24. Sonntag im Jahreskreis (B)

Jes 50,5-9a; Ps 116,1-2.3-4.5-6.8-9; Jak 2,14-18; Mk 8,27-35

Jes 50
5 GOTT, der Herr, hat mir das Ohr geöffnet. Ich aber wehrte mich nicht und wich nicht zurück.
6 Ich hielt meinen Rücken denen hin, die mich schlugen, und meine Wange denen, die mir den Bart ausrissen. Mein Gesicht verbarg ich nicht vor Schmähungen und Speichel.
7 Und GOTT, der Herr, wird mir helfen; darum werde ich nicht in Schande enden. Deshalb mache ich mein Gesicht hart wie einen Kiesel; ich weiß, dass ich nicht in Schande gerate.
8 Er, der mich freispricht, ist nahe. Wer will mit mir streiten? Lasst uns zusammen vortreten! Wer ist mein Gegner im Rechtsstreit? Er trete zu mir heran.
9 Siehe, GOTT, der Herr, wird mir helfen.

Heute hören wir als erste Lesung einen Ausschnitt aus dem dritten Gottesknechtslied. Es ist bereits an Palmsonntag verlesen worden und sehr intensiv:
GOTT hat dem Gottesknecht das Ohr geöffnet. Auf Christus bezogen, mit dem die Kirche den leidenden Gottesknecht von Anfang an identifiziert hat, können wir wirklich sagen, er hat ganz gehorsam auf den Vater gehört und nichts gesagt oder getan, was nicht im Einklang mit dem Vater ist.
Er hat auf den Willen des Vaters gehört und es auch durchgehalten selbst in den Angriffen der Menschen: „Ich aber wehrte mich nicht und wich nicht zurück.“ – So ist es schon den Propheten des Alten Testaments ergangen. Sie haben auf die Stimme Gottes gehört und den Menschen seinen Willen kundgetan, zumeist um den Preis ihres eigenen Lebens. Umso mehr gilt das für den Sohn Gottes selbst, der der Gehorsamste von allen ist.
Jesus hielt wortwörtlich seinen Rücken hin denen, die ihn schlugen. Wie maßlos haben seine Gegner auf ihn eingeschlagen, statt sich an die gebotene Anzahl von Schlägen zu halten, wie sie das Recht vorsieht – sowohl mit Stöcken als auch mit Geißeln! (Wir wissen vom Grabtuch von Turin, dass er über hundert Mal geschlagen worden ist, statt der gebotenen 39 Schläge. Die Römer haben sich nicht daran gehalten).
„Und meine Wange denen, die mir den Bart ausrissen“ – Ja, er wurde ins Gesicht geschlagen durch den Diener der Hohepriesters. Von Privatoffenbarungen wissen wir, wie sehr sie ihm den Bart ausgerissen haben in der Nacht von Donnerstag auf Freitag. Laut diesen Offenbarungen stachen sie ihm sogar Nägel und Spitzen in die Löcher seines ausgerissenen Bartes. Unvorstellbar, was Jesus durchmachen musste! Es geht bei diesem Akt nicht nur um die Schmerzen, sondern auch um die Erniedrigung, die ihm dadurch widerfahren ist.
„Mein Gesicht verbarg ich nicht durch Schmähungen und Speichel.“ Wie oft Jesus wohl auf seinem Kreuzweg zum Golgota von der gaffenden Menge und von den Soldaten angespuckt und beschimpft worden ist? Er ist wirklich behandelt worden wie der schlimmste Verbrecher. Es blieb ihm nicht ein Funken Ehre. Er ist maximal erniedrigt worden, aber dann vom Vater über alle anderen erhöht worden. Stellen Sie sich vor, dass Sie allmächtig wären, über all jenen Peinigern stehen würden, aber alles mit sich machen lassen würden! Sie könnten jederzeit eingreifen und sie alle in die Hölle hinabwerfen, sich vom Kreuz befreien und die ganzen Wunden augenblicklich heilen, weil Sie so allmächtig sind! Für Jesus gilt das alles tatsächlich, weil er Gott ist und doch greift er nicht ein! Er lässt alles mit sich machen, weil er uns so sehr liebt, dass er all das sühnt. So unbegreiflich groß ist seine Liebe!
„Und GOTT, der Herr, wird mir helfen; darum werde ich nicht in Schande enden.“ Ja, das ist nicht nur ein absolutes Vertrauensbekenntnis, sondern eine regelrechte Ankündigung. Jesus wird nicht in Schande enden, denn am dritten Tag wird er von den Toten auferstehen! Er wird den schandvollsten Tod sterben, aber er wird nicht in ihm bleiben. Der Vater wird ihn auferstehen lassen und über alle anderen erhöhen. Nun hat er ihn wieder zu sich geholt und er sitzt mit Leib und Seele zur Rechten des Vaters.
„Er, der mich freispricht, ist nahe. Wer will mit mir streiten?“ Der Vater spricht seinen Sohn sozusagen frei im Kampf gegen den Bösen, indem er ihn am dritten Tag auferstehen lässt. Der Tod wird überwunden. Er kann im Rechtsstreit nichts mehr unternehmen.
„Siehe, GOTT, der Herr, wird mir helfen.“ Das dürfen auch wir mit Gewissheit beten, denn wie er seinen eigenen Sohn aus den Klauen des Todes gerettet hat, so wird er auch uns retten, die wir nicht nur auf den Tod, sondern auch auf die Auferstehung Jesu Christi hin getauft sind.

Ps 116
1 Ich liebe den HERRN; denn er hört meine Stimme, mein Flehen um Gnade.
2 Ja, er hat sein Ohr mir zugeneigt, alle meine Tage will ich zu ihm rufen.
3 Mich umfingen Fesseln des Todes, Bedrängnisse der Unterwelt haben mich getroffen, Bedrängnis und Kummer treffen mich.
4 Ich rief den Namen des HERRN: Ach HERR, rette mein Leben!
5 Gnädig ist der HERR und gerecht, unser Gott erbarmt sich.
6 Arglose behütet der HERR. Ich war schwach, er hat mich gerettet.
7 Komm wieder zur Ruhe, meine Seele, denn der HERR hat dir Gutes erwiesen.
8 Ja, du hast mein Leben dem Tod entrissen, mein Auge den Tränen, meinen Fuß dem Straucheln.
9 So gehe ich meinen Weg vor dem HERRN im Land der Lebenden.

Heute beten wir einen Dankespsalm, der zum sogenannten Ägyptischen Hallel gehört (ein großes Loblied bestehend aus den Psalmen 113-118). Es wird so genannt, weil es an das erste Pessachfest in Ägypten erinnert, was typologisch schon das Ereignis vorausdeutet, das wir in der Lesung betrachtet haben. Das ägyptische Hallel ist zu den großen Wallfahrtsfesten gebetet worden. Es ist begleitend zur Todah, zum Dankopfer gebetet worden und passt perfekt als Antwort auf die Lesung.
Einmal mehr hat Gott bewiesen, dass er die Gebete seiner geliebten Kinder hört. Er hat ein ganzes Volk unbeschadet aus Ägypten herausgeführt. Christus führt uns unbeschadet aus dieser gefallenen Schöpfung in die Freiheit der geistigen Schöpfung geführt, von der Sklaverei der Sünde in die Freiheit der Kinder Gottes. Durch das Blut des Pessachlammes sind sie vor dem Tod bewahrt worden. Durch das Blut Christi werden wir vor dem ewigen Tod bewahrt. Auch die Episode Abrahams erinnert uns daran, dass Gott die Gebete erhört und den absoluten Gehorsam belohnt: Abraham hat so viele Jahrzehnte auf einen Sohn gewartet. Als dieser endlich da ist, soll er ihn opfern. Und auch in dieser Situation vertraut er ganz auf Gottes Güte. Gott verschont Abrahams Sohn, den er auf einem der Berge Morijas bereit war zu opfern. Seinen eigenen Sohn verschont er nicht genau in derselben Gegend, als dieser am Kreuz von Golgota stirbt.
„Ach HERR, rette mein Leben!“ Immer wieder musste König David selbst diese Worte sprechen. Das Volk Israel hat es immer wieder zum Herrn geschrien. Die ganze Menschheit schrie nach Erlösung, da sie das Angesicht Gottes nicht schauen durfte. Der Herr erhörte das Gebet und wurde Mensch, um den Menschen das ewige Leben zu ermöglichen.
Gott behütet die Arglosen und David, Mose, Abraham, Jesaja, all diese Heilsgestalten waren wirklich reinen Herzens. Ja, auch ein König David hat Fehler begangen und Gott hat ihn daraufhin auch lange angeschwiegen (umso mehr Abraham!), doch immer wieder hat sich Gott diesen Heilsgestalten neu zugewandt. Er ist wirklich ein treuer Gott, der ihnen allen Gutes erwiesen hat. Immer wieder finden sie Ruhe in Gott.
Im Grunde kann man diesen Psalm uns allen in den Mund legen, denn Gott hat uns alle dem Tod entrissen. Er hat für uns das Leben in Fülle parat. Und so gehen wir unseren Weg vor Gott im Land der Lebenden.
Dieses Land ist so bedeutungsträchtig, dass wir uns dies genauer anschauen müssen. Mit Blick auf die Lesung verstehen wir es zunächst als Diesseits, in dem wir uns als biologisch Lebende bewegen. Doch darüber hinaus ist da noch so viel mehr. Wir begreifen, dass das Land der Lebenden wesentlich das Himmelreich meint, das für die Menschheit nicht zugänglich war, auch für die Gerechten nicht. Umso heilvoller, dass Christus den Zugang wiederhergestellt hat. Das Land der Lebenden ist durch seine Erlösungstat wieder betretbar geworden! Als Getaufte dürfen wir uns schon freuen und in der Taufgnade sind wir schon jetzt im Land der Lebenden. Was ist lebendiger als in der Gemeinschaft der Gläubigen zu leben, in der wir die Heilsmittel Gottes empfangen dürfen! Solange wir im Stand der Gnade sind, wandeln wir im Land der Lebenden. Nicht umsonst heißt die schwere Sünde auch Todsünde. Und wenn wir dann wirklich ganz bei Gott sind, dürfen wir auf ewig im Land der Lebenden sein.

Jak 2
14 Was nützt es, meine Brüder und Schwestern, wenn einer sagt, er habe Glauben, aber es fehlen die Werke? Kann etwa der Glaube ihn retten? 

15 Wenn ein Bruder oder eine Schwester ohne Kleidung sind und ohne das tägliche Brot 
16 und einer von euch zu ihnen sagt: Geht in Frieden, wärmt und sättigt euch!, ihr gebt ihnen aber nicht, was sie zum Leben brauchen – was nützt das? 
17 So ist auch der Glaube für sich allein tot, wenn er nicht Werke vorzuweisen hat. 
18 Aber es könnte einer sagen: Du hast Glauben und ich kann Werke vorweisen; zeige mir deinen Glauben ohne die Werke und ich zeige dir aus meinen Werken den Glauben. 

In der zweiten Lesung hören wir den Abschnitt aus dem Jakobusbrief, der Luther dazu veranlasste, sie als „stroherne Epistel“ zu bezeichnen und grundsätzlich eine Werksgerechtigkeit zu unterstellen.
Es geht um das Verhältnis zwischen Glauben und Werken. Jakobus stellt die rhetorischen Fragen: „Was nützt es, (…) er habe Glauben, aber es fehlen die Werke? Kann etwa der Glaube ihn retten?“ Wenn Jakobus das hier schreibt, dann ist das so zu verstehen, dass ein theoretischer Glaube ohne Werke den Menschen nicht retten kann. Dafür bringt er das Beispiel von Brüdern oder Schwestern ohne Kleidung und Nahrung. Wenn man große Worte macht, aber ihnen selbst nicht das Nötige gibt, bringen die großen Worte nichts. Gott wird dann wie in Mt 25 fragen, was wir getan haben, damit sie das Nötige zum Leben haben. Das hat aber nichts mit Werksgerechtigkeit zu tun, sondern mit einer Kombination von Glauben und Werken. Ein rein theoretischer Glaube ist tot, das heißt wirkungslos. Er ist nicht echt, er ist nicht authentisch, sondern unglaubwürdig.
Jakobus und Paulus kann man nicht gegeneinander ausspielen. Sie betrachten zwei unterschiedliche Dinge und haben auch unterschiedliche Anlässe für ihre Briefe: Paulus muss sich mit jenen herumplagen, die behaupten, man müsse die Torah halten, um erlöst zu sein. Wir Christen glauben aber, dass Christus uns erlöst hat durch seinen Tod und seine Auferstehung. Durch unsere eigenen Werke aus eigener Kraft hätten wir es nie geschafft, uns zu erlösen. Nachdem wir die Erlösung angenommen haben in der Taufe, beginnt ein Weg der Werke, was auch Paulus nicht abstreitet. Er kommt an mehreren Stellen in seinen Briefen darüber zu sprechen und all seine paränetischen Aussagen würden ja sinnlos sein, wenn für ihn Werke hinfällig sind.
Jakobus geht es nicht um die Frage, was uns erlöst – Christi Erlösungstat oder unsere eigenen Werke – sondern er nimmt diesen Weg als Getaufter in den Blick. Denn wenn wir als Getaufte, das heißt auch als Befähigte durch die Taufgnade, nicht entsprechende Werke aufweisen, ist dieser bekannte Glaube bei der Taufe unaufrichtig. Dann ist dieser Glaube tot, weil wir in Todsünde leben. Wir können die Taufgnade und unseren gerechtfertigten Zustand also wieder verlieren und die Taufe ist kein automatisches Ticket in den Himmel.

Mk 8
27 Jesus ging mit seinen Jüngern in die Dörfer bei Cäsarea Philippi. Auf dem Weg fragte er die Jünger: Für wen halten mich die Menschen? 

28 Sie sagten zu ihm: Einige für Johannes den Täufer, andere für Elija, wieder andere für sonst einen von den Propheten. 
29 Da fragte er sie: Ihr aber, für wen haltet ihr mich? Simon Petrus antwortete ihm: Du bist der Christus! 
30 Doch er gebot ihnen, niemandem etwas über ihn zu sagen. 
31 Dann begann er, sie darüber zu belehren: Der Menschensohn muss vieles erleiden und von den Ältesten, den Hohepriestern und den Schriftgelehrten verworfen werden; er muss getötet werden und nach drei Tagen auferstehen. 
32 Und er redete mit Freimut darüber. Da nahm ihn Petrus beiseite und begann, ihn zurechtzuweisen. 
33 Jesus aber wandte sich um, sah seine Jünger an und wies Petrus mit den Worten zurecht: Tritt hinter mich, du Satan! Denn du hast nicht das im Sinn, was Gott will, sondern was die Menschen wollen.
34 Er rief die Volksmenge und seine Jünger zu sich und sagte: Wenn einer hinter mir hergehen will, verleugne er sich selbst, nehme sein Kreuz auf sich und folge mir nach.
35 Denn wer sein Leben retten will, wird es verlieren; wer aber sein Leben um meinetwillen und um des Evangeliums willen verliert, wird es retten.

Heute sind Jesus und seine Jünger im Gebiet von Cäsarea Philippi unterwegs, einem Ort, der zu Ehren des Kaisers Augustus in „Cäsarea“ umbenannt worden ist. Der Ort liegt am Fuße des Hermonberges und weist eine ganz bekannte Grotte zu Ehren des Gottes Pan auf.
Jesus fragt seine Jünger heute, für wen er gehalten wird. Er tut dies, um darauf zu sprechen zu kommen, für wen seine Jünger selbst ihn halten.
Die Menschen haben unterschiedliche Theorien für die Identität Jesu, z.B. Johannes den Täufer oder Elija sowie andere Propheten. Das ist typisch für Gerüchte und Gerede, es ist total unlogisch und ergibt keinen Sinn. Wie kann Jesus Johannes der Täufer sein, wenn beide gleichzeitig gesehen worden sind bei Jesu Taufe? Dass einige Jesus als den wiedergekommenen Elija halten, ist wenigstens ein wenig nachvollziehbar wegen der vielen Heilstaten, die Jesus erwirkt.
Und nun stellt Jesus die entscheidende Frage: „Für wen haltet ihr mich?“
Derjenige spricht zuerst, der immer zuerst das Wort ergreift, Petrus: „Du bist der Christus.“ Er bekennt heute, dass Jesus der Messias ist. Er spricht Jesu wahre Identität aus, die aber noch nicht öffentlich verkündet werden soll. Jesus gebietet den Jüngern deshalb, darüber zu schweigen. Wir erinnern uns daran, was Jesus gestern vor seinen Jüngern erwirkt hat, nämlich eine Blindenheilung. Er tat es im Anschluss an die Kritik an seine Jünger, dass sie blind und taub sind. Bei der Blindenheilung in Betsaida sind Petrus auch die Augen aufgegangen, aber nicht die physischen, sondern die Augen des Glaubens. Deshalb sagt er hier voller Überzeugung „du bist der Christus.“ Dass er das nicht aus eigener Erkenntnisfähigkeit herausgefunden hat, erfahren wir in Mt 16,17. Dort erwidert Jesus Petrus nämlich: „Selig bist du, Simon Barjona; denn nicht Fleisch und Blut haben dir das offenbart, sondern mein Vater im Himmel.“ So ist es mit unserer Gotteserkenntnis. Die Tiefen Gottes können wir erforschen mithilfe der Gnade Gottes. Er öffnet uns den Verstand und den Glauben so, dass wir ein wenig mehr von ihm erkennen können.
Petrus hat Jesu Identität auf den Punkt gebracht, doch was mit dieser Identität als Messias verbunden ist, darüber muss Jesus seine Jünger im Folgenden belehren.
Er offenbart ihnen, dass er leiden und sterben müsse, dass ausgerechnet die religiöse Elite ihn an die Römer ausliefern würde. Das müsse geschehen, aber dann werde er am dritten Tage von den Toten auferstehen. Jesus offenbart ihnen seinen Erlösungsplan, doch sie sind noch nicht soweit, es zu verstehen. Erneut ergreift Petrus als erster das Wort und meint, Jesus unter die Arme greifen zu müssen. Er macht ihm Vorwürfe. Es erinnert uns an Saul, der es auch mehrfach besser wusste als Gott selbst.
Petrus hat Jesu Messianität mithilfe der Gnade Gottes zwar erkannt, sich darunter jedoch etwas Anderes vorgestellt. Eine messianische Erwartung war zu jener Zeit gar nicht mal so selten, wie wir auch an den jüngsten alttestamentlichen Schriften erkennen können. Doch was genau man unter dem Messias verstand, war ganz unterschiedlich. Ganz prominent ist die Vorstellung eines politischen Freiheitskämpfers, der Israel von der Fremdherrschaft der Römer befreien wird.
Ganz egal, wie Petrus sich Jesus auch vorgestellt hat, für ihn ist ein hingerichteter Messias ein Nogo. Und wir können das absolut nachvollziehen aus menschlicher Sicht: Petrus ist ein frommer Jude. Er wird aufgrund von Dtn 21,23 so reagiert haben. Für ihn ist unvorstellbar, dass der Messias hingerichtet wird, denn dann ist er nicht mehr eine Erlösergestalt. Gott wird ihn dann verlassen. Das ist für ihn ein Zeichen der Niederlage. Jesus kündigt sein Leiden mehrfach an, um seine Jünger dafür zu sensibilisieren, dass es eben nicht das Ende sein wird und dass Jesus diese absolute Schande durchmachen muss zur Erlösung der ganzen Menschheit.
Petrus wird von Jesu Hinrichtungsworten so getriggert, dass er auf den Rest gar nicht mehr genau hinhört: Jesus wird von den Toten auferstehen! Stattdessen beginnt er, seinem Rabbi die Leviten zu lesen (oder vielmehr das Deuteronomium…). Jesu Reaktion ist heftig und doch notwendig. Er wendet sich ganz bewusst seinen Jüngern zu, dass sie das mitbekommen. Petrus nahm Jesus ja etwas beiseite, um auf ihn einzureden: „Weg mit dir, Satan!“
Das sagt uns schon alles: Wo Gottes Gnade fließt, da ist der Teufel nicht weit. Nicht nur Gott kann uns Dinge eingeben, auch der Böse kann uns zu Werkzeugen gebrauchen, andere zu verführen. So merken wir an ein und demselben Menschen, wie sehr die menschliche Seele diesem geistigen Kampf ausgesetzt ist. Es ist nicht Petrus, sondern im Kern der Böse, der Jesus versuchen will, damit er die Erlösung nicht erwirkt. Deshalb ist Jesus so streng und befiehlt dem Bösen, zu gehen. Er möchte nicht, was Gott will. Er ist der Kern allen Ungehorsams. Es ist Gottes Plan, dass Jesus leiden und sterben müsse. Doch der Satan widersetzt sich Gott, denn wenn Jesus gehorsam bis zum Kreuz ist, dann wird die Macht des Teufels gebrochen.
Es ist ein Prozess des Lernens. Petrus ist einen Schritt näher zum Messias gekommen und dann wieder zurückgefallen. Wir kennen aber auch den weiteren Verlauf der Geschichte. Petrus wird noch so einiges falsch machen, aber dann wird er Jesus immer besser erkennen, bis er schließlich so vom Hl. Geist erfüllt wird, dass er eine brennende Pfingstpredigt halten wird mit anschließender Massentaufe!
Wie ist es mit uns? Erkennen wir den Messias, wie er wirklich ist? Akzeptieren wir die unattraktive, aber erlösende Botschaft des Gekreuzigten? Akzeptieren wir, dass das Evangelium kein Wohlstandsevangelium ist und dass auch wir in Christi Nachfolge mindestens durch den Dreck gezogen werden? Oder wollen auch wir das Leiden vermeiden, aus welchen Gründen auch immer?
Können wir das Kreuz auf uns nehmen wie Christus? Sind wir bereit, unser Leben um des Himmelreiches willen zu verlieren? Können wir wie der leidende Gottesknecht den Rücken und die Wange hinhalten? Sind wir tapfer genug, die Gebote Gottes zu halten, auch wenn wir dafür verlacht werden? Gott wird uns am Ende nach unseren Taten fragen.
Es geht nicht ohne Kreuz und ohne Schande. Das Himmelreich ist das Attraktivste, was es gibt. Doch Gott spielt mit offenen Karten und zeigt deshalb den beschwerlichen Weg dorthin auf. Die Hölle ist das Unattraktivste, was es gibt. Deshalb versucht der Böse, den Weg dorthin so attraktiv wie möglich zu gestalten, obwohl es ein Highway to hell ist. Durchschauen wir ihn und lassen wir uns auf seine Versuchungen nicht ein!

Ihre Magstrauss

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