Freitag der 19. Woche im Jahreskreis

Jos 24,1-13; Ps 136,1-3.16-18.21-23; Mt 19,3-12

Jos 24
1 Josua versammelte alle Stämme Israels in Sichem; er rief die Ältesten Israels, seine Oberhäupter, Richter und Aufsichtsleute zusammen und sie traten vor Gott hin.

2 Josua sagte zum ganzen Volk: So spricht der HERR, der Gott Israels: Jenseits des Stroms wohnten eure Väter von Urzeiten an, Terach, der Vater Abrahams und der Vater Nahors, und dienten anderen Göttern.
3 Da holte ich euren Vater Abraham von jenseits des Stroms und ließ ihn durch das ganze Land Kanaan ziehen. Ich schenkte ihm zahlreiche Nachkommenschaft und gab ihm Isaak.
4 Dem Isaak gab ich Jakob und Esau und ich verlieh Esau das Bergland Seïr, damit er es in Besitz nahm. Jakob aber und seine Söhne zogen nach Ägypten hinab.
5 Dann sandte ich Mose und Aaron und schlug Ägypten, so wie ich es in seiner Mitte getan habe, und dann habe ich euch herausgeführt.
6 Ich führte eure Väter aus Ägypten heraus. Da seid ihr ans Meer gekommen. Die Ägypter aber verfolgten eure Väter mit Wagen und Pferden bis zum Roten Meer.
7 Da schrien eure Väter zum HERRN und er legte zwischen euch und die Ägypter eine Finsternis und ließ das Meer über sie kommen, sodass es sie überflutete. Mit eigenen Augen habt ihr gesehen, was ich in Ägypten getan habe. Dann habt ihr euch lange in der Wüste aufgehalten.
8 Ich brachte euch in das Land der Amoriter, die jenseits des Jordan wohnten. Sie kämpften mit euch, aber ich gab sie in eure Hand; ihr habt ihr Land in Besitz genommen und ich habe sie euretwegen vernichtet.
9 Dann erhob sich der König Balak von Moab, der Sohn Zippors, und kämpfte gegen Israel. Er schickte Boten zu Bileam, dem Sohn Beors, und ließ ihn rufen, damit er euch verflucht.
10 Ich aber wollte keinen Fluch von Bileam hören. Darum musste er euch segnen und ich rettete euch aus seiner Hand.
11 Dann habt ihr den Jordan durchschritten und seid nach Jericho gekommen; die Bürger von Jericho kämpften gegen euch, ebenso die Amoriter, die Perisiter, die Kanaaniter, die Hetiter, die Girgaschiter, die Hiwiter und die Jebusiter und ich gab sie in eure Hand.
12 Ich habe Panik vor euch hergeschickt. Die hat sie vor euch auseinandergejagt, die Könige der Amoriter. Das geschah weder durch dein Schwert noch durch deinen Bogen.
13 Ich gab euch ein Land, um das ihr euch nicht bemüht hattet, und Städte, die ihr nicht erbaut hattet. Ihr habt in ihnen gewohnt und ihr habt von Weinbergen und Ölbäumen gegessen, die ihr nicht gepflanzt hattet.

Josua versammelt die führenden Männer in Politik, Rechtswesen und Religion aus allen Stämmen in Sichem, um sie auf den einen Gott Jahwe zu verpflichten. In Sichem ist ein Heiligtum für Gott errichtet, weshalb diese Versammlung, die in der Forschung als „Landtag von Sichem“ bezeichnet wird, in einem kultischen Kontext stattfindet. Es heißt auch, dass die Stammesvertreter vor Gott treten.
Josua hält daraufhin eine Abschiedsrede, in der er die Ereignisse Revue passieren lässt. Er will nicht einfach in Erinnerungen schwelgen, sondern es geht ihm darum, den Männern vor Augen zu führen, was dieser Gott schon alles für das Volk Israel getan hat. Dieser heilsgeschichtliche Rückblick ist nicht aus der Sicht Josuas formuliert, sondern Gott selbst spricht diese Worte! Er setzt bei Abraham und seinen Vätern an, dem Gott das Land Kanaan bereits gezeigt und verheißen hat. Er lebte zunächst jenseits des Jordan, doch seine Berufung bestand darin, diesseits des Stroms zu leben (aus der Perspektive der jetzt im Hl. Land Lebenden). Als sie noch jenseits des Jordan lebten, verehrten sie fremde Götter. Die Position vom Fluss her gesehen ist gleichsam ein Bild für die Gottesbeziehung. Abraham wird nicht nur aus seiner Heimat weggeholt, sondern auch aus seinem Heidentum. Gott erwies sich Abraham als ein Gott des Lebens, der ihm trotz Unfruchtbarkeit viel Nachkommenschaft schenkte, insbesondere Isaak, den langersehnten Sohn.
Von Isaak stammt das Zwillingspaar Esau und Jakob ab, die ihre Ländereien hatten, doch Jakob zog nach Ägypten mit seinen Söhnen, während Esau im Bergland von Seir blieb.
Einige Generationen später sandte Gott Mose, um das Volk aus Ägypten herauszuführen. Zusammen mit seinem Bruder leitete er das Volk in allem an, kümmerte sich darum, dass alle gut versorgt waren und auf den Willen Gottes hörten, was nicht immer gelang. In Ägypten wirkte Gott durch Mose spektakuläre Wunder, die zehn Plagen. Dann holte er ein ganzes Volk aus Ägypten heraus. Am Roten Meer holten die Ägypter sie aber ein, weil sie sie zurückhaben wollten. Gott ließ das Volk mitten durchs trockene Meer laufen.
Die Israeliten haben sich lange in der Wüste aufgehalten, es waren ganze vierzig Jahre aufgrund der eigenen Sünde. Diese Zeit war eine Zeit der Buße.
Gott stand dem Volk bei, als sie das Land einnahmen. Es war ein Gang über die Schwelle des Jordan, um mit starken Gegnern, den Amoritern, zu kämpfen. Doch Gott war auf ihrer Seite und gab die Gegner in die Hand Israels.
Auch die Moabiter hatten Böses gegen Israel im Sinn. König Balak verlangte von seinem Propheten Bileam, dass dieser Israel verfluche, doch Gott steht über dem Bösen. Sein Segen macht jeden Fluch wirkungslos. So kommt aus dem Munde Bileams nur Segen hervor.
Gegen wen die Israeliten auch kämpften, die Bewohner von Jericho, die Amoriter, die Perisiter, die Kanaaniter, die Hetiter, die Girgaschiter, die Hiwiter und die Jebusiter, Gott ist auf ihrer Seite und so gewinnen sie jeden Kampf.
Immer wieder siegen die Israeliten nicht durch Blutvergießen, sondern weil Gott die Gegner mit Panik schlägt oder diese schon zuvor geschwächt werden.
Schließlich hat Gott den Israeliten ein fruchtbares Land gegeben, das die Israeliten nicht selbst angelegt haben, das sie nicht aufgebaut haben, das sie nicht beackert haben. Es ist eine einzige Gabe, denn sie haben dafür nichts getan.

Ps 136
1 Dankt dem HERRN, denn er ist gut, denn seine Huld währt ewig!
2 Dankt dem Gott der Götter, denn seine Huld währt ewig!
3 Dankt dem Herrn der Herren, denn seine Huld währt ewig!
16 Ihm, der sein Volk durch die Wüste führte, denn seine Huld währt ewig.
17 Ihm, der große Könige schlug, denn seine Huld währt ewig,
18 und mächtige Könige tötete, denn seine Huld währt ewig,
21 und der ihr Land zum Erbe gab, denn seine Huld währt ewig,
22 zum Erbe Israel, seinem Knecht, denn seine Huld währt ewig.
23 Der unser gedachte in unserer Erniedrigung, denn seine Huld währt ewig.

Als Antwort auf die Lesung beten wir eine Danklitanei. Gott ist gut. Das ist der rote Faden des gesamten Gebets. Dadurch, dass eine Gruppe zum Dank Gottes aufgefordert wird, erkennen wir den liturgischen Charakter. Wäre dieser Psalm schon zurzeit Josuas geschrieben worden, hätten die versammelten Israeliten ihn beten können.
Gott ist zu danken, weil er gut ist. Immer wieder heißt es, dass Gottes Huld ewig währt. Er ist nicht heute gütig und barmherzig zu uns und ändert seine Haltung am morgigen Tag. Er hat nicht heute Heilspläne und morgen Unheilspläne. Er ist treu und beständig. Er ist derselbe gestern, heute und in Ewigkeit. Er hält seine Versprechen. Das ist uns an den Gottesworten aus dem Mund Josuas einmal mehr deutlich geworden.
Gott ist der „Gott der Götter“. Zu jener Zeit müssen die Israeliten noch lernen, dass es nur einen Gott gibt und die anderen Götter „Nichtse“ sind. Bisher haben sie zumindest einen Monolatrismus entwickelt, also das Verständnis, dass ihr Gott über allen anderen Göttern steht und nur er anzubeten ist. Es gibt schon Tendenzen des Monotheismus, besonders bei David, der seiner Zeit stets voraus ist. Zugleich müssen wir bedenken, dass ein Psalm ein poetischer Text ist, in dem viele bildhafte Wendungen vorkommen. Deshalb ist „Gott der Götter“ durchaus rhetorisch zu begreifen.
Gott ist auch „Herr der Herren“, er ist der eigentliche Herrscher, vor dem sich die irdischen Herrscher beugen müssen.
Er ist ein richtiger Hirte, der das Volk Israel gleichsam durch das Tal des Todes führte (Ps 23), die die Wüste ist.
Mit Gottes Hilfe konnte Israel sogar Völker besiegen, die objektiv und menschlich gesehen viel stärker und besser ausgerüstet waren als sie. Doch wenn wir zum Beispiel an die Eroberung Jerichos denken, wird uns klar, dass Gott den Sieg hervorgebracht hat. Sie haben ihn ja lange gepriesen und Lobpreis unternommen. Mitten in eine liturgische Handlung hinein, sind die Mauern Jerichos gefallen. Gott ist stärker als die stärksten Feinde seines auserwählten Volkes. Das muss uns nachdenklich machen, sodass wir unsere Haltung gegenüber den Mächtigen dieser Welt überdenken müssen. Wenn Gott viel mächtiger ist als sie, dann müssen auch wir in einen Lobpreis und eine Anbetung Gottes einstimmen, damit Gott in unserer Situation eingreift. Dann werden auch wir große Zeichen sehen.
Gott hat Israel ein ganzes Land gegeben. Das ist ein großes Geschenk. Nun liegt es an Israel, sich dankbar zu erweisen.
Israel ist erniedrigt worden. Wir denken an die Zeit in Ägypten, als die Israeliten zu Sklaven gemacht worden sind. Sie mussten vierzig Jahre in der Wüste umherziehen. Das war bestimmt nicht angenehm, denn das war nicht ihre Berufung. Sie sollten sich ansiedeln in festgebauten Städten. Am Ende haben sie dies aber bekommen. Gott hat sein Versprechen eingelöst, das er schon Abraham gegeben hat und seinen Nachkommen wiederholt hat. Was Gott verheißt, das trifft ein.
So ist es auch mit dem Kommen des Messias. Die Israeliten haben lange auf ihn gewartet, aber dann ist er zu ihnen gekommen. Und wenn der Herr uns verspricht, dass er wiederkommen wird am Ende der Zeiten, dann dürfen wir darauf vertrauen, dass er sein Versprechen hält. Wenn er uns zusagt, immer bei uns zu sein als der Immanuel, dann wird er dieses Versprechen auch einhalten. Er ist es ja auf besondere Weise in jeder Hl. Messe, sein Hl. Geist ist uns ein treuer Beistand an jedem Tag, damit wir den Willen Gottes stets erkennen und erfüllen können. Auch wir haben so viele Gründe, weshalb wir beten können: Denn seine Huld währt ewig. Gott wirkt in unserem Leben so viel Gutes, dass wir nicht anders können, als mit Lobpreis darauf zu antworten.

Mt 19
3 Da kamen Pharisäer zu ihm, um ihn zu versuchen, und fragten: Darf man seine Frau aus jedem beliebigen Grund aus der Ehe entlassen?

4 Er antwortete: Habt ihr nicht gelesen, dass der Schöpfer sie am Anfang männlich und weiblich erschaffen hat
5 und dass er gesagt hat: Darum wird der Mann Vater und Mutter verlassen und sich an seine Frau binden und die zwei werden ein Fleisch sein?
6 Sie sind also nicht mehr zwei, sondern ein Fleisch. Was aber Gott verbunden hat, das darf der Mensch nicht trennen.
7 Sie sagten zu ihm: Wozu hat dann Mose vorgeschrieben, der Frau eine Scheidungsurkunde zu geben und sie aus der Ehe zu entlassen?
8 Er antwortete: Nur weil ihr so hartherzig seid, hat Mose euch gestattet, eure Frauen aus der Ehe zu entlassen. Am Anfang war das nicht so.
9 Ich sage euch: Wer seine Frau entlässt, obwohl kein Fall von Unzucht vorliegt, und eine andere heiratet, der begeht Ehebruch.
10 Da sagten seine Jünger zu ihm: Wenn das Verhältnis des Mannes zur Frau so ist, dann ist es nicht gut zu heiraten.
11 Jesus sagte zu ihnen: Nicht alle können dieses Wort erfassen, sondern nur die, denen es gegeben ist.
12 Denn manche sind von Geburt an zur Ehe unfähig, manche sind von den Menschen dazu gemacht und manche haben sich selbst dazu gemacht – um des Himmelreiches willen. Wer es erfassen kann, der erfasse es.

Im Evangelium geht es heute um Braut und Bräutigam, Treue und Unauflöslichkeit des Ehebundes. Diesmal hören wir von einer Intrige, die Jesus durchschaut. Die Pharisäer wollen ihn auf die Probe stellen und ihn dazu provozieren, gegen Mose zu sprechen. Sie fragen Jesus: „Darf man seine Frau aus jedem beliebigen Grund aus der Ehe entlassen?“ Mose hat es erlaubt, wenn „sie ihm dann aber nicht gefällt“ (Dtn 24,1). Wenn Jesus also mit Nein antwortet, würde er sich dadurch gegen Mose auflehnen. Jesus antwortet aber ganz im rabbinischen Stil mit einer Gegenfrage: „Habt ihr nicht gelesen, dass der Schöpfer sie am Anfang männlich und weiblich erschaffen hat…?“ Jesus verlässt die juristische Ebene der Pharisäer-Frage und hebt die Diskussion auf die Ebene des göttlichen Rechts. Nicht das, was Mose erlaubt hat, ist das Höchste der Gefühle, sondern was Gott von Anfang an geboten hat. Und er hat den Menschen als Mann und Frau geschaffen und dann zu dem ersten Menschenpaar gesagt: „Darum wird der Mann Vater und Mutter verlassen und sich an seine Frau binden und die zwei werden ein Fleisch sein.“ Das zitiert er, um auf die Pointe hinzuführen: Sie sind also nicht mehr zwei, sondern ein Fleisch. Was aber Gott verbunden hat, das darf der Mensch nicht trennen.“ Die Ehe ist unauflöslich, weil sie die Liebe Gottes widerspiegelt. Und wie Gottes Liebe ist, das haben wir soeben in der Danklitanei gebetet – seine Huld währt ewig. Selbst wenn seine Braut ihn immer wieder betrügt, bleibt er ihr treu und vergibt ihr immer wieder. Das wird auch in der Abschiedspredigt Josuas deutlich, als er einen heilsgeschichtlichen Rückblick aus dem Munde Gottes vornimmt. Das ist die göttliche Liebe, die das Ehepaar reflektieren muss. So wollte es Gott höchstpersönlich. Kein Mensch kann das antasten, selbst wenn er wollte.
Die Pharisäer lassen nicht locker und rechtfertigen ihre Frage mit Berufung auf die große Heilsgestalt Mose: „Wozu hat dann Mose vorgeschrieben, der Frau eine Scheidungsurkunde zu geben und sie aus der Ehe zu entlassen?“ Daraufhin sagt Jesus klipp und klar, dass Mose dies nur wegen der Hartherzigkeit der Israeliten zugelassen hat, obwohl es am Anfang nicht so war. An dieser Stelle muss erwähnt werden, dass es zur Zeit Jesu in der Auslegung der Torah die Tendenz gab, zwischen Mose und Mose zu unterscheiden. Das heißt man setzte unterschiedliche Prioritäten innerhalb der fünf Bücher Mose, weil man annahm, dass die Zehn Gebote, die Gott vom Sinai aus gab, das Höchste seien. Nach der Anbetung des goldenen Kalbs zerbrach Mose diese ja und erhielt neue, musste dann aber wegen der unverständigen Israeliten noch weitere Gesetze veranlassen, zu denen z.B. dieser Kompromiss der Scheidungsurkunde gehört. Aber Gottes Gebote sind das Allerhöchste und somit allem vorzuziehen. Was Gott Adam und Eva angeordnet hat, ist also das Höchste und gilt schon längt, bevor es die Zehn Gebote gibt. Jesus argumentiert also auf Basis dieser Auslegung der Torah. Deshalb schließt er daraus, dass ein Mann, der sich von seiner Frau scheiden lässt und eine andere heiratet, Ehebruch begeht. Dieser Vers muss richtig verstanden werden, weil die Einheitsübersetzung unglücklich ist: „Obwohl kein Fall von Unzucht vorliegt“ steht im Griechischen nicht. Dort heißt es „außer bei Unzucht“. An anderer Stelle heißt es sogar, dass der Mann die Frau zur Ehebrecherin mache, wenn er sich von ihr scheiden lasse. Was hat das alles zu bedeuten? Die Ehe ist trotz Scheidung weiterhin wirksam und wenn man die Frau aus der Ehe entlässt, wird sie keine Mittel haben, selbstständig weiterzuleben. Sie wird gezwungen sein, einen anderen Mann zu heiraten und das wäre dann Ehebruch. Man liefert sie also dem Ehebruch aus. Es heißt „außer im Fall von Unzucht“, weil es den Fall anspricht, wo die Frau bereits Unzucht begangen hat. Dann ist nicht der Mann der Auslieferer in den Ehebruch, sondern sie hat es selbst aktiv getan. Man darf aus dieser Bibelstelle auf keinen Fall schließen, dass Jesus eine Scheidung bei Ehebruch erlaube. Die Ehe ist unauflöslich und eben nicht auflösbar unter welchen Bedingungen auch immer. Das entspricht nicht dem Wesen Gottes, dessen Liebe und Treue ewig und unauflöslich ist, wie gesagt.
Jesu Worte sind kompromisslos und schwer verdaulich. Deshalb sagen seine Jünger auch: „Wenn das Verhältnis des Mannes zur Frau so ist, dann ist es nicht gut zu heiraten.“ Vielleicht ist diese Aussage aber auch nicht auf das von Christus geforderte Verhalten zu beziehen, sondern auf den Mann, der sich von der Frau aus Gründen scheiden lässt, die total subjektiv und ungerechtfertigt sind (Dtn 24 „weil sie ihm nicht mehr gefällt“). Eines ist klar – die Ehe ist nicht für jeden etwas. Und deshalb sagt Jesus auch: „Nicht alle können dieses Wort erfassen, sondern nur die, denen es gegeben ist.“ Zur Ehe muss man berufen sein. Das ist eine ganz große Verantwortung und ein großes Versprechen, das man gibt. Viel zu viele Brautleute legen bis heute leichtfertig ihr Ehegelübde vor dem Traualtar ab, doch begreifen gar nicht, worauf sie sich einlassen. Sie heiraten vielleicht gar nicht den Partner, den Gott für sie bereitet hat. Sie werden unglücklich, weil sie mit dem Kopf durch die Wand rennen wollen. Jesus geht noch weiter und sagt, dass es auch Menschen gibt, die entweder von Anfang an gar nicht zur Ehe fähig sind – und das betrifft die verschiedenen Bereiche des Lebens, nicht nur die körperliche Unfähigkeit im Sinne der Impotenz (diese ist ein Ehehindernis im Gegensatz zur Unfruchtbarkeit). Es kann auch die psychische Reife meinen oder das charakterliche Unvermögen. Und dann gibt es Menschen, die sich freiwillig zu Eunuchen machen, das heißt die zölibatär Leben um des Himmelreiches willen. Das sind jene, die eine geistliche Berufung haben und mit einem Bein bereits in der Ewigkeit leben. Es gibt auch jene, die von den Menschen dazu gemacht worden sind. Dieser Fall ist zu jeder Zeit in jeder Kultur bekannt. Darauf muss ich nicht genauer eingehen.
Was Jesus hier erklären möchte, ist nicht einfach. Viele erfassen es eben nicht, was er sagt, vor allem in einer jüdischen Gesellschaft, in der es undenkbar ist, ehelos zu sein. Jeder Mann muss bis zu seinem 20. Lebensjahr verheiratet sein. Ehelose um des Himmelreiches willen werden demnach verlacht. Jesus und seine Jünger sind offensichtlich als Eunuchen beschimpft worden und gelten nicht als volle männliche Wesen. Umso revolutionärer sind Jesu Worte hier, dass die Ehe nicht ein Gut ist, auf das jeder so oft und auf welche Weise auch immer ein Recht hat. Sie ist Sakrament und von Gott selbst gestiftet. Sie spiegelt seine ewige Liebe und Treue wider, das heißt auch, dass wenn Mann und Frau eins sind, Gott der dritte im Bunde ist, er mitten unter ihnen ist. Das ist eine große Verantwortung und auch manchmal eine Bürde, die lebenslang zu tragen ist.

Ihre Magstrauss

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