Teresia Benedicta vom Kreuz (Fest)

Est 4,17k-m.17r-t; Ps 18,2-3.5.7a.17.20.29.50; Joh 4,19-24

Est 4
(k) Auch die Königin Ester wurde von Todesangst ergriffen und suchte Zuflucht beim Herrn. Sie legte ihre prächtigen Gewänder ab und zog die Kleider der Notzeit und Trauer an. Statt der kostbaren Salben tat sie Asche und Staub auf ihr Haupt, vernachlässigte ihren Körper, und wo sie sonst ihren prunkvollen Schmuck trug, hingen jetzt ihre Haare in Strähnen herab. Und sie betete zum Herrn, dem Gott Israels:

(l) Mein Herr, unser König, du bist der Alleinzige. Hilf mir! Denn ich bin hier einzig und allein und habe keinen Helfer außer dir; die Gefahr steht greifbar vor mir.
(m) Von Kindheit an habe ich in meiner Familie und meinem Stamm gehört, dass du, Herr, Israel aus allen Völkern erwählt hast; du hast dir unsere Väter aus allen ihren Vorfahren als deinen ewigen Erbbesitz ausgesucht und hast an ihnen gehandelt, wie du es versprochen hattest.
(r) Denk an uns, Herr! Offenbare dich in der Zeit unserer Not und gib mir Mut, König der Götter und Herrscher über alle Mächte!

(s) Leg mir in Gegenwart des Löwen die passenden Worte in den Mund und stimm sein Herz um, damit er unseren Feind hasst und ihn und seine Gesinnungsgenossen vernichtet!
(t) Uns aber rette mit deiner Hand! Hilf mir, denn ich bin allein und habe niemand außer dir, o Herr!

Heute am Fest der Hl. Edit Stein hören wir aus dem Buch Ester einen Ausschnitt aus dem Gebet Esters, das sich an das Gebet Mordechais anschließt, dem Adoptivvater Esters. Der Kontext dieses Gebetes ist ein Vernichtungserlass des persischen Königs Artaxerxes über die Juden. Eigentlich ist er mit Ester verheiratet, die er sogar zur Königin einsetzte, obwohl sie Jüdin ist. Die Lesung passt zur Tagesheiligen, die selbst Jüdin war, bevor sie zum katholischen Glauben kam. Sie wurde ins KZ nach Auschwitz gebracht, wo sie 1942 für ihre jüdischen Wurzeln umgebracht worden ist. Sie fühlte sich sehr mit Ester verbunden. Folgendes Zitat hat sie einige Jahre vor ihrer Hinrichtung hinterlassen: „Ich muss immer wieder an die Königin Ester denken, die gerade darum aus ihrem Volk genommen wurde, um für das Volk vor dem König zu stehen. Ich bin eine sehr arme und ohnmächtige kleine Ester, aber der König, der mich erwählt hat, ist unendlich groß und barmherzig.“
Zurück zur Handlung im Buch Ester: Die Juden weigern sich, den königlichen Beamten oder dem persischen König selbst zu huldigen, sodass das jüdische Volk ausgerottet werden soll. Es hat politische Gründe, da die Juden sich den königlichen Befehlen verweigern. Warum lässt sich der König zu so einem Edikt hinreißen, obwohl er an seiner Frau Ester so Gefallen hat? Der königliche Fürst Haman hat maßgeblich Einfluss, den der König zum zweitgrößten Mann in seinem Reich gemacht hat. Ihm hat der König seinen Siegelring überlassen und so ist der Vernichtungserlass auf Haman zurückzuführen, der sich vor allem an Mordechai rächen möchte. Seine Verweigerung hat ihn am meisten erzürnt.
Im vierten Kapitel lesen wir deshalb auch ein Gebet Mordechais, bevor wir vom Gebet Esters heute in der Lesung hören:
Sie legt ihre königlichen Gewänder ab und Bußgewänder an. Es handelt sich um eine klassische Bußhaltung – mit entsprechenden Trauergewändern, Verzicht auf Schmuck und Körperhygiene sowie mit Asche auf dem Haupt.
So betet sie und spricht Gott als König an. Das zeigt ihre Einstellung: Gott ist der eigentliche König. Kein Artaxerxes, kein Satrape, kein sonstiger Mensch kann ihm so wirklich das Wasser reichen. Er steht über allen Herrschern der Welt. Sie bittet ihn um Hilfe in der bedrohlichen Situation. Sie hat keinen sonst, der mächtig genug wäre, einen königlichen Erlass rückgängig zu machen. Das Gebet der Ester ist nach einem gängigen Gebetsformular aufgebaut: Nach der Bitte zählt sie die Heilstaten Gottes der Vergangenheit auf und bekundet, dass sie von Anfang an den Gott des Heils erzählt bekommen hat. Sie stellt im Gebet Gott vor Augen, dass er das Volk Israel auf besondere Weise auserwählt hat und die Väter in der Vergangenheit immer wieder aus der Not errettet hat. Er war immer treu und hielt seine Versprechen und Verheißungen ein.
Das Volk Israel, Mordechai und Ester weigern sich, sich vor dem König oder irgendeinem Menschen niederzuwerfen und ihn anzubeten, weil sie Gott lieben. Sie sind ihm treu und sind aus diesem Grund nun in Gefahr. Deshalb bittet sie Gott um seinen Beistand, dass er sie rette, da die Israeliten das alles für ihn tun.
Und von diesem heilsgeschichtlichen Rückblick her formuliert sie nun ihre Bitte: „Denk an uns, Herr!“ Er soll auch in der jetzigen Generation sein Versprechen wahr machen, dass das Volk Israel sein besonderes Eigentum ist.
Interessant ist, dass Ester noch von einem Gottesbild ausgeht, das nicht monotheistisch, sondern monolatrisch zu sein scheint. Das bedeutet, dass sie die Existenz anderer Götter nicht ausschließt, der Gott Israels aber der einzige anzubetende Gott sei. Dies klingt durch die Bezeichnung „König der Götter“ an. Es könnte aber auch im Kontext eines Gebets als rhetorische Wendung gemeint sein, ohne wörtliche Bedeutung.
Sie bittet um die richtigen Worte „in Gegenwart des Löwen“. Das zeigt, dass sie den Plan geschmiedet hat, vor den König zu gehen (den Löwen) und ihn umzustimmen. Das ist es, was Jesus dann zu seinen Jüngern sagen wird: „Wenn sie euch aber ausliefern, macht euch keine Sorgen, wie und was ihr reden sollt; denn es wird euch in jener Stunde eingegeben, was ihr sagen sollt. Nicht ihr werdet dann reden, sondern der Geist eures Vaters wird durch euch reden.“ (Mt 10,19-20). Hinter dieser Erzählung ist zudem noch etwas anderes zu erkennen: Die eigentlichen Kämpfe, die wir auszutragen haben, sind geistlicher Natur. Hier kämpft nicht König Artaxerxes gegen die Israeliten, hier kämpft der Böse gegen Gott. Nicht umsonst heißt es im Neuen Testament, dass der Böse wie ein brüllender Löwe umhergeht, um zu sehen, wen er noch verschlingen kann. Dabei spielen die Epoche und der historische Kontext keine Rolle. Die Strategien des Bösen, die Auflehnung gegen Gott und der Hass gegen alles Heilige sind zu jeder Zeit gleich. Deshalb können wir uns mit dieser Geschichte sehr gut identifizieren. Ist nicht auch heute das Gottesvolk ganz und gar in Gefahr und muss viel erleiden im Namen Gottes?
Ester bittet auch darum, dass Gott das Herz des Königs erweicht und er sich so umstimmen lässt. Sie bittet darum, dass der König „unseren Feind hasst und ihn und seine Gesinnungsgenossen vernichtet“. Uns mag diese Art von Bitte befremdlich erscheinen, da sie Gott darum bittet, andere Menschen zu töten. Das ist für damalige Zeiten aber die übliche Weise, Gott um die Besiegung der Feinde zu bitten. Wir können solche Ausdrücke nicht von unserem heutigen modernen Verständnis her bewerten. Was sie damit meint, ist die Besiegung Hamans und seiner Gleichgesinnten, denen das auserwählte Volk Gottes ein Dorn im Auge ist.
Ester setzt ihr ganzes Vertrauen und ihre ganze Hoffnung auf Gott, den sie als den Einzigen nennt, den sie hat. In der heutigen Lesung bleibt offen, wie es dann ausgeht. Wir wissen aber, dass ihre Gebete erhört werden und dass sie es schafft, mit Gottes Hilfe das ganze Volk Israel vor der Vernichtung zu bewahren. Mordechai wird sogar mit besonderer Ehre ausgestattet und erhält den Siegelring, den der König zuvor Haman überreicht hatte. So hat diese fromme Jüdin das ganze Volk gerettet, aber nicht sie selbst, sondern mit der Hilfe Gottes.

Ps 18
2 Ich will dich lieben, HERR, meine Stärke,
3 HERR, du mein Fels und meine Burg und mein Retter; mein Gott, mein Fels, bei dem ich mich berge, mein Schild und Horn meines Heils, meine Zuflucht.
5 Mich umfingen die Fesseln des Todes und die Fluten des Verderbens erschreckten mich.
7 In meiner Not rief ich zum HERRN und schrie zu meinem Gott, er hörte aus seinem Tempel meine Stimme.
17 Er griff aus der Höhe herab und fasste mich, zog mich heraus aus gewaltigen Wassern.
20 Er führte mich hinaus ins Weite, er befreite mich, denn er hatte an mir Gefallen.
29 Ja, du lässt meine Leuchte erstrahlen, der HERR, mein Gott, macht meine Finsternis hell.
50 Darum will ich dir danken, HERR, inmitten der Nationen, ich will deinem Namen singen und spielen.

Der Psalm stellt einen schönen Lobpreis dar, der als Antwort auf die Lesung passt. Schließlich wird Gott das Gebet erhören und sein Volk retten.
„Ich will dich lieben, HERR, meine Stärke“ ist ein typischer Psalmenbeginn. Nicht nur die Selbstaufforderung zum Lob ist oft am Anfang zu lesen, sondern auch eine Liebesbekundung oder eine Willenszusage. Gott ist Davids Stärke, dem wir diesen Lobpreis verdanken, aber auch die Stärke Esters, die mit Gottes Hilfe das ganze Volk vor der Vernichtung bewahrt. So können auch wir alles, was wir zustande bringen, auf Gott verweisen, der uns die Kraft gegeben hat. So werden wir nie überheblich und sind Gott immer dankbar für den Beistand, den er uns tagtäglich sendet.
In diesem Sinne ist auch Vers 3 zu verstehen. Gott ist der Fels, die Burg und der Retter. Er ist also auch die Zuflucht, die wir suchen sollen. Wenn wir uns auf Menschen verlassen und erwarten, dass diese uns glücklich machen, werden wir immer unglücklich und unzufrieden sein. Nur Gott kann uns wirklich dauerhaft trösten und beschützen. Er ist wirklich der Verlässliche, der uns entlasten will.
Immer wieder umfangen die Fesseln des Todes die Israeliten, aber auch uns bis heute. Gefahren sind alle auf ihre Weise die „Fesseln des Todes“ und „die Fluten des Verderbens“. Wir denken an die Sintflut, die alles zerstört hat, nur nicht die Menschen und Tiere auf der Arche. Wir denken auch an die Fluten des Roten Meeres, die die Ägypter unter sich begraben haben. Wir denken aber auch an die Flut des Jordans, die Jesus bei der Taufe unter sich begruben, sodass er mit diesem Sühneakt schon die Erlösungstat andeutete, die er für die ganze Menschheit tun würde. Sein Auftauchen und die Offenbarung als Sohn Gottes sind uns Hoffnungszeichen, dass die Fluten unseres Lebens heute nicht das Ende darstellen, sondern dass wir zusammen mit Christus aus ihnen auftauchen. Er hat den Tod besiegt, weshalb auch wir durch die Taufe zum ewigen Leben neugeboren wurden!
David rief in seiner Not zum Herrn, der ihn aus dem Tempel her erhörte. Dieser Tempel war noch kein fest erbautes Gebäude, sondern das Offenbarungszelt. Wir können es auf Jesus Christus beziehen, der in seiner Todesnot am Kreuz zum Vater geschrien hat. Dieser hat ihn erhört vom Tempel her, der aber nicht nur den herodianischen Tempel Jerusalems meint, sondern vor allem vom Tempel des Leibes Jesu Christi her. Wir können es auch auf Ester beziehen, die in ihrer Not zum Herrn geschrien hat. Vom Tempel her, der nun jede Kirche mit Tabernakel ist, erhört Gott auch auf besondere Weise unsere Rufe, die wir bei ihm in der Eucharistie Zuflucht suchen. Und am Ende der Zeiten wird Gott das Schreien der leidenden Menschen auf Erden vom himmlischen Tempel aus erhören, wenn er in die Geschichte eingreift, um einen neuen Himmel und eine neue Erde zu schaffen.
Gott ist unsere Welt nicht egal. Sie ist seine Schöpfung, die er zum Heil führen will. Deshalb zürnt er und reagiert auf das Unrecht – im Kleinen wie im Großen. Das ist uns ein Trost und so dürfen wir auf das Heil am Ende schauen, auch wenn die derzeitige Situation alles andere als gut ist.

Joh 4
19 Die Frau sagte zu ihm: Herr, ich sehe, dass du ein Prophet bist.
20 Unsere Väter haben auf diesem Berg Gott angebetet; ihr aber sagt, in Jerusalem sei die Stätte, wo man anbeten muss.
21 Jesus sprach zu ihr: Glaube mir, Frau, die Stunde kommt, zu der ihr weder auf diesem Berg noch in Jerusalem den Vater anbeten werdet.
22 Ihr betet an, was ihr nicht kennt, wir beten an, was wir kennen; denn das Heil kommt von den Juden.
23 Aber die Stunde kommt und sie ist schon da, zu der die wahren Beter den Vater anbeten werden im Geist und in der Wahrheit; denn so will der Vater angebetet werden.
24 Gott ist Geist und alle, die ihn anbeten, müssen im Geist und in der Wahrheit anbeten.

Im Evangelium hören wir heute einen Ausschnitt aus dem Gespräch Jesu mit der samaritischen Frau am Jakobsbrunnen. Er hat ihr soeben ins Gesicht gesagt, dass sie bereits fünf Männer hatte und der jetzige Mann nicht ihr rechtmäßiger Mann sei. Er tut es unter anderem, damit die Frau sagt: „Herr, ich sehe, dass du ein Prophet bist.“
Dann sprechen sie über die Anbetungsstätte. Die Frau thematisiert den Konflikt zwischen Juden und Samaritern, die unterschiedliche Anbetungsstätten haben – die Juden auf dem Zionsberg, die Samariter auf dem Garizim. Beide behaupten von sich, den einzig richtigen Anbetungsort zu besitzen. Jesus gibt darauf eine unerwartete Antwort: Weder das eine noch das andere wird in Zukunft relevant sein, denn es wird ein ganz anderer Ort sein, nämlich sein eigener Leib! Jesus sagt nicht, dass weder die eine noch die andere Stätte schlecht ist und wir keinen Ort haben dürfen, wo Gottes Gegenwart anwesend ist. Er sagt dies, weil er erstens die Zerstörung des Tempels in Jerusalem ankündigt, zweitens auf die Universalität des Heils, auf die globale Kirche und seine Realpräsenz in der Eucharistie weltweit hinausweist. Und wenn Jesus dann sagt, dass Gott im Geist und in der Wahrheit angebetet werden wird, dann ist es zutiefst trinitarisch! Den Vater im Geist und in der Wahrheit anzubeten bedeutet im Hl. Geist und in Christus, der die Wahrheit ist! Und die Dreifaltigkeit ist nicht an einen Ort gebunden, so wie der Geist Gottes, das lebendige Wasser nicht aus einem örtlich fixierten Brunnen kommt, sondern aus Christus. Gott ist Geist und deshalb muss er im Geist und in der Wahrheit angebetet werden. Das ganze ist auch moralisch auszulegen: Es wird keinen festen Ort mehr benötigen, weil wenn Gott im Geist und in der Wahrheit auch im moralischen Sinne angebetet wird, der Anbeter selbst gemeint ist. Der Anbeter betet Gott in seinem Herzen an. Er wird seinen gesamten Lebenswandel als einen einzigen Anbetungsakt begreifen und von diesem Verständnis her die Gebote Gottes halten. Anbetung wird dann überall da sein, wo der Mensch den Willen des Vaters tut. Das erinnert uns noch einmal die Hl. Teresia Benedicta vom Kreuz, die ihr ganzes Leben dem Willen des Vaters unterstellt hat:

„Schon jetzt nehme ich den Tod, den Gott mir zugedacht hat, in vollkommener Unterwerfung unter Seinen heiligsten Willen mit Freuden entgegen. Ich bitte den Herrn, dass Er mein Leben und Sterben annehmen möchte zu seiner Ehre und Verherrlichung…“

Hl. Teresia Benedicta vom Kreuz, bitte für uns!

Ihre Magstrauss

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