21. Sonntag im Jahreskreis (B)

Jos 24,1-2a.15-17.18b; Ps 34,2-3.16-17.18-19.20-21.22-23; Eph 5,21-32; Joh 6,60-69

Jos 24
1 Josua versammelte alle Stämme Israels in Sichem; er rief die Ältesten Israels, seine Oberhäupter, Richter und Aufsichtsleute zusammen und sie traten vor Gott hin.
2 Josua sagte zum ganzen Volk: 
15 Wenn es euch aber nicht gefällt, dem HERRN zu dienen, dann entscheidet euch heute, wem ihr dienen wollt: den Göttern, denen eure Väter jenseits des Stroms dienten, oder den Göttern der Amoriter, in deren Land ihr wohnt. Ich aber und mein Haus, wir wollen dem HERRN dienen.
16 Das Volk antwortete: Das sei uns fern, dass wir den HERRN verlassen und anderen Göttern dienen.
17 Denn der HERR, unser Gott, war es, der uns und unsere Väter aus dem Sklavenhaus Ägypten herausgeführt hat und der vor unseren Augen alle die großen Wunder getan hat. Er hat uns beschützt auf dem ganzen Weg, den wir gegangen sind, und unter allen Völkern, durch deren Gebiet wir gezogen sind.
18 Auch wir wollen dem HERRN dienen; denn er ist unser Gott.

In der ersten Lesung hören wir aus dem Buch Josua. Er ist der Sohn des Nun und ein von Gott gesalbter Mann. Gottes Geist ruht auf ihm und er vollbringt so wie Mose große Zeichen Gottes. Er reicht zwar nicht an die Größe des Propheten Mose heran, ist ihm aber ein würdiger Nachfolger. Seine Berufung bestand vor allem darin, das Volk Israel ins Verheißene Land zu führen und das Land auf die Stämme aufzuteilen. Wir hören heute vom Lebensende des Josua, der wie Mose damals im Buch Deuteronomium zum Abschluss eine Predigt hält, in der er vor allem vor dem Götzendienst warnt. Dafür versammelt Josua die führenden Männer in Politik, Rechtswesen und Religion aus allen Stämmen in Sichem, um sie auf den einen Gott Jahwe zu verpflichten. In Sichem ist ein Heiligtum für Gott errichtet, weshalb diese Versammlung, die in der Forschung als „Landtag von Sichem“ bezeichnet wird, in einem kultischen Kontext stattfindet. Es heißt auch, dass die Stammesvertreter vor Gott treten.
Josua hält daraufhin seine Abschiedsrede, in der er die Ereignisse Revue passieren lässt. Er will nicht einfach in Erinnerungen schwelgen, sondern es geht ihm darum, den Männern vor Augen zu führen, was dieser Gott schon alles für das Volk Israel getan hat. Diesen heilsgeschichtlichen Rückblick hören wir heute nicht, sondern direkt die Pointe: Die Israeliten werden dazu aufgefordert, den Götzendienst ganz abzulegen. Sie sollen die Götzen nicht mehr verehren, die sie aus der Zeit in Ägypten her kennen, allen voran Baal. Die Israeliten sollen sich an Ort und Stelle entscheiden, wie sie weitermachen möchten – sie sollen entweder dem einzig wahren Gott dienen, der sie bis hierhin gebracht hat, oder sie sollen sich klar gegen ihn entscheiden. Es kann nichts dazwischen geben. Eine Entscheidung bedeutet entweder dafür oder dagegen. Es gibt keine Grauzone und das ist etwas, das wir auch heute lernen müssen. Tag für Tag drängt uns Christus zur Entscheidung wie ein zweischneidiges Schwert. Entweder wir entscheiden uns für ihn oder gegen ihn. Es gibt bei ihm kein Jein, weil es um Liebe und Beziehung geht. Liebe geht aufs Ganze und sobald wir selektieren, was für uns angenehm ist, handelt es sich nicht mehr um Liebe.
Daraufhin entgegnen die führenden Männer der anderen Stämme, dass auch sie sich so wie Josua für Gott entscheiden möchten. In den darauf folgenden Versen erklären sie, dass sie all die vergangenen Heilstaten auf den einen Gott Israels zurückführen.
Dieses Ereignis ist wirklich schön. Sie stehen vor Gott im liturgischen Kontext und erneuern den Bund mit ihm, den ihre Väter am Sinai geschlossen haben. So sollen auch wir es tun, und zwar täglich. Wir erneuern unseren Bund mit Gott, indem wir uns jeden Tag neu für ihn entscheiden. Eine solche Bundeserneuerung kann auf verschiedene Weise erfolgen. Man kann im Grunde sagen, dass jedes bewusst gemachte Kreuzzeichen die kürzeste Form von Bundeserneuerung ist. Das Zeichen des Bundes ist das Kreuz. Am intensivsten erneuern wir aber den Bund im liturgischen Kontext, bei dem wir ein Opfer darbringen. Zu einem Bund gehört ja die Darbringung eines Opfers, die Unterweisung in eine Gesetzgebung und das Bundeszeichen. All dies kommt zusammen in der Hl. Messe. Sie ist wesentlich ein Opfer, bei dem der Herr sich selbst darbringt. Das Kreuz, an dem unser Herr Jesus Christus dargebracht worden ist, wird aufgerichtet im Moment der Wandlung. Kalvaria wird in dem Moment vergegenwärtigt. Es ist das Zeichen des Neuen Bundes, das Jesus im Abendmahlssaal gestiftet hat. Wenn wir der Messe beiwohnen und den Herrn dann empfangen, erneuern wir den Bund auf die intensivste Weise. Wir sprechen das Glaubensbekenntnis, nachdem wir das Wort Gottes gehört und die Erklärung dazu in der Predigt gehört haben. Es ist unsere Zustimmung zum Wort Gottes. Wir stehen in dem Moment vor Gott und stimmen seinem heiligen Willen zu, den er durch die Hl. Schrift bekundet. Wir stimmen ein in das Gelübde der Israeliten in Sichem. Wir versprechen vor Gott dasselbe wie bei unserer Taufe, die auf den dreifaltigen Gott und auf das Glaubensbekenntnis gespendet wird.

Ps 34
2 Ich will den HERRN allezeit preisen; immer sei sein Lob in meinem Mund. 

3 Meine Seele rühme sich des HERRN; die Armen sollen es hören und sich freuen. 
16 Die Augen des HERRN sind den Gerechten zugewandt, seine Ohren ihrem Hilfeschrei.
17 Das Angesicht des HERRN richtet sich gegen die Bösen, ihr Andenken von der Erde zu tilgen.
18 Die aufschrien, hat der HERR erhört, er hat sie all ihren Nöten entrissen.
19 Nahe ist der HERR den zerbrochenen Herzen und dem zerschlagenen Geist bringt er Hilfe.
20 Viel Böses erleidet der Gerechte, doch allem wird der HERR ihn entreißen.
21 Er behütet all seine Glieder, nicht eins von ihnen wird zerbrochen.
22 Den Frevler wird die Bosheit töten, die den Gerechten hassen, werden es büßen.
23 Der HERR erlöst das Leben seiner Knechte, niemals müssen büßen, die bei ihm sich bergen.

Heute beten wir einen Lobpreispsalm, der zum Ereignis der Lesung passt.
„Ich will preisen“ ist ein typischer Psalmenbeginn – die Selbstaufforderung zum Lob. David bekundet sein „Jawort“ gegenüber Gott durch einen andauernden Lobpreis.
Mit „meine Seele“ wird das hebräische Wort נַפְשִׁ֑י nafschi übersetzt, was eigentlich viel mehr als nur die Seele meint. Das biblische Menschenbild ist nicht geteilt, sodass man sagen kann, er hat einen Körper und eine Seele. Vielmehr ist der Mensch Körper und Seele. Das hebräische Wort ist also umfassender zu übersetzen im Sinne von „mein Leben“. Es meint die gesamte Existenz des Menschen, die sich des HERRN rühmen soll. David möchte Gott in allen Lebenslagen, mit seinem ganzen Sein preisen. Er möchte das tun, was wir Menschen in der Ewigkeit dauerhaft vornehmen werden – den Lobpreis Gottes.
„Die Armen sollen es hören und sich freuen“ erinnert uns an die Lesung. Denn das Volk Israel ist arm und auf die Gnade Gottes ganz angewiesen. Weil es aber so arm ist, kann es sich umso mehr über das Geschenk des Verheißenen Landes freuen.
Wenn es heißt, dass Gott sich den Gerechten zuwendet und ihr Bitten hört, müssen wir begreifen, warum: Das heißt nicht, dass Gott sich die Ohren zuhält bei den Ungerechten. Das heißt, dass sein Wirken in unserem Leben davon abhängt, wie sehr wir mit ihm verbunden sind. Er schätzt unseren freien Willen und richtet sich danach, ob wir auf seinen Wegen gehen oder nicht. Wenn wir ganz mit ihm verbunden sind, das gilt auch für Israel, das mit ihm in Bundesbeziehung lebt, dann kann er uns mit allem beschenken, was wir in unserem Leben brauchen. Wir nennen es theologisch „Stand der Gnade“. Wenn wir uns für Gott entscheiden, können wir allen Segen Gottes empfangen. Dann können wir alles erbitten und der Herr wird uns erhören.
Zugleich müssen wir verstehen, dass dieser Psalmenkontext hier das Gottesbild König Davids widerspiegelt, der den Psalm komponiert hat. Er stellt sich ausgehend von seiner eigenen Erfahrung mit Gott vor, dass er es ist, der sich vom Menschen abwendet. Mit der Zeit begreifen die nachfolgenden Generationen, dass nicht Gott sich abwendet, sondern die Menschen sich sehr weit von ihm entfernt haben. So verstehen wir auch den nächsten Vers: „Das Angesicht des HERRN richtet sich gegen die Bösen, ihr Andenken von der Erde zu tilgen.“ Das Angesicht Gottes ist immer am selben Fleck, doch der Mensch wendet sich von Gott ab. Wenn er Nein zu Gott sagt, dann nimmt dieser es ernst und zieht sich zurück. Dann muss der Mensch die Ablehnung Gottes aber schmerzlich erfahren.
Wenn die Wendung „ihr Andenken von der Erde zu tilgen“ verwendet wird, ist das ein Zeichen des Fluchs. Auf immer in Erinnerung zu bleiben, ist ein erstrebenswertes Ziel für die Israeliten. Es ist ein Zeichen des Segens Gottes.
„Die aufschrien, hat der HERR erhört, er hat sie all ihren Nöten entrissen.“ Gott ist barmherzig und er hört das Schreien seines Volkes. Er hat dies schon getan, als sein auserwähltes Volk unter der Sklaverei Ägyptens litt. Er hat das Schreien der Propheten gehört, die für seine Weisung umgebracht worden sind. Er hat auch das Schreien seines eigenen Sohnes am Kreuz gehört. So hat er ihn von den Toten auferweckt und ihn über alle erhöht.
Dann macht David eine entscheidende Beobachtung: Gott bringt den zerschlagenen Geistern und zerbrochenen Herzen Hilfe. Erstens müssen wir das auf David selbst beziehen, der hier aus Erfahrung spricht. Seine Sünde hat ihn unglücklich gemacht, in erster Linie wegen der zerbrochenen Beziehung zu Gott. Er hat sich selbst gedemütigt, er hat sich selbst in seiner ganzen Unvollkommenheit und Erlösungsbedürftigkeit gesehen. Er ist arm geworden, indem er seine eigene Armut erkannt hat. Dieser realistische Selbstblick ist, was wir Demut nennen und das der fruchtbare Ausgangspunkt für Gottes Gnade ist. So ist es auch mit dem ganzen Volk Israel, das immer wieder schuldig geworden ist durch Götzendienst, das immer wieder die schmerzhaften Konsequenzen tragen musste und so nach dem Messias geschrien hat. So wird es auch mit eben jenen Menschen sein, die in der Lesung noch ganz großspurig Gott die Treue geschworen haben.
Auf der Höhe der Zeit ist der Messias gekommen, er ist die Hilfe, er ist Jesus, „Jahwe rettet“. Gott rettet auch die Menschen heute, indem er jenen die Taufgnade schenkt, die umkehren und an ihn glauben. Er rettet jeden einzelnen Menschen, der schuldig geworden ist und voller Reue, mit einem zerschlagenen Geist und einem zerbrochenen Herzen zu ihm zurückkehrt. Er ist sofort bereit, den Menschen zu vergeben, die von Herzen umkehren. Er versetzt uns alle dann wieder zurück in den Stand der Gnade. Das Sakrament der Versöhnung ist ein ganz großes Geschenk, das viel zu selten angenommen wird. Und am Ende der Zeiten wird Gott allen zerbrochenen Herzen und zerschlagenen Geistern die Tränen von den Augen abwischen. Sie alle werden das Heil schauen und in Ewigkeit bei Gott sein. Jesus hat so viel gelitten als der Gerechte schlechthin und ist am Ende schandvoll gestorben, doch mit der Auferstehung hat er, haben auch alle seine Lieben, vor allem seine mitleidende Mutter, allen Grund zu feiern und sich zu freuen. Sie sind beide jetzt mit Leib und Seele bei Gott und sind in der ewigen Glückseligkeit, die auch wir erfahren dürfen, wenn wir den Weg Jesu nachgehen.
„Er behütet all seine Glieder, nicht eins von ihnen wird zerbrochen.“ Das ist hier in einem poetischen Kontext (Psalmen sind Poesie) bildhaft gemeint. Gott behütet uns ja nicht vor jedem Knochenbruch oder körperlichem Schaden. Im Gegenteil. Menschen lassen gerade heute ihr biologisches Leben um des Himmelreiches willen! Wir müssen das so verstehen, dass Gott das ewige Leben bewahrt. Das irdische Dasein können die Verfolger einem nehmen, aber nicht den Glauben. Sie können auch das ewige Leben nicht nehmen. Selbst wenn sie den Menschen umbringen – Gott entscheidet, was mit der Seele passiert. Und am Ende der Zeiten wird dieser umgebrachte Körper wie bei Jesus von Gott wiederhergestellt und gewandelt. Dann werden wir in Ewigkeit bei ihm leben als ganze Menschen! Unter dem Strich sorgt Gott also tatsächlich dafür, dass uns kein Haar gekrümmt wird, auch körperlich – und wenn doch, dann nur vorübergehend!
„Der HERR erlöst das Leben seiner Knechte“ – Er hat die Menschen erlöst dadurch, dass er seinen Sohn dahingegeben hat. Dadurch sind wir alle erlöst! Und seinen Sohn hat er zuerst aus dem Tod erlöst, der dadurch zum Anfang der neuen Schöpfung geworden ist.
„Niemals müssen büßen, die bei ihm sich bergen“ – wenn wir Gottes Willen tun und seine Gebote halten, werden wir nicht büßen müssen. Durch die Taufe bergen wir uns auf besondere Weise bei Gott, der so zu unserem Vater geworden ist. Als seine Erben steht uns das ewige Heil in Aussicht. Und doch müssen wir entsprechend leben, weil wir das Erbe verlieren können. Mit jeder Sünde beleidigen wir Gott und müssen alles, was wir ihm angetan haben, büßen. Er gibt uns in diesem Leben schon die Gelegenheit, dies zu tun. Doch was in diesem irdischen Leben noch nicht gebüßt ist, muss danach gebüßt werden. Das ist ein schmerzhafter Prozess, den wir Fegefeuer nennen. Doch selbst da können wir uns sicher sein, danach ganz die Herrlichkeit Gottes schauen zu dürfen. Haben wir Gott in diesem Leben aber ganz und gar abgelehnt, uns nicht bei ihm geborgen, sondern unser eigenes Leben fernab von ihm gelebt, werden wir auf ewig büßen müssen nach dem Tod. Er läuft uns aber immer nach und ruft uns zu, rüttelt uns wach, versucht alles, um um unsere Liebe zu werben, damit es am Ende nicht so mit uns ausgeht. Er möchte die Liebe jedes Menschen. So ist Gott.

Eph 5
21 Einer ordne sich dem andern unter in der gemeinsamen Furcht Christi!

22 Ihr Frauen euren Männern wie dem Herrn;
23 denn der Mann ist das Haupt der Frau wie auch Christus das Haupt der Kirche ist. Er selbst ist der Retter des Leibes.
24 Wie aber die Kirche sich Christus unterordnet, so sollen sich auch die Frauen in allem den Männern unterordnen.
25 Ihr Männer, liebt eure Frauen, wie auch Christus die Kirche geliebt und sich für sie hingegeben hat,
26 um sie zu heiligen, da er sie gereinigt hat durch das Wasserbad im Wort!
27 So will er die Kirche herrlich vor sich hinstellen, ohne Flecken oder Falten oder andere Fehler; heilig soll sie sein und makellos.
28 Darum sind die Männer verpflichtet, ihre Frauen so zu lieben wie ihren eigenen Leib. Wer seine Frau liebt, liebt sich selbst.
29 Keiner hat je seinen eigenen Leib gehasst, sondern er nährt und pflegt ihn, wie auch Christus die Kirche.
30 Denn wir sind Glieder seines Leibes.
31 Darum wird der Mann Vater und Mutter verlassen und sich an seine Frau binden und die zwei werden ein Fleisch sein.
32 Dies ist ein tiefes Geheimnis; ich beziehe es auf Christus und die Kirche.

Bisher ging es um die Gottesbeziehung, die ja eine familiäre ist. Bundesbeziehung bedeutet nämlich die Beziehung einer Familie, der Familie Gottes. Nun wird dies weitergeführt und auf die irdische Familie übertragen, deren sakramentaler Kern die Ehe von Mann und Frau darstellt. Paulus‘ Worte sind sehr entscheidend und doch so anstößig in unserer heutigen Zeit:
Wir hören heute den Anfang einer sogenannten Haustafel, eine hierarchische Gliederung mit ethischen Unterweisungen, wie die Familie strukturiert sein und wie man sich innerhalb dieser Struktur verhalten soll. Es geht dabei nicht einfach um die persönlichen Vorstellungen des Paulus, sondern darum, wie Gott Hierarchien gewollt hat.
Das, was alle Menschen vereinen soll, ist die „gemeinsame Furcht Christi“. Gemeint ist, dass man gemeinsam an Christus glaubt und ihn als Herrn in seinem Leben an die erste Stelle setzt. Er ist nicht nur der gemeinschaftsstiftende Faktor, sondern auch der gemeinsame Antrieb für das Verhalten. Es geht nicht um eine pathologische Angst, sondern um die Angst, ihn zu verletzen, eine Sorge um ein gutes Verhältnis zu ihm. Es geht also um dasselbe Beziehungsideal aller Christgläubigen. Das ist die Weiterführung der gemeinsamen Gottesfurcht der Israeliten, die mit Gott in einem Bund stehen und denen es um die Beziehung zu Gott gehen soll. Wir haben dieselbe Haltung, die wir nun im Neuen Bund mit Gott stehen.
Von der gemeinsamen Unterordnung Christi abgeleitet sollen die Frauen sich ihren Männern unterordnen. Paulus stellt eine Analogie zwischen dem Haupt der Kirche Christus und dem Haupt der Familie dem Familienvater heraus. Die Frauen erleiden keinen Nachteil, wenn sie sich unterordnen, wenn der Mann wirklich analog zu Christus die Frau von Herzen liebt und sich ihr hingibt, wenn er bereit ist, ihr ganz zu dienen und sogar sein Leben für sie hinzugeben. Dann weiß die Frau, dass er ihre Unterordnung nicht missbrauchen und über sie herrschen wird.
Christus hat seine Braut, die Kirche „durch das Wasserbad im Wort“ gereinigt und geheiligt. Die Frau wird durch den Mann heilig. Es ist aber auch umgekehrt, wie Paulus im ersten Korintherbrief schreibt. Die Ehepartner werden durch den jeweils anderen heilig. Hier geht es aber um Hierarchie, weshalb die „Mann heiligt die Frau“-Seite so stark beleuchtet wird. Der Mann soll seine Frau lieben wie seinen eigenen Leib. Wir merken, dass die Hierarchie, von der Paulus hier spricht, mitnichten ein Machtgefälle darstellt, sondern eine Hierarchie der Liebe, Hingabe und des Dienstes. Wer über dem anderen steht, muss mehr lieben und sich verschenken. Sich als Frau dem Mann unterzuordnen bedeutet also, sich von dem Mann lieben zu lassen! Der Mann soll die Frau lieben, wie seinen Leib, weil das eine bewusste Analogie zu Christus schafft, dessen Leib die Kirche ist. Er liebt die Kirche zuerst wie seinen eigenen Leib.
Die Leib-Analogie auf die Ehe bezogen ist keine Erfindung des Paulus, sondern hat Gott selbst schon im Schöpfungsbericht so vorgegeben. Denn hier wird Genesis 2,24 zitiert, wo es heißt, dass der Mann Vater und Mutter verlassen und sich an seine Frau binden wird, sodass sie ein Fleisch werden. Ihre Einheit betrifft nicht nur die körperliche Ebene, sondern ihre gesamte Existenz. Aus zwei Einzelpersonen wird ein Leib. Und so wie Mann und Frau einen Organismus darstellen, so ist es mit der Kirche, die ein einziger Leib ist. Das ist ein tiefes Geheimnis, wir benutzen das Fremdwort Mysterium an dieser Stelle. Christus gibt in der Eucharistie seinen Leib hin, den die Gläubigen empfangen. Sie werden dadurch immer mehr zum Leib Christi, den sie empfangen haben. Es ist wirklich eine Vereinigung, die immer mehr zusammenschweißt.
Bei allem müssen wir sehr viel zusammen beten, denn was er beschreibt, ist das Ideal. Die Folgen der Erbsünde erschweren uns die Umsetzung dieser gottgewollten Hierarchie. Gott hat nach dem Sündenfall schon angekündigt, dass die Frauen nach ihren Männern verlangen werden, doch diese über die Frauen herrschen werden. Die gottgewollte Liebeshierarchie ist pervertiert und verzerrt worden. Der Mensch missbraucht Macht, die Entfremdung zwischen den Geschlechtern ist geschehen. So sehr stehen wir immer wieder in der Gefahr, die göttliche Ordnung zu verlassen. Deshalb müssen wir sehr viel füreinander beten und wachsam sein gegenüber jeder Versuchung, den Leib, der die Familie ist, in ein krankes und nekrotisches Gebilde zu verunstalten. Dies geschieht durch schlimme Ideologien unserer heutigen Zeit, allen voran der Genderideologie und der Pride Bewegung.
Doch das ist nicht das Ende. Gott hat uns durch die Taufe einen Ausweg aus dieser Misere geschenkt. Wir sind durch die Taufe eine neue Bundesbeziehung mit Gott eingegangen und er stattet uns mit der nötigen Gnade aus, sodass wir den Versuchungen und Nachstellungen des Teufels widerstehen können. Er befähigt uns, zwar nicht aus Natur, dafür aus Gnade die gottgewollte Ordnung einzuhalten, die er von Anfang an für uns vorgesehen hat. Und wo das geschieht, da erleben wir einen Vorgeschmack des Reiches Gottes! Letztendlich ist jede irdische Familie ein Abbild der Familie Gottes. Die Analogie ist evident.

Joh 6
60 Viele seiner Jünger, die ihm zuhörten, sagten: Diese Rede ist hart. Wer kann sie hören?

61 Jesus erkannte, dass seine Jünger darüber murrten, und fragte sie: Daran nehmt ihr Anstoß?
62 Was werdet ihr sagen, wenn ihr den Menschensohn aufsteigen seht, dorthin, wo er vorher war?
63 Der Geist ist es, der lebendig macht; das Fleisch nützt nichts. Die Worte, die ich zu euch gesprochen habe, sind Geist und sind Leben.
64 Aber es gibt unter euch einige, die nicht glauben. Jesus wusste nämlich von Anfang an, welche es waren, die nicht glaubten, und wer ihn ausliefern würde.
65 Und er sagte: Deshalb habe ich zu euch gesagt: Niemand kann zu mir kommen, wenn es ihm nicht vom Vater gegeben ist.
66 Daraufhin zogen sich viele seiner Jünger zurück und gingen nicht mehr mit ihm umher.
67 Da fragte Jesus die Zwölf: Wollt auch ihr weggehen?
68 Simon Petrus antwortete ihm: Herr, zu wem sollen wir gehen? Du hast Worte des ewigen Lebens.
69 Wir sind zum Glauben gekommen und haben erkannt: Du bist der Heilige Gottes.

Auch im Evangelium wird es um Anstößiges gehen. Jesus hat seine Brotrede beendet und schon zuvor bemerkten wir viel Unverständnis bei seinen Zuhörern. Heute wird uns dies aber nochmal in aller Deutlichkeit vor Augen geführt. Viele seiner Jünger können seine Worte nicht ertragen. Sie halten seine Rede für hart. Vom köstlichen Brot des Speisungswunders ist nichts mehr übrig. Für sie sind es nur noch harte Brocken, die sie nicht verdauen können. Jesus konfrontiert sie mit ihrem Anstoß und deutet an, dass wenn sie das schon zu schwer verdaulich finden, seinen Heimgang zum Vater überhaupt nicht schlucken können werden.
Er erklärt daraufhin, dass nicht das Fleisch lebendig macht, sondern der Geist. Er bezieht sich hier auf die vergangenen Ereignisse. Am anderen Ufer des Sees hat er die Menschenmenge leiblich gestärkt, dass sogar noch zwölf Körbe übrig waren. Und doch ist nicht das das Lebendigmachende. Hier in Kafarnaum geht es ihm ja bei der Brotrede darum, über dieses Leibliche hinaus auf das Geistliche hinzuweisen. Er sagt, dass seine Worte Geist und Leben sind, nicht das gegessene Brot. Er hat ihnen die entscheidenden Dinge erklärt. Es geht um das Himmelsbrot, das ihnen das ewige Leben schenken kann. Das Übernatürliche der Eucharistie kann man nur mit übernatürlicher Erkenntnis verstehen. Mit weltlichem Denken wird es sich einem nicht erschließen.
Jesus sagt unverblümt, dass einige der Anwesenden ungläubig sind. Er sieht in ihre Herzen. Er weiß, wer sich querstellt und gar nicht vorhat, ihn zu verstehen. Er erklärt auch, dass das Kommen zu Christus – also der Glaube – ein Geschenk vom Vater ist. Dieser ist es, der jeden Menschen zu sich zieht.
Jesus muss es sagen, auch wenn sich dann viele von ihm abwenden. An ihm scheiden sich die Geister und es ist kein Weg, unwahrhaftig und heuchlerisch zu leben. Jesus möchte, dass wir aufrichtig sind und im Fall des Unglaubens auch dazu stehen. Erst von dieser ehrlichen Ausgangsposition aus können wir den Weg der Umkehr gehen und so zu einem echten Glauben kommen.
Jesus fragt seinen engsten Kreis, ob auch sie gehen wollen. Jesus hält niemanden. Jeder Mensch ist frei, sich von ihm abzuwenden, was nicht heißt, dass es ihm nicht wehtut. Er liebt die Menschen und dazu gehört, ihm die absolute Freiheit zu ermöglichen. Das ist schon sehr befremdlich für die heutigen Christen, deren oberstes pastorales Gebot die pastorale Klugheit ist. Wie kann Jesus nur so massiv sein! Aber doch, genau dies ist das zweischneidige Schwert, mit dem er die Menschen durch Mark und Bein gehen möchte. Es gibt kein Jein bei Gott und er drängt immer wieder zur Entscheidung ganz wie in Sichem Josua die Israeliten zur Entscheidung drängt. Es geht ums Ganze, weil das die Natur der Liebe ist.
Petrus erwidert Jesus: „Herr, zu wem sollen wir gehen? Du hast Worte des ewigen Lebens. Wir sind zum Glauben gekommen und haben erkannt: Du bist der Heilige Gottes.“ Petrus fällt an Ort und Stelle seine Entscheidung für Christus, indem er ihm gegenüber seinen Glauben bekennt. Auch Petrus hat längst nicht alles verstanden, was Jesus hier erklärt hat. Doch er bleibt dran. Er hat erkannt, dass Jesus der Messias ist. Er ist geduldig genug, die Dinge erst einmal sacken zu lassen und Jesus auch bei ausbleibendem Verständnis zu vertrauen. Darin ist er uns ein gutes Vorbild. Auch wir verstehen nicht immer alles, vor allem wenn unerwartete Dinge in unserem Leben passieren und wir Leid erfahren. Doch gerade da erweist sich unser Glaube ja als echt, wo wir das aushalten und Gott vertrauen. Darin besteht der Glaube in schweren Zeiten – sich fallen zu lassen, auch wenn man das Sicherheitsnetz nicht sehen kann. Wir müssen gerade dann verstehen, dass Gott uns nichts Böses will, auch wenn es in der Situation so scheint. Wir sehen nicht das ganze Bild und können die Gegenwart deshalb gar nicht angemessen beurteilen.

Heute hören wir sehr viel von Bundesbeziehung, die wir immer wieder erneuern müssen, für die wir uns bewusst entscheiden müssen, die eine familiäre Beziehung ist, von der wir auch unsere Beziehungen in der Familie ableiten müssen. Das sind sehr anspruchsvolle Worte an uns, deren Umsetzung uns ein Leben lang kosten und nicht immer klappt. Doch wir dürfen uns sicher sein, dass Gott bereit ist, uns die Ströme der Gnaden zu schenken, damit wir stets die Kraft haben, es umzusetzen. Gott möchte für uns ein Leben in Fülle, er möchte, dass wir glücklich sind. Öffnen wir uns also für seine Gnade und wagen wir es, jeden Tag aus Liebe zu Gott aufs Ganze zu gehen! Er hat es am Kreuz für uns zuerst gewagt!

Ihre Magstrauss

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