Samstag der 7. Woche im Jahreskreis

Jak 5,13-20; Ps 141,1-2.3 u. 8; Mk 10,13-16

Jak 5
13 Ist einer von euch bedrückt? Dann soll er beten. Ist jemand guten Mutes? Dann soll er ein Loblied singen.

14 Ist einer unter euch krank, dann rufe er die Ältesten der Gemeinde zu sich; sie sollen Gebete über ihn sprechen und ihn im Namen des Herrn mit Öl salben.
15 Das gläubige Gebet wird den Kranken retten und der Herr wird ihn aufrichten; und wenn er Sünden begangen hat, werden sie ihm vergeben.
16 Darum bekennt einander eure Sünden und betet füreinander, damit ihr geheilt werdet! Viel vermag das inständige Gebet eines Gerechten.
17 Elija war ein Mensch wie wir; er betete inständig, es solle nicht regnen, und es regnete drei Jahre und sechs Monate nicht auf der Erde.
18 Und wiederum betete er; da gab der Himmel Regen und die Erde brachte ihre Früchte hervor.
19 Meine Brüder und Schwestern, wenn einer unter euch von der Wahrheit abirrt und jemand ihn zur Umkehr bewegt,

20 dann soll er wissen: Wer einen Sünder, der auf einem Irrweg ist, zur Umkehr bewegt, rettet ihn vor dem Tod und deckt viele Sünden zu.

Heute hören wir in der Lesung von der Macht des Gebets und davon, dass wir füreinander seelische Verantwortung tragen sollen.
Für jede Lebenslage gibt es eine Form von Gebet. In einer Notlage soll man beten, in guten Zeiten Gott loben. Das Gebet ist so wirkmächtig, dass man im Namen des Herrn Menschen in Krankheit helfen kann. Was wir hier hören, ist ein Beleg für das Sakrament der Krankensalbung. Es dient der Rettung des Kranken, sub conditione Jacobaea „wenn Gott will“. Es geht aber auch um die innere Stärkung des Menschen, denn „der Herr wird ihn aufrichten“. Ihm werden die Sünden vergeben. Bei der Spendung der Krankensalbung wird bis heute im Falle des sich bei Bewusstsein befindenden Kranken zumeist eine Beichte vorgeschaltet und nach der eigentlichen sakramentalen Handlung die Kommunion gespendet. Es heißt nämlich, dass nur der die Krankensalbung empfangen kann, der mindestens eine unvollkommene Reue aufweist und nicht hartnäckig in schwerer Sünde verharrt. Im Falle des nicht mehr zur Beichte fähigen Kranken bewirkt die Krankensalbung an sich die vollkommene Sündenvergebung. Die Krankensalbung wird von den Ältesten vollzogen, ist also eine priesterliche Handlung.
Dass wir einander die Sünden bekennen sollen und nicht einfach direkt bei Gott, wird in Vers 16 ausgesagt und deckt sich mit Jesu Bevollmächtigung, als er seine Jünger anhaucht und ihnen den hl. Geist zusagt. Daraufhin sagt er ihnen, dass wem sie die Sünden vergeben und zurückbehalten, die Sünden vergeben oder zurückbehalten werden.
Dann kommt ein wichtiger Nachsatz, den wir sehr verinnerlichen müssen: Viel vermag das inständige Gebet eines Gerechten. Wer im Stand der Gnade ist, ist absolut offen für Gottes Wirken, weicher und geschmeidiger Ton in der Hand des Töpfers. Wer auf diese Weise etwas vertrauensvoll beim Vater erbittet, wird es erhalten. Jesus hat es bereits zugesagt. Je gerechter der Mensch, desto weiter ist der „Kanal“ und desto wirkungsvoller ist das Gebet. Das betrifft nicht nur ihn selbst, sondern auch die Mitmenschen, die ihn um sein Gebet bitten. Es heißt ja ausdrücklich, dass die Christen füreinander beten sollen. Der springende Punkt: Das ist der Grund, warum wir Katholiken die Fürsprache Mariens so sehr schätzen. Sie ist die mächtigste Fürsprecherin, weil sie ohne Sünde ist. Sie ist so offen für das Wirken Gottes, dass er sogar bereit war, in ihr Fleisch anzunehmen. Jesus hat seiner Mutter bei der Hochzeit zu Kana den Wunsch nicht abgeschlagen, für Wein zu sorgen, obwohl seine Zeit nicht gekommen war. So wirkungsvoll ist das Gebet dieser Gerechten!
Als Beispiel im Jakobusbrief wird eine alttestamentliche Gestalt herangezogen. Das ist sehr logisch, bedenkt man, dass er sich vornehmlich an Judenchristen richtet, die ganz vom Alten Testament her gedacht haben. Elijas Gebet war derart wirkungsvoll, dass er das Wetter beeinflussen konnte. Durch sein Gebet verschloss der Himmel sich und regnete erst Wasser herab, als er darum bat.
Zum Ende hin erwähnt Jakobus noch das Thema der brüderlichen Zurechtweisung so wie Jesus in Mt 18. Er spricht nicht so detailliert von der Verfahrensweise wie Jesus, aber dafür über die Bedeutung eines bekehrten Sünders: Wenn man dafür gesorgt hat, dass ein Sünder sich bekehrt, hat man ihm das Leben gerettet – das ewige Leben. Man hat Anteil daran, dass viele Sünden zugedeckt werden. An anderer Stelle lesen wir in der hl. Schrift, dass die Liebe viele Sünden zudeckt (Spr 10,12). Mit anderen Worten: Brüderliche Zurechtweisung ist eine Liebestat, ein Akt der Barmherzigkeit. Man könnte auch sagen, dass es sich um seelische Zivilcourage handelt.

Ps 141
1 Ein Psalm Davids. HERR, ich habe dich gerufen, eile mir zu Hilfe! Höre auf meine Stimme, wenn ich zu dir rufe!
2 Mein Bittgebet sei ein Räucheropfer vor deinem Angesicht, ein Abendopfer das Erheben meiner Hände.
3 HERR, stelle eine Wache vor meinen Mund, behüte das Tor meiner Lippen!
8 Doch auf dich, GOTT und Herr, richten sich meine Augen, bei dir habe ich mich geborgen, gieße nicht aus mein Leben!

Als Antwort beten wir ein Klagelied des Einzelnen. In diesem setzt David das um, von dem wir zu Beginn der Lesung gehört haben: Er bittet den Herrn um Rettung in der Notlage. Gott soll ihm zu Hilfe eilen, auf seine Stimme rufen, also sein Gebet erhören. David ist wirklich sehr vertrauensvoll in seiner Gottesbeziehung. Er hat so vertraut mit Gott im Allerheiligsten gesprochen wie kaum ein anderer. Seine Frömmigkeit ist unvergleichlich. Zugleich lernen wir durch ihn, dass auch die Klage und das Bittgebet Opfer sind, geistige Liebesopfer, die man dem Herrn darbringt. So formuliert David, dass sein Bittgebet Räucheropfer und Abendopfer seien. Aus Ex 29 und Num 28 sind uns Morgen- und Abendopfer als eine Kombination von Brand-, Speise- und Trankopfer bekannt. Zur Zeit Davids ist ein Wandel in der Opferpraxis Israels im Gange. Die bis dahin dominierenden Opfer waren Brand- und Sündopfer. Mit David gewann die Todah, das Dankopfer, immer mehr an Bedeutung und die geistigen und unblutigen Opfer wurden immer wichtiger. Dass er also das Bittgebet und das Erheben der Hände im Lobpreis als Opferhandlung bezeichnet, ist also kein Wunder.
Davids Bitte um eine Wache für seinen Mund, ist einerseits zu verstehen als eine Reinigung seiner Worte. Er weiht seinen Mund dem Herrn, auf dass über seine Lippen nur gute Worte und Lobpreis kommt. Das wird im Vers darauf deutlich, den wir heute nicht beten. Dort ist nämlich die Rede vom Herzen, das sich nicht der bösen Sache neigen soll. Der Herr bewahre David vor der Sünde, deren Weg über Herz und Mund verläuft. Der Mund ist aber noch für eine andere Sache zu bewachen, nämlich was die Nahrung anbelangt. Zwar bildhaft, doch in einer vertrauten Metapher, spricht David von den Leckerbissen der Übeltäter, von denen er nicht kosten wird. Auch an dieser Stelle wird etwas in eine kultische Sprache gekleidet, was ursprünglich nicht kultisch ist, ja vielmehr ethisch.
Die Leseordnung sieht sodann Vers 8 vor, nachdem die weiteren Verse dazwischen aus drastischen Klageworten bestehen. Es handelt sich in Vers 8 um eine Vertrauensbekundung und Treuezusage Davids. Er schaut in dieser Notlage auf den Herrn, bei dem er sich geborgen weiß. Er achtet auf nichts anderes und bittet davon ausgehend um Rettung. Gott möge sein Leben nicht verloren gehen, was mit „gieße nicht aus mein Leben“ umschrieben wird.
Wir wissen, wie das Leben Davids ausgegangen ist und wie oft er Gottes Beistand in Notlage und sogar Todesgefahr erfahren hat. Gott hat sein Leben zu keinem Zeitpunkt ausgegossen. Nehmen wir uns das Beispiel Davids zu Herzen. Wir müssen mit derselben Glaubenskraft und mit demselben Vertrauen Gott um alles bitten. Er wird auch unsere Gebete erhören. Wir müssen für unseren Teil aber wirklich verstehen, welche Waffe wir mit dem Gebet in Händen halten und unser ganzes Leben in einer Gebetshaltung führen, ob in Lobpreis, Bitte oder Dank.

Mk 10
13 Da brachte man Kinder zu ihm, damit er sie berühre. Die Jünger aber wiesen die Leute zurecht.
14 Als Jesus das sah, wurde er unwillig und sagte zu ihnen: Lasst die Kinder zu mir kommen; hindert sie nicht daran! Denn solchen wie ihnen gehört das Reich Gottes.
15 Amen, ich sage euch: Wer das Reich Gottes nicht so annimmt wie ein Kind, der wird nicht hineinkommen.
16 Und er nahm die Kinder in seine Arme; dann legte er ihnen die Hände auf und segnete sie.

Im Evangelium hören wir nun einen Aspekt, der ebenfalls zum Thema vertrauensvolles Gebet passt: Es kommen Menschen mit ihren Kindern zu Jesus in der Hoffnung, dass dieser ihnen die Hände auflege und sie segne. Jesu Jünger reagieren verärgert und möchten die Menschen daran hindern. Jesus entgegnet jedoch: „Lasst die Kinder zu mir kommen; hindert sie nicht daran!“ Der Grund ist entscheidend, denn in dieser Episode werden uns die Kinder zum Vorbild: „Denn solchen wie ihnen gehört das Reich Gottes.“ Welche Eigenschaften besitzen Kinder, die sie zu Vorbildern machen und sogar zu Voraussetzung für das Reich Gottes?
Kinder sind frei. Sie sorgen sich nicht darum, was andere über sie denken, sondern sind einfach sie selbst. Diese Haltung kommt der Demut sehr nahe. So sollen wir uns im Lichte Gottes sehen, wie wir sind und auch diese innere Freiheit eines Kindes im Umgang mit anderen Menschen haben. Kinder sind immerzu bedürftig. Sie selbst haben keinen Reichtum, sondern empfangen alles von ihren Eltern. Sie sind in diesem Sinne arm. So sollen auch wir alles vom Vater erwarten, der uns mit allem ausstattet, was wir in unserem Leben brauchen. Es ist die Haltung, mit leeren Händen zum Vater kommen zu können. Wie soll uns der Herr reich beschenken, wenn wir meinen, schon alles zu haben?
Kinder haben ein großes Vertrauen zu ihren Eltern. Sie können sich im Wissen, dass ihre Eltern sich um sie kümmern, schlafen legen und sich ganz fallen lassen. Sie machen sich keine Gedanken, wie das Essen auf den Tisch kommt oder wann die Steuererklärung gemacht werden muss. Sie können sich ganz in ihrer kindlichen Weltsicht bewegen und spielen. So sollen auch wir uns keine Gedanken machen, was wir essen sollen, was wir anziehen sollen, weil der Vater im Himmel für alles sorgt. Das ist etwas zugespitzt, denn ganz so kindlich können wir als Erwachsene nicht durchs Leben gehen. Doch es geht um die grundsätzliche Haltung. Demut, Armut, Vertrauen. Wenn wir uns diese Eigenschaften nicht auch in Bezug zum himmlischen Vater aneignen, können wir das Reich Gottes nicht schauen. Was Jesus vorbereitet und dann stiften wird, ist der Neue Bund, der eine ganz besondere Gotteskindschaft bringen wird.
Kinder werden im Alten Israel gering geachtet. Deshalb möchten die Jünger auch nicht, dass die Menschen ihre Kinder zur Segnung bringen. Doch Jesus möchte die Menschen dafür sensibilisieren, dass im Reich Gottes ganz andere Prioritätensetzungen vorherrschen. Dort wird nicht mehr vom Wert her unterschieden. Jeder Mensch ist vor Gott ein kostbarer Schatz. Es entscheidet sich alles am Kind, so sagt es auch Kardinal Sarah in seinem Buch über die Ehe-Exerzitien. Gott schätzt das Kind so sehr, dass er bereit war, selbst eins zu werden.

In Bezug auf das Gebet ist die kindliche Haltung genau der springende Punkt: David hat ganz vertraut mit Gott im Tempel gesprochen, als ob er zu seinem Vater kam, um sich auf seinen Schoß zu setzen und ihm von seinem Tag zu erzählen. Jakobus sagt, dass wir in jeder Lebenslage im Gebet sein sollen, in einer Vertrautheit mit dem himmlischen Vater als sein Kind. Üben wir uns darin ein, wie Kinder zu sein besonders im Gebet. Wir werden überrascht sein, was der Herr uns schenken wird, wenn wir in der richtigen Haltung und mit der richtigen Disposition frei von Sünde alles vom Vater erbitten. Er wird es uns geben, manchmal zu einem anderen Zeitpunkt, manchmal auf eine andere Art und Weise, als wir erwarten. Aber er wird uns immer antworten.

Ihre Magstrauss

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