33. Sonntag im Jahreskreis (B)

Dan 12,1-3; Ps 16,5 u. 8.9-10.2 u. 11; Hebr 10,11-14.18; Mk 13,24-32

Dan 12
1 In jener Zeit tritt Michael auf, der große Fürst, der für die Söhne deines Volkes eintritt. Dann kommt eine Zeit der Not, wie noch keine da war, seit es Völker gibt, bis zu jener Zeit. Doch zu jener Zeit wird dein Volk gerettet, jeder, der im Buch verzeichnet ist.

2 Von denen, die im Land des Staubes schlafen, werden viele erwachen, die einen zum ewigen Leben, die anderen zur Schmach, zu ewigem Abscheu.
3 Die Verständigen werden glänzen wie der Glanz der Himmelsfeste und die Männer, die viele zum rechten Tun geführt haben, wie die Sterne für immer und ewig.

In der ersten Lesung des kommenden Sonntags hören wir einen Ausschnitt aus dem Danielbuch, einem sehr apokalyptischen Text, der zum Ende des Kirchenjahres sehr gut passt. Es geht um den Erzengel Michael, dessen Name „wer ist wie Gott“ lautet. Er fasst zusammen, wofür er vor allem bekannt ist – für seinen Kampf gegen den Widersacher Gottes, der wie Gott sein wollte.
Dass überhaupt die Rede von Engeln bei der Endzeit ist, ist sehr bezeichnend für die apokalyptischen Texte des Alten und Neuen Testaments. Immer wieder wird gesagt, dass die Engel in der Endzeit eine wichtige Rolle spielen. Sie helfen bei der Sammlung der Menschen und bei der Zurücksetzung der Schöpfung. Hier hören wir davon, dass der größte Engel in der Zeit der Bedrängnis mitwirkt – er ist ein großer Fürst, was auf seine Hierarchie innerhalb der Engelwelt anspielt. Er tritt ein für die Söhne Israels, die mit „Söhne deines Volkes“ gemeint sind. Das tut er, indem er sie beschützt vor den besonders starken Angriffen des Bösen am Ende. Das ist für uns sehr wichtig und nicht zu ignorieren. Nicht umsonst hat Gott Papst Leo XIII eine Vision geschenkt, in der er sehr schlimmes gesehen hat. Aufgrund dessen hat er ja das Michaelsgebet für alle Katholiken verbindlich gemacht, das am Ende der Messe immer gebetet werden sollte: Heiliger Erzengel Michael, verteidige uns im Kampfe gegen die Bosheit und die Nachstellungen des Teufels. Sei unser Schutz!…“ Leider verpflichtet man heutzutage nicht mehr dazu, obwohl wir in dieser schweren Zeit der Angriffe umso mehr den Schutz des hl. Erzengels beanspruchen sollten.
Bis zur endgültigen Wiederkunft Christi muss das Volk Gottes viel erleiden und wir sehen dies jetzt insbesondere in einer Zeit der Christenverfolgung, die so schlimm ist wie noch nie zuvor. Bei solchen apokalyptischen Texten müssen wir immer bedenken, dass sie einerseits schon in der Gegenwart relevant sind, andererseits futurische Bedeutung haben. Weil Geschichte sich wiederholt und die Menschen dieselben Fehler wiederholt begehen, kann man diese Texte immer wieder auf eine Zeit hin beziehen. Damals hat man es z.B. auf die Zeit des Antiochos bezogen, später auf die Römer, heute könnten wir es auf die antichristlichen Regime unserer Zeit beziehen. Das alles sind dennoch nur Ansätze von dem, was dann auf umfassende Weise geschehen wird. Das wird alles Bisherige noch in den Schatten stellen.
Uns ist es ein Trost, dass Gott uns beistehen und uns retten wird. Wir müssen standhaft bleiben und ihm treu sein bis in den Tod. Dann werden auch wir im Buch verzeichnet sein. Gemeint ist das Buch des Lebens, in dem unsere Namen verzeichnet sind. Unser Ziel ist es, darin verzeichnet zu sein und ins Gottesreich zu gelangen. Das Buch als Bild ist in apokalyptischen Texten geläufig. Es gibt das Buch des Lebens sowie die Bücher mit unseren Taten. Beides spielt auch in der Johannesoffenbarung eine Rolle.
Wenn das Ende der Zeiten kommt, dann wird es eine leibliche Auferstehung geben. Die Schlafenden im „Land des Staubes“ werden entweder zum Leben oder zum ewigen Tod auferstehen. Es wird eine Vereinigung ihrer Seelen mit ihren Leibern kommen und sie werden auf ewig bei Gott sein oder ewig verdammt. Wer zum ewigen Leben auferstehen wird, wird glänzen im Glanz der Herrlichkeit wie die Sterne des Himmels. Es wird ein ewiges Sein in der Gegenwart Gottes sein, der voller Licht ist.

Ps 16
5 Der HERR ist mein Erbanteil, er reicht mir den Becher, du bist es, der mein Los hält.
8 Ich habe mir den HERRN beständig vor Augen gestellt, weil er zu meiner Rechten ist, wanke ich nicht.
9 Darum freut sich mein Herz und jubelt meine Ehre, auch mein Fleisch wird wohnen in Sicherheit.

10 Denn du überlässt mein Leben nicht der Totenwelt; du lässt deinen Frommen die Grube nicht schauen.
2 Ich sagte zum HERRN: Mein Herr bist du, mein ganzes Glück bist du allein.
11 Du lässt mich den Weg des Lebens erkennen.
 Freude in Fülle vor deinem Angesicht, Wonnen in deiner Rechten für alle Zeit.

Als Antwort beten wir einen vertrauensvollen Psalm. Es ist gleichsam ein Gebet jener, die in der großen Bedrängnis zum Ende der Zeiten hin leiden müssen und trotz der Widerstände an Gott festhalten wollen. Er ist treu und stellt das ewige Heil in Aussicht.
Gott schenkt Freude. Das wird durch das Bild des Bechers ausgedrückt. Der Psalmist drückt sein Vertrauen auf Gott aus, das er die ganze Zeit nicht verloren hat. Der Psalm ist von König David, von dem wir sehr viele Situationen kennenlernen. So oft stand sein Leben auf der Kippe, doch weil er sich dann ganz an Gott geklammert hat, hat dieser ihn auch aus den Nöten herausgeführt. Er ist den Christen der Endzeit darin ein großes Vorbild, deren Leben ja in vielerlei Hinsicht ebenfalls auf der Kippe steht, nicht einfach nur biologisch, sondern gerade auch geistlich.
Auch Christus hat ein großes Vertrauensverhältnis zum Vater gezeigt. Er, dessen Leben komplett auf der Kippe stand, dessen Leben wie das eines Verbrechers weggeworfen wurde! Jesus hat bis zum letzten Atemzug dieses Vertrauen auf den Vater aufrechterhalten.
Gott ist Davids Erbanteil – er versteht, dass die ganze Verheißung des Landes und eines Lebens in Fülle von Gott kommt. Er ist es, der Freude schenken kann und das Los jedes Menschen in Händen hält. Und eben dies hat Christus intensiviert auf einem Niveau, an das kein Mensch heranreicht. Die Freude, die er auch noch am Kreuz nicht verliert (es meint keine Emotion, sondern eine tiefe Gewissheit, dass am Ende alles gut wird), ist ein absolutes Vorbild für alle Leidenden. Der Vater hat ihm den Becher gereicht – nach dem bitteren Kelch kam der Freudenwein, der bis heute gefüllt wird in jeder Heiligen Messe! Damit verbunden ist der Erbanteil für das Reich Gottes, der jedem getauften Christen zugeteilt wird. Der Wein wird auf vollkommene Weise ausgegossen am Ende der Zeiten, wenn die Hochzeit des Lammes kommt. Dann wird eine ewige Freude sein, die nie mehr enden wird! Dann wird der Wein niemals ausgehen wie bei der Hochzeit zu Kana.
David hat den HERRN beständig vor Augen, dieser ist zu seiner Rechten. Diese Worte weisen über ihn hinaus auf den Messias, der nun wirklich nach seinem Tod, seiner Auferstehung und Himmelfahrt den Vater beständig vor Augen hat! Er ist zu seiner Rechten, wie wir im Glaubensbekenntnis beten.
Jesus ist der erste der neuen Schöpfung, der sich freuen kann, ewig beim Herrn zu sein. Ihm werden wir es gleichtun, wenn wir bis zum Schluss standhaft geblieben sind und von Gott heimgeholt werden in die himmlische Heimat. Dann wird auch unser Herz sich ewig freuen. Und am Ende der Zeiten wird auch mein und unser Fleisch in Sicherheit wohnen, wenn die Seele sich mit ihm wieder vereinen wird. Dann werden wir mit unserem ganzen Dasein bei Gott sein so wie Jesus und auch Maria.
Es ist zutiefst messianisch, dass es heißt, dass die Gläubigen die Grube nicht schauen werden. Christus hat uns das ewige Leben ermöglicht und jene mit zum Vater genommen, die auf seine Erlösung gewartet haben. So wie er die Gerechten des Alten Testaments mitgenommen hat, so wird er uns zum Vater führen nach unserem biologischen Tod. Und am Ende der Zeiten wird er uns als geeinte Menschen in die himmlische Heimat führen.
Wir müssen unsere ganze Hoffnung auf ihn setzen und dürfen nicht von Menschen erwarten, dass sie uns glücklich machen. Früher oder später werden wir enttäuscht werden, weil sie schwache Wesen sind. Gott ist der wirklich immer Treue, der seine Versprechen immer hält, der immer für uns da ist. Er hat keine Grenzen der Liebe wie der Mensch. Seine Liebe ist eine reine Liebe ohne Eigennutz und Selbstsucht. Die Liebe des Menschen ist vielfach korrumpiert. Deshalb ist Gott wirklich unser ganzes Glück allein, was nicht heißt, dass wir uns nicht auf Menschen verlassen dürfen. Bei ihm dürfen wir das nur immer ganz vollkommen tun.
Gott zeigt uns den Weg des Lebens auf, einen steinigen Weg, der zwischenzeitlich mit vielen Tränen gepflastert ist. Doch am Ende erwartet uns wirklich die ewige Freude des Himmelreichs. Gott hat durch die Propheten des Alten Testaments und schließlich durch seinen eigenen Sohn den „Weg des Lebens“ aufgezeigt – die Lebensweise, die ein Leben nach dem Tod ermöglicht. Wie viele Tränen, wie viel Blutschweiß, Todesangst und Blutvergießen musste Christus durchmachen, um uns diesen Weg des Lebens zu ermöglichen! Wir dürfen davon profitieren, auch wenn wir hinter ihm hergehen mit unserem eigenen Kreuz auf dem Rücken. Das ist es wert.

Hebr 10
11 Und jeder Priester steht Tag für Tag da, versieht seinen Dienst und bringt viele Male die gleichen Opfer dar, die doch niemals Sünden wegnehmen können.

12 Dieser aber hat nur ein einziges Opfer für die Sünden dargebracht und sich dann für immer zur Rechten Gottes gesetzt;
13 seitdem wartet er, bis seine Feinde ihm als Schemel unter die Füße gelegt werden.
14 Denn durch ein einziges Opfer hat er die, die geheiligt werden, für immer zur Vollendung geführt.
18 Wo also die Sünden vergeben sind, da gibt es kein Opfer für die Sünden mehr.

In der heutigen Lesung hören wir wieder aus dem Hebräerbrief. Das Thema des gehörten Abschnitts ist die endgültige Wirkung des Opfers Jesu Christi im Gegensatz zu den Opfern des Alten Bundes. Dieser Gedanke kam bereits in den letzten Wochen vor und wird heute vertieft.
So wird zunächst erklärt, wie die Priester des Alten Bundes ihren Dienst Tag für Tag versehen mussten, immer wieder die gleichen Tiere schlachten mussten und „doch niemals Sünden wegnehmen“ konnten. In gewisser Weise wirkten sie sicherlich sühnend, sonst hätte Gott dem Mose die ganzen Kultvorschriften nicht gemacht. Und doch ist es nicht vergleichbar mit dem, was Christus durch die Selbsthingabe am Kreuz erwirkt hat: die Erlösung! Diese konnte kein Tieropfer erlangen, sonst wäre die Menschheit schon viel früher erlöst worden und es hätte den Neuen Bund gar nicht benötigt. An dieser Stelle sei herauszustellen, was für die gesamte Rede im Hebräerbrief sowie im Neuen Testament zu beobachten ist: Im Griechischen werden zwei unterschiedliche Begriffe für Priester verwendet. Das ist wichtig für uns, weil wir im Deutschen nur ein Wort haben. Dies verleitet jene zu einer ideologischen Umformung des biblischen Priesterverständnisses, die das Priestertum für alle öffnen möchten. Dann wird das gemeinsame Priestertum aller Getauften, das mit dem Begriff des hierateuma wiedergegeben wird, als Legitimation herangezogen, obwohl geweihte Priester mit dem Begriff presbyteros bezeichnet werden. Es handelt sich auch um zwei unterschiedliche Sakramente. Wenn Christus hier als Priester mit den Priestern des Alten Bundes verglichen wird, wird im Griechischen nicht der Presbyteros-Begriff gewählt, sondern hiereus bwz. archiereus (Hohepriester). Dies wiederum ist die griechische Übersetzung des hebräischen Wortes kohen. Was wir daraus lernen: Die Priester des Neuen Bundes sind nicht jene, die etwas aus sich selbst heraus bewirken. Nicht der Priester am Altar wandelt die Gaben von Brot und Wein in den Leib und das Blut Jesu Christi, sondern der eine wahre Hohepriester Jesus Christus. Er ist es, der das Entscheidende tut. Deshalb ist kein menschlich gemachter Gottesdienst, kein Wortgottesdienst, keine Katechesestunde, keine Auslegung oder sonstiger Gottesdienst vergleichbar mit der Hl. Messe. Denn in der Eucharistie ist es Gott selbst, der das Entscheidende tut. Der Priester handelt am Altar in persona Christi. Er leiht ihm die Hände, er leiht ihm seine Stimme, um die Wandlungsworte zu sprechen, den Geist auf die Gaben herabzurufen, die Hände aufzulegen. Dass Jesus dies durch sie tun möchte, sehen wir an seiner Bevollmächtigung der Apostel, die diese Vollmacht ihren Nachfolgern übertragen haben und diese wiederum ihren Nachfolgern etc.
Der Hebräerbrief betont, dass Christus sich nur einmal geopfert hat. Es ist nicht so, dass in der Liturgie Christus immer wieder neu ans Kreuz geschlagen wird, was ein protestantischer Einwand ist. Er ist einmal gestorben und hat sich zur Rechten des Vaters gesetzt. Er „wartet“, was sich auf die jetzige Zeit der Kirche bezieht, die auf die Wiederkunft Christi wartet. So warten beide, bis der heilsgeschichtliche Schlussstrich gezogen wird. Dann wird der Vater dem Sohn seine Feinde als Schemel unter die Füße setzen, wie es Ps 110 ausdrückt. Am Ende der Zeiten wird der Böse, dem jetzt noch Handlungsspielraum zugestanden wird, endgültig entmachtet. Dann setzt sich die Gottesherrschaft gänzlich durch und wird allen offenbar werden.
Dieses endgültige Opfer, das Christus am Kreuz dargebracht hat, bewirkt die Heiligung aller Menschen gestern, heute und morgen. Diese werden vollendet werden, wenn dann das Ende der Zeiten gekommen ist. Das heißt, dass sie ins Gottesreich eingehen, gleichsam das Erbe antreten werden, das ihnen in der Taufe zugesichert worden ist.
Nach der Taufe muss kein anderes Opfer als das eine Opfer Jesu Christi dargebracht werden. Alles andere wäre eine Infragestellung der Allmacht Gottes. Dies bedeutet nicht, dass wir keine Eucharistie mehr mitfeiern müssen, in der dieses Opfer vergegenwärtigt wird und wir unseren Bund erneuern, sondern dass wir zusätzlich keine Tiere als Sündopfer mehr brauchen. Christi eines Opfer wird ja in jeder Messe vergegenwärtigt, damit wir seine Liebe nie vergessen. Wir tun es zu seinem Gedächtnis und um uns ganz mit ihm zu vereinen. Er löst sein Versprechen ein, immer bei uns zu sein bis zum Ende der Welt, denn er ist real gegenwärtig in der Eucharistie. Wieso sollte ein Tier dieses makellose und allwirksame Opfer des Sohnes Gottes noch ergänzen? Er ist jetzt schon sakramental bei uns. Am Ende der Zeiten wird der sakramentale Schleier weggenommen, sodass wir ihn unverhüllt schauen werden.

Mk 13
24 Aber in jenen Tagen, nach jener Drangsal, wird die Sonne verfinstert werden und der Mond wird nicht mehr scheinen;

25 die Sterne werden vom Himmel fallen und die Kräfte des Himmels werden erschüttert werden.
26 Dann wird man den Menschensohn in Wolken kommen sehen, mit großer Kraft und Herrlichkeit.
27 Und er wird die Engel aussenden und die von ihm Auserwählten aus allen vier Windrichtungen zusammenführen, vom Ende der Erde bis zum Ende des Himmels.
28 Lernt etwas aus dem Vergleich mit dem Feigenbaum! Sobald seine Zweige saftig werden und Blätter treiben, erkennt ihr, dass der Sommer nahe ist.

29 So erkennt auch ihr, wenn ihr das geschehen seht, dass er nahe vor der Tür ist.
30 Amen, ich sage euch: Diese Generation wird nicht vergehen, bis das alles geschieht.
31 Himmel und Erde werden vergehen, aber meine Worte werden nicht vergehen.
32 Doch jenen Tag und jene Stunde kennt niemand, auch nicht die Engel im Himmel, nicht einmal der Sohn, sondern nur der Vater.

Jesus hält im Evangelium eine apokalyptische Rede, bei der er über das Weltende spricht. Viele Aspekte der bisherigen Lesungen werden hier aufgegriffen. So hören wir davon, dass am Ende Gottes Schöpfungsvorgang sozusagen rückgängig gemacht wird. Die Himmelskörper werden nicht mehr leuchten und vom Himmel weggenommen werden. Das wird ein sichtbares Zeichen für alle Menschen darstellen, dass das Ende der Welt gekommen ist. Dann wird Christus in Macht und Herrlichkeit wiederkommen, wie er in den Himmel aufgefahren ist – auf einer Wolke. Dies ist nicht einfach ein banales Bild, sondern die Wolke ist ein Theophaniezeichen. Es markiert die Gegenwart Gottes. Wenn Christus wiederkommt, wird er nicht mehr entäußert sein, sondern in seiner Verklärung. Seine Gottheit wird nicht mehr verborgen sein. Alle werden mitbekommen, dass er wiederkommt und mit ihm das End der Welt einsetzt. Keiner wird es verpassen, weshalb adventistische Konzepte mit einer geheimen oder verborgenen Wiederkunft Christi unbiblisch sind. Wenn diese Zeit gekommen ist, werden ihm die Engel bei der Sammlung aller Menschen zum Weltgericht helfen.
Jesus erklärt im weiteren Verlauf, dass es Vorzeichen gibt, anhand derer die Jünger sich auf das Ende der Zeiten einstellen können. Er erklärt dies anhand eines Gleichnisses: Sie sollen den Feigenbaum betrachten. Das ist typisch für die Weisheitstradition: wichtige Dinge, vor allem ethischer Art, anhand von Naturphänomenen zu erklären.
Wenn man an dem Feigenbaum saftige Zweige und treibende Blätter sieht, weiß man, dass der Sommer bald kommt. So gibt es Anzeichen dafür, dass das Gottesreich bald kommt, gleichsam nahe vor der Tür steht.
Warum aber der Feigenbaum? Das Besondere ist, dass die meisten Bäume im Hl. Land das ganze Jahr hindurch Blätter tragen. Der Feigenbaum aber verliert sein Laub. Deshalb kann man an ihm ablesen, wenn sich also neue Blätter bilden. Es ist auch besonders, dass die Zeitspanne zwischen Sommer und Winter sehr kurz ist. So kann Jesus wirklich sagen, dass der Sommer sehr nahe bevorsteht, sobald man Blätteransatz am Feigenbaum erkennt. Mithilfe dieser Baumart kann Jesus die absolute Naherwartung des Gottesreiches also am besten umschreiben.
Jesus tut hier aber nichts absolut Neues. Die Messung der Jahreszeiten durch den Zustand des Feigenbaums kommt aus der rabbinischen Tradition. Seine Jünger kennen diesen Vergleich also bereits.
Jesus schließt ganz feierlich mit einem Amen-Wort: „Diese Generation wird nicht vergehen, bis das alles geschieht.“ Was ist mit „Generation“ gemeint? Wir sehen ja, dass diese Angesprochenen bereits seit mehreren Jahrtausenden tot sind. Das griechische Wort γενεὰ  genea hat verschiedene Bedeutungen und muss nicht ausschließlich mit „Generation“ übersetzt werden. Es kann auch eine ganze Familie oder Gemeinschaft meinen, ja sogar eine Art von etwas. Man kann es auch temporal verstehen und gerade hier im apokalyptischen Kontext ergibt es Sinn, mit genea ein bestimmtes Zeitalter zu begreifen. Dieses Zeitalter wird also nicht vergehen, bis das alles geschieht. Welches Zeitalter gemeint ist, wird genauer in der Johannesoffenbarung erklärt. Es geht um die Zeit der Kirche, des angebrochenen Gottesreiches, in dem Christus wirkt – die tausend Jahre bis zum ultimativen Ende. In diese Zeit hinein wird also das Ende der Zeiten hineinfallen. Das meint Jesus mit der Aussage.
Himmel und Erde werden vergehen. Das ist eine Vorstellung, die für die Jünger auch nicht neu ist. Es gibt bei den Juden diese apokalyptische Vorstellung, dass alles einmal zuende ist, Gott plötzlich in die Geschichte eingreift, alles in ein apokalyptisches Chaos stürzt, bevor Gott etwas Neues entstehen lässt. Davon hören wir auch im Danielbuch und auch Jesus hat so etwas am Anfang des Evangeliums gesagt. Auch wenn diese heftigen Veränderungen auf die Menschheit zukommen: Gottes Wort bleibt ein und dasselbe. Was Christus gesagt hat, ist die ewige Wahrheit. Diese steht fest für alle Zeiten und daran lässt sich nicht rütteln. Was Jesus vor allem versprochen hat, wird er treu halten: die Aussicht auf das ewige Leben für jene, die bis zum Schluss standhaft geblieben sind.
Zum Ende hin erklärt Jesus, dass keiner das Datum kennt, an dem all das geschehen wird. Er spricht diese Worte in seiner Menschheit, wenn es heißt, dass niemand das Ende der Zeiten kennt, nur der Vater. Er macht damit mehr als deutlich, dass keiner der Versuchung erliegen darf, Berechnungen und Spekulationen über das Weltende anzustellen. Das steht niemandem zu. Wenn nicht mal die Engel, die bei diesem Ereignis mithelfen werden, darüber bescheid wissen, wer sind wir sündige Menschen, dass wir es besser zu wissen meinen als sie?

Heute hören wir sehr viel über das Ende der Zeiten, weil wir am Ende des Kirchenjahrs angelangt sind. Dann wird es immer apokalyptisch. Diese Texte sind für uns wichtig, damit wir uns wieder neu ausrichten auf den Herrn, wieder unsere Beziehung zu ihm vertiefen, wachsam auf unsere Zeit schauen und uns noch entschiedener an ihn klammern. Wir brauchen diese Gedächtnisstütze, damit wir wieder nüchtern werden, wo wir vielleicht ein wenig vom Weltrausch beschwippst sind. Ein wenig klare Luft tut gut, damit wir wieder besser sehen und begreifen. Schließlich sind wir berufen zur Heiligkeit. Das muss uns wieder neu eingetrichtert werden, wo wir uns haben ablenken lassen. Bei allem dürfen wir vertrauensvoll in diese letzten Tage hineingehen. Gott ist treu und bleibt es auch dann, wenn Himmel und Erde vergehen.

Ihre Magstrauss

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