Dienstag der 8. Woche im Jahreskreis

Sir 35,1-15; Ps 50,5-6.7-8.14 u. 23; Mk 10,28-31

Sir 35
1 Wer das Gesetz hält, bringt viele Gaben dar,

2 ein Heilsopfer, wer die Gebote hält.
3 Wer Wohlwollen vergilt, der bringt feinstes Weizenmehl dar,
4 und wer ein Almosen gibt, spendet ein Lobopfer.
5 Abkehr vom Bösen findet das Gefallen des Herrn: Als Sühne gilt ihm die Abkehr vom Unrecht.
6 Erscheine nicht mit leeren Händen vor dem Angesicht des Herrn,
7 denn dies alles geschieht um des Gebots willen!
8 Die Gabe eines Gerechten bereichert den Altar und ihr Wohlgeruch steigt auf zum Höchsten.
9 Das Opfer eines gerechten Mannes wird angenommen und die Erinnerung daran wird nicht vergessen.
10 Mit großzügigem Auge preise den Herrn und schmälere nicht die Erstlingsgabe deiner Hände!
11 Bei jeder Gabe mache ein heiteres Gesicht und weihe den Zehnt mit Freude!
12 Gib dem Höchsten, wie er dir gegeben hat, und gib mit großzügigem Auge nach dem Ertrag der Hand!
13 Denn der Herr ist einer, der vergilt, und er wird dir siebenfach vergelten.
14 Bestich ihn nicht, denn er wird es nicht annehmen
15 und vertrau nicht auf ungerechte Opfer! Denn der Herr ist Richter und es gibt vor ihm kein Ansehen der Person.

In der heutigen Lesung hören wir vom Verhältnis zwischen Opfer, Ethos und Gebet. Dieser Zusammenhang wird uns gerade bei den Propheten immer wieder deutlich, weil Gott durch diese den Israeliten verdeutlichen möchte, wie unaufrichtig ihre Opferpraxis ist. So wird uns hier deutlich, dass die Opferpraxis mit einer persönlichen Beziehung zu Gott einhergehen muss, welche wiederum durch das Halten der Gebote und persönliches Gebet gepflegt wird.
„Wer das Gesetz hält“, bezieht sich auf die Torah. Es geht vor allem um die göttlichen Gebote, die im Dekalog zusammengefasst sind. Wer nämlich die Gebote Gottes hält, bringt bereits ein Opfer dar, nicht erst mit der Schlachtung eines Tiers im Tempel von Jerusalem. Wir erkennen eine Azentverschiebung im Laufe der Jahrhunderte. Während zurzeit des Mose und den darauffolgenden Jahrhunderten Brand- und Sündopfer vorherrschend sind, verschiebt sich ab der davidischen Monarchie die Praxis in Richtung todah, dem Dankopfer, das nicht nur von den Hohepriestern im Tempel dargebracht werden kann, sondern von allen Gläubigen. Das Buch Jesus Sirach ist relativ jung, weshalb der Schwerpunkt auf diesen „alternativen“ Opfern liegt. Gemäß rabbinischer Tradition glaubte man, dass je näher das messianische Reich herannahte, die Verschiebung auf die todah, das Dankopfer, erfolgen würde, um schließlich zum einzigen übriggebliebenen Opfer zu werden. Dies erfüllt sich in Jesus Christus, der die Eucharistie, die Danksagung (!) zum einzigen und einmaligen Opfer des Neuen Bundes gestiftet hat.
Wer also ein entsprechendes Leben führt, bringt Gott die besten Opfer dar, weil es von Herzen kommt. Deshalb wird hier mit den verschiedenen bis dahin bekannten und praktizierten Opferformen gespielt, wenn die verschiedensten ethischen Aspekte angesprochen und barmherzige Akte aufgezählt werden wie das Geben von Almosen.
Die Juden jener Zeit müssen endlich begreifen, dass die Opferpraxis Israels kein Automatismus ist. Das eigentliche und entscheidende Opfer, das Gott verlangt, sind ihre Herzen. Das eine soll zugleich das andere nicht ausschließen. Man soll natürlich trotzdem wie gehabt die Opfer darbringen, den Zehnten geben, die Erstlingsgaben Gott darbringen, denn auch diese äußeren Handlungen sollen ja Ausdruck ihrer inneren Dankbarkeit darstellen.
Gott sieht das Herz eines jeden Menschen und deshalb soll man ihn auch nicht bestechen oder manipulieren. Er lässt sich nicht instrumentalisieren und wird alles Gute oder Schlechte nach den eigenen Taten und Herzenseinstellungen vergelten. Wenn Gott das Gute und Aufrichtige sieht, wird er es sogar siebenfach vergelten, was gemäß biblischer Zahlensymbolik die Vergeltung im übermäßigen Sinne meint. Wir bekommen im Übermaß den Segen und die Gnade Gottes geschenkt.

Ps 50
5 Versammelt mir all meine Frommen, die den Bund mit mir schließen beim Opfer!
6 Da taten die Himmel seine Gerechtigkeit kund; weil Gott selbst der Richter ist.

7 Höre, mein Volk, ich rede. Israel, ich bin gegen dich Zeuge, Gott, dein Gott bin ich.
8 Nicht wegen deiner Opfer rüge ich dich, deine Brandopfer sind mir immer vor Augen.
14 Bring Gott ein Opfer des Dankes und erfülle dem Höchsten deine Gelübde!
23 Wer Opfer des Dankes bringt, ehrt mich; wer den rechten Weg beachtet, den lasse ich das Heil Gottes schauen.

Der Psalm knüpft an die Gerichtsworte und Konfrontation Gottes gegen sein Volk an. Auch hier wird das Volk zum Gerichtsprozess versammelt. Es sollen jene herzutreten, „die den Bund mit“ Gott „schließen beim Opfer“, also seine Bündnispartner. Dies betrifft im Wortsinn zunächst das Volk Israel, das Gott im Alten Bund allerlei Opfer darbringt, um den Bund immer wieder zu erneuern und zu zelebrieren. Dies betrifft darüber hinaus aber auch uns, die wir mit Gott im Neuen Bund vereint sind und mit dem Opfer der Hl. Messe immer wieder erneuern. Auch wir versammeln uns dazu in der Kirche, wo wir Eucharistie feiern.
Die Himmel bezeugen die Gerechtigkeit Gottes, wir dürfen das vor allem auf die Bewohner des Himmels beziehen. Sie verkünden Gottes Gerechtigkeit, der er ja der einzig wahre und gerechte Richter ist. All unsere irdische Gerichtsbarkeit ist unvollkommen, nicht immer frei von Korruption und Irrtum. Die Himmel verkünden Gottes Gerechtigkeit immer wieder zu bestimmten Anlässen. Schon im Alten Testament wird davon berichtet, dass Engel auf der Erde erscheinen und Gott offenbaren, ihn verkünden. So ist es aber besonders verdichtet mit dem Neuen Bund, denn schon das Kommen des Messias wird auf diese Weise angekündigt.
Diese Gerechtigkeit Gottes bringt aber auch mit sich, dass sie das aufzeigt, das nicht gerecht und gut ist. Jene, die keine Einsicht zeigen, werden das Gericht unangenehm erleben, denn Gott ist ihr Zeuge – wo Israel sich gegen Gottes Gebote aufgelehnt hat, wird Gott selbst zum Zeugen gegen seine untreue Braut.
„Nicht wegen deiner Opfer rüge ich dich, deine Brandopfer sind mir immer vor Augen.“ Gott hat Mose nicht umsonst die Opferpraxis vorgegeben. Er möchte sie nicht einfach abschaffen. Vielmehr möchte Gott, dass die Opfer wieder rein und aufrichtig sind.
Auch hier macht Gott Vorwürfe. Er tut das nie, um den Menschen fertig zu machen, sondern um ihn wachzurütteln. Er möchte, dass auch wir zu ihm zurückkehren, bevor es zu spät ist.
Es ist absolut aktuell, wenn wir es auf uns heute beziehen: Wie viele Menschen kommen zur Messe und empfangen sogar die Kommunion, obwohl sie die Gebote überhaupt gar nicht halten und seit über vierzig Jahren nicht mehr gebeichtet haben. Wir sind heute sogar schlimmer als die Israeliten damals, denn diese trugen die Worte und Gebote Gottes noch in ihrem Mund. Sie haben sie noch aufgezählt und thematisiert, aber nicht gehalten. In unserer heutigen Zeit werden die Gebote nicht einmal mehr thematisiert. Sie werden einfach ganz fallen gelassen.
Wir sollen stets ein Opfer des Dankes bringen, das ist absolut eucharistisch! Wir leben in dankbarer Haltung gegenüber Gott, der uns so viel Gutes erweist, indem wir ihm regelmäßig die Hl. Messe aufopfern und im persönlichen Gebet immer wieder für alles Gute danken. Eucharistie heißt ja „Danksagung“. Wenn wir ein Opfer des Dankes bringen – und damit ist nicht nur die äußerlich korrekte Form gemeint, sondern vor allem unsere Haltung, mit der wir der Hl. Messe beiwohnen! – dann ist es ein gottgefälliges Opfer, das er auch annimmt. Die Erfüllung der Gelübde betrifft in unserem Fall das Versprechen, das wir mit der Taufe eingehen, der Heiligkeit nachzukommen, zu der wir als Getaufte berufen sind. Es ist ja ein Bundesschluss, den wir mit der Taufe eingehen. Wir können nicht mehr so leben wir vorher. Ganz konkret heißt das, dass wir nicht einfach nur zur Messe gehen und dann zuhause machen können, was wir wollen. Auch unser alltägliches Leben soll nach seinem Willen ausgerichtet sein. Dann werden wir am Ende unseres Lebens das Heil schauen, wenn wir nämlich Gott von Angesicht zu Angesicht schauen werden. Wäre dem nicht so, würde es im letzten Vers nicht lauten, dass wir Opfer des Dankes bringen, zugleich den rechten Weg beachten sollen. Damit ist immer der richtige Lebenswandel nach Gottes Geboten gemeint.

Mk 10
28  Da sagte Petrus zu ihm: Siehe, wir haben alles verlassen und sind dir nachgefolgt.
29  Jesus antwortete: Amen, ich sage euch: Jeder, der um meinetwillen und um des Evangeliums willen Haus oder Brüder, Schwestern, Mutter, Vater, Kinder oder Äcker verlassen hat,
30  wird das Hundertfache dafür empfangen. Jetzt in dieser Zeit wird er Häuser und Brüder, Schwestern und Mütter, Kinder und Äcker erhalten, wenn auch unter Verfolgungen, und in der kommenden Welt das ewige Leben.
31  Viele Erste werden Letzte sein und die Letzten Erste.

Im heutigen Evangelium hören wir davon, wie Jesus seinen Jüngern eindringlich erklärt, welch große Hürde der Reichtum ist. Zwar ist der vorausgehende Vers, in dem der Anlass für Jesu Worte erklärt wird, nicht im heutigen Abschnitt enthalten, doch durch diesen wird uns bewusst, warum Jesus seine Worte sagt: Es ist für einen Reichen wirklich schwer, ins Himmelreich zu kommen. Unter Reichtum ist nicht einfach nur der Besitz an sich gemeint, sondern die Anhänglichkeit daran. Man kann auch als armer Mensch mit ganz wenig Besitz reich im Geiste sein, das heißt an dem Wenigen sehr hängen. Wenn dieses Bisschen einem aber wichtiger als das Reich Gottes ist, dann ist man nicht arm, sondern reich im Geiste. Und umgekehrt kann ein Mensch, der viel besitzt, eine innere Freiheit und Unabhängigkeit von dem Besitz haben. Dann ist er trotz des großen Besitzes arm im Geiste. Das Problem ist aber: Wer viel besitzt, ist der Versuchung und Gefahr viel mehr ausgesetzt, eine Anhänglichkeit daran zu entwickeln. Wer nichts hat, läuft auch nicht Gefahr, daran zu hängen.
Petrus sagt im heutigen Abschnitt, dass die Apostel alles verlassen haben, um Jesus nachzufolgen. Ihre Berufung besteht in der Armut und Entsagung. Jesus sagt daraufhin, dass sie für ihre konsequente Entsagung um des Himmelreiches willen reich belohnt werden. Was Jesus hier verdeutlicht, ist das Schriftwort: „Wer sich selbst erniedrigt, wird erhöht werden und wer sich selbst erhöht, wird erniedrigt werden.“ Gott gibt jedem Menschen nach seinem Verhalten. Wir hörten im Buch Jesus Sirach davon, dass Gott gerade auf die Herzenshaltung des Einzelnen schaut und danach vergilt. Wer ihm zuliebe alles verlässt und ihm nachfolgt, der wird von ihm siebenfach beschenkt, so in der Lesung. Jesus geht noch weiter und steigert den Segen Gottes für diesen Verzicht: Man wird nicht nur siebenfach belohnt, ja sogar hundertfach, wenn man bereit ist, aus Liebe zu Gott alles aufzugeben, selbst die menschlichen Urbeziehungen zu Familienmitgliedern. Auch die Leiden aufgrund von Hass und Christenverfolgung wird Gott überreich belohnen. Wenn wir das ewige Heil erlangen möchten, müssen wir Christus nachfolgen, der den Kreuzweg zuerst gegangen ist, doch auch er ist vom Kreuz in die Verherrlichung gekommen. Viele Menschen wollten wie Gott sein, aber Gott selbst war bereit, Mensch zu werden. Das Stichwort ist die Demut. Und so werden alle, die aus Liebe den Weg der Demut nachgehen, die Letzten also, zu den Ersten werden. Wer aber hochmütig und hohen Rosses durchs Leben geht, wird am Ende den Kürzeren ziehen. Im ewigen Leben werden sich die irdischen Maßstäbe umkehren. Dann wird es viele Überraschungen geben. Wir sollen bei allem unser Herz ganz an Gott verschenken, dann werden wir so wie Christus am Ende am Herzen des Vaters ruhen in Ewigkeit.

Ihre Magstrauss

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