Dienstag der 34. Woche im Jahreskreis

Dan 2,31-45; Dan 3,57.58.59.60.61; Lk 21,5-11

Dan 2
31 Du, König, hattest eine Vision: Du sahst ein gewaltiges Standbild. Es war groß und von außergewöhnlichem Glanz; es stand vor dir und war furchtbar anzusehen.

32 An diesem Standbild war das Haupt aus reinem Gold; Brust und Arme waren aus Silber, Rumpf und Hüften aus Bronze.
33 Die Beine waren aus Eisen, die Füße aber zum Teil aus Eisen, zum Teil aus Ton.
34 Du sahst, wie ohne Zutun von Menschenhand sich ein Stein von einem Berg löste, gegen die eisernen und tönernen Füße des Standbildes schlug und sie zermalmte.
35 Da wurden Eisen und Ton, Bronze, Silber und Gold mit einem Mal zu Staub. Sie wurden wie Spreu auf dem Dreschplatz im Sommer. Der Wind trug sie fort und keine Spur war mehr von ihnen zu finden. Der Stein aber, der das Standbild getroffen hatte, wurde zu einem großen Berg und erfüllte die ganze Erde.
36 Das war der Traum. Nun wollen wir dem König sagen, was er bedeutet.
37 Du, König, bist der König der Könige; dir hat der Gott des Himmels Herrschaft und Macht, Stärke und Ruhm verliehen.
38 Und in der ganzen bewohnten Welt hat er die Menschen, die Tiere auf dem Feld und die Vögel am Himmel in deine Hand gegeben; dich hat er zum Herrscher über sie alle gemacht: Du bist das goldene Haupt.
39 Nach dir kommt ein anderes Reich, geringer als deines; dann ein drittes Reich, von Bronze, das die ganze Erde beherrschen wird.
40 Ein viertes endlich wird hart wie Eisen sein; Eisen zerschlägt und zermalmt ja alles; und wie Eisen alles zerschmettert, so wird dieses Reich alle anderen zerschlagen und zerschmettern.
41 Die Füße und Zehen waren, wie du gesehen hast, teils aus Töpferton, teils aus Eisen; das bedeutet: Das Reich wird geteilt sein; es wird aber etwas von der Härte des Eisens haben, darum hast du das Eisen mit Ton vermischt gesehen.
42 Dass aber die Zehen teils aus Eisen, teils aus Ton waren, bedeutet: Zum Teil wird das Reich hart sein, zum Teil brüchig.
43 Wenn du das Eisen mit Ton vermischt gesehen hast, so heißt das: Sie werden sich zwar durch Heiraten miteinander verbinden; doch das eine wird nicht am anderen haften, wie sich Eisen nicht mit Ton verbindet.
44 Zur Zeit jener Könige wird aber der Gott des Himmels ein Reich errichten, das in Ewigkeit nicht untergeht; dieses Reich wird er keinem anderen Volk überlassen. Es wird alle jene Reiche zermalmen und endgültig vernichten; es selbst aber wird in alle Ewigkeit bestehen.
45 Du hast ja gesehen, dass ohne Zutun von Menschenhand ein Stein vom Berg losbrach und Eisen, Bronze und Ton, Silber und Gold zermalmte. Der große Gott hat den König wissen lassen, was dereinst geschehen wird. Der Traum ist sicher und die Deutung zuverlässig.

Heute hören wir wieder die Lesung aus dem Buch Daniel und im Anschluss einen Ausschnitt aus dem Lobpreis der jungen Männer im Feuerofen.
Gestern hörten wir die Vorgeschichte des Wirkens Daniels am königlichen Hof Babylons. Seine Freunde und er beraten den König mit ihrer Weisheit und ihren Gaben wie im Falle Daniels mit der Traumdeutung. Heute hören wir von einer solchen Begebenheit, doch zuvor werden Daniel und seine Freunde fast umgebracht. Man merkt an den Erzählungen im Buch Daniel, dass der babylonische König dezent launisch ist. Immer wieder geschieht es, dass wenn er wütend wird, aus dem Affekt heraus die Tötung unschuldiger Menschen anordnet. So will er alle Weisen des Landes umbringen lassen, nur weil seine Forderung, dass jemand seinen Traum und dessen Deutung ihm sagen kann, von seinen babylonischen Wahrsagern als zu schwierig zurückgewiesen worden war. Daniel und seine Freunde beten und flehen den Herrn an, dass er sie verschone. So erhält Daniel im Traum die Offenbarung des Traums Nebukadnezzars und auch dessen Deutung. Damit wendet er sich nun an den König, was wir heute hören:
Daniel rekonstruiert zunächst den Traum des Königs: Er sah ein mächtiges Standbild mit einem Kopf aus Gold, Brust und Armen aus Silber, Rumpf und Hüften aus Bronze, Beinen aus Eisen und Füße aus einer Mischung von Eisen und Ton. Plötzlich löste sich ein Stein von einem Berg und rollte auf das Standbild zu, zerstörte die Beine aus Ton und Eisen, sodass das Standbild erschüttert wurde. Der Rest, der aus hochwertigem Metall bestand, zerfiel plötzlich wie Staub. Aus dem Stein wurde ein großer Berg, der die ganze Erde erfüllte.
Dann deutet Daniel dem König diesen Traum, der den König sehr beunruhigt hat: Der goldene Kopf des Standbilds ist die Herrschaft Nebukadnezzars, den Daniel taktisch klug als „König der Könige“ bezeichnet. Als frommer Jude ist diese Bezeichnung ihm eigentlich ein Gottesprädikat, doch in dieser Situation möchte er Nebukadnezzars Herz öffnen. Er spricht fast so über die Herrschaft Nebukadnezzars, als ob es König David sei, dem Gott die Herrschaft gegeben hat. Nach seinem Reich kommt ein anderes, das aber geringer ist als die babylonische Herrschaft. Danach kommt noch ein anderes Reich, das noch geringer als das vorherige sein wird. Wenn dann ein viertes Reich kommt, das durch das Material Eisen dargestellt worden ist, wird es alles andere zerschmettern. Das fünfte Reich wird ein geteiltes Reich sein, was sich an den beiden verschiedenen Materialien zeigt. Es ist teilweise hart wie das vorherige (deshalb Eisen), teilweise brüchig (deshalb der Ton). Durch Heiratsverbindung wird man zwar versuchen, eine Stabilität zu erlangen, doch so wie Eisen und Ton sich nicht miteinander verbinden lassen, wird auch diese Heiratsverbindung nichts ausrichten.
Und dann sagt Daniel etwas total Messianisches, was wir mit christlichen Ohren signalhaft erkennen: Es wird ein Reich kommen, das alle anderen Reiche zermalmen bzw. in Staub aufgehen lassen wird. Ohne äußeres Zutun löst sich ja ein Stein vom Berg und rollt auf das mächtige Standbild zu. Dieser Stein ist von Gott gelenkt, der der wahre Mächtige ist. Alles liegt in seiner Hand und deshalb zerfällt durch diesen Stein alles zu Staub. Dieses Reich, das hier angekündigt wird, ist ewig und mächtiger als alle irdischen Reiche. Messianisch ist erstens der Berg – wir denken z.B. an die Weisung, die vom Zion ausgehen wird – Jesus Christus, das Fleisch gewordene Wort Gottes, geht vom Gottesberg aus. Der Berg ist stets ein Ort der besonderen Gottesnähe und Christus ist vom Vater gekommen, der er selbst ja im Anfang beim Vater ruht. Der Stein selbst ist messianisch. Es heißt ja an mehreren Stellen in der hl. Schrift, dass Christus der Stein ist, den die Bauleute verwarfen, der aber zum Eckstein geworden ist. Er wird zur Unterscheidung der Geister, denn den einen ist er Stütze, den anderen ein Mühlstein bzw. ein Stein, an dem man zerschellt – so wie die bisherigen Reiche. Messianisch ist auch die Rede von der ewigen Herrschaft: Es besteht die messianische Vorstellung eines kommenden Königreichs, das wirklich ewig sein wird, ganz wie Natan zu David gesagt hat. Der Messias wird ein König sein, er wird aus dem Stamm Juda kommen, wie schon der sterbende Jakob zu seinen Söhnen gesagt hat. Er wird ein Nachkomme Davids sein.
Gott ist großartig! Wie er schon Daniel diese Dinge hat sehen und deuten lassen!

Dan 3
57 Preist den HERRN, all ihr Werke des HERRN; / lobt und rühmt ihn in Ewigkeit!

58 Preist den HERRN, ihr Himmel; / lobt und rühmt ihn in Ewigkeit!
59 Preist den HERRN, ihr Engel des HERRN; / lobt und rühmt ihn in Ewigkeit!
60 Preist den HERRN, all ihr Wasser über dem Himmel; / lobt und rühmt ihn in Ewigkeit!
61 Preist den HERRN, all ihr Mächte des HERRN; / lobt und rühmt ihn in Ewigkeit!

Als Antwort auf diese sehr intensive Lesung beten wir wieder einen Ausschnitt aus dem Lobpreis der Männer im Feuerofen. Gestern erklöärte ich bereits, dass die Verse jeweils mit „gepriesen bist du“ beginnen und mit Wendungen wie „gerühmt und verherrlicht in Ewigkeit“ oder „gelobt und gerühmt in Ewigkeit“ enden. Der Abschluss mit dem Begriff der Ewigkeit ist eine gängige Abschlussformel jüdischer Gebete.
Die Werke des Herrn sollen Gott preisen, gemeint sind die Geschöpfe Gottes. Alle Geschöpfe sollen ihm Lobpreis darbringen, nicht nur die Menschen. Das tun die verschiedenen Schöpfungsbereiche auch, vielleicht nicht verbal, aber auf ihre je eigene Weise, was auch in den Psalmen immer wieder zum Ausdruck kommt: z.B. die Sonne mit ihrer Leuchtkraft oder die Sterne mit ihrem Funkeln.
Die verschiedenen Bereiche der Schöpfung werden im Folgenden ausdekliniert: Die Himmel sollen Gott loben und preisen. Sie tun es durch ihre Weite und Klarheit. „Himmel“ kann aber auch im Kontext des folgenden Verses auf die unsichtbare Welt bezogen werden: Auch dieser Bereich der Schöpfung soll Gott loben und preisen. Deshalb sollen auch die Engel des Herrn in Vers 59 Gott loben. Das tun sie wirklich. Es ist ihre Dauerbeschäftigung im Himmel und unser angestrebtes Ziel – uns ihnen anzuschließen und gemeinsam mit ihnen Gott unverhüllt zu schauen.
Vers 60 zeigt uns wie schon oft in den Psalmen ein gewisses Weltbild, welchem nach über dem Himmel eine Wasserschicht zu finden ist bzw. die Erde Wasser umgibt: So gebe es ein Urmeer unter der Erde als flachen Scheibe und ein Meer über der Atmosphäre und den Himmelskörpern. Dieses Weltbild ist auch den Babyloniern bekannt, wenn nicht sogar von ihnen überhaupt Israel zugekommen. Auch das Meer über dem Himmel soll Gott loben und preisen. Die Mächte des Herrn sind wiederum eine Bezeichnung für die Engel des Himmels, die hierarchisch einzuteilen sind in die neun Chöre der Engel. Es gibt eine Gruppe von Engeln, die als Mächte bezeichnet werden.
Um den heutigen Abschnitt zusammenzufassen: Die ganze Schöpfung soll Gott loben und preisen – die sichtbare und die unsichtbare Welt. Was die Männer im Feuerofen tun, ist also die Vereinigung des Gotteslobs mit dem der unsichtbaren Welt. Das ist im Grunde eine Vorwegnahme dessen, was wir in der hl. Messe tun und was die Kirche insgesamt ist: eine Gebetsgemeinschaft über den Tod hinaus.

Lk 21
5 Als einige darüber sprachen, dass der Tempel mit schön bearbeiteten Steinen und Weihegeschenken geschmückt sei, sagte Jesus:

6 Es werden Tage kommen, an denen von allem, was ihr hier seht, kein Stein auf dem andern bleibt, der nicht niedergerissen wird.
7 Sie fragten ihn: Meister, wann wird das geschehen und was ist das Zeichen, dass dies geschehen soll?

8 Er antwortete: Gebt Acht, dass man euch nicht irreführt! Denn viele werden unter meinem Namen auftreten und sagen: Ich bin es! und: Die Zeit ist da. – Lauft ihnen nicht nach!
9 Wenn ihr von Kriegen und Unruhen hört, lasst euch nicht erschrecken! Denn das muss als Erstes geschehen; aber das Ende kommt noch nicht sofort.
10 Dann sagte er zu ihnen: Volk wird sich gegen Volk und Reich gegen Reich erheben.
11 Es wird gewaltige Erdbeben und an vielen Orten Seuchen und Hungersnöte geben; schreckliche Dinge werden geschehen und am Himmel wird man gewaltige Zeichen sehen.

Jesus und seine Jünger bewegen sich durchs Tempelareal und man hört staunende Menschen über den prächtigen Bau. Man muss wirklich sagen, dass der Herodianische Tempel alle bisherigen Vorgänger in den Schatten gestellt hat. Die Verarbeitung, die Ausweitung, der Prunk durch die vielen Weihegeschenke.
Doch dies nimmt Jesus zum Anlass die Zerstörung des Tempels anzukündigen. Nicht ein Stein wird auf dem andern bleiben. Was er meint, ist die Zerstörung durch die Römer. Das kommt uns sehr bekannt vor, wenn wir an Daniel denken! Die Römer sind ein eisernes Reich, das die anderen zermalmen wird. Und doch ist es ein Reich, das keinen Bestand haben kann, weil es geteilt ist. Und dann kommt er, der rollende Stein, der alle irdischen Reiche in Staub zerfallen lässt – Staub bist du und zu Staub kehrst du zurück. Anders kann es dem Menschen gegenüber Gott auch nicht ergehen. Wer kann sich mit diesem messen?
Das ist der wörtliche Sinn der Ankündigung Jesu ist also die Zerstörung durch die Römer, doch wir sehen noch tiefer. In diesem Kontext müssen wir die Zerstörung Jerusalems vor allem anagogisch verstehen. In den letzten Zeiten wird kein Stein auf dem anderen bleiben. Das wird eine schmerzhafte Erfahrung, doch nur so kann das neue Jerusalem, errichtet werden, die neue Schöpfung, die Johannes am Ende der Offenbarung schaut. Vor allem wegen dieser anagogischen Bedeutung beginnt Jesus deshalb, über die Zeichen am Ende der Zeiten zu sprechen.
Die Jünger fragen Jesus, ob dieses schreckliche Ereignis sich irgendwie anbahnen wird durch Zeichen. Sie fragen dies, um rechtzeitig vorgewarnt zu werden. Und so beginnt Jesus seine endzeitliche Rede. Was er hier ankündigt, sind die letzten Ereignisse, bevor das Jüngste Gericht kommt.
Bis dahin müssen die Jünger sehr wachsam sein, denn die Verwirrung und Verführung wird groß sein: „Denn viele werden unter meinem Namen auftreten und sagen: Ich bin es! und: Die Zeit ist da.“ Es wird viele falsche Messiasse geben, die falsche Botschaften und falsche Hoffnung bringen. Doch Jesus ist da ganz deutlich: „Lauft ihnen nicht nach!“ In Wirklichkeit handelt es sich bei diesen Menschen um antichristliche Boten. Sie möchten so viele Menschen kurz vor knapp von Gott wegführen. Das ist der eigentliche Kampf, der ausgetragen wird. Es geht um das ewige Leben und darum, dass wir Menschen der Endzeit es nicht erhalten sollen.
Und doch sollen die Jünger damals sowie wir heute keine Angst haben, wenn wir von Kriegen und Unruhen hören – solche, die sich auf die sichtbare sowie solche, die sich auf die unsichtbare Welt beziehen. Das sind die Wehen der Geburt der Endzeit. Es muss sein. Und doch ist das noch nicht das Ende. Jesus spricht in vielen apokalyptischen Bildern, die uns aus dem gesamtbiblischen Zeugnis bekannt sind. Völker führen Krieg gegeneinander, Erdbeben tragen sich zu, Seuchen und Hungersnöte wüten. Ganz besonders spezifisch werden die verrückt spielenden Himmelskörper sein. Wenn das nämlich passiert, wissen die Jünger, dass das Ende unmittelbar bevorsteht. Die Schöpfung, wie sie laut Genesis hervorgegangen ist, wird wieder rückgängig gemacht. Erst dann kann Gott eine neue Schöpfung herbeiführen.
Wenn wir auf unsere heutige Welt schauen, sehen wir bereits viele dieser Zeichen. Das Ende ist wirklich nahe. Besonders bedrohlich ist aber die Verwirrung durch den Widersacher Gottes. Unsere Gesellschaft wird immer antichristlicher und wenn Gott in unserer Zeit zur Sprache kommt, dann in einem verzerrten Licht. Die Verwirrung betrifft aber nicht nur die Welt außerhalb der Kirche, sondern ist schon mitten in ihr angekommen. Die geistliche Schlacht wütet im Herzen der Kirche. Und doch müssen wir keine Angst haben, sondern uns bereit machen. Denn das heißt, dass es bald geschafft ist. Um zurück zu Daniel zu kommen: Das Standbild mit den verschiedenen Edelmetallen ist schon sehr mächtig, aber es kann am Ende nur zu Staub zerfallen durch den Stein Gottes. Und wenn wir auf diesen bauen, sind wir bereits auf der Siegerseite!

Ihre Magstrauss

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