Samstag der 17. Woche im Jahreskreis

Lev 25,1.8-17; Ps 67,2-3.5.7-8; Mt 14,1-12

Lev 25
1 Der HERR sprach zu Mose auf dem Berg Sinai:
8 Du sollst sieben Sabbatjahre, siebenmal sieben Jahre, zählen; die Zeit von sieben Sabbatjahren ergibt für dich neunundvierzig Jahre.
9 Im siebten Monat, am zehnten Tag des Monats, sollst du das schallende Horn ertönen lassen; am Versöhnungstag sollt ihr das Horn im ganzen Land ertönen lassen.
10 Erklärt dieses fünfzigste Jahr für heilig und ruft Freiheit für alle Bewohner des Landes aus! Es gelte euch als Jubeljahr. Jeder von euch soll zu seinem Grundbesitz zurückkehren, jeder soll zu seiner Sippe heimkehren.
11 Dieses fünfzigste Jahr gelte euch als Jubeljahr. Ihr sollt nicht säen, den Nachwuchs nicht abernten, die unbeschnittenen Weinstöcke nicht lesen.
12 Denn es ist ein Jubeljahr, es soll euch als heilig gelten. Vom Feld weg sollt ihr den Ertrag essen.
13 In diesem Jubeljahr soll jeder von euch zu seinem Besitz zurückkehren.
14 Wenn du deinem Mitbürger etwas verkaufst oder von ihm etwas kaufst, sollt ihr einander nicht übervorteilen.
15 Kaufst du von deinem Mitbürger, so berücksichtige die Zahl der Jahre nach dem Jubeljahr; verkauft er dir, dann soll er die noch ausstehenden Ertragsjahre berücksichtigen.
16 Je höher die Anzahl der Jahre, desto höher berechne den Kaufpreis; je geringer die Anzahl der Jahre, desto weniger verlang von ihm; denn es ist die Zahl von Ernteerträgen, die er dir verkauft.
17 Ihr sollt einander nicht übervorteilen. Fürchte deinen Gott; denn ich bin der HERR, euer Gott.

In der heutigen Lesung hören wir einen Ausschnitt aus dem Heiligkeitsgesetz. Gott gibt Mose vor, wann die Festzeiten im kultischen Jahr sein sollen. Dies ist in der gestrigen Lesung wahlweise verlesen worden (wir haben uns mit Jeremia beschäftigt). Heute geht es um Jubeljahr und Sabbatjahr. Was ist damit gemeint?
Das Thema Sabbatjahr wird bereits in Exodus thematisiert und hier erneut aufgegriffen. Die Israeliten dürfen ihren Acker, ihren Weinberg und ihre Ölberge sechs Jahre beackern bzw. anbauen. Im siebten Jahr sollen sie diese Dinge aber brach liegen lassen, damit die wachsenden Früchte den Armen und den Tieren zur Verfügung stehen. Das Verheißene Land ist eine Gottesgabe. Die Beschenkten sollen dadurch nicht vergessen, dass sie es geschenkt bekommen, und dankbar bleiben. Zudem sollen sie nicht der Versuchung erliegen, das Geschenkte auszubeuten. Auch die Natur braucht eine Ruhephase ganz wie Gott geruht hat und die Menschen ruhen sollen. Schließlich sollen die Israeliten Anteil haben an der Solidarität Gottes mit den Armen und Unterdrückten.
Im Heiligkeitsgesetz kommt zum Sabbatjahr nun das Jubeljahr hinzu. Alle sieben Jahre wird ja ein Sabbatjahr eingelegt. Nach sieben Sabbatjahren, also im fünfzigsten Jahr, soll dieses Jubeljahr, Erlassjahr bzw. Halljahr eingelegt werden. Es wird der genaue Monat und Tag genannt, an dem man das Jubeljahr einläuten soll, nämlich am Versöhnungstag. Das fünfzigste Jahr soll für heilig erklärt werden.
Die Israeliten sollen heilig sein, wie Gott heilig ist. Sie sollen barmherzig sein wie Gott. Deshalb soll man in diesem Jubeljahr allen Menschen die Schulden erlassen, den Menschen das Erbland zurückgeben, die aufgrund von Verschuldung ihren Anteil am Verheißenen Land verkaufen mussten, und Sklaven freilassen.
Dieses Jahr soll ebenfalls ein Brachjahr für Ländereien, Weinberge und Ölgärten sein.
All diese Verhaltensaufforderungen leiten sich ab von der Heiligkeit Gottes selbst. Aus Gottesfurcht sollen die Israeliten so zueinander und zum Verheißenen Land sein.

Ps 67
2 Gott sei uns gnädig und segne uns. Er lasse sein Angesicht über uns leuchte
n,
3 damit man auf Erden deinen Weg erkenne, deine Rettung unter allen Völkern. 
5 Die Nationen sollen sich freuen und jubeln, denn du richtest die Völker nach Recht und leitest die Nationen auf Erden.  
7 Die Erde gab ihren Ertrag. Gott, unser Gott, er segne uns!
8 Es segne uns Gott! Fürchten sollen ihn alle Enden der Erde.

Als Antwort beten wir Ps 67, in dem der aaronitische Segen verarbeitet wird. Dieser wird in Num 6 erstmals thematisiert. Vers 25 aus Num 6 wird hier sehr ähnlich wiederholt: Die beiden Bestandteile „Gnädigsein“ und „Leuchten seines Angesichts“ aus Num 6 sind wieder zu erkennen. Es wird aber nicht nur wiederholt, sondern reflektiert. Der Zweck des Wunsches wird nämlich an dieser Stelle erklärt: Die Israeliten sollen durch das Leuchten des Angesichts Gottes seinen Weg erkennen, das heißt seinen Willen. Der aaronitische Segen wird paränetisch fortgesetzt, also zur Unterweisung im moralischen Verhalten, was ihn so passend zur Lesung macht, die ja ebenfalls aus Verhaltensvorgaben besteht.
Der nächste Nebensatz geht darüber hinaus. Die Rettung unter allen Völkern klingt in unseren christlichen Ohren sehr messianisch (hebr. בְּכָל־גֹּ֝ויִ֗ם יְשׁוּעָתֶֽךָ b’chol-gojim jeschu’atecha, der Name Jesu ist enthalten und wird auf die nichtjüdischen Völker bezogen). So müssen wir den Vers mit folgender Interpretation lesen: Lass dein Angesicht leuchten, damit wir den Messias erkennen, der die ganze Welt erlösen wird.
Im Anschluss erkennen wir wieder die positive Sicht auf das göttliche Gericht, über das die „Nationen“ sich freuen. Hier steht עַמִּ֥ים ammim und nicht gojjim, was auf die Stämme Israels hinweist. Die Stämme können dann endlich aufatmen, nachdem sie so viel Leid durch Fremdherrschaft und Tyrannei erleiden mussten. Gott bringt endlich die ersehnte Gerechtigkeit!
„Die Erde gab ihren Ertrag“ wird in Vers 7 deshalb mit „Gott, unser Gott, er segne uns!“ kombiniert, weil Ertrag dessen ganz konkreter Ausdruck ist.
Der Psalm wird mit einem Segenswunsch abgeschlossen, der wiederum an den aaronitischen Segen von Num 6 anknüpft.
Die Psalmen bringen immer wieder zum Ausdruck, dass Gottes Erlösungsplan, der sich mit Jesus erfüllt hat, über die jüdischen Grenzen hinausgeht, aber v.a. dort beginnt.

Mt 14
1 Zu dieser Zeit hörte der Tetrarch Herodes, was man von Jesus erzählte.

2 Er sagte zu seinem Gefolge: Das ist Johannes der Täufer. Er ist von den Toten auferweckt worden; deshalb wirken solche Kräfte in ihm.
3 Herodes hatte nämlich Johannes festnehmen und in Ketten ins Gefängnis werfen lassen wegen der Herodias, der Frau seines Bruders Philippus.

4 Denn Johannes hatte zu ihm gesagt: Es ist dir nicht erlaubt, sie zur Frau zu haben.
5 Dieser wollte ihn töten lassen, fürchtete sich aber vor dem Volk; denn man hielt Johannes für einen Propheten.
6 Als aber der Geburtstag des Herodes war, tanzte die Tochter der Herodias vor ihnen. Und sie gefiel Herodes,
7 sodass er mit einem Eid zusagte, ihr zu geben, was immer sie sich wünschte.
8 Sie aber, angestiftet von ihrer Mutter, sagte: Gib mir hier auf einer Schale den Kopf Johannes’ des Täufers!
9 Und der König, der traurig wurde wegen der Eide und wegen der Gäste, befahl, den Kopf zu bringen.
10 Und er schickte und ließ Johannes im Gefängnis enthaupten.
11 Man brachte seinen Kopf auf einer Schale und gab ihn dem Mädchen und sie brachte ihn ihrer Mutter.
12 Und seine Jünger kamen, holten den Leichnam und begruben ihn. Dann gingen sie und berichteten es Jesus.

Heute hören wir von einem wirklich bemitleidenswerten Menschen, König Herodes. Er ist deshalb so bemitleidenswert, weil er trotz seiner Königschaft ein Sklave ist, ein Sklave seiner eigenen Sünden. Wir hören auch von Johannes dem Täufer, der eine ähnlich unbeliebte Botschaft verkündet wie Jeremia, von dem wir ja gestern gehört haben und der so wie er dafür bedroht wird. Im Gegensatz zum Propheten des Alten Testaments wird Johannes aber in der heutigen Episode umgebracht.
Der König Herodes hört von Jesu Machttaten und von den Gerüchten, er sei der auferstandene Täufer, den er hatte hinrichten lassen.
Jesus wird dabei unterschiedlich bewertet. Die einen setzen ihn mit Johannes den Täufer in Beziehung, wiederum andere sehen in Jesus einen Propheten wie jene aus dem Alten Testament.
Dann wird rückblickend erzählt, wie Johannes der Täufer umgekommen ist.
Herodes wurde Opfer einer Intrige seiner Frau. Eigentlich mochte er den Täufer, auch wenn seine Worte ihn beunruhigten. Johannes rührte Herodes‘ Gewissen an, deshalb wurde dieser immer unruhig. Tief in seinem Innern wusste Herodes nämlich, dass er große Sünden begangen hatte. Es ist wie mit dem Gewissen der Juden im Tempel zur Zeit des Jeremia, die ihn wegen ihres schlechten Gewissens mundtot machen möchten.
Herodias konnte dem Täufer nicht verzeihen, dass dieser deren Ehebruch mit Herodes öffentlich angeprangert hat. Sie war nämlich eigentlich die Frau seines Bruders Philippus. Herodes beging also Ehebruch mit ihr, denn Philippus lebte zu der Zeit noch. Die Tochter der Herodias war dabei eine gemeinsame Tochter mit Philippus. Herodias konnte ihre Tötungsabsichten nie durchsetzen, weil Herodes sie daran hinderte. Er respektierte den Täufer sehr, hatte sogar Angst. Das heißt er wusste, dass er einen Gottesmann nicht umbringen durfte.
Herodias sah ihre Chance am Geburtstag des Königs, als dieser viele Gäste einlud. Sie ließ ihre Tochter vor der Geburtstagsgesellschaft tanzen und verführte so den König. Es muss viel Alkohol geflossen sein, dass Herodes so leicht zu verführen war. Er ließ sich zu einem leichtsinnigen Schwur vor allen hochrangigen Anwesenden verleiten, dem Mädchen alles zu geben, was sie sich wünschte. Sie ließ die Mutter wählen und diese nutzte die Chance, nach dem Kopf des Täufers zu verlangen. So kam Herodes in ein Dilemma. Einerseits wollte er den Täufer nicht töten, andererseits wollte er vor seinen Gästen nicht das Gesicht verlieren. Er war gottesfürchtig, aber die Menschenfurcht war größer. Er tat, was er versprochen, und ließ den Täufer umbringen.
Herodias hat bekommen, was sie wollte. Herodes hat sich schwer versündigt. Johannes der Täufer musste sein Leben hingeben für die Gebote Gottes, genauer gesagt für das sechste Gebot.
Die Johannesjünger bestatteten Johannes den Täufer in einem Grab.
Der Mensch ist ein zwiegespaltenes Wesen aufgrund der Erbsünde. Einerseits ist die Liebe zu Gott noch da, andererseits überdeckt die Sünde diese Liebe oft. So ist die Selbstliebe manchmal stärker als die Gottesliebe. Der Mensch entscheidet sich gegen Gott. Herodes ist eine arme Seele, weil er trotz Erkenntnis seiner Sünden nicht davon ablässt. Gott gibt ihm die Chance, umzukehren. Er rüttelt Herodes durch den Täufer regelrecht wach. Es trifft Herodes auch, denn er gerät in Verlegenheit. Doch er hat kein Rückgrat. Seine Schwäche ist die Manipulierbarkeit durch Frauen und die Menschenfurcht. Er lässt sich hinreißen zu bösen Taten durch schöne Frauen. Er möchte zudem vor anderen Menschen gut dastehen, vor allem politisch relevanten Menschen. Auch wenn er als Jude den Glauben kennt und versteht, was die Gebote Gottes sind, kann sich dieser kleine Glauben nicht durchsetzen gegenüber seiner großen Schwachpunkte.

Heute wird uns einmal mehr bewusst, dass Gott und seine Gebote ins Leben führen. Er ist ein Gott des Lebens und so sollen wir einander ein Leben in Fülle ermöglichen. Dafür steht auch das Heiligkeitsgesetz. Was die Sünde aber mit sich bringt, ist der Tod. Wir sehen es an der Intrige der Herodias und der Menschenfurcht des Herodes. Johannes der Täufer muss seinen Kopf hinhalten. Wählen wir das Leben, indem wir uns täglich neu für Gott entscheiden!

Ihre Magstrauss

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