13. Januar: Hl. Hilarius von Poitier

Heute begehen wir den Gedenktag des hl. Hilarius, der um 315 im gallischen Poitiers geboren und 367 ebenda gestorben ist. Er ist gallorömischer Kirchenlehrer, der sich als Bischof von Poitiers gegen den Arianismus einsetzte und der erste lateinische Schriftsteller war, der die griechische Lehre in die westliche Christenheit einführte. Hilarius, großgeworden in einer wohlhabenden Familie, erzogen im Neuplatonismus, von dem er sich dann aber abwandte, wurde 353 zum Bischof von Poitiers gewählt. Aus dem Zusammenleben des Klerus entwickelte sich die erste klösterliche Gemeinschaft Galliens. 351 lernte er Martin von Tours kennen, der sein Schüler wurde. Sein Einsatz gegen den Arianismus war unbequem. Deshalb wurde er auf einer Synode in Béziers mit falschen Anschuldigungen belastet und vom römischen Kaiser Constantius II. nach Phrygien verbannt (356-360), auch weil er den führenden Gegner des Arianismus, den Heiligen Athanasius den Großen, auf der Synode von Béziers nicht verurteilt hatte. Während seines Aufenthalts in Phrygien schrieb er De trinitate (Die Dreifaltigkeit), das erste Werk in lateinischer Sprache, das sich mit den Fragen der trinitarischen Kontroversen befasste. In De synodis („Über die Synoden“) erläuterte er die Geschichte der arianischen Kontroverse und wies die Gläubigen im Osten an, sich gegen diejenigen zu erheben, die glaubten, der Sohn sei dem Vater nicht wesensgleich. Seine Appelle an Constantius blieben erfolglos, und er wurde aus dem Osten vertrieben. Er kehrte nach Poitiers zurück und verbrachte seine letzten Jahre damit, den Arianismus in Gallien zu bekämpfen und seinen Kommentar zu den Psalmen und den Tractatus mysteriorum über die Typologie zu schreiben. Sein Einsatz für den rechten Glauben, den er fast allein in Gallien durchsetzte, brachte ihm den Titel „Athanasius des Westens“ ein. Ihm ist zum Beispiel zuzuschreiben, dass die arianischen Bischöfe Galliens abgesetzt wurden. Er war wahrscheinlich der erste Hymniker und verfasste ein Buch mit Liedtexten (um 360). Ihm ist zudem der älteste erhaltene Matthäuskommentar zuzuschreiben, ein christozentrischer Psalmenkommentar sowie eine polemische Schrift gegen Kaiser Constantius. Hilarius‘ besonderes Anliegen war, die Verträglichkeit von Glaube und Vernunft darzulegen. Er wurde 1851 von Papst Pius IX. zum Kirchenlehrer ernannt. Hilarius ist Patron des Kantons Glarus in der Schweiz; von Poitiers, La Rochelle und Luçon; der schwächlichen Kinder und gegen Schlangenbiss.

Ein Zitat des Heiligen aus de Trinitate:

Die menschliche Klugheit versagt bei göttlichen Dingen. Sie ist töricht, wenn sie das Vollkommene zu wissen glaubt. Der menschlichen Einsicht darf man nicht so weit vertrauen, dass jemand glauben könne, ein vollkommenes Wissen von dem zu haben, was er wisse; und dass er meine, die Vollendung endgültiger Einsicht sei in der Meinung beschlossen, sie [die Einsicht] gründe sich auf ihre eigene allseitige Erkenntnis der Wahrheit dessen, was sie gerade geistig durchforscht. Denn das Unvollkommene fasst nicht das Vollkommene; und ebenso wenig vermag dasjenige, was von einem anderen sein Dasein herleitet, eine restlose Erkenntnis seines Urhebers oder seiner selbst zu erlangen; denn es erkennt sich selbst nur insofern, als es Dasein hat, es lässt aber seine Erkenntnis nicht weiter [über das] hinausgreifen, als [über das,] was als seine eigene Seinsbegabung festgelegt ist; denn seine Bewegung verdankt es nicht sich selbst, sondern seinem Urheber.

Der hl. Hilarius hat seine eigenen liturgischen Texte. Das Evangelium ist dem Matthäusevangelium entnommen, das er ja selbst ausgelegt hat:

Mt 5
13 Ihr seid das Salz der Erde. Wenn das Salz seinen Geschmack verliert, womit kann man es wieder salzig machen? Es taugt zu nichts mehr, außer weggeworfen und von den Leuten zertreten zu werden. 
14 Ihr seid das Licht der Welt. Eine Stadt, die auf einem Berg liegt, kann nicht verborgen bleiben. 
15 Man zündet auch nicht eine Leuchte an und stellt sie unter den Scheffel, sondern auf den Leuchter; dann leuchtet sie allen im Haus. 
16 So soll euer Licht vor den Menschen leuchten, damit sie eure guten Taten sehen und euren Vater im Himmel preisen.
17 Denkt nicht, ich sei gekommen, um das Gesetz und die Propheten aufzuheben! Ich bin nicht gekommen, um aufzuheben, sondern um zu erfüllen. 
18 Amen, ich sage euch: Bis Himmel und Erde vergehen, wird kein Jota und kein Häkchen des Gesetzes vergehen, bevor nicht alles geschehen ist. 
19 Wer auch nur eines von den kleinsten Geboten aufhebt und die Menschen entsprechend lehrt, der wird im Himmelreich der Kleinste sein. Wer sie aber hält und halten lehrt, der wird groß sein im Himmelreich.

Ich hätte vielleicht etwas zu diesen Versen zu sagen, aber heute möchte ich Hilarius selbst sprechen lassen, da er einen ausführlichen Kommentar zum Matthäusevangelium verfasst hat:

„Ihr seyd das Salz der Erde. Wenn das Salz seine Kraft verliert, so taugt das zu nichts, was gesalzen wird.“ Salz der Erde gibt es, wie ich meine, keines; wie hat er also die Apostel das Salz der Erde genannt? Aber man muß den eigentlichen Sinn der Worte suchen, welchen theils das Amt der Apostel, theils die Natur des Salzes selbst angeben wird. Das Salz enthält in sich allein Wasser- und Feuerstoff; und es ist aus Zweien Eines. Diese Wirkung also zu Einem Gebrauche des Menschengeschlechtes ertheilt den Körpern, welche damit besprengt werden, Unverweslichkeit, und ist zur Erhöhung der Schmackhaftigkeit einer jeden Sache, welche schmackhaft gemacht wird, sehr tauglich. Die Apostel aber sind die Verkünder himmlischer Dinge, und gleichsam die Säer der Ewigkeit, indem sie allen Körpern, welche mit ihrer Rede besprengt sind, Unsterblichkeit bringen, und, wie Johannes oben Zeuge ist, durch das Sakrament des Wassers und des Feuers vollkommen sind. Daher sind sie mit Recht das Salz der Erde genannt worden, weil sie durch die Kraft der Lehre, nach Art des Einsalzens, die Körper für die Ewigkeit aufbewahren. Aber die Natur des Salzes ist immer die nämliche, und läßt sich nie verändern. Weil jedoch der Mensch der Veränderung unterliegt, und der allein selig ist, welcher bis an das Ende in allen Werken Gottes ausharret, darum ermahnt er sie dadurch, daß er sie das Salz der Erde nennt, in der ihnen übertragenen göttlichen Macht zu verharren, damit sie nicht, zur Albernheit verleitet, nichts salzen, und selbst nach dem Verlurste des Gefühles für den empfangenen Geschmack das Verdorbene nicht mehr lebendig machen können, und, hinausgeworfen aus den Vorrathskammern der Kirche, nebst denen, welche sie hätten salzen sollen, von den Füßen der Einhergehenden zertreten werden.
„Ihr seyd das Licht der Welt.“ Die Natur des Lichtes besteht darin, daß es überall, wo es herumgetragen wird, Helle verbreitet, und, in die Häuser getragen, die Finsterniß vertilgt, indem das Licht die Oberhand erhält. Die Welt war also, weil sie ohne Erkenntniß Gottes war, mit den Finsternissen der Unwissenheit erfüllt; durch die Apostel wurde das Licht der Erkenntniß in dieselbe gebracht, die Erkenntniß Gottes leuchtete, und von ihren kleinen Körpern wurde überall, wohin sie kamen, der Finsterniß Licht gespendet.
„Eine Stadt, welche auf einem Berge erbaut ist, kann nicht verborgen werden, und man zündet kein Licht an, und stellt es unter einen Scheffel,“ u. s. w. Stadt nennt er das Fleisch, welches er angenommen hatte; weil, wie eine Stadt aus verschiedenen und zahlreichen Einwohnern besteht, so in ihm, zu Folge der Natur des angenommenen Körpers, gleichsam eine Versammlung des ganzen Menschengeschlechtes enthalten ist. Und so wird eines Theils er durch unsere Versammlung in ihm eine Stadt, andern Theils sind wir durch die Theilnahme an seinem Fleische die Bewohner der Stadt. Er kann also nicht mehr verborgen werden, weil er, auf die Höhe der Hoheit Gottes gestellt, erhaben dasteht, so daß er mit Bewunderung seiner Werke von Allen betrachtet und erkannt werden muß.
Aber man zündet auch kein Licht an, um es unter einem Scheffel zu verbergen. Denn was nützt es, den Gebrauch des Lichtes unzugänglich zu machen? Und mit Recht hat der Herr die Synagoge mit einem Scheffel verglichen; denn sie nahm die erhaltenen Früchte nur in sich auf, und enthielt ein gewisses Maß abgemessenen Gottesdienstes; jetzt aber ist sie, da er kam, von aller Frucht leer, und kann doch das Licht nicht mehr verbergen. Und deßwegen kann das Licht Christi nicht mehr unter einem Scheffel verborgen, nicht mehr unter der Decke der Synagoge versteckt werden; sondern es ist auf dem Kreuze des Leidens aufgehangen, um denen, welche in der Kirche wohnen, ewiges Licht zu gewähren. Auch die Apostel ermahnt er, mit gleichem Lichte zu leuchten, damit durch die Bewunderung ihrer Werke Gott Lob ertheilt werden möchte; nicht weil er bei den Menschen Ehre zu suchen nöthig hätte, da ja Alles zur Ehre Gottes gethan werden muß, sondern damit unser Werk, wenn wir es auch nicht merken lassen, denen leuchte, unter welchen wir leben.
„Glaubet doch nicht, ich sey gekommen, das Gesetz oder die Propheten aufzuheben; ich bin nicht gekommen, sie aufzuheben, sondern sie zu erfüllen.“ Die Kraft und der Sinn der himmlischen Worte fassen wichtige Dinge in sich. Es ist nämlich ein Gesetz von Werken gegeben worden, und dieses hat Alles zur Beglaubigung dessen, was in Christo sollte geoffenbaret werden, in sich gefaßt; denn sowohl seine Lehre, als auch sein Leiden ist der große und tieft Rathschluß des väterlichen Willens. Das Gesetz aber hat unter der Hülle geistiger Worte die Geburt unsers Herrn Jesu Christi, seine Menschwerdung, sein Leiden und seine Auferstehung ausgesprochen: und daß dieses schon vor ewigen Zeiten für unser Zeitalter so beschlossen worden sey, davon geben sowohl die Propheten, als auch die Apostel vielfach Zeugniß. Daher ging der Satan nach dem vierzigtägigen Fasten, durch so wichtige Vermuthungen beängstigt, bis zur Frechheit, ihn zu versuchen; weil er in Jesu das große Geheimniß der himmlischen Veranstaltung fürchtete. Denn den Namen Jesus hat unser Herr dem Leibe nach. Und so ist sowohl seine Körperlichkeit, als auch sein Leiden der Wille Gottes und das Heil der Welt; und es übersteigt den Ausdruck menschlicher Sprache, daß Gott aus Gott, der Sohn aus der Wesenheit des Vaters, und innerhalb der Wesenheit des Vaters bestehend, sich zuerst zu einem Menschen verkörpert, dann wie der Mensch dem Tode unterworfen habe, zuletzt nach drei Nagen aus dem Tode in das Leben zurückgekehrt sey, und die mit seinem ewigen Geiste und Wesen verbundene Materie des angenommenen Leibes in den Himmel zurückgetragen habe.

Hl. Hilarius, bitte für uns!

Hier die Auslegung der Tageslesungen: https://magstrauss.com/2021/01/15/freitag-der-1-woche-im-jahreskreis-2/

Ihre Magstrauss

Ein Kommentar zu „13. Januar: Hl. Hilarius von Poitier

  1. Vielen Dank, liebe Margarete, für die Vita des heiligen Hilarius und für seine Auslegung der Verse aus der Bergpredigt. Beides wäre sehr geeignet, den Betreibern des „Synodalen Weges“ die Köpfe zu waschen, damit sie begännen, wieder zur Vernunft zurückzukehren.

    Wir müssen sehr viel beten ! Wir dürfen jetzt, wo Papst Benedikt XVI. sich an der Schau Gottes erfreuen darf, aber noch viel mehr auf dessen wirkmächtige Hilfe, von nun an auch mit meiner liebsten Ursula vom Himmel her, vertrauen !

    Herzlichen Dank auch für Deinen „vlog 5“ aus Rom mit weiteren großartigen Eindrücken aus dem Petersdom und anderen Kirchen. Hattest Du beim Filmen zu Fuß gehend ein fahrbares Stativ, eine Art „Rollator“ für die Kamera ? Denn da hätte ich eher bei jedem Schritt eine Art Erschütterung, einen „Wackler“ in der Wiedergabe erwartet. Oder mußt Du wegen einer Krankheit oder Verletzung in Deinen jungen Jahren schon selbst am Rollator gehen ? Das täte mir sehr leid für Dich.

    Für all diese Eindrücke aus Rom, die Bilder aus den Kirchen, die mit der Trauer um den Heimgang von Papst Benedikt XVI. verbundenen Berichte, kann ich Dir und Eduard und auch dem Neuen Anfang nicht genug danken !

    Hoffentlich seid Ihr weniger gestresst als während der Hinfahrt wieder in München und auch schon in Euerem Zuhause angekommen.

    Bleibt weiterhin mit allen Eueren Lieben unter Gottes und der Mutter Gottes Schutz und Segen geborgen und wohlbehütet, gesund und zuversichtlich, im Gebet und in unserem guten römisch-katholischen Glauben mit einander und auch mit mir verbunden !

    Herzliche und marianische Grüße

    Dein Paul

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