Donnerstag der 3. Osterwoche

Apg 8,26-40; Ps 66,8-9.16-17.19-20; Joh 6,44-51

Apg 8
26 Ein Engel des Herrn sagte zu Philippus: Steh auf und geh nach Süden auf der Straße, die von Jerusalem nach Gaza hinabführt! Sie führt durch eine einsame Gegend.
27 Und er stand auf und ging. Und siehe, da war ein Äthiopier, ein Kämmerer, Hofbeamter der Kandake, der Königin der Äthiopier, der über ihrer ganzen Schatzkammer stand. Dieser war gekommen, um in Jerusalem anzubeten,
28 und fuhr jetzt heimwärts. Er saß auf seinem Wagen und las den Propheten Jesaja.
29 Und der Geist sagte zu Philippus: Geh und folge diesem Wagen!
30 Philippus lief hin und hörte ihn den Propheten Jesaja lesen. Da sagte er: Verstehst du auch, was du liest?
31 Jener antwortete: Wie könnte ich es, wenn mich niemand anleitet? Und er bat den Philippus, einzusteigen und neben ihm Platz zu nehmen.
32 Der Abschnitt der Schrift, den er las, lautete: Wie ein Schaf wurde er zum Schlachten geführt; und wie ein Lamm, das verstummt, wenn man es schert, so tat er seinen Mund nicht auf.
33 In der Erniedrigung wurde seine Verurteilung aufgehoben. Seine Nachkommen, wer wird von ihnen berichten? Denn sein Leben wurde von der Erde fortgenommen.
34 Der Kämmerer wandte sich an Philippus und sagte: Ich bitte dich, von wem sagt der Prophet das? Von sich selbst oder von einem anderen?

35 Da tat Philippus seinen Mund auf und ausgehend von diesem Schriftwort verkündete er ihm das Evangelium von Jesus.
36 Als sie nun weiterzogen, kamen sie zu einer Wasserstelle. Da sagte der Kämmerer: Siehe, hier ist Wasser. Was steht meiner Taufe noch im Weg?
37 Da sagte Philippus zu ihm: Wenn du aus ganzem Herzen glaubst, ist es möglich. Er antwortete: Ich glaube, dass Jesus Christus der Sohn Gottes ist.
38 Er ließ den Wagen halten und beide, Philippus und der Kämmerer, stiegen in das Wasser hinab und er taufte ihn.
39 Als sie aber aus dem Wasser stiegen, entrückte der Geist des Herrn den Philippus. Der Kämmerer sah ihn nicht mehr und er zog voll Freude auf seinem Weg weiter.
40 Den Philippus aber sah man in Aschdod wieder. Und er wanderte durch alle Städte und verkündete das Evangelium, bis er nach Cäsarea kam.

Heute hören wir von einem gewissen Philippus, der auf Anweisung Gottes (durch einen Engel) die Reise auf der Straße von Jerusalem nach Gaza antritt. Gott führt ihn dort hin, weil er durch ihn einen äthiopischen Kämmerer zu seinem geliebten Sohn und Erben machen möchte. Dieser Philippus ist nicht einer der zwölf Apostel, sondern bezieht sich auf einen der sieben Diakone der Urgemeinde in Jerusalem (so wie Stephanus). Zuvor verkündete Philippus das Wort Gottes in Samarien, dem Gebiet, das von den Juden als aus dem Heilsplan herausgefallen gilt. Zuvor schon waren die Bewohner der Stadt Sychar zum Glauben an Christus gekommen, nachdem Jesus dort mit einer Frau am Jakobsbrunnen ein Gespräch über das lebendige Wasser geführt hat. Als nach Philippus‘ Früchten die Apostel Petrus und Johannes dort hinkommen und den gläubig Gewordenen den Heiligen Geist spenden, erfüllt sich nun, was Jesus schon angekündigt hat. Sie werden mit dem lebendigen Wasser getränkt, das sie nie mehr dürsten lässt.
Und nun ist Philippus also unterwegs, um einen neuen Plan Gottes umzusetzen.
Auf dieser besagten Straße begegnet er nun einem Kämmerer, also einem Schatzmeister, der äthiopischen Königin. Er ist auf dem Rückweg von Jerusalem, wo er angebetet hat. Das zeigt uns: Es handelt sich um einen sogenannten Gottesfürchtigen. Das sind Menschen, die sich dem jüdischen Glauben sehr verbunden wissen, sogar die jüdische Ethik umsetzen, aber den letzten Schritt der Beschneidung und Einhaltung der Torah scheuen.
Er liest laut aus dem Buch Jesaja und Philippus, der die Eingebung bekommt, dem Wagen des Kämmerers zu folgen, spricht ihn an mit der entscheidenden Frage: „Verstehst du auch, was du liest?“
Der Kämmerer ist sehr aufgeschlossen und überhaupt nicht hochmütig. Er sagt offen, dass er es nicht versteht, weil ihm keiner den Sinn davon erschließt. Er hat ein offenes und bereites Herz, nur keinen Lehrer oder Katecheten. Darin ist er ein perfekter Nährboden für die Gnade Gottes.
Der Mann ist auf der Suche. Er strebt nach Erkenntnis und lädt von sich aus Philippus auf seinen Wagen ein.
Dieser erkennt, was für eine messianische Stelle der Kämmerer liest: „Wie ein Schaf wurde er zum Schlachten geführt; und wie ein Lamm, das verstummt, wenn man es schert, so tat er seinen Mund nicht auf. In der Erniedrigung wurde seine Verurteilung aufgehoben. Seine Nachkommen, wer wird von ihnen berichten? Denn sein Leben wurde von der Erde fortgenommen.“
Dieser Abschnitt ist aus dem vierten Gottesknechtslied, das wir an Karfreitag gehört haben. Der Kämmerer versteht, dass es eine wichtige Person sein muss, die hier so betrachtet wird. Er möchte verstehen, wer das ist. Ausgehend davon erklärt ihm Philippus, dass es sich mit Jesus Christus erfüllt hat. Er nimmt diesen Wissensdurst und die Offenheit des Kämmerers zum Anlass, das Evangelium Jesu Christi zu verkünden. Was er inhaltlich sagt, wird uns hier nicht überliefert, aber wir können uns denken, was er alles sagt.
Jesus Christus ist dieses makellose Lamm, das sich nicht gewährt hat und das zum Opferlamm für die ganze Welt geworden ist. Er ist wirklich gerecht und ohne Sünde. Er ist für die ganze Menschheit gekreuzigt worden, blieb aber nicht im Tod. Er hat allen Menschen die Erlösung erwirkt und hat gesagt: Wer an mich glaubt und sich taufen lässt, wird auf ewig nicht sterben, wird das ewige Leben haben. Philippus wird von der ersten Urgemeinde, vor allem von den vielen Augenzeugen der Auferstehung berichtet haben. Er wird von den vielen wunderbaren Dingen erzählt haben, die Jesus gesagt und getan hat, von den vielen Heilstaten, Exorzismen und Sündenvergebungen.
Und als sie dann an eine Wasserstelle kommen, sagt der eifrige Kämmerer nun: „Siehe, hier ist Wasser. Was steht meiner Taufe noch im Weg?“ Er bittet von sich aus um die Taufe, doch zuvor erklärt der Diakon ihm die wichtigste Bedingung: „Wenn du aus ganzem Herzen glaubst, ist es möglich.“ Die Taufe ist ein äußeres Zeichen für den inneren Glauben des Menschen. Deshalb wird ein Taufbewerber bis heute vor der Taufe zur Widersagung des Bösen aufgefordert und daraufhin nach dem Glauben an Gott Vater, Sohn und Heiligem Geist gefragt.
Der Kämmerer antwortet klar und deutlich mit einem Glaubensbekenntnis: „Ich glaube, dass Jesus Christus der Sohn Gottes ist.“
Kurzerhand steigen sie ins Wasser und Philippus tauft den Kämmerer.
Als er wieder auftaucht, hat der Geist den Diakon schon woanders hin entrückt. Das ist ein Charisma, das wir von einigen Heiligen überliefert haben. Dazu ist Gott fähig, der die Naturgesetze geschaffen und deshalb auch überbieten kann. Philippus taucht in Aschdod wieder auf.
Der Kämmerer zieht weiter heim, und zwar voller Freude. Das ist nicht einfach nur eine banale Nebensächlichkeit, sondern es handelt sich dabei um eine tiefgründige Aussage. In den letzten Wochen habe ich immer wieder über die Freude gesprochen, die dem Menschen als übernatürliche Gabe Gottes geschenkt wird und der Inbegriff von Ostern ist. Durch die Taufe ist sie nun auch dem Äthiopier geschenkt worden.
Philippus verkündet und missioniert unermüdlich weiter, bis er nach Cäsarea kommt.

Ps 66
8 Preist unseren Gott, ihr Völker, lasst laut sein Lob erschallen!
9 Er erhielt uns am Leben und ließ unseren Fuß nicht wanken.
16 Alle, die ihr Gott fürchtet, kommt und hört; ich will euch erzählen, was er mir Gutes getan hat.
17 Mit meinem Mund habe ich zu ihm gerufen, da lag das Rühmen mir schon auf der Zunge.
19 Gott aber hat gehört, auf mein drängendes Bittgebet geachtet.
20 Gepriesen sei Gott; denn er hat mein Bittgebet nicht unterbunden und mir seine Huld nicht entzogen.

Die Taufe des Äthiopiers ist ein Grund zum Lobpreis Gottes, der die Menschen wirklich an sich zieht. Er möchte alle Menschen retten und sie zu seinen Kindern machen. Das ist der Sinn ihres Lebens. Die Universalität der Erlösung Jesu Christi wird immer deutlicher, da nun auch „Ausländer“ zum Glauben an ihn kommen.
Der Lobpreis ist besonders, denn die psalmentypische Aufforderung zum Lobpreis richtet sich heute an die „Völker“. Im Hebräischen wird nicht das Wort für heidnische Völker gojim verwendet, sondern עַמִּ֥ים ammim. Dieser Plural bezieht sich auf alle Völker der Erde in ihrer Gesamtheit, ist in der Mehrzahl also ein allgemeiner Begriff. Alle Völker sollen Gott danken für das, was er an seinem auserwählten Volk getan hat. Wir lesen es schon christologisch, was wörtlich hier natürlich erst einmal die Rettung des Volkes Israel aus der Knechtschaft Ägyptens und später aus dem babylonischen Exil meint. Gott hat sein auserwähltes Volk, was nun aus allen Menschen egal welcher Nation besteht, die die Erlösung Jesu Christi annehmen. Die Rettung, die allen Menschen angeboten wird, ist eine Rettung aus dem Exil des irdischen Lebens hinein in das ewige Leben bei Gott!
So ist es wirklich existenziell zu verstehen, wenn es in Vers 9 heißt: „Er erhielt uns am Leben und ließ unseren Fuß nicht wanken.“ Es meint wörtlich zunächst das irdische Leben im verheißenen Land, in politischem Frieden und in einem unbeschwerten, wohlhabenden Leben. Doch mit Christus ist eine neue Etappe erreicht worden: Unser ewiges Leben ist nun erhalten worden, was zuvor nicht der Fall war. Selbst die Gerechten des Alten Testaments durften das Angesicht Gottes nicht schauen, was der Inbegriff des ewigen Lebens ist.
„Alle, die ihr Gott fürchtet, kommt und hört“ bezieht sich heute in ganz besonderer Weise auf den Kämmerer! Eigentlich ist ursprünglich der gottesfürchtige Jude gemeint, der die Torah hält und die Opfer darbringt. Nun geht es über den jüdischen Tellerrand hinaus, denn der Neue Bund ist nicht mehr an eine einzige Nation gebunden. Er steht bereit für alle Menschen guten Willens. Und der äthiopische Kämmerer in der Apostelgeschichte stellt ein wunderbares Beispiel dafür dar. Gott hat ihn gleichsam zu sich gezogen, indem er den Diakon Philippus zu ihm gesandt hat. Dieser hat die Vollmacht, Menschen zu Kindern Gottes zu machen, indem er sie als Gläubige tauft. Wir brauchen die geweihten Männer. Das sehen wir an dieser Lesung noch einmal deutlich. Auch wenn wir zum Glauben an Gott kommen – das Sakrament der Taufe, das unauslöschliche Siegel auf unseren Seelen, das uns das ewige Leben ermöglicht, können wir uns nicht selbst geben. Dafür brauchen wir die Geweihten, also die Bevollmächtigten der Sakramente.
„Mit meinem Mund habe ich zu ihm gerufen, da lag das Rühmen mir schon auf der Zunge.“ Mit dem Mund gerufen haben all jene, die zum Herrn vertrauensvoll ihre Bitten gebracht haben. Da war das Rühmen schon auf der Zunge, weil Gott die Gebete erhört. Jesus hat diese Art von Beten wunderbar vorgelebt, indem er bei der Auferweckung des Lazarus nicht mal ein Bittgebet formuliert. Er dankt dem Vater schon für seine Gebetserhörung, weil er von ganzem Herzen gewiss ist, dass dieser ihm alles gewährt. Mit so einem Vertrauen hat womöglich auch der Kämmerer in Jerusalem gebetet, als er zur Anbetung zum Tempel gegangen ist. Dort gibt es für die Heiden einen eigenen Hof.
Auch Vers 19 bringt dies auf den Punkt. Gott erhört das Bittgebet. Er hat das Schreien seiner geliebten Kinder in Ägypten gehört, die unter der Last der Sklaverei gelitten haben. Er hat das Schreien seiner geliebten Kinder in Babylon gehört, die fernab von ihrer Heimat und ohne Tempel ganz verloren und verzweifelt sind. Er hat das Schreien seines Volkes gehört, das unter den Römern gelitten hat. Aber vor allem hat er den Schrei jener gehört, die sein Angesicht nicht schauen durften, die aus dem Paradies verbannt im Exil der Vorhölle verharren mussten.
Gott sei gelobt und gepriesen, weil er das Gebet der gesamten Menschheit erhört hat. Er hat seinen einzigen Sohn dahingegeben, damit alle Menschen gerettet werden würden auf das ewige Leben hin! Gott ist so gütig und barmherzig, dass unser ganzes Leben eine einzige lobpreisende Antwort auf dieses überwältigende Heil darstellen soll.
Der freudige Duktus dieses Psalms fasst in poetischen Worten die Freude des Neugetauften in der Apostelgeschichte zusammen. Nun kann er sein weiteres Leben ganz im dankenden Lobpreis verbringen, denn er ist als Erbe im Reiche Gottes eingesetzt worden!

Joh 6
44 Niemand kann zu mir kommen, wenn nicht der Vater, der mich gesandt hat, ihn zieht; und ich werde ihn auferwecken am Jüngsten Tag.
45 Bei den Propheten steht geschrieben: Und alle werden Schüler Gottes sein. Jeder, der auf den Vater hört und seine Lehre annimmt, wird zu mir kommen.
46 Niemand hat den Vater gesehen außer dem, der von Gott ist; nur er hat den Vater gesehen.
47 Amen, amen, ich sage euch: Wer glaubt, hat das ewige Leben.
48 Ich bin das Brot des Lebens.
49 Eure Väter haben in der Wüste das Manna gegessen und sind gestorben.
50 So aber ist es mit dem Brot, das vom Himmel herabkommt: Wenn jemand davon isst, wird er nicht sterben.
51 Ich bin das lebendige Brot, das vom Himmel herabgekommen ist. Wer von diesem Brot isst, wird in Ewigkeit leben. Das Brot, das ich geben werde, ist mein Fleisch für das Leben der Welt.

Im Evangelium hören wir heute einen weiteren Abschnitt aus der wunderbaren Brotrede Jesu in Kafarnaum. Gestern habe ich erwähnt, dass es eigentlich ein Dialog mit den dort versammelten Menschen ist und analog zum Gespräch Jesu mit der samaritanischen Frau am Jakobsbrunnen zu betrachten ist.
Jesus sagt hier etwas Entscheidendes, was einen Bogen zum Kämmerer zieht: „Niemand kann zu mir kommen, wenn nicht der Vater, der mich gesandt hat, ihn zieht.“ Kornelius hat sich aufrichtig bemüht, die Wahrheit zu erkennen. Er liest laut, er geht nach Jerusalem zur Anbetung. Er sehnt sich nach der Wahrheit, aber er schafft es von sich aus nicht, sie zu erhalten. Der Vater hat ihn wirklich gezogen, zu sich! Dafür hat er den Diakon Philippus zu seinem Werkzeug gemacht. Dieser ist sein Sprachrohr, das Sprachrohr des Heiligen Geistes, der durch ihn spricht und dem Kämmerer die Augen öffnet. So wie der Vater den Sohn gesandt hat (Jesus Christus als Mensch in diese Welt, nun als Leib Christi in jede Heilige Messe), so sendet er in dessen Nachfolge seine Jünger, auf dass sie den Menschen die frohe Botschaft verkünden, die Jesus zuvor verkündet hat.
Er wird jene, die der Vater an sich gezogen hat, auferwecken am jüngsten Tag. Dann werden sie mit Leib und Seele vereint für immer Gottes Angesicht schauen.
Jesus verweist dann auf die Propheten, wo geschrieben steht: „Alle werden Schüler Gottes sein.“ Es bezieht sich auf die Schriftstelle Jes 54,13, die die künftige Herrlichkeit Zions thematisiert. Der Kämmerer ist einer von diesen Schülern und deshalb beauftragt Jesus seine Apostel vor seiner Himmelfahrt auch damit, alle Menschen zu seinen Jüngern zu machen. Wir alle sind anhaltende Schüler in der Schule Gottes. Er lehrt uns durch seinen Heiligen Geist Tag für Tag immer mehr von seiner göttlichen Weisheit. Wir begreifen täglich ein wenig mehr von seiner Offenbarung. Am Ende werden wir ihn dann sehen, wie er ist. Dann brauchen wir keine Unterweisung mehr, sondern werden alles erkennen.
Jesus betont heute noch einmal, dass nur er ein authentische Kunde vom Vater geben kann, weil er beim Vater war, bevor er Mensch wurde. Er ist der Sohn, der am väterlichen Herzen ruht auch jetzt in seiner Zeit auf Erden.
Jesus bringt auf den Punkt, warum der Kämmerer sich taufen ließ und nun voller Freude den Rest seines irdischen Daseins leben kann: Er glaubt an Jesus Christus und dieser Glaube bringt ihn zum ewigen Leben! Das ist der größte Grund zur Freude.
Jesus sagt explizit, dass er das Brot des Lebens ist. Direkt im Anschluss an den Satz über das ewige Leben wird uns klar, dass Jesus damit das Brot des EWIGEN Lebens ist.
Er als Brot des Lebens ist abzugrenzen von dem Manna in der Wüste, was das höchste Brot für die Juden war. Es ist wirklich eine physische Stärkung des Volkes Israels in der Wüstenzeit, aber immerhin kam es vom Himmel. Doch es kann sich nicht mit Christus messen, denn diese physische Stärkung verhinderte nicht, dass die Väter irgendwann gestorben sind.
Wer aber von dem Brot des Lebens isst, hat er das ewige Leben! Das Essen ist eindeutig eucharistisch gemeint. Wenn wir den Leib Christi, der wirklich und real ist, essen, werden wir nicht sterben (zumindest seelisch nicht, bis zum jüngsten Tag, wo auch unser gestorbener Leib wiederhergestellt wird). Das Essen des Leibes ist kein Kannibalismus. Gerne verlinke ich Ihnen hier mein Video, in dem ich erkläre, warum die Eucharistie eben kein Kannibalismus ist und doch das Brot des Lebens wirklich Jesus selbst ist: https://www.youtube.com/watch?v=Pq8dTMK5kT4 (ab Min. 10).
Jesu Brotsein impliziert keinesfalls eine tote Materie. Dieses Brot führt nicht nur zum Leben, sondern ist selbst lebendig.
Er sagt selbst von sich aus, dass er vom Himmel herabgekommen ist. Das ist eine Typologie zum Manna der Wüstenväter mit eben jenem Unterschied, dass er lebendig ist – eine Person! Er spricht seine eigene Präexistenz aus, von der wir im Johannesprolog feierlich bekennen.
Jesus deutet noch eine weitere wichtige Sache an, die Gründonnerstag und Karfreitag miteinander verbindet: Jesus ist das lebendige Brot, das er geben wird – nicht nur im Abendmahlssaal, wenn er die Eucharistie stiften wird. Es ist sein eigenes Fleisch, das er am Kreuz dahingeben wird. Das Fleisch, das ganz zerschunden und bis auf den letzten Tropfen grausam ausgeblutet wird. Es ist wie ein Schächtvorgang bei den Opferlämmern, die für den Jerusalemer Tempel geschlachtet wurden.
Was im Abendmahlssaal gestiftet wird, erfüllt sich erst so richtig am Tag darauf mit dem Opfertod auf Golgota.

Jesus spricht hier schon sehr tiefgründige und existenzielle Dinge an, doch die Menschen werden lange brauchen, das alles zu begreifen. Viele werden sich auch von ihm abwenden, weil sie sagen, seine Worte seien unerträglich. Und doch gibt es immer mehr Menschen, die von seiner Botschaft berührt werden und darin den Sinn ihres Lebens erkennen – und das ewige Leben nur durch den Glauben an Christus ermöglicht sehen.

Wir brauchen das lebendige Brot, das das Fleisch Jesu Christi ist und das er hingegeben hat für das Leben der Welt, für Sie und mich! Danken wir ihm für seine große Liebe, aufgrund der er uns sein Leben geschenkt hat.

Ihre Magstrauss

Karfreitag

Jes 52,13 – 53,12; Ps 31,2 u. 6.12-13.15-16.17 u. 25; Hebr 4,14-16; 5,7-9; Joh 18,1-19,42

Heute ist zugleich der traurigste Tag und der Moment der größten Liebe Gottes gekommen. Eigentlich haben wir jeden Grund zur Freude, denn durch die Ereignisse, derer wir heute gedenken, ist uns das ewige Heil geschenkt worden. Dennoch tut es uns weh, Jesus so leiden zu sehen.

Jes 52-53
13 Siehe, mein Knecht wird Erfolg haben, er wird sich erheben und erhaben und sehr hoch sein.

14 Wie sich viele über dich entsetzt haben – so entstellt sah er aus, nicht mehr wie ein Mensch, seine Gestalt war nicht mehr die eines Menschen – ,
15 so wird er viele Nationen entsühnen, Könige schließen vor ihm ihren Mund. Denn was man ihnen noch nie erzählt hat, das sehen sie nun; was sie niemals hörten, das erfahren sie jetzt.
1 Wer hat geglaubt, was wir gehört haben? Der Arm des HERRN – wem wurde er offenbar?
2 Vor seinen Augen wuchs er auf wie ein junger Spross, wie ein Wurzeltrieb aus trockenem Boden. Er hatte keine schöne und edle Gestalt, sodass wir ihn anschauen mochten. Er sah nicht so aus, dass wir Gefallen fanden an ihm.
3 Er wurde verachtet und von den Menschen gemieden, ein Mann voller Schmerzen, mit Krankheit vertraut. Wie einer, vor dem man das Gesicht verhüllt, war er verachtet; wir schätzten ihn nicht.
4 Aber er hat unsere Krankheit getragen und unsere Schmerzen auf sich geladen. Wir meinten, er sei von Gott geschlagen, von ihm getroffen und gebeugt.
5 Doch er wurde durchbohrt wegen unserer Vergehen, wegen unserer Sünden zermalmt. Zu unserem Heil lag die Züchtigung auf ihm, durch seine Wunden sind wir geheilt.
6 Wir hatten uns alle verirrt wie Schafe, jeder ging für sich seinen Weg. Doch der HERR ließ auf ihn treffen die Schuld von uns allen.
7 Er wurde bedrängt und misshandelt, aber er tat seinen Mund nicht auf. Wie ein Lamm, das man zum Schlachten führt, und wie ein Schaf vor seinen Scherern verstummt, so tat auch er seinen Mund nicht auf.
8 Durch Haft und Gericht wurde er dahingerafft, doch wen kümmerte sein Geschick? Er wurde vom Land der Lebenden abgeschnitten und wegen der Vergehen meines Volkes zu Tode getroffen.
9 Bei den Frevlern gab man ihm sein Grab und bei den Reichen seine Ruhestätte, obwohl er kein Unrecht getan hat und kein trügerisches Wort in seinem Mund war.
10 Doch der HERR hat Gefallen an dem von Krankheit Zermalmten. Wenn du, Gott, sein Leben als Schuldopfer einsetzt, wird er Nachkommen sehen und lange leben. Was dem HERRN gefällt, wird durch seine Hand gelingen.
11 Nachdem er vieles ertrug, erblickt er das Licht. Er sättigt sich an Erkenntnis. Mein Knecht, der gerechte, macht die Vielen gerecht; er lädt ihre Schuld auf sich.
12 Deshalb gebe ich ihm Anteil unter den Großen und mit Mächtigen teilt er die Beute, weil er sein Leben dem Tod preisgab und sich unter die Abtrünnigen rechnen ließ. Er hob die Sünden der Vielen auf und trat für die Abtrünnigen ein.

Wir hören heute als erste Lesung das gesamte vierte Gottesknechtslied. Es handelt vom Leiden und Sterben des Gottesknechtes, den wir mit Jesus identifizieren.
„Siehe, mein Knecht wird Erfolg haben…“ – Dies wird zukünftig verheißen. Ja, Jesus wird Erfolg haben zunächst darin, alles gehorsam auszuhalten bis zum letzten Atemzug. Er wird dadurch aber dann den Tod überwinden und den Satan entmachten. Er wird sich erheben aus dem Grab und er wird sehr hoch sein, nicht nur angenagelt ans Kreuz, sondern vor allem österlich erhaben mit seinem Auferstehungsleib. Er wird vom Vater verherrlicht werden und zu seiner Rechten Platz nehmen.
Demgegenüber steht der leidende Jesus in krassem Gegensatz. Bevor er nämlich verherrlicht werden kann, muss er in den ärgsten Schmutz fallen, Unglaubliches erleiden. Er ist ganz entstellt. Uns steht am ehesten der Anblick Jesu nach Mel Gibsons Passion vor Augen. Ja, wie entstellt er am Ende aussah, nicht mehr wie ein Mensch. Die Geißelhiebe, die Schläge, die Brüche im Gesicht, das viele Blut. Man erkennt ihn nicht mehr wieder vor lauter offenen Wunden und bloßliegenden Knochen.
Und all dies hat er mit sich machen lassen, um die Sünde der Welt zu sühnen. Hier ist die Rede von den gojim, von den heidnischen Völkern. Sein Leiden hat wirklich universal gesühnt!
Was man bisher noch nie gehört hat, sieht man dann an Jesus. Es ist deshalb neu, weil zwar immer wieder messianische Verheißungen in der Hl. Schrift zu lesen sind, aber dass der Sohn Gottes hingerichtet werden würde, das ist so nie begriffen worden. Es ist eher noch so, dass man bis dahin davon überzeugt war, dass ein Gehenkter ein von Gott Verfluchter sei (Dtn 21,23). Nun wendet sich das Blatt. Das Zeichen der größten Schande, das Kreuz, ist zum Zeichen des Triumphes und des Heils geworden.
„Vor seinen Augen wuchs er auf wie ein junger Spross, wie ein Wurzeltrieb aus trockenem Boden“: Der junge Spross und Wurzeltrieb erinnert uns an eine andere messianische Verheißung, die wir bei Jesaja gelesen haben. Dort ist schon die Rede davon, allerdings wird für Spross das Wort nezer gebraucht, während hier יוֹנֵק joneq steht. Es bleibt aber bei demselben Wurzeltrieb שֹּׁ֨רֶש schoresch. Der Bezug ist klar. Dieser angekündigte Messias ist es, der in der Gegenwart Gottes ganz normal aufgewachsen ist wie jeder andere Mensch. Wenn es dann weiterhin heißt, dass er keine edle und schöne Gestalt zum Ansehen hätte, kann man es mehrdeutig verstehen. Es ist wahrscheinlich nicht sein tatsächliches Aussehen gemeint, dass wir daraus schließen, Jesus sei hässlich gewesen. Es geht vielmehr um sein Ansehen in der Gesellschaft, um seinen Beruf und sein Auftreten. Er ist nicht so prunkvoll aufgetreten, dass sich alle nach ihm umdrehen. Im Gegenteil, er lebte ein armes und einfaches Leben in aller Schlichtheit.
Ja, Jesus wurde sehr verachtet, insbesondere in seinen letzten Tagen. Ganz rasant schlug der Hosannaruf des Palmsonntags ins „Kreuzige ihn“ um. Wie viele unzählige Male ist Jesus durch all die Spöttereien das Herz gebrochen worden!
Keiner kann besser sagen, er sei ein Mann voller Schmerzen als Jesus Christus! Was er erlitten hat, hätte kein Mensch so lange durchgehalten. Die Henker haben schon bei der Geißelung so sehr übertrieben, dass ein gewöhnlicher Mensch dies nicht lange überlebt hätte. Und dann trug er noch das Kreuz bzw. dessen Querbalken durch die Stadt und den Golgotahügel hoch, wo es so richtig losging…
Jesus hat das alles aber für uns getragen und ausgehalten. Er hat es als Sühne für unsere Sünden getan, doch die Menschen haben ihn abgeschrieben als Gottverfluchter (wie gesagt Dtn 21).
Wir müssen bedenken, dass diese Prophezeiung 700 Jahre vor Christi Geburt gegeben worden ist. Damals hat Jesaja schon vorhergesagt, dass Jesus durchbohrt werden würde. Die Nägel an Händen und Füßen haben ihn ans Kreuz geheftet. Es ist für unsere Vergehen geschehen. DOch durch seine Wunden sind wir geheilt. Das ist die Botschaft von Karfreitag. Wir danken voller Mitgefühl dem Herrn für diese Heilung.
Es musste sein, denn die Menschheit war wie verirrte Schafe. Jeder ging seinen Weg im Gegensatz zum Weg des Herrn, von dem in den Psalmen immer wieder die Rede ist. Das ist ein Bild für den Lebenswandel des Menschen. Die gesamte Menschheit wandelte wo auch immer, aber nicht auf dem Weg der Gebote Gottes.
Jesus hat nicht nur alles auf sich genommen, er hat seinen Mund nicht aufgemacht. Er hätte sich beschweren können, er hätte Vorwürfe machen können. Nichts davon hat man aus seinem Mund gehört. Selbst im Prozess rechtfertigt er sich nicht. Er schweigt und lässt das Urteil über sich ergehen.
Er ist wirklich das Lamm Gottes, das die Sünde der Welt hinwegnimmt, wie Johannes am Jordan schon gesagt hat. Weil er selbst zum Lamm geworden ist, weiß er wie seine Schafe sind. Er weiß um jedes Leiden, weil er es selbst getragen hat. So ein Hirte ist Jesus Christus!
„Bei den Frevlern gab man ihm sein Grab“ – Jesus ist in einem ganz neuen Grab beigesetzt worden, das Josef von Arimatäa bereitgestellt hat. Dieser Vers in Jesaja ist jedoch eher auf das Sterben am Kreuz zu beziehen. Jesus ist inmitten von Verbrechern gestorben und eigentlich wurden die Leichname der Gekreuzigten bei den Römern einfach verscharrt. In Judäa zur Zeit des Pilatus ist den Juden aber so einiges an Privilegien zuteil geworden, sodass man ihnen ein Begräbnis erlaubte. Womöglich können wir den Vers auch so verstehen, dass Jesus in Jerusalem bestattet worden ist, dem Ort der Frevler. Schließlich ist es die jerusalemer Tempelelite, die die Intrige sowie den Tod veranlasst hat. Da Jesus in eine Gruft gelegt worden war, kann man durchaus von einem gewissen Reichtum des Josef von Arimatäa ausgehen.
Jesus ist das Weizenkorn, das in die Erde fällt und dadurch Frucht bringt. Gott hat dieses Opfer nämlich angenommen und so sind bis heute unzählige Menschen als Kinder Gottes gewonnen worden! Das ist eine viel größere Fruchtbarkeit als die biologische. Jesus hat wahrlich viele Nachkommen!
Nicht mal 48 Stunden später erblickt Jesus das Licht. Er liegt nicht lange im Grab, denn der Ostermorgen naht!
Der gerechte Knecht macht die vielen gerecht. Er hat uns alle vor Gott gerecht gemacht und so müssen wir uns jeden Tag aufs Neue fragen: Wird mein Lebenswandel, zu dem ich nun befähigt bin, dem gerecht, dass Jesus für mich gestorben ist?
Der Vater gibt ihm wahrlich den Anteil. Jesus sitzt nun zur Rechten des Vaters und wird wiederkommen in Herrlichkeit, zu richten die Lebenden und die Toten. Am Ende hat er triumphiert!

Ps 31
2 HERR, bei dir habe ich mich geborgen. Lass mich nicht zuschanden werden in Ewigkeit; rette mich in deiner Gerechtigkeit!
6 In deine Hand lege ich voll Vertrauen meinen Geist; du hast mich erlöst, HERR, du Gott der Treue.
12 Vor all meinen Bedrängern wurde ich zum Spott, zum Spott sogar für meine Nachbarn. Meinen Freunden wurde ich zum Schrecken, wer mich auf der Straße sieht, der flieht vor mir.
13 Ich bin dem Gedächtnis entschwunden wie ein Toter, bin geworden wie ein zerbrochenes Gefäß.
15 Ich aber, HERR, ich habe dir vertraut, ich habe gesagt: Mein Gott bist du.
16 In deiner Hand steht meine Zeit; entreiß mich der Hand meiner Feinde und Verfolger!
17 Lass dein Angesicht leuchten über deinem Knecht, hilf mir in deiner Huld!
25 Euer Herz sei stark und unverzagt, ihr alle, die ihr den HERRN erwartet.

Im Psalm beten wir ganz vertrauensvolle Worte. Wir beten sie zusammen mit Jesus, der am Kreuz nach Luft ringt und dessen Lebenskraft immer mehr schwindet. Wir beten gemeinsam mit dem, der sich dort hängend ganz alleinegelassen fühlt und diese Einsamkeit aushält.
„HERR, bei dir habe ich mich geborgen.“ Jesus hat sich wirklich immer ganz dem Vater anvertraut. Immer wieder hat er Gebetszeiten gehalten, in denen er ganz innigst mit seinem Vater gesprochen hat. Er und der Vater sind eins.
Und so hält er auch daran fest, als er am Kreuz hängt. Er bittet ihn daher: „Lass mich nicht zuschanden werden in Ewigkeit; rette mich in deiner Gerechtigkeit!“ Er hat somit den Menschen ein Beispiel gegeben, wie sie in ihrem Leiden am Vater festhalten, sich gleichsam an ihn klammern sollen. So hat es schon David getan, dem wir diesen Psalm verdanken, und Gott hat ihn nie enttäuscht.
„In deine Hand lege ich voll Vertrauen meinen Geist“ ist ein Schriftwort, das Jesus der lukanischen Überlieferung nach gebetet hat. Er hat Gott wirklich ganz vertraut, selbst in der Stunde seines Todes.
Er hat dort schon diesen Psalm gebetet, ja diesen Vers, bei dem es weiterhin heißt: „Du hast mich erlöst, HERR, du Gott der Treue.“ Es ist auch nichts Anderes zu erwarten, denn nur kurze Zeit zuvor hat Jesus seinen geliebten Freund Lazarus von den Toten erweckt und dabei kein Bittgebet zum Vater formuliert, sondern ein Dank für die Gebetserhörung! Und er hat auch vor allen Anwesenden gesagt: „Ich weiß, dass du mich immer erhörst.“ Und mit dieser Gewissheit ist Jesus auch gestorben.
Gebe Gott, dass auch wir mit so einem festen Vertrauen unseren letzten Atemzug machen!
Jesus wurde wahrlich zum Inbegriff des Spotts – seinen Bedrängern, die ihn loswerden wollten, den Jerusalempilgern, die vorbeizogen, sogar denen, die neben ihm am Kreuz hingen!
Jesus hat sogar seine besten Freunde nicht an seiner Seite. Die meisten von ihnen verstecken sich irgendwo, einer von ihnen hat ihn den „Bedrängern“ ausgeliefert und lebt nicht mehr, der andere hat ihn ganz feige verleugnet. Nur Johannes steht unter dem Kreuz und bleibt bei ihm. Er ruht an seinem Herzen – nicht nur im Abendmahlssaal am Abend zuvor, sondern auch jetzt an dem ganz verwundeten Herzen, das durchbohrt wird!
„Ich bin dem Gedächtnis entschwunden wie ein Toter, bin geworden wie ein zerbrochenes Gefäß.“ Für Israeliten ist diese Art von Tod das Schlimmste, was ihnen passieren kann – das Vergessen ihres Namens, ihrer Identität. Die Erinnerung auch über ihren Tod hinaus ist die höchste Form von „Auferstehungshoffnung“, die die Israeliten zur Zeit König Davids vertreten haben (er komponierte ja den Psalm). Ein Leben nach dem Tod, Jenseitsvorstellungen, all das entwickelte sich erst im Laufe der Zeit, sodass Jesus erst dann Mensch geworden ist, als die Juden schon so weit waren, das zu verstehen. Jesu Gegner haben wirklich dessen Namen auszulöschen versucht, indem sie ihm nicht den kleinsten Funken Ehre gelassen haben. Doch am Ende hat der Vater seinen Sohn über alle anderen erhöht und ihm den Namen verliehen, der größer ist als alle Namen. Er hat ihn nicht nur rehabilitiert, sondern in seinem Namen geschehen bis heute Zeichen und Wunder. Er ist der heiligste aller Namen geworden! So gibt Gott auch uns durch den Neuen Bund einen neuen Namen und wir sind getauft auf den allerheiligsten Namen Jesu Christi.
Auch wir dürfen durch dieses heilsame Ereignis am Kreuz beten „in deiner Hand steht meine Zeit“. An Jesu gutem Ausgang können wir wirklich erkennen, dass wir uns ganz auf die Vorsehung Gottes verlassen dürfen.
„Lass dein Angesicht leuchten über deinem Knecht, hilf mir in deiner Huld! Euer Herz sei stark und unverzagt, ihr alle, die ihr den HERRN erwartet.“ Jesus hat gebetet: „Hilf mir in deiner Huld!“ Gott hat es getan und so kann Jesus zu uns Menschen heute sagen: „Euer Herz sei stark und unverzagt, ihr alle, die ihr den HERRN erwartet.“ Ja, wir warten auf die Wiederkunft Christi und so ermutigt Christus selbst uns, standhaft zu sein und unser Kreuz zu tragen. Er hat es auch getan.

Hebr 4-5
14 Da wir nun einen erhabenen Hohepriester haben, der die Himmel durchschritten hat, Jesus, den Sohn Gottes, lasst uns an dem Bekenntnis festhalten.

15 Wir haben ja nicht einen Hohepriester, der nicht mitfühlen könnte mit unseren Schwächen, sondern einen, der in allem wie wir versucht worden ist, aber nicht gesündigt hat.
16 Lasst uns also voll Zuversicht hinzutreten zum Thron der Gnade, damit wir Erbarmen und Gnade finden und so Hilfe erlangen zur rechten Zeit!
7 Er hat in den Tagen seines irdischen Lebens mit lautem Schreien und unter Tränen Gebete und Bitten vor den gebracht, der ihn aus dem Tod retten konnte, und er ist erhört worden aufgrund seiner Gottesfurcht.
8 Obwohl er der Sohn war, hat er durch das, was er gelitten hat, den Gehorsam gelernt;
9 zur Vollendung gelangt, ist er für alle, die ihm gehorchen, der Urheber des ewigen Heils geworden
10 und wurde von Gott angeredet als Hohepriester nach der Ordnung Melchisedeks.

In der zweiten Lesung hören wir aus dem Hebräerbrief eine Betrachtung der hohepriesterlichen Identität Christi, der zugleich das dargebrachte Opfer ist.
Wir haben einen erhabenen Hohepriester, der nun beim Vater ist, der förmlich „die Himmel durchschritten hat“. Aus dem Grund werden wir durch den Brief dazu ermutigt, standhaft am Bekenntnis Jesu Christi festzuhalten.
Er ist ein mitfühlender Hohepriester, der selbst alle Leiden durchgemacht hat. Er ist den ganzen menschlichen Weg gegangen, ohne dabei zu sündigen. Er ist selbst zum Opfertier geworden, um die Sünde von den Menschen zu nehmen.
Dies erfüllt uns bis heute mit Zuversicht und zeigt, dass Gottes Thron ein Gnadenthron ist. Gott ist Mensch geworden, um die Welt zu retten. Er wird uns heute auch nicht im Stich lassen, sondern wir werden „Hilfe erlangen zur rechten Zeit“.
Jesus hat „mit lautem Schreien und unter Tränen Gebete und Bitten“ formuliert. Er hat mit dem letzten Rest an Atem, der ihm im grausamen Erstickungstod noch blieb, zu seinem Vater gebetet. Er hat vor allem die Psalmen gesprochen. Gott hat ihn erhört, weil er wirklich gottesfürchtig war. Er hat Gott nicht verworfen, nicht mit ihm gehadert, nie an seiner absoluten Güte gezweifelt. Er ist der Sohn Gottes, aber er hat den Gehorsam verstanden. Das Wort an der Stelle ist ἔμαθεν emathen. Es kommt von manthano, was meistens mit „lernen, verstehen“ übersetzt wird. Es hat noch weitere Bedeutungen und wir sehen am gesamtbiblischen Zeugnis, dass Jesus nichts Neues lernen musste in Bezug auf den Vater und die Heilsgeschichte. Er wusste ja schon alles. Wir hören im Lukasevangelium ja auch schon davon, dass Jesus schon als Kind seinen Eltern gehorsam ist (bis auf die prophetische Zeichenhandlung im Tempel). So kann man an dieser Stelle mit „verstehen oder wissen“ übersetzen. Jesus verstand oder erkannte, dass er bei allem Leiden doch nur eines konnte – gehorsam sein.
Und damit hat er ein Beispiel gegeben denen, die wiederum ihm gehorsam sein sollen. Dadurch antworten wir nämlich mit einem Ja auf die von Gott erwiesene Liebe. Uns ist alles bereitet worden, aber wir müssen die Erlösung und Vergebung Gottes annehmen. Dies tun wir, indem wir den Weg Jesu nachgehen und zu seinen Jüngern werden.
Jesus ist Hohepriester nach der Ordnung Melchisedeks. Das ist eine tiefe Wahrheit, die eine typologische Verbindung von Jesus und Melchisedek offenbart. Dieser ist König und Priester von Salem, der Bezeichnung Jerusalems in frühen Zeiten (Gen 14)! Er begegnet Abraham und bringt Brot und Wein dar. Man weiß nichts von seinem Ursprung und er segnet Abraham, wodurch er höher steht als dieser. Auf Jesus angewandt lehrt es uns: Jesu hohepriesterliche Identität steht höher als das aaronitische Priestertum. Er bringt im Abendmahlssaal ebenfalls Brot und Wein dar. Er ist dieser wahre König des Höchsten. Er ist aber nicht mehr König der irdischen Stadt Jerusalem, sondern des himmlischen! Er ist König des Reiches Gottes. Was wir hier im Hebräerbrief lesen, wird schon über den Messias in Ps 110 ausgesagt. Das ist ebenfalls Zeichen seines Triumphes über den Tod.

Joh 18-19
1 Nach diesen Worten ging Jesus mit seinen Jüngern hinaus, auf die andere Seite des Baches Kidron. Dort war ein Garten; in den ging er mit seinen Jüngern hinein. 2 Auch Judas, der ihn auslieferte, kannte den Ort, weil Jesus dort oft mit seinen Jüngern zusammengekommen war. 3 Judas holte die Soldaten und die Gerichtsdiener der Hohepriester und der Pharisäer und kam dorthin mit Fackeln, Laternen und Waffen. 4 Jesus, der alles wusste, was mit ihm geschehen sollte, ging hinaus und fragte sie: Wen sucht ihr? 5 Sie antworteten ihm: Jesus von Nazaret. Er sagte zu ihnen: Ich bin es. Auch Judas, der ihn auslieferte, stand bei ihnen. 6 Als er zu ihnen sagte: Ich bin es!, wichen sie zurück und stürzten zu Boden. 7 Er fragte sie noch einmal: Wen sucht ihr? Sie sagten: Jesus von Nazaret. 8 Jesus antwortete: Ich habe euch gesagt, dass ich es bin. Wenn ihr also mich sucht, dann lasst diese gehen! 9 So sollte sich das Wort erfüllen, das er gesagt hatte: Ich habe keinen von denen verloren, die du mir gegeben hast. 10 Simon Petrus, der ein Schwert bei sich hatte, zog es, traf damit den Diener des Hohepriesters und hieb ihm das rechte Ohr ab; der Diener aber hieß Malchus. 11 Da sagte Jesus zu Petrus: Steck das Schwert in die Scheide! Der Kelch, den mir der Vater gegeben hat – soll ich ihn nicht trinken?
12 Die Soldaten, der Hauptmann und die Gerichtsdiener der Juden nahmen Jesus fest, fesselten ihn 13 und führten ihn zuerst zu Hannas; er war nämlich der Schwiegervater des Kajaphas, der in jenem Jahr Hohepriester war. 14 Kajaphas aber war es, der den Juden den Rat gegeben hatte: Es ist besser, dass ein einziger Mensch für das Volk stirbt. 15 Simon Petrus und ein anderer Jünger folgten Jesus. Dieser Jünger war mit dem Hohepriester bekannt und ging mit Jesus in den Hof des Hohepriesters. 16 Petrus aber blieb draußen am Tor stehen. Da kam der andere Jünger, der Bekannte des Hohepriesters, heraus; er sprach mit der Pförtnerin und führte Petrus hinein. 17 Da sagte die Pförtnerin zu Petrus: Bist nicht auch du einer von den Jüngern dieses Menschen? Er sagte: Ich bin es nicht. 18 Die Knechte und die Diener hatten sich ein Kohlenfeuer angezündet und standen dabei, um sich zu wärmen; denn es war kalt. Auch Petrus stand bei ihnen und wärmte sich. 19 Der Hohepriester befragte Jesus über seine Jünger und über seine Lehre. 20 Jesus antwortete ihm: Ich habe offen vor aller Welt gesprochen. Ich habe immer in der Synagoge und im Tempel gelehrt, wo alle Juden zusammenkommen. Nichts habe ich im Geheimen gesprochen. 21 Warum fragst du mich? Frag doch die, die gehört haben, was ich zu ihnen gesagt habe; siehe, sie wissen, was ich geredet habe. 22 Als er dies sagte, schlug einer von den Dienern, der dabeistand, Jesus ins Gesicht und sagte: Antwortest du so dem Hohepriester? 23 Jesus entgegnete ihm: Wenn es nicht recht war, was ich gesagt habe, dann weise es nach; wenn es aber recht war, warum schlägst du mich? 24 Da schickte ihn Hannas gefesselt zum Hohepriester Kajaphas. 25 Simon Petrus aber stand da und wärmte sich. Da sagten sie zu ihm: Bist nicht auch du einer von seinen Jüngern? Er leugnete und sagte: Ich bin es nicht. 26 Einer von den Knechten des Hohepriesters, ein Verwandter dessen, dem Petrus das Ohr abgehauen hatte, sagte: Habe ich dich nicht im Garten bei ihm gesehen? 27 Wieder leugnete Petrus und gleich darauf krähte ein Hahn.

28 Von Kajaphas brachten sie Jesus zum Prätorium; es war früh am Morgen. Sie selbst gingen nicht in das Gebäude hinein, um nicht unrein zu werden, sondern das Paschalamm essen zu können. 29 Deshalb kam Pilatus zu ihnen heraus und fragte: Welche Anklage erhebt ihr gegen diesen Menschen? 30 Sie antworteten ihm: Wenn er kein Übeltäter wäre, hätten wir ihn dir nicht ausgeliefert. 31 Pilatus sagte zu ihnen: Nehmt ihr ihn doch und richtet ihn nach eurem Gesetz! Die Juden antworteten ihm: Uns ist es nicht gestattet, jemanden hinzurichten. 32 So sollte sich das Wort Jesu erfüllen, mit dem er angedeutet hatte, welchen Tod er sterben werde. 33 Da ging Pilatus wieder in das Prätorium hinein, ließ Jesus rufen und fragte ihn: Bist du der König der Juden? 34 Jesus antwortete: Sagst du das von dir aus oder haben es dir andere über mich gesagt? 35 Pilatus entgegnete: Bin ich denn ein Jude? Dein Volk und die Hohepriester haben dich an mich ausgeliefert. Was hast du getan? 36 Jesus antwortete: Mein Königtum ist nicht von dieser Welt. Wenn mein Königtum von dieser Welt wäre, würden meine Leute kämpfen, damit ich den Juden nicht ausgeliefert würde. Nun aber ist mein Königtum nicht von hier. 37 Da sagte Pilatus zu ihm: Also bist du doch ein König? Jesus antwortete: Du sagst es, ich bin ein König. Ich bin dazu geboren und dazu in die Welt gekommen, dass ich für die Wahrheit Zeugnis ablege. Jeder, der aus der Wahrheit ist, hört auf meine Stimme. 38 Pilatus sagte zu ihm: Was ist Wahrheit? Nachdem er das gesagt hatte, ging er wieder zu den Juden hinaus und sagte zu ihnen: Ich finde keine Schuld an ihm. 39 Ihr seid aber gewohnt, dass ich euch zum Paschafest einen freilasse. Wollt ihr also, dass ich euch den König der Juden freilasse? 40 Da schrien sie wieder: Nicht diesen, sondern Barabbas! Barabbas aber war ein Räuber.
1 Darauf nahm Pilatus Jesus und ließ ihn geißeln. 2 Die Soldaten flochten einen Kranz aus Dornen; den setzten sie ihm auf das Haupt und legten ihm einen purpurroten Mantel um. 3 Sie traten an ihn heran und sagten: Sei gegrüßt, König der Juden! Und sie schlugen ihm ins Gesicht. 4 Pilatus ging wieder hinaus und sagte zu ihnen: Seht, ich bringe ihn zu euch heraus; ihr sollt wissen, dass ich keine Schuld an ihm finde. 5 Jesus kam heraus; er trug die Dornenkrone und den purpurroten Mantel. Pilatus sagte zu ihnen: Seht, der Mensch! 6 Als die Hohepriester und die Diener ihn sahen, schrien sie: Kreuzige ihn, kreuzige ihn! Pilatus sagte zu ihnen: Nehmt ihr ihn und kreuzigt ihn! Denn ich finde keine Schuld an ihm. 7 Die Juden entgegneten ihm: Wir haben ein Gesetz und nach dem Gesetz muss er sterben, weil er sich zum Sohn Gottes gemacht hat. 8 Als Pilatus das hörte, fürchtete er sich noch mehr. 9 Er ging wieder in das Prätorium hinein und fragte Jesus: Woher bist du? Jesus aber gab ihm keine Antwort. 10 Da sagte Pilatus zu ihm: Du sprichst nicht mit mir? Weißt du nicht, dass ich Macht habe, dich freizulassen, und Macht, dich zu kreuzigen?
11 Jesus antwortete ihm: Du hättest keine Macht über mich, wenn es dir nicht von oben gegeben wäre; darum hat auch der eine größere Sünde, der mich dir ausgeliefert hat. 12 Daraufhin wollte Pilatus ihn freilassen, aber die Juden schrien: Wenn du diesen freilässt, bist du kein Freund des Kaisers; jeder, der sich zum König macht, lehnt sich gegen den Kaiser auf. 13 Auf diese Worte hin ließ Pilatus Jesus herausführen und er setzte sich auf den Richterstuhl an dem Platz, der Lithostrotos, auf Hebräisch Gabbata, heißt. 14 Es war Rüsttag des Paschafestes, ungefähr die sechste Stunde. Pilatus sagte zu den Juden: Seht, euer König! 15 Sie aber schrien: Hinweg, hinweg, kreuzige ihn! Pilatus sagte zu ihnen: Euren König soll ich kreuzigen? Die Hohepriester antworteten: Wir haben keinen König außer dem Kaiser.
16 Da lieferte er ihnen Jesus aus, damit er gekreuzigt würde. Sie übernahmen Jesus. 17 Und er selbst trug das Kreuz und ging hinaus zur sogenannten Schädelstätte, die auf Hebräisch Golgota heißt. 18 Dort kreuzigten sie ihn und mit ihm zwei andere, auf jeder Seite einen, in der Mitte aber Jesus. 19 Pilatus ließ auch eine Tafel anfertigen und oben am Kreuz befestigen; die Inschrift lautete: Jesus von Nazaret, der König der Juden. 20 Diese Tafel lasen viele Juden, weil der Platz, wo Jesus gekreuzigt wurde, nahe bei der Stadt lag. Die Inschrift war hebräisch, lateinisch und griechisch abgefasst. 21 Da sagten die Hohepriester der Juden zu Pilatus: Schreib nicht: Der König der Juden, sondern dass er gesagt hat: Ich bin der König der Juden. 22 Pilatus antwortete: Was ich geschrieben habe, habe ich geschrieben. 23 Nachdem die Soldaten Jesus gekreuzigt hatten, nahmen sie seine Kleider und machten vier Teile daraus, für jeden Soldaten einen Teil, und dazu das Untergewand. Das Untergewand war aber ohne Naht von oben ganz durchgewoben. 24 Da sagten sie zueinander: Wir wollen es nicht zerteilen, sondern darum losen, wem es gehören soll. So sollte sich das Schriftwort erfüllen: Sie verteilten meine Kleider unter sich und warfen das Los um mein Gewand. Dies taten die Soldaten. 25 Bei dem Kreuz Jesu standen seine Mutter und die Schwester seiner Mutter, Maria, die Frau des Klopas, und Maria von Magdala. 26 Als Jesus die Mutter sah und bei ihr den Jünger, den er liebte, sagte er zur Mutter: Frau, siehe, dein Sohn! 27 Dann sagte er zu dem Jünger: Siehe, deine Mutter! Und von jener Stunde an nahm sie der Jünger zu sich. 28 Danach, da Jesus wusste, dass nun alles vollbracht war, sagte er, damit sich die Schrift erfüllte: Mich dürstet. 29 Ein Gefäß voll Essig stand da. Sie steckten einen Schwamm voll Essig auf einen Ysopzweig und hielten ihn an seinen Mund. 30 Als Jesus von dem Essig genommen hatte, sprach er: Es ist vollbracht! Und er neigte das Haupt und übergab den Geist. 31 Weil Rüsttag war und die Körper während des Sabbats nicht am Kreuz bleiben sollten – dieser Sabbat war nämlich ein großer Feiertag – , baten die Juden Pilatus, man möge ihnen die Beine zerschlagen und sie dann abnehmen. 32 Also kamen die Soldaten und zerschlugen dem ersten die Beine, dann dem andern, der mit ihm gekreuzigt worden war. 33 Als sie aber zu Jesus kamen und sahen, dass er schon tot war, zerschlugen sie ihm die Beine nicht, 34 sondern einer der Soldaten stieß mit der Lanze in seine Seite und sogleich floss Blut und Wasser heraus. 35 Und der es gesehen hat, hat es bezeugt und sein Zeugnis ist wahr. Und er weiß, dass er Wahres sagt, damit auch ihr glaubt. 36 Denn das ist geschehen, damit sich das Schriftwort erfüllte: Man soll an ihm kein Gebein zerbrechen. 37 Und ein anderes Schriftwort sagt: Sie werden auf den blicken, den sie durchbohrt haben. 38 Josef aus Arimathäa war ein Jünger Jesu, aber aus Furcht vor den Juden nur im Verborgenen. Er bat Pilatus, den Leichnam Jesu abnehmen zu dürfen, und Pilatus erlaubte es. Also kam er und nahm den Leichnam ab. 39 Es kam auch Nikodemus, der früher einmal Jesus bei Nacht aufgesucht hatte. Er brachte eine Mischung aus Myrrhe und Aloe, etwa hundert Pfund. 40 Sie nahmen den Leichnam Jesu und umwickelten ihn mit Leinenbinden, zusammen mit den wohlriechenden Salben, wie es beim jüdischen Begräbnis Sitte ist. 41 An dem Ort, wo man ihn gekreuzigt hatte, war ein Garten und in dem Garten war ein neues Grab, in dem noch niemand bestattet worden war. 42 Wegen des Rüsttages der Juden und weil das Grab in der Nähe lag, setzten sie Jesus dort bei.

Als Evangelium wird heute die Passion nach dem Johannesevangelium berichtet. Sie besteht aus zwei ganzen Kapiteln und so werde ich sie an dieser Stelle nicht auslegen. Eventuell mache ich bei Gelegenheit ein Video dazu. Lassen wir heute das Leiden und Sterben unseres Herrn Jesus Christus auf uns wirken und werden wir davon berührt. Er hat das alles für uns getan!

Ihre Magstrauss

Mittwoch der Karwoche

Jes 50,4-9a; Ps 69,8-9.10 u. 12.21b-22.31 u. 33; Mt 26,14-25

Jes 50
4 GOTT, der Herr, gab mir die Zunge von Schülern, damit ich verstehe, die Müden zu stärken durch ein aufmunterndes Wort. Jeden Morgen weckt er mein Ohr, damit ich höre, wie Schüler hören.
5 GOTT, der Herr, hat mir das Ohr geöffnet. Ich aber wehrte mich nicht und wich nicht zurück.
6 Ich hielt meinen Rücken denen hin, die mich schlugen, und meine Wange denen, die mir den Bart ausrissen. Mein Gesicht verbarg ich nicht vor Schmähungen und Speichel.
7 Und GOTT, der Herr, wird mir helfen; darum werde ich nicht in Schande enden. Deshalb mache ich mein Gesicht hart wie einen Kiesel; ich weiß, dass ich nicht in Schande gerate.
8 Er, der mich freispricht, ist nahe. Wer will mit mir streiten? Lasst uns zusammen vortreten! Wer ist mein Gegner im Rechtsstreit? Er trete zu mir heran.
9 Siehe, GOTT, der Herr, wird mir helfen.

Heute hören wir aus dem dritten Gottesknechtslied. Es ist bereits an Palmsonntag verlesen worden und sehr intensiv:
„GOTT, der Herr, gab mir die Zunge von Schülern, damit ich verstehe, die Müden zu stärken durch ein aufmunterndes Wort.“ Wir müssen es verstehen vor dem Hintergrund der Menschwerdung Gottes. Jesus ist Gott, ist aber durch seine Menschwerdung entäußert worden, das heißt er verzichtete auf seine Gottheit, um die Sünde der Welt zu sühnen. So hat er alles den Menschen vorgelebt und alles so getan, wie die Menschen es tun. Wenn es hier also heißt, „gab mir die Zunge von Schülern“, müssen wir es nicht so verstehen, dass Jesus etwas Neues lernen könnte oder Dinge zuerst nicht weiß und dann zur Erkenntnis kommt. Er weiß schon alles von Anfang an, weil er trotz Entäußerung immer noch Gott ist. Das hebräische Wort für „Zunge“ kann auch mit „Sprache“ übersetzt werden, was vielleicht passender ist: Der Vater hat dem Sohn die Sprache von Schülern gegeben, damit seine Schüler, das heißt seine Jünger, seine Worte verstehen können. Es heißt also, dass Gott die Sprache der Menschen angenommen hat, um sich ihnen zu offenbaren. Er tut es, um die Müden aufzurichten durch ein aufmunterndes Wort. Diese Müdigkeit hat weniger etwas mit physischer Erschöpfung zu tun als vielmehr mit Hoffnungslosigkeit durch Seelenmüdigkeit. Es geht um das Wecken der Menschen, damit sie wachsam werden, damit sie aus der Müdigkeit ihrer langen Warterei auf den Messias erwachen!
Jeden Morgen weckt er mein Ohr, damit ich höre, wie Schüler hören. Jesus selbst hat gehorsam auf den Vater gehört und nichts gesagt oder getan, was nicht im Einklang mit dem Vater ist.
Er hat auf den Willen des Vaters gehört und es auch durchgehalten selbst in den Angriffen der Menschen: „Ich aber wehrte mich nicht und wich nicht zurück.“ – So ist es schon den Propheten des Alten Testaments ergangen. Sie haben auf die Stimme Gottes gehört und den Menschen seinen Willen kundgetan, zumeist um den Preis ihres eigenen Lebens. Umso mehr gilt das für den Sohn Gottes selbst, der der Gehorsamste von allen ist.
Jesus hielt wortwörtlich seinen Rücken hin denen, die ihn schlugen. Wie maßlos haben seine Gegner auf ihn eingeschlagen, statt sich an die gebotene Anzahl von Schlägen zu halten, wie sie das Recht vorsieht – sowohl mit Stöcken als auch mit Geißeln! (Wir wissen vom Grabtuch von Turin, dass er über hundert Mal geschlagen worden ist, statt der gebotenen 39 Schläge. Die Römer haben sich nicht daran gehalten).
„Und meine Wange denen, die mir den Bart ausrissen“ – Ja, er wurde ins Gesicht geschlagen durch den Diener der Hohepriesters. Von Privatoffenbarungen wissen wir, wie sehr sie ihm den Bart ausgerissen haben in der Nacht von Donnerstag auf Freitag. Laut diesen Offenbarungen stachen sie ihm sogar Nägel und Spitzen in die Löcher seines ausgerissenen Bartes. Unvorstellbar, was Jesus durchmachen musste! Es geht bei diesem Akt nicht nur um die Schmerzen, sondern auch um die Erniedrigung, die ihm dadurch widerfahren ist.
„Mein Gesicht verbarg ich nicht durch Schmähungen und Speichel.“ Wie oft Jesus wohl auf seinem Kreuzweg zum Golgota von der gaffenden Menge und von den Soldaten angespuckt und beschimpft worden ist? Er ist wirklich behandelt worden wie der schlimmste Verbrecher. Es blieb ihm nicht ein Funken Ehre. Er ist maximal erniedrigt worden, aber dann vom Vater über alle anderen erhöht worden. Stellen Sie sich vor, dass Sie allmächtig wären, über all jenen Peinigern stehen würden, aber alles mit sich machen lassen würden! Sie könnten jederzeit einmal schnipsen und sie alle in die Hölle hinabwerfen, sich vom Kreuz befreien und die ganzen Wunden augenblicklich heilen, weil Sie so allmächtig sind! Für Jesus gilt das alles tatsächlich, weil er Gott ist und doch greift er nicht ein! Er lässt alles mit sich machen, weil er uns so sehr liebt, dass er all das sühnt. So unbegreiflich groß ist seine Liebe!
„Und GOTT, der Herr, wird mir helfen; darum werde ich nicht in Schande enden.“ Ja, das ist nicht nur ein absolutes Vertrauensbekenntnis, sondern eine regelrechte Ankündigung. Jesus wird nicht in Schande enden, denn am dritten Tag wird er von den Toten auferstehen! Er wird den schandvollsten Tod sterben, aber er wird nicht in ihm bleiben. Der Vater wird ihn auferstehen lassen und über alle anderen erhöhen. Nun hat er ihn wieder zu sich geholt und er sitzt mit Leib und Seele zur Rechten des Vaters.
„Er, der mich freispricht, ist nahe. Wer will mit mir streiten?“ Der Vater spricht seinen Sohn sozusagen frei im Kampf gegen den Bösen, indem er ihn am dritten Tag auferstehen lässt. Der Tod wird überwunden. Er kann im Rechtsstreit nichts mehr unternehmen.
„Siehe, GOTT, der Herr, wird mir helfen.“ Das dürfen auch wir mit Gewissheit beten, denn wie er seinen eigenen Sohn aus den Klauen des Todes gerettet hat, so wird er auch uns retten, die wir nicht nur auf den Tod, sondern auch auf die Auferstehung Jesu Christi hin getauft sind.

Ps 69
8 Denn deinetwegen erleide ich Hohn und Schande bedeckt mein Angesicht.
9 Entfremdet bin ich meinen Brüdern, den Söhnen meiner Mutter wurde ich fremd.
10 Denn der Eifer für dein Haus hat mich verzehrt, die Verhöhnungen derer, die dich verhöhnen, sind auf mich gefallen.
12 Ich legte als Gewand ein Bußkleid an, ich wurde ihnen zum Spottvers.
21 Ich hoffte auf Mitleid, doch vergebens, auf Tröster, doch fand ich keinen.
22 Sie gaben mir Gift als Speise, für den Durst gaben sie mir Essig zu trinken.
31 Ich will im Lied den Namen Gottes loben, ich will ihn mit Dank erheben.
33 Die Gebeugten haben es gesehen und sie freuen sich! Ihr, die ihr Gott sucht, euer Herz lebe auf!

Als Psalm wird heute wieder ein Klagepsalm gebetet, in dem zunächst das Leiden detailliert geklagt wird. Dann kommen mehrere Bittrufe, die in unserem heutigen Abschnitt nicht zu lesen sind, bevor es einen typischen Stimmungsumschwung gibt: Gott wird zum Ende des Psalms gepriesen.
„Denn deinetwegen erleide ich Hohn und Schande bedeckt mein Angesicht.“ Jesus ist dafür ausgeliefert und elendig getötet worden, dass er den Menschen gezeigt hat, wie der Vater ist. Er hat das Reich Gottes verkündigt mit göttlicher Vollmacht. Dafür ist er so schandvoll wie nur möglich gestorben.
„Entfremdet bin ich meinen Brüdern, den Söhnen meiner Mutter wurde ich fremd.“ Wir wissen von den Evangelien her, dass Jesu Großfamilie ihn von der Verkündigung abhalten wollte und sogar sagte: „Er ist von Sinnen.“ Seine biologischen Verwandten haben ihn nicht verstanden. Vielmehr hat Jesus gesagt, dass jene, die den Willen seines Vaters tun, seine wahre Familie sind. Maria, seine biologische Mutter, war die allererste Jüngerin und so lag der Idealfall vor: Biologie und geistige Gesinnung waren eins!
„Denn der Eifer für dein Haus hat mich verzehrt, die Verhöhnungen derer, die dich verhöhnen, sind auf mich gefallen.“ Das ist ein besonderer Vers, denn dies zitiert Johannes für Jesu Tempelreinigung. Es hat sich mit Jesus erfüllt. Aus Eifer für das Haus Gottes hat er die Händler aus dem Tempel vertrieben, die es zur Räuberhöhle gemacht haben. Dieser Eifer ist uns schon durch die Episode verdeutlicht worden, in der Jesus als Zwölfjähriger im Tempel zurückbleibt und mit den Ältesten und Schriftgelehrten debattiert. Als seine Eltern ihn voller Sorge im Tempel wiederfinden und ihn auf diese Aktion ansprechen, antwortet er ihnen: „Warum habt ihr mich gesucht? Wusstet ihr nicht, dass ich in dem sein muss, was meinem Vater gehört?“ Der Eifer für das Haus Gottes ist nicht nur auf einen irdischen Bau beschränkt. Vielmehr geht es ihm schließlich um das Reich Gottes, um das Himmelreich, dass des Vaters eigentliches Haus ist! Und für eben jene Botschaft vom Reich Gottes ist er verhöhnt worden. Damit haben die Spötter auch den Vater im Himmel verspottet, denn Jesus und der Vater sind eins.
„Ich legte als Gewand ein Bußkleid an“ – dies müssen wir bildlich verstehen, denn von Jesu Kleidung ist explizit nicht die Rede (nur am Ende, als es um sein durchgewebtes Untergewand geht). Die Buße ist Jesu „Gewand“ im Sinne der Verpackung. Es gehört zum Programm der Verkündigung und ist deren Kern. Bei seinem Antritt sagt Jesus in Mk 1,15: Die Zeit ist erfüllt, das Reich Gottes ist nahe, kehrt um und glaubt an das Evangelium. Doch die wirklich Einflussreichen haben sich nicht bekehrt trotz der vielen vielen Chancen, Signale und Zeichen.
„Ich hoffte auf Mitleid“ – Jesus hat sich selbst dahingegeben, damit die harten Herzen der Menschen erweicht werden. Wie viele sind doch hart geblieben, obwohl er für sie gestorben ist!
„Sie gaben mir Gift als Speise“ – das erinnert uns an die verschiedenen Getränke, die sie Jesus angeboten haben. Das Wein-Myrrhe-Gemisch hat er abgelehnt, weil es ein Betäubungsmittel war und Jesus ganz für uns leiden wollte, das zweite sollte seinen Todesprozess verlängern und war Essig. Man kann durchaus von Gift sprechen, denn gesund war es sicherlich nicht….
„Ich will im Lied den Namen Gottes loben, ich will ihn mit Dank erheben.“ Mit dem Stimmungsumschwung wird auch für uns deutlich: Nach dem Leiden kommt das Heil. Nach Karfreitag kommt Ostern. Nach der Dunkelheit des Todes kommt das Licht des Lebens. Es gibt bei Gott immer ein Happy Ending, auch wenn es noch so weit weg erscheint. Gott wendet alles zum Guten, nur müssen wir ihm ganz vertrauen, egal, wie unwahrscheinlich es zu sein scheint.
„Die Gebeugten haben es gesehen und sie freuen sich! Ihr, die ihr Gott sucht, euer Herz lebe auf!“ Nicht nur Jesus, der am tiefsten Gebeugte, ist Zeuge für dieses Happy Ending. Auch die vielen vielen Märtyrer, die Johannes in der Offenbarung geschaut hat, die Apostel, die Glaubensvorbilder, sie alle sind mit einer unerschütterlichen Hoffnung in den Tod gegangen und wir glauben, dass sie direkt bei Gott sind und in der ewigen Anschauung seiner Herrlichkeit sein dürfen. Dies erwartet auch uns, wenn wir bis zum Schluss standhaft sind.

Mt 26
14 Darauf ging einer der Zwölf namens Judas Iskariot zu den Hohepriestern

15 und sagte: Was wollt ihr mir geben, wenn ich euch Jesus ausliefere? Und sie boten ihm dreißig Silberstücke.
16 Von da an suchte er nach einer Gelegenheit, ihn auszuliefern.
17 Am ersten Tag des Festes der Ungesäuerten Brote gingen die Jünger zu Jesus und fragten: Wo sollen wir das Paschamahl für dich vorbereiten?
18 Er antwortete: Geht in die Stadt zu dem und dem und sagt zu ihm: Der Meister lässt dir sagen: Meine Zeit ist da; bei dir will ich mit meinen Jüngern das Paschamahl feiern.
19 Die Jünger taten, wie Jesus ihnen aufgetragen hatte, und bereiteten das Paschamahl vor.
20 Als es Abend wurde, begab er sich mit den zwölf Jüngern zu Tisch.
21 Und während sie aßen, sprach er: Amen, ich sage euch: Einer von euch wird mich ausliefern.
22 Da wurden sie sehr traurig und einer nach dem andern fragte ihn: Bin ich es etwa, Herr?
23 Er antwortete: Der die Hand mit mir in die Schüssel eintunkt, wird mich ausliefern.
24 Der Menschensohn muss zwar seinen Weg gehen, wie die Schrift über ihn sagt. Doch weh dem Menschen, durch den der Menschensohn ausgeliefert wird! Für ihn wäre es besser, wenn er nie geboren wäre.
25 Da fragte Judas, der ihn auslieferte: Bin ich es etwa, Rabbi? Jesus antwortete: Du sagst es.

Im heutigen Evangelium wird uns davon berichtet, wie Judas Iskariot Jesus an die Hohepriester verkauft. Der Deal geht von ihm selbst aus, indem er die Hohepriester aufsucht und als erstes einen Preis aushandelt. Darum geht es ihm vor allem. Er ist geblendet von seiner Habgier. Uns ist von den Evangelien bekannt, dass er ein Dieb ist, weil er als Kassenwart die Einkünfte veruntreut. Sein Herz schlägt für Geld. Und dann? Dann wollen die Hohepriester ihm den damaligen Preis für Sklaven auszahlen! Dreißig Silberstücke für den leidenden Gottesknecht….
Dann ist es soweit, dass das große Wallfahrtsfest gekommen ist und die Vorbereitungen für das Paschamahl getroffen werden.
Die Jünger bereiten alles dafür vor und dann wird uns davon berichtet, wie sie zu Tisch liegen.
Jesus sagt den Jüngern nun, dass einer von ihnen ihn verraten wird. Jesus weiß schon längst, wer es ist. Er könnte noch alles aufhalten, doch er weiß, dass es so geschehen muss. Er spricht es dennoch an, denn er möchte Judas noch eine letzte Chance geben, umzukehren.
Ganz aufgeregt fragen die Apostel Jesus, ob sie es sind. Dann gibt Jesus als Antwort den Code an, über den ich gestern schon gesprochen habe nach der Johannesversion: Er gibt hier einen Code aus Ps 41 wieder, wo es heißt, dass der Verräter vom selben Brot isst wie der Ausgelieferte. So soll den Jüngern nämlich klargemacht werden, dass die Schrift es schon angekündigt hat und dieser Verrat geschehen muss.
Dies erklärt Jesus dann auch, wenn er sagt: „Der Menschensohn muss zwar seinen Weg gehen, wie die Schrift über ihn sagt.“ Es muss geschehen, sonst kann Jesus nicht die Welt erlösen. Und als Petrus einige Kapitel zuvor die Leidensankündigung zurückweist (das muss verhütet werden), da vertrieb Jesus sogar den Satan, der hinter solchen Aussagen steckt. Es muss geschehen, nur so kommt das Heil. Das heißt aber nicht, dass es gut ist, der Verräter zu sein. Deshalb spricht Jesus diese sehr harten Worte (es wäre für ihn besser, wenn er nie geboren wäre). Jesus, den Sohn Gottes zu verraten, ist die schlimmste Sünde, die man tun kann. Deshalb spricht Jesus so drastische Worte. Judas soll wachgerüttelt werden und nicht nur er, sondern auch die anderen. Denn Petrus wird Jesus ebenso verraten. Wir sehen ja, dass diesem aber vergeben wird, weil er von Herzen seinen Verrat bereut. Judas wäre auch vergeben worden, wenn er die Vergebung angenommen hätte. Wir sehen also, dass Jesu Worte nicht wirklich bedeuten, dass Judas nie geboren werden sollte.
Judas fühlt sich wohl auch angesprochen und die Worte haben gesessen. Er fragt gerade heraus: „Bin ich es etwa, Rabbi?“ Jesus nimmt kein Blatt vor den Mund und antwortet ihm mit „du sagst es“. Er weiß, was Judas im Schilde führt. Auch Judas weiß nun, dass Jesus alles durchschaut hat. Und doch nutzt Judas diese Chance zur Umkehr nicht. Er zieht seinen Plan durch und so wird Jesus dennoch ausgeliefert.
Es ist eine tragische Geschichte, weil sie tragisch für Judas endet. Hätte er doch so gehandelt wie Petrus! Wie wichtig ist es auch für uns, auf Gottes Barmherzigkeit zu vertrauen und diese anzunehmen! Wie sehr redet der Satan auch uns ein, dass unsere Sünde ja so schlimm ist, dass Gott uns nie verzeihen würde! Egal wie groß die Sünde auch sein mag: Gottes Vergebung ist immer stärker. Sie wird uns zuteil, wenn wir von Herzen unsere Sünde bereuen, sie bekennen, Gott versprechen, sie nie wieder zu tun, sie wiedergutzumachen. Nutzen wir diese Barmherzigkeit wirklich ganz und bereiten wir uns auf eine gute Beichte vor! Gott ist bereit, uns von Herzen zu vergeben, selbst wenn wir ihn verraten haben!

Ihre Magstrauss

Montag der Karwoche

Jes 42,5a.1-7; Ps 27,1.2.3.13-14; Joh 12,1-11

Jes 42
So spricht Gott, der HERR:
1 Siehe, das ist mein Knecht, den ich stütze; das ist mein Erwählter, an ihm finde ich Gefallen. Ich habe meinen Geist auf ihn gelegt, er bringt den Nationen das Recht.
2 Er schreit nicht und lärmt nicht und lässt seine Stimme nicht auf der Gasse erschallen.
3 Das geknickte Rohr zerbricht er nicht und den glimmenden Docht löscht er nicht aus; ja, er bringt wirklich das Recht.
4 Er verglimmt nicht und wird nicht geknickt, bis er auf der Erde das Recht begründet hat. Auf seine Weisung warten die Inseln.
5 So spricht Gott, der HERR, der den Himmel erschaffen und ausgespannt hat, der die Erde gemacht hat und alles, was auf ihr wächst, der dem Volk auf ihr Atem gibt und Geist allen, die auf ihr gehen.
6 Ich, der HERR, habe dich aus Gerechtigkeit gerufen, ich fasse dich an der Hand. Ich schaffe und mache dich zum Bund mit dem Volk, zum Licht der Nationen,
7 um blinde Augen zu öffnen, Gefangene aus dem Kerker zu holen und die im Dunkel sitzen, aus der Haft.

Wir stehen in der Karwoche. Das bedeutet, die Zeit der Gottesknechtslieder ist gekommen! Heute hören wir in der Lesung aus dem ersten Gottesknechtslied, das in Jesaja 42 zu lesen ist.
Es ist aus der Sicht Gottes formuliert, der den leidenden Gerechten als seinen Knecht proklamiert. Das bedeutet, dass alles, was er über ihn sagt, in der dritten Person geschrieben ist.
„Siehe, das ist mein Knecht, den ich stütze“ – das hebräische Verb אֶתְמָךְ etmach bedeutet „ich stütze“ im Sinne von „ich unterstütze“. Gott ist mit ihm und steht ihm bei.
„Das ist mein Erwählter, an ihm finde ich Gefallen.“ Die Verbform an dieser Stelle ist eigentlich eine Vergangenheitsform (wörtlich heißt es „an ihm fand meine Seele Gefallen“). Wenn wir dies auf Jesus beziehen, den die Kirche jederzeit mit dem leidenden Gottesknecht identifiziert hat, dann erinnern wir uns an die Taufe Jesu. Dort hat Gott ihm zugesagt, dass er sein geliebter Sohn sei, an dem er Gefallen gefunden hat. Dies bedeutet natürlich nicht, dass er zuvor nicht Gottes geliebter Sohn gewesen ist, sondern dass in dieser sehr prophetischen Zeichenhandlung der Taufe vor Johannes und den Anwesenden Gott typische Worte eines jüdischen Vaters spricht, der bei der Beschneidung und Namensgebung ein Kind offiziell als seines annimmt. Es war damals eine Lektion für die Anwesenden, die Taufe Jesu als eine Art Geburt kennen zu lernen. Und auf dieses Ereignis verweist Gott zurück, wenn wir das Lied auf Jesus anwenden. Auch der nächste Satz ist darauf zu beziehen, denn bei der Taufe Jesu kam der Hl. Geist in Gestalt einer Taube auf Jesus herab. Der Vater sandte den Geist auf den Sohn herab und so erlebten die Menschen einen Moment der Dreifaltigkeit. Wenn wir dies alles aber zunächst wörtlich verstehen und aus der Sicht des Propheten Jesaja verstehen, dann ist es deshalb in der Vergangenheitsform, weil der Messias, der zukünftig erwartet wird, schon längst existiert. Er ist vor aller Zeit schon von Gott als geliebter Sohn proklamiert worden, der ihn gezeugt hat.
Jesus ist es, der den Nationen (das hebräische Wort für die heidnischen Völker) das Recht bringen wird. Die Verbform ist hier eine Zukunftsform. Jesus wird am Ende der Zeiten als verherrlichter Menschensohn zurückkehren und die Nationen (das heißt also alle Menschen) richten. Er wird Gericht bringen (מִשְׁפָּ֖ט mischpat „Gericht, Urteil“).
„Er schreit nicht und lärmt nicht und lässt seine Stimme nicht auf der Gasse erschallen“ – all diese Dinge sind sowohl präsentisch als auch zukünftig interpretierbar. Wenn wir bedenken, dass hier der künftige Messias von Gott selbst angekündigt wird, der diese Worte ja spricht, dann lässt sich die Zukünftigkeit der Aussagen sehr gut nachvollziehen. Er ist so sein, dass er kein großes Drama um sich machen wird. Natürlich wird er Worte sagen, die eine große Durschlagskraft haben. Zugleich wird er wehrlos wie ein Lamm zu gegebener Zeit alles mit sich machen lassen, ohne sich zu wehren oder sich zu beschweren.
„Das geknickte Rohr zerbricht er nicht und den glimmenden Docht löscht er nicht aus.“ Auch hier handelt es sich wieder um Verbformen, die am ehesten als Zukunftsformen übersetzt werden müssten: Der zukünftige Messias wird das geknickte Rohr nicht zerbrechen und den Docht nicht auslöschen. Er wird noch das kleinste Fünkchen Glauben fördern und das kleinste Glimmen wieder zu einer großen Flamme werden lassen, solange er Bereitschaft und Umkehr sehen wird. Er wird nicht wie die Pharisäer und Schriftgelehrten die offensichtlichen Sünder aufgeben und abstempeln. Er wird wirklich das Recht bringen, weil er wie der Gärtner im Weinberg den Feigenbaum noch umgraben und düngen, alles nur Erdenkliche unternehmen wird, um jeder Seele bis zum letzten Augenblick noch die Chance zur Umkehr zu geben. So ist Gottes Barmherzigkeit.
Auch er selbst verglimmt nicht und knickt nicht (beides wiederum zukünftig), bis er das Recht auf Erden begründen wird (auch Zukunftsform). Ja, wir denken schon an Karfreitag, wenn wir die Johannespassion hören werden, in der Jesus am Ende sagen wird: „Es ist vollbracht“. Dann wird sein glimmender Docht ausgehen, aber nur für eine kurze Zeit. Dann wird er das Recht etabliert haben, das sich am Ende der Zeiten aber erst durchsetzen wird.
„Auf seine Weisung warten die Inseln.“ Damit sind die Enden der Erde gemeint und dies bezieht sich auf die universale Sehnsucht nach dem Messias. Wenn dieser dann kommen wird, Jesus Christus, dann wird er wirklich die Weisung bringen, sein Evangelium, das kein anderes ist als die Torah. Er wird sie aber erfüllen und den Bäume zählenden Menschen wieder den gesamten Wald zeigen. Er wird auf das Wesentliche und Entscheidende hinweisen und erklären, worauf es wirklich ankommt. Er wird die Torah aber vor allem verkörpern mit seinem ganzen Leben. Er wird sie ganz vorleben, sodass sie an seiner Person ablesbar wird. Auf diese Weisung, die deshalb „seine“ Weisung ist, warten die Inseln zurzeit des ersten Gottesknechtsliedes, aber wir schauen schon rückblickend darauf. Jesus hat das Evangelium, die frohe Botschaft, für die ganze Menschheit verkündet und vor seinem Heimgang zum Vater seinen Jüngern aufgetragen, dieses universale Heil allen Menschen zu verkünden „bis an die Enden der Erde“, also auch „den Inseln“.
Der Vater hat seinen Sohn aus Gerechtigkeit gerufen – weil Gott uns so sehr liebt, hat er von Anfang an in seinem Heilsplan die Hingabe seines einzigen Sohnes eingeplant. Dieser Messias wird zugleich “ zum Bund mit dem Volk“ (לִבְרִ֥ית עָ֖ם livrit am) und “ zum Licht für die Völker (לְאֹ֥ור גֹּויִֽם le’or gojim). Jesu heilsgeschichtliche Bedeutung ist 1. der Mittler des Neuen Bundes mit dem Volk Israel (am) und 2. ebenso mit den Heiden (gojim)!
Der Gottesknecht, mit dem der Messias gemeint ist, wird Blinden die Augen öffnen – wortwörtlich mit Menschen wie Bartimäus, aber auch im übertragenen Sinne – die Augen des Glaubens mit all denen, die durch seine Worte und Taten zum Glauben an ihn kommen. Dieser Messias wird Gefangene befreien, die im Kerker sitzen. Das meint nicht nur das Volk Israel, das in der babylonischen Gefangenschaft ist, oder später das Volk unter römischer Fremdherrschaft. Es meint die Gefangenschaft der Sünde, die den Menschen in die Dunkelheit reißt, in das Verderben. Jesus ist gekommen, um uns von der Erbsünde zu befreien, damit wir das Himmelreich erben können. Damit uns das ermöglicht wird, geht er selbst in Haft, in die schlimmste Dunkelheit des Todes, nur um diesen zu überwinden am dritten Tag!

Ps 27
1 Von David. Der HERR ist mein Licht und mein Heil: Vor wem sollte ich mich fürchten? Der HERR ist die Zuflucht meines Lebens: Vor wem sollte mir bangen?
2 Dringen Böse auf mich ein, um mein Fleisch zu verschlingen, meine Bedränger und Feinde; sie sind gestrauchelt und gefallen.
3 Mag ein Heer mich belagern: Mein Herz wird nicht verzagen. Mag Krieg gegen mich toben: Ich bleibe dennoch voll Zuversicht.
13 Ich aber bin gewiss, zu schauen die Güte des HERRN im Land der Lebenden.
14 Hoffe auf den HERRN, sei stark und fest sei dein Herz! Und hoffe auf den HERRN!

Der Psalm greift die Not und das Leiden auf, das der leidende Gottesknecht erfahren wird. Es greift aber auch das Licht des glimmenden Dochts auf, das Leben, das Gott dem Knecht verleihen wird. König David hat diesen Vertrauenspsalm gedichtet, als er selbst in tiefster Not war. Wir lesen hier seine tiefsten Herzensregungen, der mit Gott so innig verbunden war. Umso mehr sind es Worte, die der neue David, der Sohn Davids, Jesus Christus gebetet hat:
„Der HERR ist mein Licht und mein Heil“. Er ist dadurch die Hoffnung, die Wärme und die Orientierung in Zeiten der Trostlosigkeit, der Kälte und der Dunkelheit. Wer auch immer leidet, wird bei Gott Zuflucht finden, so auch der Sohn Gottes selbst. Er kann sich ganz beim Vater bergen und zu ihm hat er in seinem ganzen Leidensprozess von Getsemani an ununterbrochen Kontakt gehalten. Er hatte Todesangst und doch konnte er beten: „Vor wem sollte ich mich fürchten?“ Er wusste, dass trotz der schlimmen Leiden am Ende das Heil Gottes steht, dass der Böses besiegt werden würde.
„Dringen Böse auf mich ein, um mein Fleisch zu verschlingen, meine Bedränger und Feinde; sie sind gestrauchelt und gefallen.“ Die Römer, die Jesu Geißelung ausgeführt haben, sind in einen regelrechten Blutrausch verfallen. Was sie mit ihm getrieben haben, ist total unmenschlich. Die Worte des Fleischverschlingens ist also gar nicht so weit hergeholt…und am Ende sind sie gefallen. Sie haben nicht triumphiert, denn Jesus ist am dritten Tage auferstanden! Aber nicht diese Feinde sind die eigentlichen Gegner: Es ist der Satan mit seinen Gefährten, die Jesus angegriffen haben und am Ende entmachtet worden sind!
„Mag ein Heer mich belagern: Mein Herz wird nicht verzagen.“ Dieses Heer bezieht sich ebenfalls vor allem auf die Heerscharen der unsichtbaren Welt – auf die Welt der Dämonen. Der ganze „Hofstaat“ Satans hat alle Register gezogen, den Sohn Gottes ins Verderben zu bringen mit ständigen Versuchungssituationen, durch die Grausamkeit der durch sie beeinflussten Menschen, durch die Spöttereien und Beleidigungen Gottes, die sie den Menschen eingegeben haben. Dieser geistige Krieg ist es, der hier vor allem zu nennen ist.
Wir lesen diesen Psalm jetzt in der Karwoche vor allem christologisch. Er hat auch wörtlich verstanden eine Bedeutung und diese ist zu allererst zu berücksichtigen. Die christologische Deutung so kurz vor der Passion Christi überlagert für uns in dieser Zeit alles. Und doch vergessen wir natürlich nicht, dass hinter diesem Psalm die Nöte des Volkes Israel stehen, das Heil und das Licht Gottes natürlich mit der messianischen Erwartung erklärt werden muss („Heil“ und der Name „Jesus“ haben im Hebräischen dieselbe Wurzel). Jesus ist das Licht, das die Heiden erleuchtet, wie wir im Gottesknechtslied Jesajas gehört haben. Er ist diese Hoffnung für all jene, deren Leiden vor allem aus der Hoffnungslosigkeit des Exils außerhalb des Paradieses besteht, das durch den ersten Sündenfall auf die gesamte Menschheit gekommen war. Jesus Christus hat durch seine Erlösung die Himmelstür wieder geöffnet und ist somit zum Licht geworden.
Und deshalb kann sowohl das Volk Israel, als auch wir Bundespartner des Neuen Bundes heute beten: „Ich aber bin gewiss, zu schauen die Güte des HERRN im Lande der Lebenden.“ Dieses Land ist vor allem das Himmelreich, wo uns wahrlich das ewige Leben erwartet, auch wenn wir physisch sterben. Am Ende der Zeiten wird auch dies wegfallen, sodass wir mit unseren Leibern wieder vereint werden. Schon Jesus kann so beten, denn er schaut die Güte des Vaters nun, während er zu seiner Rechten sitzt. Er ist der Anfang der neuen Schöpfung und so erwartet auch uns das Schauen der Güte Gottes.
„Hoffe auf den HERRN!“ So hat auch David bis zum Schluss seine ganze Hoffnung auf Gott gesetzt, so hat auch Jesus am Kreuz die Hoffnung nicht aufgegeben, selbst wenn es so aussieht wegen seiner Psalmenrezitation (Ps 22 „Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen…“). Er hat bis zum Schluss Kontakt zum Vater gehalten und im Sterben einen Psalm gebetet, der am Ende in einen Lobpreis und in Dank umschwingt! Und so dürfen auch wir als österliche Menschen bis zum letzten Atemzug auf den HERRN hoffen, der unsere unerschütterliche Basis ist. Und wenn die ganze Welt den Bach untergeht, wissen wir, das muss so geschehen, denn dann wird der Herr bald wiederkommen!

Joh 12
1 Sechs Tage vor dem Paschafest kam Jesus nach Betanien, wo Lazarus war, den er von den Toten auferweckt hatte.
2 Dort bereiteten sie ihm ein Mahl; Marta bediente und Lazarus war unter denen, die mit Jesus bei Tisch waren.
3 Da nahm Maria ein Pfund echtes, kostbares Nardenöl, salbte Jesus die Füße und trocknete sie mit ihren Haaren. Das Haus wurde vom Duft des Öls erfüllt.
4 Doch einer von seinen Jüngern, Judas Iskariot, der ihn später auslieferte, sagte:
5 Warum hat man dieses Öl nicht für dreihundert Denare verkauft und den Erlös den Armen gegeben?
6 Das sagte er aber nicht, weil er ein Herz für die Armen gehabt hätte, sondern weil er ein Dieb war; er hatte nämlich die Kasse und veruntreute die Einkünfte.
7 Jesus jedoch sagte: Lass sie, damit sie es für den Tag meines Begräbnisses aufbewahrt!
8 Die Armen habt ihr immer bei euch, mich aber habt ihr nicht immer.
9 Eine große Menge der Juden hatte erfahren, dass Jesus dort war, und sie kamen, jedoch nicht nur um Jesu willen, sondern auch um Lazarus zu sehen, den er von den Toten auferweckt hatte.
10 Die Hohepriester aber beschlossen, auch Lazarus zu töten,
11 weil viele Juden seinetwegen hingingen und an Jesus glaubten.

Heute hören wir die Vorgeschichte des Einzugs in Jerusalem, was wir gestern an Palmsonntag gefeiert haben. Es ist der Tag vor seiner inszenierten Einreise in die Heilige Stadt. Er ist in dem 15 Stadien entfernten Betanien bei seinen Freunden, den drei Geschwistern Marta, Maria und Lazarus, den er von den Toten auferweckt hat.
Wir konzentrieren uns beim Hören dieser Episode immer darauf, was Maria hier tut, was nun auch im Folgenden erklärt wird. Aber zuvor wird noch eine wichtige Information erwähnt, die wir nicht überlesen dürfen! Und zwar geschieht die prophetische Geste Mariens während eines Mahls! Die Anwesenden liegen bei Tisch und Marta bewirtet alle. Und während dieses Mahls kommt nun Maria mit einem Pfund kostbaren Nardenöls (sehr teuer!) zu Jesus, salbt Jesus mit diesem die Füße und trocknet diese dann mit ihren Haaren ab. Es hat eine entscheidende Bedeutung, warum Maria das während des Essens tut. Dazu kommen wir gleich. Zunächst betrachten wir die Reaktion des Judas Iskariot, der hier auf den ersten Blick sehr solidarisch erscheint. Er reagiert auf die Verschwendung, die es in der Tat wirtschaftlich gesehen ist. Ihm geht es gar nicht um die Armen, denen man von dem Preis etwas hätte spenden können, sondern er war habgierig und räuberisch. Als Kassenwart veruntreute er die Einnahmen und sah in dieser Geste einen dicken Fisch davon schwimmen. Sein Herz ist unaufrichtig und Jesus hat es immer mit Schmerz betrachtet.
Auch heutzutage argumentieren viele so, dass wir weniger prunkvolle Gegenstände in der Kirche verwenden und das Ersparte lieber den Armen geben sollten. Der ein oder andere mag damit wirklich aufrichtig um die Armen besorgt sein, manche vielleicht so wie Judas eingestellt sein. Wichtig ist aber: Zuerst kommt die Gottesliebe und dann die Nächstenliebe. Gott steht an erster Stelle und ihm zu Ehre darf man auch etwas investieren. Wenn wir an Gott sparen, wie ist das mit der Gottesliebe vereinbar? Und wenn Gott Mensch geworden ist und zu einer bestimmten Zeit unter den Menschen ist, kann man da wirklich an ihm sparen? Natürlich nicht! Die Armen und Bedürftigen sind ein dauerhaftes Unrecht, das es natürlich zu beseitigen gilt, umso mehr für jene, die sich Christen nennen, aber jede Situation erfordert Prioritäten. Zu Jesu Zeit ist es kurz vor Zwölf. Er ist nur noch eine kurze Zeit bei ihnen, da hat er natürlich die oberste Priorität. In unserer Zeit muss mit Klugheit und Weisheit das Geld verwaltet werden. Und wenn die Kirche einsparen muss, dann an unangemessenem Luxus, nicht an der Liturgie und allem, was allein für den Herrn ist! Dann ist eine Rückbesinnung auf die Einfachheit Jesu und seiner Jünger geboten, was in erster Linie auf ein bescheideneres Leben der Geistlichen in unseren Breitengraden zu beziehen ist, nicht auf die Hostienschale oder den Kelch, in dem Christus selbst gegenwärtig ist!
Jesus sagt selbst, dass er nicht ewig bei ihnen bleiben wird und deshalb nimmt er Marias Denkweise vor seinem Jünger in Schutz.
Nun zur Salbung Mariens. Wir lernen sie kennen als eine kontemplative Frau, die ganz und gar Jesu Worten lauscht, sie in sich aufnimmt und sie betrachtet. Sie erkennt, dass Jesus der Messias ist, an dem sich die ganzen Verheißungen der Hl. Schriften der Juden erfüllt. Sie erkennt auch, dass die logische Konsequenz das Leiden und der Tod sind. Er hat es selbst immer wieder angedeutet, aber aus den Schriften weiß sie auch, dass der Gesalbte mit Füßen zertreten und abgelehnt werden würde. Sie ahnt und versteht bereits, was viele noch längst nicht verstehen – sie versteht sogar mehr als Jesu eigene Apostel: Jesaja, Daniel, Sacharja, die Propheten des AT bringen es schon auf den Punkt, was Jesus in der Hl. Stadt widerfahren wird. Maria weiß, dass Jesus am nächsten Tag dorthin aufbrechen würde. Und deshalb salbt sie ihn, wie man Könige salbt bei ihrem Begräbnis. Sie nimmt dies schon vorweg, was am darauffolgenden Freitagabend geschehen wird, seine Einbalsamierung. Jesus erklärt es sogar eindeutig – er spricht von seinem eigenen Begräbnis.
Maria muss ihr ganzes Wohlhaben geopfert haben, um dieses Öl auf so verschwenderische Weise für Jesus auf einmal auszugeben. Das zeigt ihre absolute Liebe für ihn. Liebe kennt keinen Preis. Liebe ist im wahrsten Sinne verschwenderisch. Sie ist immer in Überfülle. Das sehen wir an Gott, der die Liebe ist. Wenn er uns beschenkt, dann immer im Überfluss. Maria gibt Jesus nur ein wenig davon zurück, was Gott an ihr und an ihrer Familie Gutes getan hat. Sie gibt ihr alles. Und Jesus würdigt das. Er hat ihr Herz dahinter gesehen und er wird die Familie in Zukunft noch viel reicher beschenken, nämlich mit der Erlösung so wie uns alle!
Die Totenerweckung des Lazarus schlägt immer noch hohe Wellen. Es kommen immer wieder Juden zu den Geschwistern nach Betanien und werden Jünger Jesu, weil sie durch diese wunderbare Heilstat gläubig werden. Dies provoziert die religiöse Elite und sie plant sogar, über Jesus hinaus auch Lazarus zu töten, weil durch ihn die Menschen zu Christusgläubigen werden.

Wir gehen immer mehr auf die Passion zu und so werden die Worte Jesu immer mehr zu Abschiedsworten. Jede einzelne Silbe der Hl. Schrift müssen wir demnach in uns aufnehmen wie ein Schwamm. Jede Geste muss sich in unser Gedächtnis einbrennen und sich in unsere Seele eingravieren. Alles wird nämlich österlich gewendet werden und so wird alles Schmerzhafte zum Grund des Triumphes! So wird auch alles Schmerzhafte unseres eigenen Lebens aus dieser österlichen Perspektive an Bedrohlichkeit verlieren. Ich lade Sie herzlich dazu ein, wie Maria alles für Jesu Begräbnis „vorzubereiten“: Schenken Sie ihm ihr Kostbarstes in diesen Tagen. Und dieses Gut ist unsere Zeit, unsere Freiheit, die wir momentan global opfern. Schenken wir ihm einfach alles, was wir haben und geben wir uns ihm ganz hin, auf dass unser alter Mensch mit ihm den Kreuzweg begehen wird, auf dass unser alter Mensch mit ihm auf Golgota gekreuzigt und mit Christus bestattet wird. Am dritten Tag werden wir mit Christus auferstehen, das sind wir durch die Taufe schon sakramental, das sind wir durch die Beichte immer wieder, das werden wir liturgisch und somit mystagogisch auch dieses Mal wieder mit ihm gemeinsam durchleben. Das wird uns wieder stärken und eine neue österliche Hoffnung in dieser akuten Corona-Krise verleihen.

Ihre Magstrauss

2. Sonntag im Jahreskreis

Jes 49, 3.5-6; Ps 40 (39), 2 u. 4ab.7-8.9-10; 1 Kor 1, 1-3; Joh 1, 29-34

Jes 49
3 Er sagte zu mir: Du bist mein Knecht, Israel, an dem ich meine Herrlichkeit zeigen will.

5 Jetzt aber hat der HERR gesprochen, der mich schon im Mutterleib zu seinem Knecht geformt hat, damit ich Jakob zu ihm heimführe und Israel bei ihm versammelt werde. So wurde ich in den Augen des HERRN geehrt und mein Gott war meine Stärke. 
6 Und er sagte: Es ist zu wenig, dass du mein Knecht bist, nur um die Stämme Jakobs wieder aufzurichten und die Verschonten Israels heimzuführen. Ich mache dich zum Licht der Nationen; damit mein Heil bis an das Ende der Erde reicht. 

Heute hören wir einen messianischen Text aus dem Buch Jesaja. Dieser ist ein Ausschnitt aus dem zweiten Gottesknechtslied. Der Beginn lehnt sich an den des ersten Gottesknechtsliedes an, das wir am Fest der Taufe des Herrn gehört haben. Anders ist an dieser Stelle die direkte Adressierung des Gottesknechts („du bist“ statt „das ist“). Es wird auch expliziter gesagt, wer damit gemeint ist: „Du….Israel“. An dieser Stelle wird es auf Jakob bezogen, der den Namen Israel erhalten hat. Man kann darunter auch das Kollektiv Israel verstehen, d.h. die zwölf Stämme Israels. In dieser wörtlichen Leserichtung möchte Gott seinem auserwählten Volk seine Herrlichkeit zeigen. Das ist es, was Gott immer wieder tut und was für ihn bezeichnend ist – die Selbstoffenbarung. Diese gipfelt auf dem Höhepunkt der Heilsgeschichte mit dem Kommen seines Sohnes, der schließlich am Kreuz sterben wird. Nach drei Tagen wird er auferstehen und dadurch Gottes Herrlichkeit offenbaren. Am Ende der Zeiten wird er in Herrlichkeit wiederkommen, um die Lebenden und die Toten zu richten. Dann wird Gott seine Herrlichkeit unverschleiert offenbaren, wie sie ist. Lesen wir den Knecht Israel christologisch, dann ist es Jesus, dem Gott durch die Auferstehung seine Herrlichkeit zeigt.
Im Laufe der Heilsgeschichte wird der Adressat der göttlichen Offenbarung immer weiter ausgeweitet, sodass mit Jesus die ganze Welt zum Zeugen wird. Das auserwählte Volk, „Israel“ meint dann nicht mehr wörtlich die zwölf Stämme, sondern die ganze Welt.
Ab Vers 5 wechselt die Perspektive, sodass der Gottesknecht selbst spricht. Der Knecht ist im Mutterleib von Gott geformt worden, d.h. er ist auserwählt von Anfang an. Sein Auftrag besteht dabei in der Heimführung Israels/Jakobs zu Gott. Lesen wir dies wörtlich-historisch, denken wir an einen König oder noch eher an einen Propheten, der zur Umkehr des auserwählten Volkes beiträgt. Seine Berufung steht schon fest, noch bevor er geboren wird. In dieser Hinsicht findet er beim HERRN Ehre und hat seine Stärke in Gott. Während die Ehre bei Gott durch eine Zukunftsform ausgedrückt wird (וְאֶכָּבֵד we’ekaved), stellt das Haben der Stärke in Gott eine Vergangenheitsform dar (הָיָ֥ה hajah). Gott WAR also die Stärke des Knechts, aber er wird ihn noch verherrlichen (es ist im Hebräischen dasselbe Wortfeld, das auch sonst für „Ehre“ gebraucht wird und im Griechischen durch δόξα doxa ausgedrückt wird, lateinisch gloria). Dies alles macht also Sinn, wenn wir mit dem Gottesknecht Jesus Christus identifizieren. Er wird am Ende der Zeiten als verherrlichter Menschensohn wiederkommen. Er ist zum Vater heimgekehrt, um verherrlicht zu werden. Zur Zeit des zweiten Gottesknechtsliedes steht es aber noch aus. Auch uns gelten diese Worte. Wir sind Knechte und Mägde des Herrn, die wir getauft worden sind. Auch uns hat der HERR dadurch schon verherrlicht, was wir aber erstens im Laufe unseres Lebens verlieren können, zweitens wird unsere Herrlichkeit erst am Ende der Zeiten offenbar.
Versuchen wir, die wörtliche Bedeutung des Verses 5 noch weiter zu verstehen, damit wir die Hoffnungsbotschaft für die Juden erkennen: Israel heimzuführen meint wörtlich gelesen zunächst die Heimführung aus dem babylonischen Exil. Die Juden haben also auch an dieser Stelle an eine königliche Figur gedacht, die eine politische Befreiung erzielen soll. Die Heimführung zu Gott bezieht sich dann auf sein gelobtes Land, also auf einen irdischen Ort. Christologisch gesehen gehen wir aber darüber hinaus: Jesus ist gekommen, um das auserwählte Volk zu Gott zurückzuführen. Er hat Sühne geleistet, um das Exil Israels zu beenden – nicht nur aus dem babylonischen Exil, sondern das viel schlimmere und aussichtslosere Exil außerhalb des Paradieses! Er ist gekommen, um die Söhne Israels zu Gott ins Himmelreich heimzuführen! Er macht damit wieder gut, was der erste Mensch verschuldet hat.
In Vers 6 legt das Gottesknechtslied noch einen drauf. Spätestens jetzt merkt man, dass der Gottesknecht nicht einfach ein politischer Herrscher oder ein Prophet sein kann. Denn er wird nicht nur zum Heimführer der „Verschonten“ Israels (die das Exil und die Fremdherrschaft bis dahin überlebt haben), sondern zum „Licht der Nationen“ (לְאֹ֣ור גֹּויִ֔ם le’or gojim). Der Gottesknecht bringt das Heil ALLEN Menschen, auch den Nichtjuden! Jesus ist wirklich das Licht, von dem vor allem das Johannesevangelium immer wieder spricht. Gott hat einen wunderbaren Plan und dieser wird schon 700 Jahre vor der eigentlichen Umsetzung dem Propheten Jesaja eingegeben! Gott will sein Heil יְשׁוּעָתִ֖י jeschuato – seinen Jesus – bis an die Enden der Erde bringen. Dazu möchte er die Menschen miteinbeziehen, die seine Jünger sind. Jesus wird vor seinem Heimgang zum Vater zu den Aposteln sagen: „Darum geht und macht alle Völker zu meinen Jüngern; tauft sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes“ (Mt 28,19). Jesus führte schon zu seinen Lebzeiten die Menschen zum Vater, indem sie umkehrten. Er trug seinen Jüngern auf, die Gemeinschaft der Gläubigen zu sammeln, dass sie zum Vater „heimkommen“ in die Kirche, die das angebrochene Reich Gottes auf Erden darstellt. Durch die Kirche steht ihnen die Heimführung zum Vater nach ihrem Tod bereit und am Ende der Zeiten werden alle Menschen, die den Herrn angenommen haben, auf ewig im himmlischen Jerusalem zuhause sein. Das Heil Gottes ist dann an den Grenzen/Enden der Erde auch im eschatologischen Sinn: das Ende der alten Schöpfung und der Anfang der neuen, die Johannes in der Offenbarung schon gesehen hat.

Ps 40
2 Ich hoffte, ja ich hoffte auf den HERRN. Da neigte er sich mir zu und hörte mein Schreien. 
4 Er gab mir ein neues Lied in den Mund, einen Lobgesang auf unseren Gott. 
7 An Schlacht- und Speiseopfern hattest du kein Gefallen, doch Ohren hast du mir gegraben, Brand- und Sündopfer hast du nicht gefordert. 
8 Da habe ich gesagt: Siehe, ich komme. In der Buchrolle steht es über mich geschrieben.
9 Deinen Willen zu tun, mein Gott, war mein Gefallen und deine Weisung ist in meinem Innern. 
10 Gerechtigkeit habe ich in großer Versammlung verkündet, meine Lippen verschließe ich nicht; HERR, du weißt es.

Im heutigen Psalm drückt König David seine Dankbarkeit über die Gebetserhörung Gottes aus. Der HERR „neigte sich zu“ und „hörte das Schreien“. So eine Formulierung lesen wir auch bei dem unterdrückten Volk Israel in Ägypten. Gott selbst spricht zu Mose im Dornbusch: „Ich habe das Schreien meines Volkes gehört.“ (Ex 3,7).
Die Aussage „an Schlacht- und Speiseopfern hattest du kein Gefallen…“ ist darauf zu beziehen, was dann in Vers 9 geschrieben steht: „deinen Willen zu tun“, also den Willen Gottes zu befolgen, ist das Entscheidende, ohne dass die Opfertätigkeit überflüssig wird. Dies müssen wir als rhetorische Wendung verstehen. Uns geht dies vor allem auf, wenn wir an die Söhne Elis denken, von denen wir im ersten Samuelbuch lesen: Hofni und Pinhas erledigen den Tempeldienst und sind dabei total gierig. Sie leben nicht, wie es Gott gefällt und deshalb bringen die Opfer in ihrem Fall nichts. Diese machen sie nicht gerecht vor Gott. Gott hat uns „Ohren gegraben“ (Vers 7), damit wir nämlich seinen Willen hören und ge-hor-sam sein können. Es geht vor allem um die Ohren unseres Glaubens. Jesus wird immer wieder sagen: „Wer Ohren hat, der höre“. Er meint damit weniger die organischen Ohren, sondern vielmehr die Fähigkeit, gehorsam zu sein. So steht es auch bei den sieben Sendschreiben in der Johannesoffenbarung. Wenn Jesus diese Wendung immer wieder aufgreift, werden die frommen Juden eine Anspielung auf diesen Psalm erkannt haben.
„Siehe ich komme“ und „in der Buchrolle steht es über mich geschrieben“ klingt ebenfalls wie die Johannesoffenbarung. Dort sagt der Menschensohn in Offb 22,17 „siehe ich komme bald“. Und die Buchrolle ist ein Leitmotiv gerade in der himmlischen Thronsaalvision der Kapitel 4-5.
Diese ganzen Formulierungen klingen wie die typologische Grundlegung, die Jesus antitypisch erfüllen wird: Er ist es, der kommt – der Messias! Er ist es, von dem in der Buchrolle geschrieben ist, nämlich in der gesamten Torah wird er schon bezeugt. Deshalb kann er bei seiner „Antrittspredigt“ in Nazaret über die Jesajarolle sagen: „Das Schriftwort, das ihr gerade gehört habt, hat sich heute erfüllt.“ Und Jesus ist es auch, der „in großer Versammlung verkündet.“ Er lehrt in den Synagogen das Reich Gottes und wie der Vater ist. König David hat auch öffentlich gesprochen, auch er ist angekündigt worden als ersehnter König für das gesamte Volk Israel.
Auch wir sollen unseren Mund auftun und den HERRN vor allen bekennen. Auch wir sollen das Wort Gottes in unserem Herzen tragen („in meinem Innern“). Dann werden auch wir Gottes Willen stets erkennen und möchten ihn auch immer erfüllen. Dann haben wir „gegrabene Ohren“, sodass wir im Stand der Gnade bleiben können. Das Wort Gottes haben wir nicht nur in geschriebener Form im Herzen, sondern wir haben das Privileg, das fleischgewordene Wort zu empfangen. Wenn wir die Kommunion empfangen, kommt Jesus in unser Herz. Er bleibt dort, wenn wir es ihm erlauben, wenn wir Gottes Willen tun und nicht den Bösen in unser Herz lassen. Die Kirche hat das Wort Gottes in ihrem Innern, nämlich die Eucharistie. Sie ist ihr Herzschlag, die sie am Leben erhält. Jesus ist das größte und endgültige Opfer, sodass sie jetzt keine Brand- und Schlachtopfer mehr bringen muss wie das Alte Israel. Jesu Opfer wird in jeder Messe vergegenwärtigt, er stirbt nicht immer wieder, sondern sein einmaliger Tod wird in die jeweilige Gegenwart geholt. Von diesem Heilsereignis her sollen wir ein entsprechendes Leben führen und Gottes Willen erfüllen. Wir sollen von seiner Gerechtigkeit auch vor anderen bezeugen. Was David hier betet, sind die drei kirchlichen Grundvollzüge: Wir feiern Gottes Herrlichkeit, was Leiturgia genannt wird („ein neues Lied“, „einen Lobgesang“). Dies hat Jesus schon getan, wenn er gebetet hat, wenn er vor allem die Eucharistie eingesetzt hat am Abend vor seinem Tod und in seiner Kreuzigung. Wir setzen Gottes Willen um in der tätigen Liebe, was Diakonia heißt („deinen Willen zu tun war mein Gefallen“). Jesus hat immer wieder Menschen seelisch, psychisch und körperlich geheilt. Er hat sie in die Gemeinschaft zurückgeführt und dabei den heiligen Sabbat übergangen. So sehr hatte er Mitleid mit den Menschen. Schließlich verkünden wir als Kirche die Weisung Gottes, was Martyria genannt wird („in großer Versammlung verkündet“). Diese große Versammlung ist in erster Linie die Eucharistiefeier, zu der die Gläubigen sich am Sonntag versammeln. Deshalb gibt es gerade dann eine Predigt. Genau dies hat Jesus in den Synagogen getan und überall, wo er das Reich Gottes verkündet hat. Die Kirche tut, was Jesus getan hat, was er von Davids Psalm erfüllt hat. Die Kirche folgt Jesus in den drei Grundvollzügen nach!
Davids Psalm zeugt mal wieder durch und durch vom Hl. Geist. Danken wir Gott für dieses Gebet!

1 Kor 1
1 Paulus, durch Gottes Willen berufener Apostel Christi Jesu, und der Bruder Sosthenes 
2 an die Kirche Gottes, die in Korinth ist – die Geheiligten in Christus Jesus, die berufenen Heiligen – , mit allen, die den Namen unseres Herrn Jesus Christus überall anrufen, bei ihnen und bei uns. 
3 Gnade sei mit euch und Friede von Gott, unserem Vater, und dem Herrn Jesus Christus!

Als zweite Lesung hören wir heute den Beginn des ersten Korintherbriefes. Ein antiker Brief besitzt zu Beginn immer ein Präskript, in dem der Absender und die Empfänger genannt werden. Dann gibt es immer einen Gruß. Dieses Präskript ist bei den neutestamentlichen Briefen immer etwas umfangreicher, denn es besteht aus komplexeren Sätzen mit vielen Nebensätzen. In diesem heutigen Präskript hören wir schon inhaltlich Dichtes, denn Paulus setzt hier schon eine Art Legitimierung seines Briefes und seiner ganzen Evangelisierung an den Anfang. Er definiert auch schon etwas, wer die Korinther sind, nämlich die „Geheiligten in Christus Jesus“ und die „berufenen Heiligen“. Schauen wir es uns im Einzelnen genauer an:
Paulus ist durch Gottes Willen Apostel Christi Jesu. Gott ist es, der sein Apostolat möchte. Paulus betont, dass er sich nicht selbst dazu gemacht hat und was er tut, aus der Gnade Gottes heraus tut. Paulus erinnert durch seine Worte an den Gottesknecht, der ebenfalls berufen ist. Auch Paulus ist nicht nur berufen, in der Nachfolge Christi die Söhne Jakobs heimzuführen (er ist ja von Haus aus Pharisäer und tat genau dies zu Anfang), sondern gerade Licht für die Völker zu sein (denn seine Berufung besteht hauptsächlich in der Heidenmission!). Er führt auch weiter, was König David im Psalm betet: Er verkündet Gottes Gerechtigkeit in großer Versammlung. Zuerst geht Paulus immer in die Synagogen und lehrt die Juden dort. Sie verstoßen ihn aber immer wieder, sodass er zu den Heiden geht. Er ist es auch, der die Opferpraxis kritisiert und den Glaubensgehorsam als heilsnotwendig verkündet.
Im Präskript nennt er noch einen Mitautoren oder zumindest einen Gruß von ihm, Sosthenes. Es gibt geteilte Meinungen darüber, ob er derselbe Sosthenes aus Apg 18,12-17 sei. Die Kirche hat beide genannten Personen als ein und denselben Sosthenes überliefert und zählt ihn zu den siebzig Jüngern aus Lk 10,1. Er war zunächst Synagogenvorsteher in Korinth, bekehrte sich zu Christus und wurde später sogar Bischof von Kolophon.
Zu den Adressaten schreibt Paulus wie gesagt die Berufung zur Heiligkeit und das Geheiligtsein aus Christus. Wir sind heilig nicht aus uns selbst heraus. Als Getaufte ist uns die Heiligkeit als Berufung geschenkt und ebenso die Fähigkeit, die Berufung zu erlangen.
Durch die Wendung „mit allen, die den Namen unseres Herrn Jesus Christus überall anrufen…“ wird verdeutlicht, was wir auch bis heute nachweisen können: Die Gemeindebriefe sind unter den Gemeinden ausgetauscht worden und wirklich öffentlich gemacht worden. Sie waren nie einfach nur ausschließlich an jene Gemeinde gerichtet, an die der Brief offiziell ging. Man sammelte Paulusbriefe etc. und gab sie auch anderen Gemeinden. Die Briefe wurden untereinander ausgetauscht, sodass man so viele Briefe wie möglich besaß. Was dort nämlich geschrieben worden ist, wurde als Hl. Schrift betrachtet. Die Probleme, die Paulus z.B. hier im Korintherbrief beantwortet, betrafen andere Gemeinden bestimmt auch, je nach spezifischem Grad. Man verstand sofort, dass durch jene Worte der Hl. Geist spricht. Aus dem Grund werden auch heute noch die Briefe in der Liturgie verlesen, die an eine andere Gemeinde zu einer ganz anderen Epoche gerichtet sind: erstens weil sie Hl. Schrift sind und der Geist Gottes die Hörer bis heute im Herzen berührt, zweitens weil die Inhalte zu jeder Zeit aktuell sind.
„Gnade sei mit euch und Friede“ ist ein typischer christlicher Gruß, den wir in den Briefanfängen des NT sehr oft lesen, auch in den katholischen Briefen und sogar in der Johannesoffenbarung. Dieser Gruß wird auch in der Liturgie aufgegriffen, denn der Priester begrüßt die Gemeinde oft so. Er umfasst alles, was wir brauchen – die Gnade Gottes („an Gottes Segen ist alles gelegen“) und seinen österlichen Frieden, den wahren Schalom, der unser christliches Fundament darstellt. Er sagt auch mit diesem Gruß aus, dass alles Gute von Gott kommt („von Gott, unserem Vater, und dem Herrn Jesus Christus“). Man könnte beim ersten Hören denken: Warum wird so ein Begrüßungswort uns als Lesung in der Messe vorgetragen? Das ist doch banal. Aber wenn wir das alles nun betrachtet haben und die inhaltliche Dichte der Worte begriffen haben, werden wir dies ab jetzt nicht mehr zu sagen brauchen. Es gibt kein „um den heißen Brei herumreden“ in der Hl. Schrift. Selbst „banale“ Begrüßungen enthalten schon den Kern unserer christlichen Botschaft. In einem einzigen Begrüßungswort kann schon ein ganzes Glaubensbekenntnis enthalten sein oder die Zusammenfassung des gesamten Evangeliums vorgenommen werden.

Joh 1
29 Am Tag darauf sah er Jesus auf sich zukommen und sagte: Seht, das Lamm Gottes, das die Sünde der Welt hinwegnimmt! 
30 Er ist es, von dem ich gesagt habe: Nach mir kommt ein Mann, der mir voraus ist, weil er vor mir war. 
31 Auch ich kannte ihn nicht; aber ich bin gekommen und taufe mit Wasser, damit er Israel offenbart wird. 
32 Und Johannes bezeugte: Ich sah, dass der Geist vom Himmel herabkam wie eine Taube und auf ihm blieb. 
33 Auch ich kannte ihn nicht; aber er, der mich gesandt hat, mit Wasser zu taufen, er hat mir gesagt: Auf wen du den Geist herabkommen und auf ihm bleiben siehst, der ist es, der mit dem Heiligen Geist tauft. 
34 Und ich habe es gesehen und bezeugt: Dieser ist der Sohn Gottes.

Heute hören wir einen Ausschnitt aus dem Johannesevangelium, den wir in der Weihnachtszeit schon gehört haben. Er ist aber wichtig, da wir ja das zweite Gottesknechtslied gehört haben. Der Kreis schließt sich nun.
Johannes der Täufer begegnet Jesus am Jordan bei seiner Tauftätigkeit und bezeichnet ihn als das Lamm Gottes, das die Sünde der Welt hinwegnimmt. Er fasst Jesu heilsgeschichtliche Rolle auf dem Höhepunkt der Menschheitsgeschichte zusammen: Er ist die Sühne unserer Sünden, die uns das Paradies zurückschenkt.
Auf diese Weise ist er der Knecht, der die Söhne Jakobs heimführt, nämlich ins Paradies, zurück aus dem Sklavenhaus der Sünde in einem neuen „Exodus“, zurück aus dem Exil der Sünde als antitypische Erfüllung der babylonischen Gefangenschaft.
Warum spricht Johannes in dieser Situation darüber? Er tauft die Menschen ja als Vorbereitung für die Begegnung mit dem Messias und als Vorbereitung für diesen Akt der Versöhnung.
Johannes bezeugt auch Jesu Präexistenz beim Vater, wenn er sagt, dass Jesus „vor mir war“.
Wir haben die Ereignisse der Taufe selbst, die hier nur angedeutet werden, am Fest der Taufe des Herrn ja gehört. Jesus wird mit dem Hl. Geist ausgestattet, der in Form einer Taube auf Jesus herabkam.
„Auch ich kannte ihn nicht“ muss genauer betrachtet werden. Dort steht im Griechischen das Verb οἰδάω, was nicht nur mit „kennen“, sondern auch mit „sehen“ übersetzt werden kann. Das bringt uns vielleicht näher an die Bedeutung: Johannes hat ihn auch nicht gesehen. Das bezieht sich auf die vorherige Aussage der Präexistenz Jesu. Das Johannes Jesus nämlich nicht kannte oder ihn im irdischen Leben noch nicht gesehen habe, wäre ja ein Widerspruch: Als Maria Elisabet begegnet und bei ihr bleibt bis zu der Geburt des Johannes, „trifft“ dieser Jesus ja schon, als dieser noch nicht geboren ist. Sie sind zudem miteinander verwandt, kennen sich also durchaus. Wir müssen es also entweder auf die Präexistenz Jesu beziehen, wenn Johannes sagt, er habe ihn nicht gesehen/gekannt, oder zumindest auf die Göttlichkeit Jesu beziehen, die er ja nicht in Anspruch genommen hat. Die ersten dreißig Jahre seines Lebens hat er im Verborgenen gelebt und ein gewöhnliches Leben geführt. In dieser Hinsicht hat Johannes absolut recht. Er kannte Jesu Göttlichkeit nicht. Diese ist es ja, die präexistent ist.
Gott Vater hat sich etwas dabei gedacht, den Hl. Geist in Gestalt einer Taube zu senden. Sie ist ein Symbol des Friedens, des wahren Schalom, der nur von Gott ausgehen kann. Deshalb kann Jesus wirklich sagen, MEINEN Frieden gebe ich euch. Nicht einen Frieden, wie die Welt ihn gibt, gebe ich euch. Das erinnert uns an den Friedensgruß des Paulus zu Beginn des ersten Korintherbriefes. Auf diesen Frieden kommt es an. Die Anwesenden bei der Taufe haben die Taube gesehen. Für diejenigen, die sich an diesen Moment erinnern werden, wenn der Auferstandene erscheint und ihnen seinen Frieden wünscht, sie dabei anhaucht und sagt „empfangt den Hl. Geist“, wird sich ein großer Bogen geschlossen haben.
Die Taube hat aber noch eine weitere Bedeutung und bestätigt erneut die überragende Pädagogik Gottes. Vielleicht erinnern Sie sich an eine Episode aus dem AT, in der es auch um Wasser und um eine Taube geht: Die Sintflut in Genesis. Dort ist auch das Wasser das Element, das die Sünde „zudeckt“ und dadurch sühnt. Die durch die Flut Geretteten sind die einzigen Gerechten, Noah und seine Familie. Und als die Erde wieder bewohnbar ist, ist es eine Taube, die mit einem Zweig im Schnabel zurückkehrt. Sie wird somit zum Symbol für das neue Leben. So werden die Anwesenden am Jordan hier auf die Taufe vorbereitet und erkennen die Typologie zwischen der Sintflut und dem gegenwärtigen Taufereignis. Durch die Taufe Jesu beginnt etwas, das sich am Kreuz vollenden wird: Die Sühne der weltweiten Sünde durch Jesus Christus. Er lässt sich taufen (es ist noch keine Taufe wie unsere, sondern die Johannestaufe als Bußakt!) als Zeichen der Buße für uns alle! Gleichzeitig zeigt Gott schon, wie die sakramentale Taufe sein wird: Der Geist Gottes kommt auf den Getauften und bleibt! So kommt auch auf uns bei der Taufe der Hl. Geist und verlässt uns nicht. Er ist das Zeichen des neuen Lebens, des ewigen Lebens! Diese Taube hat keinen Zweig im Schnabel, aber sie ist das Zeichen des Reiches Gottes, in dem wir leben dürfen als Erben Gottes!
Es schließt sich mit diesem Evangelium der Kreis, den der erste Korintherbrief bereits gezeichnet hat: Die Erfüllung mit dem Hl. Geist ist es, die uns heiligt und uns von der Taufe an zur Heiligkeit beruft. Wir wollen den Geist nicht verlieren, das heißt den Stand der Gnade nicht verlieren, weshalb wir uns heiligen – den Zustand aufrecht erhalten.
Johannes genießt wirklich ein Privileg, das kein anderer Prophet vor ihm erleben durfte. Er sieht mit eigenen Augen den Sohn Gottes, den er öffentlich bezeugt. „Dieser ist der Sohn Gottes“. Er erkennt, dass er eine große Aufgabe bei der Erfüllung des Heilsplans Gottes erfüllt. Er tauft den, der es nicht nötig hat, damit die stellvertretende Sühne Christi, die am Kreuz zur Vollendung gelangen wird, ermöglicht werden kann. Er wird zum Werkzeug der Erlösung wie kein anderer Prophet. Dies macht ihn wirklich zum Größten aller Propheten.
Er sieht mit eigenen Augen, dass Jesus der Gottesknecht ist, von dem Jesaja schon 700 Jahre zuvor gesprochen hat. Er bezeugt noch vor seiner Geburt, dass Jesus schon berufen ist, als er im Mutterleib Mariens geformt wird. Er erkennt und bekennt heute im Evangelium, dass Jesus wirklich das Licht der Völker ist, das das Heil Gottes bis an die Enden der Erde bringen wird. Deshalb sagt er auch „das die Sünde der WELT hinwegnimmt“, nicht nur die Sünde des Volkes Israel. Jesus ist gekommen, um einen universalen Bund zu schließen – zwischen Gott und allen Menschen der gesamten Menschheitsgeschichte.

Bereits am Fest der Taufe des Herrn haben wir ein Gottesknechtslied und daraufhin die Erzählung von der Taufe Jesu gehört. Es gehört stets zusammen, weil bei diesem Ereignis Jesu Identität mit dem Gottesknecht am deutlichsten herausgestellt wird. Danken wir Gott für den Gottesknecht, den Sohn Gottes, das Lamm Gottes, das unsere Sünde hinweggenommen hat – meine und Ihre. Er hat uns das Paradies ermöglicht und durch die Taufe sind wir dazu berufen, dort auch hinzukommen. Verspielen wir diese Chance nicht.

Ihre Magstrauss