Montag der 23. Woche im Jahreskreis

1 Kor 5,1-8; Ps 5,5-6.7-8a.12; Lk 6,6-11

1 Kor 5
1 Allgemein hört man von Unzucht unter euch, und zwar von Unzucht, wie sie nicht einmal unter den Heiden vorkommt, dass nämlich einer mit der Frau seines Vaters lebt.
2 Und da macht ihr euch noch wichtig, statt traurig zu werden und den aus eurer Mitte zu stoßen, der so etwas getan hat.
3 Was mich angeht, so habe ich – leiblich zwar abwesend, geistig aber anwesend – mein Urteil über den, der sich so vergangen hat, schon jetzt gefällt, als ob ich persönlich anwesend wäre:
4 Im Namen Jesu, unseres Herrn, wollen wir uns versammeln, ihr und mein Geist, und zusammen mit der Kraft Jesu, unseres Herrn,
5 diesen Menschen dem Satan übergeben zum Verderben seines Fleisches, damit sein Geist am Tag des Herrn gerettet wird.
6 Zu Unrecht rühmt ihr euch. Wisst ihr nicht, dass ein wenig Sauerteig den ganzen Teig durchsäuert?
7 Schafft den alten Sauerteig weg, damit ihr neuer Teig seid! Ihr seid ja schon ungesäuertes Brot; denn als unser Paschalamm ist Christus geopfert worden.
8 Lasst uns also das Fest nicht mit dem alten Sauerteig feiern, nicht mit dem Sauerteig der Bosheit und Schlechtigkeit, sondern mit den ungesäuerten Broten der Aufrichtigkeit und Wahrheit!

In der heutigen Lesung hören wir wieder einen Abschnitt aus dem ersten Korintherbrief. In den letzten Tagen hat Paulus deutliche Kritik an den Gemeindemitgliedern in Korinth geäußert, damit sie bereuen und umkehren. Heute thematisiert er noch ganz andere Sünden:
Man hört von Unzucht, die so schlimm ist wie noch nicht einmal bei den Heiden. Gemeint ist der Fall von Inzest. Das ist eine Sache, die selbst im weltlichen Kontext als Verstoß angesehen wird. Sie wird auch „Blutschande“ genannt. Hier bleibt offen, ob mit „der Frau seines Vaters“ die leibliche Mutter des Betroffenen gemeint ist oder ob es bereits seine zweite Frau ist. So oder so ist es schändlich. Paulus kritisiert nicht nur einfach diesen Fall, indem er ihn als Sünde bezeichnet, sondern im Kontext dessen, was er in den vorherigen Kapiteln gesagt hat, kritisiert er den fehlenden Aufschrei in der Gemeinde. Die Korinther halten sich ja schon für so fortgeschritten und vorbildlich, dabei beseitigen sie nicht einmal die Sünde aus ihrer Mitte. Wir müssen bedenken, dass von Anfang an die Sünde des einzelnen Christen nicht nur als Beleidigung Gottes verstanden worden ist, sondern als Beleidigung der ganzen Kirche. So stellt das Beichtsakrament nicht nur eine Versöhnung mit Gott dar, sondern auch mit der Kirche. Zu Pauli Zeiten ist diese schwere Sünde also ein Schmerz, der die ganze Gemeinde mitten ins Herz treffen sollte. Das ist bisher ausgeblieben und deshalb schreibt Paulus hier: „Und da macht ihr euch noch wichtig, statt traurig zu werden und den aus eurer Mitte zu stoßen, der so etwas getan hat.“ Wir haben gestern den Abschnitt aus Mt 18 gehört, wo Jesus erklärt, wie man mit Sündern umgehen soll. Wenn ein Sünder verstockt ist und weder auf eine Einzelperson, noch auf Zeugen, noch auf die gesamte Gemeinde hört, soll er aus der Gemeinde ausgestoßen werden, nicht weil man ihm nicht verzeiht oder unbarmherzig ist, sondern weil man Gott das Gericht überlässt und die freie Entscheidung des Sünders achtet.
Paulus selbst hat bereits in geographischer Abwesenheit Konsequenzen gezogen und diese Person „dem Satan übergeben“. Das klingt sehr drastisch, ist aber Umschreibung dessen, was mit „Loslassen“ des Verstockten gemeint ist. Dieser Mensch wird seiner Sünde überlassen, weil er sich für den Satan entschieden hat. Gott aber ist größer und wird an diesem Menschen handeln, indem er ihm Umkehrchancen senden wird. Das heißt also nicht, dass „dem Satan übergeben“ gleichzusetzen ist mit einem Aufgeben des Menschen. Bei Gott ist es im Laufe dieses Lebens nie zu spät. Menschliche Bemühungen sind an ihre Grenzen geraten, doch bei Gott ist nichts unmöglich. Dass die Übergabe an den Satan kein Aufgeben ist, erkennen wir auch an dem Finalsatz „damit sein Geist am Tag des Herrn gerettet wird.“
Dass man so einen verstockten Menschen aus der Gemeinde ausschließt, hängt damit zusammen, dass „ein wenig Sauerteig den ganzen Teig durchsäuert“ und somit die ganze Gemeinde unter der Sünde des Einzelnen leiden wird.
Die Korinther sollen den alten Sauerteig wegschaffen, also als Gemeinde umkehren und endlich demütiger werden. So spielt Paulus mit der Sauerteig-Metaphorik, indem er anschließt, dass sie als eucharistische Gemeinschaft ungesäuerte Brote des Paschalamms Christus sind und somit keinen Sauerteig gebrauchen können.
Hier ist der Sauerteig kein positives Bild wie z.B. bei den Gleichnissen Jesu (obwohl es da auch Ausnahmen gibt), sondern ein Bild für Bosheit und Schlechtigkeit. Die Korinther sollen stattdessen Mazzen der Aufrichtigkeit und Wahrheit sein. Wahr werden sie, wenn sie ihr Selbstbild der Realität anpassen und sich nicht maßlos überschätzen. Das wird ihnen zum Heil dienen, was ja das einzige Ziel des Paulus mit seiner ganzen Kritik des Briefs darstellt.

Ps 5
5 Denn du bist kein Gott, dem das Unrecht gefällt; ein Böser darf nicht bei dir weilen.
6 Nicht bestehen die Stolzen vor deinen Augen; du hassest alle, die Unrecht tun.
7 Du lässt die Lügner zugrunde gehn, Mörder und Betrüger sind dem HERRN ein Gräuel.
8 Ich aber darf dein Haus betreten dank deiner großen Güte.
12 Doch alle sollen sich freuen, die auf dich vertrauen, und sollen immerfort jubeln. Beschütze sie und sie werden jauchzen über dich, die deinen Namen lieben.

Der Klagepsalm, den wir als Antwort beten, reflektiert Gottes Gerechtigkeit und offenbart uns das Verständnis, das König David von Gott hat.
Davids Gottesbild ist das eines absolut gerechten Gottes. „Denn du bist kein Gott, dem das Unrecht gefällt.“ Gott lässt das Unrecht nicht zu und greift ein, damit die Menschen umkehren. Im Himmelreich ist zudem kein Platz für Böse. Die Stolzen können vor Gott nicht bestehen, weil ihr Stolz in seiner Gegenwart wie Staub zerfällt. Das ist schließlich alles Illusion. Der Mensch überhöht sich maßlos, doch fällt in sich zusammen, sobald er sich in Gottes Herrlichkeit verschwindend gering erkennt. Die Gemeinschaft der Gläubigen ist die Familie Gottes und somit ist auch in der irdischen Kirchengemeinde kein Platz für Böse, gemeint sind verstockte Menschen, die an ihrer Sünde festhalten, nicht jene, die gesündigt, aber bereut haben. Der Psalm greift genau diese falsche Haltung auf, die die Korinther einnehmen, wenn sie sich maßlos überschätzen.
„Du hassest alle, die Unrecht tun.“ Bei solchen Aussagen – und derlei gibt es viele im Psalter – müssen wir uns bewusst sein, dass es die Perspektive Davids ist. Zu seiner Zeit ist das schon eine sehr fortschrittliche Gotteserkenntnis. Wir müssen an die vielen launischen Gottheiten der umliegenden Völker denken, deren Entscheidungen und Wirkungen der Mensch nicht durchschauen kann. Das Volk Israel ist aber davon überzeugt, dass Gott absolut gerecht handelt, nicht nach Laune. Gott hat sich seinem Volk als einen solchen Gott offenbart. Was David hier schildert, ist der sogenannte Tun-Ergehen-Zusammenhang: Böses verdient Strafe, Gutes verdient Belohnung. Gott liebt das Recht und verachtet das Unrecht. Das hängt auch mit der Torah zusammen, die das Recht gewährleistet. David unterscheidet hier aber eine wichtige Sache nicht, die zur Zeit Jesu dann schon anders betrachtet wird: „Gott hasst jene, die Unrecht tun.“ Die Israeliten werden noch einen langen Weg gehen, bis sie erkennen: Gott hasst nicht die, die Unrecht tun, sondern das getane Unrecht. Die Menschen selbst liebt er bedingungslos. Er tut alles, damit die Menschen von ihren Sünden umkehren. Er lässt sie nicht ins offene Messer laufen, aber wenn sie bis zum Schluss an ihren Sünden festhalten, wird er ihre letzte Entscheidung würdigen. Er hasst also auch jene Korinther nicht, die verstockte Sünder sind. Vielmehr unternimmt er alles, damit sie noch rechtzeitig umkehren. Er möchte auch sie in seinem Reich für immer bei sich haben.
Davids Gottesvorstellung gemäß lässt Gott die Lügner aber zugrunde gehen und Mörder und Betrüger sind Gott ein Gräuel. Gott lässt die Sünde wirklich nicht auf sich beruhen. Sünde hat immer eine Konsequenz und diese ist je nach Sünde besonders gravierend.
Wie gesagt ist David seiner Zeit stets voraus, weil er eine solch intime Gottesbeziehung besitzt, dass er darin fast zum Typos Christi wird (ganz so analog wagen wir es nicht zu sehen, da Christus Gottes Sohn ist!). In vielen Dingen greift er der Botschaft Jesu Christi voraus. Doch in seinem konsequenten Tun-Ergehen-Zusammenhang ist er ganz Kind seiner Zeit. Gott ist und bleibt ein gerechter Gott, der die Sünde nicht einfach stehenlässt. Er reagiert auf das Unrecht, weil er die unschuldig mit Hineingezogenen entschädigen will und die in Sünde Gefallenen zur Umkehr bewegen will. Was das Volk Israel begangen hat, wird nicht ohne Konsequenzen bleiben. Und diese Wesenseigenschaften Gottes stehen dem Gottesbild Jesu Christi keinesfalls entgegen. Es sind zwei Seiten der einen Medaille: Gott sorgt für Gerechtigkeit, weil er seine Kinder liebt und sie am Ende bei sich haben will. Er ist barmherzig mit jenen, die von Herzen bereuen, weil er ein barmherziger Vater ist.
David selbst spricht von Gottes großer Güte, dank der David in das Haus Gottes, also in den Tempel eintreten darf. Bald wird das nicht mehr möglich sein, wenn nämlich die nächsten Feinde nahen und das Südreich in Besitz nehmen. Ein Jahrhundert nach dem Einfall der Assyrer werden die Babylonier die Davidstadt mitsamt Tempel zerstören.
Jene, die Gott ganz vertrauen, sollen sich freuen und jubeln, denn Gott wird sie nicht enttäuschen. Und das sind auch jene, die schweren Herzens die unnachgiebigen Sünder „dem Satan übergeben“ müssen. Wenn sie mit dem Latein am Ende sind, setzt Gott die Umkehrrufe fort. Darauf dürfen sie vertrauen.

Lk 6
6 Es geschah an einem anderen Sabbat, dass er in die Synagoge ging und lehrte. Dort war ein Mann, dessen rechte Hand verdorrt war.
7 Die Schriftgelehrten und die Pharisäer aber gaben Acht, ob er am Sabbat heilen werde; sie suchten nämlich einen Grund zur Anklage gegen ihn.
8 Er aber kannte ihre Gedanken und sagte zu dem Mann mit der verdorrten Hand: Steh auf und stell dich in die Mitte! Der Mann stand auf und stellte sich hin.
9 Dann sagte Jesus zu ihnen: Ich frage euch: Ist es am Sabbat erlaubt, Gutes zu tun oder Böses, ein Leben zu retten oder zugrunde zu richten?
10 Und er sah sie alle der Reihe nach an und sagte dann zu dem Mann: Streck deine Hand aus! Er tat es und seine Hand wurde wiederhergestellt.
11 Sie aber in ihrem Unverstand berieten sich untereinander, was sie gegen Jesus unternehmen könnten.

Im heutigen Evangelium hören wir wieder davon, wie Jesus durch seine Worte und sein Tun die Pharisäer provoziert, die ihn auf die Probe stellen wollen.
Es ist wieder Sabbat und Jesus geht in die Synagoge, um zu lehren. Dort ist ein Mann mit einer verdorrten rechten Hand. Die Gegner Jesu warten schon darauf, dass Jesus wieder gegen die Torah verstößt, indem er am Sabbat Verbotenes tut, nämlich jemanden zu heilen.
Was heißt es denn, eine verdorrte Hand zu haben? Das bedeutet in erster Linie, keiner Arbeit mehr nachgehen zu können, wahrscheinlich sind dem Mann auch schwere Sünden unterstellt worden, sodass die verdorrte Hand ihm als Strafe Gottes zugeschrieben worden ist.
Umso bemerkenswerter ist es, dass er sich in die Synagoge traut, wo viele Menschen mit dem Finger auf ihn zeigen könnten. Seine Hand ist vielleicht vertrocknet, aber sein Herz dürstet nach dem Wort Gottes. Er kommt, um zu lernen.
Dagegen haben die anwesenden Pharisäer intakte Hände, doch ein verstocktes Herz.
Jesus scheut die Konfrontation nicht, obwohl diese die Pharisäer noch mehr provozieren wird. Er stellt den Mann mit der verdorrten Hand in die Mitte. Diese geographische Zuordnung ist wichtig. In der Mitte befindet sich nämlich das Lesepult, an dem die Torah verlesen wird. Wenn Jesus den Geplagten nun in die Mitte stellt, wird er zum Mittelpunkt und zum konkreten Beispiel dessen, was die Torah beschreibt. Jesus tut dies also zur Veranschaulichung und aus pädagogischen Gründen. Alle Anwesenden können aus dem Folgenden also lernen, wenn sie wollen. Die Pharisäer bleiben jedoch verstockt und lernen deshalb nicht aus der Situation. Am Sabbat geht es darum, mehr Zeit zu haben, um Gott die Ehre zu geben, zu ruhen wie er und dem Vieh sowie den Arbeitern eine Erholung zu gönnen. Wie geben wir Gott die Ehre? Indem wir ihn von ganzem Herzen lieben und deshalb seine Gebote halten. Gleichzeitig sollen wir unseren Nächsten lieben wie uns selbst und deshalb die Gebote Gottes, die den Nächsten betreffen, ebenso halten.
Jesus tut einen Akt der Nächstenliebe an dem Mann mit der verdorrten Hand. Er tut dies an der Stelle der Torah, um herauszustellen, dass ihr Kern die Liebe ist. Er heilt den Mann nicht nur körperlich und rettet sein Leben, wie er es hier sagt. Er gibt ihm wieder die Möglichkeit, Geld zu verdienen und seine Familie zu versorgen, die er vielleicht hat. Er bringt ihn zurück in die Gesellschaft. Es geht am Sabbat nicht darum, unter allen Umständen tatenlos zu sein um der Tatenlosigkeit willen. Man soll die Arbeit ruhen lassen, um diese Zeit und Kraft Gott zu schenken. Durch die Heilung des Mannes tut Jesus genau dies. Die Pharisäer haben den ursprünglichen Sinn des Gebotes längst vergessen und echauffieren sich deshalb über Jesu „Verstoß“. Auch hier sehen sie die Gebote, aber nicht den Geber der Gebote. Auch hier erkennen sie Jesus als Messias nicht.
Jesus sieht uns an. Er schaut jeden Menschen und dabei in das Herz hinein. Er sieht, was wir gar nicht mal selbst sehen. Es stimmt nicht, dass Gott unser Leben egal ist. Er sieht alles und weiß alles. Wir sind es nur, die vor dem Blick flüchten so wie Adam und Eva nach dem Sündenfall. Wir wollen nicht angesehen werden und schauen selber weg. Das macht den Herrn traurig. Auch Paulus macht darauf aufmerksam, wenn er die Korinther kritisiert. Sie sollen anfangen, sich selbst so zu sehen, wie Jesus sie sieht. Und bei ihnen besteht dasselbe Problem wie bei den Pharisäern und Schriftgelehrten.
Heute haben die Pharisäer erneut die Zeit der Gnade nicht erkannt. Im Gegenteil. Sie überlegen sogar gemeinsam, wie sie Jesus in Zukunft beseitigen können.
Ist uns bewusst, dass wenn wir verstockt sind und uns von Gott nicht belehren lassen, so werden wie die Pharisäer? Wir versuchen dann, den Herrn mundtot zu machen, damit er uns nicht mehr belästigt, damit wir unser Leben weiterleben können, ohne uns ändern zu müssen. Verhärten wir nicht unser Herz wie sie, sondern lassen wir uns belehren. Nehmen wir die Lektionen Gottes ernst, der der perfekte Pädagoge ist. Gehen wir die Partnerschaft mit Gott in den Kämpfen unseres Lebens ein und sehen wir alles mit Gottes Augen. Dann werden wir seine Gebote aus Liebe halten, nicht um der Gebote selbst willen. Dann werden wir uns in seinem Licht auch sehen, wie wir sind. Dann geben wir unsere Selbstillusionen auf und wachsen in Demut.

Ihre Magstrauss

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