Montag der 28. Woche im Jahreskreis

Röm 1,1-7; Ps 98,1.2-3b.3c-4; Lk 11,29-32

Röm 1
1 Paulus, Knecht Christi Jesu, berufen zum Apostel, ausgesondert, das Evangelium Gottes zu verkünden, 
2 das er durch seine Propheten im Voraus verheißen hat in heiligen Schriften: 
3 das Evangelium von seinem Sohn, der dem Fleisch nach geboren ist als Nachkomme Davids, 
4 der dem Geist der Heiligkeit nach eingesetzt ist als Sohn Gottes in Macht seit der Auferstehung von den Toten, das Evangelium von Jesus Christus, unserem Herrn. 
5 Durch ihn haben wir Gnade und Apostelamt empfangen, um unter allen Heiden Glaubensgehorsam aufzurichten um seines Namens willen; 
6 unter ihnen lebt auch ihr, die ihr von Jesus Christus berufen seid. 
7 An alle in Rom, die von Gott geliebt sind, die berufenen Heiligen: Gnade sei mit euch und Friede von Gott, unserem Vater, und dem Herrn Jesus Christus.

Wir hören heute den Beginn des Römerbriefs, dem theologischen Traktat des Paulus, also der Zusammenfassung seiner gesamten Theologie. Das Briefpräskript, das wir heute hören, enthält bereits das Programm und die Berufung des Völkerapostels.
Das Präskript ist besonders ausführlich: Normalerweise enthalten antike Briefe notizenhaft den Absender und Empfänger des Briefs, bevor ein kurzer Gruß es abschließt. Paulus ist grundsätzlich ausführlicher in seinen Briefen, doch der Römerbrief ist besonders ausführlich, was den Absender anbelangt. Das betrifft die ersten sechs Verse. Wir begreifen es, wenn die Umstände mitbedacht werden: Paulus schreibt an die Gemeinde in Rom, die er persönlich noch nicht kennt und die er besuchen möchte. Er hat sie nicht gegründet und die dortigen Christen kennen ihn höchstens vom Hörensagen. Das Problem ist, dass zu jener Zeit böse Gerüchte im Umlauf sind und seine Apostolizität infragegestellt wird. Insbesondere der schwere Konflikt mit den radikalen Judenchristen im Kontext des Galaterbriefs hat seinem Ruf sehr zugesetzt. Also möchte er zu Anfang des Römerbriefs betonen, dass er von Christus höchstpersönlich berufen worden ist, Heidenmission zu betreiben. Er möchte durch die theologische Betrachtung Christi herausstellen, dass er rechtgläubig ist und die Christen in Rom also das Nachfolgende mit ruhigem Gewissen lesen können.
Paulus sagt, dass das Verheißene „in heiligen Schriften“ sich in Jesus Christus erfüllt hat. Damit sind die Schriften der Juden gemeint, also was wir als Altes Testament bezeichnen. Paulus betrachtet Christus in seinen beiden Naturen, was sprachlich durch „dem Fleische nach“ und „dem Geist der Heiligkeit nach“ ausgedrückt wird: Die davidische Abstammung Jesu ist „dem Fleische nach“. Während Jesus von seiner Menschlichkeit her Sohn Davids ist, ist er von seiner Göttlichkeit her Sohn Gottes, der seit seiner Auferstehung eingesetzt ist in Macht. Er ist jetzt beim Vater. Wir beten im Glaubensbekenntnis, dass Jesus nun als Auferstandener zur Rechten des Vaters sitzt und von dort aus wiederkommen wird als Weltenrichter. Jesus ist also nicht mehr entäußert wie noch auf Erden. Er ist jetzt verherrlicht und wird in dieser vollen Herrlichkeit zurückkommen.
Paulus macht klar, dass die Vollmacht, mit der er den Römern durch den Brief das Evangelium verkündet, von Christus selbst kommt. Er sagt auch, dass er sich berufen sieht, die Heiden zu evangelisieren, die das unmittelbare Umfeld der römischen Gemeinde bilden. Damit hat er also den Anlass und Grund für den Römerbrief ausgedrückt.
Wenn Paulus von den Heiligen als Adressaten spricht, meint er immer die Getauften. Dies tut er aber nicht, weil er davon ausgeht, dass die Taufe sie schon automatisch heilig macht, sondern, weil sie a) dadurch von der Welt ausgesondert sind wie er (Vers 1), b) durch die Taufe dazu berufen sind, heilig zu leben.
Paulus war es in seiner Verkündigung wichtig, die Heiden zu Christus zu bekehren und zu betonen, dass nicht das Halten der Torah (bei ihm immer „das Gesetz“) die Christen gerecht macht, sondern der Glaube an Gott. Damit grenzte er sich von jenen radikalen Judenchristen ab, die auch von den Heiden zusätzlich zur Taufe die Beschneidung forderten. Keinesfalls ist der Glaube in diesem Kontext als theoretisches Fürwahrhalten zu verstehen, sondern wie wir in Vers 5 lesen, ein Glaubensgehorsam. Es ist ein Glaube, der sich in Taten zeigt. Nachdem die Christen getauft sind, beginnt ein Weg des Gehorsams im Leben der Gebote Gottes. Erlöst sind die Menschen aber nicht durch das Halten der Torah und der Beschneidung, sondern durch den Kreuzestod Jesu Christi.

Ps 98
1 Ein Psalm. Singt dem HERRN ein neues Lied, denn er hat wunderbare Taten vollbracht! Geholfen hat ihm seine Rechte und sein heiliger Arm. 
2 Der HERR hat sein Heil bekannt gemacht und sein gerechtes Wirken enthüllt vor den Augen der Völker. 
3 Er gedachte seiner Huld und seiner Treue zum Haus Israel. Alle Enden der Erde sahen das Heil unsres Gottes. 
4 Jauchzet dem HERRN, alle Lande, freut euch, jubelt und singt!

Als Psalm beten wir einen Text, der oft als „eschatologische Hymnus“ bezeichnet wird. Er beinhaltet Elemente des sogenannten „Thronbesteigungsmotivs“. Gott wird als eigentlicher Herrscher über die ganze Welt proklamiert. „Alle Enden der Erde sahen das Heil“. Die ganze Welt sah die Heilstaten Gottes. Das betrifft die Israeliten, die aus Ägypten herausgeführt worden sind und bei den nichtjüdischen Völkern für Anerkennung gesorgt hat. Das betrifft umso mehr das ganze Erlösungsgeschehen Jesu Christi, das für eine weltweite Evangelisierung und flächendeckende Gemeindegründungen gesorgt hat. Es begann mit dem Hauptmann am Kreuz („wahrlich, dieser war Gottes Sohn“) und ging weiter bis an die damaligen „Enden der Erde“. Es schließt sich an an die Heidenmission des Paulus, das bereits am Anfang des Römerbriefs in den Blick genommen wird.
Der Anfang des Psalms ist sehr signalhaft für christliche Ohren. Es ist ein „neues Lied“, das auf den Messias hinweist und über die Rettungsaktionen Gottes an seinem auserwählten Volk hinausgeht. Ganz konkret können wir hier an das babylonische Exil denken, das neben dem Exodusgeschehen bei den Nichtjuden für Anerkennung gesorgt hat.
Gott hat sein Heil zu allen Zeiten bekannt gemacht – er ist ein sich offenbarender Gott. Immer wieder hat er sich preisgegeben durch die Propheten. Sein Heilsplan war nie ganz verborgen. Mit Jesus Christus hat diese Offenbarung, das heißt seine Selbstmitteilung, einen Höhepunkt erreicht. So kann man wortwörtlich sagen: Gott hat sein Heil (יְשׁוּעָתֹ֑ו  jeschuato), seinen Jesus, der Welt bekannt gemacht. Dieser ist „seine Rechte“ und „sein heiliger Arm“. Der Hl. Irenäus von Lyon hat den Sohn und den Geist als die Hände Gottes bezeichnet. Durch Christus hat Gott die Heilstaten vollbracht – sowohl die Schöpfung (deshalb nennen wir Jesus auch den Schöpfungsmittler) als auch die Erlösung.
Vor den Augen der Völker ( הַ֝גֹּויִ֗ם  hagojim, die nichtjüdischen Völker!) hat Gott schon Gericht gewirkt, indem er das unterdrückte Volk aus der Knechtschaft der Babylonier befreit hat. Er hat auch vor den Heiden die Erlösung erwirkt (die Römer staunten nicht schlecht, als das Grab leer war, und der Hauptmann kam unter dem Kreuz zum Glauben). Gott wirkt Wunder auch heute noch vor den Augen der Nichtgläubigen und benutzt uns dafür. Wir sind heute seine Hände in dieser Welt, die anderen Menschen zum Glauben an Christus verhelfen. Am Ende der Zeiten, wenn Jesus als verherrlichter Menschensohn zurückkehrt, wird Gottes Gericht universal und für alle offenbar durchgesetzt werden. Dann wird es aber zu spät für die Umkehr sein.
Gott bleibt seinem Volk treu, auch jetzt noch. Unsere jüdischen Geschwister sind bis heute in einem bleibenden Bund mit dem Herrn. Gott bleibt auch uns treu, die wir ihm durch jede Sünde immer wieder untreu werden. So ist Gott. Er starb für uns, ohne sein Opfer davon abhängig zu machen, ob wir seine Liebe zurückgeben oder nicht.
Das ist ein Grund zur Freude. Unsere Existenz, vor allem auf die Ewigkeit hin, haben wir allein Gott zu verdanken. Das ist jeden Tag den Lobpreis Gottes wert, auch schon hier auf Erden! Im Himmel wird es unsere ewige Beschäftigung sein.

Lk 11
29 Als immer mehr Menschen zusammenkamen, begann er zu sprechen: Diese Generation ist eine böse Generation. Sie fordert ein Zeichen; aber es wird ihr kein Zeichen gegeben werden außer das Zeichen des Jona.
30 Denn wie Jona für die Einwohner von Ninive ein Zeichen war, so wird es auch der Menschensohn für diese Generation sein.
31 Die Königin des Südens wird beim Gericht mit den Männern dieser Generation auftreten und sie verurteilen; denn sie kam von den Enden der Erde, um die Weisheit Salomos zu hören. Und siehe, hier ist mehr als Salomo.
32 Die Männer von Ninive werden beim Gericht mit dieser Generation auftreten und sie verurteilen; denn sie sind auf die Botschaft des Jona hin umgekehrt. Und siehe, hier ist mehr als Jona.

Im Evangelium fordern heute die Menschen ein Zeichen von Jesus. Sie tun das, weil sie ihm nicht glauben. Jesus sieht ihren Unglauben und ihre Provokation. Er erkennt, dass hinter ihnen eigentlich der Satan steht, der wie damals in der Wüste seine Göttlichkeit aus ihm herauskitzeln will. Gott ist Mensch geworden in Jesus Christus und nimmt seine Göttlichkeit nicht in Anspruch, um das Erlösungswerk zu vollbringen. Wenn Jesus nun gegen den Willen des Vaters diese Göttlichkeit zur Schau stellt, ist alles vorbei. Es ist also ein Stellen Gottes auf die Probe. Deshalb nennt er die Menschen seiner Zeit böse. Sie möchten erst glauben, wenn Jesus sich als Gott offenbart. Das wird immer wieder passieren, auch noch am Kreuz, wenn die Hohepriester zu Jesus höhnisch sagen werden: „Wenn du der Messias bist, steig herab vom Kreuz und hilf dir selbst!“ So ist die Generation wahrlich böse, denn sie entscheidet sich eher dafür, sich vom Bösen leiten zu lassen, als ihr Herz für das Heil Gottes zu öffnen.
Das Zeichen des Jona, dass Jesus hier andeutet, ist das Zeichen der Gerichtsankündigung. Die Menschen werden es erkannt haben, denn sie kannten den Propheten Jona. Wir haben diese Gerichtsankündigung in der vergangenen Woche gehört. Das Zeichen des Jona heißt also Ankündigung von Unheil, aber es bedeutet zugleich – „kehrt um! Noch ist die Zeit dazu da!“ Das ist ja der Kern der gesamten Verkündigung Jesu: die Umkehr und der Glaube an das Evangelium.
Die Männer von Ninive werden als Zeugen gegen die Generation Jesu aussagen, denn sie haben sich bei den Worten eines Menschen und Propheten namens Jona ganz bekehrt, die zu verurteilende Generation hatte mehr als nur einen Propheten – Gott selbst ist Mensch geworden, um die Menschen zur Umkehr aufzurufen, doch sie haben sich nicht bekehrt. Die Generation hat die Zeit der Gnade nicht erkannt. Es ist sogar noch drastischer: Die Männer von Ninive sind Heiden, die den Gott Israels bisher noch nicht kannten. Hier spricht Jesus zu Juden, doch diese sind verstockt.
Bemerkenswert ist auch, dass Jesus sich als Antitypos und Steigerung Salomos betrachtet, wenn er nun über die Umsetzung des Gerichts spricht. Als Zeugin sagt die Königin von Saba aus, die von weit hergekommen ist, die Weisheit Salomos zu sehen. Die zu verurteilende Generation ist Nachfolgerin der Stämme Israels zur Zeit des Salomo und Jesus kritisiert nun, was aus dieser Weisheit geworden ist, ja noch viel mehr: Er selbst ist mehr als Salomo, denn er hat die göttliche Weisheit in Fülle, ja er ist diese Weisheit in Person! Er hat den Menschen wie ein Sämann diese Weisheit ausgestreut, doch was ist von dieser Weisheit fruchtbar geworden? Die Königin von Saba wird mit ihrem Finger auf die fehlenden Früchte zeigen!
Und wie könnte unser Gerichtsprozess aussehen? Welche Zeugen werden gegen uns aussagen? Werden es unsere Eltern sein, die uns immer und immer wieder davor gewarnt haben, bestimmte Sünden zu begehen? Werden es Geistliche sein, die deutlich gepredigt, die bei der Katechese nichts ausgelassen, die uns alles genauestens erklärt und die wir ignoriert haben? Freunde, die uns gewarnt haben? Dann werden auch wir uns nicht verstecken können, denn Gott hat uns durch so viele Menschen, Ereignisse etc. zur Umkehr aufgerufen. All das sagt Jesus auch uns heute. Er möchte, dass wir noch heute umkehren, dass wir mit derselben Haltung Buße tun wie die Bewohner Ninives. Die Entscheidung liegt bei uns: Wollen wir wie die Bewohner von Ninive sein oder wie die böse Generation Jesu?

Ihre Magstrauss

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