Christi Himmelfahrt

Apg 1,1-11; Ps 47,2-3.6-7.8-9; Eph 1,17-23; Mt 28,16-20

Apg 1
1 Im ersten Buch, lieber Theophilus, habe ich über alles berichtet, was Jesus von Anfang an getan und gelehrt hat,
2 bis zu dem Tag, an dem er in den Himmel aufgenommen wurde. Vorher hat er den Aposteln, die er sich durch den Heiligen Geist erwählt hatte, Weisung gegeben.
3 Ihnen hat er nach seinem Leiden durch viele Beweise gezeigt, dass er lebt; vierzig Tage hindurch ist er ihnen erschienen und hat vom Reich Gottes gesprochen.
4 Beim gemeinsamen Mahl gebot er ihnen: Geht nicht weg von Jerusalem, sondern wartet auf die Verheißung des Vaters, die ihr von mir vernommen habt!
5 Denn Johannes hat mit Wasser getauft, ihr aber werdet schon in wenigen Tagen mit dem Heiligen Geist getauft werden.
6 Als sie nun beisammen waren, fragten sie ihn: Herr, stellst du in dieser Zeit das Reich für Israel wieder her?
7 Er sagte zu ihnen: Euch steht es nicht zu, Zeiten und Fristen zu erfahren, die der Vater in seiner Macht festgesetzt hat.
8 Aber ihr werdet Kraft empfangen, wenn der Heilige Geist auf euch herabkommen wird; und ihr werdet meine Zeugen sein in Jerusalem und in ganz Judäa und Samarien und bis an die Grenzen der Erde.
9 Als er das gesagt hatte, wurde er vor ihren Augen emporgehoben und eine Wolke nahm ihn auf und entzog ihn ihren Blicken.
10 Während sie unverwandt ihm nach zum Himmel emporschauten, siehe, da standen zwei Männer in weißen Gewändern bei ihnen
11 und sagten: Ihr Männer von Galiläa, was steht ihr da und schaut zum Himmel empor? Dieser Jesus, der von euch fort in den Himmel aufgenommen wurde, wird ebenso wiederkommen, wie ihr ihn habt zum Himmel hingehen sehen.

Heute am Hochfest Christi Himmelfahrt hören wir den Beginn der Apostelgeschichte, die ja ähnlich beginnt wie das Lukasevangelium. Es wird in beiden Schriften Theophilus als Adressat der Schrift direkt angesprochen. In Rückbezug auf das „erste Buch“, das heißt auf das Lukasevangelium, fasst Lukas für Theophilus noch einmal den Inhalt zusammen und rekurriert auf das Himmelfahrtsereignis. Aus Anlass des Festes hören wir heute diese Lesung.
„Vorher hat er den Aposteln, die er sich durch den Heiligen Geist erwählt hatte, Weisung gegeben.“ Lukas schreibt diese Worte nach dem Pfingstereignis nieder. Er ist selbst mit diesem Geist beschenkt worden in der Taufe und so weiß er, wovon er spricht. Jesus hat nie etwas Zufälliges gesagt oder getan. All sein irdisches Wirken ist geistgewirkt und bedacht.
Jesus hat den Aposteln und Jüngern nach seiner Auferstehung mehrfach bewiesen, dass er lebt und nicht einfach eine Vision oder Wunschvorstellung ist. So hat er zum Beispiel vor ihren Augen gegessen und sich von Thomas berühren lassen. In dieser Zeitspanne, die Lukas explizit mit vierzig Tagen ausweist, hat Jesus auch über das Reich Gottes gesprochen. Weil die Heilige Schrift das Himmelfahrtsereignis auf vierzig Tage nach der Auferstehung datiert, feiert die Kirche bis heute vierzig Tage nach Ostern Christi Himmelfahrt.
Lukas rekurriert auch auf das letzte Abendmahl, bei dem Jesus seinen Aposteln gebot, in Jerusalem zu bleiben, bis er vom Vater den Heiligen Geist sendet. Dass dieser mit der „Verheißung des Vaters“ meint ist, sehen wir an dem folgenden Vers, der von Johannes‘ Wassertaufe im Gegensatz zur Geisttaufe mit dem Heiligen Geist an Pfingsten spricht.
Die Apostel haben Jesus damals gefragt, ob er dann auch das Reich für Israel wiederherstellen würde. Die Frage ist falsch gestellt. Jesus ist nicht gekommen, das Reich für das irdische Volk Gottes wiederherzustellen im Sinne einer politischen Befreiung aus der Fremdherrschaft. Er ist gekommen, um das Reich Gottes zu etablieren, das nicht von dieser Welt ist. Und da geht es nicht mehr nur um das Volk Israel, sondern um das neue geistige Volk Gottes. Aber nicht dies kritisiert Jesus, sondern die Tatsache, dass die Apostel das Kommen des Gottesreiches zeitlich erfragen. Das ist nämlich eine Sache, die kein Mensch wissen kann, nur Gott. Er sagt dies mit aller Deutlichkeit, weil es zu allen Zeiten Spekulationen und Berechnungen des Weltendes gibt. Dabei ist es ein unerwarteter Zeitpunkt, den Gott sich auswählen kann. Nicht umsonst hat Jesus so oft zur Wachsamkeit aufgerufen: Weil die Menschen den Zeitpunkt nicht errechnen können, müssen sie jederzeit damit rechnen.
Für diese Zeit bis dahin verheißt Jesus den Jüngern aber den Geist Gottes, der auf sie herabkommen wird. Dieser wird ihnen dabei helfen, Zeugnis für Christus abzulegen in Jerusalem und von dort ausgebreitet in der ganzen Welt. Dieser wird die Menschen bis zum Ende der Zeiten führen und leiten, erfüllen und beleben, damit der Weg in die Ewigkeit erträglich ist.
Und dann ist Jesus laut Lukas in den Himmel aufgefahren. In diesem Moment ist eine Wolke zu sehen, die Jesus aufnimmt. Das ist ein Theophaniezeichen – Zeichen der Gegenwart Gottes. Schon im Alten Testament lesen wir immer wieder von dieser Wolke, die sich auf den Gottesberg Sinai, auf die Stiftshütte und dann auf den fertigen Tempel legt. Es ist zugleich die Wolkensäule, die das Volk Israel beim Exodus anführt. Es ist auch die Wolke, die bei Jesu Taufe und Verklärung zu sehen ist. Gott ist gegenwärtig. Die Jünger Jesu, die allesamt fromme Juden sind, können dieses Phänomen zuordnen. Sie verstehen, dass sich hier ein Kreis schließt.
Während sie noch wie gebannt nach oben schauen, stehen Engel bei ihnen, die ihnen erklären, dass Jesus auf dieselbe Weise wiederkommen wird, also auf der Wolke und vom Himmel her. Ihre Frage „Was steht ihr da und schaut zum Himmel empor?“ Ist mehrfach zu betrachten: Die Jünger sollen nicht dort stehen bleiben, sondern Jesu Auftrag erfüllen. Sie sind gesandt – apostolos. Sie können nicht Jesus hinterher schauen, der seinen Heimweg in die Ewigkeit antritt. Vielmehr sollen sie nach vorne schauen, wo eine große Mission auf sie wartet. Dies ist auch im übertragenen Sinne zu verstehen: Jesus ist nun von ihnen gegangen und durch die Abschiedsreden im Johannesevangelium wissen wir ja, dass der Abschied sie mit Trauer erfüllt hat. Es meint also auch ihr inneres Hängen an Christus, der in die Ewigkeit gegangen ist. Die Engel helfen ihnen dabei, nicht an dem irdischen Christus zu hängen, weil er auf geistliche sowie eucharistische Weise bei ihnen sein wird. In dieser Lesart verstehen wir auch die Verheißung des nächsten Verses: Er wird wiederkommen – nicht nur am Ende der Zeiten, sondern schon in eucharistischer Gestalt! Dann werden sie ihn durch den Schleier der Wolke – also durch die Herrlichkeit Gottes hindurch wiedersehen. Visuell wird es in der katholischen Liturgie besonders deutlich, wenn Weihrauch eingesetzt wird. Dann kommt er tatsächlich durch „die Wolke“ hindurch zu uns! Seine Herrlichkeit wird dann noch verborgen sein (ausgenommen bei den eucharistischen Wundern!), doch wir erahnen sie mit gläubigem Herzen hinter dem Verborgenen.

Ps 47
2 Ihr Völker alle, klatscht in die Hände; jauchzt Gott zu mit lautem Jubel!
3 Denn Furcht gebietend ist der HERR, der Höchste, ein großer König über die ganze Erde.
6 Gott stieg empor unter Jubel, der HERR beim Schall der Hörner.
7 Singt unserm Gott, ja singt ihm! Singt unserm König, singt ihm!
8 Denn König der ganzen Erde ist Gott. Singt ihm ein Weisheitslied!
9 Gott wurde König über die Völker, Gott hat sich auf seinen heiligen Thron gesetzt.

Heute ist ein Tag der Freude, auch wenn er einen kurzen Abschied von Christus bedeutet. Jesus verspricht uns unglaubliche Gnade. Durch seine Apostel soll der ganzen Welt das Heil verkündet werden, das er bereits erwirkt hat.
Gott ist furchtgebietend. Das ist nicht dasselbe wie angsteinflößend. Es meint, dass sein Wirken in uns nur eine Reaktion von Ehrfurcht hervorrufen kann. Auch seine Erscheinung ist furchteinflößend, auch wenn wir ihn unverhüllt gar nicht sehen können, ohne zu sterben. Seine Manifestationen wie die Wolke oder der Rauch sind schon furchteinflößend, sodass zum Beispiel bei der Verklärung die drei anwesenden Jünger es mit der Angst zu tun bekommen, als sie von der Wolke Gottes umhüllt werden. Erst recht werden alle Menschen überwältigt werden, wenn Jesus am Jüngsten Tag mit dieser göttlichen Herrlichkeit wiederkehren wird…
„Gott stieg empor unter Jubel, der HERR beim Schall der Hörner.“ Dies ist heute ganz aktuell mit Christus gegeben, der in den Himmel aufgestiegen ist. Hörner und Jubel sind vielleicht nicht von den Jüngern betätigt worden, dafür aber können wir uns vorstellen, von welcher Freudenmusik begleitet der Menschensohn in die himmlische Heimat zurückgekehrt ist, aufgenommen in das Herz des Vaters!
„Singt unserm Gott, ja singt ihm! Singt unserm König, singt ihm!“ Auch hier wie in Vers 2 erklingt ein Lobpreisaufruf dessen, der der Allherrscher ist.
Psalm 47 beinhaltet Thronbesteigungsmotive, Elemente für die Krönungsfeier eines Herrschers. Mithilfe von Bildern des irdischen Königszeremoniells wird die kommende Herrschaft Gottes ausgedrückt. Es ist also absolut sinnvoll, diesen Psalm an Christi Himmelfahrt zu beten. Christus kommt wie bei einem Triumphzug der römischen Kaiser zurück in die Ewigkeit, als siegreicher Messias, der die Welt erlöst hat. Er wird begrüßt von den himmlischen Heerscharen und besteigt den Thron zur Rechten des Vaters. So können wir gut nachvollziehen, was Stephanus vor seinem Tod schauen durfte (Apg 7,56) und auch was Paulus meint, wenn er im Philipperhymnus betet: „Darum hat ihn Gott über alle anderen erhöht.“ (Phil 2,9).
Von dort wird er am Jüngsten Tag wiederkommen zu richten die Lebenden und die Toten, wie wir im Glaubensbekenntnis beten. Gott ist schon der „König der ganzen Erde“, doch seine Herrschaft wird erst am Ende der Zeiten offenbar werden. Das Reich Gottes wird sich dann endgültig durchsetzen.
„Gott wurde König über die Völker, Gott hat sich auf seinen heiligen Thron gesetzt.“ Ja, Christus, der Auffahrende in den Himmel, ist nicht nur Mensch, sondern auch wahrer Gott. Er ist gegangen, um sich auf seinen Thron zu setzen. Was mit Jesus passiert, als er in den Himmel eingeht, durften drei seiner Apostel schon auf dem Tabor schauen – die Verklärung. Jesus streift den Schleier der verborgenen Gottheit ab und seine Herrlichkeit erstrahlt. So wird er zurückkommen und alle werden es sehen.

Eph 1
17 Der Gott Jesu Christi, unseres Herrn, der Vater der Herrlichkeit, gebe euch den Geist der Weisheit und Offenbarung, damit ihr ihn erkennt.
18 Er erleuchte die Augen eures Herzens, damit ihr versteht, zu welcher Hoffnung ihr durch ihn berufen seid, welchen Reichtum die Herrlichkeit seines Erbes den Heiligen schenkt
19 und wie überragend groß seine Macht sich an uns, den Gläubigen, erweist durch das Wirken seiner Kraft und Stärke.
20 Er ließ sie wirksam werden in Christus, den er von den Toten auferweckt und im Himmel auf den Platz zu seiner Rechten erhoben hat,
21 hoch über jegliche Hoheit und Gewalt, Macht und Herrschaft und über jeden Namen, der nicht nur in dieser Weltzeit, sondern auch in der künftigen genannt wird.
22 Alles hat er ihm zu Füßen gelegt und ihn, der als Haupt alles überragt, über die Kirche gesetzt.
23 Sie ist sein Leib, die Fülle dessen, der das All in allem erfüllt.

Als zweite Lesung hören wir heute aus dem Epheserbrief. Paulus reflektiert dort nicht nur das Ereignis der Himmelfahrt, sondern stellt auch die Bedeutung für die Christen heraus.
„Der Gott Jesu Christi, unseres Herrn, der Vater der Herrlichkeit“ – Gott Vater ist wirklich Vater der Herrlichkeit, weil diese von ihm ausgeht. Er ist die Arche, der Anfang und so geht alles von ihm aus. Er „gebe euch den Geist der Weisheit und Offenbarung, damit ihr ihn erkennt.“ Vom Vater gehen der Sohn und der Geist aus. Dieser Geist verleiht dem Menschen viele Geistesgaben, so auch die Weisheit. Der Geist ist es auch, der den Menschen den Schleier der Verborgenheit nimmt, auf dass sie einen Einblick in das Wesen Gottes erhalten. Er ist es, der Offenbarung erwirkt hat durch die ganze Heilsgeschichte hindurch. Er öffnet die Augen des Glaubens, nicht nur des Verstandes. Gott sendet seinen Geist, damit die Menschen ihn, den ganz Anderen, der alles Denken übersteigt, erkennen können. Das ist Zeichen der Güte Gottes, der aus Liebe die Menschen an sich zieht wie ein Magnet.
Dass der Geist die Augen des Glaubens öffnen soll, sagt Paulus dann explizit in Vers 18. Mit „Herz“ ist nicht das Organ gemeint und im biblischen Kontext meint „Herz“ auch nicht den Ort der Gefühle. Vielmehr ist damit der Ort der Entscheidungen gemeint – zur Liebe sowie zum Glauben. Es wird hier sehr bildlich ausgedrückt, denn ein Herz hat ja auch keine Augen. Es geht um Herzenserkenntnis. Der Mensch soll erkennen, was ihm durch das Erlösungswirken Christi überhaupt geschenkt worden ist – die Hoffnung auf das ewige Leben! Es ist kein Freifahrtschein, so als ob jeder Mensch nun automatisch in den Himmel kommt. Es ist eine geöffnete Paradiestür, doch hindurchgehen müssen wir schon selbst. Und auf sie bewegen wir uns nur dann zu, wenn wir Gottes Gebote aus Liebe halten. Jede Sünde führt uns vom Eingang zum Himmel weg. Wie so oft geht es in dem Brief um die paränetischen Folgen dessen, was Jesus für uns getan hat: Was bedeutet das für mein jetziges Verhalten als Christ? Ich denke sehr gerne an den englischen Impuls: “Are the things you are living for worth Christ dying for?“ Das fasst es sehr gut zusammen.
Durch das Geschenk des Ostermorgens ist die Macht des Bösen gebannt und durch die Taufe uns das Erbe des Himmelreiches geschenkt. Wir sind durch die Taufe geheiligt und dazu berufen, Heilige zu werden.
Gottes Macht zeigt sich uns durch das Wirken des Heiligen Geistes bis heute. Dieser ist es, der die Kraft und Stärke Gottes zu allen Zeiten manifestiert. Sie werden mal mehr, mal weniger spektakulär sichtbar. Es ist nicht immer eine Wolke oder ein Sturm, auch manchmal ein sanftes Säuseln. Und doch erweist sich darin die Herrlichkeit Gottes.
Diese Macht hat er an uns schon dadurch erwiesen, dass er die Sünde der Welt mit ans Kreuz nahm, um als Sühne für alle Menschen zu sterben und wieder aufzuerstehen. Das ist der Höhepunkt des Machterweises Gottes für alle Zeiten. Und in der Taufe nehmen wir diese Erlösung an! In ihr manifestiert sich dieser Akt sakramental. Der getaufte Mensch wird reiner als das reinste Quellwasser, abgewaschen vom Fluch der Sünde mitsamt ihrer verheerenden Folgen.
Mit jeder Sündenvergebung im Sakrament der Beichte offenbart der Geist Gottes die Kraft und Stärke Gottes. Das „Geh hin und sündige nicht mehr“ Christi zu den Sündern wie der Ehebrecherin hallt nach bis in die Gegenwart.
Als erstes ist Christus selbst diese Kraft und Stärke Gottes zuteil geworden, als er von den Toten auferweckt worden, in den Himmel aufgenommen und inthronisiert worden ist. Paulus schreibt es hier so, dass der Vater dies durch die Gabe des Heiligen Geistes getan hat. Das heißt nicht, dass Paulus nicht an die Gottheit Jesu Christi geglaubt hat, sondern dahinter steht die Konsequenz der Kenosis: Wenn Christus sich entäußert und seine Gottheit verborgen hat, ist dies auch der Fall bei der Auferstehung und Himmelfahrt – bis er verherrlicht wird. Das ist der Moment, wo er diesen freiwilligen Verzicht abstreift. Dies hat aber nun zur Folge, dass Vater und Geist an ihm wirken. Schauen wir auf ihn, der der Anfang der neuen Schöpfung ist, erkennen wir, wie es bei uns sein wird. Jesus ist diesen Weg gegangen, damit wir ihn eines Tages gehen können!
Der Name Jesu wird über alle anderen Namen erhöht. Dies wird uns konkret deutlich an den vielen Wundern, die in seinem Namen geschehen, angefangen schon zu seinen Lebzeiten, als er seine Jünger in die Städte schickt, um die Heilstaten zu tun und das Evangelium dort zu verkünden, wo er nicht selbst hingehen kann. Dort tun sie diese Dinge schon in seinem Namen und sind überwältigt von dem, was durch sie geschieht. Dies wird auf umfassende Weise aber erst nach dem Pfingstereignis geschehen, bei dem sie mit allen Früchten, Gaben und Charismen des Geistes ausgestattet werden. Das Wirken im Namen Jesu birgt in sich eine gewisse Vorläufigkeit, denn diese „Weltzeit“ (das griechische Wort ist Äon), wie es Paulus ausdrückt, ist zeitlich umgrenzt. Wenn sein Name auch im kommenden Äon angerufen wird, dann meint das die Ewigkeit!
Der Vater hat dem Sohn alles zu Füßen gelegt, vor allem die Kirche, dessen Haupt er darstellt und die Christi Leib darstellt.
Blicken wir zurück auf die Abschiedsreden, die wir in den letzten Wochen immer wieder gehört haben, wird uns hier deutlich, warum es also gut ist, dass Jesus gehen muss. Wenn er nicht geht, kann er nicht verherrlicht werden, kann er nicht das Haupt der Kirche sein, die es nicht ohne das Pfingstereignis geben kann! Und ohne Kirche in ihrer sakramentalen Identität kann Christus in der Eucharistie nicht mitten unter den Menschen sein.

Mt 28
16 Die elf Jünger gingen nach Galiläa auf den Berg, den Jesus ihnen genannt hatte.
17 Und als sie Jesus sahen, fielen sie vor ihm nieder, einige aber hatten Zweifel.

18 Da trat Jesus auf sie zu und sagte zu ihnen: Mir ist alle Vollmacht gegeben im Himmel und auf der Erde.
19 Darum geht und macht alle Völker zu meinen Jüngern; tauft sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes
20 und lehrt sie, alles zu befolgen, was ich euch geboten habe. Und siehe, ich bin mit euch alle Tage bis zum Ende der Welt.

Nun hören wir das Evangelium nach Matthäus. Dort wird das heutige Ereignis folgendermaßen beschrieben:
Der Kreis der Apostel (ohne Judas Iskariot, dieser ist tot) gehen auf einen von Christus vorgegebenen Berg in Galiäa. Jesus erscheint daraufhin, aber einige zweifeln, dass er es ist. Jesus geht auf sie zu und sagt nun das, was wir bei Paulus in sehr festlichen Worten gehört haben: „Mir ist alle Vollmacht gegeben im Himmel und auf der Erde.“ Er erklärt, was bei seiner Verherrlichung geschehen wird. Die universale Bevollmächtigung wird durch das Bild der Inthronisation ausgedrückt, die wir schon in der Apostelgeschichte und im Psalm bedacht und nun bei Paulus gelesen haben. Weil Christus die Vollmacht bekommt, trägt er den Aposteln auf: „Darum geht und macht alle Völker zu meinen Jüngern.“ Das ist ein expliziter Aufruf zur Mission. Wir sollen die Menschen aber nicht unter Druck oder mit gewalttätigen Mitteln zu Jüngern machen. Die Menschheit soll aus freien Stücken, Überzeugung und Liebe ja sagen zu Christus. Und wenn diese zum Glauben kommen, sagt Jesus „tauft sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes“. Die Taufe ist das Zeichen des zum Glauben gekommenen Menschen. Wenn wir getauft werden, drückt uns Gott ein unauslöschbares Siegel in die Seele ein. Dadurch werden wir zu seinem Eigentum, zu Kindern der Familie Gottes und dies wiederum bedeutet, dass wir zu Erben werden.
Jesus möchte, dass seine Apostel den Menschen alles lehren, was er gesagt und getan hat. Gerne empfehle ich Ihnen meinen kath.net-Videoblog im Mai: https://www.youtube.com/watch?v=6-1c0f6Olqk Dort fasse ich zusammen, was es mit dem letzten Satz auf sich hat: „Ich bin bei euch alle Tage bis zum Ende der Welt!“ Es schließt sich ein Kreis, der am brennenden Dornbusch begann mit der Offenbarung Gottes als „ich bin“. Es ragte hinein in die Verkündigung des Erzengels Gabriels vor der Jungfrau Maria, den Immanuel zu empfangen („Gott mit uns“). Und nun spricht der scheidende Jesus diese Worte noch einmal „ich bin bei euch“. Und dies bezieht sich nicht mehr auf sein irdisches Wirken – er ist ja im Begriff, seine Apostel zu verlassen -, sondern auf sein Wirken von der Ewigkeit her. Nur so kann er in der Eucharistie real gegenwärtig sein und nur so können wir ihn in uns aufnehmen. Das ist so eine neue Dimension von Nähe, die bisher keinem Menschen außer Maria zuteil werden durfte (denn Gott selbst weilte unter ihrem Herzen ganze neun Monate lang!). In der Eucharistie kommt Christus in unser Herz – wenn das seine Abschiedsworte nicht erfüllt, was dann! Wenn es dann heißt „bis zum Ende der Welt“, verstehen wir das nicht so, dass er ausschließlich die Phase der Kirche meint und er ab dem Ende der Zeiten nicht mehr bei uns ist. Wenn wir in die Ewigkeit des Himmels eingehen, dürfen wir ihn nämlich unverhüllt und ewig schauen. Wir werden dann gemeinsam mit ihm Gemeinschaft haben bei der Hochzeit des Lammes. Dann werden wir Gott sehen, wie er ist und niemals mehr von ihm getrennt sein. Mit diesen wunderbaren Aussichten motiviert können wir Menschen eigentlich gar nicht die Hoffnung verlieren und werden alles unternehmen, um in dieses Himmelreich eingehen zu dürfen. Dafür brauchen wir den Heiligen Geist und der kündigt sich schon sehr bald an.

Ihre Magstrauss

Katharina von Siena (Fest)

1 Joh 1,5 – 2,2; Ps 103,1-2.3-4.8-9.13-14.17-18a; Mt 11,25-30

Heute feiern wir eine der größten Frauen der Kirche, Katherina von Siena. Sie lebte im 14. Jh., war Ordensfrau, ist 1939 zur Kirchenlehrerin erhoben worden und zudem Schutzpatronin Europas. Mit so einem hohen Rang ist es verständlich, warum wir heute Lesungen hören, die ganz zu ihr passen. Warum ist sie Schutzpatronin und so eine große Heilige? Ihr haben wir zu verdanken, dass damals beim großen abendländischen Schisma Papst Gregor XI von Avignon nach Rom zurückkehrte. Sie hat einen großen Anteil daran, dass das schreckliche Schisma überwunden und die Kirche nicht untergegangen ist. Unermüdlich setzte sie sich für die Einheit der Kirche ein, was auch wirklich Früchte getragen hat. Beten wir auf ihre Fürsprache, dass sie an Gottes Thron fleht um den Schutz der Kirche heute, die von schismatischen Kräften auch heute hin und hergerissen wird.

1 Joh 1-2
5 Das ist die Botschaft, die wir von ihm gehört haben und euch verkünden: Gott ist Licht und keine Finsternis ist in ihm.
6 Wenn wir sagen, dass wir Gemeinschaft mit ihm haben und doch in der Finsternis wandeln, lügen wir und tun nicht die Wahrheit.
7 Wenn wir im Licht wandeln, wie er im Licht ist, haben wir Gemeinschaft miteinander und das Blut seines Sohnes Jesus reinigt uns von aller Sünde.
8 Wenn wir sagen, dass wir keine Sünde haben, führen wir uns selbst in die Irre und die Wahrheit ist nicht in uns.
9 Wenn wir unsere Sünden bekennen, ist er treu und gerecht; er vergibt uns die Sünden und reinigt uns von allem Unrecht.
10 Wenn wir sagen, dass wir nicht gesündigt haben, machen wir ihn zum Lügner und sein Wort ist nicht in uns.
1 Meine Kinder, ich schreibe euch dies, damit ihr nicht sündigt. Wenn aber einer sündigt, haben wir einen Beistand beim Vater: Jesus Christus, den Gerechten.
2 Er ist die Sühne für unsere Sünden, aber nicht nur für unsere Sünden, sondern auch für die der ganzen Welt.

In der Lesung hören wir aus dem ersten Johannesbrief.
Johannes verwendet im Kontext von Gott oft die Lichtmetaphorik. Gott ist Licht und keine Finsternis ist in ihm. Mit dem Gegensatz „Licht“ – „Finsternis“ drückt Johannes aus, dass Gott nur Liebe ist. Nichts Böses ist in ihm.
Die Konsequenz davon ist auch auf uns Menschen zu beziehen: Wir können nicht Gemeinschaft mit dem Licht haben und selber in uns Finsternis haben. Das heißt, dass wir nicht zugleich in Todsünde leben (Finsternis) und im Stand der Gnade sein können (Gemeinschaft mit ihm). Wer das behauptet, belügt sich selbst.
Wir können nur Gemeinschaft haben, wenn wir „im Licht wandeln“ wie Gott. Das Wandeln ist ein Ausdruck für den Lebenswandel und somit ein moralischer Begriff. Wenn wir uns mit ganzer Kraft bemühen, auf dem Weg Gottes zu bleiben, d.h. seine Gebote zu halten, dann wandeln wir im Licht und Jesus reinigt uns von unseren Sünden. Dass überhaupt von Sünde die Rede ist, macht die ganze Rede so realistisch. Niemand sagt, dass wir ohne Sünde sind, nur weil wir uns bemühen, im Licht zu wandeln. Wir fallen trotzdem. Wenn wir aber aufstehen, d.h. umkehren und weitergehen, dann zeigen wir unsere Aufrichtigkeit und Gott vergibt uns unsere Sünden.
Diese Aufrichtigkeit zeigen wir vor allem daran, dass wir unsere Sünden bekennen (ὁμολογέω homologeo). Wir sollen das nicht einfach nur bereuen, was Gott sowieso schon von uns weiß, er sieht ja alles. Gott möchte auch, dass wir die Dinge beim Namen nennen. Das sollen wir nicht deshalb, weil er es unbedingt braucht, sondern weil wir es unbedingt brauchen.
Wer behauptet, ohne Sünde zu sein, lügt. Jeder Mensch ist gefährdet, zu fallen. Wir sind zwar von der Erbsünde erlöst, aber die Folgen der Erbsünde sind noch da. Wir haben immer noch die Neigung dazu, Böses zu tun. Wir sündigen weiter. Gottes Wort (also Jesus) ist nicht in uns, wenn wir behaupten, ohne Sünde zu sein.
Johannes schreibt diese Worte, um zur Ablegung der Sünde aufzurufen. Aber auch für jene, die es dennoch tun, hat er eine zuversichtliche Botschaft: Wir haben einen Beistand beim Vater, Jesus Christus. Er ist es ja, der durch sein Kreuzesopfer die Vergebung der Sünden ermöglicht hat. Er ist gestorben zur Sühne für unsere Sünden und die der ganzen Welt, wie wir auch im Barmherzigkeitsrosenkranz beten. Interessant ist dabei, dass der Begriff παράκλητος parakletos verwendet wird. Diese Umschreibung wird ja sonst für den Hl. Geist gebraucht. Aber auch im wortwörtlichen Sinn ist Jesus unser Beistand, gerade wo wir schuldig geworden sind.
Diese Worte sind sehr tröstlich, weil wir selbst in Schuld und Sünde nicht verzweifeln müssen. Wenn es uns von Herzen leidtut und wir umkehren, dann wird uns Gott die Sünden vergeben. Es ist bemerkenswert, wie die Worte des Johannes das Sakrament der Beichte erklären: Wir sollen unsere Sünden bereuen, wir sollen sie bekennen, unsere Schuld muss gesühnt werden, wofür Jesus ja gestorben ist. Unsere Aufrichtigkeit soll sich dadurch zeigen, dass wir uns bemühen, nicht mehr zu sündigen. Und wir sollen in uns gehen, um zu erkennen, wo wir uns selbst belügen. Die heutige Lesung ist eine richtige Beichtparänese, die Johannes mit Deutlichkeit formuliert, aber auch mit Liebe.

Ps 103
1 Von David. Preise den HERRN, meine Seele, und alles in mir seinen heiligen Namen!
2 Preise den HERRN, meine Seele, und vergiss nicht, was er dir Gutes getan hat!
3 Der dir all deine Schuld vergibt und all deine Gebrechen heilt,
4 der dein Leben vor dem Untergang rettet und dich mit Huld und Erbarmen krönt,
8 Der HERR ist barmherzig und gnädig, langmütig und reich an Huld.
9 Er wird nicht immer rechten und nicht ewig trägt er nach.
13 Wie ein Vater sich seiner Kinder erbarmt, so erbarmt sich der HERR über alle, die ihn fürchten.
14 Denn er weiß, was wir für Gebilde sind, er bedenkt, dass wir Staub sind.
17 Doch die Huld des HERRN währt immer und ewig für alle, die ihn fürchten. Seine Gerechtigkeit erfahren noch Kinder und Enkel,
18 alle, die seinen Bund bewahren
.

Der Psalm, den wir David zu verdanken haben, ist ein sehr bekannter Lobpreispsalm. Wir haben immer Grund zum Lobpreis, weil Gott uns so viel Gutes getan hat. Er vergibt uns jeden Tag, wirklich JEDEN TAG, jeden Moment unseres Lebens unsere Sünden, wo wir umkehren! Wie unendlich viel Geduld hat Gott mit uns! Schon das Volk Israel kann viele Geschichten darüber erzählen…Wie oft ist es anderen Göttern nachgelaufen, wie oft hat es undankbar gehandelt. Und doch ist Gott seinem auserwählten Volk treu geblieben, hielt sein Versprechen, seinen Bund! Wie oft hat er es zurückgeholt, in dem er eine Fremdherrschaft nach der anderen zugelassen hat! Würden wir die Kraft haben, unserem Partner zu vergeben, wenn er/sie mir fremdgegangen ist? Nichts anderes tat und tut Gott mit uns, mit seiner geliebten Braut. Auch die Kirche als Volk Gottes schaut anderen hinterher und wird untreu, wo auch immer sie der Welt gefällt, sich von Gottes Willen entfernt. Und doch bleibt Christus seiner Braut treu und hält sein Versprechen, bei ihr zu sein alle Tage bis zum Ende der Welt (Mt 28). Er kommt trotzdem in der Eucharistie zu uns und spendet auch die anderen Sakramente. Gott vergibt uns immer und immer wieder die Schuld in der Beichte, auch wenn wir immer dieselben Sünden begehen. So geduldig ist er mit uns! Er gibt uns jedes Mal auch noch die Kraft durch das Beichtsakrament, das nächste Mal der Sünde zu widerstehen. Seine Gnade kennt keine Grenzen. Seine Barmherzigkeit ist auch noch so unendlich, dass er uns sogar die Chance auf das Himmelreich gibt, wenn wir noch nicht alles gesühnt haben. Das, was wir Fegefeuer nennen, ist mit Blick auf die Ewigkeit DER Beweis seiner vergebenden Barmherzigkeit!
Gott heilt all unsere Gebrechen. Ja, er heilt in erster Linie unsere Seele, das ewige Leben. Er heilte die Beziehung zwischen seinem Volk und ihm. Er heilte auch damals schon körperliche Gebrechen und soziale Ausgrenzung. Er heilte die Seele derer, die keine Hoffnung mehr hatten und er stärkte die Ängstlichen mit dem Geist des Mutes. Gott heilte ganz besonders durch Jesus Christus. Dieser heilte in erster Linie auch die Seele und die Beziehung der Menschen zu Gott durch die Sündenvergebung. Der Gelähmte, der über das Dach auf einer Trage hinabgelassen wurde, wurde zunächst seelisch geheilt, bevor Jesus ihm als Bonus auch die körperliche Heilung schenkte. Jesus sagte: „Euch soll es zunächst um das Reich Gottes gehen, alles Andere wird euch dazu gegeben.“ Jesus heilte auch die vielen Ausgegrenzten von ihren sozialen Gebrechen, in dem er sie körperlich heilte – sei es die blutflüssige Frau, die Blinden oder die vielen Aussätzigen. Vor allem trieb er auch Dämonen aus, die den Geplagten seelische Folter bescherten.
Jesus heilt auch heute noch durch die Sakramente. Wenn Sie sich mit dem Heilungs- und Befreiungsdienst der Kirche befassen, werden Sie oft zu hören bekommen: Das größte Heilungsgebet – auch gerade um körperliche Heilung – sind die Beichte und die Eucharistie. Wenn die Beziehung zu Gott wieder versöhnt ist, kann Gottes Kraft im Menschen wirken. Gott wird auch am Ende der Zeiten alles heil machen, sodass es nicht mal mehr den Tod geben wird.
Alles, was Gott an uns Menschen tat, tut und tun wird, hat das Ziel, uns das ewige Leben zu ermöglichen. Er will uns vor dem Untergang retten. Das ist für das Volk Israel zunächst das Ende des Fortbestehens, der Generationenabfolge und des Kultes. Es betrifft später auch das Leben nach dem Tod, als die Israeliten nach und nach eschatologische Zusammenhänge begriffen. Dies betrifft den Fortgang der Kirche als Leib Christi. Jesus hat Petrus zugesagt, dass die Mächte der Finsternis sie nicht überwältigen werden. Es meint im Hinblick auf jeden Einzelnen den moralischen Untergang, der nach dem Tod dann den Untergang der Seele zur Folge hat. Er rettet uns vor dem seelischen Tod, der Hölle, in dem er uns immer wieder Anlass zur Umkehr schenkt und wir noch bis zum Moment des Todes bereuen können. Gott ist wirklich langmütig, das heißt unendlich geduldig mit uns. Sein Gericht ist kein Berechnen im Sinne von: „Dies und das hast du getan, das ergibt so und so viel Strafe.“ Er richtet vor allem nach unserem Herzen, nach unserer Absicht und diese gibt Aufschluss über die Konsequenz. Und darüber hinaus währt seine Barmherzigkeit nach dem Maß unserer aufrichtigen Reue. Es ist wirklich ein entlarvender Psalm, der nämlich das Vorurteil entkräftet, im Alten Testament komme nur der strenge Richtergott vor. Schon hier lesen wir von Gottes unendlicher Barmherzigkeit.
Auch hier wird schon deutlich, dass Gott ein barmherziger Vater ist. Er weiß um unsere Schwachheit und erwartet nichts Übermenschliches von uns. Das Kreuz, das er seinen Kindern auferlegt, die täglichen Pflichten, die Berufung, die Umsetzung ihrer Talente, entspricht ganz den Möglichkeiten des Menschen. Gott überfordert uns nicht. Er möchte, dass wir mit den Lasten zu ihm kommen, damit er mit anpacken kann. Und wenn wir mit ihm kooperieren, dann werden wir überreichen Segen empfangen, nicht nur wir, sondern auch noch unsere Nachfahren! Es ist ein nicht zu unterschätzendes Wort. Segen und Fluch betreffen nie nur uns selbst. Sie gehen auch auf unsere Familien, unsere Kinder und Enkel über. Entweder profitieren sie von unserer Gottesfurcht oder müssen an den Konsequenzen unserer Sünden mitleiden. Bedenken wir das stets, wenn wir vor der Entscheidung für oder gegen Gott stehen. Wir haben eine Verantwortung.

Mt 11
25 In jener Zeit sprach Jesus: Ich preise dich, Vater, Herr des Himmels und der Erde, weil du das vor den Weisen und Klugen verborgen und es den Unmündigen offenbart hast.
26 Ja, Vater, so hat es dir gefallen.
27 Alles ist mir von meinem Vater übergeben worden; niemand kennt den Sohn, nur der Vater, und niemand kennt den Vater, nur der Sohn und der, dem es der Sohn offenbaren will.
28 Kommt alle zu mir, die ihr mühselig und beladen seid! Ich will euch erquicken.
29 Nehmt mein Joch auf euch und lernt von mir; denn ich bin gütig und von Herzen demütig; und ihr werdet Ruhe finden für eure Seele.
30 Denn mein Joch ist sanft und meine Last ist leicht.

In Jesus verdichtet und personifiziert sich das, was wir in den bisherigen Texten gehört haben. Er ist die Güte und Barmherzigkeit in Person.
Er setzt heute im Evangelium an mit einem Lobpreis an den Vater. Es ist ein Beispiel, wie wir selbst beten sollen, die wir als Getaufte Gott ebenfalls unseren Vater nennen dürfen.
Gott ist wirklich „Herr des Himmels und der Erde“. Er hat sie nicht nur geschaffen und erhält sie, sondern er hat auch die Macht über alles. Das ist eine tröstliche Erkenntnis, denn auch wenn wir jetzt sehen, dass die Mächtigen dieser Welt böse sind, steht über ihnen dennoch der eine und wahre Gott. Sie haben jetzt vielleicht noch einen Handlungsspielraum, aber wenn Gott kommt, wird er sie alle in einem Moment entmachten – sie, die eigentlich nur Marionetten des Bösen sind.
Die „Unmündigen“ dieser Welt sind die Empfänger der entscheidenden Botschaft. An sie ist die Offenbarung ergangen, nicht an die Reichen, Weisen und Klugen, die ganz in der Weisheit der Welt wandeln. Paulus nennt eben diese Menschen töricht, die der weltlichen Weisheit verhaftet sind. Die „Unmündigen“ sind dagegen die eigentlichen Weisen, denn sie wandeln in der göttlichen Weisheit. Von den Hirten auf den Feldern von Betlehem bis zu den Fischern am See von Tiberias sind es immer die einfachen Menschen, die eine große Aufgabe im Reich Gottes erhalten.
Alles ist vom Vater dem Sohn übergeben worden. Nicht nur der Sohn hat sich durch sein Leiden und seinen Tod ganz dem Vater hingegeben, sondern auch der Vater ganz dem Sohn. Dieser vollbringt das Werk des Vaters, ganz in dessen Willen. Ihre ganz innige Beziehung ist es, die uns den Vater sehen lässt, wenn wir Jesus sehen. Wenn wir die Offenbarung des Vaters erhalten möchten, müssen wir uns ganz an den Sohn Jesus Christus halten. Niemand kennt den Vater nämlich besser als er. Gott ist Geist und er ist Geheimnis. Wenn wir ihn kennenlernen möchten, muss er sich uns offenbaren. Dies hat er ganz in Christus getan.
Jesus will Ruhe verschaffen. Wenn wir zu leiden haben, müssen wir es nicht alleine tragen, sondern er lädt uns ein, damit zu ihm zu kommen. Wir müssen nicht resignieren wie die Israeliten im babylonischen Exil oder die Juden zurzeit der Römerherrschaft. Wir müssen es gar nicht so weit kommen lassen, dass wir zu hadern beginnen und verbittern. Auch diese Einladung Jesu ist Zeichen der großen Barmherzigkeit Gottes.
Von ihm lernen wir heute noch etwas Anderes: Eine Last zu tragen, ist notwendig. Wir alle müssen ein Joch tragen, aber es kommt darauf an, welches! Gottes Kreuz, das er uns auferlegt, ist auf uns abgestimmt. Wir haben bei Jesaja gelesen, dass Gott uns durch und durch kennt. Er hat uns schließlich geschaffen und kennt so auch unsere Grenzen. Sein auferlegtes Kreuz, das „Joch“, ist leicht und drückt nicht. An anderer Stelle sagt Jesus, dass wer sein Jünger sein will, sein Kreuz auf sich nehmen und tragen muss. Wenn wir Gottes Kreuz tragen, werden wir inneren Frieden haben und vor allem gibt er uns Kraft. Wir werden über uns hinauswachsen. Dies betrifft einerseits den einzelnen Christen, der die Gebote Gottes auf sich nimmt. Gottes Willen zu leben, ist nicht schwer und gibt uns inneren Frieden. Wir erhalten die Kraft und die Gnade, seinen Willen zu tun. Wo wir an unsere Grenzen stoßen, wachsen wir über uns hinaus durch seine helfende Gnade. Auch als ganze Kirche dürfen wir und müssen wir zu ihm kommen. Wir leben in einer Glaubenskrise. Immer mehr Menschen sind dem Namen nach Mitglied der Katholischen Kirche, leben aber nicht mehr nach den Geboten und nehmen die Heilsmittel nicht in Anspruch. Immer weniger Menschen glauben an Christus und daran, dass er in der Kirche lebt und wirkt. Auch diese Last müssen wir zum Herrn bringen und um Bekehrung und Erneuerung der Kirche beten! Wie oft werden stattdessen Sitzungen und Gespräche abgehalten, menschliche Krisenbewältigung und Anstrengungen unternommen, als ob diese Dinge das eigentliche Problem lösen könnten! Dabei müssen wir zuerst zu Christus zurückkehren. In erster Linie muss der Klerus wieder geistlich werden und auf Knien um Vergebung bitten. Und auch wir, jedes einzelne Glied des Leibes, muss bei sich anfangen und umkehren. Eine im Glauben erneuerte Kirche wird wieder authentisch und missionarisch sein. Auch als Kirche das Joch Christi auf sich zu nehmen, wird fruchtbar sein, nicht das Ablegen des Jochs durch die Angleichung an den Zeitgeist.

Katharina hat dies immer mit deutlichen Worten gesagt. Sie hat nie ein Blatt vor den Mund genommen und zahlreiche Briefe an die Einflussreichen ihrer Zeit geschrieben. Sie hat den weltlichen Herrschern sowie dem Klerus unermüdlich die Leviten gelesen, dass sie umkehren und die Kirche wieder zu ihrer ersten Liebe zurückkehre. Sie war nicht gebildet, lernte erst sehr spät Lesen und Schreiben. Sie ist wahrlich eine Unmündige, die aus einer verarmten Adelsfamilie stammte. Und doch hat sie von der Offenbarung Gottes, von seiner Weisheit mehr verstanden als die Gebildeten, aber Gottfernen. Sie ist ausgestattet worden mit vielen Gaben und Charismen, durch die sie die ganze Kirche vor der größten Katastrophe aller Zeiten bewahrt hat. Sie hing ganz am Herrn, so sehr, dass ihr sogar die Wundmale Jesu Christi geschenkt worden sind. Sie hat ihre ganze Sorge dem Herrn anvertraut und er hat sie erhört. So eine große Frau – wer wagt da noch zu sagen, dass Frauen in der Katholischen Kirche keine Rolle spielen? Der Papst hat auf sie gehört! Sie hat sich erlaubt, ganz harte Worte all jenen mächtigen Männern ihrer Zeit in Briefen zu schreiben. Eine wahre Powerfrau!

Herr, wir danken dir für die heilige Katharina. Schenke uns auf ihre Fürsprache auch heute den Schutz und die Einheit durch die Krisenzeit hindurch. Dies erbitten wir durch Christus unseren Herrn. Amen.

Ihre Magstrauss

Osternacht

Gen 1,1-2,2; Ps 104,1-2.5-6.10 u. 12.13-14b.24 u. 1ab; Gen 22,1-18; Ps 16,5 u. 8.9-10.2 u. 11; Ex 14,15-15,1; Ex 15,1b-2b.2c-3.4-5.6 u. 13.17-18; Jes 54,5-14; Ps 30,2 u. 4.5-6b.6cd u. 12a u. 13b; Jes 55,1 -11; Jes 12,2.3 u. 4bcd.5-6; Bar 3,9-15.32-4,4; Ps 19,8.9.10.11-12; Ez 36,16-17a.18-28; Ps 42,3.5 u. 10a; 43,3-4; Röm 6,3 – 11; Ps 118,1-2.16-17.22-23; Mt 28,1-10

Heute feiern wir den Höhepunkt des ganzen Kirchenjahres. Wir hören aus diesem Anlass einen umfangreichen Abriss der gesamten Heilsgeschichte angefangen von der Schöpfung. Ich werde aus Umfanggründen die Lesungen mit ihren jeweiligen Antwortgesängen nicht so detailliert analysieren wie sonst, da der Stoff für Sie sonst zu viel wird.

Gen 1-2
1 Im Anfang erschuf Gott Himmel und Erde. 2 Die Erde war wüst und wirr und Finsternis lag über der Urflut und Gottes Geist schwebte über dem Wasser. 3 Gott sprach: Es werde Licht. Und es wurde Licht. 4 Gott sah, dass das Licht gut war. Und Gott schied das Licht von der Finsternis. 5 Und Gott nannte das Licht Tag und die Finsternis nannte er Nacht. Es wurde Abend und es wurde Morgen: erster Tag. 6 Dann sprach Gott: Es werde ein Gewölbe mitten im Wasser und scheide Wasser von Wasser. 7 Gott machte das Gewölbe und schied das Wasser unterhalb des Gewölbes vom Wasser oberhalb des Gewölbes. Und so geschah es. 8 Und Gott nannte das Gewölbe Himmel. Es wurde Abend und es wurde Morgen: zweiter Tag. 9 Dann sprach Gott: Es sammle sich das Wasser unterhalb des Himmels an einem Ort und das Trockene werde sichtbar. Und so geschah es. 10 Und Gott nannte das Trockene Land und die Ansammlung des Wassers nannte er Meer. Gott sah, dass es gut war. 11 Dann sprach Gott: Die Erde lasse junges Grün sprießen, Gewächs, das Samen bildet, Fruchtbäume, die nach ihrer Art Früchte tragen mit Samen darin auf der Erde. Und so geschah es. 12 Die Erde brachte junges Grün hervor, Gewächs, das Samen nach seiner Art bildet, und Bäume, die Früchte tragen mit Samen darin nach ihrer Art. Gott sah, dass es gut war. 13 Es wurde Abend und es wurde Morgen: dritter Tag. 14 Dann sprach Gott: Lichter sollen am Himmelsgewölbe sein, um Tag und Nacht zu scheiden. Sie sollen als Zeichen für Festzeiten, für Tage und Jahre dienen. 15 Sie sollen Lichter am Himmelsgewölbe sein, um über die Erde hin zu leuchten. Und so geschah es. 16 Gott machte die beiden großen Lichter, das große zur Herrschaft über den Tag, das kleine zur Herrschaft über die Nacht, und die Sterne. 17 Gott setzte sie an das Himmelsgewölbe, damit sie über die Erde leuchten, 18 über Tag und Nacht herrschen und das Licht von der Finsternis scheiden. Gott sah, dass es gut war. 19 Es wurde Abend und es wurde Morgen: vierter Tag. 20 Dann sprach Gott: Das Wasser wimmle von Schwärmen lebendiger Wesen und Vögel sollen über der Erde am Himmelsgewölbe fliegen. 21 Und Gott erschuf die großen Wassertiere und alle Lebewesen, die sich fortbewegen nach ihrer Art, von denen das Wasser wimmelt, und alle gefiederten Vögel nach ihrer Art. Gott sah, dass es gut war. 22 Gott segnete sie und sprach: Seid fruchtbar und mehrt euch! Füllt das Wasser im Meer und die Vögel sollen sich auf Erden vermehren. 23 Es wurde Abend und es wurde Morgen: fünfter Tag. 24 Dann sprach Gott: Die Erde bringe Lebewesen aller Art hervor, von Vieh, von Kriechtieren und von Wildtieren der Erde nach ihrer Art. Und so geschah es. 25 Gott machte die Wildtiere der Erde nach ihrer Art, das Vieh nach seiner Art und alle Kriechtiere auf dem Erdboden nach ihrer Art. Gott sah, dass es gut war. 26 Dann sprach Gott: Lasst uns Menschen machen als unser Bild, uns ähnlich! Sie sollen walten über die Fische des Meeres, über die Vögel des Himmels, über das Vieh, über die ganze Erde und über alle Kriechtiere, die auf der Erde kriechen. 27 Gott erschuf den Menschen als sein Bild, als Bild Gottes erschuf er ihn. Männlich und weiblich erschuf er sie. 28 Gott segnete sie und Gott sprach zu ihnen: Seid fruchtbar und mehrt euch, füllt die Erde und unterwerft sie und waltet über die Fische des Meeres, über die Vögel des Himmels und über alle Tiere, die auf der Erde kriechen! 29 Dann sprach Gott: Siehe, ich gebe euch alles Gewächs, das Samen bildet auf der ganzen Erde, und alle Bäume, die Früchte tragen mit Samen darin. Euch sollen sie zur Nahrung dienen. 30 Allen Tieren der Erde, allen Vögeln des Himmels und allem, was auf der Erde kriecht, das Lebensatem in sich hat, gebe ich alles grüne Gewächs zur Nahrung. Und so geschah es. 31 Gott sah alles an, was er gemacht hatte: Und siehe, es war sehr gut. Es wurde Abend und es wurde Morgen: der sechste Tag.1 So wurden Himmel und Erde und ihr ganzes Heer vollendet. 2 Am siebten Tag vollendete Gott das Werk, das er gemacht hatte, und er ruhte am siebten Tag, nachdem er sein ganzes Werk gemacht hatte.

Es geht zurück an den Anfang. Gott ist dieser Anfang, von dem aus das ganze Dasein geschaffen worden ist. Deshalb heißt es auch nicht „am Anfang“, sondern „im“. Gott hat keinen Anfang, er steht außerhalb von Zeitkategorien. Vielmehr IST er der Anfang.
Wenn Gott auf etwas einwirkt, kommt Ordnung hinein. Das heißt im Umkehrschluss, dass alles Gottlose Chaos ist. Unordnung kommt nicht von Gott. Die Ordnung des gesamten Daseins und das Schaffen aus dem Nichts wird durch Gottes gesprochenes Wort ausgelöst. Es heißt immer wieder „und Gott sprach“ und „Gott nannte“. Das Benennen des Geschaffenen ist die Systematisierung aller Dinge. Das erste, was Gott auf diese Weise schafft, ist das Licht. Das ist ein wichtiger Punkt, denn dieses wird im Johannesevangelium mit dem Begriff des Lebens gekoppelt. Licht bedeutet Leben.
Wir hören im Verlauf der ersten Lesung das sogenannte Sieben-Tage-Werk. An jedem Tag schafft Gott etwas Anderes, benennt es, betrachtet es und sagt, dass es gut ist. Gott ist ein Gott des Lebens. Er schafft aus dem Nichts die ganze Welt. Alles, was er macht, ist gut. Im Kontext der Osternacht ist dies der entscheidende Punkt. Gott kann aus dem Nichts alles schaffen. Gott kann also auch einen toten Menschen zum Leben erwecken und er kann dem Auferstandenen einen neuen verklärten Leib schenken. Was er einmal geschafft hat (eine Schöpfung hervorgehen zu lassen), kann er auch ein zweites Mal tun (eine neue Schöpfung erstehen zu lassen!).
Ganz wichtig ist auch, wie er den Menschen geschaffen hat. Dieser ist als sein Abbild gemacht, das heißt mit einer ewigen Seele, in der Zweigeschlechtlichkeit die Trinität abbildend. Der Mensch ist fruchtbar geschaffen und mit einem freien Willen. Dies entspricht dem Wesen Gottes, der die Liebe ist, die nur freiwillig geht. Diese Liebe ist so überströmend, dass sie immer über sich hinaus verweist. Gottes Gemeinschaft in sich strömt über, sodass Gott aus Liebe die Welt geschaffen hat, vor allem die Menschen, die mit ihm in Liebesgemeinschaft leben. So kann Gott gar nicht anders, als den Menschen fruchtbar zu schaffen. Auch dessen Liebe weist über sich selbst hinaus, sodass aus dieser Liebe ein neuer Mensch hervorgeht. Das ist in der ersten Schöpfung biologisch gemeint. Mit der neuen Schöpfung, in der es auch ein erstes Menschenpaar gibt, geht es nicht mehr um biologische Fruchtbarkeit, sondern um geistliche! Jesus und Maria bringen mehr Frucht, als biologisch möglich ist. Der siebte Tag ist ein Ruhetag. Wir gehen alle auf den ewigen Sabbat zu, der das Ruhen in Gott ist.

Ps 104
1 Preise den HERRN, meine Seele! HERR, mein Gott, überaus groß bist du! Du bist mit Hoheit und Pracht bekleidet. 2 Du hüllst dich in Licht wie in einen Mantel, du spannst den Himmel aus gleich einem Zelt. 5 Du hast die Erde auf Pfeiler gegründet, in alle Ewigkeit wird sie nicht wanken. 6 Einst hat die Urflut sie bedeckt wie ein Kleid, die Wasser standen über den Bergen. 10 Du lässt Quellen sprudeln in Bäche, sie eilen zwischen den Bergen dahin. 12 Darüber wohnen die Vögel des Himmels, aus den Zweigen erklingt ihr Gesang. 13 Du tränkst die Berge aus deinen Kammern, von der Frucht deiner Werke wird die Erde satt. 14 Du lässt Gras wachsen für das Vieh und Pflanzen für den Ackerbau des Menschen, damit er Brot gewinnt von der Erde. 24 Wie zahlreich sind deine Werke, HERR, sie alle hast du mit Weisheit gemacht, die Erde ist voll von deinen Geschöpfen. 1 Preise den HERRN, meine Seele! HERR, mein Gott, überaus groß bist du!

Das wunderbare Schöpfungswerk Gottes ist großes Lob wert. Deshalb beten wir im Anschluss daran einen Lobpreispsalm, der sehr bekannt ist. In diesem wird Gottes Größe gepriesen. Gott wird mit Licht ausgestattet. Das ist ein wichtiger Aspekt, denn auch in der Lesung hat das Licht einen besonderen Stellenwert. Licht ist die Eigenschaft der Herrlichkeit Gottes. Diese hüllt Gott ein wie einen Mantel. Bei der Verklärung Jesu werden die Apostel ihn auch so sehen – ganz in Licht gehüllt.
Im Psalm wird die Schöpfung Gottes betrachtet als ein Haus bzw. als eine Architektur. Sie besteht aus einem Zelt als Überdachung (der Himmel), aus Pfeilern, die der Erde Stabilität verleihen, Wasser, das wie ein Kleid die Erde bedeckt. Es gibt Kammern, von wo aus Gott die Berge tränkt.
Ganz besonders wichtig ist Vers 24: Die Werke Gottes sind mit Weisheit gemacht. Diese Weisheit wird um die Zeitenwende herum immer mehr mit dem Logos gleichgesetzt, der wiederum das Wort Gottes ist – Jesus Christus. Er ist der Schöpfungsmittler und das gesprochene Wort, durch das im Schöpfungsbericht alles hervorgeht. Er ist schon von Anfang an dabei und ist ganz eins mit dem Vater. Auch er ist somit schon Gott des Lebens.

Gen 22
1 Nach diesen Ereignissen stellte Gott Abraham auf die Probe. Er sprach zu ihm: Abraham! Er sagte: Hier bin ich. 2 Er sprach: Nimm deinen Sohn, deinen einzigen, den du liebst, Isaak, geh in das Land Morija und bring ihn dort auf einem der Berge, den ich dir nenne, als Brandopfer dar! 3 Frühmorgens stand Abraham auf, sattelte seinen Esel, nahm zwei seiner Jungknechte mit sich und seinen Sohn Isaak, spaltete Holz zum Brandopfer und machte sich auf den Weg zu dem Ort, den ihm Gott genannt hatte. 4 Als Abraham am dritten Tag seine Augen erhob, sah er den Ort von Weitem. 5 Da sagte Abraham zu seinen Jungknechten: Bleibt mit dem Esel hier! Ich aber und der Knabe, wir wollen dorthin gehen und uns niederwerfen; dann wollen wir zu euch zurückkehren. 6 Abraham nahm das Holz für das Brandopfer und lud es seinem Sohn Isaak auf. Er selbst nahm das Feuer und das Messer in die Hand. So gingen beide miteinander. 7 Da sprach Isaak zu seinem Vater Abraham. Er sagte: Mein Vater! Er antwortete: Hier bin ich, mein Sohn! Dann sagte Isaak: Hier ist Feuer und Holz. Wo aber ist das Lamm für das Brandopfer? 8 Abraham sagte: Gott wird sich das Lamm für das Brandopfer ausersehen, mein Sohn. Und beide gingen miteinander weiter. 9 Als sie an den Ort kamen, den ihm Gott genannt hatte, baute Abraham dort den Altar, schichtete das Holz auf, band seinen Sohn Isaak und legte ihn auf den Altar, oben auf das Holz. 10 Abraham streckte seine Hand aus und nahm das Messer, um seinen Sohn zu schlachten. 11 Da rief ihm der Engel des HERRN vom Himmel her zu und sagte: Abraham, Abraham! Er antwortete: Hier bin ich. 12 Er sprach: Streck deine Hand nicht gegen den Knaben aus und tu ihm nichts zuleide! Denn jetzt weiß ich, dass du Gott fürchtest; du hast mir deinen Sohn, deinen einzigen, nicht vorenthalten. 13 Abraham erhob seine Augen, sah hin und siehe, ein Widder hatte sich hinter ihm mit seinen Hörnern im Gestrüpp verfangen. Abraham ging hin, nahm den Widder und brachte ihn statt seines Sohnes als Brandopfer dar. 14 Abraham gab jenem Ort den Namen: Der HERR sieht, wie man noch heute sagt: Auf dem Berg lässt sich der HERR sehen. 15 Der Engel des HERRN rief Abraham zum zweiten Mal vom Himmel her zu 16 und sprach: Ich habe bei mir geschworen – Spruch des HERRN: Weil du das getan hast und deinen Sohn, deinen einzigen, mir nicht vorenthalten hast, 17 will ich dir Segen schenken in Fülle und deine Nachkommen überaus zahlreich machen wie die Sterne am Himmel und den Sand am Meeresstrand. Deine Nachkommen werden das Tor ihrer Feinde einnehmen. 18 Segnen werden sich mit deinen Nachkommen alle Völker der Erde, weil du auf meine Stimme gehört hast.

In der zweiten Lesung hören wir die dramatische Glaubensprobe, durch die Gott Abrahams Glauben prüft. Auch hier ist das Thema das Leben. Wie viele Jahre hat Abraham sehnlichst auf einen Sohn gewartet! So viele Jahre konnten seine Frau und er keine Kinder haben und dann schenkte Gott ihm endlich einen Sohn, den er Isaak genannt hat. Abraham ist dadurch die Botschaft zuteil geworden, dass Gott wirklich ein Gott des Lebens ist. Er kann aus Unfruchtbarkeit Fruchtbarkeit entstehen lassen.
Doch dann der Schock. Der Gott des Lebens fordert von Abraham, dass er seinen Sohn auf einem der Berge im Land Morija als Brandopfer darbringe! Abraham wird es nicht verstanden haben. Wie sehr hat er sich doch nach all den Jahren gefreut, einen Sohn in seinen Armen halten zu dürfen, den er als direktes Geschenk von Gott verstanden hat. Und nun soll er seinen Sohn töten. Er wird es nicht begriffen haben, doch zugleich hat er Gott vertraut. Ohne Widerrede macht er sich also auf den Weg.
Ich sage es Ihnen offen. Das ist eine der berührendsten Lesungen für mich. Ich kann sie kaum hören, ohne Tränen in den Augen zu haben. Diese Episode ni typologisch das vorweg, was wir in diesen Tagen gefeiert haben:
Der Vater gibt seinen Sohn dahin. Abraham ist bereit, Isaak zu opfern, doch im letzten Moment gebietet ihm ein Engel des Herrn Einhalt. Gott Vater selbst hat seinen Sohn aber nicht verschont, sondern dieser ist auf die grausamste Weise geopfert worden, die es gab.
Abraham und Isaak gehen in das Land Morija und besteigen einen der Berge. Das ist die Gegend, die wir zur Zeit Jesu Jerusalem und mit der umliegenden Hügellandschaft nennen! Es ist derselbe Ort.
Der junge Isaak trägt das Holz für das Opfer den Berg hinauf. So trägt Jesus sein Opferholz selbst den Golgota hinauf.
Auf die Frage des ahnungslosen Sohnes hin, wo das Opferlamm sei, antwortet Abraham: Gott wird sich das Lamm für das Brandopfer ausersehen, mein Sohn.“ Ja, er hat sich für das Kreuzesopfer seinen eigenen Sohn ausersehen, das wahre Opferlamm!
Abraham hat die Prüfung bestanden. Kurz bevor er die Tat begehen kann, wird er von einem Engel gestoppt und erhält die Zusage, seinen Glauben wirklich bewiesen zu haben. Gott wird ihn reichlich segnen und sehr fruchtbar machen, weil er ganz auf seine Güte vertraut hat. So wird Gott am Ende wieder zum Gott des Lebens – und das alles auf besonders intensive Weise!

Ps 16
5 Der HERR ist mein Erbanteil, er reicht mir den Becher, du bist es, der mein Los hält. 8 Ich habe mir den HERRN beständig vor Augen gestellt, weil er zu meiner Rechten ist, wanke ich nicht. 9 Darum freut sich mein Herz und jubelt meine Ehre, auch mein Fleisch wird wohnen in Sicherheit. 10 Denn du überlässt mein Leben nicht der Totenwelt; du lässt deinen Frommen die Grube nicht schauen. 2 Ich sagte zum HERRN: Mein Herr bist du, mein ganzes Glück bist du allein.11 Du lässt mich den Weg des Lebens erkennen. Freude in Fülle vor deinem Angesicht, Wonnen in deiner Rechten für alle Zeit.

Als Antwort auf diese Lesung beten wir Ps 16. Gott schenkt Freude. Das wird durch das Bild des Bechers ausgedrückt. Der Psalmist drückt sein Vertrauen auf Gott aus, das er die ganze Zeit nicht verloren hat. Der Psalm ist von König David, von dem wir sehr viele Situationen kennenlernen. So oft stand sein Leben auf der Kippe, doch weil er sich dann ganz an Gott geklammert hat, hat dieser ihn auch aus den Nöten herausgeführt.
Hätte es die Psalmen schon damals zu Zeiten des Abraham gegeben – er hätte diese Worte absolut auf sich beziehen können! Er hat den HERRN beständig vor Augen, dieser ist zu seiner Rechten. Er war es ganz besonders in der Stunde seiner Glaubensprobe und so kann Abraham sich jetzt über die wunderbare Zusage freuen. Abrahams verheißenes Kind bleibt am Leben. Das bedeutet, Abrahams Gene werden weitergegeben. Das klingt vielleicht banal, ist aber Ausdruck einer ersten Auferstehungshoffnung. Das Weiterleben in den Nachkommen ist ein ewiges Leben. So übergibt Gott Abraham nicht der Totenwelt durch den Tod seines Sohnes Isaak.
Er kann wirklich sagen nach allem, was er erlebt hat: „Mein Herr bist du, mein ganzes Glück bist du allein. Du lässt mich den Weg des Lebens erkennen.“ Gott schenkt Freude in Fülle und Wonnen. Er ist der Garant dafür, dass auch wir in unserem Leben glücklich werden.

Ex 14
15 Der HERR sprach zu Mose: Was schreist du zu mir? Sag den Israeliten, sie sollen aufbrechen. 16 Und du heb deinen Stab hoch, streck deine Hand über das Meer und spalte es, damit die Israeliten auf trockenem Boden in das Meer hineinziehen können! 17 Ich aber will das Herz der Ägypter verhärten, damit sie hinter ihnen hineinziehen. So will ich am Pharao und an seiner ganzen Streitmacht, an seinen Streitwagen und Reitern meine Herrlichkeit erweisen. 18 Die Ägypter sollen erkennen, dass ich der HERR bin, wenn ich am Pharao, an seinen Streitwagen und Reitern meine Herrlichkeit erweise. 19 Der Engel Gottes, der den Zug der Israeliten anführte, brach auf und ging nach hinten und die Wolkensäule brach auf und stellte sich hinter sie. 20 Sie kam zwischen das Lager der Ägypter und das Lager der Israeliten. Die Wolke war da und Finsternis und Blitze erhellten die Nacht. So kamen sie die ganze Nacht einander nicht näher. 21 Mose streckte seine Hand über das Meer aus und der HERR trieb die ganze Nacht das Meer durch einen starken Ostwind fort. Er ließ das Meer austrocknen und das Wasser spaltete sich. 22 Die Israeliten zogen auf trockenem Boden ins Meer hinein, während rechts und links von ihnen das Wasser wie eine Mauer stand. 23 Die Ägypter setzten ihnen nach; alle Pferde des Pharao, seine Streitwagen und Reiter zogen hinter ihnen ins Meer hinein. 24 Um die Zeit der Morgenwache blickte der HERR aus der Feuer- und Wolkensäule auf das Lager der Ägypter und brachte es in Verwirrung. 25 Er hemmte die Räder an ihren Wagen und ließ sie nur schwer vorankommen. Da sagte der Ägypter: Ich muss vor Israel fliehen; denn der HERR kämpft auf ihrer Seite gegen Ägypten. 26 Darauf sprach der HERR zu Mose: Streck deine Hand über das Meer, damit das Wasser zurückflutet und den Ägypter, seine Wagen und Reiter zudeckt! 27 Mose streckte seine Hand über das Meer und gegen Morgen flutete das Meer an seinen alten Platz zurück, während die Ägypter auf der Flucht ihm entgegenliefen. So trieb der HERR die Ägypter mitten ins Meer. 28 Das Wasser kehrte zurück und bedeckte Wagen und Reiter, die ganze Streitmacht des Pharao, die den Israeliten ins Meer nachgezogen war. Nicht ein Einziger von ihnen blieb übrig. 29 Die Israeliten aber waren auf trockenem Boden mitten durch das Meer gezogen, während rechts und links von ihnen das Wasser wie eine Mauer stand. 30 So rettete der HERR an jenem Tag Israel aus der Hand der Ägypter. Israel sah die Ägypter tot am Strand liegen. 31 Als Israel sah, dass der HERR mit mächtiger Hand an den Ägyptern gehandelt hatte, fürchtete das Volk den HERRN. Sie glaubten an den HERRN und an Mose, seinen Knecht. 1 Damals sang Mose mit den Israeliten dem HERRN dieses Lied; sie sagten: Ich singe dem HERRN ein Lied, denn er ist hoch und erhaben. Ross und Reiter warf er ins Meer.

Die nächste Lesung aus dem Buch Exodus ist wieder sehr dramatisch, denn auch hier geht es um Leben und Tod. Das Volk Israel ist nach vielen Plagen, vielen Leiden und Umwegen endlich aus Ägypten herausgekommen. Doch nun sieht es sich in der Situation einer Sackgasse am Roten Meer. Auch jetzt steht Gott seinem auserwählten Volk bei und befiehlt Mose, durch seinen Stab das Meer zu spalten, sodass das Volk hindurchschreiten kann. Gott tut dies nicht nur, um das Volk zu retten, sondern auch, um den Ägyptern seine Herrlichkeit zu erweisen – jene Herrlichkeit, die so hell strahlt wie ein Lichtmantel.
Gott ist bei seinem Volk in Form der Feuersäule und der Wolke. Er lässt seine Kinder nicht im Stich.
Der Pharao bereut indes, das Volk ziehen gelassen zu haben. So macht er sich mit seinem Heer auf den Weg, das Volk wieder zurückzuholen. Doch Gott rettet Israel, indem er es durch das Meer ziehen lässt. Schon sind die Ägypter ihnen auf den Fersen, doch die Wasserfluten decken sie zu. Gott hat dem Pharao so viele Chancen der Umkehr geschenkt. Er hat ihn immer wieder zur Umkehr aufgerufen, doch er wollte nicht hören. Dies ist ihm nun zum Verhängnis geworden. Nicht umsonst kommen die Ägypter in den Wasserfluten um. Die Geschichte wiederholt sich. Das sture Verharren in der Sünde ist es, das schon die Sintflut hervorgebracht hat. Gott ist Herr über Leben und Tod. Das wird in der heutigen Erzählung wieder besonders deutlich. Die Wahl hat der Mensch selbst, indem er sich für oder gegen den Gott des Lebens entscheidet. Gott tut alles, um die Menschen zu retten, aber irgendwann ist es zu spät. Kehren wir JETZT um! Das Wasser des Roten Meeres ist nicht nur Wiederholung der Sintflut, sondern auch die Antizipation des Taufwassers! Wir werden durch das Wasser hindurch gerettet, wenn wir uns taufen lassen! Die Taufe ist heilsnotwendig. Dies erklärt auch, warum diese Lesung von allen alttestamentlichen Lesungen, die in der Osternacht vorgesehen sind, nicht ausgelassen werden darf. Sie ist für uns so entscheidend und im Kontext des heilsgeschichtlichen Rückblicks ein Höhepunkt, dass wir sie in der Osternacht unbedingt hören müssen. Jesu Tod und Auferstehung ist nämlich ein neuer Exodus, die Befreiung des Volkes Gottes aus der Knechtschaft der Sünde. Dies wird sakramental durch die Taufe verdeutlicht!

Ex 15
Ich singe dem HERRN ein Lied, denn er ist hoch und erhaben. Ross und Reiter warf er ins Meer. 2 Meine Stärke und mein Lied ist der HERR, er ist mir zur Rettung geworden. Er ist mein Gott, ihn will ich preisen; den Gott meines Vaters will ich rühmen. 3 Der HERR ist ein Krieger, HERR ist sein Name. 4 Pharaos Wagen und seine Streitmacht warf er ins Meer. Seine besten Vorkämpfer versanken im Roten Meer. 5 Fluten deckten sie zu, sie sanken in die Tiefe wie Steine. 6 Deine Rechte, HERR, ist herrlich an Stärke; deine Rechte, HERR, zerschmettert den Feind. 13 Du lenktest in deiner Güte das Volk, das du erlöst hast, du führtest sie machtvoll zu deiner heiligen Wohnung. 17 Du wirst sie hinbringen und auf den Berg deines Erbes einpflanzen, den du, HERR, zu deiner Wohnstätte gemacht hast, um dich niederzulassen, zu einem Heiligtum, HERR, von deinen Händen gegründet. 18 Der HERR ist König für immer und ewig.

Als Antwort auf die dramatische Rettung eines ganzen Volkes durch Gottes wunderbare Vorsehung hören wir den Lobgesang des Mose, den er im Anschluss an die Rettung des Volkes gesungen hat:
Wer mit Gott lebt, ist unbezwingbar. Denn Gott ist seine Stärke und sein Lied. Er ist der Retter aus allen Gefahren und er ist es, der für seine geliebten Kinder kämpft. Gott ist stärker als die besten Kämpfer. Gott ist nicht böse, er ist nur gut. Seine Güte ist es, die das Volk durch das Rote Meer getragen hat. Er hat einen wunderbaren Heilsplan mit seinem Volk und deshalb lässt er es nicht schon vorher umkommen. Er möchte das Volk in das verheißene Land führen und auf dem Berg seines Berges einpflanzen. Das ist der Zionsberg, Jerusalem, wo er seine Wohnstätte im Tempel einnimmt. Das Ziel ist damit aber nicht erreicht. Er wird selbst Mensch werden, um die Menschen aus einem ganz anderen Sklavenhaus zu befreien – der Sünde! Er wird einen neuen Tempel errichten, der sein eigener Leib ist und den wir als Kirche bezeichnen. Er wird am Ende der Zeiten sein Volk in seine himmlische Wohnstatt, das himmlische Jerusalem führen, wo das ewige Leben und die ewige Freude warten!

Jes 54
5 Denn dein Schöpfer ist dein Gemahl, HERR der Heerscharen ist sein Name. Der Heilige Israels ist dein Erlöser, Gott der ganzen Erde wird er genannt. 6 Ja, der HERR hat dich gerufen als verlassene, bekümmerte Frau. Kann man denn die Frau seiner Jugend verstoßen?, spricht dein Gott. 7 Nur für eine kleine Weile habe ich dich verlassen, doch mit großem Erbarmen werde ich dich sammeln. 8 Einen Augenblick nur verbarg ich vor dir mein Gesicht in aufwallendem Zorn; aber in ewiger Huld habe ich mich deiner erbarmt, spricht dein Erlöser, der HERR. 9 Wie bei der Flut Noachs soll es für mich sein: So wie ich damals schwor, dass die Flut Noachs die Erde nie mehr überschwemmen wird, so schwöre ich jetzt, dir nie mehr zu zürnen und dich nie mehr zu schelten. 10 Mögen auch die Berge weichen und die Hügel wanken – meine Huld wird nicht von dir weichen und der Bund meines Friedens nicht wanken, spricht der HERR, der Erbarmen hat mit dir.
11 Ärmste, vom Sturm Gepeitschte, die ohne Trost ist: Siehe, ich selbst lege dir ein Fundament aus Malachit und Grundmauern aus Saphir. 12 Aus Rubinen mache ich deine Zinnen, aus Beryll deine Tore und alle deine Mauern aus kostbaren Steinen. 13 Alle deine Kinder sind Schüler des HERRN und groß ist der Friede deiner Kinder. 14 Du wirst auf Gerechtigkeit gegründet sein. Du bist fern von Bedrängnis, denn du brauchst dich nicht mehr zu fürchten und bist fern von Schrecken; er kommt an dich nicht heran.

Im Folgenden verlassen wir die fünf Bücher Mose und hören nun einige prophetische Lesungen.
Der Ausschnitt aus dem Buch Jesaja ist ein verheißungsvoller Text, der an die Braut Gottes, an Israel gerichtet ist. Der historische Kontext dieses Kapitels ist das Babylonische Exil. Es ist wieder so, dass das Volk Gottes in einem Sklavenhaus gefangen ist und Gott keine Opfer frei darbringen kann. Der Tempel ist zerstört und die Heimat weit weg.
Das Kapitel beginnt mit „Freu dich, du Unfruchtbare, die nie gebar“. Das hören wir im heutigen Abschnitt nicht, aber es ist im Hinterkopf zu behalten, damit man die Begründung von Vers 5 überhaupt richtig versteht. Ganz dominant ist die Hauptmetapher in diesem und dem anschließenden Kapitel, das wir gleich noch hören werden: Gott ist Israels Bräutigam und Israel ist seine Braut, die ihm untreu geworden ist. Gott ist aber bereit, sich wieder mit ihr zu versöhnen.
„Denn dein Schöpfer ist dein Gemahl.“ Gott möchte Gemeinschaft mit seinem Volk, eine Einheit wie bei Mann und Frau. Gott wird hier nicht nur als Schöpfer betrachtet, sondern auch als Erlöser. Diese Erlösung besteht für die Israeliten zur Zeit des Babylonischen Exils in der Befreiung von der Fremdherrschaft und die Rückführung in die Heimat. Deshalb wird der Perserkönig Kyros, der ihnen sogar den Bau eines neuen Tempels gewährt, gewissermaßen als eine messianische Gestalt betrachtet. Und doch ist die Erlösung mehr als nur eine politische: Gott ist Erlöser aus einem ganz anderen Exil, das noch viel schlimmer ist – aus dem Exil der Sünde, denn durch die Ursünde war jeder Mensch aus dem Paradies verbannt! Die ultimative Erlösung besteht also in der Rückführung der Gerechten in die himmlische Heimat, zum himmlischen Tempel.
Gott ist ein treuer Gott, der seine Frau nicht verlässt, obwohl sie Ehebruch begangen hat. Er hat mit Israel einen Bund geschlossen, gleichsam einen Ehebund am Berg Sinai. Israel ist untreu geworden, doch Gott verlässt sie dennoch nicht.
Gott hat seine Braut nur kurz verlassen, nur kurz sein Gesicht vor ihr verborgen. Sie musste zu spüren bekommen, dass ihr Verhalten nicht richtig war. Gott hat die Konsequenzen der Sünde Israels zugelassen, damit es sich besinnt und umkehrt.
Gott ist barmherzig und verschont das reumütige Volk. Er hat Noah damals versprochen, nie wieder eine globale Vernichtung über seine geliebten Kinder zu bringen. Und so hält er sein Versprechen auch jetzt, wo Israel fern von seiner Heimat leben muss.
Gott verheißt Israel Stadtmauern und architektonische Elemente aus Edelsteinen. Das ist nicht die Andeutung der Errichtung eines neuen irdischen Jerusalems, sondern schon die Andeutung der himmlischen Stadt! Die Propheten des Alten Testaments, aber auch Johannes im Neuen Testament sehen die himmlische Stadt Jerusalem und auch Gott selbst so, dass sie es nur mit dem Leuchten von Edelsteinen vergleichen können. Gott verheißt dem Volk das Himmelreich!
Fern von Bedrängnis ist Jerusalem erst mit dem Abbruch der Zeiten bzw. jeder Einzelne nach dem Tod. Bis dahin wird es immer Kämpfe geben und die Gefahren bestehen weiter fort. Hier werden übernatürliche Dinge verheißen und keine irdischen Zustände.
Als Christen dürfen wir jedoch einen Einwand nennen: Sakramental wird jene verheißene Wirklichkeit schon vorweggenommen! So wird dies schon ansatzweise erfahrbar in der Kirche Jesu Christi, die eine übernatürliche Größe in der Welt ist, aber schon auf die Ewigkeit verweist. Ihre Heilsmittel, der Atem des Hl. Geistes, all diese Dinge leuchten voll der Gnade, die man mit Edelsteinen umschreiben könnte, die man nicht sieht.
All dies wird mit Jesus Christus bereits hier auf Erden beginnen, der das Reich Gottes in mitten in die Welt hineingebracht hat. Es wird sich am Ende der Zeiten vollenden und offenbar werden für die ganze Welt! Gott lässt sein auserwähltes Volk nicht im Stich, sondern verheißt mitten in der Krise das Leben in Fülle!

Ps 30
2 Ich will dich erheben, HERR denn du zogst mich herauf und ließest nicht zu, dass meine Feinde sich über mich freuen.4 HERR, du hast meine Seele heraufsteigen lassen aus der Totenwelt, hast
mich am Leben erhalten, sodass ich nicht in die Grube hinabstieg. 5 Singt und spielt dem HERRN, ihr seine Frommen, dankt im Gedenken seiner Heiligkeit! 6 Denn sein Zorn dauert nur einen Augenblick, doch seine Güte ein Leben lang. Wenn man am Abend auch weint, am Morgen herrscht wieder Jubel. 12 Du hast mein Klagen in Tanzen verwandelt, mein Trauergewand hast du gelöst und mich umgürtet mit Freude, 13 damit man dir Herrlichkeit singt und nicht verstummt. HERR, mein Gott, ich will dir danken in Ewigkeit.

Die Antwort auf so eine wunderbare Verheißung kann nur der Lobpreis sein. Der Psalm beginnt ganz typisch mit einer Selbstaufforderung zum Lob. König David dankt in eigener Sache, aber auch das ganze Volk Israel für die Rettung Gottes für den Sieg über die Feinde. Gott hat weder David noch das Volk sterben lassen. Gott hat jene, die vor allem moralisch auf der Kippe standen, vor der ewigen Verdammnis bewahrt. David hat sich schwer versündigt, indem er Ehebruch und Auftragsmord begangen hat. Auch das Volk Israel hat sich immer wieder durch den Götzendienst von Gott abgewandt. Doch Gott hat nicht zugelassen, dass weder sein auserwählter König noch sein auserwähltes Volk in die Irre geht. Er hat auf das Unrecht reagiert, was wir Gottes Zorn nennen. Es ist keine affektive, unkontrollierte Emotion, in der er alles zerstört, sondern eine bewusste und kontrollierte Reaktion Gottes.
Gott musste so reagieren, damit sein Volk sich auf den Bund zurückbesinnt, auf das Treueversprechen, das es ihm gegeben hat. Gott darf aufgrund dieses Bundes die Treue von Israel verlangen. Er ist eifersüchtig, aber seine Eifersucht ist eine andere als die der Menschen: Es ist nicht patholischer Ausdruck seiner Unsicherheit, sondern das Verlangen nach der ganzen Liebe seiner Braut.
Und nachdem Israel sich besinnt hat und umgekehrt ist, ist das Heil wieder eingekehrt. So ist nun das Trauergewand in ein Freudenkleid gewandelt worden. Es ist nun eine Zeit des Freude und der Feststimmung. So ist es jedesmal, wenn ein Kind im Hl. Geist wiedergeboren wird bei der Taufe. Der Neue Bund ist ebenso ein Grund zur Freude, denn ein weiterer Mensch ist zur Braut Christi geworden und zum Erben im Reich Gottes eingesetzt worden! So ist es mit jedem Menschen, der von seiner Sünde umkehrt! Dann ist das Fest im Himmel groß! Und am Ende der Zeiten wird das ewige Hochzeitsmahl des Lammes gefeiert. Dann werden die Menschen ewig Gott loben und preisen, wie es am Ende des Psalms heißt. Das wird die ewige Tätigkeit in der Anschauung Gottes sein!

Jes 55
1 Auf, alle Durstigen, kommt zum Wasser! Die ihr kein Geld habt, kommt, kauft Getreide und esst, kommt und kauft ohne Geld und ohne Bezahlung Wein und Milch! 2 Warum bezahlt ihr mit Geld, was euch nicht nährt, und mit dem Lohn eurer Mühen, was euch nicht satt macht? Hört auf mich, dann bekommt ihr das Beste zu essen und könnt euch laben an fetten Speisen! 3 Neigt euer Ohr und kommt zu mir, hört und ihr werdet aufleben! Ich schließe mit euch einen ewigen Bund: Die Erweise der Huld für David sind beständig. 4 Siehe, ich habe ihn zum Zeugen für die Völker gemacht, zum Fürsten und Gebieter der Nationen. 5 Siehe, eine Nation, die du nicht kennst, wirst du rufen und eine Nation, die dich nicht kannte, eilt zu dir, um des HERRN, deines Gottes, des Heiligen Israels willen, weil er dich herrlich gemacht hat.6 Sucht den HERRN, er lässt sich finden, ruft ihn an, er ist nah! 7 Der Frevler soll seinen Weg verlassen, der Übeltäter seine Pläne. Er kehre um zum HERRN, damit er Erbarmen hat mit ihm, und zu unserem Gott; denn er ist groß im Verzeihen.
8 Meine Gedanken sind nicht eure Gedanken und eure Wege sind nicht meine Wege – Spruch des HERRN. 9 So hoch der Himmel über der Erde ist, so hoch erhaben sind meine Wege über eure Wege und meine Gedanken über eure Gedanken. 10 Denn wie der Regen und der Schnee vom Himmel fällt und nicht dorthin zurückkehrt, ohne die Erde zu tränken und sie zum Keimen und Sprossen zu bringen, dass sie dem Sämann Samen gibt und Brot zum Essen, 11 so ist es auch mit dem Wort, das meinen Mund verlässt: Es kehrt nicht leer zu mir zurück, ohne zu bewirken, was ich will, und das zu erreichen, wozu ich es ausgesandt habe.

Als nächstes hören wir einen Ausschnitt aus dem Buch Jesaja, der ein Kapitel später erscheint. Auch hier geht es wieder um das Leben, nämlich um das ewige Leben. Die Durstigen, die zum Wasser kommen, sind die Menschen, die nach Gott dürsten. Es geht nicht um herkömmliches Wasser, das man zur Durstlöschung des Körpers verwendet, sondern um das lebendige Wasser für die Seele. Wir verstehen aus christlicher Sicht, was damit gemeint ist: Der Heilige Geist! Dieser ist es, der bei der Schöpfung über der Urflut schwebt. Dieser ist es, der dem Menschen die ewige Seele einhaucht. Dieser ist es, der auch den ersten Menschen der neuen Schöpfung zum Leben erweckt! Das Leben kommt von Gott – nicht nur das biologische Leben, sondern auch das ewige! Auch gerade das Leben in Fülle, das heißt ein gesegnetes Dasein, kann nur Gott garantieren. Was der Mensch alleine versucht, wird ihn nicht glücklich machen. Auf das Volk Israel bezogen ist es die Anbetung irgendwelcher Götzen, die es in die Babylonische Gefangenschaft gebracht hat. Was versucht der Mensch nicht alles, um glücklich zu werden! Wie viel investieren auch wir bis heute in irdische Güter, damit wir uns selbst ein Leben in Fülle beschaffen? Und doch sind die Herzen der Menschen leerer als sonst, weil sie Gott nicht darin haben. Gottes Gnade, die uns glücklich machen kann, die uns das Leben in Fülle schenkt, kostet nichts! Der einzige Preis ist das Hören auf Gott.
„Hört auf mich, dann bekommt ihr das Beste zu essen und könnt euch laben an fetten Speisen! Neigt euer Ohr und kommt zu mir, hört und ihr werdet aufleben!“ Leben wir in Gemeinschaft und Einklang mit dem Willen Gottes, dann werden auch wir ein Leben in Fülle haben! Gott ist ein Gott des Lebens. Jesus hat ihm bis ans Kreuz vertraut. Er hat in allem den Willen seines Vaters getan und so hat dieser ihn von den Toten auferweckt! Dies sei uns ein Beispiel, damit auch wir am Ende leben, auch wenn wir sterben!
„Ich schließe mit euch einen ewigen Bund.“ Dies hat Gott im Laufe der Heilsgeschichte immer wieder erneuert. Dann auf der Höhe der Zeit ist er selbst Mensch geworden, um am Kreuz einen Neuen Bund zu besiegeln, aber nicht mehr nur mit dem Volk Israel, sondern mit der ganzen Welt!
Er hat diesen Bund geschlossen durch den neuen David, den Sohn Davids, den Messias. Schon Jesaja kündigt an, dass es ein Bund mit den Völkern sein wird, also mit den Heiden! Es wird eine übernatürliche Nation sein, keine an irdische Nationalität gebundene. Es wird ein Volk sein aus allen Nationen der Erde! Deshalb wird es eine Nation sein, die Israel zur Zeit Jesajas noch nicht kennt.
Israel wird dazu ermutigt, Gott anzurufen, denn Gott erhört die Bitten seines Volkes!
Jetzt ist die Zeit der Umkehr gekommen! Gott hat Pläne, die das Volk zu jener Zeit noch gar nicht erahnen kann. Sein wunderbarer Heilsplan erreicht ein neues Level. Bald kommt der Messias und dieser ist Gott selbst. Es ist Gottes gesprochenes Wort, das auf die Erde kommt, dort Frucht bringt und so die Erde nicht ohne seine Spuren verlässt. Wir haben schon in der ersten Lesung gehört, dass alles durch das gesprochene Wort Gottes geschaffen worden ist. Und dieses Wort wird wieder auf die Erde kommen, um eine neue Schöpfung zu begründen! Jesus Christus wird alles vollbringen, was der Vater ihm aufträgt. Er wird bis zum letzten Atemzug seinen Willen tun und dann sagen: „Es ist vollbracht!“ Er wird nicht leer zum Vater zurückkehren, sondern gefüllt mit den Seelen der vielen Geretteten! Er kommt zum Vater Hand in Hand mit den Gerechten des Alten Testaments, die sehnsüchtig auf die Öffnung der Himmelstür gewartet haben. Das ist der Ausdruck des wahren Lebens, weil es das ewige Leben bei Gott ist! Und dies passiert heute, ja jetzt in dem Moment, als Jesus im Reich des Todes jenen Gerechten das Evangelium verkündet! Und mit der Auferstehung kehren jene Heim in die himmlische Heimat aus dem Exil der Sünde! Das ist der ultimative Beweis, dass Gott ein Gott des Lebens ist!

Jes 12
2 Siehe, Gott ist mein Heil; ich vertraue und erschrecke nicht. Denn meine Stärke und mein Lied ist Gott, der HERR. Er wurde mir zum Heil. 3 Ihr werdet Wasser freudig schöpfen aus den Quellen des Heils. 4 An jenem Tag werdet ihr sagen: Dankt dem HERRN! Ruft seinen Namen an! Macht unter den Völkern seine Taten bekannt, verkündet: Sein Name ist erhaben! 5 Singt dem HERRN, denn Überragendes hat er vollbracht; bekannt gemacht sei dies auf der ganzen Erde. 6 Jauchzt und jubelt, ihr Bewohner Zions; denn groß ist in eurer Mitte der Heilige Israels.

Als Antwort auf diese Heilsbotschaft hören wir eine Art Psalm im Buch Jesaja. Es handelt sich um das Danklied der Erlösten. Die Erlösung Gottes kann nur eine Reaktion hervorrufen, nämlich den Dank und das Lob.
Gott ist mein Heil. Er ist Stärke und Lied. Das Volk Israel kann nicht anders, als auf die Verheißung von Jesaja 11 mit Lobpreis zu antworten. Dort wird der Reis aus dem Baumstumpf Isais verheißen, der Sohn Davids, der das Volk erlösen wird. Die Israeliten verstanden darunter noch eine königliche Heilsgestalt, die das Volk vor der Fremherrschaft Assurs befreien wird. Als sie in der Babylonischen Gefangenschaft waren, werden sie darunter eine irdische und politische Erlösergestalt verstanden haben, die sie aus dem Exil befreit. Und doch verheißt Jesaja viel mehr: Denn hier geht es um das Heil Gottes, der sein Volk aus den Quellen des Heils schöpfen lassen wird! Es geht um das lebendige Wasser, um den Hl. Geist! Und dieser Geist ist es, der Leben verleiht. Hier geht es schon um übernatürliche Dinge. Der Heilige Israels ist Gott und dieser ist Mensch geworden in Jesus Christus! Wir beten diesen Lobpreis schon als Dank für die Erlösung durch den Kreuzestod Jesu Christi! Gott schenkt das ewige Leben, was noch viel existenzieller ist als das irdische Leben! Je näher wir der Zeitenwende kommen, desto mehr lernen und begreifen die Israeliten das.

Bar 3
9 Höre, Israel, die Gebote des Lebens; merkt auf, um Einsicht zu erlangen! 10 Warum, Israel, warum lebst du im Gebiet der Feinde, wirst alt in einem fremden Land, 11 bist unrein geworden, den Toten gleich, wurdest gezählt zu denen, die in die Unterwelt hinabsteigen? 12 Du hast den Quell der Weisheit verlassen. 13 Wärest du auf Gottes Weg gegangen, du wohntest in Frieden für immer. 14 Nun lerne, wo die Einsicht ist, wo Kraft und wo Klugheit, dann erkennst du zugleich, wo langes Leben und Lebensglück, wo Licht für die Augen und Frieden zu finden sind! 15 Wer hat je ihren Ort gefunden? Wer ist zu ihren Schatzkammern vorgedrungen?32 Doch der Allwissende kennt sie; er hat sie in seiner Einsicht entdeckt. Er hat ja die Erde für immer gegründet, er hat sie mit vierfüßigen Tieren bevölkert. 33 Er entsendet das Licht und es eilt dahin; er ruft es zurück und zitternd gehorcht es ihm. 34 Froh leuchten die Sterne auf ihren Posten. 35 Ruft er sie, so antworten sie: Hier sind wir. Sie leuchten mit Freude für ihren Schöpfer. 36 Das ist unser Gott; kein anderer gilt neben ihm. 37 Er hat den Weg der Erkenntnis ganz erkundet und hat sie Jakob, seinem Diener, verliehen, Israel, seinem Liebling. 38 Dann erschien sie auf der Erde und lebte mit den Menschen.1 Sie ist das Buch der Gebote Gottes, das Gesetz, das ewig besteht. Alle, die an ihr festhalten, finden das Leben; doch alle, die sie verlassen, verfallen dem Tod. 2 Kehr um, Jakob, ergreif sie! Geh in ihrem Glanz den Weg zum Licht! 3 Überlass deinen Ruhm keinem andern und deinen Vorzug keinem fremden Volk! 4 Glücklich sind wir, das Volk Israel; denn wir wissen, was Gott gefällt.

Als nächsten prophetischen Text hören wir einen Ausschnitt aus dem Propheten Baruch (zu Deutsch „der Gesegnete“). Auch hier geht es wieder um das Leben, das den roten Faden der gesamten Osternachtsliturgie darstellt.
Der Gott des Lebens erwartet vom Menschen nichts weiter, als die Gebote des Lebens zu halten, um ein Leben in Fülle zu haben.
Israel hat sich die Fremherrschaft selbst eingebrockt, weil es die Gebote Gottes nicht gehalten hat. Israel ist durch die Sünde „den Toten gleich“ geworden. Das Abgeschnittensein von Gott ist die schlimmste Form von Tod, weil sie ewig und endgültig ist.
„Du hast den Quell der Weisheit verlassen“ – Das Volk hat sich diesen endgültigen Tod selbst gewählt. Das ist der Kern. Auch wir Menschen heute können frei wählen zwischen Leben und Tod, indem wir uns entweder für oder gegen Gott und seine Gebote entscheiden.
Lernen wir aus den Worten Baruchs an Israel „Wärest du auf Gottes Weg gegangen, du wohntest in Frieden für immer.“
Alles liegt in Gottes Hand, der die Welt geschaffen hat. Er ist es, der das Licht entsendet, das ihm zitternd gehorcht. Das ist Jesus Christus, wie wir schon zuvor bedacht und erkannt haben! Er ist dieses Licht, das auf die Erde gekommen ist. Hier die dunkle Welt erleuchtet hat und dann zum Vater zurückgekehrt ist. Dieses Licht ist den Menschen zuteil geworden und ist zugleich das Gesetz, die Torah! Jesus hat das Gesetz erfüllt, indem er erklärt hat, wie es zu verstehen ist. Und dieses Licht, das das Gesetz ist, ist zugleich das Leben.
Licht und Leben sind auch im Johannesevangelium ganz und gar eins. Und diese beiden werden dort auf das Wort, auf den Logos bezogen.
Baruch sagt ganz deutlich, dass es für das Volk noch nicht zu spät ist. Es kehre jetzt um, damit es die Chance „auf dem Weg zum Licht“ hat.
„Glücklich sind wir, das Volk Israel; denn wir wissen, was Gott gefällt.“ Ja, das Volk Israel hat die Gebote Gottes empfangen und kennt den Willen Gottes. Doch es hat trotz Wissen darum gegen die Gebote gehandelt. Dabei kann es sich glücklich schätzen, denn es weiß, welcher Weg zum ewigen Leben bei Gott führt.
Das können wir Christen umso mehr sagen. Jesus hat die Gebote ganz konkret vorgelebt, sodass wir genau wissen, wie wir leben müssen, um zum Vater zu gelangen. Wie glücklich können wir uns über die Offenbarung Gottes schätzen! Seien wir dankbar, dass er uns die Chance auf das ewige Leben schenkt!

Ps 19
8 Die Weisung des HERRN ist vollkommen, sie erquickt den Menschen. Das Zeugnis des HERRN ist verlässlich, den Unwissenden macht es weise. 9 Die Befehle des HERRN sind gerade, sie erfüllen das Herz mit Freude. Das Gebot des HERRN ist rein, es erleuchtet die Augen. 10 Die Furcht des HERRN ist lauter, sie besteht für immer. Die Urteile des HERRN sind wahrhaftig, gerecht sind sie alle. 11 Sie sind kostbarer als Gold, als Feingold in Menge. Sie sind süßer als Honig, als Honig aus Waben. 12 Auch dein Knecht lässt sich von ihnen warnen; reichen Lohn hat, wer sie beachtet.

Mit Psalm 19 betrachten wir die Weisung des HERRN. Das ist die Torah, die in Jesus Christus Fleisch geworden ist. „Sie erquickt den Menschen.“ Ja, die Gebote zu leben bedeutet das Leben in Fülle und so muss die Seele des Menschen nicht mehr dürsten. Das können wir auch ganz und gar auf Christus beziehen, der nicht umsonst gesagt hat: „Wer Durst hat, komme zu mir und trinke (Joh 7).“
Gottes Zeugnis ist verlässlich und lehrt die Unwissenden. Jesus sagt, dass Gott sich den Unmündigen offenbart hat. Diese Weisheit ist höher als die Weisheit der Welt, so Paulus z.B. im ersten Korintherbrief.
Gott verlangt nicht, dass wir uns verbiegen und uns kaputt machen müssen. Er verlangt, dass wir gerade leben, das heißt einen Lebenswandel nach den Geboten führen sollen. Das ist nichts, was uns überfordert, sondern für den Menschen möglich! Es macht den Menschen glücklich, denn Gottes Gebote sind gerecht und viel kostbarer als alle irdischen Güter wie Gold oder Honig.
„Auch dein Knecht lässt sich von ihnen warnen“ – das ist zunächst auf König David zu beziehen, der diesen Psalm gedichtet und selbst gebetet hat. Dies betrifft aber auch Jesus Christus, der die Gebote selbst ganz gehalten hat. Die Weisung des Herrn bringt das ewige Leben – in Buchstaben, aber vor allem als Person Jesu Christi! Deshalb sagt Jesus, dass er die Auferstehung und das Leben ist. Er ist der Weg, die Wahrheit und das Leben. Keiner kommt zum Vater, außer durch ihn! Wir merken, dass mit jeder Lesung sich alles immer mehr auf Jesus Christus verdichtet! Die ganze Schrift läuft wie ein Fluchtpunkt auf ihn zusammen! Sie ist ein einziges Zeugnis für ihn.

Ez 36
16 Das Wort des HERRN erging an mich: 17 Menschensohn, als die vom Haus Israel in ihrem Land wohnten, machten sie es durch ihre Wege und ihre Taten unrein. Wie die monatliche Unreinheit der Frau waren ihre Wege in meinen Augen. 18 Da goss ich meinen Zorn über sie aus, weil sie Blut vergossen im Land und es mit ihren Götzen befleckten. 19 Ich zerstreute sie unter die Nationen; in die Länder wurden sie vertrieben. Nach ihren Wegen und nach ihren Taten habe ich sie gerichtet. 20 Als sie aber zu den Nationen kamen, entweihten sie überall, wohin sie kamen, meinen heiligen Namen; denn man sagte von ihnen: Das ist das Volk des HERRN und doch mussten sie sein Land verlassen. 21 Da tat mir mein heiliger Name leid, den das Haus Israel bei den Nationen entweihte, wohin es auch kam. 22 Darum sag zum Haus Israel: So spricht GOTT, der Herr: Nicht euretwegen handle ich, Haus Israel, sondern um meines heiligen Namens willen, den ihr bei den Nationen entweiht habt, wohin ihr auch gekommen seid. 23 Meinen großen, bei den Nationen entweihten Namen, den ihr mitten unter ihnen entweiht habt, werde ich wieder heiligen. Und die Nationen – Spruch GOTTES, des Herrn – werden erkennen, dass ich der HERR bin, wenn ich mich an euch vor ihren Augen als heilig erweise. 24 Ich nehme euch heraus aus den Nationen, ich sammle euch aus allen Ländern und ich bringe euch zu eurem Ackerboden. 25 Ich gieße reines Wasser über euch aus, dann werdet ihr rein. Ich reinige euch von aller Unreinheit und von allen euren Götzen. 26 Ich gebe euch ein neues Herz und einen neuen Geist gebe ich in euer Inneres. Ich beseitige das Herz von Stein aus eurem Fleisch und gebe euch ein Herz von Fleisch. 27 Ich gebe meinen Geist in euer Inneres und bewirke, dass ihr meinen Gesetzen folgt und auf meine Rechtsentscheide achtet und sie erfüllt. 28 Dann werdet ihr in dem Land wohnen, das ich euren Vätern gegeben habe. Ihr werdet mir Volk sein und ich, ich werde euch Gott sein.

Als nächstes hören wir noch eine wunderbare Verheißung aus dem Buch Ezechiel. Auch hier wird der Tod als Entfernung von Gott charakterisiert („machten sie es durch ihre Wege und ihre Taten unrein“). Ezechiel bekommt eine Deutung der schlechten Zeiten Israels in der Babylonischen Gefangenschaft. Israel hat es sich selbst zuzuschreiben, „weil sie Blut vergossen im Land und es mit ihren Götzen befleckten.“ Die Zerstreuung und das Verlassen des verheißenen Landes sind Ausdruck des Zornes Gottes. Auch hier muss wieder betont werden, dass es kein Zorn ist wie bei Menschen, sondern eine angemessene und kontrollierte Reaktion Gottes auf Unrecht. Diese rettet Israel, denn dadurch kommt es zur Besinnung und kehrt um zum Leben!
Gott lässt seinen Zorn nur so lange walten, bis Israel es endlich versteht. Dann wird er sein Heil über Israel ausgießen: „Meinen großen, bei den Nationen entweihten Namen, den ihr mitten unter ihnen entweiht habt, werde ich wieder heiligen.“ Das klingt schon sehr christologisch für uns, die wir gestern noch die Entweihung des Namens Gottes durch die vielen Spöttereien an Jesus Christus gehört haben. Der Name Jesu, der so durch den Dreck gezogen worden ist, wird am Ende der heiligste Namen, in dem so viele Zeichen und Wunder geschehen werden, der das Heil ist für alle Menschen!
„Ich nehme euch heraus aus den Nationen, ich sammle euch aus allen Ländern und ich bringe euch zu eurem Ackerboden.“ Das ist für die Israeliten die höchste Heilsbotschaft! Sie dürfen zurück in ihrer Heimat und müssen nicht mehr in der Zerstreuung leben. Das ist aber auch christologisch zu verstehen: Jesus sammelt sich durch seine Erlösungstat Menschen aus allen Nationen und sie werden zu der neuen übernatürlichen Nation Gottes, dem neuen Volk, von dem wir in den vergangenen Lesungen schon gehört haben! Jesus wird sich seine Kirche sammeln, die auf den Ackerboden seines Leibes Fuß fassen wird. Sie wird schon auf Erden das Reich Gottes begründen und dann am Ende der Zeiten das verheißene Land, das himmlische Jerusalem betreten!
„Ich gieße reines Wasser über euch aus, dann werdet ihr rein. Ich reinige euch von aller Unreinheit und von allen euren Götzen.“ Jesus wird vom Vater seinen Hl. Geist auf sein Volk ausgießen und dadurch die Kirche zum Leben erwecken! Es ist der Geist, der Jesus selbst zum Leben erweckt hat am Ostermorgen! Auch hier haben wir wieder ein Zeugnis für den Gott des Lebens, der immerfort aus dem Nichts Leben schafft! Er ist wahrhaft Creator, immerfort, nicht nur am Anfang der Schöpfung! Diese Geistgabe verleiht Gott jedem seiner geliebten Kinder auf besondere Weise, wenn sie getauft werden. Dann werden sie wiedergeboren im Hl. Geist. Ihnen wird das ewige Leben geschenkt als Erben im Reiche Gottes.
„Ich gebe meinen Geist in euer Inneres und bewirke, dass ihr meinen Gesetzen folgt und auf meine Rechtsentscheide achtet und sie erfüllt.“ Gott kann dem Menschen auch wieder neues Leben schenken, wenn er umkehrt. Dies gilt für Israel, das durch die Götzendienste von Gott abgerückt war. Dies gilt für uns, die wir getauft sind, aber durch die Sünde von Gott weggegangen sind. Auch dann ist es nicht zu spät! Auch dann möchte Gott an uns ein kleines Ostern erwirken, bei dem wir durch das Sakrament der Buße wieder leben! Und das bewirkt der Geist Gottes, der das Leben ist.
Und wenn wir in diesem versöhnten Zustand sterben, werden wir im Land der Lebenden wohnen zusammen mit der Heiligsten Dreifaltigkeit, mit allen Engeln und Heiligen. Dann werden wir Gottes Volk sein und er unser Gott für immer. Das ist schon mehr als nur das verheißene Land Israel. Es geht um das ewige Leben.

Ps 42-43
3 Meine Seele dürstet nach Gott, nach dem lebendigen Gott. Wann darf ich kommen und erscheinen vor Gottes Angesicht? 5 Ich denke daran und schütte vor mir meine Seele aus: Ich will in einer Schar einherziehn. Ich will in ihr zum Haus Gottes schreiten, im Schall von Jubel und Dank in festlich wogender Menge. 10 Sagen will ich zu Gott, meinem Fels: Warum hast du mich vergessen? Warum muss ich trauernd einhergehn, von meinem Feind unterdrückt? 3 Sende dein Licht und deine Wahrheit; sie sollen mich leiten; sie sollen mich bringen zu deinem heiligen Berg und zu deinen Wohnungen. 4 So will ich kommen zu Gottes Altar, zum Gott meiner Freude und meines Jubels. Ich will dir danken zur Leier, Gott, du mein Gott.

Auf diese wunderbare Verheißung antworten wir mit Sehnsucht. Ja, wir können es kaum erwarten, dass dies geschieht. Wir warten darauf, dass Jesus von den Toten aufersteht, damit wir das ewige Leben haben können. Wir sind schon erlöst, aber doch fiebern wir in der Liturgie heilsgeschichtlich mit. Wir sehnen uns darüber hinaus nach dem zweiten Kommen Jesu Christi, nach der Erlösung von dem Leiden dieser Welt, das immer größer wird. Wir sehnen uns nach der ewigen Gemeinschaft mit Gott, von der aus dem Ezechielbuch gehört haben.
„Meine Seele dürstet nach Gott, nach dem lebendigen Gott.“ Der Mensch hat Durst, bis er nicht von Gott trinkt. Und Jesus hat es schon der Samariterin am Jakobsbrunnen erklärt: Wer von diesem Wasser trinkt, wird nie mehr dürsten.
Wir klagen Gott unser Leid, die wir trauernd einhergehn. Der Feind unterdrückt uns sehr und die Tendenz ist steigend. Doch auch wenn wir klagen: „Warum hast du mich vergessen?“ Ist dem nicht so. Gott vergisst uns nie. Er hat seinen eigenen Sohn dahingegeben, damit wir das ewige Leben haben und die Rettung unseres Lebens erfahren.
„Sende dein Licht und deine Wahrheit.“ Dies ist eine tiefgründige Bitte, die unsere Sehnsucht nach dem Messias ausdrückt. So oft haben wir jetzt gehört, dass er das Licht ist, das Gott in diese Welt gesandt hat. Er ist die Wahrheit, wie er selbst im Johannesevangelium erklärt hat. Die Menschen, die den Psalm beten, ersehnen den Messias, der noch nicht gekommen ist. Wir ersehnen die Wiederkunft Christi am Ende der Zeiten.
Und dieser Christus, der die Wahrheit ist, hat schon gesagt, dass wir nur durch ihn zum Vater gelangen. Und hier im Psalm wird das schon deutlich, wenn es heißt: „Sie sollen mich bringen zu deinem heiligen Berg und zu deinen Wohnungen. So will ich kommen zu Gottes Altar, zum Gott meiner Freude und meines Jubels.“ Der heilige Berg ist Zion. Gemeint ist für die Juden zunächst das Kommen zum Tempel in Jerusalem auf dem Zionsberg. Wir verstehen es aber schon christologisch: Wir kommen durch Christus zum himmlischen Zion. Dieses wird sakramental schon vorweggenommen in jeder Heiligen Eucharistie. Da berühren sich Himmel und Erde. Dort ist nicht nur der irdische und sichtbare Altar, sondern zugleich der himmlische Altar Gottes, den wir nicht sehen. Die Wohnungen, von denen der Psalm spricht, greift Jesus in seiner Abschiedsrede am Abend vor seinem Leiden auf, wenn er seinen Aposteln sagt: „Bei meinem Vater gibt es viele Wohnungen.“ Es ist der Lebensraum des Himmels, der mit diesem Bild ausgedrückt wird.
Dort werden alle Seelen Gott ewige danken zu der Leier (ein Instrument). Da wird ewiger himmlischer Lobpreis stattfinden.

Röm 6
3 Wisst ihr denn nicht, dass wir, die wir auf Christus Jesus getauft wurden, auf seinen Tod getauft worden sind? 4 Wir wurden ja mit ihm begraben durch die Taufe auf den Tod, damit auch wir, so wie Christus durch die Herrlichkeit des Vaters von den Toten auferweckt wurde, in der Wirklichkeit des neuen Lebens wandeln. 5 Wenn wir nämlich mit der Gestalt seines Todes verbunden wurden, dann werden wir es auch mit der seiner Auferstehung sein. 6 Wir wissen doch: Unser alter Mensch wurde mitgekreuzigt, damit der von der Sünde beherrschte Leib vernichtet werde, sodass wir nicht mehr Sklaven der Sünde sind. 7 Denn wer gestorben ist, der ist frei geworden von der Sünde. 8 Sind wir nun mit Christus gestorben, so glauben wir, dass wir auch mit ihm leben werden. 9 Wir wissen, dass Christus, von den Toten auferweckt, nicht mehr stirbt; der Tod hat keine Macht mehr über ihn. 10 Denn durch sein Sterben ist er ein für alle Mal gestorben für die Sünde, sein Leben aber lebt er für Gott. 11 So begreift auch ihr euch als Menschen, die für die Sünde tot sind, aber für Gott leben in Christus Jesus.

Tod und Leben. Die ganze Heilsgeschichte läuft hinaus auf den Tod Jesu Christi am Kreuz, der am dritten Tage von den Toten auferstanden ist! Und dies geschieht just in dieser Liturgie! Jesus ist auferstanden und unser Gloria weist darauf hin. Nun hören wir aus dem Neuen Testament aus der Perspektive des bereits auferstandenen Jesus Christus. Paulus reflektiert darin, dass unsere Taufe, der Bundesschluss mit Gott, auf diesem Osterereignis gründet:
„Wisst ihr denn nicht, dass wir, die wir auf Christus Jesus getauft wurden, auf seinen Tod getauft worden sind?“ Das fasst unsere Taufe zusammen. Dass wir diesen Neuen Bund mit Gott überhaupt eingehen können und zu seinen Kinder, zu Erben des Reiches Gottes werden können, verdanken wir dem Tod Jesu Christi!
Unser alter Mensch ist mit Christus zusammen begraben worden. Unsere alte, sündige Natur, die dem ewigen Verderben geweiht war, ist zusammen mit Jesus Christus gestorben. Wir sind durch die Taufe zum neuen ewigen Leben auferweckt! Dadurch sind wir Christen österliche Menschen geworden! Und so wie Jesus jetzt ewig beim Vater lebt, so werden auch wir das ewige Leben beim Vater haben, auch wenn wir biologisch sterben.
Jesus hat unser altes Menschsein mit ans Kreuz genommen, damit wir für die Sünde mitsterben. Er hat uns dadurch aus der ewigen Sklaverei, aus dem ewigen Exil befreit, damit auch wir mit ihm leben würden. So wie Christus durch die Auferstehung den Tod endgültig besiegt hat, kann dieser auch uns nicht mehr schaden.
Wir sind für die Sünde tot, aber leben für Gott. Das ist Grund für eine unerschütterliche Hoffnung bis zum letzten Atemzug! Wir sehen, wie so viele der ersten Christen mit einem Lobpreis und Jubel auf den Lippen in den Tod gegangen sind für diese Osterbotschaft! Nur ein einziger Apostel ist eines natürlichen Todes gestorben. Alle anderen wurden für diese Botschaft umgebracht. Und sie haben bis zum Schluss daran festgehalten. Das zeigt, dass es wahr ist, dass Jesus lebt! Auch wir dürfen diese unerschütterliche Hoffnung haben und unser Leben auf dieser österlichen Botschaft aufbauen, die wir auf dieses Ereignis hin getauft sind.

Ps 118
1 Dankt dem HERRN, denn er ist gut, denn seine Huld währt ewig! 2 So soll Israel sagen: Denn seine Huld währt ewig. 16 die Rechte des HERRN, sie erhöht, die Rechte des HERRN, Taten der Macht vollbringt sie. 17 Ich werde nicht sterben, sondern leben, um die Taten des HERRN zu verkünden. 22 Ein Stein, den die Bauleute verwarfen, er ist zum Eckstein geworden. 23 Vom HERRN her ist dies gewirkt, ein Wunder in unseren Augen.

Aufgrund dieses Ereignisses und der überwältigenden Gnade Gottes können wir nicht anders, als unser ganzes Leben als Dankesopfer für den Herrn darzubringen. So wird Psalm 118 zu unserem Lebensprogramm. Ja, Gottes Huld währt ewig, denn er ist gut. Kein anderer Gott hat sich jemals von seinen geliebten Kindern umbringen lassen, um ebenjene von allen Sünden zu erlösen!
Gott hat durch die Auferstehung seines Sohnes wirklich seine Macht bewiesen. Das war die größte Heilstat aller Zeiten, die die Menschen gestern, heute und morgen erlöst hat!
Und deshalb darf der Mensch voller Freude sagen: „Ich werde nicht sterben, sondern leben, um die Taten des HERRN zu verkünden.“ Ja, das ist die einzig angemessene Antwort auf die Erlösung, die uns zuteilgeworden ist – ihn zu verkünden und immerfort Zeugnis für ihn abzulegen.
Jesus Christus ist wirklich zum Eckstein geworden, nachdem die Bauleute ihn verworfen haben. Dies greifen die Autoren des Neuen Testaments auf wie Petrus im ersten Petrusbrief oder Paulus im Römerbrief. Ja, Jesus selbst hat dieses Schriftwort aufgegriffen und auf sich bezogen, wie wir in allen synoptischen Evangelien lesen. Die Menschen haben ihn nicht angenommen, aber Gott hat diese Ablehnung wiederum ins Heil umgekehrt. Gott ist ein Gott des Heils und hat somit der gesamten Menschheit die Rettung gebracht.

Mt 28
1 Nach dem Sabbat, beim Anbruch des ersten Tages der Woche, kamen Maria aus Magdala und die andere Maria, um nach dem Grab zu sehen. 2 Und siehe, es geschah ein gewaltiges Erdbeben; denn ein Engel des Herrn kam vom Himmel herab, trat an das Grab, wälzte den Stein weg und setzte sich darauf. 3 Sein Aussehen war wie ein Blitz und sein Gewand weiß wie Schnee. 4 Aus Furcht vor ihm erbebten die Wächter und waren wie tot. 5 Der Engel aber sagte zu den Frauen: Fürchtet euch nicht! Ich weiß, ihr sucht Jesus, den Gekreuzigten. 6 Er ist nicht hier; denn er ist auferstanden, wie er gesagt hat. Kommt her und seht euch den Ort an, wo er lag! 7 Dann geht schnell zu seinen Jüngern und sagt ihnen: Er ist von den Toten auferstanden und siehe, er geht euch voraus nach Galiläa, dort werdet ihr ihn sehen. Siehe, ich habe es euch gesagt. 8 Sogleich verließen sie das Grab voll Furcht und großer Freude und sie eilten zu seinen Jüngern, um ihnen die Botschaft zu verkünden.
9 Und siehe, Jesus kam ihnen entgegen und sagte: Seid gegrüßt! Sie gingen auf ihn zu, warfen sich vor ihm nieder und umfassten seine Füße. 10 Da sagte Jesus zu ihnen: Fürchtet euch nicht! Geht und sagt meinen Brüdern, sie sollen nach Galiläa gehen und dort werden sie mich sehen.

Und nun, meine Lieben, hören wir die wunderbare Osterbotschaft:
Am ersten Tag der Woche, als der Sabbat vorbei ist, das zugleich das Wochenende des Pessachfestes war, kommen die Frauen zum Grab, um nach dem Leichnam zu sehen. Es hat eine tiefe Bedeutung, dass Jesus am ersten Tag der Woche auferstanden ist. Es gibt zu jener Zeit schon länger jüdische Traditionen (Qumran etc.), denen nach die messianische Heilszeit an Tag 8 anbricht. Somit treten wir Christen als österliche Menschen in eine neue heilsgeschichtliche Epoche ein im Gegensatz zu den Juden, die den Sabbat am siebten Tag feiern! Jesus als Messias lebt wieder am achten Tag. Für die essenischen Kreise ein absolutes Signal und eine Bestätigung ihrer Schriften!
Bei Matthäus hören wir von einem kosmischen Zeichen bei der Auferstehung – einem Erdbeben. Das ist ganz typisch, weil es ein Zeichen der Theophanie Gottes ist. Wo Gott anwesend ist, gibt es immer wieder meteorologische Phänomene wie Gewitter, Wolken oder wie jetzt das Erdbeben. Ein Engel des Herrn wälzt laut Matthäus den Stein weg. Er leuchtet hell und deshalb vergleicht Matthäus sein Aussehen mit einem Blitz und mit Schnee. Das ist die Gnade und Herrlichkeit des Himmels, die so hell leuchtet. Wir haben die Lichtmetapher jetzt schon sehr oft gehört.
Die Wächter der Römer, die das Grab bewachen mussten (man hatte Angst, dass die Jünger Jesu den Leichnam stehlen würden), waren überwältigt und konnten nichts tun. Sie erstarren vor der Herrlichkeit Gottes!
Und dann kommt die Botschaft, die uns die gesamte Bibel hindurch immer wieder begegnet: „Fürchtet euch nicht!“
Der Engel erklärt den Frauen, dass der Gekreuzigte, den sie suchen, nicht mehr da ist, weil er auferstanden ist!
Die Frauen schauen mit eigenen Augen, dass das Grab leer ist. Sie sollen zu den Aposteln gehen und ihnen die frohe Botschaft bringen. Aus dem Grund wird Maria Magdalena in der Kirche als Apostolin der Apostel verehrt. Sie hat ihnen die frohe Botschaft als erste verkündet. Weil sie Jesus immer mit einer besonders innigen Liebe geliebt hat, ist ihr diese Ehre zuteil geworden.
Der Engel kündigt den Frauen an, dass Jesus den Jüngern nach Galiläa vorausgehe.
Und dann sehen sie Jesus, den sie so sehr betrauert haben! Er lebt! Jesus lebt! Er ist echt, denn sie umfassen seine Füße. Er ist keine Fata Morgana, er ist leibhaftig bei ihnen. Auch er spricht zu ihnen und sagt ihnen, dass sie den Aposteln den Aufbruch nach Galiläa verkünden sollen, wohin er ihnen vorausgehe.
Jesus lebt – nicht nur geistig, sondern mit Leib und Seele! Er ist wahrhaftig mitten unter den Menschen. Bei den anderen Evangelisten hören wir sogar, dass Jesus etwas isst. Er ist leibhaftig auferstanden und diese Botschaft kann uns keiner nehmen! So wie er leiblich auferstanden ist, so werden auch wir am Ende der Zeiten mit Leib und Seele auferstehen. Das ist die Eigenschaft der neuen Schöpfung, zu der Jesus und Maria schon gehören.

Gott ist ein Gott des Lebens. Das ist die Hauptbotschaft von Ostern. Die ganze heilsgeschichtliche Zusammenfassung atmet diese Botschaft mit jedem Buchstaben. Gott ist ein Gott des Lebens und wenn wir zu ihm kommen, dann leben auch wir.

Halleluja, Jesus lebt!

Ihre Magstrauss


Samstag der 1. Woche im Jahreskreis

1 Sam 9,1-4.17-19; 10, 1; Ps 21,2-3.4-5.6-7; Mk 2,13-17

1 Sam 9
1 Damals lebte in Benjamin ein Mann namens Kisch, ein Sohn Abiëls, des Sohnes Zerors, des Sohnes Bechorats, des Sohnes Afiachs, ein wohlhabender Benjaminiter. 
2 Er hatte einen Sohn namens Saul, der jung und schön war; kein anderer unter den Israeliten war so schön wie er; er überragte alle um Haupteslänge. 
3 Eines Tages verliefen sich die Eselinnen von Sauls Vater Kisch. Da sagte Kisch zu seinem Sohn Saul: Nimm einen von den Knechten, mach dich mit ihm auf den Weg und such die Eselinnen! 
4 Sie durchquerten das Gebirge Efraim und durchstreiften das Gebiet von Schalischa, fanden sie aber nicht. Sie zogen durch das Gebiet von Schaalim – ohne Erfolg; dann durchwanderten sie das Land Jemini, fanden sie aber wieder nicht.
17 Als Samuel Saul sah, sagte der HERR zu ihm: Das ist der Mann, von dem ich dir gesagt habe: Der wird über mein Volk herrschen. 
18 Saul trat mitten im Tor zu Samuel und fragte: Sag mir doch, wo das Haus des Sehers ist! 
19 Samuel antwortete Saul: Ich bin der Seher. Geh vor mir her zur Kulthöhe hinauf! Ihr sollt heute mit mir essen. Morgen früh will ich dich dann weiterziehen lassen. Ich werde dir Auskunft über alles geben, was du auf dem Herzen hast.
1 Da nahm Samuel den Ölkrug und goss Saul das Öl auf das Haupt, küsste ihn und sagte: Hiermit hat der HERR dich zum Fürsten über sein Erbe gesalbt.

Heute lesen wir nun, wie die angekündigte Lektion Gottes sich nach und nach bewahrheitet. Es wird der erste König angekündigt, den Gott zwar zulässt, aber nicht gutheißt – König Saul. Wie es für Juden wichtig ist, wird dessen Abstammung verdeutlicht. Er ist aus dem Stamm Benjamin. Er wird auch als sehr schön und groß beschrieben. Das kann einerseits erwähnt werden, um die Schönheit von innen und außen hervorzuheben, das kann andererseits auch auf einen überheblichen Charakter schließen. Wir werden noch sehen, dass vor allem der zweite Aspekt bei Saul zutrifft.
Die Begegnung zwischen Samuel und Saul, die zur Königssalbung führt, wird wie so oft in Gottes Vorsehung durch ein Problem veranlasst: Die Eselinnen Kischs, des Vaters Sauls, verlaufen sich im Gebirge. Saul soll daraufhin die Tiere suchen. Er durchsucht alle möglichen Gebiete (Efraim, Schalischa, Schaalim, Jemini) und wird doch nicht fündig. Durch seine langen Streifzüge begegnet er schließlich Samuel. Als dieser ihn sieht, gibt Gott ihm zu verstehen, dass er der König werden soll.
Dann heißt es, dass Saul mitten im Tor zu Samuel kommt. Dieser sitzt im Tor, weil er Richter ist. Als solcher praktizierte er üblicherweise im Tor die Rechtsprechung.
Warum kommt Saul dort überhaupt hin? Er hat eine Auskunftsfrage und möchte eigentlich den Propheten Samuel sprechen. Dieser entgegnet ihm, dass er es ist. Saul möchte vermutlich durch die prophetische Begabung Samuels erfahren, wo die Tiere sind. Samuel lädt Saul ein, mit ihm zur „Kulthöhe“ hinaufzuziehen. Damit ist wohl das Heiligtum von Schilo gemeint. Was wir heute nicht mehr lesen, sind die Ereignisse auf der Kulthöhe. Saul wird zu einem Gastmahl eingeladen und erhält dort das beste Stück Fleisch. Er übernachtet bei Samuel und am nächsten Tag führen beide eine Unterredung. Dabei erklärt ihm Samuel zunächst, dass die Tiere mittlerweile gefunden worden sind. Dann bereitet Samuel Saul auf dessen Herrschaft vor, woraufhin dieser es aber noch nicht begreift. Schließlich kommt es im nächsten Kapitel zur eigentlichen Salbung mit Öl, als die beiden allein sind und sich am Rande des Stadtgebietes befinden.
Gottes wunderbare Vorsehung ist ein unendliches Geheimnis. Einerseits hat Gott für uns alle das Heil bereitet und einen Plan für jeden einzelnen. Aber zugleich schätzt er unseren freien Willen. Seine Vorsehung ist mit einem Navigationssystem vergleichbar, das eine Route vorgibt. Wenn man sich von der Route entfernt, berechnet Gott den Weg zum Himmelreich neu. Er kann auch auf Umwegen sein Heil für uns umsetzen. Israel entfernt sich vom Willen Gottes und möchte auf eigene Faust einen König. Gott „berechnet“ dies um und so ist die Salbung Sauls Teil des Heilsplans Gottes, wenn auch ein Umweg zum wahren König David.

Ps 21
2 HERR, an deiner Macht freut sich der König; über deine Hilfe, wie jubelt er laut. 
3 Du hast ihm den Wunsch seines Herzens gewährt, ihm nicht versagt, was seine Lippen begehrten.
4 Ja, du kommst ihm entgegen mit Segen und Glück, du setzt auf sein Haupt eine goldene Krone. 
5 Leben erbat er von dir, du gabst es ihm, lange Jahre, immer und ewig. 
6 Groß ist seine Herrlichkeit durch deine rettende Tat, du legst auf ihn Hoheit und Pracht. 
7 Ja, du machst ihn zum Segen für immer; du beglückst ihn mit Freude vor deinem Angesicht.

Ps 21 ist ein Davidpsalm, der die israelitische Königsherrschaft aufgreift. König David betet zum HERRN, der seine Macht und Hilfe ist. Er ordnet seine eigene irdische Macht Gott unter, was ihn zu einem gerechten Herrscher macht. Dadurch, dass er nicht überheblich wird, sondern in Gottes Angesicht seinen Wert sieht – das nennen wir Demut -, ist er im Stand der Gnade. Dies erkennen wir daran, dass Gott seine Gebete erhört („den Wunsch seines Herzens gewährt, ihm nicht versagt…“).
David hat „Segen und Glück“ (בִּרְכֹ֣ות טֹ֑וב birchot tof, für Glück heißt es also wörtlich „Gutes“). Die Geste des Aufsetzens einer goldenen Krone ist zunächst als Krönungszeremonie zu verstehen – Gott ist es, der sich einen Kandidaten aussucht (so haben wir es ja schon in der Lesung gehört) und die Königssalbung gültig macht. Im übertragenen Sinne meint dieser Gestus aber noch viel mehr. Wir lesen in der Johannesoffenbarung, wie die „Sieger“ mit Goldkronen ausgestattet sind als Zeichen ihrer besonderen Würde und ihres Triumphes. Bei der Taufe werden wir ja auch gesalbt und zu Königskindern in Gottes Reich. Diese königliche Würde wird am Ende unseres Lebens offenbar.
David erbittet ein langes Leben und Gott schenkt es ihm. Das ist laut jüdischem Verständnis ein Zeichen für Segen. Es setzt noch keinen Auferstehungsglauben voraus, sondern ist ein Zeichen für die Erinnerung des eigenen Namens durch die Nachkommen, ein erfülltes irdisches Leben und eine Bestattung bei den Vorfahren. Hier hat der Geist Gottes König David aber schon prophetisch eingegeben, dass es wirklich ein ewiges Leben gibt (עֹולָ֥ם וָעֶֽד olam wa’ed „immer und ewig“). David vermittelt uns noch etwas Wichtiges, das Jesus noch viel verdichteter erklären wird: Gott offenbart durch seine Heilstaten seine Herrlichkeit (hebräisch כָּבוֹד kavod, im griechischen AT und NT δόξα doxa). Die Hoheit des israelitischen Königs kommt von Gott und nicht vom König selbst. Deshalb bleibt David „auf dem Boden“. Auch wir, die wir durch die Taufe mit einer königlichen Würde ausgestattet sind, können das von uns sagen: Sie kommt von Gott. Was wir Gutes vollbringen, tun wir aus Gottes Gnade heraus, der uns unsere Fähigkeiten geschenkt hat. Alles, was wir tun, soll deshalb ihm zur Ehre, ihm zur Verherrlichung dienen. Dieses Leben wird so wie David auch uns beglücken, mit Freude erfüllen. Diese Freude wird nicht nur eine vorübergehende, irdische sein, sondern eine ewige, die im Bild des himmlischen Hochzeitsmahls zum Ausdruck kommt.
Davids Art zu beten, die wir vor allem durch die Psalmen bis heute vermittelt bekommen, ist uns ein großes Vorbild. Er ist so ein großer König, der viel erreicht hat. Er hat auch nicht immer alles richtig gemacht, aber dennoch können wir seine Frömmigkeit und Gottesfurcht als gutes Beispiel für unser eigenes Leben übernehmen.

Mk 2
13 Jesus ging wieder hinaus an den See. Da kamen Scharen von Menschen zu ihm und er lehrte sie. 
14 Als er weiterging, sah er Levi, den Sohn des Alphäus, am Zoll sitzen und sagte zu ihm: Folge mir nach! Da stand Levi auf und folgte ihm nach. 
15 Und als Jesus in dessen Haus zu Tisch war, da waren viele Zöllner und Sünder zusammen mit ihm und seinen Jüngern zu Tisch; es waren nämlich viele, die ihm nachfolgten. 
16 Als die Schriftgelehrten der Pharisäer sahen, dass er mit Zöllnern und Sündern aß, sagten sie zu seinen Jüngern: Wie kann er zusammen mit Zöllnern und Sündern essen? 
17 Jesus hörte es und sagte zu ihnen: Nicht die Gesunden bedürfen des Arztes, sondern die Kranken. Ich bin nicht gekommen, um Gerechte zu rufen, sondern Sünder.

Heute lesen wir von einer weiteren Jüngerberufung und von weiteren Heilstaten Jesu. Es geht um Levi, der im Matthäusevangelium Matthäus genannt wird. Es handelt sich um einen Zöllner, dessen Berufsgruppe nicht gut angesehen ist. Das liegt daran, dass Zöllner immer mehr als nötig eintreiben müssen, um das Risiko von Missernten etc. zu berücksichtigen. Sie gelten deshalb als unehrlich, erhalten keine bürgerlichen Ehrenrechte und werden vor Gericht nie als zuverlässige Zeugen einbezogen. Jesus hat im heutigen Evangelium aber einen wunderbaren Plan mit diesem Menschen. Er sieht mehr als nur den unehrlichen Zöllner. Er sieht das Potenzial eines von Gott geliebten Kindes. So ist es auch bei uns Menschen. Wir drücken anderen schnell einen Stempel auf. Wir schreiben andere ab, obwohl wir sie erstens gar nicht richtig kennen können (also nicht in ihr Herz schauen können), zweitens noch so schlimme Menschen jederzeit eine Umkehr erleben, ein besserer Mensch werden können. Jeder hat jederzeit eine neue Chance verdient. Und wie Levi in Wirklichkeit ist, sieht nur Gott. Der sehr bekannte Billy Graham sagte es einmal sinngemäß: Es gibt drei Arten des Ichs – das Ich, das ich selbst kenne, das Ich, das die Menschen kennen und das Ich, das Gott kennt. Jesus sieht in Levi, was sonst keiner bisher gesehen hat – vielleicht nicht mal er selbst.
Warum eigentlich hat dieser Zöllner, der dann Jesu Jünger wird, zwei verschiedene Namen? Das hängt wohl damit zusammen, dass er beide Namen besaß. Die moderne Exegese bestreitet dies, weil im Gegensatz zu Paulus kein jüdischer und römischer Name vorlag, sondern zwei jüdische. Dem ist entgegen zu halten, dass es auch eine latinisierte Form gibt (nämlich eben Matthäus) und eine doppelte Namensgebung auch mit seiner römischen Bürgerschaft zusammenhängen kann wie bei Paulus. Eine andere Erklärung ist, dass er später von Jesus den Namen Matthäus erhalten hat. Das alles spielt für uns eine untergeordnete Rolle. Für uns ist es lehrreich, dass Jesus so einen Menschen überhaupt beruft.
Wie schon bei den anderen Aposteln steht der Berufene direkt auf und folgt Jesus nach, ohne zu zögern.
Wie auch bei Zachäus hält Jesus gemeinsames Mahl mit Levi und seinen Freunden. Da er bei den meisten Juden nicht beliebt ist, hat er in seinem Umfeld Menschen seines Berufsstandes.
Jesus isst mit Sündern, weil er Gott ist. Dieser ist so allmächtig, dass er höchstpersönlich tief in das sündige Leben von uns Menschen eintauchen kann, ohne dass es ihm irgendwie schadet. Er tut es, um uns Menschen aus der Sünde herauszuholen, nicht weil er die Sünde an sich gutheißt. Sein Verhalten ist also kein Anlass, Sünder zur Kommunion zuzulassen, wie heutzutage gerne instrumentalisiert wird. Jesus hält Mahl als „Rettungsaktion“ für die echten Sünder (die vor Gott Sünder sind, nicht die von den Menschen abgestempelt werden) und als prophetische Zeichenhandlung für die Selbstgerechten (Gott hält Mahl mit allen Menschen guten Willens, beim letzten Abendmahl mit seinem berufenen Zwölferkreis, in der eucharistischen Gemeinschaft mit allen Getauften und zur Eucharistie Gekommenen, am Ende des Lebens beim himmlischen Hochzeitsmahl). Wer daran teilnimmt, wird nicht automatisch nach den Maßstäben der Pharisäer und Schriftgelehrten entschieden, sondern allein nach Gottes Maßstab – mit so einigen Überraschungen. Warum Überraschungen? Weil nur Gott das Herz der Menschen sieht und genau weiß, wer wirklich gerecht ist (nicht nur nach außen so tut).
Sie sind es auch, die auf Jesu Mahlgemeinschaft mit den von ihnen bezeichneten „Sündern“ unzufrieden reagieren. Sie zeigen durch ihre Reaktion, dass sie Jesus als Messias und Gott nicht erkannt haben. Sie sehen Jesus als üblichen Rabbi, der sich an die jüdischen Gesetze halten soll. Sie sehen nicht, dass der Messias Herr über die Torah ist.
Jesus bekommt ihre Reaktion mit und weil er alle Menschen retten will, geht er auch auf diese Menschen zu mit den Worten: „Nicht die Gesunden bedürfen des Arztes, sondern die Kranken“. Gott ist der Arzt unserer Seelen. Er macht uns wieder heil, wo wir uns von ihm behandeln lassen. Jesu Mahlgemeinschaft ist also nicht nur „Rettungsaktion“ und prophetische Zeichenhandlung, sondern vor allem eine „Therapiesitzung“. Wir könnten uns jetzt fragen: „Heißt das, dass die Zöllner und Sünder bei Jesu Mahlgemeinschaft die Kranken sind und die Pharisäer und Schriftgelehrten nicht?“ Wir können uns getrost selbst beantworten: Natürlich ist jeder Mensch krank, nämlich durch die Erbsünde. Es gibt niemanden, der ganz gesund ist. Jeder ist nur unterschiedlich „krank“. Das ist eine Sache. Die andere ist aber hier entscheidend: Wer erkennt die eigene Krankheit und lässt sich auf die Therapie Gottes ein? Wer meint, keine Umkehr nötig zu haben, weil er schon gerecht genug ist, wird die eigene Krankheit nicht sehen und deshalb nie therapiert. Jesus verrät uns durch seine Antwort jedoch wirklich, dass er die Sünde der Zöllner nicht bagatellisiert. Es ist Stehlen und Lügen. Das sind ernstzunehmende Sünden. Jesus redet uns unsere Sünden auch nicht weg. Er hält sie uns in Liebe vor, damit wir unser eigenes sündiges Spiegelbild sehen, betroffen sind und uns ändern. Die Zöllner sind in dieser Hinsicht wirklich krank, aber sie lassen sich wenigstens behandeln. Wie ist es mit uns? Reagieren wir auch unwirsch, wenn Gott anderen seine Barmherzigkeit zeigt? Sollten wir nicht froh sein und uns mit diesen Menschen mitfreuen, dass sie zu Gott umkehren? Uns erinnert diese ganze Situation an das Gleichnis vom verlorenen Sohn. Auch dort geht es nicht nur um einen einzigen Sohn, sondern um zwei, die je auf ihre Weise versöhnt werden müssen. Wollen wir zum unbarmherzigen großen Bruder werden, der dem jüngeren die Umkehr nicht gönnt?
Wenn Jesus dann am Ende noch sagt: „Ich bin nicht gekommen, um Gerechte zu rufen, sondern Sünder“, müssen wir genau überlegen, was Jesus damit meint. Im griechischen Original steht es tatsächlich so: Gerechte und Sünder. Jesus beruft dabei Menschen, nicht ihre Sünde. Wen Jesus ruft, der wird dabei immer verändert. Wir denken z.B. an Zachäus, der am Ende alles, was er zuviel eingenommen hat, sogar noch vierfach zurückgezahlt hat. Wir denken auch an Maria Magdalena, die durch die Begegnung mit Jesus von sieben Dämonen befreit worden ist und von da an Jesu Verkündigung u.a. finanziell unterstützt hat. Die Sünder waren keine Sünder mehr, aber befreit wurden sie erst davon, als sie es einsahen und umkehrten. Deshalb sagt Jesus, dass er Sünder beruft, nicht Gerechte – Sünder ist jeder Mensch, aber nicht jeder erkennt sich als Sünder. Ihm nachfolgen kann nur, wer die Demut besitzt, sich zu sehen, wie man wirklich ist, arm und erlösungsbedürftig. Wer sich selbst aber als Gerechter bezeichnet, der keiner Umkehr bedarf, kann Jesus nicht nachfolgen. Es geht also bei der Aussage Jesu weniger darum, wie viel, wie arg, welche Art von Sünde man auf dem Konto hat, sondern vielmehr darum, wie viel man von den Sünden tatsächlich bereut. Gleichzeitig verharmlost er keine einzige Sünde. Sonst würde er nicht zu den großen Sündern sagen: „Geh und sündige von nun an nicht mehr.“

Was hat das mit König Saul zu tun oder mit König David, dem frommen Psalm-Komponisten? Denken wir an Saul, sehen wir einen schönen Menschen, der Potenzial hat. Leider werden wir lesen, dass sich sein Potenzial nicht realisieren wird, sondern sich zum Schlechten wendet. Er wird die Chancen nicht nutzen, die Gott ihm schenkt, er wird David sogar nach dem Leben trachten, weil er sich auf dessen Gnade und Macht konzentrieren wird, die er ihm nicht gönnt. Was den Psalm betrifft, sehen wir ebenfalls ein gutes Beispiel für die Berufung von Sündern: David ist ein so gottesfürchtiger und frommer Mann – und dennoch ein gar nicht so kleiner Sünder. Er begeht u.a. eine der gravierendsten Sünden, den Ehebruch. Aber er ist ein reumütiger Mensch. Er bereut die Sünde und bekennt sie sogar. Darin ist er uns ebenfalls ein Vorbild: Kein Mensch ist ohne. Keiner kann von sich sagen: „Ich bin so gerecht, ich brauche nicht umzukehren. Ich muss nicht zur Beichte.“ Sogar Petrus, der von allen Aposteln die größte Aufgabe erhalten hat, tat eine gravierende Sünde, einen Hochverrat an Gott. Das Entscheidende ist aber, dass er es sofort bereut hat und sein ganzes Leben dafür gesühnt hat.
Diese Menschen waren Sünder – und erkannten sich vor allem als Sünder. Sie erkannten, dass alles Gute, was sie taten, nicht von ihnen selbst kam, sondern von Gott. Wir haben darüber schon beim Psalm nachgedacht. Gottes Herrlichkeit ist es, die durch die guten Taten offenbart wird, nicht unser eigenes Ego. Wenn man sich allerdings für selbstgerecht hält, verwechselt man genau dies. Man denkt, dass das Gute vollkommen eigenes Verdienst ist (gewiss tun wir unser Bestes, aber es ist immer ein Teamwork und nicht unser eigenes Gutsein).

Solche Menschen beruft Gott. Menschen, die ihr echtes, unvollkommenes Ich sehen und wissen, dass alles Gute von Gott kommt. Seien wir bekennende Sünder – erkennen wir unsere eigene Erlösungsbedürftigkeit. Das heißt nicht, dass wir schön weiter sündigen, sondern damit aufhören sollen. Wenn wir anfangen, echt zu sein, werden wir zu brauchbarem Material, aus dem Gott schöne Gefäße für sein Werk formen kann.

Ihre Magstrauss