Montag der 34. Woche im Jahreskreis

Dan 1,1-6.8-20; Dan 3,52a.52c.53.54.55.56; Lk 21,1-4

Dan 1
1 Im dritten Jahr der Herrschaft des Königs Jojakim von Juda zog Nebukadnezzar, der König von Babel, gegen Jerusalem und belagerte es.

2 Und der Herr gab König Jojakim von Juda sowie einen Teil der Geräte aus dem Haus Gottes in Nebukadnezzars Hand. Er verschleppte sie in das Land Schinar, in den Tempel seines Gottes, die Geräte aber brachte er in das Schatzhaus seines Gottes.
3 Dann befahl der König seinem Oberkämmerer Aschpenas, einige junge Israeliten an den Hof zu bringen, Söhne von königlicher Abkunft oder wenigstens aus vornehmer Familie;
4 die Knaben sollten frei von jedem Fehler sein, schön an Gestalt, in aller Weisheit unterrichtet und reich an Kenntnissen; sie sollten einsichtig und verständig sein und geeignet, im Palast des Königs Dienst zu tun; Aschpenas sollte sie auch in Schrift und Sprache der Chaldäer unterrichten.
5 Als tägliche Kost wies ihnen der König Speisen und Wein von der königlichen Tafel zu. Sie sollten drei Jahre lang ausgebildet werden und dann in den Dienst des Königs treten.
6 Unter ihnen waren aus dem Stamm Juda Daniel, Hananja, Mischaël und Asarja.
8 Daniel fasste den Entschluss, sich nicht mit den Speisen und dem Wein der königlichen Tafel unrein zu machen, und er bat den Oberkämmerer darum, sich nicht unrein machen zu müssen.

9 Gott ließ ihn beim Oberkämmerer Wohlwollen und Nachsicht finden.
10 Der Oberkämmerer sagte aber zu Daniel: Ich fürchte meinen Herrn, den König, der eure Speisen und eure Getränke zugewiesen hat; er könnte finden, dass ihr schlechter ausseht als die anderen jungen Leute eures Alters; dann wäre durch eure Schuld mein Kopf beim König verwirkt.
11 Da sagte Daniel zu dem Aufseher, den der Oberkämmerer über Daniel, Hananja, Mischaël und Asarja eingesetzt hatte:
12 Versuch es doch einmal zehn Tage lang mit deinen Knechten: Man gebe uns Gemüse zu essen und Wasser zu trinken!
13 Dann vergleiche unser Aussehen mit dem der Knaben, die von den Speisen des Königs essen! Je nachdem, was du dann siehst, verfahr weiter mit deinen Knechten!
14 Der Aufseher nahm ihren Vorschlag an und versuchte es zehn Tage lang mit ihnen.
15 Am Ende der zehn Tage sahen sie besser und wohlgenährter aus als all die Knaben, die von den Speisen des Königs aßen.
16 Da nahm der Aufseher ihre Speisen und den Wein, den sie trinken sollten, weg und gab ihnen Gemüse.
17 Und Gott verlieh diesen vier Knaben Wissen und Einsicht in jede Schrift und Weisheit; Daniel verstand sich auf Visionen und Träume aller Art.
18 Und nach Ablauf der Tage, die der König bestimmt hatte, um sie vortreten zu lassen, da ließ sie der Oberkämmerer vor Nebukadnezzar treten.
19 Der König unterhielt sich mit ihnen und fand Daniel, Hananja, Mischaël und Asarja allen anderen überlegen. Sie traten also in den Dienst des Königs.
20 Sooft der König in Fragen, die Weisheit und Einsicht erfordern, ihren Rat einholte, fand er sie allen Zeichendeutern und Wahrsagern in seinem ganzen Reich zehnmal überlegen.

Heute beginnt die Bahnlesung aus dem Buch Daniel. Der junge Mann gehört der Oberschicht Judäas an, vielleicht sogar verwandt mit dem Königshaus. Aus dem Grund befindet er sich unter den Exilierten in Babylon. Aus dieser Gruppe werden junge Männer ausgewählt, die in der chaldäischen Sprache und den verschiedenen Aufgaben am königlichen Hof ausgebildet werden sollten. Es sollte wirklich nur das Beste vom Besten ausgewählt werden, die bestaussehendsten, intelligentesten, weisesten Männer. Ihre Ausbildung sollte drei Jahre betragen und in dieser Zeit sollten sie von der königlichen Tafel essen. Zusammen mit Daniel wurden seine Freunde Hananja, Mischaël und Asarja ausgewählt. Es gab nun ein Problem: Bei den vieren handelte es sich um fromme Juden, die nicht bereit waren, unkoschere Nahrung zu sich zu nehmen. Dabei machte der König wirklich Nägel mit Köpfen. Sie sollten ganz zu neuen Menschen werden, ihre jüdische Vergangenheit gleichsam mit ihrem alten Namen ablegen. Sie sollten von nun an Beltschazzar (Daniel), Schadrach (Hananja), Meschach (Mischaël) und Abed-Nego (Asarja) heißen. Das wird uns heute nicht verlesen, der Vers wird in der Leseordnung ausgelassen.
Die vier sind nicht bereit, Gott zu verraten. Deshalb spricht Daniel den Oberkämmerer an und bittet ihn, sich nicht verunreinigen zu müssen. Deshalb möchten die vier Männer sich vegan ernähren, keine tierischen Produkte konsumieren, weil sie nicht angemessen geschlachtet werden (gemeint ist geschächtet). Auch für die Herstellung von Wein existieren strenge Vorgaben, damit er für Juden koscher ist. Weil die Babylonier sich kaum daran gehalten haben werden, ist auch der Wein der Königstafel für die vier Männer tabu. Ansonsten können wir uns vorstellen, dass die Kombination von bestimmten Speisen nicht koscher sind, z.B. die Vermischung von Fleisch- und Milchprodukten.
Jedenfalls entgegnet der Oberkämmerer Daniel, dass er zu große Angst davor hat, dann vom König Ärger zu bekommen, weil man den Männern die mangelnde Ernährung ansehe. Daniel nimmt das zum Anlass, ihm einen Deal vorzuschlagen: Er soll ihnen zehn Tage diese spezielle Diät erlauben und dann das Aussehen der vier Männer mit dem der anderen Auszubildenden vergleichen. Je nach Ergebnis dürfe er dann verfahren. Daniel vertraut auf Gottes Vorsehung, denn er weiß, dass wenn er Gott an die erste Stelle stellt, dieser für alles sorgen werde.
Er wird nicht enttäuscht. Am Ende der Testphase sehen die vier Freunde besser und wohlgenährter aus als der Rest, weshalb sie dauerhaft koscher am Königshof leben dürfen. Gott hat sie beschützt und mehr noch: Er schenkt ihnen die Weisheit und Stärke, die von oben kommt und deshalb alle menschliche Weisheit übersteigt. Er verleiht ihnen besondere Gaben wie die Traumdeutung, sodass der König von Babylon davon profitiert. Dieser setzt sie als seine Berater und Diener ein und holt immer wieder Daniels Rat ein. Es heißt, dass diese Männer mehr Weisheit besitzen als alle Weisen Babylons zusammen. Das ist uns ein Beweis, dass Gottes Geist durch ihn wirkt. Gottes Weisheit übersteigt die des Menschen bei weitem. Es ist der Allmächtige!
Aus dieser Situation lernen wir, wie entscheidend es ist, Gott den ersten Platz in unserem Leben zu geben. Wenn er der König unserer Herzen ist, der Herrscher über unser ganzes Leben, dann wird er nach seinem Heilsplan verfahren und wir werden nicht enttäuscht werden. Dann wird er uns immer wieder aus der Klemme helfen, weil er erkennt, dass wir alles für ihn tun.

Dan 3
52 Gepriesen bist du, HERR, du Gott unserer Väter, gelobt und gerühmt in Ewigkeit. Gepriesen ist dein heiliger, herrlicher Name, hochgelobt und verherrlicht in Ewigkeit.
53 Gepriesen bist du im Tempel deiner heiligen Herrlichkeit, hoch gerühmt und verherrlicht in Ewigkeit.
54 Gepriesen bist du, der in die Tiefen schaut und auf Kerubim thront, gelobt und gerühmt in Ewigkeit.
55 Gepriesen bist du auf dem Thron deiner Herrschaft, hoch gerühmt und gefeiert in Ewigkeit.
56 Gepriesen bist du am Gewölbe des Himmels, gerühmt und verherrlicht in Ewigkeit.

Statt eines Psalms beten wir heute als Antwort auf die Lesung einen Ausschnitt aus dem Lobpreis der Männer im Feuerofen. Dieses kraftvolle Gebet ist es, das die vier Freunde der eben gehörten Erzählung vor den Flammen gerettet hat zusammen mit ihrem unerschütterlichen Gottvertrauen. Was als gutes Verhältnis beginnt, wird nicht immer so bleiben. Der König von Babylon wird noch richtig wütend werden und die Männer in den Feuerofen schmeißen, doch sie werden auf wundersame Weise überleben. Während sie sich darin befinden, beten sie diesen Lobpreis:
Die Verse beginnen jeweils mit „gepriesen bist du“ und enden mit Wendungen wie „gerühmt und verherrlicht in Ewigkeit“ oder „gelobt und gerühmt in Ewigkeit“. Der Abschluss mit dem Begriff der Ewigkeit ist eine gängige Abschlussformel jüdischer Gebete. Im heutigen Abschluss preisen die Männer den Gott ihrer Väter, der an verschiedenen Orten gedacht wird, also als allpräsenten Gott: Er ist gepriesen im Tempel der heiligen Herrlichkeit. Das ist sehr tiefsinnig. Historisch-wörtlich ist es auf den ersten Blick ausgeschlossen, denn zur Zeit, als die Männer im Feuerofen Lobpreis machen, ist der Tempel in Jerusalem zerstört. Es gibt also keinen Tempel mehr auf Erden, in dem Gottes Herrlichkeit wohnt. Wenn wir aber einen zweiten Blick darauf werfen und in der Originalsprache lesen (dieser Lobpreis ist nur auf griechisch verfasst, nicht auf Hebräisch), dann sehen wir ein Partizip für „gepriesen sein“. Partizipien dienen der Zeitlosigkeit bzw. übergreifenden Zeitspanne. So ergibt ihr Lobpreis auch auf wörtlicher Ebene Sinn, denn es spielt keine Rolle, ob der Tempel jetzt gemeint ist oder der vergangene oder zukünftige Tempel, den sie sich als Juden natürlich erhofft haben. Über diesen wörtlichen Sinn hinaus lesen wir hier schon die christologische Bedeutung. Wir erkennen den Einfluss des Hl. Geistes bei den Worten der Männer: Gepriesen sei Gott, der im Tempel seiner Herrlichkeit Mensch geworden ist! Dieser Tempel ist die Jungfrau Maria und so ist es ein Lobpreis an Christus. Wir lesen es auch ekklesiologisch weiter als Preisung der Gegenwart Gottes im allerheiligsten Sakrament. Die Kirche wird somit zum neuen „Tempel seiner Herrlichkeit“. Es liest sich auch moralisch als Lobpreis Gottes, der in uns wohnt, nämlich im Tempel der Herrlichkeit unserer Seele! Und schließlich wird es im Feuerofen der Endzeit, wenn der Antichrist auf dem Höhepunkt seiner Macht sein wird, aber nichts ausrichten kann, der letzte Lobgesang irdischer Bedrängnis. Dann werden wir Gott preisen, der im himmlischen Tempel seiner Herrlichkeit wohnt.
Die Männer preisen Gott auch als den, der auf die Tiefen schaut und auf Kerubim thront. Gott ist nicht einfach irgendwo weit weg und gleichgültig unserer irdischen Bedrängnis gegenüber. Er ist ein solidarischer Gott, der tagtäglich zürnt – ja, er reagiert auf jede Ungerechtigkeit auf die angemessenste Weise. Er hört jeden Klageschrei seiner geliebten Kinder und er begleitet sie auf all ihren Wegen. Und doch ist er der Höchste, der auf Kerubim thront. Das ist ein Bild für seine Herrschaft. Sie sind es, die ihn ohne Ende preisen und ihn deshalb bildhaft gesprochen auf den Thron heben. Dieses Bild schauen viele Propheten im Alten Testament und es wird auch in der Johannesoffenbarung aufgegriffen, wo die Engelscharen Gott ohne Ende loben und preisen.
„Gepriesen bist du auf dem Thron deiner Herrschaft“ – auch hier könnten wir uns stundenlang aufhalten. Es meint nicht nur Gott, der Himmlische, der auf dem Thron sitzt. Es meint auch den Thron der Herrschaft, den Jesus mit seiner Menschwerdung, seinem Leiden, Tod und seiner Auferstehung bestiegen hat. Wir beten im Glaubensbekenntnis, dass Jesus zur Rechten Gottes des Vaters sitzt und von dort wiederkommen wird zu richten die Lebenden und die Toten. Er ist es, der auch in unserem Leben auf dem Thron sitzt, da wir mit ihm den Taufbund eingegangen sind. Er ist die Nummer eins in unserem Leben, so herrscht er dort als König. Und wenn wir im Stand der Gnade sterben, werden wir vor Gottes Thron kommen, um auf ewig dort zu bleiben. Dann wird dieser Lobpreis unsere dauerhafte Tätigkeit sein.
„Gepriesen bist du am Gewölbe des Himmels“ – Gott ist zunächst der ganz Andere. Er ist Geist. Er ist transzendent. Für die Juden ist das ganz wichtig und so grenzt Gott sich von den Götzen der anderen Völker ab. Diese sind Geschöpfe oder bestehen aus geschaffenem Material wie Holz, Stein, Gold, Silber etc. Sie sind Teil der Schöpfung und stehen nicht über ihr. So entlarven sie sich selbst als Götzen, als Nichtigkeiten. Als der Mensch soweit war, diese absolute Transzendenz zu verstehen, ist Gott Mensch geworden. Ein neues Kapitel hat sich aufgetan, sodass Gott, der ganz und gar von seiner Schöpfung verschieden ist, sich ganz klein gemacht hat. Er wollte bei den Menschen wohnen und so um seine Braut werben. Als er alles vollbracht hat, ist er mit Leib und Seele heimgekehrt zum Vater.
Der heutige Lobpreis ist sehr tiefgründig und auch nur ein kleiner Abschnitt. Es lohnt sich, einmal das gesamte Gebet zu betrachten und auch regelmäßig zu beten! Es ist ein kraftvolles Gebet zur Abwehr des Bösen auch in heutiger Zeit!

Lk 21
1 Er blickte auf und sah, wie die Reichen ihre Gaben in den Opferkasten legten.

2 Er sah aber auch eine arme Witwe, die dort zwei kleine Münzen hineinwarf.
3 Da sagte er: Wahrhaftig, ich sage euch: Diese arme Witwe hat mehr hineingeworfen als alle anderen.
4 Denn sie alle haben nur etwas von ihrem Überfluss hineingeworfen; diese Frau aber, der es am Nötigsten mangelt, hat ihren ganzen Lebensunterhalt hergegeben.

Im Evangelium hören wir von einer ganz schlichten Begebenheit, die aber ein wunderbares Beispiel für heiligmäßiges Leben darstellt, das den Menschen zu einer Erstlingsgabe Gottes macht und ihm den Weg vor den Thron Gottes bereitet:
Jesus und seine Jünger sind im Tempelareal. Wo sie sich aufhalten, haben sie Blick auf den Opferkasten. So sieht Jesus nach und nach reiche Menschen, die kommen und ihre Gaben dort hineinwerfen. Dann kommt plötzlich eine arme Witwe und wirft zwei kleine Münzen hinein. Wir müssen bedenken, dass Witwen nichts haben und keine besondere Versorgung erhalten. Es gibt keine Sozialversorgung für jene, die sie am meisten benötigen. So müssen Witwen, Waisen, körperlich oder psychisch Beeinträchtige selber schauen, wie sie zurechtkommen. Diese Frau kämpft also jeden Tag ums Überleben. Was sie dort in den Opferkasten wirft, ist offensichtlich alles, was sie besitzt. Sie wirft ihren gesamten Lebensunterhalt hinein, während die reichen Menschen immer von ihrem Überfluss abgeben.
Deshalb sagt Jesus zu seinen Jüngern: „Wahrhaftig, ich sage euch: „Diese arme Witwe (…) hat mehr hineingeworfen als alle anderen.“ Es ist sehr lobenswert nicht nur, weil sie alles gegeben hat, was sie besitzt, sondern auch weil sie dadurch ganz auf die Vorsehung Gottes vertraut. Ihr geht es wirklich um das Reich Gottes, weshalb sie bereit ist, alles herzugeben. Weil Gott ihr großes Herz gesehen hat, das sie selbst in ihrer eigenen Not noch für die anderen hat, wird er ihr alles dazugeben, was sie braucht. Sie gibt also offensichtlich im Vertrauen, dass Gott sich am nächsten Tag um sie kümmern wird. Das ist die Hingabe, die Jesus sich von allen seinen Jüngern wünscht, ein Glaube, der riesengroß ist.
Diese Frau hat ein Verhalten an den Tag gelegt, das sich einreiht in die Verhaltensweisen eines heiligmäßigen Lebens. Wenn sie in allem diese Hingabe beweist, bis zur Hingabe des eigenen Lebens, wird sie sich eines Tages einreihen in die Schar der Heiligen, die auf ewig bei Gott sein wird. Dazu gehören auch die vier Männer am königlichen Hof Babylons. Können auch wir Gott das Ruder über unser Leben überlassen? Vertrauen wir ihm auch so bedingungslos wie Daniel, Hananja, Mischaël und Asarja? Trauen wir uns, alles herzugeben und auf die Vorsehung Gottes zu vertrauen wie die arme Witwe? Lassen wir Gott König sein?

Ihre Magstrauss

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