Heiliger Josef, Bräutigam der Gottesmutter Maria

2 Sam 7,4-5a.12-14a.16; Ps 89,2-3.4-5.27 u. 29; Röm 4,13.16-18.22; Mt 1,16.18-21.24a

Heute feiern wir ein ganz besonderes Hochfest, nämlich zu Ehren des Pflegevaters und Bräutigams Josef. Er ist unter anderem der Schutzpatron der Kirche und somit ein besonders großer Fürsprecher in der momentanen Coronakrise. Heiliger Josef, bitte für uns!

2 Sam 7
4 Aber in jener Nacht erging das Wort des HERRN an Natan:
5 Geh zu meinem Knecht David und sag zu ihm: So spricht der HERR:
12 Wenn deine Tage erfüllt sind und du dich zu deinen Vätern legst, werde ich deinen leiblichen Sohn als deinen Nachfolger einsetzen und seinem Königtum Bestand verleihen.
13 Er wird für meinen Namen ein Haus bauen und ich werde seinem Königsthron ewigen Bestand verleihen.
14 Ich werde für ihn Vater sein und er wird für mich Sohn sein.
16 Dein Haus und dein Königtum werden vor dir auf ewig bestehen bleiben; dein Thron wird auf ewig Bestand haben.

In der ersten Lesung hören wir die Worte des Propheten Natan, die ihm im Anschluss an Davids Unterredung mit Gott eingegeben werden. Zuvor hat dieser nämlich Gott zu verstehen gegeben, dass er ihm ein festes Heiligtum bauen möchte, da bis dato der Tempel aus dem Offenbarungszelt bestand. Natan erhält nun die Antwort Gottes auf Davids Vorhaben. Dieser gibt ihm ein:
Nicht er selbst wird der Tempel errichten, sondern sein Sohn. Später werden wir erfahren, dass es sein Sohn Salomo sein wird. In den Chronikbüchern erfahren wir zudem noch weitere Details, warum nicht David selbst den Tempel errichten soll: An seinen Händen klebt zu viel Blut. Er hat so viele Schlachten geführt, zu viel Blut vergossen. Gottes Tempel ist heilig und deshalb muss der König von der Blutschuld verschont sein. Salomo wird zeitlebens keine Kriege führen müssen, weil Gottes wunderbare Vorsehung für eine friedliche Zeit sorgen wird. So wird er sich ganz auf den Tempelbau konzentrieren können.
Natan vermittelt David, dass wenn er sich zu den Vätern legt, das heißt wenn er stirbt, wird Salomo zum König eingesetzt werden und das Königtum Bestand haben. Er wird den Tempel errichten und er wird für Gott Sohn, Gott für ihn Vater sein. Dieser Königsthron wird auf ewig bestehen.
Diese Worte sind zunächst wörtlich zu nehmen und gelten unter der Voraussetzung, dass dieser König im Stand der Gnade ist, also sich an den Bund hält und sich nicht schwer versündigt. Wir wissen allerdings, dass Salomo sich einen riesigen Harem anlegen wird, wobei viele Frauen anderer Religionen angehören, zu denen er dann verführt wird. Er wird Götzen Altäre und Heiligtümer errichten und so die Gnade Gottes verspielen.
Wir lesen diese Botschaft Gottes an David heute noch weiter, nämlich allegorisch. So erkennen wir einen Typos Christi in Salomo! In dieser Leserichtung ist das Sterben Davids mit dem frühen Tod Josefs in Analogie zu setzen, der als Sohn Davids den König des Reiches Gottes als Sohn haben wird. Erst nach seinem Tod wird Jesus sein öffentliches Wirken antreten. Er wird das Reich Gottes verkünden und am Ende als „König der Juden“ hingerichtet werden. Er wird zur Tempellobby sagen: Reißt diesen Tempel nieder und ich werde ihn in drei Tagen wieder aufbauen. Es wird der Tempel seines Leibes sein und mit der Auferstehung wahr werden. Der Tempel, den er begründen wird, ist die Kirche. Er wird den neuen Bund besiegeln, den alle Christen mit Gott in der Taufe eingehen. So wird Gott auch in uns Wohnung nehmen in dem Tempel unserer Seele. Diese ist ewig, sie hat Bestand, wie Natan Salomo angekündigt hat. Auch die Kirche hat Bestand, denn Jesus verheißt an anderer Stelle, dass die Mächte der Finsternis sie nicht überwältigen werden.
Was Natan hier von Gott eingegeben bekommt, ist also mehr als nur die Antwort auf Davids Vorhaben. Es ist eine heilsgeschichtlich weitreichende Verheißung!

Ps 89
2 Von der Huld des HERRN will ich ewig singen, von Geschlecht zu Geschlecht mit meinem Mund deine Treue verkünden.

3 Denn ich bekenne: Auf ewig ist Huld gegründet, im Himmel deine Treue gefestigt.
4 Ich habe einen Bund geschlossen mit meinem Erwählten und David, meinem Knecht, geschworen:
5 Auf ewig gebe ich deinem Haus festen Bestand und von Geschlecht zu Geschlecht gründe ich deinen Thron.
27 Er wird zu mir rufen: Mein Vater bist du, mein Gott, der Fels meiner Rettung.
29 Auf ewig werde ich ihm meine Huld bewahren, mein Bund mit ihm ist verlässlich.

Wir beten aus gegebenem Anlass wieder den sogenannten Königspsalm 89. Die Psalmen reflektieren ja immer die Lesung aus dem AT. So beginnt der Abschnitt heute mit einer für Psalmen typischen Lobaufforderung an sich selbst (will ich ewig singen). Gottes Treue ist ewig, sie ist „im Himmel…gefestigt“. Gott hält seine Versprechen. Er ist es, aus dessen Sicht ab Vers 4 beschrieben wird: „Ich habe einen Bund geschlossen mit meinem Erwählten und David“. Wörtlich steht hier „Ich schnitt einen Bund (im Hebräischen schneidet man, כָּרַ֣תִּֽי karati „ich schnitt“) mit meinem Erwählten, ich schwor meinem Knecht David.“ Es handelt sich also nicht um zwei Personen, sondern bezieht sich beides auf ein und dieselbe Person. Gott hat einen Bund mit diesem besonderen König geschlossen. Es handelt sich um die Bekräftigung und Ausweitung des Alten Bundes zu einer gesamtstämmischen Einheit. Das ganze ist aber auch typologisch zu betrachten – der Erwählte (hier ist wieder das Wort בָּחִיר bachir enthalten, der Jüngling im heiratsfähigen Alter) ist nun auf Jesus zu beziehen, der sich freiwillig zum bachir macht um des Himmelreiches willen. Er bezeichnet sich sogar als Eunuchen, meint dies aber natürlich nicht wörtlich, sondern sinnbildlich. Dieser Bund, den Gott geschlossen hat durch Christus, ist der Neue Bund mit allen Menschen. Im griechischen AT wird sogar mit Plural übersetzt, was linguistisch gesehen auch möglich ist. Dadurch wird nicht Christus in den Blick genommen, DURCH den der Neue Bund besiegelt worden ist, sondern die „Erwählten“, wir Menschen, MIT denen er ja den Bund geschlossen hat. Der griechische Begriff an dieser Stelle ist ἐκλεκτοῖς eklektois und wird auch im NT sowohl für Christus als auch für die Getauften verwendet (Lk 23,35; 1 Petr 1,1).
Auch hier wird die Zusage Gottes aufgegriffen, dem davidischen Königshaus Bestand zu verleihen. Dies wird der Fall sein, aber anders als die Menschen denken: Es wird ewig bestehen durch Christus, den Sohn Davids, der tatsächlich leiblicher „Sohn“ Davids ist. Wir lesen dies ja im Stammbaum nach Matthäus. Er trägt Davids Gene in sich. Und doch ist dies ein anderes Königtum als das des David. Es geht hier um den König des Reiches Gottes. Sein Reich ist nicht von dieser Welt, wie er selbst vor Pilatus erklärt hat (vgl. Joh 18,36). „Von Geschlecht zu Geschlecht“, d.h. in diesem Fall dann zu allen Zeiten, wird Christus der König derer sein, die an ihn glauben und sich auf seinen Namen taufen lassen. Das „Haus“, das hier erwähnt wird, ist wörtlich gesehen zunächst das Königshaus. Wir müssen es aber tiefer verstehen als Kirche. Sie ist als Gemeinschaft der Gläubigen das Königreich Christi auf Erden, die sakramentale Antizipation der Ewigkeit. Sie wird auf ewig nicht untergehen – solange die Welt besteht, wird der Satan sie nicht überwältigen, das hat der treue Christus uns versprochen – und am Ende der Zeiten wird sie sich durchsetzen und ihren Wohnsitz einnehmen in der neuen Schöpfung Gottes.

Röm 4
13 Denn Abraham und seine Nachkommen erhielten nicht aufgrund des Gesetzes die Verheißung, Erben der Welt zu sein, sondern aufgrund der Glaubensgerechtigkeit.
16 Deshalb gilt: aus Glauben, damit auch gilt: aus Gnade. Nur so bleibt die Verheißung für die ganze Nachkommenschaft gültig, nicht nur für die, welche aus dem Gesetz, sondern auch für die, welche aus dem Glauben Abrahams leben. Er ist unser aller Vater,
17 wie geschrieben steht: Ich habe dich zum Vater vieler Völker bestimmt – im Angesicht des Gottes, dem er geglaubt hat, des Gottes, der die Toten lebendig macht und das, was nicht ist, ins Dasein ruft.
18 Gegen alle Hoffnung hat er voll Hoffnung geglaubt, dass er der Vater vieler Völker werde, nach dem Wort: So zahlreich werden deine Nachkommen sein.
22 Darum wurde es ihm auch als Gerechtigkeit angerechnet.

In der zweiten Lesung des heutigen Hochfestes reflektiert Paulus die Gunst, die uns Menschen durch den alten Bund erwiesen worden ist: Abraham und seinen Nachkommen, mit denen Gott den Bund immer wieder erneuert hat, ist diese besondere Ehre nicht deshalb zuteil geworden, weil sie es sich zuvor verdient hätten. Ebenso können wir Christen sagen, dass wir nicht deshalb durch das Kreuzesopfer Jesu Christi erlöst worden sind, weil wir das zunächst irgendwie verdient hätten. Das wird durch die Wendung „aufgrund des Gesetzes“ ausgedrückt, was meint, dass die Torah gehalten wird. Abraham und seinen Nachkommen wurde die Gnade aufgrund der Glaubensgerechtigkeit verliehen. Zu Abrahams Zeiten gab es die Torah noch gar nicht. Er hat Gott ganz geglaubt und ihm vertraut, deshalb hat Gott mit ihm den Bund geschlossen.
Paulus erklärt, dass Glaube und Gnade zusammenspielen. Abraham erhielt die Gnade wegen seines bedingungslosen Vertrauens auf Gott. So ist es auch mit allen anderen Menschen, die die Gnade Gottes dadurch erhalten, dass sie ihm bedingungslos vertrauen. Dabei müssen sie nicht notwendigerweise beschnitten sein und die Torah halten. Das ist zumindest nicht die Voraussetzung für die Gnade Gottes. Das wäre Werksgerechtigkeit. Auch wir als Christen sagen, dass die Taufe als sichtbares Zeichen unseres inneren Glaubens heilsnotwendig ist. Dass wir erlöst sind, kommt zuerst und der Glaube an Jesus Christus ist die Antwort auf die Erlösung. Diese ist uns geschenkt und deshalb unverdiente Gnade. Das bedeutet aber nicht, dass Paulus das Halten der Gebote für überflüssig erklärt. Es geht darum, was zuerst ist. Und die Gnade Gottes ist immer zuerst – sowohl bei Abraham als auch bei uns.
Es geht in diesem Ausschnitt aus dem Römerbrief um den Glauben Abrahams, der entgegen aller biologischen Voraussetzungen eine unglaubliche Verheißung erhält und dennoch daran glaubt. Trotz ausbleibender Nachkommen wurde ihm nämlich eine unzählbare Nachkommenschaft verheißen. Er ist Vater vieler Völker geworden und wir müssen seinen Glauben heute in Analogie zu Josef setzen, der ebenfalls Gott geglaubt hat in einer unglaublichen Situation. So ist auch er zum Vater vieler Völker geworden, wenn auch nur geistig – nämlich zum Patron des neuen Volkes, zum Schutzpatron der Kirche. Gott hat ihn auserwählt, nicht weil er es sich zuvor verdient hat, sondern weil es die Vorsehung so wollte. Es ist ein absolutes Geschenk Gottes. Auch Josef nennen wir einen gerechten Mann, nicht weil er sich die Gerechtigkeit durch das Halten der Torah verdient hat (die Torah hat er gewissenhaft gehalten!), sondern weil er Gott ganz geglaubt hat. Dies hören wir nun im Evangelium:

Mt 1
16 Jakob zeugte den Josef, den Mann Marias; von ihr wurde Jesus geboren, der der Christus genannt wird.
18 Mit der Geburt Jesu Christi war es so: Maria, seine Mutter, war mit Josef verlobt; noch bevor sie zusammengekommen waren, zeigte sich, dass sie ein Kind erwartete – durch das Wirken des Heiligen Geistes.
19 Josef, ihr Mann, der gerecht war und sie nicht bloßstellen wollte, beschloss, sich in aller Stille von ihr zu trennen.
20 Während er noch darüber nachdachte, siehe, da erschien ihm ein Engel des Herrn im Traum und sagte: Josef, Sohn Davids, fürchte dich nicht, Maria als deine Frau zu dir zu nehmen; denn das Kind, das sie erwartet, ist vom Heiligen Geist.
21 Sie wird einen Sohn gebären; ihm sollst du den Namen Jesus geben; denn er wird sein Volk von seinen Sünden erlösen.
24 Als Josef erwachte, tat er, was der Engel des Herrn ihm befohlen hatte, und nahm seine Frau zu sich.

Zu Beginn des Evangeliums hören wir den Abschluss des Stammbaums Jesu Christi. Dieser Stammbaum ist jüdisch und patrilinear orientiert. Das heißt wir hören immer wieder von einem Vater, der einen Sohn zeugt. Dies wird dreimal in vierzehn Generationen strukturiert, sodass für uns deutlich wird – Jesus ist der Sohn Davids. Am Ende des Stammbaums stutzen wir allerdings. Denn da heißt es ausgerechnet an der wichtigsten Stelle nicht mehr „Josef zeugte den Jesus“, sondern es wird gesagt, dass dieser der Mann Mariens ist und von ihr Jesus geboren wurde! Das fällt in einem typisch jüdischen Stammbaum auf. Hier ist also etwas Besonderes geschehen.
Dann hören wir von der Geburt des Messias. Das Matthäusevangelium berichtet sie vor allem aus der Sicht Josefs. Dies macht absolut Sinn, wenn wir an den patrilinearen, also väterorientierten Stammbaum denken. Wenn es also um die Geburt eines Kindes geht, macht es Sinn, dass das Matthäusevangelium die Vaterperspektive betont. Wir lesen heute auch wieder solche Formulierungen, die die biologische Vaterschaft Josefs ausschließen: „Maria, seine Mutter“ ist eine Andeutung solcher Art, die im Stammbaum durch das Auslassen des Satzes „Josef zeugte den Jesus“ und den Verweis auf seine Frau Maria ausgedrückt worden ist. Dies wird noch viel eindeutiger im weiteren Verlauf des Evangeliums, wo immer wieder „das Kind und seine Mutter“ gesagt wird, nicht „Josefs Sohn“ (z.B. in Mt 2,13-14) – in einem Evangelium, das eigentlich sehr patrilinear orientiert ist! Das fällt auf.
Josef ist ein gerechter Mann und somit ist die Verbindung zu Abraham geschaffen. Gott hat sich etwas dabei gedacht, ausgerechnet diesen Menschen als Ziehvater seines Sohnes vorzubereiten. Josef wollte seine Frau nicht bloßstellen – denn erstens war Maria vor der Ehe schwanger geworden und zweitens als geweihte Jungfrau! Um ihre Ehre zu bewahren, möchte er sich von ihr trennen. Wir verstehen seine noble Tat erst, wenn wir die jüdischen Gesetze kennen:
Wenn ein unberührtes Mädchen, das einem Mann versprochen ist, von einem anderen Mann schwanger wird, sollen der andere Mann sowie die Frau gesteinigt werden (Dtn 22,23f.). Dem Betrogenen wird keine Schuld zugeschrieben. Warum will sich Josef dann von ihr trennen? Josefs Gerechtigkeit ist eine größere als die der buchstabentreuen Juden seiner Zeit, die auch Paulus im Römerbrief kritisiert. Er denkt keinen Moment daran, das mosaische Gesetz auszuführen, sondern er überlegt, die ganze Schuld auf sich zu nehmen. Indem er sich nämlich in aller Stille von Maria getrennt hätte, hätte es nach außen hin so ausgesehen, als hätte er sie verlassen, nachdem er mit ihr ein Kind gezeugt hatte. So hätte sie als „Verführte“ und „Verlassene“ keine Schuld getroffen. Er wäre bestraft, Marias Leben und das des Kindes aber gerettet worden. DAS meine Lieben, ist ein würdiger Ziehvater, den sich Gott auserwählt hat. Er hat seine Gerechtigkeit schon vor der Geburt des Gotteskindes unter Beweis gestellt und das alles, noch bevor er von Gottes Plan gehört hat! Josef hat wirklich ein reines Herz.
Er führt seine Überlegungen nicht aus, weil ihm im Traum ein Engel des Herrn den Heilsplan Gottes offenbart hat. Bei den Worten des Engels ist sehr auffällig, dass er Josef „Sohn Davids“ nennt. Die jüdischen Hörer dieses Evangeliums werden eins und eins zusammengezählt haben. Das Kind, das in die Welt kommen soll, erhält auf Erden einen davidischen Vater. Somit erfüllen sich die messianischen Verheißungen der Hl. Schriften. Dieser Messias wird von einem davidischen Vater erzogen werden, der selbst ein gerechter Mann ist. Josef wird zum Antitypos des alternden David aus der Lesung. So wird der Messias selbst gerecht sein, als Gott durch die göttliche Eigenschaft der Gerechtigkeit, als Mensch dank Josef und seiner Tugend der Gerechtigkeit. Diese Zweidimensionalität reflektiert Paulus am Anfang seines Römerbriefs. Josef handelt nach Gottes Willen ohne Widerrede und Skepsis. Er hat diesen Glaubensgehorsam, von dem Paulus spricht. Dieser macht ihn gerecht. Die Steinigung seiner schwangeren Verlobten als Ausführung des mosaischen Gesetzes hätte ihn nicht gerecht gemacht.
Das Kind ist vom Hl. Geist, aber Josef soll es benennen. Damit wird deutlich, dass er es als sein Kind adoptieren soll.
Der Engel gibt ihm auch den Namen vor und erklärt dessen Bedeutung: Dieses Kind wird das Volk von seinen Sünden erlösen. Das ist eine Verheißung, die immer und immer wieder im AT genannt wird. Damit wird dem frommen Juden Josef klar: Das Kind ist der Messias und muss deshalb Jesus heißen.

Lassen wir uns heute berühren von Gottes großen Heilstaten. Er hat das lange jahrhundertelange Schreien seines auserwählten Volkes erhört und ist wie verheißen als davidisches Kind in dieser Welt Mensch geworden. Er hat für die Umsetzung seines Heilsplans sowohl die Jungfrau bereitet als auch den gerechten Mann, der sie mit allen Mitteln beschützt. Diese Familie ist besonders. Sie ist eine geistige Familie, da alles Biologische, was im Judentum sonst üblich ist, hier komplett entfällt. Das Kind hat keinen menschlichen Vater, es wird nicht auf natürliche Weise gezeugt, es wird nicht auf natürliche Weise geboren. Die Eltern führen keine natürliche, sondern übernatürliche Ehe.
Danken wir heute besonders dem Hl. Josef, der so wunderbar gehandelt hat. Sonst wäre Jesus nicht in diese Welt gekommen, dessen Leben schon von Anfang an bedroht gewesen ist. Wir können wirklich viel von ihm lernen, besonders für unsere eigenen Familien. Sein Glaubensgehorsam, der Taten sprechen lässt, hat uns die Erlösung ermöglicht. Bitten auch wir um diesen Glaubensgehorsam, durch den auch wir zu Werkzeugen des Heils Gottes werden. Danke du heiliger Ziehvater und treuer Bräutigam, beschütze auch uns, die Braut Christi, die Kirche, wie du Maria, deine Braut beschützt hast. Versorge du uns geistig, wie du deine Familie mit allen Mitteln versorgt hast.

Ihre Magstrauss

Freitag der 2. Woche der Fastenzeit

Gen 37,3-4.12-13a.17b-28; Ps 105,16-17.18-19.20-21; Mt 21,33-43.45-46

Gen 37
3 Israel liebte Josef mehr als alle seine Söhne, weil er ihm in hohem Alter geboren worden war. Er ließ ihm einen bunten Rock machen.

4 Als seine Brüder sahen, dass ihr Vater ihn mehr liebte als alle seine Brüder, hassten sie ihn und konnten mit ihm kein friedliches Wort mehr reden.
12 Als seine Brüder fortgezogen waren, um die Schafe und Ziegen ihres Vaters bei Sichem zu weiden,
13 sagte Israel zu Josef: Weiden nicht deine Brüder bei Sichem? Geh, ich will dich zu ihnen schicken.Da ging Josef seinen Brüdern nach und fand sie in Dotan.
18 Sie sahen ihn von Weitem. Bevor er jedoch nahe an sie herangekommen war, fassten sie den Plan, ihn umzubringen.
19 Sie sagten zueinander: Siehe, da kommt ja dieser Träumer.
20 Jetzt aber auf, erschlagen wir ihn und werfen wir ihn in eine der Zisternen. Sagen wir, ein wildes Tier habe ihn gefressen. Dann werden wir ja sehen, was aus seinen Träumen wird.
21 Ruben hörte das und wollte ihn aus ihrer Hand retten. Er sagte: Begehen wir doch keinen Mord.
22 Und Ruben sagte zu ihnen: Vergießt kein Blut! Werft ihn in die Zisterne da in der Steppe, aber legt nicht Hand an ihn! Das sagte er, um ihn aus ihrer Hand zu retten und zu seinem Vater zurückzubringen.
23 Als Josef bei seinen Brüdern angekommen war, zogen sie ihm seinen bunten Rock aus, den Ärmelrock, den er anhatte,
24 packten ihn und warfen ihn in die Zisterne. Die Zisterne war leer; es war kein Wasser darin.
25 Sie saßen beim Essen und erhoben ihre Augen und sahen, siehe, eine Karawane von Ismaelitern aus Gilead kam. Ihre Kamele waren mit Tragakant, Mastix und Ladanum beladen. Sie waren unterwegs nach Ägypten.
26 Da sagte Juda seinen Brüdern: Was haben wir davon, wenn wir unseren Bruder erschlagen und sein Blut zudecken?
27 Kommt, verkaufen wir ihn den Ismaelitern. Wir wollen aber nicht Hand an ihn legen, denn er ist doch unser Bruder und unser Fleisch. Seine Brüder hörten auf ihn.
28 Midianitische Kaufleute kamen vorbei. Da zogen sie Josef aus der Zisterne herauf und verkauften ihn für zwanzig Silberstücke an die Ismaeliter. Sie brachten Josef nach Ägypten.

Heute hören wir von einer unerfreulichen Geschichte, die Gott im Nachhinein aber genutzt hat, um Heil zu bringen. Josef wird von seinen eigenen Brüdern nach Ägypten verkauft, weil sie so eifersüchtig auf ihn sind. Ihr Vater Jakob/Israel bevorzugt Josef und schenkt ihm einen bunten Ärmelrock. Das ist ein Anlass für die Brüder, ihn so zu hassen, dass sie ihn umbringen möchten. Der Älteste Ruben kann die Brüder noch davon abhalten, Blut zu vergießen, und so werfen sie ihren jüngsten Bruder in eine leere Zisterne, bevor sie ihn an eine Karawane mit Kaufleuten verkaufen, die Richtung Ägypten zieht. Dass sie dann doch keine Hand an ihn gelegt haben, ist auch Juda zu verdanken. Jakob schwindeln sie vor, dass Josef von einem wilden Tier getötet worden sei. So inszenieren sie seinen Tod mithilfe des bunten Ärmelrocks.
Was passiert ist, ist absolut tragisch und wir sehen so ein Verhalten tagtäglich in unserer heutigen Zeit. Wie viele Kriege werden geführt aufgrund von Neid, Eifersucht und Missgunst unter Geschwistern? Diese bösen Antriebe zerstören so viel. Und auch die Bevorzugung bestimmter Kinder ist ein Grund, weshalb viele Familien zugrunde gehen. Was wir heute lesen, wird wertfrei erzählt. Es wird weder für gut befunden, dass Jakob Josef bevorzugt hat, noch die Intrige seiner Brüder. Und die Fortsetzung der Geschichte zeigt uns, dass Gott auf krummen Seiten gerade schreibt. Die Verbannung Josefs durch seine Brüder wird später zu ihrem Rettungsanker, denn in der Hungersnot werden sie nach Ägypten reisen, um dort Nahrung zu erhalten. Josef hat seine ganze Familie gerettet und den Brüdern vergeben.
All das können wir allegorisch weiter betrachten, vor allem auch typologisch auf Jesus hin: Josef wird von seinen eigenen Brüdern verkauft. So wird auch Jesus von seinen eigenen Leuten ausgeliefert und hingerichtet. Und auch diese schreckliche Untat wird den Menschen zum Heil werden. Jesus wird den Hungernden die Nahrung geben, die Eucharistie! Auch unsereins darf von dieser Nahrung essen, nachdem sie sich mit Jesus wieder versöhnt haben im Sakrament der Beichte. Auch Jesu Leben wurde bedroht, sodass er nach Ägypten floh. Neidisch und eifersüchtig war nicht nur König Herodes, sondern später die Tempelelite, die Sadduzäer und die Ältesten des Volkes. Auch die Pharisäer und Schriftgelehrten streiten sich mit ihm, weil er mit einer größeren Vollmacht predigt als sie. Während Josef zwar verkauft wird so wie Jesus von Judas Iskariot, aber am Leben bleibt, wird Jesu Tod nicht inszeniert. Ihm wird das kostbare durchwebte Gewand vom Leib gerissen, nur damit Jesus ans Kreuz geschlagen werden konnte und so den schändlichsten Tod starb. Und dieses Gewand bekam seine Mutter Maria nicht zurück so wie Jakob, sondern musste mit ansehen, wie die Soldaten es unter sich auslosten.
Josef ist für zwanzig Silberstücke verkauft worden, also als Sklave. Zu seiner Zeit war das nämlich der Preis, den man für Sklaven zahlte. Auch Jesus ist von Judas für einen Sklavenlohn verkauft worden (zu seiner Zeit waren es dann dreißig Silberstücke), hat dafür aber uns alle losgekauft von unserer Sklaverei der Sünde! Am Ende hat Gott diese scheinbare Niederlage in den Augen der Juden („ein Gehenkter ist ein von Gott Verfluchter“) zum ultimativen Sieg gewendet.

Ps 105
16 Dann aber rief er den Hunger ins Land, entzog ihnen allen Vorrat an Brot.

17 Doch hatte er ihnen einen Mann vorausgesandt: Josef wurde als Sklave verkauft.
18 Man spannte seine Füße in Fesseln und zwängte seinen Hals ins Eisen
19 bis zu der Zeit, als sein Wort sich erfüllte und der Spruch des HERRN ihm Recht gab.
20 Er sandte einen König, der ließ ihn frei, einen Herrscher der Völker, der ließ ihn heraus.
21 Er bestellte ihn zum Herrn über sein Haus, zum Herrscher über seinen ganzen Besitz.

Der Psalm erzählt und reflektiert die Fortsetzung dessen, was wir in der Lesung gehört haben. Gott ließ zu, dass in ganz Israel eine Hungersnot ausbrach. So mussten auch die Brüder Josefs nach Ägypten ziehen, wo ein besonders kluger Verwalter dafür sorgte, dass die Israeliten in der Hungersnot am Leben bleiben können. Josef war eigentlich als Sklave nach Ägypten gebracht worden, doch seine großen Begabungen erregten die Aufmerksamkeit der Anderen. Durch Intrigen ist er ins Gefängnis gekommen, doch auch dort hat er mit seinen Talenten den Menschen geholfen, sodass er sogar vor dem Pharao großes Ansehen gewann und dieser ihm schließlich so einen hohen Posten verlieh, der eine große Verantwortung mit sich bringt. Dass er vor dem Pharao so eine Gunst erlangte, hängt mit den Traumdeutungen Josefs zusammen, durch die er dem Pharao im Gegensatz zu dessen Zauberern und Wahrsagern endlich Klarheit verschaffte („als sein Wort sich erfüllte und der Spruch des HERRN ihm Recht gab“). So wurde er aus seiner Gefangenschaft befreit („der ließ ihn frei“) und erlangte das Vertrauen des Herrschers („er bestellte ihn zum Herrn über sein Haus…über seinen ganzen Besitz“). Josef hat immer ganz auf Gott vertraut und ihm alles überlassen. Weil er dadurch so großen Segen hatte, gelang ihm alles, was er anpackte. Er schaffte nicht nur alles mit Ach und Krach, sondern brillierte in allem. So großzügig gibt Gott dem Menschen, der ganz auf ihn vertraut! So können auch wir ganze Berge versetzen. Wir werden nicht nur alles irgendwie überstehen, sondern mit Bravour meistern, wenn Gottes Segen auf uns liegt. Unser Segen wird dann auch auf andere übergehen. So hat Josef viele Jahre für die Taten seiner Brüder gesühnt und am Ende hat Gott den schweren Sündern Erbarmen erwiesen. Gewiss haben diese ihre schreckliche Tat auch bereut und sie vor Josef bekannt. Deshalb konnte dieser sowie Gott mit ihm barmherzig an ihnen handeln. Auch wir dürfen Gottes Barmherzigkeit in Anspruch nehmen, aber unter der Voraussetzung, dass wir unsere Sünden wirklich bereuen, sie vor ihm bekennen und unser Leben aufrichtig ändern wollen. Dann kann es auch in unserem Leben eine wunderbare Versöhnung geben. Dann können auch wir aus der Hungersnot in die Sättigung übergehen. Es ist kein Zufall, dass sowohl die Brüder Josefs als auch der verlorene Sohn im Gleichnis Jesu aus der Hungersnot heraus umkehren. Unsere Hungersnot ist das Hungern der Seele, die fern von Gott ist, die Seele, die den Segen Gottes vermisst und Entzugserscheinungen hat. Sie schreit in unserem Innern nach dem Heil, zu dem der Mensch eigentlich berufen ist. Hören wir auf den Schrei unserer eigenen Seele jetzt in dieser Fastenzeit, in der wir bewusst auf Essen verzichten, damit wir diesen Hunger überhaupt wieder wahrnehmen können – den eigentlichen inneren Hunger!

Mt 21
33 Hört noch ein anderes Gleichnis: Es war ein Gutsbesitzer, der legte einen Weinberg an, zog ringsherum einen Zaun, hob eine Kelter aus und baute einen Turm. Dann verpachtete er den Weinberg an Winzer und reiste in ein anderes Land.

34 Als nun die Erntezeit kam, schickte er seine Knechte zu den Winzern, um seine Früchte holen zu lassen.
35 Die Winzer aber packten seine Knechte; den einen prügelten sie, den andern brachten sie um, wieder einen anderen steinigten sie.
36 Darauf schickte er andere Knechte, mehr als das erste Mal; mit ihnen machten sie es genauso.
37 Zuletzt sandte er seinen Sohn zu ihnen; denn er dachte: Vor meinem Sohn werden sie Achtung haben.
38 Als die Winzer den Sohn sahen, sagten sie zueinander: Das ist der Erbe. Auf, wir wollen ihn umbringen, damit wir sein Erbe in Besitz nehmen.
39 Und sie packten ihn, warfen ihn aus dem Weinberg hinaus und brachten ihn um.
40 Wenn nun der Herr des Weinbergs kommt: Was wird er mit jenen Winzern tun?
41 Sie sagten zu ihm: Er wird diese bösen Menschen vernichten und den Weinberg an andere Winzer verpachten, die ihm die Früchte abliefern, wenn es Zeit dafür ist.
42 Und Jesus sagte zu ihnen: Habt ihr nie in der Schrift gelesen: Der Stein, den die Bauleute verworfen haben, er ist zum Eckstein geworden; vom Herrn ist das geschehen und es ist wunderbar in unseren Augen?
43 Darum sage ich euch: Das Reich Gottes wird euch weggenommen und einem Volk gegeben werden, das die Früchte des Reiches Gottes bringt.
45 Als die Hohepriester und die Pharisäer seine Gleichnisse hörten, merkten sie, dass er von ihnen sprach.
46 Sie suchten ihn zu ergreifen; aber sie fürchteten die Menge, weil sie ihn für einen Propheten hielt.

Jesus spricht mit den Hohepriestern und Pharisäern, also mit der religiösen Elite seiner Zeit. In diesem Gespräch bringt er ein wichtiges Gleichnis, das zugleich sehr provokant ist.
Es geht um einen Weinberg, der angelegt und verpachtet wird. Der Besitzer des Weinbergs geht dann in ein anderes Land, ist also abwesend und muss auf seine Mitarbeiter vertrauen. Als die Zeit der Ernte kommt, werden die Mitarbeiter, die die Früchte einsammeln wollen, umgebracht. Auch die anderen Knechte, die dort hingesandt werden, werden von den Arbeitern dort umgebracht. Als dann schließlich der eigene Sohn des Weinbergs dort hinkommt, erfahren wir die Absicht der dortigen Arbeiter, mit der sie diese Gewalttaten vollbringen – sie wollen selbst den Erbbesitz des Weinbergs. Sie haben also keine Achtung vor dem Sohn des Besitzers, der ja aufgrund seiner besonderen Autorität dort hingeschickt wird. Stattdessen bringen sie selbst den eigenen Sohn des Besitzers um.
Jesus überlässt jenen, denen er das Gleichnis erzählt, den Ausgang der Geschichte, wenn nämlilch der Weinbesitzer selbst zurückkehrt. Sie antworten selbst, dass dieser den Pächtern den Weinberg wegnehmen und anderen geben wird. Sie haben damit ihr eigenes Gerichtsurteil ausgesprochen, das Jesus daraufhin bestätigt: Ja, euch wird der Weinberg weggenommen und einem anderen Volk gegeben, das Früchte bringt.
Das Bildfeld des Weinbergs, des Früchtetragens und der Ernte sind wichtige Metaphern in Bezug auf das Reich Gottes, die Heilsgeschichte und die Endzeit. Einerseits legen wir das Gleichnis wörtlich aus, wie es also Jesus in der Erzählung ursprünglich meint: Gott ist der Weinbergbesitzer, der das verheißene Land für sein auserwähltes Volk anlegt. Er schließt einen Bund mit dem Volk Israel, was sozusagen das Beschäftigungsverhältnis im Gleichnis darstellt. In seiner Abwesenheit (Gott ist ja Geist und wandelt nicht auf Erden) habt das Volk die Verantwortung, gemäß ihres Bundesschlusses zu leben. Doch es entfernt sich von Gott, indem es anderen Göttern nachläuft und viele Sünden begeht. Gott schickt zu ihnen seine Knechte, das sind die Propheten, die das Volk wieder zur Besinnung führen soll, denn die Früchte sind nicht da. Doch die Pächter sind absolut uneinsichtig. All die Propheten sind am Ende für ihre Botschaft umgebracht worden. Das Volk hat ihre Worte der Umkehr nicht ausgehalten und die Knechte Gottes deshalb mundtot gemacht. Immer wieder schickt Gott Knechte zu den Pächtern, doch es geschieht immer wieder das Gleiche. Schließlich schickt er seinen eigenen Sohn zum Volk Israel, nämlich Jesus Christus. Seine Autorität und Vollmacht ist göttlich und somit unvergleichlich größer als die der bisherigen Knechte. Er ist der Erbe des Weinbergs. Doch auch ihn hält das Volk nicht aus, sondern tötet ihn. Jesus hat seinen eigenen Tod in dem Gleichnis vorweggenommen. Doch Gott lässt das alles nicht bis zum Schluss mit sich machen. Er greift ein und nimmt den Pächtern seinen Weinberg weg und gibt sie einem anderen Volk. Das sind harte Worte und Jesus sagt das zu den Sadduzäern und Pharisäern nicht, weil er eine Kollektivstrafe verhängen möchte. Er sagt es ihnen, damit sie endlich aufwachen. Wer Christus und seine Erlösung annimmt, gehört ja zum neuen Volk. Und selbstverständlich läuft der alte Bund weiter. Gott ist treu und nimmt sein Versprechen nicht einfach zurück. Alles Andere würde seinem Wesen ganz widersprechen, also sagen wir auch nicht, dass Gott das Volk Israel verworfen und den Alten Bund abgebrochen hat. Wir müssen Jesu Aussage mit allen anderen Aussagen vergleichen und auch den Kontext seiner Worte hier berücksichtigen. Das „Volk“, dem hier der Weinberg genommen wird, sind nun also alle, die Jesus nicht annehmen, und das „Volk“, dem der Weinberg stattdessen gegeben wird, sind nun alle, die Christus annehmen. Deshalb heißt es auch im Griechischen ἔθνει ethnei, denn dieser Begriff bezieht sich nun nicht mehr auf das auserwählte Volk Israel, sondern auf alle Völker, auch die nichtjüdischen. Das sagt Jesus alles, um nicht das ganze Volk Israel zu kritisieren, sondern um die Tempelelite und die selbstgerechten Pharisäer zu provozieren. Es dient ihrer Umkehr, aber sie sind verstockt und empören sich stattdessen über Jesu Worte. Jesus provoziert sie mit so einem Gleichnis, weil sie sich darauf ausruhen, zum auserwählten Volk zu gehören, ohne die entsprechenden Früchte zu bringen. Das garantiert ihre Rechtfertigung vor Gott aber nicht. Und auch wir können uns auf unserer Taufe nicht ausruhen. Wenn wir das Gleichnis auf uns beziehen, kritisiert Jesus auch unsere falschen Haltungen: Gott legt einen Weinberg an, der unsere Seele ist. Er hat uns geschaffen und durch die Taufe ein Beschäftigungsverhältnis zu uns begonnen. Dass wir nun getauft sind, heißt also nicht, dass wir uns auf die faule Haut legen können, sondern im Weinberg arbeiten. Er wird nämlich nach Früchten verlangen und dafür seine Knechte senden. Das können verschiedene Mitmenschen sein, die Gott uns schickt. Wenn wir ihre Kritik an unserem gottlosen Leben dann mundtot machen, sind wir nicht besser als die Knechte im Gleichnis Jesu. Wir töten sie, statt kritikfähig und einsichtig zu sein. Wir kehren nicht um, sondern zertreten Gottes Ruf zur Umkehr mit den Füßen. Immer wieder ruft er uns zur Umkehr auf – durch Mitmenschen, durch sein Wort in der Bibel, durch Ereignisse, durch unser eigenes Gewissen. Doch wo wir uns demgegenüber taub stellen, verhalten wir uns wie die Pächter im Gleichnis Jesu. Wenn wir dann sterben und am Ende unseres Lebens vor Gott stehen, dann wird er uns dafür zur Verantwortung ziehen, dass wir den Weinberg nicht so gepflegt haben wie versprochen (und das versprechen wir ja bei der Taufe!). Dann wird er uns unser ewiges Leben wegnehmen und wir werden ewig von ihm abgeschnitten sein. Und dies gilt auch für das Ende der Zeiten: Wenn Gott dann kommt, um seinen Weinberg zurückzufordern, wird er ebenfalls den fruchtlosen Pächtern den Weinberg nehmen und jenen geben, die Frucht bringen. Dann ist dieser Weinberg das Reich Gottes, das sich am Ende der Zeiten durchsetzt und offenbar wird. Die Fruchtlosen werden dann nicht Teil des Reiches sein. Dann werden die verantwortungsvollen Pächter wie Josef in Ägypten nicht mehr nur Pächter sein, sondern zu Erben eingesetzt. Sie werden in dem Land wohnen und nie mehr hungern. Denn sie werden ganz bei Gott sein.

Jesus möchte niemandem Angst einjagen, hat aber immer harte Worte für die besonders verstockten Menschen. Dies tut er ihnen zuliebe, denn auch sie sollen nicht verloren gehen. Wenn wir solche Worte hören, dann sollen wir in uns gehen und unsere eigene Arbeit im Weinberg hinterfragen. Sind wir verantwortungsvolle Pächter so wie Josef oder sind wir schlechte Pächter voller Neid und Missgunst gegenüber dem Erben so wie die Brüder Josefs und die Pächter im Gleichnis Jesu? Der springende Punkt ist: Es ist noch nicht zu spät. Wir dürfen umkehren und von nun an gute Arbeiter sein. Die Fastenzeit ist für uns eine wunderbare, gnadenvolle Gelegenheit, eine selbstkritische Intervention duchzuführen. Wollen wir am Ende eine Beförderung vom Knecht zum Erben bzw. wollen wir am Ende das Erbe nicht mehr verlieren (das uns durch die Taufe geschenkt worden ist), müssen wir entsprechend leben und Frucht bringen. Dabei sind wir nicht allein, denn Jesus sagt selbst, er ist der wahre Weinstock. Getrennt von ihm können wir nichts tun, also bleiben wir mit ihm stets verbunden! Dann werden wir einen Segen haben und es wird uns alles gelingen wie Josef in der Lesung!

Ihre Magstrauss

Hochfest der Gottesmutter Maria

Num 6,22-27; Ps 67,2-3.5.6.8; Gal 4,4-7; Lk 2,16-21

Meine Lieben,
ich wünsche Ihnen allen ein gesegnetes neues Jahr 2020! Möge der Segen Gottes immer auf Ihnen ruhen und Sie nie verlassen!

Num 6
22 Der HERR sprach zu Mose: 
23 Sag zu Aaron und seinen Söhnen: So sollt ihr die Israeliten segnen; sprecht zu ihnen: 
24 Der HERR segne dich und behüte dich. 
25 Der HERR lasse sein Angesicht über dich leuchten und sei dir gnädig.
26 Der HERR wende sein Angesicht dir zu und schenke dir Frieden. 
27 So sollen sie meinen Namen auf die Israeliten legen und ich werde sie segnen.

„An Gottes Segen ist alles gelegen.“ Und dieses Sprichwort trifft insbesondere auf den Jahreswechsel zu. Dann hören wir immer die erste Lesung aus dem Buch Numeri. Der aaronitische Segen ist besonders, weil Gott selbst ihn Mose beigebracht hat. Warum aber soll dieser Segen von Aaron gespendet werden? Aaron ist Gottes auserwählter Priester. Sein Geschlecht ist es, von dem Segen ausgehen soll. Auch wenn die heutigen Priester nicht von dieser aaronitischen Linie kommen, gilt das auch für sie: Von unseren geweihten Priestern geht ein besonderer Segen aus, als ob Gott selbst uns segnet. Jesus hat sie nämlich beauftragt, in seiner Vollmacht seine messianischen Heilstaten fortzusetzen, wenn er zum Vater geht. Am Anfang des Jahres ist der Segen Gottes ganz besonders entscheidend. Wir beginnen jetzt ein neues Jahr, das neue Herausforderungen, Prüfungen, Geduldsproben, geistige Anfechtungen und viele Gnaden bereithält. All das werden wir aber meistern können, wenn Gottes Segen auf uns liegt. Denn Jesus sagte „getrennt von mir könnt ihr nichts tun.“ und „Wer in mir bleibt und in wem ich bleibe, der bringt reiche Frucht.“ Wir sind zwar keine Priester, aber auch wir können Gottes Segen weitertragen zu den Menschen, denen wir begegnen. Segnen wir andere, so kehrt der Segen Gottes auch zu uns zurück.
Gehen wir die einzelnen Verse des Segens einmal durch:
Gott soll uns segnen und behüten – beide Verben stehen im Hebräischen in der Zukunftsform. Er wird uns auch in diesem Jahr segnen und behüten im Sinne von „beschützen“. Gott wird uns die Angriffe und Gefahren dieses Jahres nicht nehmen, aber er wird uns hindurchtragen.
Gott wird sein Angesicht über uns leuchten. Das ist einerseits bildlich zu verstehen – Gott ist Geist und hat kein Angesicht. Es meint seine Gegenwart. Andererseits kann man diesen Vers womöglich messianisch deuten, denn mit Jesus Christus wird er ein Angesicht bekommen, womit er vielen Menschen leuchten wird. Durch die erneute Zukunftsform passt diese Deutung sogar ziemlich gut. Dass Gottes Angesicht leuchten wird, werden vor allem die Apostel Petrus, Jakobus und Johannes auf dem Berg Tabor bei der Verklärung sehen und am Ende der Zeiten wird Jesus für alle offenbar sein Angesicht über die ganze Welt leuchten lassen, wenn er als verherrlichter Menschensohn zurückkehren wird.
Gott wendet sein „Angesicht“ den Menschen zu allen Zeiten der Heilsgeschichte zu. Er wird es auch zukünftig tun, vor allem auf dem Höhepunkt der Heilsgeschichte, wenn er der Welt seinen einzigen Sohn schenken wird. Das feiern wir momentan in dieser Weihnachtszeit. Und mit dem fleischgewordenen Wort Gottes – Jesus Christus – schenkt Gott uns seinen Frieden, der himmlisch ist und den die Welt nicht geben kann. Dieser Frieden ist eschatologisch, er ist ewig. Während die Israeliten den Friedenswunsch des aaronitischen Segens noch irdisch und politisch verstanden haben, ist mit dem Kommen Christi klargeworden, dass es ein viel umfassenderer Frieden ist, der anhält und in unseren Herzen beginnt.
Die Priester des Volkes Israel sollen mit dem Segen Gottes Namen auf die Menschen legen. Das tun unsere Priester bis heute, wenn auch sie immer wieder diesen aaronitischen Segen auf die Menschen herabrufen. Wir sind getauft auf den Namen Gottes und somit wird jeder priesterliche Segen zur Bekräftigung, Erneuerung und Erinnerung dieses allumfassenden Segens.

Ps 67
2 Gott sei uns gnädig und segne uns. Er lasse sein Angesicht über uns leuchte
n,
3 damit man auf Erden deinen Weg erkenne, deine Rettung unter allen Völkern. 
5 Die Nationen sollen sich freuen und jubeln, denn du richtest die Völker nach Recht und leitest die Nationen auf Erden.  
6 Die Völker sollen dir danken, Gott, danken sollen dir die Völker alle. 
8 Es segne uns Gott! Fürchten sollen ihn alle Enden der Erde.

Der aaronitische Segen hatte für die Israeliten so eine hohe Bedeutung und eine so einschneidende Wirkungsgeschichte, dass er auch in den Psalmen verarbeitet worden ist.
Der Vers 25 aus Num 6 wird hier sehr ähnlich wiederholt: Die beiden Bestandteile „Gnädigsein“ und „Leuchten seines Angesichts“ sind wieder zu erkennen. Es wird aber nicht nur wiederholt, sondern reflektiert. Der Zweck des Wunsches wird nämlich an dieser Stelle erklärt: Die Israeliten sollen durch das Leuchten des Angesichts Gottes seinen Weg erkennen, das heißt seinen Willen. Der aaronitische Segen wird paränetisch fortgesetzt, also zur Unterweisung im moralischen Verhalten. Der nächste Nebensatz geht darüber hinaus. Die Rettung unter allen Völkern klingt in unseren christlichen Ohren sehr messianisch (hebr. בְּכָל־גֹּ֝ויִ֗ם יְשׁוּעָתֶֽךָ b’chol-gojim jeschu’atecha, der Name Jesu ist enthalten und wird auf die nichtjüdischen Völker bezogen). So müssen wir den Vers mit folgender Interpretation lesen: Lass dein Angesicht leuchten, damit wir den Messias erkennen, der die ganze Welt erlösen wird.
Im Anschluss erkennen wir wieder die positive Sicht auf das göttliche Gericht, über das die „Nationen“ sich freuen. Hier sind die „Nationen“ die Stämme Israels ( עַמִּ֥ים ammim meint immer die Stämme Israels). Die Stämme können dann endlich aufatmen, nachdem sie so viel Leid durch Fremdherrschaft und Tyrannei erleiden mussten. Gott bringt endlich die ersehnte Gerechtigkeit!
Der Psalm wird mit einem Segenswunsch abgeschlossen, der wiederum an den aaronitischen Segen von Num 6 anknüpft.
Die Psalmen bringen immer wieder zum Ausdruck, dass Gottes Erlösungsplan, der sich mit Jesus erfüllt hat, über die jüdischen Grenzen hinausgeht, aber v.a. dort beginnt.

Gal 4
4 Als aber die Zeit erfüllt war, sandte Gott seinen Sohn, geboren von einer Frau und dem Gesetz unterstellt,
5 damit er die freikaufe, die unter dem Gesetz stehen, und damit wir die Sohnschaft erlangen. 
6 Weil ihr aber Söhne seid, sandte Gott den Geist seines Sohnes in unsere Herzen, den Geist, der ruft: Abba, Vater.  
7 Daher bist du nicht mehr Sklave, sondern Sohn; bist du aber Sohn, dann auch Erbe, Erbe durch Gott.

Die Lesung aus dem Galaterbrief ist besonders schön anzuknüpfen an die Lesungen des AT, die wir bereits besprochen haben. Paulus schreibt an Heidenchristen, die durch judaisierende Missionare unter Druck gesetzt werden, sich beschneiden zu lassen und die Torah zu halten. Paulus greift jüdische Elemente durchaus auf, möchte die Galater jedoch versichern, dass sie als Heidenchristen keinen jüdischen Zwischenschritt vornehmen müssen.
Die Argumentation des Paulus wird ersichtlich, wenn man ein Kapitel vorher beginnt zu lesen: Er erklärt, warum es das jüdische Gesetz überhaupt gibt und wie es im heilsgeschichtlichen Gesamtkontext zu bewerten ist: Es wurde wegen der Übertretungen gegeben, als „Erzieher“ ( παιδαγωγός paidagogos), als Vorbereitung der „Unmündigen“, das heißt der geistig noch „Minderjährigen“ auf das „Mündigsein“. Dies fassen folgende Verse zusammen: „23 Ehe der Glaube kam, waren wir vom Gesetz behütet, verwahrt, bis der Glaube offenbar werden sollte. 24 So ist das Gesetz unser Erzieher auf Christus hin geworden, damit wir aus dem Glauben gerecht gemacht werden. 25 Nachdem aber der Glaube gekommen ist, stehen wir nicht mehr unter dem Erzieher.“ Das heißt natürlich nicht, dass die Juden keinen Glauben hatten, sondern dass ihr „Rettungsanker“ ein anderer war – nämlich die Gesetzestreue. Das ist nicht falsch. Sie hatten das Wort Gottes in schriftlicher Form, aber dann ist die ganze Menschheit in der Heilsgeschichte einen großen Schritt vorangekommen: Das Wort Gottes ist Fleisch geworden – eine Person! Und wenn es diese jetzt gibt, ist es doch kontraproduktiv, das erfüllte geschriebene Wort Gottes in Person zu ignorieren und so zu tun, als ob dieser heilsgeschichtliche Schritt nicht begangen worden sei.
Was wir nun in Gal 4 hören, ist der Übergang von der einen zur anderen heilsgeschichtlichen Etappe – von der Erziehung durch das geschriebene Wort Gottes hin zum Erreichen der „Volljährigkeit“ durch Christus:
Jesus hat diesen Schritt selbst vollzogen, in dem er zunächst als Jude in einen Stamm und in eine Sippe hineingeboren worden ist. Er ist als davididisches Kind aus dem Stamm Juda Mensch geworden „durch eine Frau“, das heißt biologisch in diese Welt eingegangen. Er ist nicht aus dem Nichts plötzlich dagewesen, sondern geboren worden. „Durch eine Frau“ ist in diesem Kontext natürlich nicht abwertend gemeint (, was einige Forscher hier hineinlesen wollen. Ist aber sinnlos, denn darum geht es doch gar nicht in der Argumentation). Man muss diesen Abschnitt zusammen mit dem nächsten lesen – „dem Gesetz unterstellt“. Dabei wird für „geboren“ und „unterstellt“ im Griechischen dasselbe Wort verwendet ( γενόμενον genomenon, „geworden“). Jesus ist nicht nur Mensch, sondern auch Jude geworden. Das war der Heilsplan Gottes und somit betont auch Paulus, dass er keineswegs antijüdisch eingestellt ist.
Jesus wurde beides, um als erster Mensch vom Gesetz (νόμος nomos ist das griechische Wort, das für die Torah verwendet wird) in die neue Schöpfung überzugehen. Er „kauft frei“, die unter dem Gesetz stehen, also die Juden. Gemeint ist nicht, dass er sie von den „lästigen Verboten endlich befreit“, sondern sie davon loskauft, dass die Torah ihr „Erlöser“ ist. Nicht mehr ein geschriebenes Gesetz soll der Rettungsanker oder ihr Rettungsring sein, sondern er selbst! Der Glaube an ihn rettet, nicht der Gehorsam gegenüber Buchstaben. Er ist dabei nicht gekommen, um das Gesetz aufzuheben. Das sagt Jesus in den Evangelien ganz deutlich. Er erfüllt es aber nun und lebt es so vor, dass wir gleich die praktische Umsetzung vor uns sehen!
Jesus geht von einer Etappe in die andere über, um uns zu Erben zu machen – durch die Taufe, die er gestiftet hat, werden wir zu Kindern Gottes, die das Reich Gottes erben! Jesus ist der Anfang der neuen Schöpfung, wir werden durch die Taufe ebenfalls zu Kindern der neuen Schöpfung! Der Hl. Geist ist es, der nun durch Taufe und Firmung in unsere Herzen „geblasen“ wird wie damals der Odem Gottes in die Nase Adams – weil Jesus der neue Adam ist! Das ist die „Belebung“ der neuen Geschöpfe, durch die wir sagen können „Abba“ – Papa. Gott wird zu unserem Vater, den wir ganz persönlich so ansprechen dürfen. Das gibt es in keiner anderen Religion. Das dürfen wir nie vergessen! Seien wir dankbar!
Wir sind Erben Gottes, aber wie auch bei irdischen Erben kann man die Erbschaft verlieren, wenn man aus dem Testament gestrichen wird. „Benehmen“ wir uns, damit dies nicht geschieht!
Paulus erklärt dies alles den Galatern, damit sie erkennen: Sie müssen nicht so tun, als ob Jesus noch nicht gekommen wäre. Das ist eine Versuchung, die sie vom ewigen Heil abbringen kann. Das „Gesetz“ ist nun mit den Augen Christi zu betrachten und zu halten. „Gott rettet“ (Jesus) nicht der Buchstabe.

Lk 2
16 So eilten sie hin und fanden Maria und Josef und das Kind, das in der Krippe lag. 

17 Als sie es sahen, erzählten sie von dem Wort, das ihnen über dieses Kind gesagt worden war. 
18 Und alle, die es hörten, staunten über das, was ihnen von den Hirten erzählt wurde. 
19 Maria aber bewahrte alle diese Worte und erwog sie in ihrem Herzen. 
20 Die Hirten kehrten zurück, rühmten Gott und priesen ihn für alles, was sie gehört und gesehen hatten, so wie es ihnen gesagt worden war. 
21 Als acht Tage vorüber waren und das Kind beschnitten werden sollte, gab man ihm den Namen Jesus, den der Engel genannt hatte, bevor das Kind im Mutterleib empfangen war.

Heute ist der achte Tag der Weihnachtsoktav. Wir feiern ihn als Hochfest der Jungfrau und Gottesmutter Maria! Wie sehr hat die Kirche im 4. Jahrhundert gekämpft, um dieses Dogma durchzusetzen gegenüber verschiedenen Häresien! Maria ist nicht nur die Mutter des Menschen Jesus, sondern auch des Gottes! Sie ist Theotokos – „Gottesgebärerin“. Das ist Grundlage des Christentums.

Wir hören zu Anfang des Evangeliums nochmal, dass wir uns mitten in der Weihnachtszeit befinden. Die Hirten kommen zur Grotte, in der die hl. Familie ist, und finden alles so, wie es ihnen verkündet worden ist. Die Anwesenden staunen über die Dinge, die sie nun erzählen. Die Hirten werden zu Verkündern der frohen Botschaft! Sie sind diejenigen, die das Evangelium weitertragen – und zwar als erste Zeugen des kleinen Kindes!
„Maria bewahrte alles in ihrem Herzen.“ Das ist keine Floskel. Wir müssen das weiter bedenken. Was heißt das denn? Maria hat es betrachtet. Sie war eine fromme und schriftkundige Jüdin. Sie ist im Tempel aufgewachsen und kannte die Hl. Schriften so gut wie nicht unbedingt jeder andere „normale“ Jude. Sie wird all die Dinge im Lichte der Tradition und der messianischen Verheißung reflektiert und alles durchgebetet haben. Sie „bewahrte“ all diese Worte (συντηρέω syntereo „bewahren, bewachen“) und „erwog“ sie im Herzen (συμβάλλω symballo „zusammenwerfen“). Sie zählte also eins und eins zusammen! Sie erkannte die Symbolik verschiedener heilsgeschichtlicher „Mosaiksteinchen“ und fügte sie nach und nach zu einem Mosaikbild zusammen. Das heißt dieser bedeutungsvolle Vers.
Die Hirten haben nicht nur verkündet, sondern sind durch dieses ganze Ereignis mit Freude und Glauben erfüllt worden. Ihr Leben wird sich nach all dem verändert haben.
Dann hören wir das, was im Galaterbrief Paulus reflektiert: Jesus ist am achten Tag beschnitten worden, wie es jüdischer Brauch ist. Bei dem Ritual der Beschneidung erhält das Kind den Namen und dadurch, dass Josef ihn nennt, nimmt er Jesus vor dem jüdischen Gesetz als Adoptivsohn an. Maria und Josef nennen das Kind so, wie Gott es wollte: Jesus. Das heißt „Jahwe rettet“. Damit erhält das Kind das Lebensprogramm – es rettet als Gott die ganze Menschheit. Es ist der Anfang dieser neuen heilsgeschichtlichen Etappe, die mit dem Leiden, dem Tod und der Auferstehung Christi vollendet werden wird. Von da an werden wir durch die fleischgewordene Torah gerettet, nicht mehr durch die geschriebene Torah.

Maria hat als fromme Jüdin alles gehorsam umgesetzt, was die Torah vorschreibt.
Maria hat zugleich Gott geglaubt, dass er seine Verheißung wahr macht.
Maria hat ge-hor-sam (von „hören“) alles in ihrem Herzen gesammelt und eins und eins zusammengezählt. Sie ist die perfekte Schülerin des Pädagogen – nicht nur der Torah, sondern v.a. des Schreibers der Torah, nämlich Gott!
So ist Maria selbst nach Jesus zur ersten Neuschöpfung geworden, die vom „Gesetz“ zum „Glauben“ übergegangen ist – in die neue heilsgeschichtliche Etappe.

Könnten wir heute etwas zu den Galatern sagen, damit sie der Versuchung einer Rejudaisierung nicht erliegen, würden wir auf Maria verweisen. Sie ist das perfekte Vorbild beim Überschreiten der alten heilsgeschichtlichen Phase hinüber zur neuen.

Bitten wir heute Maria um ihre Fürsprache, damit auch hier so ge-hor-sam werden und das Talent des „symballein“ erhalten – eins und eins zusammenzählen zu können, was Gott in unserem Leben wirkt.
Bitten wir auch um ihre Fürsprache, dass wir gute Schüler in der Schule Gottes werden. Er leitet uns auch heute an und möchte uns seinen Willen lehren.
Seien wir gehorsam in der Situation, in der wir uns befinden. Tun wir unser bestes, den christlichen Glauben umzusetzen und die kirchlichen Gebote zu halten. Am Ende der Zeiten werden wir in eine weitere neue Etappe treten, in der es keine Kirche mehr geben wird in der Form wie jetzt. Dann kommen wir vom Glauben zum Schauen.

Ihre Magstrauss

Fest der Heiligen Familie

Sir 3,2-6.12-14 (oder 3,3-7.14-17a); Ps 128,1-5; Kol 3,12-21; Mt 2,13-15.19-23

Liebe Freunde,
heute ist das Fest der Heiligen Familie. Das bezieht sich auf Josef, Maria und Jesus. Dieses Fest feiern wir immer am Sonntag nach Weihnachten (früher am Sonntag nach Erscheinung des Herrn). Wir betrachten diese Familie als unser Vorbild. Alles, was schon im AT über das ideale Familienleben geschrieben steht, können wir auf besonders eindrückliche Weise an der Heiligen Familie erfüllt sehen. Dabei ist sie wiederum nur Abbild der göttlichen Familie: der heiligsten Dreifaltigkeit. Zwar glauben wir, dass Jesus und Maria ohne Sünde sind, Josef aber von der Erbsünde nicht bewahrt ist. Die Eltern Jesu sind zudem nicht allwissend und müssen deshalb so einiges mit einem Fragezeichen hinnehmen. Und dennoch kann uns diese Familie gerade darin ein Vorbild sein: Wie halten wir in Krisen zusammen?

Sir 3
2 Denn der Herr hat dem Vater Ehre verliehen bei den Kindern und das Recht der Mutter bei den Söhnen bestätigt. 
3 Wer den Vater ehrt, sühnt Sünden,
4 und wer seine Mutter ehrt, sammelt Schätze. 
5 Wer den Vater ehrt, wird Freude haben an den Kindern und am Tag seines Gebets wird er erhört. 
6 Wer den Vater ehrt, wird lange leben, und seiner Mutter verschafft Ruhe, wer auf den Herrn hört. 
7 Wer den Herrn fürchtet, ehrt den Vater. So wie Herren dient er seinen Eltern.
12 Kind, nimm dich deines Vaters im Alter an und kränke ihn nicht, solange er lebt! 
13 Wenn er an Verstand nachlässt, übe Nachsicht und verachte ihn nicht in deiner ganzen Kraft! 
14 Denn die dem Vater erwiesene Liebestat wird nicht vergessen; und statt der Sünden wird sie dir zur Erbauung dienen. 
15 Am Tag deiner Bedrängnis wird man sich deiner erinnern; wie heiteres Wetter auf Frost folgt, so werden sich deine Sünden auflösen. 
16 Wie ein Gotteslästerer ist, wer den Vater im Stich lässt, und ein vom Herrn Verfluchter ist, wer seine Mutter erzürnt.
17 Kind, bei all deinem Tun bleibe bescheiden und du wirst geliebt werden von anerkannten Menschen!

Das Buch Jesus Sirach ist eine weisheitliche Schrift und liefert uns sehr sehr wichtige Aspekte, die zum vierten Gebot auch im Katechismus zusammengefasst werden: Wir sollen Vater und Mutter ehren. Das ist nicht einfach nur eine Floskel, sondern führt uns zum Heil!
Es ist sogar so, dass wir unsere eigenen Sünden sühnen, wenn wir gehorsam sind! Das muss man sich auf der Zunge zergehen lassen. Wer den Eltern gehorsam ist, sammelt sich zudem Schätze – himmlische Schätze, gemeint ist die Gnade. Warum eigentlich? Unsere Eltern haben uns das Leben geschenkt. Dass wir da sind, haben wir ihnen zu verdanken. Ganz unabhängig davon, wie sie uns behandeln, was sie uns geben und was nicht, sie verdienen unsere Ehre einfach schon dadurch, dass wir dank ihnen existieren.
Wenn wir unsere Eltern behandeln, wie es Gott gefällt, werden wir Segen haben und im Stand der Gnade sein: Dann wird Gott unsere Gebete erhören und wir werden selbst Kinderreichtum genießen. Viele Kinder sind im AT immer ein Zeichen des Segens Gottes. Wenn es im AT zudem heißt, dass man lange leben wird, meint es zu Beginn noch das irdische Leben oder das Weiterleben in den Nachfahren. Mit der Zeit werden die Juden es aber als ein Weiterleben nach dem Tod verstehen, wenn sie nach und nach die Auferstehung begreifen. Hier im Buch Jesus Sirach darf man Jenseitsvorstellungen schon voraussetzen! Wir gewinnen das Himmelreich, wenn wir unseren Eltern gehorsam sind und ihnen die Ehre geben, die ihnen zusteht. Das hat Jesus getan, wie wir nachher noch lesen werden. Er als Gott (!) hat sich seinen irdischen Eltern unterworfen und den Beruf seines Ziehvaters Josef erlernt. Er wird sich nach dem Tod Josefs um seine Mutter kümmern und noch am Kreuz dafür sorgen, dass nach seinem eigenen Tod der Apostel Johannes Maria zu sich nehmen wird. Für uns sind das ganz wichtige Aussagen in einer Zeit, in der Kinder immer weniger Respekt vor ihren Eltern haben. In einer Zeit, in der Eltern sogar Angst vor ihren Kindern haben müssen. In einer Zeit, in der die Kinder die „Herren“ (Vers 7) sind und nicht die Eltern. Am Ende der Zeiten ist es unser Ziel, dem himmlischen Vater, dem Herrn, auf ewig die Ehre zu geben, in dem wir mit allen Engeln und Heiligen ihn loben und preisen. Dann werden wir das nicht mehr abbildhaft tun wie bei unseren irdischen Eltern, sondern vollkommen.
Es schließen sich an die bisher grundsätzlichen Überlegungen ganz konkrete Anweisungen an: Wir sollen uns um unsere Eltern im Alter kümmern. Warum? Als wir klein und hilflos waren, waren sie es, die sich um uns gekümmert haben. Sie haben auf so vieles verzichtet, um uns großzuziehen: auf Schlaf, auf eigenen Luxus, auf eigene Pläne, auf Selbstverwirklichung, auf den eigenen Willen. Wenn sie mit dem Alter nun immer hilfloser werden, wendet sich das Blatt. Nun liegt es an uns, ganz für sie da zu sein, bis sie aus diesem Leben scheiden. Das ist der Lauf der Dinge.
Als wir kleine Kinder waren und herumgenörgelt haben, als wir noch nicht sprechen konnten und unseren eigenen Kopf durchs laute Schreien und Weinen kundgetan haben, nahmen unsere Eltern alles geduldig hin. Sie gaben uns zu essen, wechselten unsere Windeln und sangen uns stundenlang in den Schlaf. Haben unsere Eltern es nicht verdient, dass wir nachsichtig und geduldig mit ihnen umgehen, wenn ihr Verstand nachlässt und sie uns immer schlechter hören? Haben sie es nicht verdient, dass wir ihre mit dem Alter wachsende Sturheit ertragen? Unsere Eltern verachteten uns doch auch nicht, als wir kleine schwache Babys waren. So steht es uns auch nicht zu, in der Fülle unseres Lebens verachtend auf unsere alternden Eltern zu schauen.
Unser respektvoller Umgang als erwachsene Kinder wird nicht unerkannt bleiben. Gott wird sich dies merken und uns dafür reich beschenken.
Wer die Eltern im Stich lässt, wird als Gotteslästerer angesehen. Das ist wichtig: Die Gottesfurcht wird nämlich durch die Elternfurcht umgesetzt, die Abbild Gottes in unserer Familie sind. Furcht meint in diesem Fall nicht Angst, also etwas Pathologisches, sondern den Respekt und das Bemühen, den Anderen nicht zu verletzen. Gott hat uns unsere Eltern geschenkt. Dieses sollen wir dankbar annehmen und gut damit umgehen, sonst beleidigen wir den, der uns das Geschenk gemacht hat. Unsere Eltern sind Gottes Hände und Füße in unserer Familie. Sie sind sein Ausführungsorgan. Er liebt uns durch unsere Eltern. Und wir lieben ihn durch unsere Eltern. Das ist der Wille Gottes für die Familien.
Diese Elternliebe soll schlicht sein und kein Grund zur Angeberei. Das ist nicht etwas, womit man angeben kann, sondern das Mindeste, das wir unseren Eltern schulden. Wie können wir da Lob erwarten?

Ps 128
1 Ein Wallfahrtslied. Selig jeder, der den HERRN fürchtet, der auf seinen Wegen geht! 
2 Was deine Hände erarbeitet haben, wirst du genießen; selig bist du – es wird dir gut ergehn. 
3 Deine Frau ist wie ein fruchtbarer Weinstock im Innern deines Hauses. Wie Schösslinge von Ölbäumen sind deine Kinder rings um deinen Tisch herum. 
4 Siehe, so wird der Mann gesegnet, der den HERRN fürchtet. 
5 Es segne dich der HERR vom Zion her. Du sollst schauen das Glück Jerusalems alle Tage deines Lebens.

Der Psalm betont das, was den Kern der Elternliebe aus dem Buch Jesus Sirach darstellt: Es geht letztendlich um Gottesfurcht. Selig sind wir, wenn wir Gottes Gebote halten. Das ist die konkrete Umsetzung der Gottesfurcht. Wir werden Segen haben, wenn wir „auf seinen Wegen“ gehen. Dieser Segen wird sich z.B. am Erntereichtum zeigen. Vielleicht erinnern Sie sich an die Worte Gottes in Gen 3 nach dem Sündenfall? Eine Folge der Erbsünde ist die mühevolle Arbeit, um das tägliche Brot essen zu können. Erntereichtum ist dagegen ein Zeichen der Gnade Gottes.
Wenn die Frau als fruchtbarer Weinstock bezeichnet wird, ist das ebenfalls ein Zeichen des Segens Gottes. Kinderreichtum wird immer zum Indikator vor allem für die Frau, dass sie den Segen Gottes auf sich hat. Die Kinder als Ölbäume deuten auf deren Langlebigkeit und Fruchtbarkeit hin. Der Ölbaum ist deshalb ein Bild, das häufig zusammen mit dem Weinstock genannt wird.
Was nach jüdischem Verständnis Ausdruck des Segens Gottes war, ist christologisch erfüllt worden, jedoch auf eine neue und unerwartete Weise: Maria und Josef, zwei gottesfürchtige Menschen, erlangen eine Fruchtbarkeit, die ungleich größer ist als die biologische. Ein Ehepaar, das lebenslange Enthaltsamkeit lebt, zieht Gott selbst auf, Jesus Christus. Maria, die gottgeweiht ist und von allen Menschen die größte Gottesfurcht gehabt hat, ist zur Mutter aller und zum Urbild der Kirche geworden, die Menschen durch die Taufe zum neuen Leben gebiert. Diese geistige Fruchtbarkeit, wie man das Führen von Menschen zu Jesus nennen kann, übertrifft die biologische Fruchtbarkeit als Segen, wie er in diesem Psalm zum Ausdruck kommt.
Wenn es dann zum Ende hin heißt „Es segne dich der HERR vom Zion her“, dann ist das ein besonderer Segen. Für die Israeliten war das die maximale Form von Segen, denn „vom Zion“ meint „vom Tempel“. Und dort wohnte die Herrlichkeit Gottes. Wir Christen sehen darin eine typologische Verbindung zum eucharistischen Segen. „Zion“ ist nun die Kirche, in der das Allerheiligste nicht mehr die Bundeslade, sondern der Tabernakel mit den konsekrierten Hostien ist – das fleischgewordene Wort Gottes. Und zuvor müssen wir auf eine entscheidende Typologie hinweisen, die das ganze heutige Fest erklärt! Nämlich die Muttergottes selbst als Zion! Sie trägt den Sohn Gottes, das fleischgewordene Wort Gottes. Gottes Segen geht von ihrem Leib aus! Sie ist die neue Bundeslade, in der nicht mehr die Torah in Steintafelform, sondern als Mensch geborgen ist, nicht mehr die Schaubrote, sondern das lebendige Brot, das vom Himmel herabgekommen ist. Von diesem Zion geht Segen aus, weil der HERR selbst mit ihr ist. Schauen wir auf dieses Vorbild, verstehen wir die besondere Bedeutung des mütterlichen Segens, auch den Segen unserer irdischen Mutter. Sie hat uns geboren, die wir Abbild Gottes sind, wenn auch nicht Gottes Sohn wie Jesus. Wenn wir Gottes Willen tun, in diesem Fall das Ehren der Eltern, dann geht von diesen Eltern der Segen Gottes auf uns über!
Das ewige Schauen des Glücks Jerusalems ist dann auch mehr als nur wörtlich zu verstehen: Es bezieht sich auf die Glückseligkeit des himmlischen Jerusalems. Dann werden wir mit der himmlischen Familie, also in Gemeinschaft der Heiligsten Dreifaltigkeit leben. Dann kommen wir von der Abbildhaftigkeit zur Vollendung. Das dürfen wir sakramental schon jetzt erfahren in der Gemeinschaft der Gläubigen, der Kirche. Wir sind eine einzige Familie, bei der der Priester unser Vater ist. Er sorgt für die Sakramente und Sakramentalien. Die Kirche gebärt uns, zieht uns auf und nährt uns mit den Heilsmitteln seelisch. Alle Gläubigen sind Geschwister im Glauben und bilden so die geistliche Familie, von der Jesus gesprochen hat (Mt 12,50; Mk 3,35).

Kol 3
12 Bekleidet euch also, als Erwählte Gottes, Heilige und Geliebte, mit innigem Erbarmen, Güte, Demut, Milde, Geduld! 
13 Ertragt einander und vergebt einander, wenn einer dem anderen etwas vorzuwerfen hat! Wie der Herr euch vergeben hat, so vergebt auch ihr! 
14 Vor allem bekleidet euch mit der Liebe, die das Band der Vollkommenheit ist! 
15 Und der Friede Christi triumphiere in euren Herzen. Dazu seid ihr berufen als Glieder des einen Leibes. Seid dankbar! 
16 Das Wort Christi wohne mit seinem ganzen Reichtum bei euch. In aller Weisheit belehrt und ermahnt einander! Singt Gott Psalmen, Hymnen und geistliche Lieder in Dankbarkeit in euren Herzen! 
17 Alles, was ihr in Wort oder Werk tut, geschehe im Namen Jesu, des Herrn. Dankt Gott, dem Vater, durch ihn!
18 Ihr Frauen, ordnet euch den Männern unter, wie es sich im Herrn geziemt!
19 Ihr Männer, liebt die Frauen und seid nicht erbittert gegen sie! 
20 Ihr Kinder, gehorcht euren Eltern in allem, denn das ist dem Herrn wohlgefällig!
21 Ihr Väter, schüchtert eure Kinder nicht ein, damit sie nicht mutlos werden!

Auch der Paulusbrief gibt uns heute konkrete Anweisungen, wie wir als Familie zusammenleben sollen. Er sagt auch aus, warum wir wie beschrieben leben sollen: „als Erwählte Gottes, Heilige“. Durch die Taufe sind wir zur Heiligkeit berufen und dies soll sich an unserem Lebensstil bemerkbar machen.
Wir sollen einander ertragen. Wir können uns die Familienmitglieder nicht aussuchen und es kommt manchmal zu Spannungen. Charaktere treffen aufeinander, die nicht immer kompatibel sind. Wir sollen das aber aushalten.
Ein entscheidender Aspekt ist die Vergebung. Wir sollen einander immer verzeihen, jeden Tag aufs Neue. Wir sollen das bedingungslos tun, weil wir in der Nachfolge Christi stehen. Er hat immer und überall vergeben. Er hat noch seinen Henkern am Kreuz vergeben und für sie gebetet. Das soll unser Vorbild auch im Familienleben sein.
Zu dieser Voraussetzung tritt das Band, das alles zusammenhält – die Liebe. Diese ist nicht immer nur ein schönes Gefühl. Spätestens da, wo wir einander vergeben müssen, obwohl wir uns gegenseitig am liebsten auf den Mond schießen würden. Liebe ist manchmal harte Arbeit, und stets die Entscheidung füreinander, auch wo unsere momentanen Gefühle dagegen sprechen.
Der Wunsch einer friedlichen Familie kann nur in Erfüllung gehen, wo Gott Einzug in sie hält. Wo Gott das Zentrum der Familie ist, kann auch sein Frieden, der vollkommen ist, in ihr wirken.
Wir sollen dankbar sein. Das ist nicht zu unterschätzen. Das hat nämlich zur Folge, dass wir nichts, ich wiederhole, NICHTS für selbstverständlich nehmen sollen. Das zeigen wir im Alltag dadurch, dass wir uns für die Dinge bedanken, die uns der andere gibt und tut.
„Das Wort Christi wohne mit seinem ganzen Reichtum bei euch“ heißt, dass das Evangelium ganz und gar Realität in unseren Familien sein soll. Es soll davon geredet werden, aber vor allem soll es gelebt werden.
Wir sollen uns gegenseitig belehren (natürlich mit Liebe) und Gott loben mit Liedern und Gebeten. Das alles klingt, als ob hier nicht die Rede von Familie, sondern Kirche ist. Beides stimmt. Die Familie ist nämlich eine Hauskirche, eine Zelle des Leibes Christi. Diese geistige Dimension von Familie dürfen wir nicht vergessen. Deshalb ist das gemeinsame Gebet analog zur Leiturgia zu betrachten, die gegenseitige Ermahnung analog zur Martyria und das gegenseitige Lieben und Verzeihen analog zur Diakonia. Diese drei wiederum sind die kirchlichen Grundvollzüge. Und so wie alles in der Kirche im Namen Jesu geschehen soll, gilt es für das Familienleben.
Es schließt sich dann eine „Haustafel“ an, das heißt eine Erklärung, wie die Mitglieder des Hauses zueinander stehen sollen. Auch dies ist analog zur Hierarchie der Kirche zu verstehen: Frauen sollen sich ihren Männern unterordnen, die Männer sollen das aber nicht missbrauchen, sondern ihre Frauen lieben. Sie sollen auch die Kinder nicht einschüchtern, obwohl die Kinder den Eltern gehorchen sollen. Das ist die christliche Ordnung der Familie. Leben wir so, haben wir Segen und den Frieden Christi. Das Haupt der Kirche ist Christus, der vor seinem Heimgehen zum Vater Apostel bevollmächtigt hat, an seiner Statt die Rolle des Hauptes einzunehmen. Die Frau ist die Kirche, die Kinder gebärt, sie erzieht und nährt. Der Priester soll seine Frau, die Kirche lieben und nicht über sie herrschen. Die Kirche soll sich dem Mann, dem Priester in persona Christi unterordnen. Die Kinder, die geboren werden, die Täuflinge, diejenigen, die noch im Begriff sind, in die volle Gemeinschaft der Gläubigen aufgenommen zu werden, sollen der Kirche gehorchen, das heißt die Gebote Gottes und Voraussetzungen für den sakramentalen Empfang erfüllen. Sie sollen auch dem Priester gehorsam sein und auf ihn hören. Das hat aber nichts mit Machtgefüge zu tun, weil diese Art von Unterordnung und Hauptsein Christus zum Zentrum hat. Wo dieser aus der Mitte entfernt wird – sowohl in der Kirche als auch in der Familie – gerät diese Hierarchie aus den Fugen. Dann kommt Missbrauch, Hass und Gewalt hinein. Und diejenigen, die am meisten darunter leiden, sind die Kinder – sowohl in der Familie als auch in der Kirche.

Mt 2
13 Als die Sterndeuter wieder gegangen waren, siehe, da erschien dem Josef im Traum ein Engel des Herrn und sagte: Steh auf, nimm das Kind und seine Mutter und flieh nach Ägypten; dort bleibe, bis ich dir etwas anderes auftrage; denn Herodes wird das Kind suchen, um es zu töten. 
14 Da stand Josef auf und floh in der Nacht mit dem Kind und dessen Mutter nach Ägypten. 
15 Dort blieb er bis zum Tod des Herodes. Denn es sollte sich erfüllen, was der Herr durch den Propheten gesagt hat: Aus Ägypten habe ich meinen Sohn gerufen.
19 Als Herodes gestorben war, siehe, da erschien dem Josef in Ägypten ein Engel des Herrn im Traum 
20 und sagte: Steh auf, nimm das Kind und seine Mutter und zieh in das Land Israel; denn die Leute, die dem Kind nach dem Leben getrachtet haben, sind tot. 
21 Da stand er auf und zog mit dem Kind und dessen Mutter in das Land Israel. 
22 Als er aber hörte, dass in Judäa Archelaus anstelle seines Vaters Herodes regierte, fürchtete er sich, dorthin zu gehen. Und weil er im Traum einen Befehl erhalten hatte, zog er in das Gebiet von Galiläa 
23 und ließ sich in einer Stadt namens Nazaret nieder. Denn es sollte sich erfüllen, was durch die Propheten gesagt worden ist: Er wird Nazoräer genannt werden.

Im Evangelium hören wir heute davon, dass die Hl. Familie von Anfang an bedroht wird. Herodes sieht mit der Geburt Jesu Christi sein Königtum in Gefahr und trachtet deshalb nach dem Leben des Kindes. Gott lässt die Familie aber auch in dieser schweren Stunde nicht im Stich, sondern gibt dem Gerechten erneut einen Traum. Er wird gewarnt und flieht deshalb mit dem Kind und „dessen Mutter“ nach Ägypten. Hier haben wir übrigens wieder eine Formulierung, die zeigt, dass er nicht der Vater des Kindes ist. Erst nach dem Tod des Königs ist die Lage wieder sicher, sodass er mit seiner Familie nach Nazaret zurückkehren kann. Hier heißt es sogar, dass die Familie anscheinend darüber nachgedacht hatte, nach Judäa zu gehen. Das verwundert vielleicht, weil wir bisher gehört haben, dass Josef und Maria in Nazaret gelebt hatten. Verstehen können wir dies erst, wenn wir die messianischen Verheißungen wieder berücksichtigen. Die Eltern Jesu wussten, dass ihr Sohn der Messias ist, von dem es heißt, dass er als Sohn Davids nach Jerusalem gehört. Dies wird sich erst im Erwachsenenalter realisieren, wenn er auf einer Eselin nach Jerusalem hinein geritten kommen wird und die Menschen ihn mit Hosannarufen begrüßen werden. Bis dahin wird er als Spross (nezer) in Nazaret aufwachsen. Deshalb wird man ihn auch Jesus von Nazaret oder den Nazoräer nennen – Jesus, den Spross!
Die ganzen Umstände werden hier im Matthäusevangelium aus heilsgeschichtlicher Sicht betrachtet und gedeutet. Die Schrift erfüllt sich auch hier.
Wie wir in den letzten Wochen schon öfter gehört haben, betont das Matthäusevangelium die Ereignisse aus der Sicht Josefs und aus der Sicht der alttestamentlichen Verheißungen. Wir sehen hier, wie ein Vater sein soll. Er soll beschützen. Insofern soll er das Haupt der Familie sein. Ein Vater soll zudem gehorsam sein – nämlich Gott. So wie Josef ohne Zögern den Willen Gottes direkt umsetzt, so soll der Vater sein eigenes „Herrschen“ der Herrschaft Gottes unterstellen. So wird er seine „Macht“ nie missbrauchen, sondern mit seinem ganzen Sein dienen. Dann wird sich die Frau ihrem Mann auch gerne unterordnen. Maria hat nie Einwände gezeigt (so wird es jedenfalls nie berichtet). Sie macht alles mit, weil sie weiß, dass ihr Mann nach dem Willen Gottes Entscheidungen trifft.
Was Paulus im Kolosserbrief schildert, sehen wir anhand der Hl. Familie vorgelebt. Sie ist uns wirklich ein Vorbild, dem wir nacheifern können. Gewiss werden wir das Ideal nie ganz erfüllen, weil wir sündige Menschen sind. Väter missbrauchen ihre Macht leider doch manchmal und schüchtern ihre Kinder ein. Mütter ordnen sich alles andere als unter, sondern tragen einen regelrechten Konkurrenzkampf mit dem Vater aus. Kinder gehorchen ihren Eltern nicht und haben auch keinen Respekt vor ihnen. Die Ordnung der Familie, die Frieden bringen würde, ist oft nicht gegeben. Und doch ist die Hl. Familie unser Maßstab, unser Ziel, unser Wunsch. Wir dürfen trotz der Missstände unser Ideal nicht aufgeben, sonst sind wir verloren! So wie Josef, Maria und Jesus müssen wir wieder lernen, Gott in unsere Mitte zu stellen, dann wird er nach und nach die Ordnung in unser Familienleben bringen, die uns Frieden bringt.

Ihre Magstrauss

Mittwoch der dritten Adventswoche (A)

Jer 23,5-8; Ps 72,1-2.12-13.18-19; Mt 1,18-24

Jer 23
5 Siehe, Tage kommen – Spruch des HERRN – , da werde ich für David einen gerechten Spross erwecken. Er wird als König herrschen und weise handeln und Recht und Gerechtigkeit üben im Land. 
6 In seinen Tagen wird Juda gerettet werden, Israel kann in Sicherheit wohnen. Man wird ihm den Namen geben: Der HERR ist unsere Gerechtigkeit. 
7 Darum siehe, Tage kommen – Spruch des HERRN – , da sagt man nicht mehr: So wahr der HERR lebt, der die Söhne Israels aus dem Land Ägypten heraufgeführt hat!, 
8 sondern: So wahr der HERR lebt, der die Nachkommen des Hauses Israel aus dem Nordland und aus allen Ländern, in die er sie verstoßen hatte, heraufgeführt und zurückgebracht hat! Dann werden sie auf ihrem eigenen Boden wohnen.

Die heutige Lesung aus dem Buch Jeremia ist eine weitere Prophezeiung eines davidischen Herrschers, der ganz Israel retten wird. Diese schließt sich insbesondere an die gestrigen Lesungen an, in denen bereits der sterbende Jakob ähnliches verheißen hat. Im Hebräischen steht ein Partizip für „kommen“. Das impliziert immer einen anhaltenden Zustand. Gott wird nicht kommen, er ist schon dabei, es zu tun! Partizipien werden immer gebraucht, um eine gewisse Zeitlosigkeit/übergreifende Zeitlichkeit auszudrücken. So wird das Kommen auf die Zukunft ausgeweitet. Was hier also verheißen wird, ist auf die Zukunft bezogen. Gott wird einen Spross erwecken, das heißt einen Nachkommen. Wir denken an dieser Stelle an den Stammbaum Jesu Christi des gestrigen Evangeliums.
Es wird ein König verheißen, der wirklich gerecht sein wird. Bei Jeremia geht es wörtlich-historisch um einen irdischen Herrscher, der Israel aus dem Nordland in die Heimat zurückführen wird, also politisch gerecht handeln wird. Er hat jahrelang den Untergang Jerusalems vorhergesagt, was dann mit der babylonischen Herrschaft eintrat. Umso bemerkenswerter ist es, dass er gleichzeitig zu seiner Untergangsprophetie die Trostbotschaft verbreitete, dass Gott sein Volk mit einem gerechten König retten wird. Das kommt in Vers 6 besonders zum Ausdruck, wo mit dem Verb תִּוָּשַׁ֣ע  tivascha „sie (Jerusalem) wird gerettet werden“ diese Befreiung prophezeit wird. Dabei haben wir wieder dieselbe Wurzel wie im Namen Jesu, also für uns ein messianisches Signal! Es handelt um mehr als nur um die Ankündigung eines gerechten Herrschers. Man denkt vor allem an den Perserkönig Kyros, über den wir in den letzten Wochen öfters gelesen haben. Dass es aber eben nicht auf ihn anspielt, oder zumindest nicht nur, sehen wir an dem Anfang der Lesung: Es soll ja ein Nachkomme Davids sein und nicht ein Perser! Es wird nicht nur ein Israelit, nicht nur jemand aus dem Stamm Juda sein, sondern sogar Davidide! Die Angabe ist schon sehr spezifisch und weist für uns auf den Messias hin. Der Angekündigte wird weise und gerecht handeln, was die Eigenschaften Salomos sind und auch von Jesus werden wir die Weisheit in Person lesen und davon, dass der Menschensohn gerechtes Gericht ausüben wird am Ende der Zeiten. Hier wird Jesus angekündigt! Er wird das Volk befreien – das Volk Gottes aus der Knechtschaft der Sünde. Er ist es, der uns aus unserem sündhaften Zustand in den Stand der Gnade zurückholt und er ist es, der uns aus der Knechtschaft der Welt ins Himmelreich holt.
Der entscheidende Unterschied wird sein: Jesus als Retter, wie sein Name schon verrät, wird nicht politisch retten und das Wohnen in Sicherheit bezieht sich nicht auf das irdische Dasein.
Wörtlich-historisch wird deutlich, dass mit dem befreienden König Gott selbst an den Israeliten handeln wird. Bei Jeremia lesen wir ein wichtiges Verständnis von Geschichte: Sie wiederholt sich und deshalb setzt er den Exodus aus Ägypten typologisch mit dem Auszug des Volkes Israel aus dem babylonischen Exil in Verbindung! Im NT wird eine weitere typologische Brücke dazu gezogen, wenn z.B. Paulus in Röm 6 Jesu Erlösungstat als Befreiung aus der Sklaverei der Sünde bezeichnet und in Joh 8 Jesus selbst so etwas sagt.
Und wie nach dem Auszug aus Ägypten die umstehenden Völker den Gott Israels aufgrund dieser spektakulären Heilstat anerkannten, wird dies auch mit der Befreiung aus dem Exil so sein. Wir erweitern die Typologie bis zu Jesus und können nach 2000 Jahren Kirchengeschichte wirklich bestätigen: Durch Gottes große Heilstaten, die allen Menschen offenbar werden, erkennen immer wieder Menschen der „Völker“ Christus an (das ist der Begriff für die Nichtjuden und in diesem Fall jetzt der Nichtchristen). Sie lassen sich von seiner Liebe berühren und werden durch die Taufe zu Erben seines Reiches. Auch in unserem Leben handelt Gott mit großen Heilstaten, sodass andere Menschen durch uns zum Glauben an ihn kommen. Am Ende der Zeiten werden alle Gott anerkennen, wenn er seine große Macht und Herrlichkeit entschleiern wird.
Es war für die Israeliten ein großer Trost, zu hören, dass sie auf eigenem Boden leben werden. Dieser Boden ist das verheißene Land, in dem Milch und Honig fließen und auf dem sie Gott opfern können im Tempel. Diese Verheißung ist auch weiter zu lesen als messianische Verheißung: Jesus wird kommen und das Reich Gottes verkündigen. Er wird sagen: „Selig die Sanftmütigen, denn sie werden das Land erben.“ Es handelt sich um ein Land, das nicht von dieser Welt ist und doch sakramental, nämlich durch die Kirche schon vorweggenommen wird, der Gemeinschaft der Gläubigen. Dann ist das schon ein eschatologisches Heimatgefühl, das doch vorübergehend ist. In einem Kirchenlied, das oft bei Beerdigungen gesungen wird, heißt es nicht umsonst: „Wir sind nur Gast auf Erden und wandern ohne Ruh‘ mit mancherlei Beschwerden der ewigen Heimat zu.“ Das zu erbende Land ist das himmlische Jerusalem am Ende der Zeiten.
Diese Rettung und das Ziel des Lebens in dieser Heimat beginnt mit der Menschwerdung Gottes. Deshalb können wir uns heute über diese Lesung eine Woche vor Weihnachten ganz besonders freuen! Bald kommt der König, der weiser und gerechter ist als alle irdischen Könige zusammen.

Ps 72
1 Für Salomo. Verleih dein Richteramt, o Gott, dem König, dem Königssohn gib dein gerechtes Walten. 
2 Er regiere dein Volk in Gerechtigkeit und deine Elenden durch rechtes Urteil. 
12 Ja, er befreie den Armen, der um Hilfe schreit, den Elenden und den, der keinen Helfer hat. 
13 Er habe Mitleid mit dem Geringen und Armen, er rette das Leben der Armen.  18 Gepriesen sei der HERR, der Gott Israels! Er allein tut Wunder. 
19 Gepriesen sei der Name seiner Herrlichkeit auf ewig! Die ganze Erde sei erfüllt von seiner Herrlichkeit. Amen, ja amen.

Dieser Psalm begegnet uns schon zum dritten Mal in diesem Kirchenjahr, weil er DER Psalm des erwarteten davidischen Messias ist. Zunächst passt er wörtlich-historisch zu der Lesung. Dort wird ein Nachkomme Davids verheißen, der als König das Volk Israel gerecht regieren und aus der Knechtschaft befreien wird. Hier lesen wir nun die Bitte Davids und Salomos um die Fähigkeit des gerechten Waltens. Durch den Psalm lernen wir heute, dass es sich um eine Gottesgabe handelt, wenn ein König gerecht ist.
Die Bitte Davids für seinen Nachfolger Salomo umfasst neben der Gabe, gerecht und solidarisch zu herrschen, in allem die Option für die Armen zu treffen.
Wir erkennen erneut die typologische Brücke zu dem neuen Salomo Jesus. Er ist tatsächlich gerecht. Er ist immer solidarisch mit den Randständigen, sehr zum Unmut der religiösen Elite seiner Zeit. Und das Entscheidende: Er ist es, der das Leben der Armen rettet. Sein Name ist Programm („Jahwe rettet“). Er rettet unser ewiges Leben, in dem er uns alle von der Erbsünde befreit und die ewige Heimat ermöglicht. Die Armut ist in dem Fall dann der Zustand der Sünde. So rettet Jesus das Leben jedes Einzelnen, der in Todsünde lebt. Er wird uns retten von den Leiden dieser Welt, wenn er wiederkommt am Ende der Zeiten.
David preist Gott für seine Wunder. Er hat das Heil für uns alle bereit. Er ist unendlich gut und verdient unser Lob zu aller Zeit.
Interessant ist der Schluss des Psalms: Die ganze Erde soll mit seiner Herrlichkeit erfüllt sein. Diese Sehnsucht ist jüdisch gesehen unerhört. Die Herrlichkeit Gottes wohnt nämlich im Tempel. Der Wunsch der Ausweitung auf die ganze Welt kommt daher, dass der Tempel Gottes ja zerstört werden wird, sodass Gott örtlich nicht mehr fassbar wird. Umso mehr entwickelt sich eine solche Sehnsucht im Exil. Mit Jesus wird dies Realität. Gott ist natürlich omnipräsent und deshalb überall. Aber durch die Eucharistie wird Gottes Herrlichkeit auch physisch und örtlich gebunden – in jedem Tabernakel der Kirche, in jeder Hl. Messe! Nicht mehr nur der Hohepriester einmal im Jahr hat das Privileg, das Allerheiligste aufzusuchen, sondern jeder Christ – zu jeder beliebigen Zeit! Umso trauriger, dass der Herr in vielen Kirchen alleine bleibt. Gott erweist uns so eine große Gnade, so ein Privileg, doch wir nehmen es nicht in Anspruch. Erfüllt ist die ganze Erde mit dem Hl. Geist, den Jesus uns vom Vater gesandt hat am Pfingsttag. Dieser Geist weht, wo er will, nicht nur im Hause Israels. Das ist eine Erfüllung des Wunsches von Ps 72.

Mt 1
18 Mit der Geburt Jesu Christi war es so: Maria, seine Mutter, war mit Josef verlobt; noch bevor sie zusammengekommen waren, zeigte sich, dass sie ein Kind erwartete – durch das Wirken des Heiligen Geistes. 
19 Josef, ihr Mann, der gerecht war und sie nicht bloßstellen wollte, beschloss, sich in aller Stille von ihr zu trennen. 
20 Während er noch darüber nachdachte, siehe, da erschien ihm ein Engel des Herrn im Traum und sagte: Josef, Sohn Davids, fürchte dich nicht, Maria als deine Frau zu dir zu nehmen; denn das Kind, das sie erwartet, ist vom Heiligen Geist. 
21 Sie wird einen Sohn gebären; ihm sollst du den Namen Jesus geben; denn er wird sein Volk von seinen Sünden erlösen. 
22 Dies alles ist geschehen, damit sich erfüllte, was der Herr durch den Propheten gesagt hat: 
23 Siehe: Die Jungfrau wird empfangen und einen Sohn gebären und sie werden ihm den Namen Immanuel geben, das heißt übersetzt: Gott mit uns. 
24 Als Josef erwachte, tat er, was der Engel des Herrn ihm befohlen hatte, und nahm seine Frau zu sich.

Das heutige Evangelium ist die Fortsetzung des gestrigen. Im Anschluss an den Stammbaum hören wir jetzt von der Geburt des Messias. Das Matthäusevangelium berichtet sie vor allem aus Sicht des Josef. Dies macht absolut Sinn, wenn wir uns an den Stammbaum erinnern. Juden denken bei der Weitergabe des Lebens und des eigenen Blutes patrilinear, also väterorientiert. Wenn es also um die Geburt eines Kindes geht, macht es Sinn, dass dieses Evangelium die Vaterperspektive betont. Wir lesen in dem heutigen Evangelium auch wieder solche Formulierungen, die die biologische Vaterschaft Josefs ausschließen: „Maria, seine Mutter“ ist eine Andeutung solcher Art, die im Stammbaum durch das Auslassen des Satzes „Josef zeugte den Jesus“ und den Verweis auf seine Frau Maria ausgedrückt worden ist. Dies wird noch viel eindeutiger im weiteren Verlauf des Evangeliums, wo immer wieder „das Kind und seine Mutter“ gesagt wird, nicht „Josefs Sohn“ (z.B. in Mt 2,13-14) – in einem Evangelium, das eigentlich sehr patrilinear orientiert ist! Das fällt auf.
Josef ist ein gerechter Mann. Gott hat sich etwas dabei gedacht, ausgerechnet diesen Menschen als Ziehvater seines Sohnes vorzubereiten. Josef wollte seine Frau nicht bloßstellen – denn erstens war Maria vor der Ehe schwanger geworden und zweitens als geweihte Jungfrau! Um ihre Ehre zu bewahren, möchte er sich von ihr trennen. Wir verstehen seine noble Tat erst, wenn wir die jüdischen Gesetze kennen:
Wenn ein unberührtes Mädchen, das einem Mann versprochen ist, von einem anderen Mann schwanger wird, sollen der andere Mann sowie die Frau gesteinigt werden (Dtn 22,23f.). Dem Betrogenen wird keine Schuld zugeschrieben. Warum will sich Josef dann von ihr trennen? Josefs Gerechtigkeit ist eine größere als die der buchstabentreuen Juden seiner Zeit. Er denkt keinen Moment daran, das mosaische Gesetz auszuführen, sondern er überlegt, die ganze Schuld auf sich zu nehmen. Indem er sich nämlich in aller Stille von ihr getrennt hätte, hätte es nach außen hin so ausgesehen, als hätte er sie verlassen, nachdem er mit ihr ein Kind gezeugt hatte. So hätte sie als „Verführte“ und „Verlassene“ keine Schuld getroffen. Er wäre bestraft, Marias Leben und das des Kindes aber gerettet worden. DAS meine Lieben, ist ein würdiger Ziehvater, den sich Gott auserwählt hat. Er hat seine Gerechtigkeit schon vor der Geburt des Gotteskindes unter Beweis gestellt und das alles, noch bevor er von Gottes Plan gehört hat!
Er handelt dann doch anders, als ihm im Traum ein Engel des Herrn den Heilsplan Gottes offenbart hat. Bei den Worten des Engels ist sehr auffällig, dass er Josef „Sohn Davids“ nennt. Die jüdischen Hörer dieses Evangeliums werden eins und eins zusammengezählt haben. Das Kind, das in die Welt kommen soll, erhält auf Erden einen davidischen Vater. Somit erfüllen sich die messianischen Verheißungen der Hl. Schriften. Dieser Messias wird von einem davidischen Vater erzogen werden, der selbst ein gerechter Mann ist. So wird der Messias selbst gerecht sein, als Gott durch die göttliche Eigenschaft der Gerechtigkeit, als Mensch dank Josef und seiner Tugend der Gerechtigkeit.
Das Kind ist vom Hl. Geist, aber Josef soll es benennen. Damit wird deutlich, dass er es als sein Kind großziehen soll.
Der Engel gibt ihm auch den Namen vor und erklärt dessen Bedeutung: Dieses Kind wird das Volk von seinen Sünden erlösen. Das ist eine Verheißung, die immer und immer wieder im AT verheißen wird. Damit wird dem frommen Juden Josef klar: Das Kind ist der Messias und muss deshalb Jesus heißen.
Daraufhin wird die Erfüllung der Verheißung noch durch ein Jesajazitat verdeutlicht, das wir in der Adventszeit bereits gehört haben. Die Jungfrau wird ein Kind empfangen…Die frommen Juden, die dieses Evangelium gehört haben, verstanden spätestens jetzt, was für ein Kind hier geboren wird.

Lassen wir uns heute berühren von Gottes großen Heilstaten. Er hat das lange jahrhundertelange Schreien seines auserwählten Volkes erhört und wie verheißen als davidisches Kind in dieser Welt Mensch geworden. Er hat für die Umsetzung seines Heilsplans sowohl die Jungfrau bereitet als auch den gerechten Mann, der sie mit allen Mitteln beschützt. Diese Familie ist besonders. Sie ist eine geistige Familie, da alles Biologische, was im Judentum sonst üblich ist, hier komplett entfällt. Danken wir heute besonders dem Hl. Josef, der so wunderbar gehandelt hat. Sonst wäre Jesus nicht in diese Welt gekommen, dessen Leben schon von Anfang an bedroht gewesen ist. Wir können wirklich viel von ihm lernen, besonders für unsere eigenen Familien. Hl. Josef erbitte du uns die Gnade, so selbstlos wie du in unseren Familien zu leben, mit derselben Hingabe und demselben Gerechtigkeitssinn. Wir bitten dich um deine Fürsprache, dass alle Männer so nobel und respektvoll mit ihrer Frau umgehen wie du es getan hast. Das erbitten wir durch Christus, unseren Herrn, Amen.

Überdenken wir heute besonders unsere Rolle in der Familie und nehmen wir uns in der letzten Woche vor Weihnachten vor, das Familienleben zu erneuern.

Ihre Magstrauss