2. Dezember: Hl. Luzius von Chur

Liebe Freunde,

wie so oft haben wir heute mehrere Heilige zur Auswahl. Unter anderem ist heute auch der Gedenktag des Propheten Habakuk, einem der zwölf „kleinen“ Propheten des Alten Testaments. Doch der Heilige, mit dem wir uns heute etwas mehr befassen, ist der hl. Luzius, Bischof von Chur. Das liegt daran, dass er im liturgischen Kalender besonders hervorgehoben wird und sogar eigene Schrifttexte besitzt.

Luzius lebte und wirkte im 5./6. Jahrhundert im Prättigau in der Schweiz. Sein Ursprung ist nicht gesichert, womöglich ist dies auch seine Heimat, andernfalls wird England vermutet. Es ist bekannt, dass Luzius in Rätien wirkte, unklar ist, ob er als erster Bischof von Chur geweiht worden ist und ob er als Märtyrer starb. Umso mehr ranken sich Legenden um den Heiligen. In einer Legende heißt es, dass Luzius ein britischer König war, der seine Heimat verließ, um in Augsburg und dann in ganz Rätien zu evangelisieren. Dies soll aber laut Bistum Chur ein Missverständnis sein, denn in den Quellen heiße es Pritanni und nicht Britannia, was auf Prättigau zu beziehen ist und nicht auf Britannien. Die Legende berichtet, dass Luzius einen Bären, der einen seiner Ochsen tötete, dazu brachte, mit dem anderen Ochsen den Pflug zu ziehen. Luzius soll immer wieder in Todesgefahr gewesen sein, überlebte diese Situationen aber. Er soll zum Beispiel durch Heiden in einen Brunnen geworfen worden sein, aber die Gläubigen holten ihn noch rechtzeitig heraus. Am 2. Dezember soll er einer anderen Überlieferung nach in der Burg Martiola gesteinigt worden sein, wo heute der Churer Dom errichtet worden ist. Es gibt eine andere Legende, die besagt, dass Luzius Urenkel des Königs Arviragus, Enkel des Marius und Sohn des Coillus gewesen sei, von dem er 156 die Regierung übernahm und ehelos sowie kinderlos blieb.
Seine Attribute sind Zepter, Krone, Bär und Ochse. Er ist der Patron der Stadt und des Bistums Chur.

Auch wenn von ihm nur wenig bekannt ist, so ist er dennoch ein uns regional sehr naher Heiliger. Im heutigen Evangelium nach Johannes wird passend für den Tagesheiligen die Rede Jesu vom guten Hirten gewählt.

Joh 10
11 Ich bin der gute Hirt. Der gute Hirt gibt sein Leben hin für die Schafe.
12 Der bezahlte Knecht aber, der nicht Hirt ist und dem die Schafe nicht gehören, sieht den Wolf kommen, lässt die Schafe im Stich und flieht; und der Wolf reißt sie und zerstreut sie. Er flieht,
13 weil er nur ein bezahlter Knecht ist und ihm an den Schafen nichts liegt.
14 Ich bin der gute Hirt; ich kenne die Meinen und die Meinen kennen mich,
15 wie mich der Vater kennt und ich den Vater kenne; und ich gebe mein Leben hin für die Schafe.
16 Ich habe noch andere Schafe, die nicht aus diesem Stall sind; auch sie muss ich führen und sie werden auf meine Stimme hören; dann wird es nur eine Herde geben und einen Hirten.
17 Deshalb liebt mich der Vater, weil ich mein Leben hingebe, um es wieder zu nehmen.
18 Niemand entreißt es mir, sondern ich gebe es von mir aus hin. Ich habe Macht, es hinzugeben, und ich habe Macht, es wieder zu nehmen. Diesen Auftrag habe ich von meinem Vater empfangen.

Jesus sagt, dass er der gute Hirt ist. Also muss es auch schlechte Hirten geben. Er erklärt im Folgenden den Unterschied. Ein guter Hirte gibt sein Leben für die Schafe hin. Er beschützt sie mit seinem Leben. Das kann Jesus wirklich ganz von sich sagen. Er hat sein Leben hingegeben für die Herde Gottes, damit sie das ewige Leben bei Gott haben kann. Und wie ist dieser Heilsplan umgesetzt worden? Gott, der gute Hirt aus Psalm 23, der natürlich hinter Jesu Worten steht, war bereit, eines der Schafe zu werden, das makellose Lamm unter den anderen Lämmern, um hingegeben zu werden als Opferlamm des neuen Pascha. Christus, der Hirte und das Lamm in einem, der Hohepriester und das Opfer in einem.
Ein bezahlter Knecht, dem die Schafe nicht gehören, macht lediglich seinen Job, für den er Geld erhält. Wenn aber ein Problem auftritt, rettet er sein eigenes Leben anstatt die Herde. Er flieht vor dem Wolf, weil ihm die Schafe egal sind. Jesus dagegen ist kein bezahlter Knecht, sondern er bezahlt – mit seinem eigenen Leben. Ihm liegt nicht nur etwas an den Schafen, sondern die Schafe bedeuten ihm alles. Er kennt sie durch und durch. Es besteht ein inniges und vertrautes Verhältnis analog zu seiner Beziehung mit dem Vater. Das ist ein wichtiger Hinweis, damit wir verstehen, dass aus dieser innigen Gemeinschaft heraus Hingabe erwächst. Jesus gibt sich hin für die Schafe, weil zwischen ihm und dem Vater diese Hingabe besteht.
Ab Vers 16 macht Jesus einen wichtigen Hinweis, der die Zuhörer darauf vorbereitet, dass seine Erlösungstat und der Neue Bund nicht mehr nur mit dem Volk Israel geschlossen wird, sondern mit der ganzen Welt: „Ich habe noch andere Schafe, die nicht aus diesem Stall sind; auch sie muss ich führen und sie werden auf meine Stimme hören.“ Er kündigt an, dass auch die Heiden sich bekehren werden. Auch sie werden gesammelt für das neue Gottesvolk. Es wird eine einheitliche Herde sein, in der die Einteilung in Juden und Heiden nicht mehr bestehen wird. Das einende Element wird die Taufe sein, von der es im Gal 3,28 heißt: Es gibt nicht mehr Juden und Griechen, nicht Sklaven und Freie, nicht männlich und weiblich; denn ihr alle seid einer in Christus Jesus. Diese Einheit durch die Taufe und den dadurch empfangenen Hl. Geist ist ein Vorgeschmack auf die Einheit aller Menschen im Reich Gottes. Was in der Kirche noch unvollkommen da ist durch die Beeinträchtigungen der sündigen Menschen, wird sich eines Tages durchsetzen gegen die Bosheiten und Nachstellungen des Bösen. Dann wird wirklich nur noch eine Herde zusammenkommen zum himmlischen Zion und auf die Stimme des Hirten Christus hören.
Der Vater liebt den Sohn, weil er sein Leben hingibt, um es wieder zu empfangen. Jesus verliert sein biologisches Leben, um der gesamten Menschheit das ewige Leben zu ermöglichen. Und in diesem Ausdruck, „es wieder zu nehmen“ sagt er im Grunde seine eigene Auferstehung voraus. Er wird sein Leben verlieren, nur um es wiederzuerlangen, aber nicht mehr auf die Weise wie vor seinem Tod, sondern auf noch viel vollkommenere Weise. Das ist uns ein großes Hoffnungszeichen: Auch uns möchte er ein neues Leben schenken, das noch viel wunderbarer ist als das gegenwärtige. Wenn auch wir uns so hingeben wie Christus, uns selbst nicht zu schade sind, dann werden wir mit diesem großen Preis, gleichsam mit dem Jackpot der Ewigkeit, beschenkt.
Alles, was passiert, muss so geschehen. Jesus gibt sein Leben selbst hin. Es wird ihm nicht entrissen. Was heißt das? Er ist doch hingerichtet worden! Aber dass es so weit kam, hat er zugelassen, der die Macht gehabt hätte, es zu vermeiden. Er hat es freiwillig auf sich genommen, damit wir alle die Erlösung erlangen konnten. Das ist der Heilsplan, bei dem er seinen Willen ganz dem Vater unterstellt.

Es ist zwar nicht gesichert, aber mehrere Überlieferungen belegen, dass der hl. Luzius das Martyrium erlitt. Er ist wie ein Lamm zum Schlachten geführt worden. Er ist dem Herrn darin nachgefolgt, Zeugnis abzulegen für das Evangelium. Er hat sich ganz hingegeben, weil auch er in inniger Gemeinschaft mit Gott lebte. Auf seine Fürsprache mögen auch wir den Mut bekommen, Zeugen zu sein für die frohe Botschaft im Jahre 2022. Beten wir auf seine Fürsprache auch, dass unsere Hirten gute Hirten sind und werden.

Hier geht es zu den Tageslesungen des Advents: https://magstrauss.com/2021/12/03/freitag-der-ersten-adventswoche/

Ihre Magstrauss


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