Donnerstag der 20. Woche im Jahreskreis

Ri 11,29-39a; Ps 40,2 u. 4ab.7-8.9-10; Mt 22,1-14

Ri 11
29 Da kam der Geist des HERRN über Jiftach und Jiftach zog durch Gilead und Manasse und er zog nach Mizpa in Gilead und von Mizpa in Gilead zog er gegen die Ammoniter.
30 Jiftach legte dem HERRN ein Gelübde ab und sagte: Wenn du die Ammoniter wirklich in meine Hand gibst
31 und wenn ich wohlbehalten von den Ammonitern zurückkehre, dann soll, was immer mir aus der Tür meines Hauses entgegenkommt, dem HERRN gehören und ich will es als Brandopfer darbringen.
32 Darauf zog Jiftach gegen die Ammoniter in den Kampf und der HERR gab sie in seine Hand.
33 Er schlug sie von Aroër bis dahin, wo man nach Minit kommt, zwanzig Städte, und bis hin nach Abel-Keramim. So mussten sich die Ammoniter vor den Israeliten beugen.
34 Als Jiftach nach Mizpa zu seinem Haus kam, siehe, da kam ihm seine Tochter entgegen mit Handtrommeln und Reigentänzen. Sie war sein einziges Kind; er hatte weder einen Sohn noch eine andere Tochter.
35 Und es geschah, sobald er sie sah, zerriss er seine Kleider und sagte: Weh, meine Tochter! Du hast mich tief gebeugt und du gehörst zu denen, die mich ins Unglück stürzen. Habe ich doch dem HERRN gegenüber meinen Mund zu weit aufgetan und kann nun nicht mehr zurück.
36 Sie erwiderte ihm: Mein Vater, du hast dem HERRN gegenüber deinen Mund zu weit aufgetan. Tu mit mir, wie es aus deinem Mund hervorgegangen ist, nachdem dir der HERR Rache an deinen Feinden, den Ammonitern, verschafft hat!
37 Und sie sagte zu ihrem Vater: Nur das eine soll mir gewährt werden: Lass mir noch zwei Monate Zeit, damit ich in die Berge hinabgehe und zusammen mit meinen Freundinnen meine Jungfrauschaft beweine.
38 Er entgegnete: Geh! und ließ sie für zwei Monate fort. Und sie ging mit ihren Freundinnen hin und beweinte in den Bergen ihre Jungfrauschaft.
39 Und es geschah, als zwei Monate zu Ende waren, kehrte sie zu ihrem Vater zurück und er erfüllte an ihr sein Gelübde, das er gelobt hatte; sie aber hatte noch mit keinem Mann Verkehr gehabt.

Heute hören wir eine Geschichte, die uns womöglich sehr befremdet. Es geht um Jiftach, den Gileaditer, also den Sohn des Gilead mit einer Dirne, der von seinem väterlichen Erbe vertrieben wird und ein Leben als Räuber im Lande Tob führt. Als Israel aber von den Ammonitern bedroht wird, wählen seine Stammesgenossen ihn zum Anführer im Kampf gegen sie. Er möchte diesen Kampf in Gottes Hände legen und bittet ihn um seinen Beistand. Er legt dabei ein Gelübde ab, dass es in sich hat: Es „soll, was immer mir aus der Tür meines Hauses entgegenkommt, dem HERRN gehören und ich will es als Brandopfer darbringen.“ Das ist ein sehr gewagtes Gelübde, das er wirklich ernst nimmt. Wir müssen hier wie so oft bei alttestamentlichen Texten bedenken, dass diese Ereignisse wertfrei geschildert werden. Nirgendwo steht, dass er Gott gegenüber so ein übermütiges Gelübde ablegen muss. Er tut es aus freien Stücken. Was wir dennoch daraus lernen, ist sein großes Gottvertrauen. Er begreift, dass sein Erfolg ganz vom Segen Gottes abhängt. Der Geist Gottes drängt ihn ja auch in die Gegend, in der er sich befindet und in der es ein Jahwe-Heiligtum gibt. Bei diesem macht er das Gelübde vor seinem Kampf.
Die Ammoniter werden besiegt und Jiftach ist bereit, sein Versprechen vor Gott einzulösen. Doch dann kommt der Schock: Als erstes kommt ihm seine Tochter mit Handtrommeln und Reigen entgegen, freudig über den Sieg, den ihr Vater errungen hat.
Sofort zerreißt er seine Gewänder als Zeichen der Trauer, denn ihm wird in dem Moment bewusst, dass er sie opfern muss.
Was wir in dieser uns befremdlichen Situation von ihm lernen, ist seine Reaktion: Auch wenn es ihm schwerfällt, das Gelübde zu halten, bleibt er dabei. Seine Gottesfurcht ist groß und er stellt Gott an die erste Stelle in seinem Leben. Sie ist sein einziges Kind, was die Sache noch schlimmer macht.
So trauert er lauthals um seine Tochter und konfrontiert sie mit dem Gelübde. Ihre Reaktion trifft es auf den Punkt: Er hat sich mit dem Gelübde zu weit aus dem Fenster gelehnt. Dies realisiert Jiftach selbst auch. Er versteht im Nachhinein, dass das ein großes Versprechen war, denkt aber nicht daran, es zu brechen. Sogar seine Tochter ermutigt ihn dazu, das Gelübde zu halten und sie zu opfern. Sie erbittet bei ihrem Vater jedoch eine Trauerzeit von zwei Monaten, damit sie zusammen mit ihren Freundinnen ihre Jungfrauschaft beweinen kann. Sie ist nämlich noch unverheiratet geblieben und würde jungfräulich sterben.
Als diese Zeitspanne um ist, erfüllt er an ihr das Gelübde gegenüber Gott und bringt sie als Brandopfer dar.
Diese Episode wird schon in der jüdischen Bibelauslegung kritisiert, umso mehr in der christlichen Auslegung. Was geschehen ist, widerspricht ja dem mosaischen Gesetz, demnach Menschenopfer strikt verboten sind. Wir dürfen insgesamt nicht dazu verleitet werden, eine solche Episode mit modernen Augen zu lesen. In jener Zeit ist die Opferung von Menschen sowie der Grad an Brutalität ein Stückweit normal. Das entschuldigt nichts und wie gesagt sollen die Israeliten sich von ihrem paganen Umfeld unterscheiden. Doch zugleich müssen wir verstehen, dass die Israeliten sich in einem immerwährenden Lernprozess befinden. Besonders das Buch der Richter ist für uns deshalb eine Herausforderung, weil es viele blutrünstige Taten der Israeliten schildert. Es ist ein Geschichtsbuch, eine Erzählung der Geschichte Israels mit seinen Lernprozessen und auch vielen Umwegen. Ein wichtiger roter Faden in diesem Buch ist der Grad an Treue gegenüber Gott: Wenn Israel Gott fürchtet und nur ihm dient, dann hat es Segen, der sich vor allem in militärischen Siegen zeigt. Wenn Israel dem Götzendienst verfällt, verliert es den Segen Gottes und verliert Kämpfe, wird bedroht, unterdrückt, ausgeplündert etc. Das ist etwas, das uns bis heute betrifft: Alles hängt vom Segen Gottes ab. Wenn wir Erfolg haben möchten mit allem, was wir anpacken, dann müssen wir zuerst Gott fürchten, ihm wie Jiftach die erste Stelle in unserem Leben geben und aus der innigen Beziehung zu ihm heraus alles andere angehen. Dann werden auch wir alles erreichen und über uns hinauswachsen.

Ps 40
2 Ich hoffte, ja ich hoffte auf den HERRN. Da neigte er sich mir zu und hörte mein Schreien. 
4 Er gab mir ein neues Lied in den Mund, einen Lobgesang auf unseren Gott. 
7 An Schlacht- und Speiseopfern hattest du kein Gefallen, doch Ohren hast du mir gegraben, Brand- und Sündopfer hast du nicht gefordert. 
8 Da habe ich gesagt: Siehe, ich komme. In der Buchrolle steht es über mich geschrieben.
9 Deinen Willen zu tun, mein Gott, war mein Gefallen und deine Weisung ist in meinem Innern. 
10 Gerechtigkeit habe ich in großer Versammlung verkündet, meine Lippen verschließe ich nicht; HERR, du weißt es.

Der erste Teil des heutigen Psalms, aus dem wir einen Abschnitt beten, besitzt die Form eines Dankespsalms. Wir können uns vor dem Hintergrund der Lesung sehr gut vorstellen, wie Jiftach im Anschluss an seinen Sieg über die Ammoniter diese Worte spricht. Gott hat auf das Schreien seines Volkes gehört, das von den Ammonitern bedroht wurde. Er hat auf das Schreien Jiftachs gehört, der um Gottes Beistand im Kampf gebeten hat. Jiftachs Tochter freute sich mit ihrem Vater. Beide könnten im Grunde sagen: Gott „gab mir ein neues Lied in den Mund“, auch wenn Jiftach der Jubel beim Anblick seiner Tochter natürlich vergangen ist.
Auch König David selbst kann davon ein Lied singen, wie Gott seine Gebete erhört hat und ihn in jeder Notlage beschützte. Der Hl. Geist erfüllte auch ihn so wie Jiftach, sodass er dieses Danklied komponieren konnte. Auf diese Weise sind alle Psalmen entstanden, die im Psalter überliefert sind. Das erkennen wir daran, dass immer wieder messianische und grundsätzlich prophetische Inhalte zu lesen sind. Gottes Geist hat hier gewirkt!
Die Aussage „an Schlacht- und Speiseopfern hattest du kein Gefallen…“ ist auch darauf zu beziehen, was dann in Vers 9 geschrieben steht: „deinen Willen zu tun“, also den Willen Gottes zu befolgen, ist das Entscheidende, ohne dass die Opfertätigkeit überflüssig wird. Dies müssen wir als rhetorische Wendung verstehen. Es gab immer wieder Phasen der Geschichte Israels, in denen der Opferkult unaufrichtig praktiziert worden ist. Die Israeliten lebten nicht, wie es Gott gefällt und deshalb brachten die Opfer in ihrem Fall nichts. Diese machen den Menschen nicht gerecht vor Gott, wenn nicht zugleich eine innere Einstellung der Reue und Umkehrbereitschaft vorliegt. Wer nicht bereit ist, auf Gottes Willen zu hören – deshalb die gegrabenen Ohren – der kann Gottes Gunst nicht mit Opfern erkaufen. Mit Blick auf die Episode der Lesung erhalten diese Worte noch eine andere Stoßrichtung: Gott zieht den Gehorsam einer unaufrichtigen Opferpraxis vor, aber in diesem Fall ist ja der Gehorsam Jiftachs an ein Gelübde gebunden, bei dem es um ein Brandopfer geht. Dennoch muss man diese Aussage auf Jiftach zurückwerfen: Gott braucht diese Art von Opfer nicht, die du versprichst! Er selbst hat ja begriffen, dass er den Mund zu voll genommen hatte, als er Gott so ein Gelübde ablegte.
Vers 8 ist ein zutiefst messianischer Vers, der genau das bestätigt, was ich vorhin meinte: Das ist ein Satz, den König David in seiner Tiefe gar nicht begreifen konnte. Auf der Oberfläche erkennen wir die Zusage des frommen Königs gegenüber Gott, zum Herrn zu kommen – im Allerheiligsten des Offenbarungszeltes. Die Aussage „in der Buchrolle steht es über mich geschrieben“ zeigt uns jedoch bereits den geistlichen Sinn der Aussage: Der Messias kommt und ist bereits gekommen, über den in der Buchrolle geschrieben steht – nämlich in den Hl. Schriften der Juden, besonders in der prophetischen Literatur wie Jesaja! Diese christologische Auslegung der Bibelstelle ist nicht aus den Fingern gesogen. Bereits der Hebräerbrief nimmt dies vor in 10,9. Vor diesem Hintergrund können wir auch die folgenden Verse verstehen: Die Gehorsamsbekundung spricht Christus selbst als Mensch, der in seiner Entäußerung gehorsam war bis zum Tod. Er hat den Willen des Vaters ganz erfüllt und dabei die Weisung – die Torah – ganz und gar erfüllt. Er ist wahrlich das fleischgewordene Wort Gottes! Er hat seine Lippen nie verschlossen, sodass das Unliebsame die Menschen dazu trieb, ihn fast zu steinigen und am Ende sogar ans Kreuz zu schlagen. So war es auch mit den vielen Propheten zuvor, die den Menschen den Willen Gottes kundgetan haben. Sie sind zumeist den Märtyrertod gestorben, weil man sie mundtot machen wollte, bis zum letzten Propheten, dem Täufer Johannes.
Mit Blick auf die Lesung können wir also trotz der sehr befremdlichen Umstände schließen: Es geht um den absoluten Gehorsam gegenüber Gott, für den Jiftach und auch König David große Vorbilder darstellen. Für sie steht Gott an oberster Stelle und sie halten diesem die Treue, egal was passiert.

Mt 22
1 Jesus antwortete und erzählte ihnen ein anderes Gleichnis:
2 Mit dem Himmelreich ist es wie mit einem König, der seinem Sohn die Hochzeit ausrichtete.
3 Er schickte seine Diener, um die eingeladenen Gäste zur Hochzeit rufen zu lassen. Sie aber wollten nicht kommen.
4 Da schickte er noch einmal Diener und trug ihnen auf: Sagt den Eingeladenen: Siehe, mein Mahl ist fertig, meine Ochsen und das Mastvieh sind geschlachtet, alles ist bereit. Kommt zur Hochzeit!
5 Sie aber kümmerten sich nicht darum, sondern der eine ging auf seinen Acker, der andere in seinen Laden,
6 wieder andere fielen über seine Diener her, misshandelten sie und brachten sie um.
7 Da wurde der König zornig; er schickte sein Heer, ließ die Mörder töten und ihre Stadt in Schutt und Asche legen.
8 Dann sagte er zu seinen Dienern: Das Hochzeitsmahl ist vorbereitet, aber die Gäste waren nicht würdig.
9 Geht also an die Kreuzungen der Straßen und ladet alle, die ihr trefft, zur Hochzeit ein!
10 Die Diener gingen auf die Straßen hinaus und holten alle zusammen, die sie trafen, Böse und Gute, und der Festsaal füllte sich mit Gästen.
11 Als der König eintrat, um sich die Gäste anzusehen, bemerkte er unter ihnen einen Menschen, der kein Hochzeitsgewand anhatte.
12 Er sagte zu ihm: Freund, wie bist du hier ohne Hochzeitsgewand hereingekommen? Der aber blieb stumm.
13 Da befahl der König seinen Dienern: Bindet ihm Hände und Füße und werft ihn hinaus in die äußerste Finsternis! Dort wird Heulen und Zähneknirschen sein.
14 Denn viele sind gerufen, wenige aber auserwählt.

Im Evangelium erzählt Jesus ein wichtiges Gleichnis, das den Kreis der heutigen Lesungen schließt. Denn er spricht von einem Hochzeitsfest, das ein gängiges Bild für die Ewigkeit darstellt. Er versucht das Himmelreich begreiflich zu machen, und erklärt:
Ein König möchte für seinen Sohn eine Hochzeit ausrichten. Wir verstehen, dass er den Vater und den Sohn Jesus Christus meint. Er spricht hier über seine eigene endzeitliche Hochzeit des Lammes, bei der er seine Braut, die Kirche, heiratet.
Dieses Reich ist ja mit seinem ersten Kommen auf die Erde angebrochen. Schon die Propheten des Alten Testaments haben auf die Hochzeit hingewiesen und die Menschen dazu eingeladen. Einigen hat Gott sogar aufgetragen, zölibatär zu leben, um die Brautschaft des Gottesvolkes anhand ihres Lebens sichtbar zu machen. Alles ist vorbereitet, doch die Menschen interessiert die Einladung nicht. Sie arbeiten und gehen ihrem Alltag nach, als ob nichts gewesen wäre. Manche töten sogar die Diener, die zum Hochzeitsmahl einladen. Die vielen Propheten, die den Herrn angekündigt haben, mussten wirklich schlimmes erleiden und wurden oft umgebracht.
Das bleibt nicht ohne Konsequenzen, denn die Hochzeit soll stattfinden, jedoch nicht mit jenen, die sich als unwürdig erwiesen haben. So weitet der König seine Einladung auf alle Gewillten aus und die Diener gehen auf die Straße. Sie holen „Böse und Gute“ zusammen, bis der Festsaal gefüllt ist. Wir verstehen dieses Bild für den neuen Bund, der mit allen Menschen guten Willens eingegangen wird, egal aus welchem Volk, welcher Sprache, Region oder Nation. Wir hören von dieser universalen Sammlung sehr oft in den prophetischen Schriften. Die Diener sind nun die Apostel und Jünger Jesu, jene, die das Evangelium auch nach dem Heimgang Jesu zum Vater weiter verbreiten. „Das Reich Gottes ist nahe“ wird in dem Gleichnis ausgedrückt durch die Worte „Siehe, mein Mahl ist fertig“ und „Kommt zur Hochzeit!“ Viele Menschen kommen zum Glauben und werden Christen. Das heißt aber nicht, dass sie alle gut sind. In der Kirche wird es auch Menschen geben, die nicht aus Glauben oder Berufung hier sind, die vielleicht anfangs gut sind und später vom Glauben abfallen etc. Es ist eine Mischung von Unkraut und Weizen.
Als der König in den Saal kommt, schaut er sich die Gäste genau an. Wir sehen hier ein endzeitliches Bild, das das Gericht Gottes umschreibt. Er prüft die Menschen und schaut sie sich an.
Der König entdeckt einen Menschen ohne Hochzeitsgewand. Das gilt als absoluter Affront. Ich las einmal, dass zu jener Zeit üblich war, dass den Eingeladenen zu einer Hochzeit vor Ort die Gewänder ausgeteilt worden sind. Dieser Mensch ist also zur Hochzeit gekommen und hat das Gewand, das ihm angeboten worden ist, einfach abgelehnt. Wir verstehen die Hochzeitskleidung sakramental als Taufe. Schon Paulus erklärt, dass wir bei der Taufe Christus „anziehen“, weshalb der Täufling ja ein weißes Taufkleid trägt. Die Taufe aber ist heilsnotwendig, also kann der Mensch ohne dieses neue Gewand an der Hochzeit nicht teilnehmen. Aber was ist, wenn die Taufe schon durch die Sammlung des Gottesvolkes bzw. der Hochzeitsgesellschaft ausgedrückt wird? Der Mensch kann die Taufgnade wieder verlieren, wenn er nach der Taufe nicht ein entsprechendes Leben führt. Der Mensch muss also im Stand der Gnade geblieben sein. Es ist also zu präzisieren: Wer nicht aufrichtig umgekehrt ist und nach Gottes Geboten gelebt hat, kann an der Hochzeit nicht teilnehmen. Es wird im Gleichnis ja gesagt, dass Gute und Böse gerufen sind. Wenn der König kommt und prüft, wird er die Bösen aussortieren.
Dieser Mensch ohne Hochzeitsgewand wird hinausgeworfen „in die äußerste Finsternis“, wo es „Heulen“ und „Zähneknirschen“ gibt. Das sind Signalwörter für die Hölle. Was Jesus durch das Gleichnis ausdrücken will, ist nicht nur die heilsgeschichtliche Situation seiner Zeit (das nahe bevorstehende Reich Gottes, zu dem alle gerufen sind), sondern auch die Unterscheidung von Berufung und Auserwählung. Nur weil man gerufen ist, ist man noch nicht automatisch gerettet. Man muss schon noch ein bestimmtes Leben führen. Das kritisiert die Juden seiner Zeit, die sich auf ihre Beschneidung verlassen, aber die Zehn Gebote nicht so genau nehmen. Sie glauben, als Nachkommen Abrahams, Isaaks und Jakobs schon automatisch einen Platz im Himmel zu haben. Das Himmelreich erreicht aber nur, wer den Willen Gottes befolgt, egal welchen Volkes. Und wer aus eigener Kraft das Himmelreich zu erlangen versucht, meint: „Ich brauche dieses Hochzeitsgewand nicht, denn ich nähe mir mein eigenes.“ Das beschreibt die Haltung der Pharisäer. Sie meinen, ihre strikte Einhaltung der Torah macht sie gerecht vor Gott. Sie meinen, dass sie sich erlösen können, wenn sie perfekt alles befolgen, die Rettung also von ihrem eigenen Handeln ausgeht. Keiner kann sich selbst erlösen. Das konnte nur Jesus Christus für uns tun. Die Pharisäer und Schriftgelehrten zur Zeit Jesu müssen wieder lernen, wie König David zu werden und das Hochzeitsgewand anzunehmen. Sie müssen sich wieder an die Worte erinnern: „Erschaffe mir Gott ein reines Herz.“ Nur er kann den Menschen mit der Gnade ausrüsten, durch die er geheiligt wird. Zugleich geht es darum, diese in Anspruch zu nehmen und ein entsprechendes Leben zu führen. Das strahlende Hochzeitsgewand der Braut des Lammes besteht schließlich aus den gerechten Taten der Heiligen (Offb 19).

Ihre Magstrauss

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