Mittwoch der 20. Woche im Jahreskreis

Ri 9,6-15; Ps 21,2-3.4-5.6-7; Mt 20,1-16a

Ri 9
6 Da versammelten sich alle Bürger von Sichem und Bet-Millo, zogen zu der Terebinthe, die bei Sichem steht, und machten Abimelech zum König.
7 Als man das Jotam meldete, stellte er sich auf den Gipfel des Berges Garizim und rief ihnen mit erhobener Stimme zu: Hört auf mich, ihr Bürger von Sichem, damit Gott auf euch hört!
8 Einst gingen die Bäume hin, um sich einen König zu salben, und sie sagten zum Ölbaum: Sei du unser König!
9 Der Ölbaum sagte zu ihnen: Habe ich etwa schon mein Fett aufgegeben, das Götter und Menschen an mir ehren, und werde hingehen, um über den Bäumen zu schwanken?
10 Da sagten die Bäume zum Feigenbaum: Geh du hin, sei unser König!
11 Der Feigenbaum sagte zu ihnen: Habe ich etwa schon meine Süßigkeit und meine guten Früchte aufgegeben und werde hingehen, um über den Bäumen zu schwanken?
12 Da sagten die Bäume zum Weinstock: Geh du hin, sei unser König!
13 Der Weinstock sagte zu ihnen: Habe ich etwa schon meinen Most aufgegeben, der Götter und Menschen erfreut, und werde hingehen, um über den Bäumen zu schwanken?
14 Da sagten alle Bäume zum Dornenstrauch: Geh du hin, sei unser König!
15 Der Dornenstrauch sagte zu den Bäumen: Wenn ihr mich wirklich zu eurem König salben wollt, kommt, bergt euch in meinem Schatten! Wenn aber nicht, dann soll vom Dornenstrauch Feuer ausgehen und die Zedern des Libanon fressen.

Gestern hörten wir von der Berufung Gideons zum Richter über Israel. Er war ein starker und mutiger Mann und schaffte es, Israel von den Midianitern zu befreien, die zuvor alles geplündert und die Ernte der Israeliten zerstört hatten. Das Problem, von dem wir indirekt in der Lesung gehört haben, nämlich dass Abimelech es schaffte, die Sichem-Bewohner dazu zu bringen, ihn zum König zu machen, obwohl er es gar nicht sein sollte, ist Folge einer schweren Sünde Gideons. Wir hören zuvor davon, dass er mit dem Gold der Midianiter einen Efod machen lässt und in Ofra aufstellen lässt. Ein Efod meint eigentlich ein Priestergewand. Hier ist aber etwas anderes damit gemeint: „Efod“ hat nämlich die alternative Bedeutung „Götterbild“ oder „Orakelgerät“. Was Gideon also begeht, ist Götzendienst. Dieser zieht schwere Konsequenzen nach sich und so kommt es, dass sein Sohn, den er mit einer Sklavin bekam, sich zum König machen will. Er selbst wurde schon vorher gefragt, ob er nach all seinen Heldentaten nicht der König von Sichem sein möchte. Er entgegnete, dass Gott allein der Herrscher über sie sein soll. Er bevorzugt die Theokratie gegenüber der Monarchie. Abimelech verlässt also die Wege seines Vaters und geht wortwörtlich über Leichen, um sein Ziel zu erreichen. Er lässt seine siebzig Brüder umbringen außer den Jüngsten Jotam, der sich verstecken kann. Er lässt deshalb seine Brüder umbringen, weil Sichem bis dahin von allen siebzig Brüdern als Richterkollegium angeführt worden war. Er wollte aber der alleinige Herrscher sein.
Als dieser dann erfährt, was passiert, stellt er sich auf den Garizim, einen hl. Berg, auf dem später die Samariter Gott anbeten werden. Von dort aus erzählt er die Fabel, die wir in der Lesung gehört haben.
In dieser Fabel werden königliche Kandidaten mit Bäumen umschrieben. Dieses Bildfeld ist für Königsfabeln verbreitet, denn was Bäume geben, ist Schutz, Schatten und Früchte. Drei Bäume werden gefragt, ob sie König sein möchten, doch alle drei lehnen aus verschiedenen Gründen die Königswürde ab. Wir bemerken die Analogie zur Geschichte Gideons und seiner Söhne (Gideon erhielt zwischenzeitlich den Namen Jerubbaal). Ausgerechnet der Dornenstrauch meldet sich nun, um die königlichen Werte zu versprechen – Schutz, Schatten und Früchte. Das Problem ist, dass ein Dornenstrauch dies nun nicht wirklich bringt.
Weil die Bewohner Sichems und Bet-Millos aber so töricht sind, auf die Worte Abimelechs hineinzufallen, wird der Dornstrauch namens Abimelech ihnen nun zum Ort der Unterscheidung: Wenn es gottgewollt ist, dass Abimelech König wird, werden sie das Versprochene von ihm erhalten. Wenn es gar nicht Gottes Wille ist, wird von diesem Dornstrauch Feuer ausgehen, um die Zedern des Libanon zu fressen.
Die Fabel ist ein einziges Bekenntnis gegen die Regierungsform der Königsherrschaft. Jotam bleibt bei der Haltung seines Vaters, dass Gott der Herrscher über Israel sein soll.
Mit Abimelech wird es nicht gut ausgehen. Die Leute werden von ihrer Loyalität ihm gegenüber abfallen und er wird gegen die Einwohner verschiedener Städte kämpfen, bis eine Frau ihm einen Mühlstein auf den Kopf wirft. Aus Angst vor der Demütigung, von einer Frau getötet worden zu sein, lässt er sich von seinem Waffenträger mit einem Schwert den Todesstoß geben. Ein wirklich unrühmliches Ende, das ihn ereilt, weil er seine eigenen Brüder umgebracht hat.

Ps 21
2 HERR, an deiner Macht freut sich der König; über deine Hilfe, wie jubelt er laut. 
3 Du hast ihm den Wunsch seines Herzens gewährt, ihm nicht versagt, was seine Lippen begehrten.
4 Ja, du kommst ihm entgegen mit Segen und Glück, du setzt auf sein Haupt eine goldene Krone. 
5 Leben erbat er von dir, du gabst es ihm, lange Jahre, immer und ewig. 
6 Groß ist seine Herrlichkeit durch deine rettende Tat, du legst auf ihn Hoheit und Pracht. 
7 Ja, du machst ihn zum Segen für immer; du beglückst ihn mit Freude vor deinem Angesicht.

Ps 21 ist ein Davidpsalm, der die israelitische Königsherrschaft aufgreift. König David betet zum HERRN, der seine Macht und Hilfe ist. Er ordnet seine eigene irdische Macht Gott unter, was ihn zu einem gerechten Herrscher macht. Dadurch, dass er nicht überheblich wird, sondern in Gottes Angesicht seinen Wert sieht – das nennen wir Demut -, ist er im Stand der Gnade. Dies erkennen wir daran, dass Gott seine Gebete erhört („den Wunsch seines Herzens gewährt, ihm nicht versagt…“). Diese Betrachtungen sind wichtig, um zu begreifen, warum es so lange in Israel keinen König gibt. Gott sollte stets der alleinige Herrscher sein, bis nicht er selbst entschied, einen irdischen Stellvertreter salben zu lassen.
David hat „Segen und Glück“ (בִּרְכֹ֣ות טֹ֑וב birchot tof, für Glück heißt es also wörtlich „Gutes“). Die Geste des Aufsetzens einer goldenen Krone ist zunächst als Krönungszeremonie zu verstehen – Gott ist es, der sich einen Kandidaten aussucht und die Königssalbung gültig macht. Im übertragenen Sinne meint dieser Gestus aber noch viel mehr. Wir lesen in der Johannesoffenbarung, wie die „Sieger“ mit Goldkronen ausgestattet sind als Zeichen ihrer besonderen Würde und ihres Triumphes. Bei der Taufe werden wir ja auch gesalbt und zu Königskindern in Gottes Reich. Diese königliche Würde wird am Ende unseres Lebens offenbar.
David erbittet ein langes Leben und Gott schenkt es ihm. Das ist laut jüdischem Verständnis ein Zeichen für Segen. Es setzt noch keinen Auferstehungsglauben voraus, wie wir ihn kennen, sondern ist ein Zeichen für die Erinnerung des eigenen Namens durch die Nachkommen, ein erfülltes irdisches Leben und eine Bestattung bei den Vorfahren. Hier hat der Geist Gottes König David aber schon prophetisch eingegeben, dass es wirklich ein ewiges Leben gibt (עֹולָ֥ם וָעֶֽד olam wa’ed „immer und ewig“). David vermittelt uns noch etwas Wichtiges, das Jesus noch viel verdichteter erklären wird: Gott offenbart durch seine Heilstaten seine Herrlichkeit (hebräisch כָּבוֹד kavod, im griechischen AT und NT δόξα doxa). Die Hoheit des israelitischen Königs kommt von Gott und nicht vom König selbst. Alles Andere ist eine Illusion, der zum Beispiel auch Abimelech in der Lesung aufgesessen ist. David bleibt dagegen „auf dem Boden“. Auch wir, die wir durch die Taufe mit einer königlichen Würde ausgestattet sind, können das von uns sagen: Sie kommt von Gott. Was wir Gutes vollbringen, tun wir aus Gottes Gnade heraus, der uns unsere Fähigkeiten geschenkt hat. Alles, was wir tun, soll deshalb ihm zur Ehre, ihm zur Verherrlichung dienen. Dieses Leben wird so wie David auch uns beglücken, mit Freude erfüllen. Diese Freude wird nicht nur eine vorübergehende, irdische sein, sondern eine ewige, die im Bild des himmlischen Hochzeitsmahls zum Ausdruck kommt.
Davids Art zu beten, die wir vor allem durch die Psalmen bis heute vermittelt bekommen, ist uns ein großes Vorbild. Er ist so ein großer König, der viel erreicht hat. Er hat auch nicht immer alles richtig gemacht, aber dennoch können wir seine Frömmigkeit und Gottesfurcht als gutes Beispiel für unser eigenes Leben übernehmen.

Mt 20
1 Denn mit dem Himmelreich ist es wie mit einem Gutsbesitzer, der früh am Morgen hinausging, um Arbeiter für seinen Weinberg anzuwerben.

2 Er einigte sich mit den Arbeitern auf einen Denar für den Tag und schickte sie in seinen Weinberg.
3 Um die dritte Stunde ging er wieder hinaus und sah andere auf dem Markt stehen, die keine Arbeit hatten.
4 Er sagte zu ihnen: Geht auch ihr in meinen Weinberg! Ich werde euch geben, was recht ist.
5 Und sie gingen. Um die sechste und um die neunte Stunde ging der Gutsherr wieder hinaus und machte es ebenso.
6 Als er um die elfte Stunde noch einmal hinausging, traf er wieder einige, die dort standen. Er sagte zu ihnen: Was steht ihr hier den ganzen Tag untätig?
7 Sie antworteten: Niemand hat uns angeworben. Da sagte er zu ihnen: Geht auch ihr in meinen Weinberg!
8 Als es nun Abend geworden war, sagte der Besitzer des Weinbergs zu seinem Verwalter: Ruf die Arbeiter und zahl ihnen den Lohn aus, angefangen bei den Letzten, bis hin zu den Ersten!
9 Da kamen die Männer, die er um die elfte Stunde angeworben hatte, und jeder erhielt einen Denar.
10 Als dann die Ersten kamen, glaubten sie, mehr zu bekommen. Aber auch sie erhielten einen Denar.
11 Als sie ihn erhielten, murrten sie über den Gutsherrn
12 und sagten: Diese Letzten haben nur eine Stunde gearbeitet und du hast sie uns gleichgestellt. Wir aber haben die Last des Tages und die Hitze ertragen.
13 Da erwiderte er einem von ihnen: Freund, dir geschieht kein Unrecht. Hast du nicht einen Denar mit mir vereinbart?
14 Nimm dein Geld und geh! Ich will dem Letzten ebenso viel geben wie dir.
15 Darf ich mit dem, was mir gehört, nicht tun, was ich will? Oder ist dein Auge böse, weil ich gut bin?
16 So werden die Letzten Erste sein.

Im Evangelium hören wir nun ein bekanntes Gleichnis, das Jesus erzählt. Bei diesem Evangelium können wir wieder gut erkennen, wie wichtig eine sorgfältige Betrachtung ist. Wenn wir es nur oberflächlich lesen, werden wir Jesu Pointe nicht verstehen. Das Bildfeld ist wiederum vergleichbar mit der Jotamfabel! Auch dort geht es um Bäume und der Weinstock wird sogar als König angefragt.
Zunächst einmal: Was ist der Kontext oder die Vorgeschichte? Jesus endete das 19. Kapitel mit der Aussage, dass die Letzten die Ersten und die Ersten die Letzten sein werden. Darum geht es auch in diesem Gleichnis, bei dem Jesus dann dieselben Worte an den Schluss setzt. Petrus fragte nach dem Lohn für die Jüngerschaft, bei der sie alles zurückgelassen haben. Jesus antwortet mit diesem Gleichnis, bei dem es auch um den Lohn geht und wo er diesen genauer erklärt – es meint den Lohn des ewigen Lebens.
Mit dem Himmelreich ist es wie mit einem Winzer, der Arbeiter für seinen Weinberg anwirbt. Er hat wahrscheinlich ein festes Personal, das für den Weinberg zuständig ist, doch zur Zeit der Traubenernte fällt mehr Arbeit an. Wenn man die Trauben nicht rechtzeitig aberntet, vertrocknen sie und sind nicht mehr zu gebrauchen. Deshalb muss er wohl Tagelöhner anwerben, um kurzfristig mehr Arbeiter zu haben.
So spricht er früh am Morgen die ersten Menschen an, für einen Denar in seinem Weinberg zu arbeiten. Der Tagespreis entspricht zu jener Zeit dem angemessenen Betrag für einen Tagelöhner. Was der Gutsherr mit den Arbeitern aushandelt, ist also nichts Ungewöhnliches, sondern der ganz normale Betrag, den sie zu erwarten haben. Gegen 9 Uhr morgens macht er sich wieder auf den Weg, um Verstärkung zu holen. Auch hier wird der übliche Tagespreis von einem Denar festgelegt. So geht der Gutsherr auch um 12 und um 15 Uhr los, um immer wieder neue Arbeiter zu beschäftigen. Egal, zu welcher Zeit er die Arbeiter beschäftigt, er verspricht ihnen, zu geben „was recht ist“.
Die letzte Mannschaft wird um 17 Uhr beschäftigt, also eine Stunde vor Feierabend.
Dann ist der Zeitpunkt der Auszahlung gekommen und der Verwalter beginnt bei jenen, die zuletzt gekommen sind. Jene, die früh am Morgen mit der Arbeit begonnen haben, denken bei sich, dass wenn jene einen Denar ausgezahlt bekommen, sie mehr erhalten werden. Schließlich haben sie den ganzen Tag gearbeitet, jene aber nur eine Stunde. Als sie dran sind, wird auch ihnen nur ein Denar ausgezahlt. Das regt sie auf und sie beschweren sich. Schließlich haben sie „die Last des Tages und die Hitze ertragen“. Sie reagieren ganz menschlich, weil das die menschliche Denkweise und das Verständnis von Gerechtigkeit ausmacht. Doch der Verwalter entgegnet ihnen: „Freund, dir geschieht kein Unrecht. Hast du nicht einen Denar mit mir vereinbart?“ Das ist ja tatsächlich so festgelegt worden. Zu jenem Zeitpunkt waren die anderen Arbeiter auch noch kein Thema. Der Verwalter bleibt dabei: „Ich will dem Letzten ebenso viel geben wir dir. Darf ich mit dem, was mir gehört, nicht tun, was ich will? Oder ist dein Auge böse, weil ich gut bin?“ Der Verwalter hat recht. Das Vermögen gehört ja nicht den Arbeitern und so haben sie nicht das Recht, mitzuentscheiden, wie der Besitzer mit seinem Besitz umgeht. Es schadet ihnen ja nicht, wenn der Verwalter im Namen des Gutsherrn nett zu den anderen ist. Denn was können jene Arbeiter dafür, dass sie erst so spät angeworben wurden? Sie haben den ganzen Tag in der Hitze gewartet, in der Ungewissheit, ob sie den Lebensunterhalt eines Tages verdienen würden, um sich und vielleicht eine ganze Familie am Leben zu erhalten. Die ersten Arbeiter haben nicht das ganze Bild vor Augen. Sie sehen nur ihre eigene Situation und haben somit nicht die Kompetenz oder Berechtigung, dem Gutsherrn hineinzureden, wie er mit anderen umgehen soll. Der springende Punkt ist: Die ersten Arbeiter gönnen es den letzten Arbeitern nicht, dass sie dasselbe bekommen wie sie. Sie gönnen es jenen nicht, die die Barmherzigkeit des Gutsherrn empfangen haben. Aber diese Barmherzigkeit ist es, die den abschließenden Satz Jesu betrifft: „So werden die Letzten Erste sein.“ Also nochmal: In dem Gleichnis geht es nicht um Gerechtigkeit, sondern um Barmherzigkeit.
Dieses Gleichnis können wir mehrfach auslegen. Wen meint Jesus selbst denn mit diesen Arbeitergruppen? Wer ist der Gutsherr, was ist der Weinberg?
Jesus selbst spricht eine „religionspolitische“ Sache an. Er verkündet das Reich Gottes im ganzen Land und es kommen immer mehr Heiden zum Glauben an ihn. Es ist sogar so, dass viele Heiden zu Glaubensvorbildern für verstockte Juden werden. Ihnen wird das ewige Heil in Aussicht gestellt und das missfällt vielen Juden, die das mitbekommen. Warum sollen jene, die ihr Leben lang in Sünde waren, genauso belohnt werden wie sie, die sie ihr Leben lang die Gebote Gottes befolgt haben? Sie reagieren wie die Arbeiter im Weinberg, anstatt sich für jene zu freuen, denen so eine Barmherzigkeit zuteilgeworden ist. Das Problem wird noch viel akuter in der Zeit der frühen Kirche, in der Juden- und Heidenchristen gemeinsam Christus nachfolgen. Es kommt z.B. zu einem großen Streit zwischen Paulus und gewissen Judenchristen, weil Paulus den Heidenchristen keinen Nachteil nachsagt in dem Sinne, dass sie genauso das ewige Heil erwartet wie den Judenchristen, die beschnitten sind und die Torah halten. Diese bilden sich aber ein, dass sie durch ihre jüdische Identität einen Vorteil haben (sie sind die Arbeiter der ersten Stunde). Sie erwarten aber auch, dass die Heidenchristen dasselbe „durchmachen“ sollen wie sie (die Last des Tages und die Hitze sind demnach Bilder für die Beschneidung und das Halten der Torah mit den ganzen Erweiterungen), damit sie denselben Lohn wie sie empfangen. Paulus argumentiert aber in derselben Weise wie Jesus mit dem Gleichnis. Gottes Lohn ist für jeden Menschen derselbe. Wenn er jenen, die nicht beschnitten sind und die Torah halten müssen, denselben Lohn in Aussicht stellt wie den Judenchristen, ist das Ausdruck seiner Barmherzigkeit. Warum freuen sie sich nicht einfach mit jenen, die zum Glauben an Jesus Christus gekommen sind? Der Weinberg ist seit alters her ein Bild für das Reich Gottes. „Arbeiter im Weinberg des Herrn“ ist ein ekklesiologischer Ausdruck, das heißt er bezeichnet jene, die als Geistliche und pastorale Mitarbeiter der Kirche an der Verbreitung des Evangeliums mitarbeiten. Somit ist es auch ein Bild für das Verhältnis zwischen den Aposteln der ersten Stunde und den pastoralen Mitarbeitern, die später dazugekommen sind. Sie alle wirken am Reich Gottes mit. Dass die Aposteln der ersten Stunde von Anfang an mit Jesus umhergezogen sind, ist ja nicht ihr Verdienst. Jesus hat sie „angeworben“, sie also erwählt. Und dass Paulus später zum Apostel geworden ist, ist auch nicht sein Verdienst. Hätte Gott ihn seiner eigenen Leistung überlassen, hätte er weiter die Christen verfolgt. Es ist letztendlich alles Gottes Vorsehung und so soll keiner einen Lohn einfordern, als ob er es besser wüsste als Gott selbst. Er ist es, der jedem Menschen den Lohn gibt. Und wenn er mit einem Menschen barmherzig ist, sollen wir uns für diesen Menschen freuen. Schließlich freut sich der ganze Himmel, wenn ein einzelner Sünder umkehrt.
Gottes Denkweise ist nicht wie unser menschliches Gerechtigkeitsempfinden. Sie ist vollkommen und übersteigt oft unsere menschliche Vernunft. Das heißt aber nicht, dass sie irrational ist, sondern überrational. Gott ist der gute Hirte, der im Gegensatz zum Menschen wirklich vollkommen ist. Er sucht nach jedem einzelnen verlorenen Schaf. Er stärkt das schwache Schaf. Er heilt das kranke Schaf. Wollen wir es diesen Schafen nicht gönnen? Es heilt doch schließlich die ganze Herde, wenn die schwachen Glieder gestärkt werden! So sollen wir uns mit einem Sünder freuen, der kurz vor seinem Tod noch zu Christus findet, anstatt sauer zu sein, dass jener ein Leben in Saus und Braus gelebt und kurz vor dem Ende noch vernünftig geworden ist, während wir uns ein Leben lang bemüht und das Kreuz getragen haben. Der in Aussicht gestellte Lohn ist für uns alle doch derselbe: ein Platz im Himmelreich.

Ihre Magstrauss

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