Dienstag der 11. Woche im Jahreskreis

2 Kor 8,1-9; Ps 146,1-3.5-6.7-8.9; Mt 5,43-48

2 Kor 8
1 Wir berichten euch jetzt, Brüder und Schwestern, von der Gnade, die Gott den Gemeinden Mazedoniens erwiesen hat.

2 Während sie durch große Not geprüft wurden, verwandelten sich ihre übergroße Freude und ihre tiefe Armut in den Reichtum ihrer selbstlosen Güte.
3 Ich bezeuge, dass sie nach Kräften und sogar über ihre Kräfte spendeten, ganz von sich aus.
4 Sie haben uns eindringlich um die Teilnahme an diesem Liebeswerk und die Gemeinschaft des Dienstes für die Heiligen gebeten.
5 Und über unsere Erwartung hinaus haben sie sich eingesetzt, zunächst für den Herrn, aber auch für uns, wie es Gottes Wille war.
6 Daraufhin ermutigten wir Titus, dieses Liebeswerk, das er früher bei euch begonnen hatte, nun auch zu vollenden.
7 Wie ihr aber an allem reich seid, an Glauben, Rede und Erkenntnis, an jedem Eifer und an der Liebe, die wir in euch begründet haben, so sollt ihr euch auch an diesem Liebeswerk mit reichlichen Spenden beteiligen.
8 Ich meine das nicht als strenge Weisung, aber ich gebe euch Gelegenheit, angesichts des Eifers anderer auch eure Liebe als echt zu erweisen.
9 Denn ihr kennt die Gnade unseres Herrn Jesus Christus: Er, der reich war, wurde euretwegen arm, um euch durch seine Armut reich zu machen.

In den letzten Tagen haben wir immer wieder einen Ausschnitt aus dem zweiten Korintherbrief gehört, in dem es um den Dienst der Apostel geht. Gerade die letzten Lesungen sind einem großen Kapitel entnommen, in dem Paulus Mahnungen ausspricht.
Heute berichtet Paulus den Korinthern von seiner Mission in Mazedonien. Dort wurde die Gemeinde sehr leidgeprüft, doch dies hat sie konstruktiv genutzt, anstatt zu verbittern. Vielmehr haben die Mazedonier das Leiden dem Herrn dargebracht und dadurch die Gnade einer großen Freude empfangen. Auch wenn sie äußerlich viel durchmachten, haben sie innerlich eine große Stärkung erlangt. Sie haben umgesetzt, was Paulus auch über den Dienst der Apostel geschrieben hat: Zwar machen diese viel durch, gerade um des Himmelreiches willen, doch sie wissen, wofür sie das alles erleiden. Sie werden gestärkt, sind voll des Hl. Geistes, der ihnen eine große Freude schenkt. Paulus beschreibt ja nicht nur seine Berufung, sondern wirbt für sie. Er möchte zudem zeigen, dass alle Getauften zu einem solchen Leben in Ganzhingabe berufen sind. Das ist der Weg der Heiligkeit – ein Weg des Kreuzes.
Diese Ganzhingabe zeigte sich bei den Mazedoniern durch die vollkommene Investition ihrer Kräfte in das Reich Gottes im Vertrauen, dass Gott damit etwas tun würde. Sie taten es aus freien Stücken, gedrängt von der Liebe Gottes wie Paulus selbst davon getrieben das Evangelium verkündet. Sie haben sogar darum gebeten, an diesem Liebeswerk teilhaben zu dürfen.
Was sie konkret getan haben, überstieg die Erwartungen des Paulus. Das heißt, dass ihre Hingabe und Opferbereitschaft besonders groß ist. Sie haben sich nicht nur für Gott eingesetzt, sondern auch für die Missionare. Wir erfahren auch davon, dass Pauli Mitarbeiter Titus in Mazedonien eine besondere Rolle gespielt hat. Dieser ist es übrigens auch, der bei der Beilegung des Streits in Korinth mithilft. Dass das Liebeswerk, von dem hier geschrieben wird, auch etwas mit finanzieller Unterstützung zu tun hat, erfahren wir in Vers 7. Dort wendet Paulus die Bereitschaft der Mazedonier nun in einen Spendenaufruf an die Korinther. Er möchte sie nicht zwingen, sondern dazu einladen, dass auch sie ihre Aufrichtigkeit und Bereitschaft zur Beteiligung an der Evangelisierung zeigen.
Paulus hat alles ja nicht deshalb so ausführlich erklärt, um sich selbst zu rühmen, sondern um ihnen aufzuzeigen, dass die Missionare aufs Ganze gehen, selbst aber nichts haben. Sie sind ganz auf die Unterstützung der Christen angewiesen, dass die Evangelisierung auch in Zukunft weitergeht. Zum Schluss bezieht er sein Anliegen auch auf Christus, der selbst ja alle reich gemacht hat als persönlich ganz Armer.

Ps 146
1 Halleluja! Lobe den HERRN, meine Seele!

2 Ich will den HERRN loben in meinem Leben, meinem Gott singen und spielen, solange ich da bin.
3 Vertraut nicht auf Fürsten, nicht auf den Menschen, durch den es keine Rettung gibt!
5 Selig, wer den Gott Jakobs als Hilfe hat, wer seine Hoffnung auf den HERRN, seinen Gott, setzt.
6 Er ist es, der Himmel und Erde erschafft, das Meer und alles, was in ihm ist. Er hält die Treue auf ewig.
7 Recht schafft er den Unterdrückten, Brot gibt er den Hungernden, der HERR befreit die Gefangenen.
8 Der HERR öffnet die Augen der Blinden, der HERR richtet auf die Gebeugten, der HERR liebt die Gerechten.
9 Der HERR beschützt die Fremden, er hilft auf den Waisen und Witwen, doch den Weg der Frevler krümmt er.

Mit Psalm 146 beginnt im Psalter das kleine Hallel bzw. das Schluss-Hallel. Es handelt sich dabei um eine Gruppe von Psalmen, die einen lobpreisenden Abschluss des ganzen Buches darstellen. Sie sind durchzogen vom Hallelujaruf, was uns auch hier in Ps 146 auffällt. So beginnt der Psalm mit dem Preisausruf „Halleluja!“ und der Aufforderung der eigenen Seele zum Lobpreis Gottes ganz im Psalmenstil.
„Ich will den HERRN loben in meinem Leben“ ist gleichsam ein Gelübde und Versprechen, Gott das ganze Leben hindurch zu loben, ihm zu singen und zu spielen. Das ist ein Leben in eschatologischer Gesinnung, denn dieser stete Lobpreis ist ja, was der Mensch im Himmelreich ewig tun wird. Dies möchte der Psalmenbeter bereits in diesem irdischen Dasein tun.
„Vertraut nicht auf Fürsten, nicht auf den Menschen, durch den es keine Rettung gibt!“ Gott ist der Fels, auf dem wir unser Haus bauen dürfen, damit es den Stürmen des Lebens standhält. Jesus greift nicht umsonst dieses Gleichnis auf, wenn er vom Hören auf das Wort Gottes spricht. Wenn man dagegen auf Menschen die ganze Hoffnung setzt, wird man früher oder später enttäuscht werden. Menschen sind nicht perfekt und so kann man von ihnen nichts erwarten, was nur Gott erfüllen kann. Auf Fürsten zu vertrauen, bedeutet also, auf Sand zu bauen. Sobald ein Sturm oder Regenguss kommt, bricht das Haus in sich zusammen.
Besser ist es, nicht auf politische Figuren zu setzen, sondern auf „den Gott Jakobs“. Er ist die Hilfe, weil er der Schöpfer des Himmels und der Erde ist, er hat alles gemacht und kennt seine Schöpfung bis in den letzten und hintersten Winkel. Er ist vor allem ewig und hält seine Versprechen. Gott ist treu und so wird man von ihm nicht enttäuscht. Er ist die wahre Zuflucht, denn er steht über politischen Verhältnissen, über den Menschen, über den Mächtigsten der Welt. Und er ist König, der wahre Herrscher. Seine Treue und Gerechtigkeit beweist er durch konkrete Taten. Er sättigt die Hungernden und sorgt für Gerechtigkeit bei denen, die durch das Raster des Gesetzes fallen und rechtlos sind. Gott ist der wahre Befreier, nicht nur aus dem Sklavenhaus Ägyptens, sondern aus jeder Gefangenschaft. Was wir hier beten, ist nicht nur wörtlich, sondern auch im weiteren Sinne zu verstehen: Gott sättigt nicht nur die körperlich Hungrigen, sondern er nährt uns mit der himmlischen Speise, der Eucharistie! Sie ist unsere Wegzehrung unterwegs in die Ewigkeit. Gott befreit nicht nur aus der wörtlich zu verstehenden politischen Gefangenschaft, sondern auch aus der Sklaverei der Sünde. Gerade an Jesu Sündenvergebung und Exorzismen in den Evangelien erkennen wir Gottes Befreiungsschlag an den Menschen.
Und in den Evangelien wird auch wahr, was im nächsten Volk an konkreten Heilstaten Gottes aufgezählt wird: Er öffnet die Augen der Blinden, sogar der physisch Blinden! Doch er schenkt auch immer wieder Erkenntnis wo die Menschen auf innere Weise blind sind. Christus heilt auch die Gebeugten – es gibt sogar eine Episode, da heilt er eine Frau, die einen ganz verbogenen Rücken hat! Er heilt aber nicht nur die körperlich Gebeugten, sondern richtet jene auf, die unter ihrer Last zerbrechen. Er schenkt Erquickung, wie er es auch versprochen hat mit seinen Worten: „Kommt alle zu mir, die ihr mühselig und beladen seid. Ich werde euch erquicken!“ Gott ist ein barmherziger Gott, der jedes Unrecht sieht und reagiert. Er fängt jene auf, die am meisten vernachlässigt werden – die Fremden, Witwen und Waisen. In unserer heutigen Zeit sind es vielleicht andere bzw. noch weitere Personengruppen, doch Gottes offenes Herz für uns ist dasselbe wie damals.

Mt 5
43 Ihr habt gehört, dass gesagt worden ist: Du sollst deinen Nächsten lieben und deinen Feind hassen. 

44 Ich aber sage euch: Liebt eure Feinde und betet für die, die euch verfolgen, 
45 damit ihr Kinder eures Vaters im Himmel werdet; denn er lässt seine Sonne aufgehen über Bösen und Guten und er lässt regnen über Gerechte und Ungerechte. 
46 Wenn ihr nämlich nur die liebt, die euch lieben, welchen Lohn könnt ihr dafür erwarten? Tun das nicht auch die Zöllner? 
47 Und wenn ihr nur eure Brüder grüßt, was tut ihr damit Besonderes? Tun das nicht auch die Heiden? 
48 Seid also vollkommen, wie euer himmlischer Vater vollkommen ist!

Heute hören wir3 wieder einen Abschnitt aus der Bergpredigt.
Was Jesus heute erklärt, greift das mosaische Gesetz und die Nächstenliebe aus Levitikus auf: Wir sollen unsere Feinde lieben und für jene beten, die uns hassen. Es ist nicht nur so, dass wir unseren Nächsten lieben sollen, wie uns selbst und damit ist nicht mehr nur der Israelit gemeint. Es betrifft jetzt alle Menschen, egal welcher Nationalität oder Religiosität. Es ist sogar noch so – egal ob gutgesinnt oder feindlich.
Jeden Menschen zu lieben, ist Ausdruck für Barmherzigkeit (Gott „lässt seine Sonne aufgehen über Bösen und Guten“).
Den zurückzulieben, der mich auch liebt, ist keine große Leistung. Das ist, was alle tun. Dann ist es aber noch keine Liebe, sondern eine Win-Win-Situation. Die Liebe als Gabe Gottes, die Agape, ist dagegen dann wirksam, wenn man gehasst wird, wenn es schwierig wird, wenn man liebt, obwohl man keine Gegenliebe erwarten kann.
Wer gibt, weil er weiß, dass ihm zurückgegeben wird, hat seinen Lohn schon bekommen. Er braucht vom Vater im Himmel nichts mehr erwarten.
Bis heute gilt die Aufforderung, zu lieben, wo es einem gegen den eigenen Strich geht, gegen das eigene Ego. Jesus selbst hat all dies durchlebt, auch den Spott jener, denen er diese große Liebe am meisten erweist – jenen, die der Barmherzigkeit am meisten bedürfen. Wie sehr muss es ihm geschmerzt haben, dass eben jene gar nicht begriffen, was an ihnen geschah! Und jene, die doch ein bisschen Wärme in ihren Herzen haben, werden von dieser entlarvenden Liebe berührt, damals und heute. Gott ist barmherzig und wir sollen durch unsere Hingabe und Vergebungsbereitschaft zu den verlängerten Armen der göttlichen Barmherzigkeit werden. Unser Lohn im Himmel wird groß sein, denn so wie der Vater den Sohn über alle anderen erhöht hat (Phil 2), so wird er auch uns erhöhen. Was ist im Gegensatz zur ewigen Erhöhung durch Gott der vorübergehende Spott derer, die voll der weltlichen Weisheit sind?

Heute geht es sehr intensiv um die konkrete Ausfaltung von Liebe, speziell der Nächstenliebe. In Korinth muss Paulus die Christen davon überzeugen, dass er ganz auf ihre finanzielle Unterstützung angewiesen ist, die ein Liebesakt ist. Er muss ihnen beweisen, dass er mit seinem ganzen Leben die Liebe Gottes konkret umzusetzen versucht und die Kollekte somit ganz ehrlich und aufrichtig weitergegeben wird. Jesus hat bereits in der Bergpredigt erklärt, dass wir den Nächsten lieben sollen wie uns selbst und die Liebe bis ins Letzte leben sollen. Lieben, bis es wehtut, den Feind lieben, Liebe ohne Gegenliebe. Bereits gestern erklärte ich, dass gelebte Liebe einer Kreuzigung gleichkommt. Sind wir bereit, diesen Weg zu gehen? Die Mazedonier schaffen es, die Korinther werden noch überzeugt, etliche Heilige beweisen uns, dass es mit der Kraft des Hl. Geistes möglich ist.

Ihre Magstrauss

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