Donnerstag der 33. Woche im Jahreskreis

1 Makk 2,15-29; Ps 50,1-2.5-6.14-15; Lk 19,41-44

1 Makk 2
15 Da kamen die Beamten, die vom König den Auftrag hatten, die Einwohner zum Abfall von Gott zu zwingen, in die Stadt Modeïn, um die Opfer durchzuführen.

16 Und viele aus Israel kamen zu ihnen; auch Mattatias und seine Söhne versammelten sich dort.
17 Da wandten sich die Leute des Königs an Mattatias und sagten: Du besitzt in dieser Stadt Macht, Ansehen und Einfluss und hast die Unterstützung deiner Söhne und Verwandten.
18 Tritt also als Erster vor und tu, was der König angeordnet hat! So haben es alle Völker getan, auch die Männer in Juda und alle, die in Jerusalem geblieben sind. Dann wirst du mit deinen Söhnen zu den Freunden des Königs gehören; auch wird man dich und deine Söhne mit Silber, Gold und vielen Geschenken ehren.
19 Mattatias aber antwortete mit lauter Stimme: Auch wenn alle Völker im Bereich der Königsherrschaft dem König gehorchen und jedes von der Religion seiner Väter abfällt und sich für seine Anordnungen entscheidet –
20 ich, meine Söhne und meine Brüder bleiben beim Bund unserer Väter.
21 Gott bewahre uns davor, das Gesetz und seine Vorschriften zu verlassen.
22 Wir gehorchen den Befehlen des Königs nicht und wir weichen weder nach rechts noch nach links von unserer Religion ab.
23 Kaum hatte er das gesagt, da trat vor aller Augen ein Jude vor und wollte auf dem Altar von Modeïn opfern, wie es der König angeordnet hatte.
24 Als Mattatias das sah, packte ihn der Eifer; seine Nieren erzitterten und er ließ seinem gerechten Zorn freien Lauf: Er sprang vor und erstach den Abtrünnigen über dem Altar.
25 Zusammen mit ihm erschlug er auch den königlichen Beamten, der sie zum Opfer zwingen wollte, und riss den Altar nieder;
26 der Eifer für das Gesetz hatte ihn gepackt und er tat, was einst Pinhas mit Simri, dem Sohn des Salu, gemacht hatte.
27 Und Mattatias rief mit lauter Stimme in der Stadt: Wer sich für das Gesetz ereifert und zum Bund steht, der soll mir folgen.
28 Und er floh mit seinen Söhnen in die Berge; ihren ganzen Besitz ließen sie in der Stadt zurück.
29 Damals gingen viele, die Recht und Gerechtigkeit suchten, in die Wüste hinunter, um dort zu leben.

Heute hören wir einen Ausschnitt aus dem ersten Makkabäerbuch, in dem wieder beschrieben wird, wie der Götzendienst umgesetzt werden soll. Die Bewohner des Landes sollen gezwungen werden wie auch schon in den Texten der letzten zwei Tage beschrieben. Die Beamten des Königs haben dafür zu sorgen, dass der königliche Erlass überall umgesetzt wird. So kommen sie auch nach Modein, einem Ort 30 km westlich von Jerusalem. Dort versammeln sich die Bewohner, unter ihnen auch Mattathias, der Begründer der Hasmonäer, Befreiungskämpfer im Krieg gegen die Seleukiden und Priester. Weil er einen großen Einfluss besitzt, wird er dazu angehalten, als erstes zu opfern. Ihm wird in Aussicht gestellt, dass er ein Freund des Königs sein werde und es ihm gut gehen werde, wenn er sich fügt. Wie so oft wird er mit dem Grundsatz gelockt: Die anderen haben es auch gemacht.
Der Mann lässt sich jedoch nicht beirren. Seine ganze Sippe und er sind nicht bereit, von ihrem Glauben abzufallen, auch wenn es alle anderen tun. Er bekennt sich mutig zu seinem Gott.
Sobald er sich geoutet hat, tritt allerdings ein Jude vor und will das Götzenopfer vornehmen. In seinem Eifer gepackt ersticht er den Juden über dem Altar. Es heißt, dass seine Nieren erzitterten. Die Nieren sind nach dem Herzen das wichtigste Organ in der Bibel. Entweder werden sie verstanden als Sitz des Gewissens, weshalb solche Wendungen bestehen wie „auf Herz und Nieren prüfen“, oder als Sitz der Emotionen, weshalb auch hier die Nieren beim aufkochenden Zorn erzittern. Das beschriebene Ereignis befremdet uns. Jemanden umzubringen, damit er nicht sündigt, ist nach unserem Verständnis falsch. Radikalität bedeutet im Christentum nicht, für den Glauben zu töten, sondern für den Glauben zu sterben. Was Mattathias hier zeigt, ist ein Verhalten, das mit modernen Augen befremdlich erscheint, für seine Zeit aber eine angemessene Haltung. Wir müssen immer bedenken, dass das Texte sind, die nicht wertend, sondern erzählend sind und auch Spiegel ihrer Zeit.
Das ist erst der Anfang. Mattathias erschlägt sogar den Beamten und reißt den Altar nieder. Seine drastische Maßnahme wird mit einem vergangenen Ereignis in Verbindung gebracht: mit Pinhas, der im Numeribuch dasselbe mit Simri gemacht hat. Auch wenn das sehr abstoßend wirkt, lernen wir etwas daraus, wodurch wir Jesu Erlösungstat besser verstehen: Auf Sünde folgt der Tod. Sünde muss gesühnt werden – mit dem Tod. Um die Sünde der Welt auf sich zu nehmen und sie zu sühnen, hat Jesus sein Leben für uns hingegeben. Weil er das getan hat, muss kein Mensch dran glauben, wenn er gesündigt hat. Wir müssen nicht wie Mattathias jemanden umbringen. Das ist ohnehin eine Sünde gegen das fünfte Gebot. Jesus selbst wird heiligem Zorn den Tempel reinigen, jedoch wird es bei Jesus ein kategorial zu unterscheidender Zorn sein: Seine Nieren werden eben nicht erzittern, die Wut eben nicht unkontrolliert aufkochen, weil er ohne Sünde ist. Seine Emotionen sind in einem geordneten Zustand und ergreifen nicht einfach die Oberhand. Er wird es tun in der Tradition der hl. Schrift, als sogenannte prophetische Zeichenhandlung. Und zugleich wird er sich von allen Eiferungsbestrebungen distanzieren. Er wird eben nicht so handeln wie ein Zelot (zelotes=Eifer). Er wird zum Gegenbild des Barabbas und erklären, dass weil sein Königtum nicht von dieser Welt ist, auch der Kampf ein anderer sein wird. Dies werden wir am kommenden Christkönigssonntag betrachten.
Mattathias flieht mit seinen Söhnen in die Berge. Dass er beim König nun in Ungnade gefallen ist, ist klar. Viele, die das alles nicht mitmachen wollen, gehen in die Wüste.

Ps 50
1 Ein Psalm Asafs. Gott, ja Gott, der HERR, hat gesprochen, er rief die Erde vom Aufgang der Sonne bis zu ihrem Untergang.
2 Vom Zion her, der Krone der Schönheit, ging Gott auf in strahlendem Glanz.
5 Versammelt mir all meine Frommen, die den Bund mit mir schließen beim Opfer!
6 Da taten die Himmel seine Gerechtigkeit kund; weil Gott selbst der Richter ist.
14 Bring Gott ein Opfer des Dankes und erfülle dem Höchsten deine Gelübde!
15 Ruf mich am Tage der Not; dann rette ich dich und du wirst mich ehren.

Als Antwort beten wir Ps 50, der ein Asafpsalm ist. Gott hat gesprochen und seine Gnade geht aus vom Zion, nicht mehr nur vom Sinai. Die Frommen versammeln sich zur Liturgie. Wie diese auszusehen hat, ist dem Mose von Gott selbst erklärt worden. Warum ruft Gott die Menschen vom Aufgang bis zum Untergang zum Zion? Der Tempel als Ort der Anbetung Gottes und des Kultes ist auf dem Zion errichtet worden, nämlich in Jerusalem. Die Wendung „vom Aufgang der Sonne bis zu ihrem Untergang“ ist einerseits geographisch zu verstehen: Für die Himmelsrichtungen des Ostens und Westens wird diese Umschreibung gewählt, weil es nur ein Wort für beides gibt. So sollen die Menschen von Osten bis Westen nach Jerusalem kommen, um dem Herrn ein Opfer darzubringen. Zu den Wallfahrtsfesten geschieht dies tatsächlich, denn es leben viele Juden in der Diaspora oder eben nicht in unmittelbarer Nähe. Sie kommen von überall her zum Ort der Schechina Gottes, seiner Herrlichkeit im Tempel. Die Wendung von Auf- und Untergang der Sonne ist aber auch zeitlich zu verstehen: Gott soll rund um die Uhr gepriesen werden, es soll immer geopfert werden und der Lobpreis nie verstummen. Das ist die einzig angemessene Haltung des Menschen gegenüber Gott, der das Volk Israel mit so viel Heil und Segen überschüttet hat. Wir können diese Gedanken im vierfachen Schriftsinn weiterdenken und auf Christus sowie den Neuen Bund anwenden: Von überall her, das heißt aus allen möglichen Lebenslagen und Umständen, kommen Menschen zu Christus, zum Glauben an den einen wahren Gott, und lassen sich taufen. Von überall her kommen die Getauften, um das eine Opfer aller Zeiten darzubringen in der Eucharistie. Von überall her, das heißt von jeden Lebenslagen und Umständen, bekehren sich Menschen und kommen zurück in den Stand der Gnade, um den Herrn wieder in den inneren Tempel einzuladen. Von überall her werden die Menschen zum himmlischen Zion pilgern, um den Herrn zu schauen, wie er ist, und den ewigen Lobpreis des Himmels anzustimmen.
Schon jetzt richtet Gott den Menschen und reagiert auf das Unrecht der Welt. Doch am Ende der Zeiten wird das umfassend geschehen. Er richtet schon die Ägypter, weil sie sein auserwähltes Volk versklavt haben. Das wurde uns in den vergangenen Tagen berichtet.
Die Israeliten können derweil jubeln und aufatmen, weil Gott sie in die Freiheit geführt hat. Deshalb sind sie aufgerufen, ihr Leben voller Dank und Lobpreis zu verbringen. Ja, es soll ein einziges Dankopfer sein. So sollen auch wir Dankopfer bringen – das tun wir mit der Eucharistie und mit einem entsprechenden Leben nach den Geboten Gottes. Die Erfüllung der Gelübde betrifft uns als Getaufte, weil wir in einer Bundesbeziehung mit Gott leben. Mit der Taufe ist die Berufung zur Heiligkeit verknüpft.
„Ruf mich am Tage der Not; dann rette ich dich und du wirst mich ehren.“ Das bestätigt Jesus mit den Worten in Mt 7,7: „Bittet und es wird euch gegeben; sucht und ihr werdet finden; klopft an und es wird euch geöffnet!“ Wir dürfen ganz vertrauensvoll zu unserem Vater kommen, denn wer hilft in einer Familie nicht dem anderen! Gott ist ein barmherziger Vater, der gerne gibt, wenn wir ihm alles zutrauen.

Lk 19
41 Als er näher kam und die Stadt sah, weinte er über sie

42 und sagte: Wenn doch auch du an diesem Tag erkannt hättest, was Frieden bringt. Jetzt aber ist es vor deinen Augen verborgen.
43 Denn es werden Tage über dich kommen, in denen deine Feinde rings um dich einen Wall aufwerfen, dich einschließen und von allen Seiten bedrängen.
44 Sie werden dich und deine Kinder zerschmettern und keinen Stein in dir auf dem andern lassen, weil du die Zeit deiner Heimsuchung nicht erkannt hast.

Im Evangelium kommt nun etwas, das wir als absolut logisch begreifen müssen: Gerichtsrede. Das ewige Heil und das Gericht Gottes gehören untrennbar zusammen. Wenn nicht das Gericht vorausgeht, um die Guten von den Bösen zu scheiden, wie soll dann die reine Heiligkeit des Himmels möglich sein? Es gelangt keiner ins Himmelreich, wo ewige Freude und Gottesgegenwart ist, der sich zeitlebens gegen ihn entschieden hat. So ist es ja auch in der Offenbarung. Was im Himmel schon gefeiert wird, ist auf Erden längst noch nicht soweit. Wir lesen immer wieder von katastrophalen Zuständen, von der Umsetzung der Gerichtsurteile Gottes durch die Plagen und Katastrophen, die in den letzten Tagen geschehen. Erst dann, wenn der Böse endgültig besiegt ist, ja der Tod sogar zerstört ist, dann kommt das himmlische Jerusalem vom Himmel herab. Erst dann ist die absolute Freude und das Heil universal erreicht.
Hier hören wir nun von der Zeit, bevor das alles geschieht. Jesus nähert sich dem irdischen Jerusalem. Die Diskrepanz zwischen ihr und dem himmlischen Jerusalem ist so groß, dass Jesus nur über die „heilige Stadt“ weinen kann. Was ist aus ihr geworden! Was hat sie aus ihrer Berufung gemacht? Was Jesus im gestrigen Evangelium im Gleichnis von dem anvertrauten Geld gesagt hat, passt nun auch zur Stadt Jerusalem. Ihr hat Gott den Gnadenschatz seiner Gegenwart geschenkt. Doch was machen die Menschen daraus? Sie haben das Haus seines Vaters zur Räuberhöhle gemacht. Jesu Tempelreinigung hören wir morgen – dem Ereignis, das man mit Mattathias‘ Aktion der heutigen Lesung in Verbindung bringen kann.
Die Tochter Zion sollte jubeln und sich freuen, dass ihr König nun zu ihm kommt. So haben es schon die vielen Propheten im Laufe des Alten Testaments immer wieder vorhergesagt. Jerusalem sollte sich bereit machen für ihren Bräutigam, doch was tut es? Es benimmt sich eher wie eine Frau von der Straße, verunreinigt sich, lebt nicht nach den Geboten, hält aber die Fassade der Vollkommenheit aufrecht. Dafür sorgt vor allem die religiöse Elite, deren Kartenhaus drauf und dran ist, zusammenzufallen. Der Atem Gottes ist langatmig und muss nicht viel pusten….doch die Wahrheit möchten sie nicht zulassen. Sehr bald werden sie den Messias mundtot machen, damit ihr Kartenhaus weiter wankt. Was sie nicht ahnen: Gott hat das letzte Wort und der Messias wird von den Toten auferstehen. Das Kartenhaus ist zum Scheitern verurteilt.
Jerusalem hat die Zeit der Gnade nicht erkannt. Der Christus ist der Friedensfürst. Er möchte den wahren Frieden bringen, doch das Herz Israels, die Heilige Stadt – vielmehr die Menschen in ihr – nehmen ihn nicht an. Da sie Gott von sich weisen, wird dieser sich abwenden. Er nimmt die Entscheidung des Menschen ernst und wenn dann das Gericht kommt, dann wird diese Entscheidung als endgültig anerkannt.
Die Auswirkungen der Ablehnung Gottes werden sie schon zu Lebzeiten zu spüren bekommen. Warum? Weil Gott den Menschen selbst da noch die Chance zur Umkehr bietet. So ist es ja schon das ganze Alte Testament hindurch. Gott lässt zu, dass sein Volk die Folgen der eigenen Sünde zu spüren bekommt, damit es zur Besinnung kommt und zu ihm zurückkehrt. Noch ist das Ende der Welt nicht erreicht, doch es wird knapp. Jerusalem soll sich bekehren. Weil es aber nicht geschehen wird, wird eine weitere Katastrophe eintreten – die Zerstörung Jerusalems und des Tempels 70 n.Chr. durch die Römer. Übrigbleiben wird ein Stückchen Mauer, die wir Klagemauer nennen. Dies deutet Jesus durch die Aussage an, dass kein Stein auf dem andern bleiben wird.
Die Gerichtsurteile Gottes erfolgen nicht erst ganz am Ende. Er lässt es schon innerhalb der Menschheitsgeschichte zu, was uns zeigt: Gericht ist notwendig. Es ist die Voraussetzung für das Heil Gottes. Diese vorübergehenden oder besser gesagt vorausgehenden Gerichte sind Chancen auf dem Weg zum Endgericht.

Nehmen wir uns das zu Herzen. Auch wenn es nicht gut ist, dass Mattathias bereit zum Töten ist – sich für Gott einzusetzen und mutig die Stirn zu bieten, müssen auch wir tun. Wir können nicht einfach alles mitmachen, denn Böse bleib Böse, auch wenn es alle tun. Gut bleibt Gut, auch wenn es keiner tut. Unser Maßstab ist nicht die Mehrheit und gesellschaftliche Standards. Unser Maßstab sind Gott und seine Gebote – zu allen Zeiten. Und wenn wir mutig zu ihm stehen, uns immer wieder bekehren und unsere Beziehung zu ihm erneuern, dann müssen wir vor dem Gericht Gottes überhaupt keine Angst haben.

Ihre Magstrauss

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