32. Sonntag im Jahreskreis (B)

1 Kön 17,10-16; Ps 146,5-7.8-9b.9c-10; Hebr 9,24-28; Mk 12,38-44

1 Kön 17
10 Er machte sich auf und ging nach Sarepta. Als er an das Stadttor kam, traf er dort eine Witwe, die Holz auflas. Er bat sie: Bring mir in einem Gefäß ein wenig Wasser zum Trinken!
11 Als sie wegging, um es zu holen, rief er ihr nach: Bring mir auch einen Bissen Brot mit!
12 Doch sie sagte: So wahr der HERR, dein Gott, lebt: Ich habe nichts mehr vorrätig als eine Handvoll Mehl im Topf und ein wenig Öl im Krug. Ich lese hier ein paar Stücke Holz auf und gehe dann heim, um für mich und meinen Sohn etwas zuzubereiten. Das wollen wir noch essen und dann sterben.
13 Elija entgegnete ihr: Fürchte dich nicht! Geh heim und tu, was du gesagt hast! Nur mache zuerst für mich ein kleines Gebäck und bring es zu mir heraus! Danach kannst du für dich und deinen Sohn etwas zubereiten;
14 denn so spricht der HERR, der Gott Israels: Der Mehltopf wird nicht leer werden und der Ölkrug nicht versiegen bis zu dem Tag, an dem der HERR wieder Regen auf den Erdboden sendet.
15 Sie ging und tat, was Elija gesagt hatte. So hatte sie mit ihm und ihrem Haus viele Tage zu essen.
16 Der Mehltopf wurde nicht leer und der Ölkrug versiegte nicht, wie der HERR durch Elija versprochen hatte.

In der ersten Lesung des heutigen Sonntags hören wir von einer Episode des Propheten Elija. Er kommt nach Sarepta, einer phönizischen Stadt etwa 10 km südlich von Sidon. Dort trifft er eine Witwe beim Holzsammeln. Elija weiß schon im Vorfeld, dass er sie dort treffen wird, weil Gott ihm aufgetragen hat, wegen ihr nach Sarepta zu gehen. Wie es gang und gäbe ist, bittet er bei ihr um etwas zu trinken. Ein Prophet darf die Hilfe und Gastfreundschaft anderer in Anspruch nehmen, weil er aufgrund seiner Tätigkeit keiner eigenen Arbeit nachkommen kann und für sich Geld verdient. So sagt er zu der Witwe, dass sie ihm etwas Wasser, aber auch etwas Brot geben soll. Das Problem ist, dass diese Frau kaum etwas hat. Sie sammelt Holz, um ein letztes Mahl für sich und ihr Kind zuzubereiten, bevor sie vor Hunger sterben. Wie kann so etwas passieren? Witwen sind rechtlose Menschen im Alten Israel. Da sie keinen Mann mehr haben, der finanziell für sie sorgt, müssen sie sich selbst über Wasser halten. Deshalb leiden viele Witwen Not. Dazu kommt, dass Elija zuvor auf Anweisung Gottes den Himmel verschlossen hat und eine Dürre über das Land gekommen ist. Deshalb gibt es keine Erträge und auch in Sarepta bekommen es die Menschen zu spüren. Gott lässt diese Not zu, weil es die Konsequenz der Sünde Ahabs ist. Zugleich müssen nun die Unschuldigen leiden, weshalb Gott Elija zu der Witwe nach Sarepta schickt. Auch in der Not, die alle hineinzieht, möchte Gott für uns sorgen. Es ist auch interessant, wie er in das Gebiet Sidoniens geschickt wird, dem Gebiet, dass dem Schwiegervater Ahabs gehört. Umso mehr ist das kommende ein Zeichen der Barmherzigkeit Gottes.
Wie gesagt ist die Witwe im Begriff, die letzte Mahlzeit für sich und ihren Sohn zuzubereiten. Elija sagt ihr jedoch zu, dass sie keine Angst haben soll. Wenn sie nun so handelt, dass sie Gott den ersten Platz in ihrem Leben gibt und ganz auf ihn vertraut, dann wird er ihr genug zu essen geben. Er wird sie reich beschenken mit allen notwendigen Gaben. Das wird ausgedrückt durch den nie ausgehenden Mehltopf und Ölkrug. Diese werden ihr geschenkt werden, solange die Dürre anhält. Es zeigt uns, dass Gott nicht egal ist, ob Unschuldige an der Sünde eines anderen leiden müssen oder nicht. Gott tut es im Herzen weh, dass wir die ungerechte Macht der Sünde zu spüren bekommen müssen. Inmitten dieser Verworrenheit dank Ahabs Sünde wird den einzelnen Menschen wie der Witwe von Sarepta die Gnade geschenkt, zurechtzukommen und zu überleben.
Die Frau soll Gott die erste Stelle in ihrem Leben geben, was sich darin zeigt, dass sie dem Propheten Gottes die restlichen Zutaten widmet und ihm eine Mahlzeit daraus zubereitet. Es ist ein Sprung ins Nichts, ohne dass man das Sicherheitsnetz Gottes sieht. Es ist ein Vertrauensvorschuss, doch dieser wird sich allemal lohnen. Gott hält immer treu an seinen Versprechen fest.
Wir erfahren, dass sie das Abenteuer wagt, das eigentlich gegen unseren Verstand geht. Gott ist nicht irrational und fordert nicht Irrationales von uns, sondern er ist überrational. Er sieht, was wir noch gar nicht erahnen. Deshalb müssen wir ihm vertrauen. Die Witwe hat es getan und so wurden ihre Zutaten nie leer.
Diese Geschichte ist ein einziger Typos für die Eucharistie. So wie ihr Mehltopf und Ölkrug nie leergingen, so ist es mit der Eucharistie, unserem Himmelsbrot, das wir zum Überleben brauchen, insbesondere in Zeiten der Dürre. Wenn wir Gott die erste Stelle verleihen, wenn wir der Eucharistie den höchsten Stellenwert beimessen, dann werden auch wir beschenkt mit allem, was wir zum Überleben brauchen. Dann wird auch unser Topf nicht leergehen. Die Eucharistie ist eine Gabe, die nie zuende ist. Wo und wann auch immer ein Priester das hl. Messopfer begeht, da ist Christus real präsent, da lässt er sich von uns verzehren. Interessant auch, wie die Witwe zuerst Holz sammelt, um dieses Mahl zu bereiten. Auch der Herr hat sein Holz aufgelesen, das Holz des Kreuzes, um das Opfer darzubringen als Opfer und Hohepriester zugleich. All diese sakramentalen Überlegungen sind vorläufig, denn sie weisen über sich hinaus auf die Erfüllen der Ewigkeit: Dann wird das Festmahl ohne Ende sein und wir werden kein Holz mehr auflesen. Dann wird keine Dürre mehr sein. Bis dahin sammeln wir haufenweise Holz, indem wir den Kreuzweg in der Nachfolge Christi gehen. Wir bemühen uns, nicht zu verhungern in Zeiten der absoluten Dürre, die diese gefallene Schöpfung darstellt. Doch am Ende wird das Fest mit fetten Speisen serviert (Jes 25).

Ps 146
5 Selig, wer den Gott Jakobs als Hilfe hat, wer seine Hoffnung auf den HERRN, seinen Gott, setzt.

6 Er ist es, der Himmel und Erde erschafft, das Meer und alles, was in ihm ist. Er hält die Treue auf ewig. 
7 Recht schafft er den Unterdrückten, Brot gibt er den Hungernden, der HERR befreit die Gefangenen. 
8 Der HERR öffnet die Augen der Blinden, der HERR richtet auf die Gebeugten, der HERR liebt die Gerechten. 
9 Der HERR beschützt die Fremden, er hilft auf den Waisen und Witwen, doch den Weg der Frevler krümmt er. 
10 Der HERR ist König auf ewig, dein Gott, Zion, durch alle Geschlechter. Halleluja!

Der Psalm ist ein Lobpreis-Psalm, der das sogenannte Kleine Hallel einleitet. Für diese Psalmengruppe ist bezeichnend, dass die Psalmen durch Hallelujarufe eingerahmt werden. So beginnt der Psalm mit dem Hallelujaruf, was wir allerdings nicht mitbekommen. Unser heutiger Abschnitt ist erst ab Vers 5 entnommen. Das Thema lautet „Preislied an Gott, den Helfer der Armen“. Es ist eine passende Antwort auf die Situation der Lesung, in der die Witwe von Sarepta wirklich als Arme die Hilfe Gottes empfangen hat.
„Selig, wer den Gott Jakobs als Hilfe hat, wer seine Hoffnung auf den HERRN, seinen Gott, setzt“ – genau dies hat die Witwe von Sarepta getan. Sie hat ihren gesamten Lebensunterhalt in Nahrungsform dem Herrn gegeben. Es ist ein großer und ehrenvoller Dienst, einen Propheten zu versorgen. Auf diese Weise hat man Teil an seinem Dienst. Diese Frau leidet schlimme Not und hat nicht mal für ihre Familie genug, doch Gott ist ihr wichtiger. Dies wird ihr zum Segen, denn wenn wir Gott alles schenken, uns ihm ganz hingeben, dann beschenkt er uns mit deutlich mehr, als wir gegeben haben. Das ist das Besondere an der Hingabe an unseren Gott, der ein Gott des Lebens ist, der immer im Überfluss gibt.
Gott ist der Schöpfer des ganzen Universums. Er ist es, „der Himmel und Erde erschafft, das Meer und alles, was in ihm ist.“ Die Aufteilung in Himmel, Erde und Meer ist typisch für lobpreisende Texte. Während die ersten beiden Begriffe eine vertikale Aufteilung der Erde vornehmen, handelt es sich bei dem Begriffspaar „Erde-Meer“ um eine horizontale Gliederung.
Gott ist nicht nur der Schöpfer, sondern auch der gerechte Richter, der schon zu Lebzeiten eingreift, um das Unrecht auszumerzen. Er ist es, der die Schöpfung auf diese Weise erhält. Er kümmert sich um die Unterdrückten, nährt die Geschöpfe und befreit die Gefangenen. Das können wir auf wörtliche Weise verstehen, aber auch im übertragenen Sinne. Er ist es, der die Menschen auch übernatürlich nährt durch die Heilsmittel der Kirche, durch den Hl. Geist, durch die Taufgnade, die jedem Christen eingegossen worden ist. Er befreit auch jene, die entweder psychisch gefangen sind oder eine seelische Belastung erleiden durch Be- oder Umsessenheit. Die vielen Exorzismen Jesu sind in diesem Zusammenhang zu nennen. Historisch-wörtlich ist es zunächst auf die Israeliten zu beziehen, die aus Ägypten und Jahrhunderte später aus der babylonischen Gefangenschaft befreit werden. Es ist aber auch allegorisch weiterzudenken. Dann ist es die Befreiung aus dem Exil Adams und Evas außerhalb des Paradieses, also die Befreiung von dem Fluch der Erbsünde dank Jesu Erlösungstat. Es meint auch die Befreiung aus dem Zustand der Sünde zurück in den Stand der Gnade durch das Beichtsakrament und es meint nach dem Tod das Eingehen in das himmlische Jerusalem und die Befreiung von den Leiden des irdischen Daseins. Am Ende der Zeiten steht sogar die Befreiung vom Tod, wenn Gott einen neuen Himmel und eine neue Erde schaffen wird.
Zu Jesu Heilstaten gehört auch, dass Blinde wieder sehen (Vers 8). Jesus als erwarteter Messias hat die von Jesaja angekündigten Heilstaten vollbracht. Gott kümmert sich wirklich um seine Geschöpfe. Er heilt auch die soziale Ebene des Menschen: Er hilft Witwen und Waisen auf, die im Alten Israel rechtlos sind. Ein Beispiel dafür haben wir bereits in der ersten Lesung gehört. Jesus beschützt die Fremden, die keinen Schutz genießen. Auch wenn nicht eins zu eins dieselben Heilstaten dann im NT aufgegriffen werden, wird den schriftkundigen Juden, die mit den Psalmen ganz vertraut waren, dieser entscheidende Punkt aufgegangen sein: All diese Dinge gehen auf Gott zurück! Jesus ist nicht einfach nur ein Mensch, sondern er ist Gott!
Wenn es dann heißt: „Der HERR ist König auf ewig“, dann ist das absolut tröstlich. Wir können uns freuen, dass Gottes Gerechtigkeit über alles siegen wird. Gott herrscht schon längst, aber seine Herrschaft wird noch offenbar werden.

Hebr 9
24 Denn Christus ist nicht in ein von Menschenhand gemachtes Heiligtum hineingegangen, in ein Abbild des wirklichen, sondern in den Himmel selbst, um jetzt vor Gottes Angesicht zu erscheinen für uns;

25 auch nicht, um sich selbst viele Male zu opfern, wie der Hohepriester jedes Jahr mit fremdem Blut in das Heiligtum hineingeht;
26 sonst hätte er viele Male seit der Erschaffung der Welt leiden müssen. Jetzt aber ist er am Ende der Zeiten ein einziges Mal erschienen, um durch sein Opfer die Sünde zu tilgen.
27 Und wie es dem Menschen bestimmt ist, ein einziges Mal zu sterben, worauf dann das Gericht folgt,
28 so wurde auch Christus ein einziges Mal geopfert, um die Sünden vieler hinwegzunehmen; beim zweiten Mal wird er nicht wegen der Sünde erscheinen, sondern um die zu retten, die ihn erwarten.

In der zweiten Lesung hören wir wieder aus dem Hebräerbrief. Diesmal ist ein Abschnitt entnommen, der Christus als Mittler des Neuen Bundes betrachtet. Es werden zuvor viele Überlegungen über den Alten Bund angestellt, unter anderem wie der Tempel aufgebaut war und wie die Sühnung der Sünden des Volkes und des Hohepriesters an Jom Kippur, dem Versöhnungstag zu verstehen sind. Davon ausgehend wird erklärt, wie ein Bundesschluss schon im Alten Testament läuft und dass dieser immer mit der Vergießung von Blut einhergeht. Immer wenn im Alten Testament ein Bund geschlossen wird, wird ein Opfer dargebracht, das Versöhnung schenkt. Auch bei dem neuen Bundesschluss ist dies geschehen, nämlich durch das Blut des Opfers Christi. Das geschieht auch am Versöhnungstag, bei dem der Hohepriester das Blut von zwei Opfertieren auf die Bundesplatte spritzt und einen Teil auf das gesamte Volk. Es ist aber nicht einfach nur eine Analogie herzustellen zwischen dem Alten und dem Neuen Bund, der Versöhnung im Kult Israels und der Versöhnung des neuen Gottesvolkes. Vielmehr überbietet Christus die Opfer des Alten Bundes: Wir hören davon, dass dies der Fall ist unter anderem deshalb, weil Christus in ein ganz andere Heiligtum eingegangen ist. Es ist nicht mehr ein von Menschen angefertigter Tempel mit einem Bereich, den wir das Allerheiligste nennen, sondern Christus geht ein in das Heiligtum Gottes. Das ist ja das Original, dessen Abbild die irdische Liturgie ist und dessen Schatten der Tempel von Jerusalem ist.
Christus tritt vor Gottes Angesicht als Hohepriester, um uns zu rechtfertigen, und zwar unverhüllt. Er selbst ist von seiner hohepriesterlichen Identität auch viel wirksamer als ein einfacher menschlicher und sündiger Hohepriester. Das haben wir die letzten Wochen betrachtet.
Sein Opfer, das er darbringt, ist so wirksam, dass es einmal für alle Zeiten geschehen ist. Er muss nicht wie der Hohepriester des Alten Bundes jedes Jahr an Jom Kippur dieselbe Prozedur wiederholen und auch die täglichen Opfer darbringen, sondern musste es nur einmal tun. Er hat sein eigenes Blut vergossen im Gegensatz zu den Hohepriestern des Alten Bundes.
Interessant ist der Vergleich seiner Opferung mit der Einmaligkeit des Todes des Menschen. Wir leben nur einmal, das ist eine klare Schriftstelle gegen Reinkarnationsideen. Wir sterben einmalig und werden uns dann vor Gott verantworten müssen. So ist auch Jesus nur einmal gestorben, um unsere Sünden von uns zu nehmen. Wenn wir immer wieder die Eucharistie feiern, wird Christus nicht immer wieder ans Kreuz geschlagen, sondern das einmalige Geschehen wird in dem Moment in die Gegenwart geholt. Es ist das einmalige Ereignis, das vergegenwärtigt wird.
Und wenn er dann am Ende der Zeiten wiederkommt, wie wir auch in der Akklamation nach den Einsetzungsworten als Gemeinde beten: „Deinen Tod, oh Herr, verkünden wir und deine Auferstehung preisen wir, bis du kommst in Herrlichkeit“, dann wird er kommen, um uns zu retten, die wir bis zum Schluss auf ihn gewartet und an ihm treu festgehalten haben.
Er wird wiederkommen als Weltenrichter und jeder Mensch wird sich verantworten müssen, doch bedrohlich wird dieses Gericht für uns nicht sein, wenn wir uns immer stets bemüht haben, von Herzen.

Mk 12
38 Er lehrte sie und sagte: Nehmt euch in Acht vor den Schriftgelehrten! Sie gehen gern in langen Gewändern umher, lieben es, wenn man sie auf den Marktplätzen grüßt,
39 und sie wollen in der Synagoge die Ehrensitze und bei jedem Festmahl die Ehrenplätze haben.
40 Sie fressen die Häuser der Witwen auf und verrichten in ihrer Scheinheiligkeit lange Gebete. Umso härter wird das Urteil sein, das sie erwartet.
41 Als Jesus einmal dem Opferkasten gegenübersaß, sah er zu, wie die Leute Geld in den Kasten warfen. Viele Reiche kamen und gaben viel.
42 Da kam auch eine arme Witwe und warf zwei kleine Münzen hinein.
43 Er rief seine Jünger zu sich und sagte: Amen, ich sage euch: Diese arme Witwe hat mehr in den Opferkasten hineingeworfen als alle andern.
44 Denn sie alle haben nur etwas von ihrem Überfluss hineingeworfen; diese Frau aber, die kaum das Nötigste zum Leben hat, sie hat alles hergegeben, was sie besaß, ihren ganzen Lebensunterhalt.

Im heutigen Evangelium spricht Jesus gegen die Schriftgelehrten und ihr Fehlverhalten. Zugleich schließt sich der Kreis, der in Sarepta seinen Anfang nahm:
Das Problem der Schriftgelehrten ist ihre Ehrsucht. Sie tun alles nur, um gesehen und gelobt zu werden. Sie verlagern ihr ganzes Wirken auf das Äußere, Sichtbare und vernachlässigen das Innere komplett. Ihnen fehlt es komplett an Demut, denn sie wollen die Ehrenplätze, immerzu eine Bevorzugung. Statt wohltätig zu sein und die Nächstenliebe zu leben, nehmen die Schriftgelehrten sogar noch die armen und rechtlosen Menschen wie die Witwen aus. Was bringt es Gott, wenn sie lange Gebete verrichten, wenn diese weder aus dem Herzen gesprochen noch mit einem entsprechenden Lebenswandel einhergehen? Diese Heuchelei ist Gott zuwider.
Direkt im Anschluss hören wir eine weitere Episode, die das beobachtete Verhalten einer Witwe den Schriftgelehrten gegenüberstellt. Witwen und Waisen sind wie gesagt rechtlos. Es gibt keine Sozialversorgung, deshalb sind diese Personengruppen sehr arm und dem Tod ausgeliefert, wenn sie nicht die Wohltätigkeit ihrer barmherzigen Landsleute erfahren.
Diese Frau hat kaum etwas für sich, doch sie wirft ihren gesamten Lebensunterhalt in den Opferkasten im Tempelareal. Damit beweist sie ihre Liebe zu Gott und ihr großes Vertrauen auf seine gute Vorsehung. Gott sieht ihre große Aufrichtigkeit und dafür wird sie reichlich gesegnet. Wir wissen nicht, wie die Geschichte ausgeht, aber wir können uns vorstellen, dass Jesus ihr etwas gibt oder sie in den erweiterten Jüngerkreis aufnimmt.
Sie nimmt dieselbe Haltung ein wie die Witwe von Sarepta. Sie hat nichts und ist gleichsam dem Tod geweiht, doch sie gibt das bisschen, was sie hat ganz Gott. Diese Ganzhingabe ist Grund für die überreiche Gnade, die der Herr ihr zuteilwerden möchte.

Gott entgeht unsere Aufrichtigkeit nicht. Die Ganzhingabe ist es, die den Menschen so viel Segen verleiht. Gewiss hängt sie mit einem ordentlichen Vertrauensvorschuss zusammen, denn alles hinzugeben, ohne vorher zu wissen, ob man dafür belohnt wird, ist ein Sprung ins Ungewisse. Und doch dürfen wir alle Gott vertrauen, dass er unsere Aufrichtigkeit belohnen wird. So viele haben es uns doch vorgemacht, was haben wir also zu verlieren? Schneiden wir uns eine Scheibe von diesen großartigen Frauen ab. Wir müssen natürlich schauen, wie unsere konkrete Lebenssituation ist. Wir können vielleicht nicht unser gesamtes Vermögen hergeben, weil wir etwas davon für unsere Kinder etc. brauchen. Aber Ganzhingabe kann ganz unterschiedlich aussehen. Wichtig ist, dass wir uns Gott ganz hingeben, auch über unsere Komfortzone hinaus. Als ob das angenehm für die Witwen war! Aber sie haben es dennoch getan. Als ob es einfach für die Jünger war, alles zurückzulassen. Und doch hat Gott sie mehr als nur für dieses Opfer entschädigt. Auch wir dürfen ihm unser ganzes Leben hingeben, gleichsam als Liebesopfer darbringen. Dafür wird er uns überschütten mit seinen Gnaden. Ganz nach dem Motto: Give all, get more.

Ihre Magstrauss

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