Mittwoch der 29. Woche im Jahreskreis

Röm 6,12-18; Ps 124,1-2.3-4.5-6.7-8; Lk 12,39-48

Röm 6
12 Daher soll die Sünde nicht mehr in eurem sterblichen Leib herrschen, sodass ihr seinen Begierden gehorcht.

13 Stellt eure Glieder nicht der Sünde zur Verfügung als Waffen der Ungerechtigkeit, sondern stellt euch Gott zur Verfügung als Menschen, die aus Toten zu Lebenden geworden sind, und stellt eure Glieder als Waffen der Gerechtigkeit in den Dienst Gottes!
14 Denn die Sünde wird nicht mehr über euch herrschen; denn ihr steht nicht unter dem Gesetz, sondern unter der Gnade.
15 Was heißt das nun? Sollen wir sündigen, weil wir nicht unter dem Gesetz stehen, sondern unter der Gnade? Keineswegs!
16 Wisst ihr nicht: Wenn ihr euch als Sklaven zum Gehorsam verpflichtet, dann seid ihr Sklaven dessen, dem ihr gehorchen müsst; ihr seid entweder Sklaven der Sünde, die zum Tod führt, oder des Gehorsams, der zur Gerechtigkeit führt.
17 Gott aber sei Dank; denn ihr wart Sklaven der Sünde, seid jedoch von Herzen der Gestalt der Lehre gehorsam geworden, an die ihr übergeben wurdet.
18 Ihr wurdet aus der Macht der Sünde befreit und seid zu Sklaven der Gerechtigkeit geworden.

In der heutigen Lesung hören wir aus der wunderbaren Taufparänese des Paulus. Er fasst zusammen, was die Taufe eigentlich im Menschen bewirkt und weshalb er deshalb von da an ein anderes Leben führen muss als bisher. Zuvor sagt Paulus, dass wir durch die Taufe mit Christus gestorben sind, unser alter Mensch mitgekreuzigt wurde. So wie wir mit Christus gestorben und auch begraben sind, so werden wir auch mit ihm auferstehen. Wenn der alte Mensch nun aber ganz vernichtet ist, heißt das, dass wir für die Sünde tot sind. Wir können nicht mehr das alte sündhafte Leben führen, sondern leben im Bewusstsein unserer Gotteskindschaft nach seinen Geboten. Also gilt weiterhin das Halten der Gebote, aber eben nach der Erlösung! Im heutigen Abschnitt kommen nun die Aufforderungen zu einem christlichen Leben:
Wir sollen nicht mehr auf die Begierden hören und unseren Leib nicht mehr von der Sünde beherrschen lassen. Das griechische Wort soma für den Leib signalisiert etwas Umfassendes, nicht einfach nur den Körper des Menschen, sodass Paulus mehr als nur fleischliche Sünden meint: Wir müssen uns bewusst sein, dass auch wenn wir neugeboren sind im hl. Geist, immer noch unserem sterblichen Leib anhaften, das heißt der alten Schöpfung anhaften. Wir neigen immer noch zum Bösen und müssen uns davor hüten, der Versuchung nachzugeben, die uns immer noch ereilt. Es ist ein täglicher Kampf und eine tägliche Entscheidung für die Gotteskindschaft.
Vielmehr sollen wir unser ganzes Leben Gott in den Dienst stellen. Paulus greift im Grunde auf, was Christus in den Evangelien sagt: Man kann nicht zwei Herren dienen. Als Gotteskinder sollen wir Gott dienen mit allem, Körper, Geist und Seele. Wir sind seine Werkzeuge, ja seine Waffen, denn es ist eine geistliche Schlacht, die auf Erden tobt, bis der Böse nicht endgültig besiegt ist. Deshalb sollen wir Gottes Waffen sein, nämlich der Gerechtigkeit statt der Ungerechtigkeit.
Wir haben die Kraft, so zu sein durch die Gnade, nicht durch das Gesetz, das heißt durch die Torah. Gemeint ist, dass wir gerechtfertigt und deshalb stark sind dank der Gnade Gottes, die uns in der Taufe geschenkt wurde. Wir sind nicht stark aufgrund unserer selbst verdienten Erlösung, indem wir die Torah gehalten haben. Die Gnade Gottes ist dagegen so stark, dass er uns auch noch nach der Taufe die Schuld vergibt. Das heißt aber im Umkehrschluss nicht, dass wir drauf lossündigen können, da Gott uns durch seine Gnade schon die Sünden vergeben wird. Das ist billige Gnade und wir stellen Gott auf die Probe! Wir schaden uns nur selbst, wenn wir leichtfertig in Sünde fallen, um Gnade von Gott zu erhalten. Es ist ja eine erneute Versklavung unter die Sünde, von der uns Gott doch freigemacht hat. Wer geht freiwillig in eine Sklaverei zurück, wenn er bereits befreit worden ist! Besser ist es also, und da schreibt Paulus wieder rhetorisch brillant, dass man sich freiwillig zum „Sklaven“ des Gehorsams macht, also Gott gehorsam unterstellt. Das macht nämlich wirklich frei und das Herz weit. Gott weiß, was uns zum Guten dient und glücklich macht. Gott gehorsam zu sein und das tun zu wollen, was Gott will, stellt die wirkliche Freiheit dar.

Ps 124
1 Ein Wallfahrtslied. Von David. Wäre es nicht der HERR gewesen, der da war für uns, so soll Israel sagen,

2 wäre es nicht der HERR gewesen, der da war für uns, als sich gegen uns Menschen erhoben, 
3 dann hätten sie uns lebendig verschlungen, als gegen uns ihr Zorn entbrannte, 
4 dann hätten die Wasser uns weggespült, hätte sich über uns ein Wildbach ergossen, 
5 dann hätten sich über uns ergossen die wilden und wogenden Wasser.

6 Der HERR sei gepriesen, der uns ihren Zähnen nicht zur Beute gab.
7 Unsre Seele ist wie ein Vogel dem Netz des Jägers entkommen; das Netz ist zerrissen und wir sind frei. 
8 Unsere Hilfe ist im Namen des HERRN, der Himmel und Erde erschaffen hat. 

Heute danken wir mit dem Psalm Gott, der uns aus der Gefahr rettet. Es handelt sich um ein Wallfahrtslied, das zu den Festen gebetet worden ist. Israel soll über Gottes Heilstat nachsinnen. Diese Rettung betrifft wiederum nicht das irdische Leben, sondern das ewige. Wir hörten bereits in der Lesung davon, was unsere Seele rettet und frei macht.
Der Herr ist es, der das Volk Israel gerettet hat von den Feinden, die es sonst lebendig verschlungen hätten. Es ist politisch zu verstehen als Rettung aus dem babylonischen Exil oder aus dem Sklavenhaus Ägyptens.
Es bezieht sich auch auf die Menschheit, die ohne die Erlösung Jesu Christi das ewige Leben nicht gehabt hätte. Es bezieht sich auch auf die Kirche, durch die die Erlösung den Menschen angeboten wird in der Taufe. Das bezieht sich auf die Möglichkeit zur Beichte, um Versöhnung zu erlangen und so in den Stand der Gnade zurückkehren zu können. Das bezieht sich auch auf das Ende des Lebens, wenn wir vom ewigen Kampf erlöst sein werden und nicht mehr leiden müssen (im besten Fall).
In diesem Psalm wird die Wassermetapher nicht wie sonst als lebendiges Wasser und Bild für den Hl. Geist verwendet, sondern als lebensbedrohlicher Faktor. Wenn wir auch gerade über Sünde und ewiges Leben sprechen, macht das Bild absolut Sinn und erinnert an die Sintflut und das Rote Meer, die auch die Konsequenz der Sünde waren.
Die Feinde Israels werden wir Raubtiere dargestellt, die mit ihren Zähnen die Beute zerfleischen wollen. Sie sind lebensfeindlich, weil es Feinde Gottes sind. Der eigentlich bedrohliche Feind ist nicht der politische, sondern religiöse und dabei nicht mal der sichtbare, sondern unsichtbare. So wie damals ist es auch heute: Unser eigentlicher Feind, gegen den wir bis zum Schluss kämpfen müssen, ist der Widersacher Gottes mit seinen Versuchungen und Strategien, den Menschen von Gott wegzuziehen.
Wir, die wir erlöst sind, können aber wirklich sagen, dass wir frei sind. Frei von dem unausweichlichen Schicksal der Hölle trotz der Angriffe des Bösen. In die Hölle kommt nur hinein, wer es auch will. Wenn wir getauft sind und uns immer um unsere Berufung bemühen, müssen wir dieses letzte Los nicht fürchten.
„Unsere Hilfe ist im Namen des HERRN, der Himmel und Erde geschaffen hat“. Diese Hilfe (hebr. עֵזֶר ezer) ist Gott, der Vater, der alles geschaffen hat. Er ist unser Beistand!

Lk 12
49 Ich bin gekommen, um Feuer auf die Erde zu werfen. Wie froh wäre ich, es würde schon brennen!

50 Ich muss mit einer Taufe getauft werden und wie bin ich bedrängt, bis sie vollzogen ist.
51 Meint ihr, ich sei gekommen, um Frieden auf der Erde zu bringen? Nein, sage ich euch, sondern Spaltung.
52 Denn von nun an werden fünf Menschen im gleichen Haus in Zwietracht leben: Drei werden gegen zwei stehen und zwei gegen drei;
53 der Vater wird gegen den Sohn stehen und der Sohn gegen den Vater, die Mutter gegen die Tochter und die Tochter gegen die Mutter, die Schwiegermutter gegen ihre Schwiegertochter die Schwiegertochter gegen die Schwiegermutter.

Im Evangelium hören wir heute eine sehr drastische Passage. Jesus sagt ganz unverblümt, dass er gekommen ist, um Feuer zu bringen, nicht Frieden. Das muss man richtig verstehen, denn natürlich ist es im Gesamt doch so, dass Jesus Frieden bringt, nämlich als übernatürliche Gabe des Hl. Geistes. Aber Christus stellt die Menschen damals und auch heutzutage uns vor die Wahl. Bei Ihm gibt es kein Jein, entweder Ja oder Nein. Und das ist das „Spalterische“, was er meint. Die Einen werden Christus und seine Botschaft annehmen, die Anderen nicht. Deshalb kommt es zu Uneinigkeiten in den Familien. Jesus kündigt diese Probleme schon für die erste Christengeneration an. Es ist wirklich ein Kreuz, das man mit dem Glauben an Christus auf sich nimmt. Aber die Bereitschaft zu diesem Opfer macht den wahren Jünger Jesu Christi aus.
Aber was meint Jesus mit der Taufe, mit der er getauft werden muss? Er ist doch schon von Johannes getauft worden? Die Taufe, die Jesus hier andeutet, ist die sogenannte Bluttaufe als Umschreibung für das Martyrium. Er kündigt hier seinen Tod an, den er sterben wird zur Sühne der ganzen Menschheit.
Jesus sagt, dass wer sein irdisches Leben krampfhaft festhält, das ewige Leben verlieren wird. Und wer um seinetwillen das irdische Leben verliert, dafür das ewige Leben gewinnen wird. Dazu zählen auch die Abstriche trotz Behalten des irdischen Lebens. Wer also Uneinigkeit in der Familie in Kauf nimmt und dadurch bereit zu vielen Leiden ist, wird mit dem ewigen Leben belohnt werden.
Gott muss an allererster Stelle stehen. Wer nämlich die Eltern oder Kinder über Gott stellt, kann nicht Jünger Jesu sein. Das würde nämlich bedeuten, dass Eltern oder Kinder zum Götzen werden. Vielmehr besteht die richtige Priorisierung in der Ableitung der Eltern- und Kinderliebe aus der Gottesliebe. So ist es ein Liebesdienst, der sich aus der ersten Liebe speist und übernatürlich ist. Das Doppelgebot der Liebe ist aber der Kern des Evangeliums, die Zusammenfassung des Gesetzes und der Propheten sowie das Gütesiegel der Jüngerschaft. Das heißt nicht, dass man seine Eltern als Christ nicht mehr lieben darf, ebenso wenig, dass man die Kinder lieben darf. Es geht darum, dass Gott trotz dieser Liebe immer wichtiger sein soll. Erstens soll es uns immer zuerst um das Reich Gottes gehen und in erster Linie sind wir als Christen Kinder Gottes. Er ist unser erster und eigentlicher Vater und unsere erste Mutter. Im zweiten Schritt sind wir Menschen in einer irdischen Familie, die physisch zusammenhängt. Nicht umsonst bestehen die ersten drei Gebote des Dekalogs aus Gottesliebe-Geboten. Das vierte bis zehnte Gebot fußt sodann auf der Nächstenliebe. Zweitens können wir nur aus der Gottesliebe heraus so richtig unsere Eltern und Kinder lieben. Alles andere ist auf menschliche Kapazitäten beschränkt. Wir sollen aber so weit gehen, sogar für sie zu sterben. Können wir das aus rein menschlicher Kraft? Würden Sie für Ihren Vater Ihr Leben hingeben, wenn er die Familie verlassen hat? Würden Sie für ihren Ehepartner sterben, wenn er fremdgegangen ist? Da merken wir dann, wie schnell wir mit unseren menschlichen Kapazitäten an unsere Grenzen kommen. Deshalb muss zuerst die Gottesliebe gegeben sein. Alles andere wird dann den richtigen Platz und das richtige Maß erhalten.
Jesus kommt nicht, um Friede, Freude, Eierkuchen zu bringen. Er möchte keinen faulen Frieden, bei dem die Uneinigkeit und Spaltung, die ja schon längst da sind, einfach unter den Teppich gekehrt werden. Er möchte den wahren Frieden bringen und dazu benötigt es manchmal das Aufkochen des Konflikts, die Konfrontation und das Hochspülen des verdrängten Drecks. Das gilt auch für die Missstände in der Kirche von heute. Hier geht es aber zunächst um die Entscheidung für oder gegen ihn. Das ist ja schon das Thema in der Lesung gewesen und mit Blick auf die Taufe auch in der Lesung. Wir müssen aktiv Ja sagen zu ihm, denn es geht beim Bund mit Gott um Liebesbeziehung. Liebe kann aber nicht unter Zwang funktionieren und der Mensch muss Gott freiwillig annehmen. Wenn es die anderen Familienmitglieder aber nicht so sehen, kommt es zu Konflikten.
Das Besondere an Jesu Verkündigung ist: Er hat das Reich Gottes immer unverblümt und zutiefst realistisch verkündet. Er hat nie etwas beschönigt oder verharmlost. Er hat ganz klar gesagt, was die Christen erwartet – die Verfolgung, Beschimpfung in seinem Namen, ein Hindurchzwängen durch die enge Tür, ein Weg der Entsagung – aber auch des langfristigen Segens und ewigen Heils im Himmelreich.
Der Höhepunkt dieser schonungslosen Realität besteht im Kreuzestod. Was gibt es Unattraktiveres als das Kreuz! Und doch ist genau dies der Ort der Liebe, wie Paulus erklärt. Wer dieses Kreuz umarmt und sich berühren lässt von der unbegreiflichen Liebestat Gottes, der wird von der Fülle seiner Liebe überwältigt. Wer diesen Weg dennoch einschlägt, der wird wahren Frieden empfangen.
Wir merken: Jesus geht einen ganz anderen Weg als die Welt. Er bewirbt sich nicht mit den Strategien, die die Welt aufgreift. Und doch hat seine Heilstat die ganze Welt verändert. Gebe er uns, dass wir uns nie von der Logik Gottes abwenden und aus seiner Kraft und Gnade heraus den Weg in die Ewigkeit bestreiten. Dabei sind wir ja nie allein.

Ihre Magstrauss

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