Freitag der 28. Woche im Jahreskreis

Röm 4,1-8; Ps 32,1-2.5.10-11; Lk 12,1-7

Röm 4
1 Was sollen wir nun von Abraham sagen, was hat er erlangt, unser leiblicher Stammvater?

2 Wenn Abraham aufgrund von Werken Gerechtigkeit erlangt hat, dann hat er zwar Ruhm, aber nicht vor Gott.
3 Denn was sagt die Schrift? Abraham glaubte Gott und das wurde ihm als Gerechtigkeit angerechnet.
4 Dem, der Werke tut, wird der Lohn nicht aus Gnade angerechnet, sondern weil er ihm zusteht.
5 Dem aber, der keine Werke tut, sondern an den glaubt, der den Gottlosen gerecht macht, dem wird sein Glaube als Gerechtigkeit angerechnet.
6 So preist auch David den Menschen selig, dem Gott Gerechtigkeit unabhängig von Werken anrechnet:
7 Selig sind die, deren Frevel vergeben / und deren Sünden bedeckt sind.
8 Selig ist der Mensch, / dem der Herr die Sünde nicht anrechnet.

In der heutigen Lesung wird der umfassende Argumentationsgang des Paulus weiter ausgefaltet. Er bringt als Beispiel Abraham an. Er ist einer der Autoritäten bereits im Judentum, man muss sagen die Autorität schlechthin. Er ist schließlich der Stammvater. Zu seiner Zeit existiert die Torah noch nicht und doch ist er vor Gott ein gerechter Mann.
Von Abraham heißt es, dass er Gott geglaubt hat. Dies und nicht seine Werke sind ihm als Gerechtigkeit angerechnet worden.
Wer Werke tut, bekommt einen Lohn, der ihm zusteht. Es ist der Lohn für Tugend. Wer keine Werke tut, aber dem glaubt, der ihn rechtfertigen kann, dem wird der Glaube als Gerechtigkeit angerechnet. Das soll nicht heißen, dass man sich zurücklehnen kann, nicht gut leben muss und sich sagt: Hauptsache ich glaube, dass Gott mich gerecht machen kann! Worauf Paulus hinaus möchte ist: Abraham konnte noch keine Werke vollbringen. Gemeint sind die Werke des Gesetzes. Er konnte also noch gar nicht die Gebote halten, die mit der Torah auferlegt werden. Abraham ist also in derselben Situation wie die Heidenchristen, die von Judenchristen als Christen zweiter Klasse behandelt werden, weil sie vor ihrer Taufe die Torah noch nicht hatten. Abraham kann also nur Gott glauben, dass dieser ihn gerecht macht. Seine Gerechtigkeit besteht darin, dass Abraham Gott vertraut hat (Glaube und Vertrauen wird beides mit dem griechischen Wort pistis übersetzt). Wir müssen das erstmal nachmachen: Da lebt ein Mann ganz friedlich sein Leben und wird plötzlich von Gott persönlich angesprochen. Dieser erwartet von ihm, dass er sein etabliertes und geregeltes Leben aufgibt, um in ein unbekanntes Land zu ziehen. Und er macht es! Das ist ein großer Glaube, den er offenbart! Er wartet so viele Jahrzehnte auf einen Sohn, obwohl seine Frau keine Kinder haben kann. Das ist ein großer Glaube!
Paulus verweist zudem auf König David, der in den Psalmen schreibt: „Selig sind die, deren Frevel vergeben und deren Sünden bedeckt sind.“ Sie können sich freuen, weil Gott ihnen die Gnade der Vergebung geschenkt hat. Es können sich jene freuen, die Gottes Barmherzigkeit zu spüren bekommen.
Paulus sagt nicht, dass Tugenden falsch sind und man keine Werke vollbringen soll. Aber er möchte mithilfe einer rhetorischen Provokation darauf hinaus, dass jene, die vorher Juden waren, sich nichts darauf einbilden können. Sie erhalten Ruhm für ihr eigenes Tun, aber die Gnade Gottes, die sie gerecht macht, hängt mit einer ganz anderen Haltung zusammen – der Haltung der Umkehrbereitschaft und vor allem des Glaubens an Gottes Barmherzigkeit (daran, dass er die Menschen gerecht machen kann).

Ps 32
1 Von David. Ein Weisheitslied. Selig der, dessen Frevel vergeben und dessen Sünde bedeckt ist. 
2 Selig der Mensch, dem der HERR die Schuld nicht zur Last legt und in dessen Geist keine Falschheit ist. 
5 Da bekannte ich dir meine Sünde und verbarg nicht länger meine Schuld vor dir. Ich sagte: Meine Frevel will ich dem HERRN bekennen. Und du hast die Schuld meiner Sünde vergeben.
10 Der Frevler leidet viele Schmerzen, doch wer dem HERRN vertraut, den wird er mit seiner Huld umgeben.

11 Freut euch am HERRN und jauchzt, ihr Gerechten, jubelt alle, ihr Menschen mit redlichem Herzen!

Der heutige Psalm hat weisheitliche Züge und muss als Dankespsalm eingeordnet werden. Es ist nun der Psalm, auf den Paulus verweist. Es geht unter anderem um das Thema der vergangenen Sünde des Komponisten David. So wird Ps 32 in die Reihe der sieben Bußpsalmen eingeordnet. David preist selig, die die Barmherzigkeit Gottes erfahren haben („dessen Frevel vergeben und dessen Sünde bedeckt ist“). Ferner preist er selig, wer im Stand der Gnade ist („in dessen Geist keine Falschheit ist“). Gottes Liebe ist so groß, dass er uns vergibt, was wir vor ihm bekennen. So deutet David seine Sünden an, die er in seinem Leben begangen hat (Vers 5). Gott ist es immer, den man aufsuchen soll, an den man sich klammern soll, auch gerade in Schuldsituationen. So kann man die Beziehung auch im Streit überdauern und festigen. Und wenn dann schlimme Dinge passieren, werden sie einen nicht überwältigen („ihn werden sie nicht erreichen“). Das dürfen wir jetzt aber nicht missverstehen im Sinne eines radikalen „Tun-Ergehen-Zusammenhangs“. Leid ist nicht immer gleich Folge der Sünde und Leidlosigkeit nicht gleich Sündlosigkeit. Ein Mensch, der z.B. an Aussatz erkrankt, wird nicht automatisch wegen seiner Sünden krank. Es gibt auch andere Ursachen für das Leiden. Das Volk Israel lernt dies erst im Laufe der Heilsgeschichte. Dieses Verständnis wird sich ja sogar noch zuspitzen, sodass Jesus klarstellt: Nicht was von außen in den Menschen kommt, auch nicht der körperliche Zustand des Menschen, seine Ausscheidungen oder Krankheitsbilder, machen ihn kultisch unrein, sondern sein moralisches Verhalten und das, was von innen, aus dem Herzen des Menschen kommt. Nicht wer an Aussatz erkrankt ist, ist kultisch unfähig, sondern dessen Herz von Aussatz befallen ist und deshalb voller Sünde dahinfault. Es ist hier die Negativfolie dessen, was in der Lesung anhand des Beispiels Abrahams herausgestellt worden ist. Gerecht vor Gott ist nicht der, der sich aus eigener Kraft gerecht macht, sondern der in seinem Herzen umkehrbereit und deshalb von Gott gerechtfertigt ist. Ungerecht ist nicht automatisch, dem es schlecht geht, sondern dem, der im Herzen nicht umkehrbereit und unrein ist.
Was König David hier schreibt, ist also vor dem Hintergrund einer Entwicklung zu begreifen. Natürlich leidet der Frevler viele Schmerzen, denn er entfernt sich von seiner Lebensquelle. Welchem Wesen kann es gut gehen ohne Nährstoffe, Licht und Wasser! So braucht der Mensch Gott als seine ultimative Lebensquelle. Das heißt aber nicht, dass wir ganz engführend jeden äußeren Schmerz des Menschen automatisch auf seine Sünde beziehen können. Sonst müssten wir alle heiligen Sühneseelen in Wirklichkeit zu den größten Sündern erklären. Und ebenso auf die Lesung zurückbezogen muss man einräumen: Natürlich können Menschen durch ihr Tun etwas erlangen und Tugend ist ja nicht an sich schlecht. Rechtfertigung vor Gott geht aber wesentlich von Gott aus und nicht vom Menschen.
Wer ganz innig mit Gott verbunden ist, kann sich wirklich freuen. Das ist eine wichtige Aussage, weil es uns beweist: Wir werden im Leben erst dann so richtig glücklich sein, wenn wir den Weg mit Gott gehen. Wenn wir in Sünde leben, entfernen wir uns ganz von ihm und das macht uns unglücklich. Ein Leben in Fülle ist nicht, in Saus und Braus zu leben, sondern ein Leben nach den Geboten Gottes. Dann fließt der Gnadenstrom, dann ist unser Leben an die Wasserbäche gepflanzt, dann gedeiht unsere Existenz.

Lk 12
1 Unterdessen strömten Tausende von Menschen zusammen, sodass es ein gefährliches Gedränge gab. Jesus begann zu sprechen, vor allem zu seinen Jüngern: Hütet euch vor dem Sauerteig der Pharisäer, das heißt vor der Heuchelei!

2 Nichts ist verhüllt, was nicht enthüllt wird, und nichts ist verborgen, was nicht bekannt wird.
3 Deshalb wird man alles, was ihr im Dunkeln redet, im Licht hören, und was ihr einander hinter verschlossenen Türen ins Ohr flüstert, das wird man auf den Dächern verkünden.
4 Euch aber, meinen Freunden, sage ich: Fürchtet euch nicht vor denen, die den Leib töten, danach aber nichts weiter tun können!
5 Ich will euch zeigen, wen ihr fürchten sollt: Fürchtet euch vor dem, der nicht nur töten kann, sondern die Macht hat, euch auch noch in die Hölle zu werfen! Ja, das sage ich euch: Ihn sollt ihr fürchten.
6 Verkauft man nicht fünf Spatzen für zwei Pfennige? Und doch ist nicht einer von ihnen vor Gott vergessen.
7 Bei euch aber sind sogar die Haare auf dem Kopf alle gezählt. Fürchtet euch nicht! Ihr seid mehr wert als viele Spatzen.

Im Evangelium werden viele Aspekte aufgegriffen, die wir in Lesung und Psalm betrachtet haben. Jesus ist von vielen Menschen umgeben, die sich um ihn versammeln und ihn bedrängen. Doch Jesus hat etwas zu sagen – vor allem zu seinen Jüngern.
Er warnt seine Jünger nämlich vor dem Sauerteig der Pharisäer. Das ist ein Bild, das er sonst für das Reich Gottes verwendet. Aber auch schädliches Gedankengut kann wie ein Sauerteig wirken, also einen ganzen restlichen Teig durchsäuern. Die Pharisäer haben eine schädliche Einstellung, voller Selbstgerechtigkeit und Heuchelei. Weil sie nicht wahrhaftig und demütig sind, fällt es ihnen mit solch einer Haltung schwer, umzukehren. Das ist das Gefährliche an ihnen. Und davor sollen sich die Jünger hüten, damit sie stets reumütig und umkehrbereit bleiben. Wer nicht stets selbstkritisch ist, ohne sich selbst stets schlecht zu machen im Sinne eines mangelnden Selbstwertgefühls, wird auf dem Teppich bleiben und immer wieder die Vergebung Gottes suchen. So wird man im Stand der Gnade bleiben, statt im Stand der Todsünde zu verharren. Verstocktheit wird einem dagegen am Ende zum Verhängnis. Denn man will sich selbst nicht sehen, wie man ist. Die Heuchelei der Pharisäer wird aber eines Tages aufgedeckt werden. Es gibt nichts Geheimes, was nicht eines Tages ans Tageslicht kommt. Entweder wird es in diesem Leben schon bekannt, sodass einem die große Demütigung widerfährt, oder spätestens beim Gericht Gottes wird es eine böse Überraschung geben. Denn Gott hält jedem Menschen das Leben vor, sodass keiner sich mehr verstecken kann. Wenn dann ein Verstockter und Selbstgerechter seinen eigentlichen Zustand sieht, wird es sehr sehr schmerzhaft werden….
Dann kommt Jesus zu einer anderen Sache, nämlich der Verfolgung der Jünger aufgrund ihres Glaubens: Sie werden auf regen Widerstand treffen, doch Jesus erklärt hier, dass sie keine Angst vor dem biologischen Tod haben müssen. Ihre Beziehung zu Gott und das ewige Leben bei ihm können die Menschen den Jüngern nicht nehmen. Die größere Gefahr geht vom Bösen aus, dem Widersacher, der die Menschen von Gott wegreißen will.
Jesus wendet mehrere Beispiele an, um den Aposteln zu verdeutlichen, dass Gott ganz mit ihnen ist. Sie brauchen keine Angst zu haben, weil er alles in seiner wunderbaren Vorsehung regelt. Er hat alles nach seinem Willen gemacht und erhält auch alles durch seinen Willen. Sogar um die Spatzen kümmert sich Gott, die vermeintlich billige Vögel sind. Man bekommt fünf Spatzen für zwei Pfennige. Um wie viel mehr kümmert sich Gott um die Jünger, die mehr wert sind als Spatzen! Jedes einzelne Haar auf ihren Köpfen ist gezählt. Das ist eine absolute Vertrauenszusage. Und ausgehend von diesem Verhältnis absoluter Geborgenheit können sich die Jünger dann freimütig zum Herrn bekennen. Sie wissen tief in ihren Herzen, dass sie nichts verlieren können. Und so werden sie dann nach ihrem Tod dieses innige Verhältnis fortführen, nun aber nicht mehr im Verborgenen, sondern ganz unverhüllt von Angesicht zu Angesicht mit Gott. Dass die Jünger so freimütig den Glauben an Christus bekennen können, dafür hat Gott ihnen den Hl. Geist als Garant zur Seite gestellt. Um wie viel schöner muss dann das ewige Leben sein, wenn das Wirken des Geistes in diesem Leben erst der Anfang ist…

Ihre Magstrauss

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