Mittwoch der 22. Woche im Jahreskreis

Kol 1,1-8; Ps 52,10.11; Lk 4,38-44

Kol 1
1 Paulus, Apostel Christi Jesu durch den Willen Gottes, und der Bruder Timotheus,
2 an die heiligen und gläubigen Brüder in Christus, die in Kolossä sind, Gnade sei mit euch und Friede von Gott, unserm Vater.
3 Wir danken Gott, dem Vater unseres Herrn Jesus Christus, allezeit, wenn wir für euch beten.
4 Denn wir haben von eurem Glauben in Christus Jesus gehört und von der Liebe, die ihr zu allen Heiligen habt
5 wegen der Hoffnung, die für euch im Himmel bereitliegt. Schon früher habt ihr davon gehört durch das wahre Wort des Evangeliums,
6 das bei euch anwesend ist. Wie in der ganzen Welt, so trägt es auch bei euch Frucht und wächst seit dem Tag, an dem ihr den Ruf der göttlichen Gnade vernommen und in Wahrheit erkannt habt.
7 So habt ihr es von Epaphras, unserm geliebten Mitknecht, gelernt. Er ist an unserer Stelle ein treuer Diener Christi
8 und er hat uns auch von der Liebe berichtet, die der Geist in euch bewirkt hat.

Heute beginnen wir die Bahnlesung eines neuen Paulusbriefs, des Kolosserbriefs. Wie üblich besteht der Briefanfang aus einem Präskript und einem Proömium. Das Präskript besteht aus den Angaben zu Absender und Empfänger sowie einer Grußformel. Daran schließt sich das Proömium in Form eines Gotteslobs an, in dem Paulus die positiven Aspekte der Kolosser anspricht. Erst im Laufe des Briefs wird er Kritik anbringen. Er beginnt stets mit dem Positiven.
Paulus ist der Absender des Briefs zusammen mit Timotheus, seinem Mitarbeiter, den er hier liebevoll den Bruder nennt. In den Pastoralbriefen spricht er ihn sogar als sein geliebtes Kind an, weil Paulus als sein Lehrer sozusagen der geistliche Vater des Timotheus ist. Die Christen bezeichnen einander als Brüder und Schwestern, weil sie durch den Bund der Taufe zur Familie Gottes geworden sind. Wer Gott gemeinsam Vater nennen darf, ist Bruder und Schwester. Wie so oft kommuniziert Paulus schon in seiner Selbstvorstellung theologische Inhalte. So wird durch seine Selbstumschreibung „Apostel Christi Jesu durch den Willen Gottes“ schon ausgesagt, dass was er zu sagen hat, nicht aus sich selbst heraus kommt, sondern stets im Auftrag Christi. Er handelt nicht eigenmächtig, sondern stets nach dem Willen Gottes. Von dort kommt seine Autorität und die Kolosser müssen seine Worte deshalb ernst nehmen.
Auch die Umschreibung der Adressaten des Briefs ist inhaltlich schon sehr dicht: „an die heiligen und gläubigen Brüder in Christus, die in Kolossä sind“. Die Getauften sind heilig und gläubig. Durch die Taufgnade sind wir ganz rein und gerecht vor Gott geworden. Wir dürfen solche Aussagen des Paulus nicht isoliert betrachten, sondern müssen sie im Gesamt seiner Ausführungen über Rechtfertigung und Gnade lesen. Dann begreifen wir, dass er keinesfalls meint, dass wir automatisch in den Himmel kommen und heilig bleiben. Diese Heiligkeit muss sich bewähren, was unsere Berufung ist. So schnell wird diese Heiligkeit gefährdet und zerstört. Wer sich hat taufen lassen, ist gläubig. Zu Anfang sind vor allem Erwachsene getauft worden, die sich also bewusst dazu entschieden haben. Sie sind zum Glauben an Christus gekommen und haben sich als Zeichen dieses Glaubens taufen lassen.
Es folgt der typisch paulinische Gruß mit den beiden Bestandteilen Gnade und Friede. Ohne die Gnade, die uns Getauften vorausgeht und die uns auch in unserer Bewährung immer wieder geschenkt wird, kommen wir nicht weit. Deshalb wünscht Paulus seinen Adressaten diese Gnade. Das ist ein Segenswort. Auch das Wünschen des Friedens ist in diese Richtung zu verstehen. Schalom ist schon im jüdischen Kontext eine gängige Begrüßung und meint mehr als nur einen politischen Frieden. Es geht um das umfassende Heil, das von Gott kommt, seine Gabe ist und erbittet werden muss. Es geht um ein Wohlergehen in jeglicher Hinsicht. Die Zusammensetzung der Gemeinde in Kolossä ist vor allem heidenchristlich, auch wenn es im Umfeld der Christengemeinde eine bedeutende jüdische Minderheit gibt.
Der Lobpreis des Proömiums beinhaltet wie sehr oft die Aussage, dass Paulus und seine Mitarbeiter für die Adressaten beten und Gott danken. Denn die Kolosser haben einen starken Glauben, der wiederum ein Geschenk Gottes ist. Deshalb können sie Gott nur dafür danken. Der Glaube der Kolosser spricht sich offensichtlich herum, genauso ihre Liebestaten, die sie um des Himmelreiches willen vollziehen. Es ist bemerkenswert, dass Paulus ihr caritatives Tun nicht einfach als solches betrachtet, sondern sogar von der richtigen Absicht her. Sie haben davon gehört, als ihnen das Evangelium verkündet worden ist. Sie haben diese Worte nicht nur gehört, sondern tun sie auch. Das ist, was Jesus im Gleichnis von Sand und Felsen ja herausstellt: Wer seine Worte nicht nur anhört, sondern sie auch befolgt, hat auf Felsen gebaut. Sie sind Täter des Wortes geworden, um es mit Jakobus zu sagen. Das Evangelium trägt bei ihnen Früchte und wächst jeden Tag.
Die katechetische Unterweisung erfolgt anscheinend durch Epaphras, einem geliebten Mitknecht des Paulus und treuen Diener Christi. Die kolosser Gemeinde ist nicht von Paulus selbst, sondern von diesem Epaphras gegründet worden, der aber Mitarbeiter des Paulus und dessen Stellvertreter in der Gemeinde ist.
Der Geist Gottes bewirkt die Liebe in den Gemeindemitgliedern. Er ist ausgegossen in ihre Herzen durch die Sakramente der Taufe und Firmung. Die Liebe ist eine göttliche Tugend, aber auch eine Frucht des Hl. Geistes. Sie ist angelegt im Herzen, muss aber gepflegt werden, damit sie nicht verdorrt. Sie ist wie eine Pflanze, die heranwächst und irgendwann Blüten und dann Früchte trägt.

Ps 52
10 Ich aber bin wie ein grünender Ölbaum im Haus Gottes, ich vertraue auf die Güte Gottes immer und ewig.
11 Ich danke dir in Ewigkeit, denn du hast es vollbracht. Ich hoffe auf deinen Namen, denn er ist gut, im Kreis deiner Frommen.

Als Antwort auf den Kolosserbrief hören wir zwei Verse des Psalms 52. Er beinhaltet die Überheblichkeit des Gegners und das Vertrauen des frommen Psalmenbeters. Im Haus Gottes wächst und gedeiht der Psalmist, weil er ganz an der Quelle ist. Sehr oft werden Menschen insbesondere von ihrem Lebenswandel her mit Bäumen verglichen. Dass König David hier ausgerechnet einen Ölbaum verwendet, ist kein Zufall. Diese werden immer als Umschreibung gewählt, wenn es um Langlebigkeit geht. Wir haben ein langes Leben, wenn wir im Haus Gottes gepflanzt sind. Dies betrifft nicht nur König David, dessen Dynastie auf ewig fortbestehen wird, wenn er und seine Nachkommen Gottes Willen befolgen (so die Prophezeiung des Propheten Natan), das betrifft den Segen Gottes für das ganze Volk Israel, das auf ewig im Verheißenen Land leben darf und den wahren Schalom erlebt. Das betrifft aber auch das neue Volk Gottes – nun nicht mehr als langes irdisches Leben, sondern in Form des ewigen Lebens bei Gott! Wenn wir als Getaufte in der uns geschenkten Gnade bleiben, dann sind wir wirklich Ölbäume im Hause Gottes. Dann dürfen wir auf ewig von Angesicht zu Angesicht Gott schauen im himmlischen Jerusalem. Schon in der Liturgie machen wir die Erfahrung, wenn wir Christus ganz innig in der Kommunion begegnen. Dies ist uns aber nur möglich, wenn wir im Stand der Gnade sind.
Gott ist nur gut und führt nichts Böses im Schilde. Deshalb dürfen wir alle ihm immer vertrauen. König David hat dies stets getan und hat die Erfahrung gemacht, dass Gott ihn aus allen Notlagen befreit.
Wir alle können Gott auf ewig danken, weil er es vollbracht hat. Für uns ist dieser Vers besonders christologisch, denn wir sehen Christus am Kreuz vor uns, der im Moment seines Todes sagt: Es ist vollbracht. Ja, er hat uns erlöst und so danken wir ihm mit unserem ganzen Leben dafür. Unser ganzes Leben, auch gerade unser Alltag, sei ein einziger Gottesdienst, ein Lobpreis an unseren Retter. Aber auch liturgisch danken wir ihm immerwährend in der Eucharistie, in der Danksagung, die die Kirche täglich vollzieht. Ohne Eucharistie hört die Kirche auf, Kirche zu sein. Sie ist zutiefst geprägt von der Danksagung Gottes.
Wir sind durch die Taufe auf das Erlösungsereignis zu österlichen Menschen geworden – zu Wesen, die voller Hoffnung leben, auch wenn um uns herum alles dunkel und aussichtslos erscheint. Schon König David hat die Erfahrung gemacht, dass er von vielen Sackgassen umringt war, doch Gott hat ihm jedes Mal einen Ausweg aufgezeigt. So ist es auch mit uns, die wir in erster Linie aus der Sackgasse des Lebens befreit worden sind. Christus hat den Zugang zum Paradies wiederhergestellt! Da ist keine Sackgasse mehr! Gott ist gut und deshalb steht ihm der stete Lobpreis zu – auch gerade „im Kreis der Frommen“. Das ist ein liturgischer Ausdruck. Es geht nicht nur um einen persönlichen Lobpreis zuhause, sondern auch darum, in Gemeinschaft Gott zu loben und zu preisen. Schon für die Israeliten im Alten Bund ist klar, dass man den Glauben nicht für sich leben kann, auch wenn eine persönliche Beziehung zu Gott elementar ist – David ist Experte darin! Umso mehr ist uns Christen klar: Wer glaubt, ist nie allein. Kirche ist die Gemeinschaft der Gläubigen, der „Kreis der Frommen“ und dies über den Tod hinaus! Die Mehrheit der Frommen ist bereits in der Ewigkeit.

Lk 4
38 Jesus stand auf, verließ die Synagoge und ging in das Haus des Simon. Die Schwiegermutter des Simon aber hatte hohes Fieber und sie baten ihn für sie.
39 Er beugte sich über sie und gebot dem Fieber. Da wich es von ihr und sie stand sofort auf und diente ihnen.
40 Als die Sonne unterging, brachten die Leute ihre Kranken, die alle möglichen Gebrechen hatten, zu Jesus. Er legte jedem von ihnen die Hände auf und heilte sie.
41 Von vielen fuhren auch Dämonen aus und schrien: Du bist der Sohn Gottes! Da drohte er ihnen und ließ sie nicht reden; denn sie wussten, dass er der Christus war.
42 Bei Tagesanbruch verließ er die Stadt und ging an einen einsamen Ort. Aber die Menschen suchten ihn; und sie kamen zu ihm hin und wollten ihn festhalten, damit er nicht von ihnen wegginge.
43 Er sagte zu ihnen: Ich muss auch den anderen Städten das Evangelium vom Reich Gottes verkünden; denn dazu bin ich gesandt worden.
44 Und er verkündete in den Synagogen Judäas.

Jesus tut heute ein Wunder, denn er heilt die kranke Schwiegermutter des Petrus. Er kommt in dessen Haus und sollte nun eigentlich bewirtet werden. Doch als er dort ankommt, sieht er die kranke Frau mit hohem Fieber daniederliegen.
Wie schon zuvor zu den Dämonen befiehlt Jesus dem Fieber, von der Frau zu weichen. Das Fieber verschwindet und die Schwiegermutter kann die Gäste bedienen. Gott heilt nicht, damit wir ein bequemeres Leben führen können. Gott lässt gerade körperliche Heilung zu, damit wir durch die gewonnene Gesundheit IHM besser DIENEN können, zu seinen Werkzeugen werden können wie Paulus, Timotheus und Epaphras im Kolosserbrief. Gott tut dies, wenn er einen besonderen Auftrag für den Menschen hat. Darum geht es in erster Linie: um die genesene Person zu berufen und um ihren Glauben zu stärken bzw. den Glauben der Umstehenden.
Nach Sonnenuntergang kommt eine Menschenmasse zum Haus des Petrus und Andreas. Jesus heilt die Kranken und treibt die Dämonen aus. Wir müssen bedenken: Jesus ist am Sabbat bei Petrus und Andreas eingekehrt, denn es geschah direkt nach der Synagogen-Episode. Er heilt die Schwiegermutter des Petrus also am Sabbat! Doch die Menschenmassen kommen erst nach Sonnenuntergang zum Haus, um geheilt zu werden, denn ab Sonnenuntergang beginnt nach jüdischer Zählung ein neuer Tag. Er treibt auch viele Dämonen aus, die ihn als Sohn Gottes bekennen, doch er verbietet ihnen, zu sprechen. Seine Identität soll nicht öffentlich gemacht werden. Über das Messias-Geheimnis haben wir schon öfter nachgedacht.
Bei Tagesanbruch tut Jesus, was er immer nach ausführlichen Heilungen und Verkündigungen tut – allein mit seinem Vater sein. Er füllt sich neu mit der Liebe des Vaters auf. Das ist für die Jünger Jesu eine große Lehre. Sie sollen sehen, wie sie es später selbst tun sollen – vielen Menschen die Liebe Gottes schenken, aber dann in der Zweisamkeit mit Gott wieder auftanken – und zwar nicht körperlich, sondern seelisch. Sie müssen das erst einmal noch lernen. Die Menschen wollen Jesus festhalten, denn er schenkt ihnen das Heil.
Jesus sagt ihnen aber deutlich, dass er sich nicht von den Bewohnern Kafarnaums festnageln lässt. Er ist für alle Menschen gekommen, muss überall das Evangelium verkünden und vor allem: Er kann sich nicht von einzelnen Menschen binden lassen. Das ist die Lebensweise von Geistlichen. Sie gehören keinen Einzelpersonen, sondern sie sind ungebunden. Deshalb sind sie ja auch zölibatär, um sich ganz und gar nur an einen zu binden – an Gott. Es ist natürlich gut für einen Geistlichen, bestimmte Bezugspersonen zu haben, die einen stützen und helfen, aber auch an sie soll er sich nicht binden, vor allem nicht emotional. Ein Priester ist der Vater der ganzen Gemeinschaft der Christen, die eine einzige Familie ist. Jesus möchte das seinen Aposteln beibringen, damit sie eines Tages auch so handeln werden. Er zeigt ihnen dadurch noch etwas Anderes: In erster Linie muss der Geistliche ganz und gar in Gott sein. Die Zwiesprache im Gebet, das komplette Versunkensein in der Liebe Gottes, die Kontemplation muss der Ausgangspunkt jedes priesterlichen Dienstes sein. Dann ist es wirklich ein gnadenhaftes Tun, das die Menschen näher zu Gott bringt. Aus dieser Kontemplation heraus können die Geistlichen wirklich geistlich sein und mit der göttlichen Liebe lieben.
Und so lehrt Jesus in den Synagogen Judäas – d.h. er legt dort vor allem die Schrift neu aus. Er ist hier im Gebiet der besonders frommen Juden (so zumindest ihr Selbstbild). Das Evangelium zu verkünden, geht hier also am besten über die Verheißungen des Alten Testaments.

Heute hören wir viel von der Familie Gottes, davon, dass man in Gemeinschaft vor allem sein Christsein lebt. Wir hören zudem viel von der Liebe, die nie aus sich selbst heraus mit menschlichen Kräften gelebt werden soll. Dies betrifft ja auch die Christen in Kolossä. Sie sollen so wie Christus es im Evangelium vormacht, mit und aus der Liebe Gottes lieben. Dann werden sie nicht so schnell unter Burnout leiden. Gottes Liebe ist eine Quelle ohne Boden. Sie ist unendlich. Schöpfen wir auch heute neu aus der Liebesquelle Gottes und werden wir zu Tätern des Wortes Gottes!

Ihre Magstrauss

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