Hochfest der ohne Erbsünde empfangenen Jungfrau und Gottesmutter Maria

Heute ist mitten im Advent ein Hochfest, das viele recht rätselhaft finden: das Hochfest der ohne Erbsünde empfangenen Jungfrau und Gottesmutter Maria. Vielen stellt sich die Frage, was Erbsünde ist und wie Maria gleichzeitig Jungfrau und Gottesmutter sein kann.

Was feiern wir konkret heute?

Es hat nichts mit der Jungfrauengeburt zu tun, nichts mit der Empfängnis Jesu im Leib Mariens durch den hl. Geist, denn dafür gibt es ein anderes Hochfest, das wir logischerweise neun Monate vor Weihnachten feiern: das Hochfest der Verkündigung des Herrn am 25. März. Wir feiern heute dagegen, dass Maria neun Monate vor ihrem Geburtstag von ihrer Mutter Anna empfangen wurde und in diesem Moment bereits von dem innerlichen Knacks bewahrt war, unter dem jeder Mensch leidet. Der Geburtstag Mariens ist der 9. September. Vom Moment der Zeugung an ist es sonst bei jedem Menschen so, dass er das Erbe der Ursünde des ersten Menschenpaares sowie dessen unheilvolle Folgen „erbt“, nicht in dem üblichen Sinne, sondern vielmehr geistig. Der Mensch ist von seiner Natur her verzerrt, seine ursprünglich gut geschaffene Ordnung ist durcheinandergeraten, weshalb sein Wille nicht mehr Herr über Emotionen, Vernunft etc. ist. Der Mensch ist vor allem durch diese zerbrochene Natur nicht mehr voll liebesfähig, obwohl er Abbild Gottes bleibt, der die Liebe ist. Manfred Hauke sagte zu mir in einem Gespräch: Die Erbsünde ist die abhanden gekommene volle Freundschaft mit Gott. Im Katechismus der Katholischen Kirche heißt es über die Erbsünde:

400 Die Harmonie, die sie der ursprünglichen Gerechtigkeit verdankten, ist zerstört; die Herrschaft der geistigen Fähigkeiten der Seele über den Körper ist gebrochen [Vgl. Gen 3,7.] die Einheit zwischen Mann und Frau ist Spannungen unterworfen [Vgl. Gen 3,11-13.]ihre Beziehungen sind gezeichnet durch Begierde und Herrschsucht. Auch die Harmonie mit der Schöpfung ist zerbrochen: die sichtbare Schöpfung ist dem Menschen fremd und feindlich geworden [Vgl. Gen 3,17.19.]. Wegen des Menschen ist die Schöpfung der Knechtschaft ,,der Vergänglichkeit unterworfen“ (Röm 8,20). Schließlich wird es zu der Folge kommen, die für den Fall des Ungehorsams ausdrücklich vorhergesagt worden war: der Mensch ,,wird zum Erdboden zurückkehren, von dem er genommen ist“ (Gen 3,19). Der Tod hält Einzug in die Menschheitsgeschichte [Vgl. Röm 5,12.].

403 Im Anschluß an den hl. Paulus lehrte die Kirche stets, daß das unermeßliche Elend, das auf den Menschen lastet, und ihr Hang zum Bösen und zum Tode nicht verständlich sind ohne den Zusammenhang mit der Sünde Adams und mit dem Umstand, daß dieser uns eine Sünde weitergegeben hat, von der wir alle schon bei der Geburt betroffen sind und ,,die der Tod der Seele“ ist [Vgl. K. v. Trient: DS 1512.]. Wegen dieser Glaubensgewißheit spendet die Kirche die Taufe zur Vergebung der Sünden selbst kleinen Kindern, die keine persönliche Sünde begangen haben [Vgl. K. v. Trient: DS 1514].

404 Wieso ist die Sünde Adams zur Sünde aller seiner Nachkommen geworden? Das ganze Menschengeschlecht ist in Adam ,,wie der eine Leib eines einzelnen Menschen“ (Thomas v. A., mal. 4,1). Wegen dieser ,,Einheit des Menschengeschlechtes“ sind alle Menschen in die Sünde Adams verstrickt, so wie alle in die Gerechtigkeit Christi einbezogen sind. Die Weitergabe der Erbsünde ist jedoch ein Geheimnis, das wir nicht völlig verstehen können. Durch die Offenbarung wissen wir aber, daß Adam die ursprüngliche Heiligkeit und Gerechtigkeit nicht für sich allein erhalten hatte, sondern für die ganze Menschennatur. Indem Adam und Eva dem Versucher nachgeben, begehen sie eine persönliche Sünde, aber diese Sünde trifft die Menschennatur, die sie in der Folge im gefallenen Zustand weitergeben [Vgl. K. v. Trient: DS 1511-1512.]. Sie ist eine Sünde, die durch Fortpflanzung an die ganze Menschheit weitergegeben wird, nämlich durch die Weitergabe einer menschlichen Natur, die der ursprünglichen Heiligkeit und Gerechtigkeit ermangelt. Deswegen ist die Erbsünde ,,Sünde“ in einem übertragenen Sinn: Sie ist eine Sünde, die man ,,miterhalten“, nicht aber begangen hat, ein Zustand, keine Tat.

Wenn der Mensch also die ursprüngliche Heiligkeit verloren und dadurch den Tod auf sich gezogen hat, ist es umso verständlicher, warum er der Erlösung bedarf. Was Jesus für uns am Kreuz erwirkt hat, ist also die Erlösung von dieser zum Tod verdammten Natur. Als Erlöste ist uns nun also das ewige Leben geschenkt, nicht mehr durch die Natur, denn diese bleibt zerbrochen, aber nun durch die Gnade Gottes. Wie werden wir aber zu Erlösten? Dies geschieht nicht automatisch, sondern auf unsere freie Entscheidung hin: wenn wir uns auf dieses Erlösungswerk Christi hin taufen lassen und damit den Neuen Bund mit Gott eingehen! Dadurch wird uns die alte Freundschaft mit Gott wiederhergestellt.

Zurück zu Maria: Gott wollte auf der Höhe der Zeit die menschliche Natur annehmen, um alles durchzumachen, was der Mensch durchmacht, um jeden Bereich seines Lebens zu erlösen. Wenn aber Gott, der Allmächtige Mensch werden möchte, bedarf es einer Mutter, durch die er in die Welt hineingeboren wird. Wenn nun diese Mutter ihm aber die Menschheit verleihen soll, muss sie selbst von diesem Mangel an Freundschaft Gottes frei sein. Deshalb hat Gott sie vom ersten Augenblick ihres Daseins darauf vorbereitet, Gottesgebärerin zu werden. Wir erkennen an dem heutigen Hochfest, was in der heutigen zweiten Lesung erklärt wird: Gottes Heilsplan stand von Anfang an fest. Schon eine Ewigkeit zuvor hat er sich Gedanken gemacht und alles in die Wege geleitet, sodass zu einer bestimmten Zeit diese Frau geboren werden sollte, um den Messias in die Welt zu bringen, der alles wiedergutmachen würde, was der Mensch sich selbst eingebrockt hat. Gott hat nicht nur einen langen Atem, er hat einen ewigen Atem und hat dabei das Geschick der ganzen Weltgeschichte im Blick.

Noch ein Impuls, der mir gestern kam: Gott ist die Liebe. Wenn Gott, der die Liebe ist, in diese Welt hineingeboren werden möchte, bedarf es einer Mutter, die ebenfalls voll liebesfähig ist. In der Betrachtung der Gottesmutter erkennen wir, wie wir aussehen würden, wenn wir heilig wären. Das muss kein Gedankenspiel bleiben, denn wir alle sind als Getaufte ganz konkret zur Heiligkeit berufen.

Schauen Sie gerne in die Auslegung der heutigen Schriftlesungen hinein! Ich erkläre darin auch, wie Maria zugleich Jungfrau und Gottesmutter sein kann: https://magstrauss.com/2021/12/08/hochfest-der-ohne-erbsunde-empfangenen-jungfrau-und-gottesmutter-maria-2/

Hier übrigens ein Youtubevideo, das ich zu dem Hochfest mal gemacht habe:

Ihre Magstrauss

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