Samstag der 33. Woche im Jahreskreis

1 Makk 6,1-13; Ps 9,2-3.4 u. 6.16 u. 19; Lk 20,27-40

1 Makk 6
1 König Antiochus durchzog unterdessen die östlichen Provinzen. Er hörte von einer Stadt in Persien namens Elymaïs, die berühmt war wegen ihres Reichtums an Silber und Gold.

2 Auch gibt es in ihr einen sehr reichen Tempel; der mazedonische König Alexander, der Sohn des Philippus, der als erster Grieche König geworden war, hatte dort goldene Schilde, Rüstungen und Waffen hinterlassen.
3 Antiochus marschierte also hin und versuchte, die Stadt zu erobern und zu plündern. Doch er blieb ohne Erfolg; denn die Einwohner der Stadt hatten von seinem Plan erfahren
4 und leisteten ihm bewaffneten Widerstand. Er musste fluchtartig abziehen und machte sich sehr niedergeschlagen auf den Rückweg nach Babylon.
5 Noch in Persien erreichte ihn ein Bote mit der Nachricht, dass die Heere, die in Judäa einmarschiert waren, geschlagen worden waren.
6 Auch Lysias, der an der Spitze einer starken Streitmacht in den Kampf gezogen war, habe gegen die Juden eine schwere Niederlage erlitten. Deren Bewaffnung und Kampfkraft habe sich durch die große Beute, die sie bei den geschlagenen Armeen machten, verstärkt.
7 Den Gräuel, den er auf dem Altar in Jerusalem hatte aufstellen lassen, hätten sie wieder entfernt und das Heiligtum wie früher mit hohen Mauern umgeben, ebenso seine Stadt Bet-Zur.
8 Als der König das hörte, erschrak er und war zutiefst erschüttert. Er musste sich niederlegen, da ihn eine Schwäche befiel; so niedergeschlagen war er, weil seine Pläne gescheitert waren.
9 So ging es mehrere Tage. Er bekam immer neue Anfälle tiefer Schwermut und rechnete schon damit, dass er sterben müsse.
10 Er rief all seine Freunde zusammen und sagte zu ihnen: Der Schlaf flieht meine Augen und mein Mut ist unter den Sorgen zusammengebrochen.
11 Ich habe mich gefragt: Wie bin ich nur in dieser furchtbaren Bedrängnis versunken, in der ich mich jetzt befinde? Ich war während meiner Regierung doch immer leutselig und beliebt.
12 Jetzt erinnere ich mich an das Böse, das ich in Jerusalem getan habe. Ich habe dort alle Geräte aus Silber und Gold mitgenommen, ja, ich habe den Befehl gegeben, die Bewohner von Juda ohne Grund auszurotten.
13 Deswegen ist dieses Unglück über mich gekommen, das weiß ich jetzt. Und nun sterbe ich ganz verzweifelt in einem fremden Land.

Heute hören wir noch einmal einen Ausschnitt aus dem ersten Makkabäerbuch. Dabei wird vom Tod des Antiochus berichtet. Er versucht die reiche persische Stadt Elymais zu erobern und zu plündern, doch muss sich nach einer Niederlage zurückziehen. Unterwegs nach Babylon erfährt er von den Niederlagen gegen die Judäer, die die starken Heere des Antiochus besiegt und geplündert haben. Sie haben sogar den Gräuel aus dem Jerusalemer Tempel entfernt und hohe Mauern um das Heiligtum errichtet. Die vielen Niederlagen und auch die Stärke des zahlenmäßig unterlegenen judäischen Heers erschüttern den König, sodass er flach liegt. Er hat eine richtige Phase der Niedergeschlagenheit und ruft seine Freunde zusammen, weil er davon ausgeht, bald zu sterben. Wir merken, dass der König sich selbst nicht wiedererkennt. Sonst liebte er es, sich mit vielen Menschen zu umgeben, doch momentan liegt er die ganze Zeit nieder in einer depressiven Stimmung. In dieser Phase beginnt er, darüber nachzudenken, was er Böses getan hat. Ihm wird bewusst, dass er gerade gegen die Jerusalemer grausam gehandelt und sie grundlos umgebracht hat. Er schlussfolgert daraus, dass ihn das Unglück deshalb trifft. Gott gibt uns oft die Chance zum Nachdenken, indem wir zum Beispiel krank oder verletzt sind. Dann soll uns unser Gewissen anklagen und zur Umkehr aufrufen. Antiochus bereut allerdings nicht, was er getan hat. Vielmehr analysiert er das momentane Leiden. Er hat gar nicht vor, die Judäer zu entschädigen oder sich zu entschuldigen. Stattdessen gibt er seine königlichen Insignien ab, bevor er stirbt und sein Sohn die Nachfolge antritt. Dieser wird weiterhin Jerusalem bedrängen. Es ist noch nicht zuende. Antiochus denkt ganz nach dem Prinzip des Tun-Ergehen-Zusammenhangs. Böse Taten verursachen Leiden. Und doch ist er nicht bereit, für seine bösen Taten zu sühnen.

Ps 9
2 Ich will danken, HERR, aus ganzem Herzen, erzählen will ich all deine Wunder.

3 Ich will mich an dir freuen und jauchzen, deinem Namen, Höchster, will ich singen.
4 Wenn meine Feinde zurückweichen, werden sie straucheln und zugrunde gehen vor deinem Angesicht.
6 Du hast Völker bedroht, den Frevler vernichtet, ihre Namen gelöscht für immer und ewig.
16 Völker versanken in der Grube, die sie selbst gegraben, im Netz, das sie heimlich gelegt, hat ihr Fuß sich verfangen.
19 Denn der Arme ist nicht auf ewig vergessen, der Elenden Hoffnung ist nicht für immer verloren.

Als Antwort beten wir ein Danklied. Psalm 9 wird oft im Zusammenhang mit Ps 10 betrachtet, die ursprünglich eine Einheit gebildet haben sollen. Ps 9 ist lobpreisend, Ps 10 klagend.
Die Judäer haben allen Grund zum Lobpreis und Dank, weil Antiochus verstorben ist. Das heißt, dass sie unter ihm nicht mehr leiden müssen. Es ging apokalyptisch zu, weil er den unheilvollen Gräuel hat aufstellen lassen und Schweine im Allerheiligsten geopfert hatte. Nun ist der Tempel wieder geweiht und das zahlenmäßig unterlegene judäische Heer hat die Seleukiden besiegt. Gestern beteten die Judäer bereits in Erinnerung an David gegen Goliat. Nun ist ihnen diese Gnade zuteilgeworden, als „David“ den seleukidischen „Goliat“ zu besiegen. Sie haben es Gott zu verdanken, der ihnen die Kraft gegeben hat. Er ist der Höchste, dem sie singen wollen und an dem sie sich freuen. Sie können ihm nun wieder opfern und ihr liturgisches Jahr begehen.
Wer Gott auf seiner Seite hat, steht auf der Seite der Sieger. Die Feinde können vor ihm nur zusammenfallen. Er hat das letzte Wort und er ist der Herrscher über die Könige der Erde. Wer ist schon ein Antiochus Epiphanes im Gegensatz zum Pantokrator, zum König des ganzen Universums?
Das schlimme Sakrileg der Seleukiden schrie zum Himmel. Gott hat reagiert und sich nicht alles gefallen lassen. So sinken nun die Seleukiden in die Grube und gehen ins Netz. Es wird in den verschiedenen historischen Quellen und in der heutigen Fachliteratur immer wieder gesagt, dass der plötzlich Tod des Antiochus eine endgültige Niederlage der Judäer verhindert hat. Dass dies dazwischenkam, hat das Schlimmste verhindert.
Gott reagiert auf das Unrecht auf Erden. Das Schreien des Armen in jeglicher Hinsicht bleibt nicht ungehört. Diese Erfahrung konnte das Gottesvolk immer wieder machen. Wie laut schrien die Israeliten in der ägyptischen Unterdrückung! Wie bitterlich weinten die Juden im babylonischen Exil! Und Gott reagierte jedesmal auf dieses Unrecht. Er schickte Propheten zu ihnen, die sie stärkten und Gottes Willen kundtaten. Er befreite aus dem Sklavenhaus und aus dem Exil. Er führt das Volk in die Heimat des Gebotenen Landes. Dass er auch nun für Gerechtigkeit sorgen würde, bestätigt einmal mehr seine unendliche Treue. Wenn wir solche Geschichten hören, können wir eigentlich nur ermutigt werden. Leben wir nicht auch in schwierigen Situationen voller Unrecht? Auch unser Schreien bleibt nicht ungehört! Gott wird auch uns aus der Not befreien. Auch unsere Hoffnung bleibt nicht ewig verloren.

Lk 20
27 Von den Sadduzäern, die bestreiten, dass es eine Auferstehung gibt, kamen einige zu Jesus und fragten ihn:
28 Meister, Mose hat uns vorgeschrieben: Wenn ein Mann, der einen Bruder hat, stirbt und eine Frau hinterlässt, ohne Kinder zu haben, dann soll sein Bruder die Frau nehmen und seinem Bruder Nachkommen verschaffen.
29 Nun lebten einmal sieben Brüder. Der erste nahm sich eine Frau, starb aber kinderlos.
30 Da nahm sie der zweite,
31 danach der dritte und ebenso die anderen bis zum siebten; sie alle hinterließen keine Kinder, als sie starben.
32 Schließlich starb auch die Frau.
33 Wessen Frau wird sie nun bei der Auferstehung sein? Alle sieben haben sie doch zur Frau gehabt.
34 Da sagte Jesus zu ihnen: Die Kinder dieser Welt heiraten und lassen sich heiraten.
35 Die aber, die gewürdigt werden, an jener Welt und an der Auferstehung von den Toten teilzuhaben, heiraten nicht, noch lassen sie sich heiraten.
36 Denn sie können auch nicht mehr sterben, weil sie den Engeln gleich und als Kinder der Auferstehung zu Kindern Gottes geworden sind.
37 Dass aber die Toten auferstehen, hat schon Mose in der Geschichte vom Dornbusch angedeutet, in der er den Herrn den Gott Abrahams, den Gott Isaaks und den Gott Jakobs nennt.
38 Er ist doch kein Gott von Toten, sondern von Lebenden; denn für ihn leben sie alle.
39 Da sagten einige Schriftgelehrte: Meister, du hast gut geantwortet.
40 Und man wagte nicht mehr, ihn etwas zu fragen.

Im heutigen Evangelium hören wir ein Beispiel für eine geistliche „Schlacht“, die Gott haushoch gewinnt – wie könnte er auch gegen ein Geschöpf verlieren?
Die Sadduzäer wollen Jesus, der sich ja jetzt in Jerusalem aufhält, auf die Probe stellen. So kommen sie zu ihm mit einer Frage bzw. einem Szenario. Sie deuten die Geschichte Saras an, der Frau, die der junge Tobias im Buch Tobit später heiratet. Aufgrund eines Dämons stirbt ihr Mann in der Hochzeitsnacht, wodurch dessen Bruder sie heiraten muss. Das ergibt sich aus dem jüdischen Recht, das für jene Situation die sogenannte Leviratsehe vorsieht: Ein naher Verwandter (z.B. Bruder) muss die Frau seines verstorbenen Verwandten heiraten, wenn er keine Kinder hinterlassen hat, damit dessen Blut über den Verwandten weitergegeben wird, auch wenn es nicht mehr genau dasselbe Blut ist. Über diesen Umweg soll die verstorbene Frau also einen Erben gebären.
Das Problem bei Sara ist, dass sie mit einem Fluch belastet ist. Deshalb stirbt auch der Bruder ihres ersten Mannes in der Hochzeitsnacht und der nächste Bruder muss sie heiraten. Auch er stirbt in der Hochzeitsnacht und so geht es weiter, bis alle sieben Brüder verstorben sind.
Die eigentliche Frage kommt nun: Was ist, wenn die Frau dann auch stirbt? Wessen Frau ist sie dann im Himmel, denn alle sieben waren ja mit ihr verheiratet.
Wir merken, dass die Sadduzäer diese Frage nicht ernst meinten, sondern Jesus sowie den Auferstehungsglauben verhöhnen, den sie strikt ablehnen.
Die Sadduzäer halten sich für besonders schlau und meinen, Jesus damit ins Stammeln zu bringen. Wie kann man auf so ein geniales Szenario denn auch eine Antwort finden! Oder? Nein. Sie haben gar nichts verstanden und so ist es ein Leichtes für Jesus, diese Frage zu beantworten:
„Die Kinder dieser Welt heiraten und lassen sich heiraten. Die aber, die gewürdigt werden, an der Welt und an der Auferstehung von den Toten teilzuhaben, heiraten nicht, noch lassen sie sich heiraten.“ Die Ehe ist ein Sakrament, doch im Himmel wird es solche ja nicht mehr brauchen. Heiraten und Kinder bekommen ist eine Sache der irdischen Schöpfung. Im Himmel wird alles ganz anders sein. Jesus argumentiert mit dem ewigen Leben: Man muss sich nicht mehr vermehren, weil man ja nicht sterben wird. Die Menschen, die als Kinder Gottes ewig bei Gott leben, sind den Engeln gleich – vergeistigt.
Jesus verdeutlicht die Wahrheit der Auferstehung noch anhand eines anderen Beispiels, nämlich der Gottesoffenbarung im brennenden Dornbusch: Dort stellt sich Gott dem Mose ja als Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs vor. Wären diese für immer tot, würde Gott mit so einer Umschreibung von sich aussagen, er sei ein Gott von Toten, nicht von Lebenden. Gott ist aber ein Gott der Lebenden, denn für ihn leben die gläubigen Menschen ja.
So bleibt den Sadduzäern nichts mehr zu sagen. Einige Schriftgelehrte geben Jesus sogar recht, denn das ist ja ihr überlieferter Glaube. Wieder einmal hat Jesus die Versucher zum Schweigen gebracht – ganz wie die Dämonen, die durch die Besessenen schreien. Die geistliche „Schlacht“ ist gewonnen.

So ist Gott. Er muss nicht viel Mühe aufwenden, um die Vorlauten und vermeintlich Mächtigen zum Schweigen zu bringen. Es ist ein Leichtes für ihn, sie alle zu entmachten. Das ganze Leben ist ein Kampf. Die Frage ist nur, auf wessen Seite wir kämpfen wollen. Als Kinder Gottes sind wir schon auf der Seite der Sieger, auch wenn es zwischenzeitlich sehr schwer wird.

Ihre Magstrauss

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