16. Dezember: Hl. Adelheid und Freitag der dritten Adventswoche

Heute sticht aus der Liste der Tagesheiligen besonders die hl. Adelheid heraus, eine deutsche Kaiserin und Klostergründerin, die um 931 im Burgund geboren und 999 in Seltz im Elsass starb. Adelheid war die Tochter von König Rudolf II. von Burgund und Bertha von Schwaben. Ihre Großmutter ist Reginlind von Schwaben, deren Gedenktag der 8. August ist. Adelheid wurde mit König Lothar II. von Niederburgund und Italien verheiratet, wobei ihr Mann 950 einem Giftattentat zum Opfer fiel. Der Attentäter Berengar II. ergriff die Herrschaft und wollte Adelheid dazu zwingen, seinen Sohn zu heiraten. Daraufhin wurde sie in der Burg Rocca di Garda am Gardasee gefangengehalten und misshandelt. Durch die Befreiungsaktion eines Priesters gelang ihr die Flucht, woraufhin sie sich mit ihrer Tochter Emma im Wald versteckt hielt. Irgendwann wurde Adelheid auf das Schloss in Canossa gebracht und heiratete Kaiser Otto I., nachdem dieser Oberitalien unter seine Herrschaft gebracht hatte. Sie wurden zum Kaiserpaar über das Heilige Römische Reich. 962 fand die Kaiserkrönung von Kaiser Otto und ihr in Rom durch Papst Johannes XII. statt. Es war eigentlich gegen die bisherige Tradition, die Kaiserin zum selben Zeitpunkt zu krönen. Auf ihre Initiative hin kam die cluniazensische Reform nach „Deutschland“. Da der gemeinsame Sohn Otto II. beim Tod ihres Mannes noch zu jung war, übernahm sie die Regentschaft. Sie wurde bekannt für ihre fromme Großzügigkeit. Aufgrund politischer Spannungen – die griechische Prinzessin Theophanu, die ihre Schwiegertochter wurde, hatte Stimmung gegen die Kaiserin gemacht – zog sich Adelheid ins Burgund zurück, wo sie mehrere Klöster gründete und bei ihrem Bruder Konrad lebte. Auf seine Initiative hin erfolgte nach einiger Zeit eine Versöhnung mit ihrem Sohn Otto II., der allerdings 983 verstarb. Infolgedessen musste Adelheid wieder die Aufgabe der Herrschaft über das Kaiserreich übernehmen, sich diese jedoch mit Theophanu und ihren Enkel Otto III. teilen. Da auch in dieser Zeit Probleme auftauchten, wich Adelheid in die Lombardei aus, kehrte aber nach dem Tod Theophanus 991 wieder zurück, bis Otto III. alt genug für die Alleinherrschaft war. Ein letztes Mal wurde die Kaiserin regelrecht vom Hof verbannt, als ihr Enkel die Regentschaft übernahm. Sie lebte von da an im Benediktinerkloster im elsässischen Seltz. Adelheid war bekannt für ihre große Weisheit und Großzügigkeit, die sich zum Beispiel an den vielen Klostergründungen zeigte. Sie hatte großen Einfluss auf die Missionierung „Norddeutschlands“. Nachdem sie starb, entwickelte sich schnell eine Verehrung, gefördert vom Kloster Cluny. Adelheid wurde 1097 von Urban II. heiliggesprochen. Die Heilige gilt als die kaiserlichste aller Kaiserinnen.

Es ist eine bewegte Lebensgeschichte einer Frau, die hineingeworfen wurde in politische Machtkämpfe und Rivalitäten. Hineingeboren in einen noblen Stand, der diese Wirren mit sich bringt, setzte sie die Berufung zur Heiligkeit auf eine vollkommene Weise um. Sie nutzte ihren politischen Einfluss, um das Christentum in Mitteleuropa zu fördern, die cluniazensische Reform in ihrem Bereich umzusetzen und viele Klöster zu gründen. Sie ist die Schutzpatronin von Bräuten und Kaiserinnen. Sie ist auch die Schutzpatronin von Frauen und Männern, die Schwierigkeiten in Beziehungen oder Ehen erlebt haben. Sie ist auch die Schutzpatronin von Missbrauchsopfern, Zweitehen, Stiefeltern und Witwen. Möge auf ihre Fürsprache auch die politische Welt im Jahre 2022 in eine gute Richtung einlenken, die dem Wohl der Menschen dient und nicht zum Schaden. Hl. Adelheid, kluge Kaiserin und tapfere Mutter, bitte für uns!

Untenstehend die Tageslesungen (es handelt sich um eine neue Auslegung, weil es zuvor keine für den Tag gab):

Jes 56,1-3a.6-8; Ps 67,2-3.5.7-8; Joh 5,33-36

Jes 56
1 So spricht der HERR: Wahrt das Recht und übt Gerechtigkeit, / denn bald kommt mein Heil / und meine Gerechtigkeit wird sich bald offenbaren!
2 Selig der Mensch, der dies tut, / und jeder Einzelne, der daran festhält, den Sabbat zu halten und ihn nicht zu entweihen / und seine Hand vor jeder bösen Tat zu bewahren.
3 Der Fremde, der sich dem HERRN angeschlossen hat, soll nicht sagen: / Sicher wird er mich ausschließen aus seinem Volk. Der Eunuch soll nicht sagen: / Sieh, ich bin ein dürrer Baum.
6 Und die Fremden, die sich dem HERRN anschließen, / um ihm zu dienen und den Namen des HERRN zu lieben, um seine Knechte zu sein, / alle, die den Sabbat halten und ihn nicht entweihen / und die an meinem Bund festhalten,
7 sie werde ich zu meinem heiligen Berg bringen / und sie erfreuen in meinem Haus des Gebets. Ihre Brandopfer und Schlachtopfer werden Gefallen auf meinem Altar finden, / denn mein Haus wird ein Haus des Gebetes für alle Völker genannt werden.
8 Spruch GOTTES, des Herrn, / der die Versprengten Israels sammelt: Noch mehr, als ich schon von ihnen gesammelt habe, / will ich bei ihm sammeln.

In der Lesung aus dem Buch Jesaja geht es um eine Verheißung für alle Kinderlosen und Fremden. Gott selbst sagt ihnen zu, dass sie bald sein Heil und seine Gerechtigkeit erfahren werden. Aus diesem Grund sollen sie Recht und Gerechtigkeit leben. Diese Naherwartung bezieht sich bei Jesaja auf die politischen Umstände des Exils, aber auch schon bei ihm auf das Kommen einer messianischen Heilsgestalt. Deshalb passt auch diese Lesung sehr gut in den Advent. Die Juden verstehen unter dem Messias zumeist eine menschliche Person, die aus politischen Nöten befreit und irdisches Heil bringt. Aber darüber hinaus wissen wir gerade von Jesaja, dass es auch die Versöhnung der gesamten Schöpfung einbeziehen kann, also etwas Übernatürliches erwartet wird. Wir erkennen hier eine Zusage Gottes, bald Mensch zu werden. Für uns Christen ist es noch mehr: Gott selbst spricht uns das zweite Kommen seines Sohnes zu, bei dem er als gerechter Richter zurückkehrt. Da seine Wiederkunft nahe ist, sollen wir entsprechend so leben, dass wir uns nichts zuschulden kommen lassen. Es erinnert uns sehr an Jesu Verkündigungsprogramm: Das Reich Gottes ist nahe, kehrt um und glaubt an das Evangelium! Und immer wieder spricht er davon, dass wir ja nicht wissen, wann er wiederkommt, und deshalb stets seine Gebote halten und wachsam sein sollen.
Die Fremden, die sich dem HERRN anschließen, bezieht sich auf die Heiden, die Juden, die die Gebote halten, vor allem den Sabbat, werden als selig bezeichnet. Wir müssen bedenken, dass das Babylonische Exil vor allem deshalb geschah, weil die Juden den Sabbat nicht gehalten haben. Deshalb waren sie nach der Rückkehr in die Heimat auch so streng darin, das Sabbatgebot zu kontrollieren.
Zurück zu den Heiden: Sie sind in die Heilsverheißungen Israels einbezogen, die Jesaja hier ankündigt. Auch sie wird Gott zu seinem heiligen Berg bringen – das ist nicht mehr der Sinai, sondern der Berg des Tempels, der Zionsberg. Wir erkennen es hier an dem „Haus des Gebets“, an den Opfern und dem Altar. Es wird hier zukünftig formuliert, weil der Tempel zunächst zerstört werden wird. Den Juden wird sodann ein Denken über den Tellerrand hinaus abverlangt. Nicht nur die Juden, sondern alle werden den Zutritt zu diesem zukünftigen Tempel haben. Es geht nicht um die Vorhöfe, die extra für die Heiden errichtet werden, sondern um die Kultfähigkeit aller Völker – wenn sie den Bund halten, den Sabbat halten, Gottes Knechte werden, also konvertieren. Zweitens ist es auf die messianische Zukunft zu beziehen, denn wenn Christus kommt, wird er den neuen Bund mit allen Völkern und Gott besiegeln – auf dem Zionsberg, wenn er am Kreuz stirbt. Er wird sich in jeder Hl. Messe hingeben, auf jedem Zion des Altares. Und schließlich am Ende der Zeiten wird es eine eschatologische Völkerwallfahrt zum himmlischen Jerusalem geben. Diese letzte Auslegungsweise ist besonders herausstechend, denn in Vers 8 ist die Rede von Sammlung – das ist ein zutiefst endzeitliches Motiv.

Ps 67
2 Gott sei uns gnädig und segne uns. Er lasse sein Angesicht über uns leuchten,

3 damit man auf Erden deinen Weg erkenne, deine Rettung unter allen Völkern.
5 Die Nationen sollen sich freuen und jubeln, denn du richtest die Völker nach Recht und leitest die Nationen auf Erden.

7 Die Erde gab ihren Ertrag. Gott, unser Gott, er segne uns!
8 Es segne uns Gott! Fürchten sollen ihn alle Enden der Erde.

Als Antwort auf diese Lesung beten wir Psalm 67, der bemerkenswerte Parallelen zum aaronitischen Segen aufweist. Vers 25 aus Num 6 (die Schriftstelle, in der der aaronitische Segen nachzulesen ist) wird hier sehr ähnlich wiederholt: Die beiden Bestandteile „Gnädigsein“ und „Leuchten seines Angesichts“ sind wieder zu erkennen. Es wird aber nicht nur wiederholt, sondern reflektiert. Der Zweck des Wunsches wird nämlich an dieser Stelle erklärt: Die Israeliten sollen durch das Leuchten des Angesichts Gottes seinen Weg erkennen, das heißt seinen Willen. Der aaronitische Segen wird paränetisch fortgesetzt, also zur Unterweisung im moralischen Verhalten. Der nächste Nebensatz geht darüber hinaus. Die Rettung unter allen Völkern klingt in unseren christlichen Ohren sehr messianisch (hebr. בְּכָל־גֹּ֝ויִ֗ם יְשׁוּעָתֶֽךָ b’chol-gojim jeschu’atecha, der Name Jesu ist enthalten und wird auf die nichtjüdischen Völker bezogen). So müssen wir den Vers mit folgender Interpretation lesen: Lass dein Angesicht leuchten, damit wir den Messias erkennen, der die ganze Welt erlösen wird.
Im Anschluss erkennen wir die positive Sicht auf das göttliche Gericht, über das die „Nationen“ sich freuen. Hier sind die „Nationen“ alle Völker. Alle können aufatmen, nachdem sie so viel Leid durch Fremdherrschaft und Tyrannei erleiden mussten. Gott bringt endlich die ersehnte Gerechtigkeit! Es fügt sich gut mit der Lesung zusammen: Wenn der Messias kommt, kommt das Weltgericht. Heil und Gericht betrifft beide, Juden und Heiden.
Ein verbreitetes Indiz für den Segen Gottes auf den Menschen sind Fruchtbarkeit und Erntereichtum. In Vers 7 wird der Ertrag der Erde thematisiert. Gott kümmert sich um seine Herde wie ein guter Hirte. Er gibt seinen Schafen zu essen. Es erfolgt im selben Vers auch der Wunsch nach Gottes Segen. Dieser möge nicht von ihnen genommen werden, denn an Gottes Segen ist alles gelegen.
Der Psalm wird mit einem Segenswunsch abgeschlossen, der wiederum an den aaronitischen Segen von Num 6 anknüpft. Die Psalmen bringen immer wieder zum Ausdruck, dass Gottes Erlösungsplan, der sich mit Jesus erfüllt hat, über die jüdischen Grenzen hinausgeht, aber v.a. dort beginnt. Was Jesaja uns verheißen hat, ist schon Inhalt der Psalmen und wird im Laufe der gesamten Bibel immer wieder ausgedrückt. Gott wird alles gut machen und die ganze Heilsgeschichte läuft auf sein ewiges Heil hinaus.

Joh 5
33 Ihr habt zu Johannes geschickt und er hat für die Wahrheit Zeugnis abgelegt.
34 Ich aber nehme von keinem Menschen ein Zeugnis an, sondern ich sage dies nur, damit ihr gerettet werdet.
35 Jener war die Lampe, die brennt und leuchtet, doch ihr wolltet euch nur eine Zeit lang an ihrem Licht erfreuen.
36 Ich aber habe ein gewichtigeres Zeugnis als das des Johannes: Die Werke, die mein Vater mir übertragen hat, damit ich sie zu Ende führe, diese Werke, die ich vollbringe, legen Zeugnis dafür ab, dass mich der Vater gesandt hat.

Johannes hat Jesus bezeugt, der die Wahrheit ist, doch die Juden haben ihm nicht geglaubt, sondern sich nur eine Zeit lang an seinem Licht erfreut – nämlich solange sie durch ihn die Bußtaufe erhalten konnten. Doch er endete wie viele Propheten des Alten Testaments auch als Märtyrer, weil sie die unbequeme Wahrheit nicht ausgehalten haben.
Der Vater selbst legt Zeugnis über Jesus ab, indem er ihm die ganzen Vollmachten übertragen hat. Was Jesus alles tut, sollten für die schriftkundigen Juden eigentlich erkennbare messianische Heilstaten sein, die seine Sendung vom Vater beweisen. Jesu Zeugnis ist somit ein viel gewichtigeres Zeugnis als das des Johannes. Es geht um die messianischen Heilstaten, die er in göttlicher Vollmacht ausführt und die seine göttliche Sendung aufzeigen.
Im Verlauf des Streitgesprächs mit den Juden sagt Jesus etwas, das die ganze Heilige Schrift zusammenfasst und auch sein Zeugnis auf den Punkt bringt: „Ihr erforscht die Schriften, weil ihr meint, in ihnen das ewige Leben zu haben; gerade sie legen Zeugnis über mich ab.“ Die Hl. Schrift ist ein einziges Zeugnis von Jesus Christus, angefangen in der Genesis und abschließend mit der Johannesoffenbarung! Deshalb nennen wir die Bibel auch das Wort Gottes – es ist eigentlich nur ein einziges Gotteswort in vielen Menschenworten. Sie atmet Jesus Christus mit jedem einzelnen Buchstaben. Die Pharisäer und Schriftgelehrten haben die Aufgabe, die Hl. Schrift zu lesen und zu studieren (das, was wir heute Altes Testament nennen). Und doch sehen sie so viele etliche Bäume, ohne den Wald zu erkennen. Sie sehen das Offensichtliche nicht. Sie sehen Jesus, hören seine Worte, bezeugen seine Heilstaten, doch sie zählen eins und eins nicht zusammen. Alles, was er sagt und tut, ist die Erfüllung dessen, was im Alten Testament schon angekündigt worden ist. Aber jene, die die Schrift am besten kennen, schaffen es nicht, sie auf Jesus zu beziehen.
Jesus erklärt auch, warum sie es nicht schaffen: Ihnen fehlt die Liebe zu Gott. Sie unternehmen all die Studien aus anderen Gründen, nicht weil sie die Schriften als Liebesbrief des Vaters erkannt haben. Sie suchen ihre eigene Ehre und messen die anderen nach eigenem Maßstab. Sie ziehen nicht in Betracht, dass jemand aus Liebe zu Gott auftritt und nur diesem gefallen möchte, weil sie selbst so verdorben sind. Liebe heißt in der hl. Schrift sehr oft, zu erkennen. Sie haben nicht erkannt, weil sie nicht lieben.
Jesu Worte sind ganz aktuell, denn auch heute gibt es so viele Schriftgelehrte, die den Wald vor lauter Bäumen nicht sehen. Jesus ist ganz da in der heiligen Eucharistie. Er ist genauso präsent wie damals, als er in Menschengestalt auf Erden gewandelt ist. Er ist nun verborgen in einer kleinen Hostie und nimmt in jeder Hl. Messe Materie an. Alles, was wir in der Hl. Schrift lesen, verdichtet sich in der Liturgie! Und doch erkennen es die Gelehrten unserer Zeit kaum, weil sie eins und eins nicht zusammenzählen. Wie viele meinen, dass sie Gott ganz verstanden haben, weil sie so gelehrt sind. Sie halten es nicht für nötig, der Liturgie beizuwohnen. Dabei lehrt Jesus Christus uns in der Hl. Messe mehr, als wir im ganzen Theologiestudium gelernt haben. Dann sagt auch Jesus uns heute: „Hättet ihr die Hl. Schrift ernstgenommen, die ihr durch eure Wissenschaft so verhunzt, dann hättet ihr mich hier in der Hl. Eucharistie erkannt. Denn diese ist die Verdichtung der gesamten Schrift.“

Ziehen wir heute die richtigen Konsequenzen aus den Worten Jesu und fühlen wir uns nicht beleidigt. Nehmen wir es uns vielmehr zu Herzen und schauen wir, wo es uns an Liebe fehlt, wo wir die Zeit der Gnade nicht erkennen, wo wir in die falsche Richtung gehen. Schließlich möchte der Herr uns auf dem heiligen Berg sammeln, wie Jesaja geschaut hat. Machen wir uns bereit, legen wir in diesen Tagen vor Weihnachten eine gute Beichte ab und fangen wir neu an!

Ihre Magstrauss

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