Samstag der 16. Woche im Jahreskreis

Ex 24,3-8; Ps 50,1-2.5-6.14-15; Mt 13,24-30

Ex 24
3 Mose kam und übermittelte dem Volk alle Worte und Rechtssatzungen des HERRN. Das ganze Volk antwortete einstimmig und sagte: Alles, was der HERR gesagt hat, wollen wir tun.

4 Mose schrieb alle Worte des HERRN auf. Am frühen Morgen stand er auf und errichtete am Fuß des Berges einen Altar und zwölf Steinmale für die zwölf Stämme Israels.
5 Er schickte die jungen Männer der Israeliten aus und sie brachten Brandopfer dar und schlachteten junge Stiere als Heilsopfer für den HERRN.
6 Mose nahm die Hälfte des Blutes und goss es in eine Schüssel, mit der anderen Hälfte besprengte er den Altar.
7 Darauf nahm er das Buch des Bundes und verlas es vor dem Volk. Sie antworteten: Alles, was der HERR gesagt hat, wollen wir tun; und wir wollen es hören.
8 Da nahm Mose das Blut, besprengte damit das Volk und sagte: Das ist das Blut des Bundes, den der HERR aufgrund all dieser Worte mit euch schließt.

In der Lesung hören wir heute vom Bundesschluss des Volkes Israel mit Gott am Sinai. Bei jedem Bundesschluss, der in der Bibel berichtet wird, bringen die Bündnispartner anlässlich des Bundesschlusses ein Opfer dar, es gibt eine Gesetzgebung und ein Zeichen des Bundesschlusses. Bevor Mose die Zehn Gebote auf den Steintafeln von Gott empfängt, erhält er bereits Anweisungen, die in dem sogenannten Bundesbuch verzeichnet sind. Als Gott mit dem Volk Israel am Sinai den Bund schließt, wird für alle Stämme ein Opfer dargebracht. Es werden zwölf Steinmale errichtet für jeden Stamm. Dann werden junge Stiere geopfert. Das Blut der Tiere wird verwendet, um damit den Altar zu besprengen. Das ist ein wichtiger Gestus, den wir als Typos betrachten, der in Christus und der Besprengung seines kostbaren Blutes seine Erfüllung findet. Dies betrifft die Besprengung des Altars sowie der Menschen.
Daraufhin werden alle Gebote des Bundesbuches verlesen, die Gott dem Mose aufgegeben hat. Die Anwesenden hören aufmerksam zu und versprechen, die Gebote Gottes vollständig zu halten. Die andere Hälfte des Opferblutes wird verwendet, um nun das Volk zu besprengen. Insbesondere die dazu gesprochenen Worte sind uns signalhaft: „Das ist das Blut des Bundes, den der HERR aufgrund all dieser Worte mit euch schließt.“ So betet auch Jesus beim letzten Abendmahl und in jeder Hl. Messe, wenn der Wein dargebracht und zum Blut Christi gewandelt wird. Bei Bundesschlüssen gehört eine gewisse Gesetzgebung dazu, auf die Gott den Bündnispartner verpflichtet. Dies geschieht nicht um des Gesetzes willen, sondern Gott, dem begegneten Gegenüber zuliebe. Aus dem Grund beginnen auch die Zehn Gebote mit der Rede von Gottes Auszug der Israeliten aus Ägypten. Deshalb erklärt Mose den Menschen auch, dass Gott sie dem Volk gab, als dieser von Angesicht zu Angesicht mit Mose gesprochen hat. Gottes Gebote kommen aus seiner Begegnung heraus. Von diesem Verständnis her sind die Gebote auch zu halten – aus dem Beziehungsaspekt her.
Mit diesem Bundesschluss wird der Kult Israels begründet. Gott beruft Aaron zum Priester dieses Bundes. Von ihm soll sich das Priestertum Israels ableiten. Die Leviten sollen der priesterliche Stamm sein, geheiligt für Gott.
Ein drittes Element bei Bundesschlüssen ist immer ein Zeichen. Bei diesem Bundesschluss am Sinai sind die Steintafeln zu nennen, in die Gott selbst seine Gebote hineingeschrieben hat und die zum Ort seiner Gegenwart werden. In die Bundeslade hineingelegt und in das Allerheiligste des Offenbarungszelts gestellt kommt Gottes Schechina auf diesen Ort. Er wird also zum zentralen Ort der Anbetung für die Israeliten. All dies führen wir weiter und erkennen, dass alles in den Neuen Bund mündet und sich in Jesus Christus erfüllt. Nicht mehr das Wort in Steintafeln ist uns Zeichen und Gegenwart Gottes, sondern sein Leib und sein Blut. Er wird zum Ort der Anbetung überall dort, wo er auf der Welt gegenwärtig ist. Wir müssen nicht nach Jerusalem pilgern, um seine Gegenwart zu erfahren. In jeder Hl. Messe und in jedem Tabernakel auf der Welt ist der Herr anwesend.

Ps 50
1 Ein Psalm Asafs. Gott, ja Gott, der HERR, hat gesprochen, er rief die Erde vom Aufgang der Sonne bis zu ihrem Untergang.
2 Vom Zion her, der Krone der Schönheit, ging Gott auf in strahlendem Glanz.
5 Versammelt mir all meine Frommen, die den Bund mit mir schließen beim Opfer!
6 Da taten die Himmel seine Gerechtigkeit kund; weil Gott selbst der Richter ist.
14 Bring Gott ein Opfer des Dankes und erfülle dem Höchsten deine Gelübde!
15 Ruf mich am Tage der Not; dann rette ich dich und du wirst mich ehren.

Als Antwort beten wir Ps 50, der ein Asafpsalm ist. Das Ereignis der Lesung wird nicht nur in diesem Psalm reflektiert, sondern weitergeführt, weshalb wir ja das Ereignis weiterdenken und auf den Messias anwenden: Gott hat gesprochen und seine Gnade geht aus vom Zion, nicht mehr nur vom Sinai. Die Frommen versammeln sich zur Liturgie. Wie diese auszusehen hat, ist dem Mose von Gott selbst erklärt worden. Warum ruft Gott die Menschen vom Aufgang bis zum Untergang zum Zion? Der Tempel als Ort der Anbetung Gottes und des Kultes ist auf dem Zion errichtet worden, nämlich in Jerusalem. Die Wendung „vom Aufgang der Sonne bis zu ihrem Untergang“ ist einerseits geographisch zu verstehen: Für die Himmelsrichtungen des Ostens und Westens wird diese Umschreibung gewählt, weil es nur ein Wort für beides gibt. So sollen die Menschen von Osten bis Westen nach Jerusalem kommen, um dem Herrn ein Opfer darzubringen. Zu den Wallfahrtsfesten geschieht dies tatsächlich, denn es leben viele Juden in der Diaspora oder eben nicht in unmittelbarer Nähe. Sie kommen von überall her zum Ort der Schechina Gottes, seiner Herrlichkeit im Tempel. Die Wendung von Auf- und Untergang der Sonne ist aber auch zeitlich zu verstehen: Gott soll rund um die Uhr gepriesen werden, es soll immer geopfert werden und der Lobpreis nie verstummen. Das ist die einzig angemessene Haltung des Menschen gegenüber Gott, der das Volk Israel mit so viel Heil und Segen überschüttet hat. Wir können diese Gedanken im vierfachen Schriftsinn weiterdenken und auf Christus sowie den Neuen Bund anwenden: Von überall her, das heißt aus allen möglichen Lebenslagen und Umständen, kommen Menschen zu Christus, zum Glauben an den einen wahren Gott, und lassen sich taufen. Von überall her kommen die Getauften, um das eine Opfer aller Zeiten darzubringen in der Eucharistie. Von überall her, das heißt von jeden Lebenslagen und Umständen, bekehren sich Menschen und kommen zurück in den Stand der Gnade, um den Herrn wieder in den inneren Tempel einzuladen. Von überall her werden die Menschen zum himmlischen Zion pilgern, um den Herrn zu schauen, wie er ist, und den ewigen Lobpreis des Himmels anzustimmen.
Schon jetzt richtet Gott den Menschen und reagiert auf das Unrecht der Welt. Doch am Ende der Zeiten wird das umfassend geschehen. Er richtet schon die Ägypter, weil sie sein auserwähltes Volk versklavt haben. Das wurde uns in den vergangenen Tagen berichtet.
Die Israeliten können derweil jubeln und aufatmen, weil Gott sie in die Freiheit geführt hat. Deshalb sind sie aufgerufen, ihr Leben voller Dank und Lobpreis zu verbringen. Ja, es soll ein einziges Dankopfer sein. So sollen auch wir Dankopfer bringen – das tun wir mit der Eucharistie und mit einem entsprechenden Leben nach den Geboten Gottes. Die Erfüllung der Gelübde betrifft uns als Getaufte, weil wir in einer Bundesbeziehung mit Gott leben. Mit der Taufe ist die Berufung zur Heiligkeit verknüpft.
„Ruf mich am Tage der Not; dann rette ich dich und du wirst mich ehren.“ Das bestätigt Jesus mit den Worten in Mt 7,7: „Bittet und es wird euch gegeben; sucht und ihr werdet finden; klopft an und es wird euch geöffnet!“ Wir dürfen ganz vertrauensvoll zu unserem Vater kommen, denn wer hilft in einer Familie nicht dem anderen! Gott ist ein barmherziger Vater, der gerne gibt, wenn wir ihm alles zutrauen.

Mt 13
24 Jesus legte ihnen ein anderes Gleichnis vor: Mit dem Himmelreich ist es wie mit einem Mann, der guten Samen auf seinen Acker säte.
25 Während nun die Menschen schliefen, kam sein Feind, säte Unkraut unter den Weizen und ging weg.
26 Als die Saat aufging und sich die Ähren bildeten, kam auch das Unkraut zum Vorschein.
27 Da gingen die Knechte zu dem Gutsherrn und sagten: Herr, hast du nicht guten Samen auf deinen Acker gesät? Woher kommt dann das Unkraut?
28 Er antwortete: Das hat ein Feind getan. Da sagten die Knechte zu ihm: Sollen wir gehen und es ausreißen?

29 Er entgegnete: Nein, damit ihr nicht zusammen mit dem Unkraut den Weizen ausreißt.
30 Lasst beides wachsen bis zur Ernte und zur Zeit der Ernte werde ich den Schnittern sagen: Sammelt zuerst das Unkraut und bindet es in Bündel, um es zu verbrennen; den Weizen aber bringt in meine Scheune!

Im Evangelium hören wir heute ein Gleichnis, das das Reich Gottes umschreibt. Wie so oft wird es aus dem landwirtschaftlichen Kontext herausgegriffen. Wir hören hier von einem Mann, dessen Aussaat von einem Feind sabotiert wird. Dieser streut Unkraut darunter, um die Ernte zu verderben. Doch anstatt das Unkraut sofort herauszureißen, soll beides bis zur Ernte stehen bleiben. Das Getreide soll dann in die Scheune gebracht, das Unkraut aber verbrannt werden. Dieses Gleichnis könnte man nach dem vierfachen Schriftsinn deuten. Der Gutsherr ist Gott selbst, der die Welt erschafft. Der Acker ist die Welt. Der Same sind die Geschöpfe. Der Feind ist der Satan und das Unkraut ist die Sünde. Er möchte Gottes gute Schöpfung sabotieren, damit das ganze Getreide am Ende nicht in die Scheune kommt, die das Himmelreich ist, sondern verbrannt wird, was die Hölle meint. Er selbst hat den Himmel verloren durch seinen Ungehorsam und Stolz. Was er nicht haben kann, soll kein anderer bekommen. Er ist neidisch auf den Menschen, für den Gott so einen wunderbaren Heilsplan bereit hat. Gott könnte nun alles ausreißen, das heißt alles zunichte machen, damit die Sünde nicht mehr in der Welt ist. Dazu wäre er in der Lage und viele meinen, dass genau so ein Verhalten der Allmacht Gottes entspreche. Doch stattdessen zeigt er seine unendliche Barmherzigkeit. Gott ist allmächtig, dass er imstande wäre, alles zu vernichten, doch er hat die Freiheit, so zu handeln, wie er möchte. Er muss nicht zwanghaft seine Macht ausspielen, wie der Mensch es idealisiert. Gott ist Liebe und diese umfasst auch den Mut zur Ohnmacht. Gott ist autonom und in seinem autonomen Willen entscheidet er, nicht alles auszureißen. Und nun realisieren wir die Beschränktheit von Bildern: Gott ist so langmütig und geduldig, dass er uns bis zur Ernte, das heißt bis zur Endzeit noch wachsen lässt und auch wenn das mit echtem Getreide und Unkraut nicht möglich ist: Wir können von Unkraut zu Getreide werden. Oder anders gesagt: Wir können unser Unkraut selbst herausreißen mit der Gnade Gottes. Dieses Ausreißen vor der Ernte ist ein Bild für die persönliche Umkehr. Gott möchte uns bis zum Schluss noch die Chance geben, zu ihm zurückzukehren und die Sünden abzulegen. Mit diesem Gleichnis erklärt Jesus: Gott ist unendlich barmherzig und möchte kein Geschöpf verlieren. Man könnte all das auch christologisch deuten, dann ist der Gutsherr Christus, der das Wort Gottes als Same auf den Acker streut. Wir könnten das gesamte Gleichnis auch auf moralischer Ebene deuten, dann ist es unsere eigene Seele, die weder ganz gut noch ganz böse ist. Es ist eben eine Mischung aus Weizen und Unkraut, die Gott in seiner Langmut an uns aushält. Er wirkt an uns, wir bemühen uns von uns aus. Was wir schon zuvor bedacht haben, wird mit diesem Bild zusammengefasst: das Wachsen in Heiligkeit. Unsere Motivation ist es schließlich, zum Weizen zu gehören, das am Ende in die Scheune gebracht wird. Weil wir in unserer Bundesbeziehung mit Gott so innig mit ihm verbunden sind, haben wir auf diesem Weg die größte Rückendeckung, die es gibt. Bitten wir also und es wird uns gegeben. Klopfen wir immer wieder beim Herrn an, damit er uns die helfende Gnade gibt, und vertrauen wir uns immer wieder der Barmherzigkeit Gottes an. Er hatte schon so viel Geduld mit seiner untreuen und immer wieder fallenden Braut Israel, er wird auch mit uns fallenden Menschen des Neuen Bundes Geduld haben.

Ihre Magstrauss

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