. Es ist wie mit jenem Gleichnis, das Jesus vom Hirten erzählt: 99 Schafe werden zurückgelassen, um das eine verlorene Schaf zurückzuholen. So ist Gottes Eifer um uns Menschen.
Und so ruft Gott nach Kain, dessen Untat er schon längst mitbekommen hat. Schließlich ist er der allwissende und allsehende Gott.
Gott fragt Kain, wo Abel ist. Warum tut er das, obwohl er die Antwort längst kennt? Es ist nun die Chance für Kain, die Wahrheit zu sagen und die Schuld zu bekennen. Gott gibt uns immer wieder die Chance, die Sünde zu bereuen und seine Barmherzigkeit in Anspruch zu nehmen. Doch was tut Kain? Er verdirbt sich selbst die Chance, indem er sagt: „Ich weiß es nicht. Bin ich der Hüter meines Bruders?“
Gott spricht also Klartext und konfrontiert ihn mit seiner Schuld. Es ist der Ruf, der nicht nur von Gott in dieser Szene ausgeht, sondern den der Beichtvater indirekt zum Beichtenden sagt, der sein Bekenntnis daraufhin verrichtet. Es ist der Ruf des eigenen Gewissens, das uns anklagt: „Was hast du getan?“ Gott erklärt Kain, dass er alles mitbekommen hat, denn „das Blut deines Bruders erhebt seine Stimme und schreit zu mir vom Erdboden.“ Gott weiß um das Unrecht, das auf Erden geschieht. Und so reagiert er entsprechend in seiner absoluten Gerechtigkeit.
Die Folge des Brudermords ist die Verfluchung Kains. Nicht Gott verflucht ihn, das dürfen wir nicht missverstehen. Kain ist durch seine eigene Sünde verflucht, denn Sünde zieht stets den Fluch nach sich im Gegensatz zum Segen. Er hat es selbst über sich gebracht, dass er nun keine gute Ernte einbringen wird als Ackerbauer und dass er sich nicht zur Ruhe setzen wird. Er wird ein Rastloser sein.
Das kommt uns bekannt vor.
Wie sehr ist der Mensch allgemein ein rastloses Wesen, solange er nicht ganz in Gott ruht! Wie intensiv musste Augustinus diese Erfahrung machen, dass er seine Confessiones mit dem Ausspruch einleitet: „Unruhig ist unser Herz, bis es ruht in dir, oh Gott.“ Gewiss ist das im übertragenen Sinn zu verstehen, denn wir können uns äußerlich ja zumindest festsetzen, indem wir ein festes Zuhause haben, eine Heimat, ein geregeltes Leben. Aber auch dies ist nicht jedem Menschen geschenkt. Leider gibt es viele Menschen auf der Flucht, ohne Heimat, ohne Zuhause und ohne geregeltes Leben. Sie müssen oft unschuldig leiden, denn ihnen sind diese Dinge entrissen worden!
Kain sieht nun also das Ausmaß seiner Sünde und zerbricht fast unter der Last seiner Schuld. Das ist eine Erfahrung, die wir alle machen können. Wenn wir uns unserer Schuld bewusst werden, fällt es uns manchmal sehr schwer, damit zu leben, geschweige denn uns selbst zu vergeben.
Kain befürchtet, von nun an ein Vogelfreier zu sein. An seinen Aussagen bemerken wir, dass über Kain und Abel hinaus bereits weitere Menschen die Erde bevölkern. Sonst könnte er ja nicht von anderen umgebracht werden. Also: Wenn auch nur von Kain und Abel als Kinder des ersten Menschenpaares die Rede ist, heißt das nicht, dass sie die einzigen Nachkommen sind.
Es geschieht etwas Unerwartetes: Gott überlässt Kain nicht der Folgen seiner schweren Sünde. Er ist barmherzig und möchte sein Geschöpf vor dem Tod beschützen. So verleiht er ihm ein Zeichen, durch das jeder, der ihm ein Haar krümmen will, mehrfach bestraft werde. Wie groß ist die Güte Gottes! Er ist sogar bereit, den großen Sünder zu beschützen, damit er unter der Last seiner Schuld nicht zerbricht! Das Zeichen Kains ist ein Zeichen der Barmherzigkeit. Denn Gott gibt ihm auch jetzt noch die Chance zur Buße. Er überlässt ihn nicht der Lynchjustiz seiner Mitmenschen, wenn sie vom Tod Abels hören.

Ps 50
1 Ein Psalm Asafs. Gott, ja Gott, der HERR, hat gesprochen, er rief die Erde vom Aufgang der Sonne bis zu ihrem Untergang.
8 Nicht wegen deiner Opfer rüge ich dich, deine Brandopfer sind mir immer vor Augen.
9 Aus deinem Haus nehme ich keinen Stier an, keine Böcke aus deinen Hürden.
16 Was zählst du meine Gebote auf und führst meinen Bund in deinem Mund?
17 Dabei war Zucht dir verhasst, meine Worte warfst du hinter dich.

20 Du setzt dich hin und redest gegen deinen Bruder, auf den Sohn deiner Mutter häufst du Verleumdung.
21 Das hast du getan und ich soll schweigen? Meinst du, ich bin wie du? Ich halte es dir vor Augen und rüge dich.

Der Psalm als Antwort auf die Lesung geht auf Asaf zurück, den levitischen Sänger zurück. Es ist ein Weisheitspsalm, der das Thema der Lesung aufgreift. Gott selbst spricht hier Worte der Anklage für sein Volk. Er spricht die ganze Schöpfung an, denn es heißt: „Er rief die Erde vom Aufgang der Sonne bis zu ihrem Untergang.“ Mit Aufgang und Untergang werden nicht nur Zeitangaben ausgedrückt, sondern auch geographische. Im Hebräischen gibt es keine Begriffe für Ost und West. Vielmehr wird Sonnenaufgang und Sonnenuntergang zur Umschreibung herangezogen. Gott ruft also die ganze Bevölkerung zusammen, um anzuklagen. Das allein schon verdeutlicht uns, dass die Sünde keine Ausnahmen kennt. Alle Menschen sind von der Sünde betroffen.
Auf besondere Weise wird dennoch das Volk Israel zu einem „Gerichtsprozess“ versammelt, denn es kennt die Gebote Gottes und steht mit ihm in einer Bundesbeziehung. Es hat die besondere Verantwortung nicht gelebt.
„Nicht wegen deiner Opfer rüge ich dich, deine Brandopfer sind mir immer vor Augen.“ Wie bereits oben erwähnt Gott den Opferkult. Hier wird präzisiert, dass die Opfer an sich nicht abgeschafft werden sollen. Vielmehr möchte Gott, dass die Opfer wieder rein und aufrichtig sind. Wir sehen Kain und Abel vor uns, die die Reinheit des Opfers unterschiedlich ernstgenommen haben.
Gott macht nie Vorwürfe, um den Menschen fertig zu machen, sondern um ihn wachzurütteln. Er möchte, dass auch wir in heutiger Zeit zu ihm zurückkehren, bevor es zu spät ist.
Deshalb sagt er ganz drastisch: „Aus deinem Haus nehme ich keinen Stier an, keine Böcke aus deinen Hürden.“ Opfer ist nicht gleich Opfer. Was er kritisiert, kritisiert auch die Äußerlichkeit esoterischer Angebote von heute, in denen ein wenig Meditation, Möbel umstellen oder Diät den „Stand der Gnade“ wiederherstellt ohne persönliche Umkehr. Das Volk Israel bringt Opfer dar, ohne gleichzeitig eine korrekte innere Haltung einzunehmen und einen bestimmten moralischen Lebenswandel aufzuweisen. Es versündigt sich gegen die Gottes Gebote.
Es ist absolut aktuell, wenn wir es auf uns heute beziehen: Wie viele Menschen kommen zur Messe und empfangen sogar die Kommunion, obwohl sie die Gebote überhaupt gar nicht halten und seit über vierzig Jahren nicht mehr gebeichtet haben. Wir sind heute sogar schlimmer als die Israeliten damals, denn diese trugen die Worte und Gebote Gottes noch in ihrem Mund. Sie haben sie noch aufgezählt und thematisiert, aber nicht gehalten. In unserer heutigen Zeit werden die Gebote nicht einmal mehr thematisiert. Sie werden einfach ganz fallen gelassen. Gott ist die Heuchelei zuwider, mit der die Gebote aufgezählt werden, obwohl sie gar nicht gehalten werden. Er will, dass wir Menschen wahrhaftig sind und keine Schauspieler, die ihm etwas vormachen.
In Vers 20 wird nun etwas Entscheidendes mit Blick auf die Lesung angedeutet: Auch zur Zeit Davids verleumden Geschwister einander. Sie reden gegen den anderen schlecht, obwohl es genauso ein Kind der eigenen Mutter ist. Was uns hier also vor Augen geführt wird, ist: Die Verleumdung, Lästerei, das schlechte Behandeln unserer Geschwister verstößt gegen das vierte Gebot! Und das vierte Gebot ist nicht umsonst das erste der Nächstenliebe-Gebote. Wir sollen unseren Eltern die Ehre geben und zugleich unsere Geschwister gut behandeln aus Respekt vor unseren Eltern. Schließlich sind auch sie Kinder unserer Eltern. Was Kain getan hat, ist also nicht nur eine Sünde gegen das fünfte Gebot (damals ist den Menschen noch nicht der Dekalog geschenkt worden, aber dass Mord etwas in sich Schlechtes ist, kann jeder Mensch erkennen, auch ohne die Gabe der Zehn Gebote). Es ist auch eine Sünde gegen das vierte Gebot. Sünde zieht immer gleich ein ganzes Cluster an Sünden nach sich. Auch Eifersucht und Missgunst sind hier zu nennen als Sünde gegen das zehnte Gebot.
„Das hast du getan und ich soll schweigen?“ Gott kann es nicht ignorieren, weil er seine Kinder auf einen riesigen Abgrund zulaufen sieht. Er möchte nicht, dass seine Kinder verloren gehen. Er hält es ihnen vor Augen, damit sie es selbst erkennen und umkehren. So ist es auch heute: Gott kritisiert auch unsere Vergehen und unsere Gottlosigkeit, unseren Unglauben selbst innerhalb der Kirche. Er tut das nicht, weil ihm langweilig ist, sondern er möchte uns vor dem Verderben bewahren! Wir steuern mit hoher Geschwindigkeit dem ewigen Tod zu. Das möchte Gott verhindern.
Was wir durch Lesung und Psalm für uns mitnehmen: Überdenken wir unseren Lebenswandel, damit unser Opfer der Hl. Eucharistie ein aufrichtiges Opfer ist. Wenn Gott uns anklagt, mögen wir die Anklage nicht von uns weisen. Wenn Gott uns die Chance gibt, Reue zu zeigen und die Sünde zu bekennen, nehmen wir das in Anspruch!

Mk 8
11 Da kamen die Pharisäer und begannen ein Streitgespräch mit ihm; sie forderten von ihm ein Zeichen vom Himmel, um ihn zu versuchen. 
12 Da seufzte er im Geist auf und sagte: Was fordert diese Generation ein Zeichen? Amen, ich sage euch: Dieser Generation wird niemals ein Zeichen gegeben werden. 
13 Und er verließ sie, stieg in das Boot und fuhr ans andere Ufer.

Das Evangelium ist heute sehr kurz. Warum? Weil die Pharisäer, denen Jesus heute begegnet, die ganze Sache abkürzen.
Jesus hat die Menge gespeist und ist direkt im Anschluss mit dem Boot nach Dalmanuta gefahren. Dort hat er nun angelegt und trifft dort auf die ansässigen Pharisäer. Das Problem ist nicht, dass es ein Streitgespräch gibt, denn das griechische Wort συζητεῖν syzetein meint zunächst eine Debatte und nichts Verwerfliches. Das Problem ist vielmehr, dass die Pharisäer Gott auf die Probe stellen wollen wie der Satan Jesus in der Wüste versucht und auch Kain in der heutigen Lesung: Sie fordern ein Zeichen vom Himmel von Jesus. Das ist insofern eine Versuchung, weil sich Jesus bei seiner Menschwerdung entäußert hat. Gott verzichtet auf seine göttliche Allmacht, verbirgt seine Weisheit, wird den Menschen gleich und ist derjenige, der sich maximal gedemütigt hat. Er könnte mit einem Schnips alles umwerfen und die Welt zusammenbrechen lassen. Stattdessen lässt er sich verspotten, sogar noch am Kreuz. Er tut es, um die Menschheit zu erlösen. Und wenn die Pharisäer nun ein Zeichen vom Himmel wollen, dann fordern sie ihn heraus, seine Göttlichkeit zu offenbaren, die Entäußerung aufzugeben. Wer eigentlich dahintersteckt, das erkennt Jesus sofort. Es ist der Böse, der sich der Pharisäer hier bedient, um Jesus anzugreifen.
Die Pharisäer von Dalmanuta haben die Zeit der Gnade nicht erkannt. Jesus hätte sie so viel lehren können, doch sie sitzen auf einem zu hohen Ross. Jesus spricht harte Worte zu ihnen, damit sie von dort oben heruntergeholt werden („Dieser Generation wird niemals ein Zeichen gegeben“). Er tut es nicht, weil er sie nicht ausstehen kann, sondern gerade weil er auch sie liebt. Er möchte, dass auch sie gerettet werden. Deshalb rüttelt er an ihrem Ego. Sie sind zu verstockt, sodass Jesus sich auf den Rückweg machen muss. Wir wissen nicht, was aus diesen Menschen geworden ist. Womöglich haben sie sich dann doch noch bekehrt. Dafür ist es ja noch nicht zu spät.
Jesus steigt wieder ins Boot und fährt ans andere Ufer. Er geht zu jenen, die ihn annehmen, denn Gott ist ein Gentleman. Er drängt sich nicht auf, sondern zieht sich zurück, wo wir ihn ablehnen. Dann muss er schmerzhaft zusehen, wie wir die Konsequenzen dieser Ablehnung tragen müssen. Er wird dann wieder ein Lebenszeichen geben, hier und da nach uns rufen und immer wieder um uns werben. Seine Suche nach jedem verlorenen Schaf haben wir ja bereits in der Lesung in den Blick genommen.
Er möchte nach und nach die Versteinerung unseres Herzens abbauen wie in einem Steinbruch, um Edelsteine zutage zu fördern, die wir nicht einmal selbst dort erwartet haben. Gott gibt uns nicht auf, selbst wenn er sich manchmal zurückzieht. Denn wir alle sind seine geliebten Kinder.

Ihre Magstrauss

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