Samstag der 31. Woche im Jahreskreis

Röm 16,3-9.16.22-27; Ps 145,2-3.4-5.10-11; Lk 16,9-15

Röm 16
3 Grüßt Prisca und Aquila, meine Mitarbeiter in Christus Jesus,
4 die für mein Leben ihren eigenen Kopf hingehalten haben; nicht allein ich, sondern alle Gemeinden der Heiden sind ihnen dankbar.
5 Grüßt auch die Gemeinde, die sich in ihrem Haus versammelt! Grüßt meinen lieben Epänetus, der die Erstlingsgabe der Provinz Asien für Christus ist!
6 Grüßt Maria, die für euch viel Mühe auf sich genommen hat!
7 Grüßt Andronikus und Junia, die zu meinem Volk gehören und mit mir zusammen im Gefängnis waren; sie ragen heraus unter den Aposteln und haben sich schon vor mir zu Christus bekannt.
8 Grüßt meinen im Herrn geliebten Ampliatus.
9 Grüßt Urbanus, unseren Mitarbeiter in Christus, und meinen geliebten Stachys!
16 Grüßt einander mit dem heiligen Kuss! Es grüßen euch alle Gemeinden Christi.

22 Ich, Tertius, der Schreiber dieses Briefes, grüße euch im Namen des Herrn.
23 Es grüßt euch Gaius, der mich und die ganze Gemeinde gastlich aufgenommen hat. Es grüßt euch der Stadtkämmerer Erastus und der Bruder Quartus.
24 Die Gnade Jesu Christi, unseres Herrn, sei mit euch allen! Amen.
25 Dem aber, der die Macht hat, euch Kraft zu geben – gemäß meinem Evangelium und der Botschaft von Jesus Christus, gemäß der Offenbarung jenes Geheimnisses, das seit ewigen Zeiten unausgesprochen war,
26 jetzt aber nach dem Willen des ewigen Gottes offenbart und durch prophetische Schriften kundgemacht wurde, um alle Heiden zum Gehorsam des Glaubens zu führen – ,
27 ihm, dem einen, weisen Gott, sei Ehre durch Jesus Christus in alle Ewigkeit! Amen.

Als Lesung hören wir heute den Abschluss des Römerbriefes. Dabei handelt es sich zunächst um abschließende Grüße ganz nach dem antiken Briefformular, dann um einen abschließenden Lobpreis, den wir mit Paulus gemeinsam sprechen können angesichts der Gunst, die Gott uns Menschen erwiesen hat:
Die abschließenden Grüße, die typisch für ein Postskript sind, enthalten uns bekannte Namen. Vor allem die zuerst genannten Prisca und Aquila kennen wir aus dem ersten Korintherbrief und der Apostelgeschichte. Es handelt sich dabei um das Ehepaar, das denselben Beruf ausübt wie Paulus. Es sind Zeltmacher, mit denen er in seiner Zeit in Korinth zusammenarbeitet und die Apollos im Glauben unterweisen, weil er nur die Johannestaufe kannte. Sie wurden aus Rom vertrieben, begleiteten Paulus unter anderem nach Ephesus und missionierten in Kleinasien. Hier lesen wir, dass sie ihren Kopf für Paulus hingehalten haben. Sie haben sich um des Himmelreiches willen in Gefahr gebracht, wofür ihnen die gesamten Heiden dankbar sind. Man muss bedenken, dass damit bei Paulus oft die Heidenchristen gemeint sind.
Auch die weiteren Grüße enthalten hier und da einige interessante Details und Infos, die die Forschung gerne zum Anlass nimmt, weiter zu erforschen. Wir erkennen bei dieser hier im Römerbrief recht ausführlichen Grußsammlung, wie viele Kräfte in der Evangelisierung vereint sind. Paulus hat ein großes Netzwerk und wir sehen einmal mehr, dass Christen nie allein Christ sind. Bis heute begreifen wir uns als Katholiken nicht nur in unserer innigen Beziehung zu Gott, sondern auch als eine übernatürliche Gemeinschaft der Gläubigen bestehend aus Lebenden und Verstorbenen, die entweder bereits bei Gott sind oder unterwegs dorthin. Wir sind die Familie Gottes und so haben wir immer unsere Familienmitglieder im Sinn bei allem, was wir tun. Die Bemerkungen zu den erwähnten Menschen zeigen uns zudem, dass diese für das Reich Gottes viel auf sich nehmen. Sie geben sich ganz hin.
Paulus sagt zum Ende dieser Grußserie hin noch, dass alle sich mit dem heiligen Kuss grüßen sollen. Das bedeutet, dass die Angesprochenen einander friedlich begegnen sollen. Er wünscht ihnen Frieden.
Dann meldet sich der Schreiber des Briefes noch zu Wort. Sein Name ist Tertius. Es ist gar nicht mal so selten, dass die Autoren des Neuen Testaments nicht selbst zur Feder greifen, sondern einem Schreiber diktieren. Paulus kann selber schreiben und tut das auch immer wieder, aber dieser Brief wird durch Tertius niedergeschrieben.
Einige weitere Grüße schließen sich an, bevor Paulus mit der üblichen Wendung endet: „Die Gnade Jesu Christi, unseren Herrn, sei mit euch allen! Amen.“ Es hat etwas Liturgisches, was ganz das Wesen des Paulus beschreibt: Er atmet den Herrn. Nicht ein Moment seines Daseins verbringt er ohne den Gedanken an Gott. Alles, was er tut, ist ein einziger Gottesdienst.
Es schließt sich an das Postskript noch ein Lobpreis an:
Gott hat die Macht, den Menschen Kraft zu verleihen, die nämlich von Natur aus geschwächt sind – das sind die Belastung mit der Erbsünde und ihre bleibenden Folgen.
Gott selbst ist Geheimnis und was wir von ihm wissen, hat er uns offenbart. Er hat das Geheimnis gelüftet, „das seit ewigen Zeiten unausgesprochen war“ – Jesus Christus selbst, seinen eingeborenen Sohn! Dieser ist uns offenbart worden, er ist schon so viele Jahrhunderte zuvor von den vielen Propheten, allen voran Jesaja, vorausgesagt worden. Gottes Heilsplan, die ganze Menschheit zu erlösen, stand schon von Anfang an fest.
Dieser Heilsplan umfasst nicht nur die zwölf Stämme Israels, sondern auch die Heiden – es ist ein umfassendes Heil für alle Menschen, die an ihn glauben. Um die Heiden geht es Paulus ja besonders, das ist seine Berufung. Deshalb betont er den Glaubensgehorsam der Heiden, ohne dass er die Juden nicht miteinbezogen sieht. Wir müssen bei Briefen immer bedenken, dass sie stark situationsbezogen sind und natürlich nicht alles abdecken, wofür ein Autor steht. Sonst tun wir Paulus Unrecht, der selbst ja von Haus aus ein Pharisäer ist, der die Juden weiterhin sehr hoch schätzt und der eine Kontinuität der Heilsgeschichte herausstellt.
Der Form nach ist dieser letzte Abschnitt eine Doxologie mit abschließender Ewigkeitsformel: Der Empfänger des Lobpreises steht im Dativ (ihm, dem einen Gott). Was ihm entgegengebracht wird, also die Ehre (griechisch Doxa, lateinisch Gloria, deshalb nennt man diese Formel Doxologie), steht im Nominativ. Jesus Christus wird mit dem Wörtchen „durch“ genannt, weil er beim ganzen Erlösungsgeschehen der Mittler des Neuen Bundes ist. Die Ewigkeitsformel besteht wie immer aus der Wendung „in Ewigkeit! Amen“, wobei sie die Kurzform der ausführlichen Variante „von Ewigkeit zu Ewigkeit“ darstellt. Paulus endet mit dem Lobpreis, weil seine Briefe Bekenntnisse und Glaubenszeugnisse sind. Er sagt selbst am Ende des ersten Thessalonicherbriefes, dass die Christen ohne Unterlass beten müssen. Selbst seine Kommunikation stellt ein Gebet dar. Alles ist eingefasst in den Lobpreis Gottes.

Ps 145
2 Jeden Tag will ich dich preisen und deinen Namen loben auf immer und ewig.
3 Groß ist der HERR und hoch zu loben, unerforschlich ist seine Größe.
4 Geschlecht um Geschlecht rühme deine Werke, deine machtvollen Taten sollen sie künden.
5 Den herrlichen Glanz deiner Hoheit und deine Wundertaten will ich besingen.
10 Danken sollen dir, HERR, all deine Werke, deine Frommen sollen dich preisen.

11 Von der Herrlichkeit deines Königtums sollen sie reden, von deiner Macht sollen sie sprechen,

Als Antwort beten wir Ps 145. Er stellt den Abschluss des fünften Psalmenbuches dar. Er beginnt wie so oft mit einer Selbstaufforderung zum Lob, das täglich erfolgen soll „auf immer und ewig.“ Es ist ein Gelübde, das ewig anhalten soll, denn Gottes Güte, Huld und Treue sind es ja auch.
„Groß ist der HERR und hoch zu loben, unerforschlich ist seine Größe.“ Gott ist wirklich groß. Er hat die Macht, alles mit seinem Volk anzustellen. Er ist zugleich der absolut Gute. Deshalb dient alles, was er tatsächlich mit seinem Volk tut, dessen Heil. Deshalb kann es auch nicht anders, als zu jeder Zeit, in jeder Generation („Geschlecht um Geschlecht“) diese Taten zu rühmen, statt sie zu beklagen. Sie sollen auch immer darüber sprechen, was ein missionarischer Aufruf ist. Was hier bereits beginnt, schließt sich mit Christi letzten Worten vor seiner Himmelfahrt. Gottes große Heilstaten sind so überwältigend, dass jeder davon erfahren muss.
Die Wundertaten Gottes sind gleichsam umhüllt von dem „herrlichen Glanz“ seiner „Hoheit“. Das ist eine sehr poetische Ausdrucksweise für die Herrlichkeit und Gnade Gottes. Sie ist so wunderbar, dass König David als Beter des Psalms sie besingen möchte.
Das beständige Erinnern an die Heilstaten Gottes wird das Volk immerzu dankbar sein lassen. Wer das Gute vergisst, ist auch nicht mehr dankbar dafür. Wer Gott aber nicht mehr dankbar ist, wird von seinen Wegen abrücken und sich den Götzen zuwenden.
Dann erfolgt wieder ein Aufruf zum Lobpreis bzw. Dank, der diesmal in dritter Person formuliert ist. Der Aufruf an die Frommen, ihn zu preisen, färbt den Psalm sehr liturgisch. Es ist ein Appell, hinter dem ursprünglich wohl wirklich ein liturgischer Kontext stand.
Es ist bemerkenswert, dass die Rede vom Königtum Gottes ist. Gott ist ein Herrscher und seine Königswürde ist Herrlichkeit. Das hebräische Wort כָּבוֹד kavod ist auch dasselbe, das für die Gegenwart Gottes im Tempel verwendet wird und das zum Gottesprädikat δόξα doxa wird – sowohl im griechischen AT als auch im NT. Die Herrlichkeit des Reiches Gottes macht auch Jesus zum Kern seiner Verkündigung. Und am Ende seines Wirkens, bevor er nämlich zum Vater zurückkehrt, trägt er seinen Jüngern auf, diese Herrlichkeit des Gottesreiches allen Menschen zu verkünden.

Lk 16
9 Ich sage euch: Macht euch Freunde mit dem ungerechten Mammon, damit ihr in die ewigen Wohnungen aufgenommen werdet, wenn es zu Ende geht!
10 Wer in den kleinsten Dingen zuverlässig ist, der ist es auch in den großen, und wer bei den kleinsten Dingen Unrecht tut, der tut es auch bei den großen.

11 Wenn ihr nun im Umgang mit dem ungerechten Mammon nicht zuverlässig gewesen seid, wer wird euch dann das wahre Gut anvertrauen? 12 Und wenn ihr im Umgang mit dem fremden Gut nicht zuverlässig gewesen seid, wer wird euch dann das Eure geben?
13 Kein Sklave kann zwei Herren dienen; er wird entweder den einen hassen und den andern lieben oder er wird zu dem einen halten und den andern verachten. Ihr könnt nicht Gott dienen und dem Mammon.
14 Das alles hörten auch die Pharisäer, die sehr am Geld hingen, und sie lachten über ihn.

15 Da sagte er zu ihnen: Ihr stellt euch selbst vor den Menschen als gerecht hin; aber Gott kennt eure Herzen. Denn was die Menschen für großartig halten, das ist vor Gott ein Gräuel.

Im Evangelium werden Jesu gestrige Worte weitergeführt, bei denen es um den rechten Umgang mit Besitz geht.
„Macht euch Freunde mit dem ungerechten Mammon“ meint, dass auch wenn Geld stinkt (wie gesagt ungerecht ist), man es instrumentalisieren muss zum Wohle des Reiches Gottes. Jesus möchte, dass die Jünger sich eine Scheibe abschneiden vom ungerechten und schlitzohrigen Verwalter des gestrigen Evangeliums. Sie sollen diese „Klugheit“ bei der Verwaltung seiner Güter an den Tag legen. Jesus traut den Geistlichen der Kirche zu, dass wenn er sie mit seinen geistlichen Vollmachten ausstattet, sie diese nach eigenem Ermessen verwalten können.
Und der Umgang mit dem Geld, das ja ein weltliches Gut ist, das zugleich aber für das Reich Gottes nützlich ist, soll die „Generalprobe“ einer richtigen Verwaltung darstellen. Wer schon nicht mit diesem weltlichen Gut verantwortungsvoll umgeht, kann umso weniger mit den übernatürlichen Gütern, den Heilsmitteln der Kirche, umgehen. Wer aber zuverlässig mit dem „ungerechten Mammon“ umgegangen ist, dem wird Gott das übernatürliche Gut nicht vorenthalten.
Zuverlässig verwalten tun jene den ungerechten Mammon, die ihr Herz daran nicht verlieren, der Habgier keine Chance gegeben und Gott an die erste Stelle gestellt haben. Man kann nicht zwei Herren dienen. Im Herzen ist nur Platz für einen – Gott oder den Mammon.
Jesus spricht über den rechten Umgang mit dem Geld, weil solche Menschen anwesend sind, auf die diese Worte besonders zutreffen. Die Pharisäer lachen nur über Jesu Worte, statt betroffen zu sein und in sich zu gehen.
Jesus sieht in ihre Herzen, die so voll sind vom ungerechten Mammon. So sagt er zu ihnen: „Gott kennt eure Herzen.“ Das müssen wir ganz an uns heranlassen. Lassen wir uns von diesen Worten auch heute ansprechen! Gott kennt auch unsere Herzen! Und wenn dort alles voll ist mit dem, was für ihn ein Gräuel ist, dann ist für ihn kein Platz mehr. „Was die Menschen für großartig halten“ meint dasselbe wie an anderer Stelle die Rede vom Schatz: „Denn wo dein Schatz ist, da ist auch dein Herz“. Gott ist aber ein eifersüchtiger Gott. Er möchte unsere ganze Liebe. Deshalb tut er alles, damit wir diese schädlichen Gräuel aus unseren Herzen verbannen. Er ist sogar Mensch geworden, um in Jesus Christus die Menschen direkt anzusprechen. Doch was tun die Angesprochenen? Sie lachen.

Gebe Gott uns, dass wir ihn nicht auslachen, wenn er uns anspricht, wenn er vielleicht durch andere Menschen zu uns vordringen möchte. Lassen wir uns von Gott belehren, denn er möchte unser Heil. Wie können wir seine Gnade und seinen Segen empfangen, wenn unser Herz voll von Gräuel ist? Geben wir vielmehr von Herzen jenen, die bedürftig sind. Hängen wir nicht an den irdischen Gütern, sondern gehen wir zuverlässig mit ihnen um. Bewahren wir unsere Herzen, damit der Platz ganz Gott zur Verfügung steht. So werden wir wirklich reich beschenkt und erhalten am Ende die Herrlichkeit des Himmels.

Ihre Magstrauss


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