Zweiter Adventssonntag (C)

Bar 5,1-9; Ps 126,1-2b.2c-3.4-5.6; Phil 1,4-6.8-11; Lk 3,1-6

Bar 5
1 Leg ab, Jerusalem, das Kleid deiner Trauer und deines Elends und bekleide dich mit dem Schmuck der Herrlichkeit, die Gott dir für immer verleiht!

2 Leg den Mantel der göttlichen Gerechtigkeit an; setz dir die Krone der Herrlichkeit des Ewigen aufs Haupt!
3 Denn Gott will deinen Glanz dem ganzen Erdkreis unter dem Himmel zeigen.
4 Gott gibt dir für immer den Namen: Friede der Gerechtigkeit und Herrlichkeit der Gottesfurcht.
5 Steh auf, Jerusalem, und steig auf die Höhe! Schau nach Osten und sieh deine Kinder: Vom Untergang der Sonne bis zum Aufgang hat das Wort des Heiligen sie gesammelt. Sie freuen sich, dass Gott an sie gedacht hat.
6 Denn zu Fuß zogen sie fort von dir, / weggetrieben von Feinden; Gott aber bringt sie heim zu dir, / ehrenvoll getragen wie in einer königlichen Sänfte.
7 Denn Gott hat befohlen: Senken sollen sich alle hohen Berge und die ewigen Hügel und heben sollen sich die Täler zu ebenem Land, sodass Israel unter der Herrlichkeit Gottes sicher dahinziehen kann.
8 Wälder und duftende Bäume aller Art spenden Israel Schatten auf Gottes Geheiß.
9 Denn Gott führt Israel heim in Freude, im Licht seiner Herrlichkeit; Erbarmen und Gerechtigkeit kommen von ihm.

Als erste Lesung nehmen wir einen messianischen Text aus dem Buch Baruch in den Blick. Er ist zur Grundlage mehrerer Vertonungen geworden.
Jerusalem wird direkt angesprochen und eine Heilsverheißung formuliert. Die Zeit der Trauer ist vorbei, was uns an die dunkelsten Stunden Israels wie das Babylonische Exil erinnert. Die Deportierten lebten fernab von ihrer Heimat und waren davon überzeugt, dass Gott sie verlassen hat. Sie hatten keine Freude mehr. Auch die Zurückgebliebenen in Jerusalem waren resigniert. Sie weinten über die zerstörte Stadt und den Tempel. Sie saßen auf den Trümmern ihrer Existenz und gingen davon aus, dass Gott sich von ihnen abgewandt hat.
Die ganze Menschheit war in einer solchen Situation, weil sie durch den Sündenfall das Angesicht Gottes nicht schauen durfte. Diese nun verheißene Wende ist also umso mehr ein Grund zur Freude für sie! Die Zeit der Trauer ist vorbei und die Herrlichkeit Gottes erwartet die Menschen! Das Trauergewand soll ausgetauscht werden durch den Mantel der göttlichen Gerechtigkeit. Diesen gibt sich der Mensch nicht selbst, sondern er ist eine Gabe Gottes. Diese Worte können wir einerseits auf das Volk Israel beziehen, das nun nach der Trauer, die eine Zeit der Sühne ist, endlich wieder froh sein kann. Diese neue Phase ist das Ergebnis des Läuterungsprozesses, denn sie dürfen einen Mantel der Gerechtigkeit anlegen. Das dürfen wir in den gesamten Kontext der Heilsgeschichte einordnen und allegorisch betrachten: Nach dieser Zeit der Trauer über die Sünde dürfen sich die Menschen nun freuen. Gott ist in Begriff, die Menschheit zu erlösen und allen Menschen die Gerechtigkeit zu schenken, die sie aus eigener Kraft nicht erlangen können! Das führen wir sakramental weiter, denn diese Erlösung nehmen wir in der Taufe an und nicht umsonst wird diese so verstanden, dass wir Christus anziehen! In der Johannesoffenbarung wird es so ausgedrückt, dass die Menschen ihre Gewänder im Blut des Lammes reingewaschen haben. Diese sind der „Mantel der göttlichen Gerechtigkeit“, von dem hier die Rede ist.
Was Johannes auch schaut, sind Kronen oder Kränze auf den Häuptern als Ehrengabe und Zeichen des Sieges ganz wie bei Siegerehrungen antiker Sportveranstaltungen. Diese Siegeskrone erwartet jeden Menschen, der sich bis zum Schluss bewährt hat. Auch anagogisch können wir diese Worte Baruchs also verstehen. Insbesondere die Offenbarung des Glanzes vor der ganzen Welt ist etwas, das uns am Ende unserer Tage erwartet. Dann wird die Heiligkeit der Kinder Gottes allen offenbar werden. Schon im Wortsinn geschieht das im übertragenen Sinne, wenn Gott nämlich das Volk Israel aus den verschiedenen Fremdherrschaften befreit und die umliegenden Völker ihren Gott anerkennen. Sie selbst werden als besonderes Volk wahrgenommen, ihr „Glanz“ schon ansatzhaft sichtbar. Das volle Potenzial wird aber erst am Ende der Zeiten offenbar.
Gott verleiht einen neuen Namen, was ebenfalls anagogisch zu deuten ist, wenn wir an die Johannesoffenbarung mit den Sendschreiben denken. Auch da heißt es, dass Gott einen Namen verleihen wird. Dies geschieht aber schon vorher, nämlich bei der Taufe, weshalb wir diese Aussage schon sakramental-ekklesiologisch auslegen können. Wir erhalten von Gott einen Namen, wenn wir getauft werden. Es ist eine Neugeburt im hl. Geist und somit auch mit einer Namensgebung verbunden. Wir erhalten mit der Namensgebung einen Namenspatron, der sich durch Heiligkeit ausgezeichnet hat – Gerechtigkeit und Gottesfurcht, von der es in Baruch heißt, ganz erfüllt waren. Gott wird sein Volk heiligen. Das geschieht schon im Alten Bund, das geschieht aber auch im Neuen Bund durch die Taufe, in der wir geheiligt sind zu einer Priesterschaft, einem hierateuma. Das Volk Israel erhält aber auch aus einem anderen Grund die neuen Namen: weil aus ihm der Messias hervorgehen wird, der Friede der Gerechtigkeit in Person. Er bringt den wahren Schalom als Friedensfürst. Er ist der wahre Hohepriester, der voller Gottesfurcht ist. Er wird in Macht und Herrlichkeit wiederkommen am Ende der Zeiten.
Jerusalem soll aufstehen, in erster Linie aus der Hoffnungslosigkeit und Resignation. Der Messias kommt! Es gibt endlich wieder Hoffnung! Jerusalem soll aber auch aufstehen aus dem Fall in Sünde. Es soll umkehren und sich bereit machen für das Heil, das von Gott kommt. Die ganze Menschheit soll aufstehen aus dem Zustand nach dem Sündenfall. Es soll umkehren und sich vorbereiten auf die Erlösung. Das Steigen in die Höhe meint im Wortsinn das Besteigen des heiligen Bergs für die besondere Gottesbegegnung. Der hier angesprochene Berg betrifft den Zion, auf dem die hl. Stadt errichtet ist und Gottes Herrlichkeit im Tempel wohnt. Es wird in der prophetischen Literatur immer wieder anagogisch verstanden als die Ankündigung einer eschatologischen Völkerwallfahrt zum himmlischen Zion Gottes. Dies wird auch deutlich von der Universalität der Herkunft aller, die zum Berg kommen. Wir dürfen es aber auch wieder anagogisch betrachten als ein Aufruf zur Umkehr und Pilgerschaft zum Zion der Kirche. Wir gehen auf Weihnachten zu und sollen uns neu besinnen auf den Herrn, uns vorbereiten und ihm entgegen gehen.
Fortgegangen sind die Leute von Jerusalem und kommen zurück. Das ist ein Hinweis auf die Verschleppung nach Babylon und die vielen anderen Formen von Vertreibung, die eine Diaspora erzeugt haben. Gott führt sein Volk in Ehren zurück. Er ist es, der der Menschheit wieder Ehre verleiht, die sie durch den Sündenfall verloren hat. Er bringt jene heim, die dazu berufen sind, in der himmlischen Heimat mit ihm vereint zu sein. Wir erlangen dies durch die Taufe. Gott ist es, der jene, die unehrenhaft aus dem Stand der Gnade entlassen wurden und wieder zu ihm umgekehrt sind, wiederhergestellt werden als Erben in seinem Reich.
Er wird dies auch am Ende der Zeiten tun, denn wie es schon in Ps 23 heißt und in der Johannesoffenbarung aufgegriffen wird, wird uns der Herr Trost von allen Leiden sowie Schatten von der glühenden Hitze der irdischen Bedrängnis spenden. Gott möchte Freude schenken. Wenn er an Weihnachten Mensch wird, kann die ganze Schöpfung jubeln und in Freude ausbrechen, denn endlich ist das Heil gekommen.

Ps 126
1 Ein Wallfahrtslied. Als der HERR das Geschick Zions wendete, da waren wir wie Träumende.
2 Da füllte sich unser Mund mit Lachen und unsere Zunge mit Jubel. Da sagte man unter den Völkern: Groß hat der HERR an ihnen gehandelt!
3 Ja, groß hat der HERR an uns gehandelt. Da waren wir voll Freude.
4 Wende doch, HERR, unser Geschick wie die Bäche im Südland!
5 Die mit Tränen säen, werden mit Jubel ernten.
6 Sie gehen, ja gehen und weinen und tragen zur Aussaat den Samen. Sie kommen, ja kommen mit Jubel und bringen ihre Garben.

Als Antwort auf die Lesung beten wir einen Wallfahrtspsalm. Er thematisiert u.a. den Beistand und die Rettung Gottes aus der Not.
Das „Geschick Zions“, das sich gewendet hat, ist die Not Israels, aus der Gott sein Volk geführt hat. Dies ist besonders eindrücklich mit dem Auszug aus Ägypten deutlich geworden sowie mit der Rückführung der Deportierten aus dem Babylonischen Exil zurück in die Heimat.
Die Leidenden, die endlich das Ende ihrer langen Leidensgeschichte schauen dürfen, sind wie Träumende, weil es kaum zu fassen ist. Kann diese unglaubliche Wende wirklich wahr sein? Diese Wende feiern wir an Weihnachten und jetzt in der Adventszeit wollen wir uns wieder darauf vorbereiten.
Gottes Heilstaten erfüllen das Volk mit Lachen und Jubel. Gott ist es, der den Menschen wirklich glücklich machen kann. Freude ist eine Frucht des Hl. Geistes. Sogar die umliegenden Völker müssen zugeben, dass JHWH allmächtig ist. Wir dürfen diese Worte auf alle Getauften beziehen, die durch das Sakrament der Taufe aus dem Exil ihres Lebens die Chance auf die Rückkehr ins Paradies erhalten haben. Nach so langer Zeit ist der Menschheit wieder die Hoffnung geschenkt worden, nach dem Tod bei Gott sein zu dürfen. Wir, die wir Jesus in der Eucharistie schauen dürfen, sind wie Träumende. Ist das wirklich wahr, dass Gott sich so klein macht, dass wir ihn in einer Hostie sehen und ihn in uns aufnehmen dürfen? Das muss doch ein Traum sein, so schön ist das! Es ist in jeder Messe ein wahrliches Weihnachtserlebnis – und das Wort ist Fleisch geworden und hat unter uns gewohnt!
Doch es ist noch nicht der Himmel. Das Leiden geht weiter. Wir waren voll Freude bei unserer Taufe und sind es immer wieder, wenn wir dem Herrn in der Eucharistie begegnen, doch dann kommt der Alltag mit den Sorgen und Problemen, vor allem mit den Anfechtungen. Die Anfangseuphorie der Taufe verschwindet sehr schnell, wenn es um das nackte Überleben der Seele geht. Und dann ruft der Mensch nach Gottes Gnade und Beistand. Möge er doch wie damals das Geschick des Menschen wenden, denn dieses Leben bringt auch weiterhin Tränen. Das betrifft Israel, das ins verheißene Land kommt und allerlei Schwierigkeiten hat, sich zu etablieren. Das betrifft Israel auch nach der Rückkehr aus dem Exil. Wie schwer war es doch für die Israeliten, den Tempel wieder aufzubauen, die Städte wieder bewohnbar zu machen und wieder Erträge auf den Feldern zu erzielen! Der Weg dorthin war sehr steinig und das betrifft auch die Jünger Jesu. Nicht lange nach dem freudigen Pfingstereignis kamen die ersten Widerstände, als Petrus und Johannes im Tempel einen Mann geheilt haben. Sofort mussten die Apostel mit Verfolgungen und Angriffen, Feindseligkeiten und Verleumdungen umgehen. Für sie war das ganze restliche Leben ein steiniger Weg. Wie viele Tränen haben sie vergossen! Und auch für jeden Getauften bis heute ist es ein einziger Kreuzweg. Niemand hat gesagt, dass mit der Taufe alles himmlisch auf Erden ist. Dann beginnt der steinige und steile Anstieg zum Himmelreich erst so richtig! Wie sehr wird der Christ versucht, angegriffen, angefeindet von anderen Menschen, verleumdet sogar von den eigenen Familienmitgliedern und Freunden. Dieses Leben ist ein einziges Tal der Tränen, solange Gottlosigkeit herrscht. Doch wir leben in der Sehnsucht nach dem Ende der Zeiten, bei dem Gott einen neuen Himmel und eine neue Erde schaffen wird. Wir sind in einem zweiten Advent und warten auf die Wiederkunft Christi. Wir leben auf die Ewigkeit hin, die uns nach unserem irdischen Tod erwartet. Dann wird Gott die Tränen abwischen und ewige Freude schenken.

Phil 1
4 immer, wenn ich für euch alle bete, bete ich mit Freude.
5 Ich danke für eure Gemeinschaft im Dienst am Evangelium vom ersten Tag an bis jetzt.
6 Ich vertraue darauf, dass er, der bei euch das gute Werk begonnen hat, es auch vollenden wird bis zum Tag Christi Jesu.
8 Denn Gott ist mein Zeuge, wie ich mich nach euch allen sehne im Erbarmen Christi Jesu.
9 Und ich bete darum, dass eure Liebe immer noch reicher an Einsicht und jedem Verständnis wird,
10 damit ihr beurteilen könnt, worauf es ankommt. Dann werdet ihr rein und ohne Tadel sein für den Tag Christi,
11 erfüllt mit der Frucht der Gerechtigkeit, die durch Jesus Christus kommt, zur Ehre und zum Lob Gottes.

Als zweite Lesung hören wir heute einen Abschnitt aus dem Philipperbrief. Es handelt sich dabei um den am persönlichsten geschriebenen Paulusbrief. Paulus schrieb ihn in der Gefangenschaft in Rom, was uns immer wieder durch Anspielungen und Aussagen verdeutlicht wird. Philippi war die erste paulinische Gemeinde auf europäischem Boden, die er im Kontext der zweiten Missionsreise gegründet hat. Sein Aufenthalt wurde jäh unterbrochen, denn er wurde zusammen mit Silas ins Gefängnis geworfen. Dort sind spektakuläre Dinge geschehen, wie uns die Apostelgeschichte in Kapitel 16 berichtet. Auch wenn Paulus sein Wirken nicht auf gewünschte Weise zuende führen konnte, ist aus den Philippern eine lebendige Christengemeinde geworden. Gottes Umwege durch die Verhaftung sind zu Wegen des Heils geworden! Die Philipper haben gleich zu Anfang ihre Bewährungsprobe erhalten und bestanden. Und aus dem Brief an eben jene Christen hören wir heute den Briefanfang.
Vers 4 ist Teil des sogenannten Proömiums, einer Einleitung des Briefes mit lobpreisenden Aussagen. Ganz typisch beginnt dieser Abschnitt mit der Wendung „ich danke Gott“ (Vers 3). Wenn Paulus für die Philipper betet, tut er es in Freude, denn diese beruht auf der unerschütterlichen Osterhoffnung, die ihm ins Herz gegeben ist so wie jedem Getauften. Selbst wenn er im Gefängnis sitzt, hat er die Kraft, Gott zu loben und zu preisen. Selbst wenn die Christen bedrängt und um des Glaubens willen verfolgt werden, haben sie dennoch diese Freude im Herzen, die die emotionale Ebene übersteigt. Es ist die tiefe Gewissheit, dass am Ende Gottes Heil steht und nicht der Widersacher Gottes, der die vorletzte Zeit beherrscht.
Die Philipper sind wirklich standhaft haben sich bei der ersten Bewährungsprobe sofort gut angestellt. Paulus ist ihnen ja sehr schnell entrissen worden, doch sie waren von Anfang an bis zu jenem Tag dem Dienst am Evangelium treu.
Wenn sie sich schon in den schweren Anfängen so bewährt haben, so hofft Paulus, werden sie auch standhalten bis zum Ende der Zeiten, was mit „Tag Christi“ gemeint ist. Es ist der Tag, an dem er wiederkommen wird in Herrlichkeit. Der Advent, den er im Blick hat, ist bereits der zweite. Die Naherwartung dieser Wiederkunft ist zu jener Zeit sehr stark.
Er betet darum, dass ihre Liebe noch stärker werde und dass sie im Verständnis wachsen. Je näher die Welt dem Ende zugeht, sollen die Christen sich auf das Wesentliche konzentrieren. Der Ballast muss von Bord gehen, denn je näher das Weltende kommt, desto stärker werden die Stürme. Wenn das Schiff vor dem Untergang gerettet werden soll, muss alles Unnötige über Bord geworfen werden.
Das betrifft die Christengemeinde als Ganze, das betrifft aber auch jeden einzelnen Christen und dessen Herz. Das ist der Weg der Vollkommenheit, den Paulus mit den Attributen „rein“ und „ohne Tadel“ umschreibt. Das ist der Weg des Wachsens in Heiligkeit und auch unser Weg verstärkt in der Adventszeit.
Er ermutigt sie also dazu, in Tugenden zu wachsen, an sich zu arbeiten und mit der Frucht der Gerechtigkeit, die von Christus kommt, ihn dann bei seinem Kommen zu begrüßen. Paulus‘ Worte sind sehr aktuell und gelten auch uns. Wir sollen angesichts des nahenden Weltendes und auch mit Blick auf unser eigenes Lebensende schauen, was wir über Bord werfen sollen, den Ballast abstreifen, der uns daran hindert, durch die enge Tür zu treten, die Christus ist. Wir sollen in Heiligkeit wachsen und immer vollkommener werden, damit wir am Ende wahrlich die Braut sind, die sich für ihren Mann geschmückt hat, die die Hochzeit antreten kann in reinem weißen Leinen, das die gerechten Taten der Heiligen bildet (Offb 19,8). Was wir in der zweiten Lesung hören, ist die moralische Ausfaltung des „Steh auf“ und „steige in die Höhe“ der ersten Lesung.

Lk 3
1 Es war im fünfzehnten Jahr der Regierung des Kaisers Tiberius; Pontius Pilatus war Statthalter von Judäa, Herodes Tetrarch von Galiläa, sein Bruder Philippus Tetrarch von Ituräa und der Trachonitis, Lysanias Tetrarch von Abilene;

2 Hohepriester waren Hannas und Kajaphas. Da erging in der Wüste das Wort Gottes an Johannes, den Sohn des Zacharias.
3 Und er zog in die Gegend am Jordan und verkündete dort überall die Taufe der Umkehr zur Vergebung der Sünden,
4 wie im Buch der Reden des Propheten Jesaja geschrieben steht: Stimme eines Rufers in der Wüste: / Bereitet den Weg des Herrn! / Macht gerade seine Straßen!
5 Jede Schlucht soll aufgefüllt / und jeder Berg und Hügel abgetragen werden. Was krumm ist, soll gerade, / was uneben ist, soll zum ebenen Weg werden.
6 Und alle Menschen werden das Heil Gottes schauen.

Im Evangelium hören wir nun vom Beginn des Wirkens Johannes‘ des Täufers. Lukas schreibt sein Evangelium mit dem Selbstverständnis eines Geschichtsschreibers. Bei den einschneidenden Ereignissen bettet er alles immer in den historischen Kontext ein. Deshalb hören wir davon, wann Johannes der Täufer, der letzte und größte aller Propheten, der unmittelbare Vorläufer Christi, der ihn mit eigenen Augen sehen durfte und sogar mit ihm verwandt ist, sein Wirken beginnt. Ganz in der Sprache der Prophetie ergeht das Wort Gottes an Johannes, den Sohn des Zacharias. Das geschieht im fünfzehnten Regierungsjahr Kaisers Tiberius. Es werden auch der Statthalter Pilatus und die Tetrarchen des Hl. Landes genannt: von Galiläa, Ituräa und der Trachonitis sowie Abilene. Auch die religiöse Elite wird angegeben, da sie auch für den Fortlauf der Geschichte sehr wichtig werden wird.
Ganz auf der Linie der bisherigen Prophetie und auch der Ankündigungen im Alten Testament zieht Johannes in die Jordangegend, um eine Bußpredigt zu beginnen. Als Geste der Umkehr nimmt er eine Taufe vor, die noch keine sakramentale Handlung darstellt. Es ist vielmehr ein Zeichen der Vorbereitung auf den Messias.
Er ruft mit den Worten Jesajas aus Kapitel 40 zur Umkehr, wodurch den frommen Juden deutlich wird, dass sich das Schriftwort mit ihm erfüllt. Er ist wahrlich die Stimme, die in der Wüste ruft – es geht vor allem um die heilsgeschichtliche Wüste des Volkes, das außerhalb des gebotenen Landes der innigen Gemeinschaft mit Gott umherirrt und auf Erlösung wartet. Es ist der Mensch, der nach Erlösung lechzt, die ihm in der Taufe geschenkt wird. Es ist der Mensch, der durch seine Sünde in der Wüste umherirrt, bis er wiederhergestellt wird durch die Vergebung Gottes in der Beichte. Es ist aber auch der Mensch, der sich bewusst in die Wüste begibt, um in der Entsagung und der Einsamkeit Gottes Begegnung sucht, gereinigt und bereitet für ihn. Es ist die ganze Menschheit, die nach der Erlösung Gottes in der Wüste der irdischen Bedrängnis ruft und dem Ende der Zeiten entgegengeht.
Wir erkennen nicht nur eine Verbindung zu Jesaja, sondern auch zum Baruchbuch. Auch dort heißt es, dass Berge und Hügel sich senken sollen. Johannes‘ Botschaft lautet: Wer zum „heiligen Berg“ gehören will, von dem wir auch in der ersten Lesung gehört haben, muss Buße tun. So verwendet er die Jesaja-Bilder, vor allem die Wegmetapher: Bereitet dem Herrn den Weg. Das ist eine absolut ethische Aussage, denn die Wegmetapher wird in der biblischen Tradition stets auf das ethische Verhalten des Menschen bezogen. Denn es heißt ja in Jesaja, dass man bei Gott nichts Böses tun wird. Und auch bei Baruch wird deutlich, dass sich die Heiligen dort versammeln.
So wie sich die Menschen auf das Kommen des Messias vorbereiten, damit sie am Ende das Heil Gottes schauen können, so sollen auch wir uns vorbereiten auf das Kommen des Herrn – auf sein Kommen zu Weihnachten, aber auch am Ende der Zeiten. Jeder von uns muss geläutert werden, denn nur Heiliges hat Platz im Angesicht Gottes. Nutzen wir diese besondere Gnadenzeit wieder dafür und seien wir voller Vorfreude! Gottes Heil und seine Gegenwart sind ein einziger Grund zur Freude.

Ihre Magstrauss

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