Mittwoch der 31. Woche im Jahreskreis

Phil 2,12-18; Ps 27,1.4.13-14; Lk 14,25-33

Phil 2
12 Darum, meine Geliebten, – ihr wart ja immer gehorsam, nicht nur in meiner Gegenwart, sondern noch viel mehr jetzt in meiner Abwesenheit – : Wirkt mit Furcht und Zittern euer Heil!

13 Denn Gott ist es, der in euch das Wollen und das Vollbringen bewirkt zu seinem Wohlgefallen.
14 Tut alles ohne Murren und Bedenken,
15 damit ihr rein und ohne Tadel seid, Kinder Gottes ohne Makel mitten in einer verkehrten und verwirrten Generation, unter der ihr als Lichter in der Welt leuchtet!
16 Haltet fest am Wort des Lebens, mir zum Ruhm für den Tag Christi, damit ich nicht vergeblich gelaufen bin oder mich umsonst abgemüht habe!
17 Doch wenn auch mein Leben dargebracht wird zusammen mit dem Opfer und Gottesdienst eures Glaubens, freue ich mich und freue mich mit euch allen.
18 Ebenso freut auch ihr euch und freut euch mit mir!

Paulus sorgt sich um das Heil der Gemeinde in Philippi. Deshalb kommen im heutigen Abschnitt des Philipperbriefes verschiedene paränetische Aussagen, also Ermahnungen zu einem bestimmten Lebenswandel. Dieser soll sich von Christus her definieren, um den es ja zuletzt im Philipperhymnus ging. In diesem ist der Gehorsam Jesu Christi herausgestellt worden. Wie Christus sollen also die Philipper gehorsam sein. Paulus lobt sie an dieser Stelle, denn sie sind es bereits, auch gerade in seiner Abwesenheit.
Das Wortpaar „Furcht und Zittern“ sind fester Terminus urchristlicher Verkündigung und von Paulus häufig in seinen Briefen genannt. Es bezieht sich hier ja auch das Heil der Philipper. Gemeint ist damit nicht, dass sie Angst haben sollen, sondern einerseits ehrfürchtig sein sollen, also voller Respekt gegenüber den Autoritäten, die das Evangelium verkünden, bzw. sollen sie das Evangelium mit Ehrfurcht empfangen und weitergeben, andererseits meint es ein inneres Erzittern, eine Erschütterung und Berührung mit der Botschaft Jesu Christi. Sie sollen sich stets davon berühren lassen. Das soll vor allem deshalb geschehen, weil Gott selbst in ihnen alles bewirkt. Aber wie? Durch den Hl. Geist, der in ihnen wohnt und den sie empfangen haben.
Sie sollen alles ohne Murren und Bedenken tun, also alles als den Willen Gottes annehmen. Was heißt aber „Bedenken“? Das griechische Wort an dieser Stelle ist διαλογισμῶν dialogismon. Es bedeutet „Zusammenrechnung, Berechnung, Unterredung, Überlegung“. In diesem Kontext muss man es also so verstehen, dass die Philipper alles tun sollen ohne berechnende Hintergedanken in dem Sinne: „Was habe ich davon? Wie kann ich Profit herausschlagen?“ Sie sollen sich hingeben und das ganz zwecklos und ohne zu zählen. Das macht nämlich die Liebe aus. „Liebe zählt nicht.“ Und Liebe ist immer zweckfrei. Sie ist um ihrer selbst willen.
Und nur diese Mentalität verhilft den Philippern dazu, wirklich vollkommen zu sein als Kinder Gottes in einer ganz verzerrten Welt – als neue geistliche Schöpfung inmitten der gefallenen, ersten Schöpfung. Nur so behalten sie ihre Strahlkraft, die ihnen durch die Taufe verliehen worden ist.
Dies erreichen sie auch dadurch, dass sie am „Wort des Lebens“ festhalten. Damit ist das Evangelium Jesu Christi gemeint. Es gibt noch keine christliche Bibel. Das Wort Gottes ist zunächst mündlich überliefert worden. Die „Schriften“ meint zur Zeit des Paulus die jüdische Bibel, die wir als Altes Testament bezeichnen.
Wenn die Philipper am Evangelium festhalten, dient es ihm zum Ruhm in dem Sinne, dass er dann nicht umsonst den Wettlauf des Lebens gelaufen ist. Dann heißt das nämlich, dass all seine Opfer und Strapazen der Evangelisierung Früchte tragen und er seiner Berufung zum Apostel gerecht geworden ist. So kann er getrost den Siegeskranz am Ende seines Lebens erlangen.
„Doch wenn auch mein Leben dargebracht wird zusammen mit dem Opfer und Gottesdienst eures Glaubens“ bezieht sich auf die für Paulus in immer greifbarerer Nähe rückende Hinrichtung, auf die er ja im römischen Arrest wartet. Und wenn dies geschehen sollte, ist es wahrlich als Opfer zu verstehen, das größte Opfer, das der Christ bringen kann aus Liebe zu Christus. Das ist ja auch der Grund, warum die Märtyrer sofort zu Gott kommen.
Paulus hat auch keine Angst davor, sein Leben für Christus hinzugeben. Im Gegenteil. Er freut sich sogar. Diese Freude meint die innere Gewissheit, dass man als getaufter Christ nicht verlieren kann. Selbst wenn man für den Glauben umgebracht wird, gewinnt man – ja gerade dann! Das kann den Christen eigentlich nur die größte Freude und Gelassenheit schenken, die man haben kann. Deshalb sagt Paulus zum Ende hin auch, dass die Philipper sich ebenso freuen sollen. Was auch geschieht, diese Freude kann durch nichts und niemanden getrübt werden. Das ist Ausdruck der unerschütterlichen Osterhoffnung.

Ps 27
1 Von David. Der HERR ist mein Licht und mein Heil: Vor wem sollte ich mich fürchten? Der HERR ist die Zuflucht meines Lebens: Vor wem sollte mir bangen?
4 Eines habe ich vom HERRN erfragt, dieses erbitte ich: im Haus des HERRN zu wohnen alle Tage meines Lebens; die Freundlichkeit des HERRN zu schauen und nachzusinnen in seinem Tempel.
13 Ich aber bin gewiss, zu schauen die Güte des HERRN im Land der Lebenden.
14 Hoffe auf den HERRN, sei stark und fest sei dein Herz! Und hoffe auf den HERRN!

Wir beten heute einen ganz bekannten Psalm, der das Vertrauensverhältnis Davids zu Gott offenbart. Der Psalm verarbeitet den Gedanken, dass Gott Licht ist. Es gibt hier messianische Hinweise bzw. erkennen wir Christus im Psalm: Der HERR, Jahwe, ist mein Heil. Das hebräische Wort weist denselben Stamm auf wie der Name Jesu. Das ist kein Zufall. Der Psalm ist ganz und gar von Vertrauen geprägt („vor wem sollte mir bangen“, „Zuflucht“, „Hoffe auf den HERRN“). Zugleich wird die Sehnsucht nach dem ewigen Leben deutlich: „im Haus des HERRN zu wohnen alle Tage meines Lebens“; die Freundlichkeit des HERRN zu schauen“. Das entspricht der Sehnsucht des Paulus, der in der Erwartung lebt, bald womöglich sein Leben für Christus hingeben zu müssen. Er bereitet sich darauf vor und ersehnt nach einem beschwerlichen Wettlauf des Lebens, im Hause Gottes zu wohnen. Das Haus Gottes ist auf wörtlicher Ebene zunächst auf den Tempel in Jerusalem zu beziehen, wo König David wirklich stets bei Gott verweilte und über seine Worte im Tempel nachsann. Es ist auch sakramental zu beziehen auf die Kirche, in der wir zum Allerheiligsten treten dürfen, um nachzusinnen in der Gemeinschaft der Christgläubigen, im Angesicht des eucharistischen Herrn. Dieses Nachsinnen dürfen wir auch moralisch verstehen gerade mit Blick auf die paränetischen Aussagen des Philipperbriefes: Wir sollen in unserem Herzen, das der Tempel Gottes ist, nachsinnen über die Gebote Gottes und sie fest ins Herz einschreiben. So werden sie unser ganzes Verhalten beherrschen und bestimmen.
„Das Land der Lebenden“ ist durch und durch ein Zeugnis für die Auferstehungshoffnung von Christen. Dies zeigt, dass David mal wieder geisterfüllt diesen Psalm formuliert. Wie kann ein israelitischer König 1000 Jahre vor Christi Geburt so etwas Österliches sonst sagen? Lob sei Gott, dass er schon damals diesen König mit seinen wunderbaren Verheißungen erfüllt hat! Das Land der Lebenden ist das Himmelreich. Wir werden leben, auch wenn wir sterben. Das wird Jesus immer wieder erklären. Denn Gott ist ein Gott der Lebenden, nicht der Toten. Und aus diesem Grund ist ja auch der Apostel Paulus so voller Freude bei dem Gedanken, für Christus bald sterben zu müssen. Er wird sogleich in dieses Land der Lebenden kommen, was gibt es für schönere Aussichten!
Wie König David zum Ende hin sagt, sollen wir alle auf den Herrn hoffen und stark sein. Diese Stärke können wir nicht aus uns selbst heraus gewinnen, aber sie ist uns geschenkt durch die Gnade der Taufe. Gott selbst verleiht dem Christ die Stärke, in der Bedrängnis durchzuhalten und nicht zu verzweifeln. Er richtet uns wieder auf, wenn wir am Boden liegen. Wir dürfen nie die Hoffnung verlieren, denn wir sind auf das Osterereignis hin getauft. Wir können gar nicht hoffnungslose Wesen sein, wenn wir in der Taufgnade leben.

Lk 14
25 Viele Menschen begleiteten ihn; da wandte er sich an sie und sagte:

26 Wenn jemand zu mir kommt und nicht Vater und Mutter, Frau und Kinder, Brüder und Schwestern, ja sogar sein Leben gering achtet, dann kann er nicht mein Jünger sein.
27 Wer nicht sein Kreuz trägt und hinter mir hergeht, der kann nicht mein Jünger sein.
28 Denn wenn einer von euch einen Turm bauen will, setzt er sich dann nicht zuerst hin und berechnet die Kosten, ob seine Mittel für das ganze Vorhaben ausreichen?
29 Sonst könnte es geschehen, dass er das Fundament gelegt hat, dann aber den Bau nicht fertigstellen kann. Und alle, die es sehen, würden ihn verspotten
30 und sagen: Der da hat einen Bau begonnen und konnte ihn nicht zu Ende führen.
31 Oder wenn ein König gegen einen anderen in den Krieg zieht, setzt er sich dann nicht zuerst hin und überlegt, ob er sich mit seinen zehntausend Mann dem entgegenstellen kann, der mit zwanzigtausend gegen ihn anrückt?
32 Kann er es nicht, dann schickt er eine Gesandtschaft, solange der andere noch weit weg ist, und bittet um Frieden.
33 Ebenso kann keiner von euch mein Jünger sein, wenn er nicht auf seinen ganzen Besitz verzichtet.

Im Evangelium ist Jesus von vielen Menschen umgeben und beginnt zu sprechen:
„Wenn jemand zu mir kommt und nicht Vater und Mutter, Frau und Kinder, Brüder und Schwestern, ja sogar sein Leben gering achtet, dann kann er nicht mein Jünger sein.“ Dieses Geringachten meint nicht, dass Christen ihre Familien und Lieben nicht mehr lieben oder verachten sollen. Es meint eine Hierarchie oder Priorisierung. Wer Jünger Jesu Christi sein will, muss Jesus an die erste Stelle setzen. Er ist die Nummer eins in unserem Leben. Erst dann kommt die Familie, kommen die Freunde etc. Das heißt wiederum nicht, dass Jesus die ganze Liebe abbekommt, sodass man die anderen nur noch halbherzig lieben soll. Im Gegenteil. Dadurch dass man zuerst Gott liebt und in dieser Liebesgemeinschaft aus der Liebesquelle schlechthin schöpft, empfängt man ein überwältigendes Potenzial, den Nächsten zu lieben, also die Familie, die Freunde etc.
Wenn es aber zur Entscheidung kommt zwischen Christus und der eigenen Familie, aus der man stammt, soll man sich für Christus entscheiden. Wenn dieser jemanden zu einem geistlichen Beruf ruft, soll er ihm folgen und für dem Reich Gottes zuliebe die Familie verlassen. Dann ist es nämlich eine „Ehe“ übernatürlicher Art. Man bindet sich ganz an Christus und seine Kirche. Und wir wissen aus Gen 2, dass die Bindung mit der Braut erst nach Ablösung vom Elternhaus geschieht.
Warum sagt Jesus das alles? Er möchte, dass die Jünger ihr gesamtes Dasein auf Christus aufbauen, der ihr Fels ist. Wie können sie seine Jünger sein, wenn sie nicht ihr ganzes Leben nach ihm ausrichten! Für sie gilt die Priorisierung besonders stark, weil sie um des Himmelreiches willen auf eine eigene Familie verzichten sollen.
Dass es ein schwerer Weg ist, verschweigt Jesus den Menschen auch nicht, denn er sagt, dass man in seiner Nachfolge ein Kreuz tragen muss. Dieses Bild kennen die Menschen ganz genau, denn die Römer richten die Schwerverbrecher auf diese schändliche Weise hin. Sie lassen die Veurteilten mit ihrem Hinrichtungs-Instrument noch die gesamte Strecke durch die Stadt bis vor die Tore laufen, damit die Bewohner sie verspotten können. Es ist also ein Weg der Schande, den die Jünger erwarten dürfen, weil die Welt Christus weder erkennt noch die göttliche Weisheit begreift. Paulus ist diesen Weg gegangen und er hat die ganzen Strapazen auf sich genommen. Für ihn ist Christus wirklich die Nummer eins.
Jesus erklärt anhand von Gleichnissen, was er sagen möchte: Wenn man einen Turm bauen will, berechnet man ja auch zuerst die Kosten und plant alles sorgfältig, sodass mittendrin nicht die Mittel ausgehen und man von den anderen über den halbfertigen Turm ausgelacht wird.
Ebenso zieht man ja nicht in den Krieg, ohne zu überlegen, mit wie viel Soldaten man loszieht, und ohne auszukundschaften, wie groß das Heer des Gegners ist. Sonst muss man ja sofort kapitulieren und um Frieden bitten.
Mithilfe dieser Bilder möchte Jesus verdeutlichen: Ihr könnt nicht aufbrechen, um meine Jünger zu sein, wenn ihr nicht zuvor die Bereitschaft habt, alles mir zuliebe zu verlassen und jedes notwendige Opfer um des Himmelreiches willen zu bringen. Wer nicht Christus als sein Fundament legt, dessen Evangelisierung ist zum Scheitern verurteilt. Was will man denn verkünden, wenn der Verkündete nicht die Mitte des eigenen Lebens darstellt? Das macht die ganze Verkündigung unauthentisch. Wir fühlen uns nun hoffentlich alle ertappt und denken an den heutigen Zustand der Kirche….wo Christus nicht mehr die Mitte der Verkündigung ist, ist es keine Verkündigung mehr. Sie bringt den Menschen nicht mehr zum Glauben, sie berührt nicht mehr die Herzen. Sie ist unfruchtbar. So sind die beiden Gleichnisse ganz bewusst gewählt. Es geht um den Bau, der die Kirche ist. Dieser Bau ist zum Einsturz vorprogrammiert, wenn Christus nicht das starke Fundament ist. Die Mittel, den Turm fertig zu bauen, erlangen die Jünger durch die Gnadengaben Gottes. Aus eigener Kraft gegen die Mittel schnell aus. Das Bild des Krieges ist auf die kämpfende Kirche hier auf Erden zu beziehen, die gegen die Nachstellungen des Teufels kämpft, die geistlichen Angriffe stets abwehren muss. Mit Christus als Feldheer, vor allem mit der Waffe, die er seinen Jüngern hinterlässt, kann man gegen das feindliche Heer siegen, ansonsten ist die Niederlage vorprogrammiert.
Jesus möchte, dass man als Jünger wirklich auf alles verzichtet, was einen daran hindert, ihm ganz nachzufolgen. Auf den ganzen Besitz zu verzichten können wir nicht. Wir müssen irgendwie leben, haben eine Familie, um die wir uns kümmern müssen, müssen auch von etwas leben. Aber Jesus geht es vor allem um die Geistlichen. Diese sollen wirklich so wenig wie möglich haben, weil sie schon für die Ewigkeit leben. Sie sollen wahrlich eschatologische Menschen sein. Paulus hat das wunderbar vorgelebt. Was besaß dieser Mann? Was er hatte, konnte er überall mit hinnehmen. Er hatte keinen festen Wohnsitz, sondern hielt sich unterschiedlich lange an Orten auf. Antiochia war seine Basis und doch nicht seine Heimat. Nun saß er sogar im Gefängnis und fühlt sich doch so frei wie noch nie zuvor. Er schaut auf seine wahre Heimat, der er immer näher kommt – das Himmelreich. Er hat Jüngerschaft vollkommen umgesetzt.

Gebe Gott auch uns die unerschütterliche Osterhoffnung, die innere Losgelöstheit von weltlichen Gütern und menschlichen Beziehungen, die richtige Prioritätensetzung in unserem Leben und den Mut, Christus auch auf dem Spießrutenlauf unseres Lebens zu folgen. Dann werden wir am Ende mit den Worten König Davids sagen: „Ich bin gewiss, zu schauen die Güte des HERRN im Lande der Lebenden.“

Ihre Magstrauss

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