Samstag der 18. Woche im Jahreskreis

Dtn 6,4-13; Ps 18,2-3.4 u. 50.47 u. 51ab; Mt 17,14-20

Dtn 6
4 Höre, Israel! Der HERR, unser Gott, der HERR ist einzig.

5 Darum sollst du den HERRN, deinen Gott, lieben mit ganzem Herzen, mit ganzer Seele und mit ganzer Kraft.
6 Und diese Worte, auf die ich dich heute verpflichte, sollen auf deinem Herzen geschrieben stehen.
7 Du sollst sie deinen Kindern wiederholen. Du sollst sie sprechen, wenn du zu Hause sitzt und wenn du auf der Straße gehst, wenn du dich schlafen legst und wenn du aufstehst.
8 Du sollst sie als Zeichen um das Handgelenk binden. Sie sollen zum Schmuck auf deiner Stirn werden.
9 Du sollst sie auf die Türpfosten deines Hauses und in deine Stadttore schreiben.
10 Und wenn der HERR, dein Gott, dich in das Land geführt hat, von dem du weißt: er hat deinen Vätern Abraham, Isaak und Jakob geschworen, es dir zu geben – große und schöne Städte, die du nicht gebaut hast,
11 mit allen Gütern gefüllte Häuser, die du nicht gefüllt hast, ausgehauene Zisternen, die du nicht ausgehauen hast, Weinberge und Ölbäume, die du nicht gepflanzt hast – , wenn du dann isst und satt wirst:
12 nimm dich in Acht, dass du nicht den HERRN vergisst, der dich aus Ägypten, dem Sklavenhaus, geführt hat!
13 Den HERRN, deinen Gott, sollst du fürchten; ihm sollst du dienen, bei seinem Namen sollst du schwören.

Heute hören wir in der Lesung das Schema Israel, das jeder fromme Jude täglich beten soll und das den frommen Juden an die Gottesliebe erinnert.
Israel soll nie vergessen, dass Gott einer ist. Es gibt nur den einen wahren Gott und mit diesem steht Israel in einem Bund, in einer Liebesbeziehung. Deshalb soll es Gott „mit ganzem Herzen, mit ganzer Seele und mit ganzer Kraft“ lieben. Das ist nicht einfach eine Verpflichtung, der man äußerlich nachgehen soll, sondern hier geht es darum, dass man Gott sein Herz verschenken, sich ihm ganz verschreiben soll. Was hier beschrieben wird, können wir auch von Verliebten sagen: Wir schreiben gleichsam den Namen unseres geliebten Menschen aufs Herz, sprechen ständig von ihm, denken immerzu an ihn. So soll es umso mehr mit Gott sein. Er soll der erste Gedanke sein, den wir beim Aufwachen haben, und der letzte Gedanke sein, wenn wir einschlafen. Er soll unser Leben ganz beherrschen. Liebe ist radikal. Liebe ist konsequent. Liebe geht aufs Ganze. Mit Gott in einem Bund zu leben, bedeutet alles. Es gibt kein „bisschen gläubig sein“ und der oft gehörte Vorwurf „du übertreibst das mit Gott“ ist sinnlos. Wenn wir ihn lieben, gibt es kein Bisschen, nur die vollkommene Hingabe. Jesus hat ja auch nicht übertrieben, sondern seine ganze Liebe gezeigt, als er für uns gestorben ist. Deshalb können wir mutig sein und uns ganz an Gott verschenken, wenn wir den Bund mit ihm eingehen. So ist es bereits im Alten Bund zwischen Gott und Israel. Gott ist für sein Volk gleichsam in die Bresche gesprungen, hat alles getan, um es aus der Knechtschaft zu befreien, um es zu einem mächtigen Volk zu machen. Das einzige, was er dafür möchte, ist ihre Treue zu dem Versprechen, das es Gott ja freiwillig gegeben hat. Er möchte einfach, dass es dabei bleibt und Gott nicht hintergeht. Deshalb ist Gott auch eifersüchtig, wenn Israel mit anderen „Göttern“ liebäugelt.
Das Schema Israel soll ein Gebet sein, das die Israeliten also nicht nur auf den Lippen tragen, sondern ins Herz eingraviert haben. Sie sollen es auch anderen weitergeben, vor allem ihren Kindern, es unentwegt beten, darüber nachsinnen.
Die entsprechenden Bibelstellen Dtn 6 sowie Ex 13 sollen zudem als Zeichen auf Stirn und Handgelenk getragen werden. Diese sogenannten Tefillin werden heutzutage nur noch von den konservativen jüdischen Gruppen getragen. Es handelt sich um Lederriemen koscherer Tiere mit Kapseln, in denen die Bibelstellen enthalten sind.
Aber warum Stirn und Handgelenk? Es heißt, dass die Riemen die Einheit von Denken (Kopf) und Handeln (Hand) symbolisieren. In der rabbinischen Literatur findet sich zudem oft die Interpretation, dass beide Orte für Verstand und Herz stehen, die miteinander in Einklang sein sollen, es aber so oft nicht sind. Denken und Tun, Absicht und Verhalten sollen eins sein. Es ist die Kongruenz, die Jesus immer wieder anmahnt bei eben jenen Juden seiner Zeit, die dieses elementare Gebot aus Dtn 6 aus den Augen verloren haben.
Es wird näherhin erklärt, dass der Gebetsriemen am linken Arm angelegt wird, weil es der schwächere Arm ist, der im Judentum das eigene Ego symbolisiert, und weil er nahe am Herzen ist.
Stirn und Arm/Hand sind sehr symbolträchtige Orte am Körper des Menschen, die auch in der Johannesoffenbarung entscheidend sind: Der Engel mit dem Siegel Gottes kennzeichnet die Menschen mit dem Zeichen Gottes auf der Stirn (Offb 7). Doch auch der Widersacher Gottes nutzt diese beiden Orte am Körper, um das Gute, das von Gott kommt, dämonisch zu verzerren (Offb 13): Sein eigenes teuflisches Malzeichen setzt er an dieselben Stellen.
Die Israeliten sollen diese Worte des Schema Israel auch auf die Türpfosten und in die Stadttore setzen, was wir durchaus in einen Zusammenhang mit dem Blut des Lammes in der Exodus-Nacht bringen können. Diese Orte sind Übergänge von außen nach innen, vom Ort, von dem wir uns abgrenzen, und unserem eigenen Heim, unserem Aufenthaltsort. Wir gehen so oft durch Tore und Türen hindurch, dass diese Orte zu guten Gedächtnisstützen werden, sodass die Israeliten auch dort immer wieder ans Schema Israel erinnert werden.
Die Israeliten sollen Gott und seine Gebote nie vergessen, ebenso wenig all das Gute, das er an ihnen getan hat. Das ist eine Versuchung, der Menschen zu allen Zeiten ausgesetzt sind: Wie schnell vergessen wir in Zeiten, in denen es uns gut geht, Gott für alles zu danken? Wie schnell vernachlässigen wir unsere Beziehung zu Gott, wenn es uns gut geht! Und erst Not lehrt wieder beten. Doch das soll Israel nicht, wenn es diese übergroße Gnade geschenkt bekommt – das Verheißene Land, in dem Milch und Honig fließen. Es wird wirklich ein einziges Geschenk an Israel sein, das es überhaupt nicht verdient hat. Es kommt ins gemachte Nest, ohne dafür hart gearbeitet zu haben.
Wenn Israel das alles bekommen hat, soll es nie vergessen, wer ihm das alles geschenkt hat. Es soll nach Gottes Geboten leben, mit dem es einen Bund eingegangen ist.

Ps 18
2 Ich will dich lieben, HERR, meine Stärke,
3 HERR, du mein Fels und meine Burg und mein Retter; mein Gott, mein Fels, bei dem ich mich berge, mein Schild und Horn meines Heils, meine Zuflucht.
4 Ich rufe: Der HERR sei hoch gelobt! und ich werde vor meinen Feinden gerettet.
47 Es lebt der HERR, gepriesen sei mein Fels. Der Gott meiner Rettung sei hoch erhoben.
51 Seinem König verleiht er große Hilfe, Huld erweist er seinem Gesalbten, David und seinem Stamm auf ewig.
50 Darum will ich dir danken, HERR, inmitten der Nationen, ich will deinem Namen singen und spielen.

Der Psalm stellt einen Lobpreis dar, den wir beten für das Geschenk der Bundestreue Gottes. Auch wenn das Schema Israel ein wesentlicher Text zunächst der Juden ist, so übernehmen wir es doch. Die vollkommene Hingabe und Liebe an Gott ist uns gemeinsam.
„Ich will dich lieben, HERR, meine Stärke“ ist ein typischer Psalmenbeginn. Nicht nur die Selbstaufforderung zum Lob ist oft am Anfang zu lesen, sondern auch eine Liebesbekundung oder eine Willenszusage. Gott ist Davids Stärke, dem wir diesen Lobpreis verdanken. All die Siege hat er durch die Stärke des HERRN zustande gebracht. Er hat sich auch nie angemaßt, dass es von ihm selbst komme. Er hat seine Macht und Stärke immer von Gottes Allmacht her gesehen. So können auch wir alles, was wir zustande bringen, auf Gott verweisen, der uns die Kraft gegeben hat. So werden wir nie überheblich und sind Gott immer dankbar für den Beistand, den er uns tagtäglich sendet. Und so dürfen wir Gott danken für das große Herz, das er uns schenkt, damit wir barmherzig handeln können wie er. Das haben wir nicht von uns selbst, sondern es ist uns geschenkt worden.
Gott ist der Fels, die Burg und der Retter. Er ist also auch die Zuflucht, die wir suchen sollen. Wenn wir uns auf Menschen verlassen und erwarten, dass diese uns glücklich machen, werden wir immer unglücklich und unzufrieden sein. Nur Gott kann uns wirklich dauerhaft trösten und beschützen. Er ist wirklich der Verlässliche, der uns entlasten will. Und wir müssen immer bedenken, dass auch unsere Mitmenschen Gott als ihren Zufluchtsort in Anspruch nehmen. Und manchmal benutzt uns Gott als seine Hände, seinen Mund und sein Herz, um diesen Menschen Zuflucht zu bieten durch konkrete Akte der Barmherzigkeit. So werden wir zu Tefillin, die die Liebe Gottes in ihr Denken und von dort aus in ihr Sprechen und Handeln übertragen.
Es gibt keinen unangemessenen Zeitpunkt, Gott zu loben und zu preisen, denn ihm steht es immer zu. „Und ich werde vor meinen Feinden gerettet.“ Gott rettet seine geliebten Geschöpfe wirklich immer aus allen Gefahren. Diese betreffen den ganzen Menschen, nicht nur sein irdisches Dasein. Gott rettet nämlich auch unsere Seele vor dem ewigen Tod, er rettet uns aus dem Zustand der Todsünde, er rettet uns Menschen durch die Taufe.
Gott hat David, seinem Gesalbten, stets geholfen und seine schützende Hand auf sein Volk gelegt. Solange dieses die Hand Gottes nicht von sich geschlagen hat, ist dieser Schutz ihm auch gewährt worden. Doch mit der Absage Gottes kam die Konsequenz. Und das wird Gott das Herz immer wieder gebrochen haben. Welcher Vater schaut gerne zu, wie sein Kind sich selbst verletzt und schadet? Und welcher Vater wird dann nicht alles tun, damit das Kind zur Besinnung kommt? Damit das nicht geschieht, warnt er sein Volk davor, ihn und seine Gebote zu vergessen.
Auch König David hat festgehalten an Gottes Segen, er hat sich immer um ein gutes Verhältnis zu Gott bemüht und die Beziehung gepflegt, ganz vertrauensvoll wie ein Kind. Deshalb hat er so viele gute Früchte davongetragen und ist voller Dankbarkeit und Lobpreis für Gott. Diesen lässt er erschallen inmitten der Nationen, inmitten der nichtjüdischen Völker! Sie sollen sein Glaubenszeugnis hören und sehen, sie sollen das große Herz des Vaters bezeugen, damit es sie berühre und sie den einzig wahren Gott erkennen.

Mt 17
14 Als sie zu den Volksscharen zurückkamen, trat ein Mensch auf ihn zu, fiel vor ihm auf die Knie

15 und sagte: Herr, hab Erbarmen mit meinem Sohn! Er ist mondsüchtig und hat schwer zu leiden. Oft fällt er ins Feuer und oft ins Wasser.
16 Ich habe ihn schon zu deinen Jüngern gebracht, aber sie konnten ihn nicht heilen.
17 Da sagte Jesus: O du ungläubige und verkehrte Generation! Wie lange muss ich noch bei euch sein? Wie lange muss ich euch noch ertragen? Bringt ihn her zu mir!
18 Und Jesus drohte ihm und der Dämon fuhr von ihm aus. Und der Knabe war von jener Stunde an geheilt.
19 Als die Jünger mit Jesus allein waren, wandten sie sich an ihn und fragten: Warum konnten denn wir den Dämon nicht austreiben?
20 Er antwortete: Wegen eures Kleinglaubens. Denn, amen, ich sage euch: Wenn ihr Glauben habt wie ein Senfkorn, dann werdet ihr zu diesem Berg sagen: Rück von hier nach dort! und er wird wegrücken. Nichts wird euch unmöglich sein.

Im Evangelium wird uns heute von einem Exorzismus berichtet. Er ereignet sich nach der Verklärung Jesu. Drei Jünger waren mit Jesus alleine auf den Berg Tabor gestiegen, nun sind sie wieder unten angekommen und eine große Menschenmenge versammelt sich um sie. Dort kommt nun ein Mensch zu Jesus und bittet ihn um Befreiung und Heilung seines Sohnes. Er sei mondsüchtig und lege ein selbstzerstörerisches Verhalten an den Tag. Mondsucht nannte man früher, wenn ein Mensch Schlafwandler war. Man nahm an, dass dieser Zustand durch die Mondphasen beeinflusst werde. Daher kommt dieser Begriff. Das eigentlich Dämonische sind die Akte der Selbstverletzung in diesem Zustand. Denn der Mensch ertrinkt oder verbrennt beinahe. Die Jünger Jesu haben es nicht geschafft, den Jungen von dieser Art der Besessenheit zu befreien. Der Grund dafür ist der mangelnde Glaube – sowohl bei den Exorzisten als auch bei den Angehörigen und Leidenden. Deshalb ist Jesus sehr hart in seiner Antwort: „O du ungläubige und verkehrte Generation! Wie lange muss ich noch bei euch sein? Wie lange muss ich euch noch ertragen?“ Er möchte aufrütteln, nicht verletzen. Deshalb spricht er solche Worte. Die Menschen sollen verstehen, dass der Glaube absolut entscheidend ist.
Sogleich lässt er den Jungen zu sich bringen und treibt den Dämon aus ihm heraus. Später fragen die Jünger Jesus, warum er das tun konnte, sie aber nicht (er hat sie ja zuvor beauftragt, Exorzismen durchzuführen). Er erklärt ihnen, dass sie Kleingläubige sind.
Wenn der Mensch dagegen auch nur den kleinsten Glauben hat, deshalb bringt er das Senfkorn als Beispiel an, denn es ist das kleinste der Samenkörner, dann werden die Menschen Berge versetzen können und alles vollbringen.q Gott wird das Unmögliche an ihnen oder durch sie bewirken. Weil die Jünger aber gezweifelt hatten, konnten sie den Exorzismus nicht durchführen. Sie haben Gott nicht zugetraut, dass er den Dämon aus diesem Kind austreiben kann und sie dafür als seine Instrumente gebraucht. Wir werden jedoch Zeugen des großen Glaubens der Jünger, nachdem sie den Hl. Geist empfangen haben. Das zeigt uns: Der Glaube ist ein Geschenk, das von Gott kommt. Dieses Geschenk dürfen und müssen wir aber auch von Gott erbitten. Deshalb ist es so unglaublich wichtig, dass wir unser Leben im Hl. Geist führen und stets in der Liebe Gottes wandeln. Dann wird uns alles möglich sein – nicht weil wir allmächtig sind, sondern Gott durch uns.

Heute geht es um einen starken Glauben, der Geschenk ist und sich mit Blick auf die Lesung aus der Gottesliebe ergibt. Wenn wir Gott in unser Herz einschreiben, ihn gleichsam in uns eingravieren, dann wird er seine Spuren hinterlassen. Dann wird er den Glauben in uns einpflanzen, durch den wir alles vermögen.

Ihre Magstrauss

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