1. Oktober: Hl. Therese von Lisieux

Heute ist eigentlich der 26. Sonntag im Jahreskreis, der liturgisch alles andere überbietet. Und doch begehen wir zugleich den Gedenktag der hl. Therese von Lisieux, die auch den Beinamen „vom Kinde Jesu“ trägt. Sie ist Ordensschwester, Mystikerin und Kirchenlehrerin und wurde am 2. Januar 1873 in Alençon geboren. Sie starb nach einem kurzen Leben am 30. September 1897 in Lisieux. Thérèse Martin, so ihr bürgerlicher Name, war ein weinerliches Kind, emotional so spröde wie Porzellan. Sie war leicht beleidigt und leicht begeisterbar. Eine hochgezogene Augenbraue oder ein Seitenblick ihres Vaters ließen sie in Tränen ausbrechen. Eine schöne Blume oder ein freundliches Wort und sie strahlte. Sie wuchs in einem brüderlosen Elternhaus auf. Ihr Vater, ein Onkel und Priester waren die einzigen Männer in ihrem Leben. Ihre Eltern wurden 2015 heiliggesprochen und waren ihr ein großes Vorbild. Als Thérèse gerade mal vier Jahre alt war, verstarb ihre Mutter an Brustkrebs. Das jüngste Kind der Familie hing von da an sehr an der Schwester Pauline, die ihr zu einer Ersatzmutter wurde. Umso mehr traf es sie, als diese in den Karmel eintrat. Thérèse und ihre vier Schwestern wurden alle Ordensschwestern. Durch den Verlust ihrer Schwester erkrankte Thérèse schwer, sodass man ihren frühen Tod befürchtete. Durch ein übernatürliches Ereignis wurde sie geheilt. Das Haus Martin war ganz und gar von den Geheimnissen Gottes, dem Gebet, den Heiligen, den Sakramenten und der Kirche eingenommen.
Thérèse wuchs in der Normandie, einer Region in Nordfrankreich, auf. Sie verließ die Normandie nur einmal, um eine einmonatige Pilgerreise nach Italien zu unternehmen, wo sie Papst Leo XIII. bei einer öffentlichen Audienz traf und ihn um die Sondererlaubnis bat, vor dem vorgeschriebenen Alter in den Karmel einzutreten. So konnte sie ihrer Schwester Pauline wieder nahe sein. Im Alter von fünfzehn Jahren trat sie schließlich 1888 ein. Sie erhielt den Ordensnamen „vom Kinde Jesu“ und die Erlaubnis, auch einen zweiten Namen anzunehmen, „vom Heiligen Antlitz“. Als sich die Tür des Klosters hinter ihr schloss, öffnete sie sich nie wieder. Ihr kurzes Leben endete dort nur neun Jahre später. Thérèse war eine hingebungsvolle Ordensschwester, die sich streng an die anspruchsvolle Karmeliterregel hielt. Sie schwieg, wenn es erforderlich war, vermied es, ihre leiblichen Schwestern aufzusuchen, fastete, freundete sich mit Mitschwestern an, die ihr nicht von Natur aus sympathisch waren, und verbrachte lange Stunden mit Gebet und Arbeit. Im Kloster reifte Thérèses kindliche Sanftheit zu einer dauerhaften Spiritualität heran. Ihre Sensibilität wurde reifer. Sie war fähig, Kritik anzunehmen. Ihre jugendliche Vermutung, dass alle Priester so perfekt wie Diamanten seien, wurde realistischer, und sie betete und opferte leidenschaftlich für die Priester. Die harte Realität des Klosterlebens stutzte Thérèses geistliche Ziele zurecht. Sie wollte nicht länger eine große Seele wie die heilige Jeanne d’Arc sein. Vielmehr kam eine Vertiefung, ein konzentrierter Fokus. Sie beschloss, dass sie Gottes Herz sein wollte, nicht seine Hände, Füße oder sein Geist. Sie beschloss, dass die einzige Möglichkeit, der strahlenden Sonne der Heiligen Dreifaltigkeit nahe zu kommen, darin bestand, klein zu werden. Ihr „Kleiner Weg“ bestand darin, sich geistig zu einem winzigen Geschöpf zu reduzieren, das in den Klauen des göttlichen Adlers, Jesus Christus, getragen wurde. Während Christus sich in den Himmel erhob, befand sie sich in seinem Griff und ging nur dorthin, wohin er gehen konnte, bis sie in der Vater-Sohn-Geist-Liebe der Dreifaltigkeit verbrannt wurde. Dies war kein breiter Pfad oder weiter Weg, sondern ein kleiner Weg für eine große Seele. Das Ziel war, sich selbst auf ein Nichts zu reduzieren, damit der Herr einen transportieren konnte. Das Ziel war, das „Selbst“ aus dem „Selbst“ zu entfernen. Als Thérèses Schwester Céline 1894 in das Kloster eintrat, erhielt sie die Erlaubnis, ihre Kamera mitzubringen. Célines Bilder von Thérèse gehörten zu den ersten, die jemals von einer Heiligen gemacht wurden. Sie ergänzten Thérèses Briefe und geistlichen Schriften perfekt und steigerten das Interesse an Thérèse nach ihrem Tod. Die faszinierenden Fotos und tiefgründigen Schriften ließen die geheimen Tiefen erahnen, die sich hinter den vier Wänden eines Klosters verbargen. Die heilige Thérèse erkrankte schwer an Tuberkulose und starb in einem Alter, in dem viele Leben gerade erst zu blühen beginnen – mit nur 24 Jahren. Es ging eine lange Leidenszeit voraus und auch geistig musste sie vielerlei Anfechtungen widerstehen. Sie wurde 1925 heiliggesprochen, 1944 zur Mitpatronin Frankreichs erklärt und 1997 von Papst Johannes Paul II. zur Kirchenlehrerin ernannt, die bis dato jüngste und wahrscheinlich die jüngste, die die Kirche jemals anerkennen wird.

Hier die Lesungen des 26. Sonntags im Jahreskreis: https://magstrauss.com/2020/09/27/26-sonntag-im-jahreskreis/

Ihre Magstrauss

Ein Kommentar zu „1. Oktober: Hl. Therese von Lisieux

  1. Danke, liebe Margarete, auch für diese Lebensgeschichte der heiligen Thérèse von Lisieux.

    Herzliche und marianische Grüße

    Dein Paul

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