Mariä Heimsuchung

Zef 3,14-18; Jes 12,2.3 u. 4bcd.5-6; Lk 1,39-56

Heute feiern wir das Fest Mariä Heimsuchung. Dabei geht es um die Begegnung zwischen Maria und Elisabet, die sie heimsucht. Dieses Ereignis hat eine lange heilsgeschichtliche Vergangenheit, deren Kreis sich nun schließt. Wir betrachten Maria an diesem Festtag also vor allem aus heilsgeschichtlicher Perspektive und als Archetypen Israels.

Zef 3
14 Juble, Tochter Zion! Jauchze, Israel! Freu dich und frohlocke von ganzem Herzen, Tochter Jerusalem!
15
 Der HERR hat das Urteil gegen dich aufgehoben und deine Feinde zur Umkehr gezwungen. Der König Israels, der HERR, ist in deiner Mitte; du hast kein Unheil mehr zu fürchten.
16 An jenem Tag wird man zu Jerusalem sagen: Fürchte dich nicht, Zion! Lass die Hände nicht sinken!
17 Der HERR, dein Gott, ist in deiner Mitte, ein Held, der Rettung bringt. Er freut sich und jubelt über dich, er schweigt in seiner Liebe, er jubelt über dich und frohlockt, wie man frohlockt an einem Festtag.
18 Ich mache deinem Unglück ein Ende, dass du seinetwegen nicht mehr Schmach tragen musst.

In der Lesung hören wir aus dem Propheten Zefanja. Er gehört zu den „kleinen Propheten“, deren Botschaft aber mindestens genauso bedeutsam ist wie die der großen: Es ist fast schon ein Freudengesang, den wir bei ihm lesen. Die Tochter Zion wird zum Lobpreis aufgefordert, weil der Tag der Freude gekommen ist. Historisch gesehen erkennen wir das Ende der assyrischen Fremdherrschaft. Zefanja wirkt in Jerusalem um das Jahr 630 v.Chr. Wie viele Propheten vor und nach ihm hat er das Leiden des Volkes durch die Assyrer als Urteil Gottes gedeutet, das Israel durch die eigenen Sünden verdient hat. Er sagt in diesem heutigen Abschnitt nun, dass Gott das Urteil aufgehoben hat. Die Zeit der Bedrängnis ist vorbei. Stattdessen wohnt der König Israels nun in ihrer Mitte. Es ist bemerkenswert, dass Gott nun als König bezeichnet wird. Das ist eine Metapher, die wir mit Jesus, dem Messias wiedererkennen werden. Er, der sogar ans Kreuz geschlagen wird als König der Juden. Gott ist der Herrscher der Welt und er ist es, der Israel leitet.
Gott wird auch als Held bezeichnet, der Rettung bringt. Bei solchen messianischen Aussagen wird stets das hebräische Wortfeld um יֹושִׁיעַ joschia „Rettung“ verwendet. Gott bringt uns Jesus, den Heiland.
Wenn es dann heißt: „Er freut sich und jubelt über dich“, ist das typologisch mit Maria in Verbindung zu setzen. Sie ist der Antitypos der Tochter Zion. Sie personifiziert das Warten und die Freude über den kommenden Messias. Und Gott freut sich mit ihr, denn in ihr hat er ein perfektes Instrument erkannt, das das Heil in die Welt bringt.
Gott freut sich und sehnt sich nach seiner Braut. Er freut sich besonders, wenn sie umkehrt von den Götzen und ihren Blick wieder Gott zuwendet. Womöglich kann man diesen letzten Vers schon als Hochzeit deuten, die der Anlass der größten Freude darstellt. Dann klingt hier prophetisch schon die Hochzeit des Lammes an. Auf Maria bezogen verstehen wir dann umso mehr, dass Maria wirklich Antitypos der makellosen Braut am Sinai ist, wie uns im Buch Exodus berichtet wird. Sie ist ohne Sünde und würdig, den Sohn Gottes in die Welt zu bringen. Sie ist wirklich Braut Gottes, denn sie lebt in einem kontinuierlichen Jungfräulichkeitsgelübde. Sie verkörpert die Brautschaft für Gott wirklich vollkommen, vollkommener als das Volk Israel es jemals zustande gebracht hat. Welch große Gnade hat Gott ihr erwiesen!
Maria ist eine Tochter Zion als Zugehörige zum Volk Israel, vielmehr aber durch ihre Zugehörigkeit zum Stamm Juda und zur Dynastie König Davids. Sie macht keinen Götzen schöne Augen. Sie schaut nur auf den HERRN und tut in allem nur seinen Willen.
Wenn Gott dann am Ende der Lesung zur Tochter Zion sagt, dass er ihre Schmach beendet, dann ist das erst einmal auf das Volk Israel zu beziehen, das durch die Fremdherrschaft der Assyrer große Schmach erleidet. Diese ist Konsequenz ihrer Sünde, doch Gott ist barmherzig.
Legen wir diesen Vers typologisch aus, deutet er auf die Schande Mariens hin, die ihr widerfährt, weil sie ein uneheliches Kind erwartet. Von Anfang an muss sie sehr viel leiden und Opfer bringen. Die üble Nachrede von Menschen kann sehr verletzend sein. Doch sie tut das alles für den Herrn und er wird ihrer Schmach ein Ende setzen. Er wird sie krönen zur Königin des Himmels, denn sie ist die Mutter des Königs. Sie ist der Antitypos der Königsmutter Batseba. Sie sitzt ihrem Sohn zur Rechten wie Batseba Salomo zur Rechten saß.
Die Tochter Zion kann jubeln. Denn Christus ist schon da, wenn auch noch nicht geboren. Das ist eine absolute Prolife Bestätigung! Dazu kommen wir gleich im Evangelium.

Jes 12
2 Siehe, Gott ist mein Heil; ich vertraue und erschrecke nicht. Denn meine Stärke und mein Lied ist Gott, der HERR. Er wurde mir zum Heil.
3 Ihr werdet Wasser freudig schöpfen aus den Quellen des Heils.
4 Dankt dem HERRN! Ruft seinen Namen an! Macht unter den Völkern seine Taten bekannt, verkündet: Sein Name ist erhaben!
5 Singt dem HERRN, denn Überragendes hat er vollbracht; bekannt gemacht sei dies auf der ganzen Erde.
6 Jauchzt und jubelt, ihr Bewohner Zions; denn groß ist in eurer Mitte der Heilige Israels.

Als Antwort beten wir diesmal keinen Psalm, sondern ein Danklied aus dem Buch Jesaja. Es geht um den Dank der Geretteten vom Zion aus. Es ist kein Danklied, das bereits von jemandem gesungen worden ist, sondern das zukünftig gesungen wird (Vers 1: „An jenem Tag wirst du sagen“). Es hängt zusammen mit der messianischen Verheißung von Jes 11, die vom Spross aus der Wurzel Isais spricht. Was zur Zeit des Jesaja noch aussteht, erfüllt sich nun mit dem kommenden Messias.
„Siehe, Gott ist mein Heil“. Das kann man wortwörtlich sagen, weil יְשׁוּעָתִ֛י jeschuati „mein Heil“ den Namen Jesu umfasst. Er wird Mensch, um unter uns zu leben! Und weil er so weit geht, nur um uns zu retten, können wir ganz vertrauen. Wir brauchen keine Angst zu haben. Das hat uns Maria wunderbar vorgelebt. Sie hatte keine Angst, sondern vertraute dem Herrn voll und ganz. Sie nahm ihre Berufung an, obwohl sie nicht wusste, wohin die Reise geht. Stück für Stück hat er ihr aber den Weg gewiesen und er hat sie durch alles hindurchgetragen. Er war stets ihre Stärke und ihr Lied. Mit ihr zusammen kann das Volk Gottes des neuen Bundes diese Worte sprechen, denn durch den Kreuzestod hat er das Heil aller Menschen erwirkt! Im wörtlichen Sinn kann man dies schon für das Volk Gottes des alten Bundes aussagen: Es wird wirklich aus der politischen Katastrophe gerettet und Gott wird dem Volk zum Heil. Er wird Israels Stärke und Lied sein, sodass es seine Freiheit wiedergewinnen wird, nachdem alles in Trümmern zerlegt worden ist. Es wird eine Zeit kommen, in der es wiederhergestellt wird. Und doch verweisen diese Worte auf ein viel umfassenderes Heil. Dies zeigt uns die wachsende messianische Erwartung. Apokalyptische Elemente nehmen immer mehr zu, sodass ein kommendes Gottesreich der Ewigkeit immer häufiger zur Sprache gebracht wird.
Das freudige Schöpfen von Wasser aus den Quellen des Heils wird demnach schon im Buch Jesaja nicht nur wörtlich verstanden. Es handelt sich um das lebendige Wasser, das von Gott kommt und Totes wiederbelebt. Es handelt sich um ein Bild für den Heiligen Geist. Allegorisch verstanden handelt es sich dabei um das Wasser der Taufe, durch das der Mensch zum ewigen Leben wiedergeboren wird. Es ist derselbe Geist, der die Auferstehung Jesu Christi bewirkt hat. Es ist derselbe Geist, durch den wir die Vergebung der Sünden auch nach unserer Taufe erhalten, wenn wir beichten. Und es ist der Geist, der die neue Schöpfung am Ende der Zeiten bewirken wird. Mit ihm ist die Freude verbunden. Sie ist eine Frucht des Heiligen Geistes und deshalb wird die Ewigkeit ein einziges Freudenmahl sein.
Gott hat an den Israeliten schon so viel Gutes bewirkt. Es ist schon jeden Lobpreis wert. In Vers 4 lesen wir einen regelrechten Missionsauftrag. Was Gott an uns Gutes getan hat, muss weitererzählt werden bei den umliegenden Völkern. Freude muss geteilt werden! Und durch die Verkündigung des Namens Gottes werden auch die anderen Völker zum Glauben an diesen Gott des Heils kommen.
Auch Vers 5 ist in dieser Linie zu lesen. Gottes Heilstaten ziehen als einzig angemessene Reaktion den Gesang für Gott nach sich. Die ganze Erde möge von diesem Gott erfahren! Es erinnert uns sehr an die Worte Jesu vor seiner Himmelfahrt. Die Apostel sollen in die ganze Welt hinausgehen und alle Menschen zu seinen Jüngern machen. Dieser Sendungsauftrag hat somit eine lange Vorgeschichte!
Zum Schluss erfolgt ein weiterer Lobpreisaufruf, denn Gott in ihrer Mitte ist groß. Die „Bewohner Zions“ können unterschiedlich ausgelegt werden. Es meint wörtlich zunächst die Bewohner Jerusalems zur Zeit dieser Prophezeiung. Zugleich betrachten wir es tiefer und erkennen die Bewohner Zions zur Zeit Jesu. Er ist wahrlich Gott in ihrer Mitte. Wenn er real bei ihnen ist, ist der Bräutigam zur Braut gekommen. Das kann keine Trauerzeit sein, sondern ist Grund zur Freude! Der Tempel ist noch da, aber bald ist er zerstört. Gott ist dann aber in eucharistischer Form in ihrer Mitte – bis heute! „Zion“ ist dann nicht mehr das in Trümmern liegende Jerusalem, das durch die Römer zerstört worden ist, sondern die Kirche. Sie ist der Bau, der aus lebendigen Steinen besteht – der Gemeinschaft der Gläubigen. In ihrer Mitte ist Christus real gegenwärtig in den eucharistischen Gestalten. Wir sehen ihn nicht mehr als Menschen, doch er ist genauso präsent wie damals. Wenn uns dies einmal bewusst wird, können wir nicht mehr anders als in der Heiligen Messe voller Lobpreis im Herzen und auf den Lippen zu verweilen. Eucharistie ist Danksagung. Wir preisen in der Messe Gott für seine Heilstaten auf intensivste Weise. Und wenn wir im Stand der Gnade sind, wohnt Gott mitten in uns. Er nimmt Wohnung in unserer Seele, wenn wir getauft werden. Bemühen wir uns, diesen inneren Tempel nicht zu verunreinigen, und preisen wir den Herrn Tag für Tag! Tun wir dies nicht nur mit unseren Lippen, sondern führen wir ein entsprechendes Leben!

Lk 1
39 In diesen Tagen machte sich Maria auf den Weg und eilte in eine Stadt im Bergland von Judäa.
40 Sie ging in das Haus des Zacharias und begrüßte Elisabet.
41 Und es geschah, als Elisabet den Gruß Marias hörte, hüpfte das Kind in ihrem Leib. Da wurde Elisabet vom Heiligen Geist erfüllt
42 und rief mit lauter Stimme: Gesegnet bist du unter den Frauen und gesegnet ist die Frucht deines Leibes.
43 Wer bin ich, dass die Mutter meines Herrn zu mir kommt?
44 Denn siehe, in dem Augenblick, als ich deinen Gruß hörte, hüpfte das Kind vor Freude in meinem Leib.
45 Und selig, die geglaubt hat, dass sich erfüllt, was der Herr ihr sagen ließ.
46 Da sagte Maria: Meine Seele preist die Größe des Herrn
47 und mein Geist jubelt über Gott, meinen Retter.
48 Denn auf die Niedrigkeit seiner Magd hat er geschaut. Siehe, von nun an preisen mich selig alle Geschlechter.
49 Denn der Mächtige hat Großes an mir getan und sein Name ist heilig.
50 Er erbarmt sich von Geschlecht zu Geschlecht über alle, die ihn fürchten.
51 Er vollbringt mit seinem Arm machtvolle Taten: Er zerstreut, die im Herzen voll Hochmut sind;
52 er stürzt die Mächtigen vom Thron und erhöht die Niedrigen.
53 Die Hungernden beschenkt er mit seinen Gaben und lässt die Reichen leer ausgehen.
54 Er nimmt sich seines Knechtes Israel an und denkt an sein Erbarmen,
55 das er unsern Vätern verheißen hat, Abraham und seinen Nachkommen auf ewig.
56 Und Maria blieb etwa drei Monate bei ihr; dann kehrte sie nach Hause zurück.

Alles, was wir bisher gehört haben, läuft auf das heutige Evangelium hinaus: Maria besucht ihre Verwandte Elisabet, die ja im sechsten Monat schwanger mit Johannes dem Täufer ist.
Als Maria ins Haus kommt und Elisabet begrüßt, hüpft das Kind in ihrem Leib. Elisabet wird vom Heiligen Geist erfüllt und tut das, zu dem der Gesang aus Jes 12 auffordert: Sie unternimmt einen Lobpreis. Dabei segnet sie Maria, die sie als die Muttergottes erkennt. Es ist bemerkenswert, dass sie sich selbst niedriger einstuft als Maria („Wer bin ich…“). Das ist insofern besonders, als sie nach jüdischer Vorstellung eigentlich höher steht. Sie ist ja älter als Maria. Elisabet beginnt den Lobpreis, nachdem sie gemerkt hat, dass ihr ungeborenes Kind den Messias preist. Das heißt, dass ein ungeborener Mensch der erste ist, der den Messias erkennt! Wie kann man da noch sagen, dass Johannes der Täufer noch kein Mensch ist? Elisabet erkennt dadurch, dass Maria selbst ein Kind erwartet. Das ist bis dahin noch keinem bekannt gewesen.
Jesus kehrt in das Haus des Zacharias ein, auch wenn er noch nicht geboren ist. Das erkennt schon das andere ungeborene Kind. Es kommt noch besser. Im Hohelied gibt es eine Textstelle, in der es heißt, der Geliebte „springt über die Berge und hüpft über die Hügel“ (Hld 2,8). Maria geht ins Bergland von Judäa, um ihre Verwandte zu besuchen. Sie bringt den „Geliebten“ tatsächlich in die Berge und Hügel!
Auch die Verheißungen aus Zefanja realisieren sich in dieser Situation: Freuen und jubeln kann sich heute Elisabet, denn der HERR ist in ihrer Mitte. Maria hat ihn zu ihr gebracht. Es handelt sich gleichsam um das erste Fronleichnamsfest, denn das Allerheiligste wird in der ersten Monstranz zu den Menschen gebracht. Nicht nur Maria wird so zur Tochter Zion, in deren Mitte, nämlich in ihrem Leib, der Messias heranwächst, sondern auch ihre Verwandte und auch Johannes der Täufer.
Elisabet erkennt, dass die Personifikation der Tochter Zion ihre Verwandte Maria ist. Sie ist ganz anders als alle anderen Frauen. Sie trägt kein normales Kind unter ihrem Herzen, sondern den Messias, Gott den HERRN. Sie erkennt Marias Glauben an die gute Vorsehung Gottes. Sie erkennt, dass Maria wirklich darauf vertraut hat, dass Gottes Ratschluss immer auf das Heil hinausgeht und dass Gott sein Versprechen hält.
Aufgrund des wunderbaren Heilsplans Gottes wird Maria mit Freude erfüllt und gibt ihm die Ehre stellvertretend für das ganze Volk Israel. Sie ist die Personifikation der Tochter Zion. Sie ist zugleich der Beginn des Neuen Bundes, also ein Scharnier zwischen den beiden Bünden. Auch mit Blick auf den zweiten Bund ist sie die Repräsentantin des Lobpreises. Nicht umsonst nennen wir sie das Urbild der Kirche.
Maria beginnt das Magnificat mit den Worten: „Meine Seele preist die Größe des Herrn und mein Geist jubelt über Gott, meinen Retter.“ Er ist im Begriff, den Höhepunkt der gesamten Heilsgeschichte einzuleiten durch seine eigene Menschwerdung. So kann sie nicht umhin, voller Freude zu sein und ihn zu preisen. Und mit ihr zusammen können wir nicht anders, als voller Freude zu sein. Wir danken ihm, dass er bereit war, in diese gefallene Welt einzugehen, um uns aus der Sklaverei der Sünde herauszuführen. Wenn Gott ein Kind schenkt, bereitet das den werdenden Müttern Freude.
Gott hat auf die Niedrigkeit nicht nur Mariens geschaut, sondern auch von vielen Frauen im Alten Testament sowie auf Elisabet. Mariens Niedrigkeit müssen wir als Demut verstehen. Weil sie so demütig ist, stellt sie den fruchtbaren Boden für das Wort Gottes dar, das in ihr Fleisch annimmt. Ihre Demut hat den Hochmut des Bösen besiegt, weshalb dieser sie so sehr hasst.
Unsere Niedrigkeit ist im Gegensatz zu ihrer natürlich beschränkt, weil wir Sünder sind Doch wir können die Niedrigkeit auf uns selbst noch anders verstehen, denn das griechische Wort tapeinosis bedeutet auch die Erniedrigung oder Niedergeschlagenheit. Gott hat das Leiden seines Volkes gesehen und somit die Bitten um das Kommen des Messias erhört! Und er erhört auch unsere Gebete in heutiger Zeit. Wir sind bereits Erlöste und doch erleiden wir immer wieder Nöte als weiterhin Lebende in der gefallenen Schöpfung. So möchte er uns immer wieder aus diesen Nöten herausholen und uns vor allem aus den seelischen Nöten befreien. Er ist kein Gott, dem seine Kinder egal sind. Er wirkt und er greift ein.
Maria preisen nun wirklich alle Geschlechter. Sie ist die Mutter aller Lebenden geworden – die neue Eva. Und weil sie durch ihr Ja den Messias in diese Welt gebracht hat, preisen wir alle sie selig. Sie ist wahrlich selig, denn wir glauben, dass sie jetzt mit Leib und Seele bei Gott ist, zur Rechten ihres Sohnes und als Königin des Weltalls!
Gott hat wirklich Großes an ihr getan. Sie gibt ihm die Ehre, statt sich selbst zu rühmen. Was mit ihr geschieht, ist ja alles nicht ihr eigenes Verdienst. Vielmehr wirkt Gott an ihr, die sie sich bereit erklärt hat zu seinem wunderbaren Werkzeug.
Gottes Name ist heilig. Das ist eine gottesfürchtige Aussage einer frommen Jüdin. Und auch wir sollen Gottes Namen heiligen. Das ist eines der Zehn Gebote. Und auch wir sollen nie vergessen, dass alles, was wir an Gutem zustande bringen, von Gott kommt. Wir sollen ihm dafür die Ehre geben und nicht die Orden an unsere eigene Brust hängen.
Gott erbarmt sich wirklich über alle, die ihn fürchten. Er ist barmherzig und hat Mitleid. Er ist absolut vergebungsbereit bis heute, wenn die Menschen reumütig zu ihm kommen.
Gott stürzt die Mächtigen vom Thron und erhöht die Niedrigen, weil in seinem Reich die Maßstäbe umgekehrt sind. Jesus wird in seiner Verkündigung betonen, dass die Ersten die Letzten und die Letzten die Ersten sein werden. Immer wieder spricht er vom Sieg der Demut gegenüber dem Hochmut der Welt. Hochmut ist dabei etwas, das das Herz erfüllt. Deshalb intensiviert Jesus in der Bergpredigt die Gebote Gottes, indem er ihre Einhaltung zur Herzenssache erklärt – ausgehend aus dem Herzen und beginnend im Herzen. Von dort geht alles aus.
Gott ist absolut großzügig und nährt die Hungrigen – nicht nur die körperlich Hungrigen, sondern vor allem jene, die Hunger nach Gerechtigkeit, die Hunger nach Liebe, die Hunger nach Gott haben. Er ist es, der unsere tiefste Sehnsucht stillt. Nur er kann diese innere Unruhe stillen, die wir alle verspüren und die uns antreibt, in der Welt auf die Suche nach „Nahrung“ zu gehen.
Gott lässt die Reichen leer ausgehen – nicht einfach die finanziell/materiell Reichen. Denn es geht vielmehr um jene, deren Herz an ihrem Besitz, an ihrem Ansehen und an ihrer Macht hängt. Es gibt auch Reiche, die ihr Vermögen an Arme und Bedürftige verschenken und die gar nicht an dem Reichtum hängen. Diese sind hier also nicht angesprochen, sondern vielmehr jene, deren Herz schon ganz reich ist mit allem Möglichen, sodass Gottes Gnade nicht mehr hineinpasst. Wir bemerken in dem Magnificat viele Anspielungen an das erste Samuelbuch und den Lobpreis der Hanna. Beide Frauen werden erfüllt mit demselben Geist, Maria kennt die Hl. Schriften und ist ganz in ihnen zuhause.
Gott nimmt sich seines Knechtes Israel an, das ist als Sammelbild für das gesamte Volk zu verstehen und führt erneut auf die Gebetserhörung und das Mitleid Gottes mit seinem Volk zurück. Gott hält sein Versprechen. Er ist treu und nun erfüllt sich alles, was Jesaja angekündigt hat. Das ist der Grund zur absoluten Freude!
Wir stehen als Christen am Ende der Zeiten und warten voller Sehnsucht auf das Ende der Zeiten. Dann wird es nämlich eine Erlösung vom Leiden dieser Welt geben, eine Befreiung von der Unterdrückung und Gefangenschaft durch den Bösen. So können wir auch mit Blick auf das zweite Kommen voller Freude sein. Es ist die innere Gewissheit, dass trotz aller schrecklichen Zustände der Gegenwart und entgegen aller bösen Mächte Gott das letzte Wort haben wird. Christus hat den Tod ja bereits besiegt. Das Osterereignis ist für uns der Grund zur absoluten Freude! Am Ende der Zeiten wird es ein ultimativer Triumph Gottes sein, der mit dem Bösen abrechnen wird. Dann werden wir beim himmlischen Hochzeitsmahl die absolute Freude der Ewigkeit erfahren.
Gott vergisst seine Verheißungen nicht, die er den Vätern eröffnet hat, Abraham und seinen Nachkommen. Diese Verheißungen haben ewigen Bestand, Gottes Bund endet nie!
Maria bleibt drei Monate bei ihrer Verwandten, also bis zur Geburt des Täufers. Erst danach kehrt sie nach Hause zurück.
Das Magnificat ist eine Zusammenstellung der verschiedensten Schrifttexte. Maria ist eine fromme Jüdin, die eine absolute Schriftkundige ist. Das beweist uns dieses Gebet, das die Kirche mit ihr gemeinsam betet: Es ist ein Durchlauf durch die fünf Bücher Mose (z.B. Gen 30; Dtn 10), durch den Psalter (z.B. Ps 103; 89; 147), durch Geschichtsbücher vor allem aus 1 Sam (viele Übereinstimmungen mit Hannas Lobgesang) und vor allem aus den Propheten (z.B. Habakuk, Ezechiel, Jesaja und Micha). Hier wirkt der Hl. Geist in ihr.

Freuen wir uns heute gemeinsam mit Elisabet und mit ihrem ungeborenen Kind, dass Gott sich entschlossen hat, an die Schwelle des Hauses Israels zu treten. Danken wir Gott, dass er bereit war und ist, durch die Schwelle der Ewigkeit einzutreten in unser Dasein, um ganz bei uns zu sein in der Eucharistie. Danken wir Gott, dass er sogar noch weiter geht und bereit ist, durch unseren Kommunionempfang über die Schwelle unserer Seele zu treten, um sich mit ihr zu vereinen. Möge Gott in jedes Haus eintreten und mögen die Menschen ihm dafür auch die Türe öffnen!

Ihre Magstrauss

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