Mittwoch der 13. Woche im Jahreskreis

Am 5,14-15.21-24; Ps 50,7b-9.10-11.12-13.16b-17; Mt 8,28-34

Am 5
14 Sucht das Gute, nicht das Böse; dann werdet ihr leben und dann wird, wie ihr sagt, der HERR, der Gott der Heerscharen, bei euch sein.
15 Hasst das Böse, liebt das Gute und bringt im Tor das Recht zur Geltung! Vielleicht ist der HERR, der Gott der Heerscharen, dem Rest Josefs dann gnädig.
21 Ich hasse eure Feste, ich verabscheue sie und kann eure Feiern nicht riechen.
22 Wenn ihr mir Brandopfer darbringt, ich habe kein Gefallen an euren Gaben und eure fetten Heilsopfer will ich nicht sehen.
23 Weg mit dem Lärm deiner Lieder! Dein Harfenspiel will ich nicht hören,
24 sondern das Recht ströme wie Wasser, die Gerechtigkeit wie ein nie versiegender Bach.

Heute hören wir wie gestern einen Ausschnitt aus dem Propheten Amos. Im fünften Kapitel, dem die heutige Passage entnommen ist, erhebt Gott eine regelrechte Totenklage über sein Volk. Es ist gefallen und somit dem Tod geweiht. Bis heute ist es so, dass wir schwere Sünden als Todsünden bezeichnen – aus demselben Grund. Auch dann erhebt Gott eine Totenklage gegen uns, da wir durch die Sünde den ewigen Tod nach uns ziehen.
Amos übermittelt dem Volk die Worte Gottes. Ihr Kern ist der Aufruf zur Umkehr.
„Sucht das Gute, nicht das Böse; dann werdet ihr leben“ ist ein Appell, der Hoffnung spendet. Noch ist es für Israel nicht zu spät. Es kann dem ewigen Tod noch entrinnen und hat die Chance auf ein ewiges Leben. Hier werden die Israeliten wohl zunächst von einem irdischen Leben ausgegangen sein, weil sie durch politische Katastrophen umkommen könnten. Sie leben dann in Form von friedlicher Existenz im eigenen Land. Sieht man aber über diesen historisch-wörtlichen Sinn hinaus, erkennt man die christologische Dimension: Christus hat mit ähnlichen Worten sein öffentliches Wirken begonnen, als er sagte „das Reich Gottes ist nahe, kehrt um und glaubt an das Evangelium“. Solange die Zeit noch nicht um ist, besteht eine Chance zur Umkehr. Ekklesiologisch geschieht diese Umkehr durch die Taufe. Sie ist das Sakrament, durch das wir im Hl. Geist neugeboren werden und dadurch wahrhaft leben. Dies gilt auch mit Blick auf die Ewigkeit: Das Ende der Zeiten steht unmittelbar bevor, umso dringender gilt es jetzt für die ganze Menschheit, umzukehren. Bis dahin erfolgt der Umkehrruf täglich an jeden Einzelnen von uns: Wenn wir gesündigt und uns dadurch selbst aus dem Stand der Gnade verabschiedet haben, dann ruft uns Gott zur Umkehr auf. Er tut es auch dann, damit wir leben können. „Leben“ bedeutet im moralischen Sinne die Rückkehr zum Stand der Gnade, zur Liebesbeziehung mit Gott.
Amos ruft die Israeliten des Nordreichs dazu auf, die Gebote Gottes zu befolgen und sich von jeglicher Korruption zu lösen. Sie sollen „im Tor das Recht zur Geltung“ bringen. Im Stadttor traf man sich zur Rechtsprechung, deshalb dieser Satz. Sie sollen gerechte Gerichtsprozesse führen und sich weder bestechen lassen noch parteiisch sein. Wenn sie so ein Leben führen, wird Gott ihren Willen zur Umkehr sehen und mit ihm gnädig sein.
Ab Vers 21 geht es nicht mehr um eine Totenklage um Israel, sondern um die Kritik an der Kultpraxis. Nicht die Opfer an sich werden kritisiert, sondern die heuchlerische Haltung: Gott hasst sogar die Feste, verabscheute die Feiern, kann die Brandopfer nicht riechen. Sie sind nicht aufrichtig und so etwas ist Gott zuwider. Er möchte diese Art von Gaben und Heilsopfer nicht, er möchte diese Art von Lobpreis nicht. Was bringt es, Opfer darzubringen, wenn die Menschen sich dann umdrehen und seine Gebote verletzen? Was bringt es, wenn sie ein besonders fettes Heilsopfer darbringen und dann ihren Nachbarn unterdrücken? Was bringen die Lobpreislieder mit gekonntem Harfenspiel, wenn sie als nächstes woanders hingehen und Hässliches über den Anderen reden? Was bringt es, Brandopfer darzubringen und im nächsten Augenblick das Feld eines Anderen anzuzünden? Hätten sie wirklich Gottesfurcht und würden sie Gott wirklich lieben, dann würden sie die Opfer und Gesänge von Herzen darbringen. Dann würden sie die vor Gott versprochenen Worte auch im Alltag befolgen, dann würden Gottes Gebote durch ihre Herzen gehen und sich bis in die Worte und Taten durchziehen.
Gott bevorzugt nicht das „Herr, Herr“, sondern die Befolgung seines Willens. Dies verdeutlicht Amos auch durch das Bild des nie versiegenden Bachs. Das Recht soll unbegrenzt sein.
Solch ähnliche Worte haben wir vor kurzem in der Bergpredigt gehört. Gott lehnt nicht die Opfer an sich ab, sonst hätte er sie Mose nicht angeordnet. Er möchte aufrichtige Opfer und ein entsprechendes Leben im Alltag. Oft beobachten wir die hier kritisierte Haltung auch in unserer heutigen Zeit: Wie viele tun ganz fromm in der Kirche und lassen Christus da auch schön zurück. Sie leben ganz weltlich hinter verschlossenen Türen und unterscheiden sich gar nicht von denen, die nie zur Kirche kommen. So etwas kann Gott nicht ausstehen. Er möchte, dass unser Ja ein Ja ist und unser Nein ein Nein. Wenn wir in der Hl. Messe beten „deinen Tod, oh Herr verkünden wir und deine Auferstehung preisen wir, bis du kommst in Herrlichkeit“, und das gar nicht tun, wenn wir in die Welt hinausgesandt werden (Ite, missa est „gehet, es ist eine Sendung!“), dann wird uns Gott am Ende sehr scharf zurecht weisen. Wir lügen mit unserem Leben. Das möchte Gott nicht. Er möchte unsere Wahrhaftigkeit.

Ps 50
7 Israel, ich bin gegen dich Zeuge, Gott, dein Gott bin ich.
8 Nicht wegen deiner Opfer rüge ich dich, deine Brandopfer sind mir immer vor Augen.
9 Aus deinem Haus nehme ich keinen Stier an, keine Böcke aus deinen Hürden.
10 Denn mir gehört alles Wild des Waldes, das Vieh auf den Bergen zu Tausenden.
11 Ich kenne alle Vögel der Berge, was sich regt auf dem Feld, ist mein Eigen.
12 Hätte ich Hunger, ich brauchte es dir nicht zu sagen, denn mein ist der Erdkreis und seine ganze Fülle.
13 Soll ich denn das Fleisch von Stieren essen und das Blut von Böcken trinken?
16 Was zählst du meine Gebote auf und führst meinen Bund in deinem Mund?
17 Dabei war Zucht dir verhasst, meine Worte warfst du hinter dich.

Auch der Psalm thematisiert die fehlende Aufrichtigkeit des Volkes bei der Opferpraxis. Es handelt sich um eine Anklage Gottes gegen das Volk. Dieser ist Zeuge gegen das Vergehen des Volkes. Er sieht in das Herz des Menschen und erkennt, ob es aufrichtig ist oder nicht.
„Nicht wegen deiner Opfer rüge ich dich, deine Brandopfer sind mir immer vor Augen.“ Gott sagt nicht, dass die Opferpraxis an sich falsch ist. Er hat Mose diese ja vorgegeben. Er kritisiert aber das Wie.
Deshalb sagt er ganz drastisch: „Aus deinem Haus nehme ich keinen Stier an, keine Böcke aus deinen Hürden.“ Opfer ist nicht gleich Opfer. Was er kritisiert, kritisiert auch die Äußerlichkeit esoterischer Angebote von heute, in denen ein wenig Meditation, Möbel umstellen oder Diät den „Stand der Gnade“ wiederherstellt ohne persönliche Umkehr. Das Volk Israel bringt Opfer dar, ohne gleichzeitig eine korrekte innere Haltung einzunehmen und einen bestimmten moralischen Lebenswandel aufzuweisen. Es ist absolut aktuell, wenn wir es auf uns heute beziehen: Wie viele Menschen kommen zur Messe und empfangen sogar die Kommunion, obwohl sie die Gebote überhaupt gar nicht halten und seit über vierzig Jahren nicht mehr gebeichtet haben. Wir sind heute sogar schlimmer als die Israeliten damals, denn diese trugen die Worte und Gebote Gottes noch in ihrem Mund. Sie haben sie noch aufgezählt und thematisiert, aber nicht gehalten. In unserer heutigen Zeit werden die Gebote nicht einmal mehr thematisiert. Sie werden einfach ganz fallen gelassen.
Gott braucht die unaufrichtigen Opfer des Volkes nicht, weil ihm ohnehin alle Tiere gehören. Er ist der Schöpfer und wenn es ihm darum ginge, seinen „Hunger“ nach ihnen zu stillen, könnte er das auch selbst tun. Gott kritisiert das Gottesbild des Volkes, das mit der falschen Opferhaltung einhergeht: Es tut so, als ob Gott ein launisches und zorniges Wesen ist, das man durch Opfer besänftigen muss. Dieses Gottesbild vertreten die umliegenden Völker auch, doch ist Gott eigentlich ganz anders. Sein Wesen hat er den Israeliten offenbart, doch sie fallen zurück auf ein archaisches Gottesbild, bei dem es gar nicht um eine personale Beziehung geht.
Gott versteht aus diesem Grund auch nicht, warum die Israeliten seine Gebote aufzählen, wenn sie diese gar nicht halten. Das kann er deshalb nicht ausstehen, weil das Halten seiner Gebote ein Liebesbeweis ihm gegenüber darstellen würde. Es ist so wie der Ekel, den man bei einem Menschen empfindet, der ständig „ich liebe dich“ sagt, einen jedoch bei nächster Gelegenheit wie Dreck behandelt. Diese Worte werden inflationär und absolut unaufrichtig dahergesagt. Dann möchte man so einem Menschen auch am liebsten sagen: „Ich will diese Worte aus deinem Mund nicht hören!“
Gott möchte unsere Liebe, wenn wir sie ihm durch den Bund mit ihm versprochen haben. Das darf er als „Bräutigam“ von uns erwarten. Es geht um Beziehung. Er möchte unser Herz und nicht alle möglichen Bestechungen in Form von Opfern, die wir ihm gleichsam vor die Füße werfen. Es ist vergleichbar mit einem Kind, dessen Eltern haufenweise Geld und materielle Güter investieren statt dem Kind Zeit und Liebe zu schenken. Solche „Gaben“ möchte das Kind gar nicht haben. Es möchte die Zuwendung der Eltern. Es ist auch wie mit Kindern, die ihre Eltern finanziell versorgen oder sonstiges für die Eltern geben, um ihr Gewissen zu beruhigen, doch die Eltern nie besuchen. Das wäre so viel wertvoller für sie!
Gott möchte eine liebevolle Beziehung mit uns führen. Er möchte eine Kongruenz äußerlich dargebrachter Opfer und einen Lebensstil gemäß seiner Gebote. Er möchte beim Lobpreis eine Kongruenz von Lippen uns Herz. Er möchte, dass wir zugleich ihn und unseren Nächsten von ganzem Herzen lieben.

Mt 8
28 Als Jesus an das andere Ufer kam, in das Gebiet der Gadarener, liefen ihm aus den Grabhöhlen zwei Besessene entgegen. Sie waren so gefährlich, dass niemand auf jenem Weg entlanggehen konnte.

29 Und siehe, sie schrien: Was haben wir mit dir zu tun, Sohn Gottes? Bist du hierhergekommen, um uns vor der Zeit zu quälen?
30 In einiger Entfernung weidete eine große Schweineherde.
31 Da baten ihn die Dämonen: Wenn du uns austreibst, dann schick uns in die Schweineherde!
32 Und er sagte zu ihnen: Weg mit euch! Die aber fuhren aus und in die Schweine hinein. Und siehe, die ganze Herde stürmte den Abhang hinab in den See und kam in den Fluten um.
33 Die Hirten aber flohen, liefen in die Stadt und erzählten alles, auch das, was mit den Besessenen geschehen war.
34 Und siehe, die ganze Stadt zog hinaus, um Jesus zu begegnen; als sie ihn sahen, baten sie ihn, ihr Gebiet zu verlassen.

Im Evangelium wird uns von zwei Besessenen in Gadara berichtet. Sie leben in Grabhöhlen, weil sie sehr gefährlich sind. Keiner wagt, den Weg nahe dieser Höhlen zu benutzen.
Sie rennen Jesus entgegen, weil die Dämonen in den Menschen den Messias erkennen. Seine Anwesenheit beunruhigt sie und sie werden panisch. Denn wenn Gott sich ihnen nähert, wird er die besessenen Menschen von den Dämonen befreien wollen. Und das ist für sie sehr schmerzhaft. Sie sagen zu ihm: „Was haben wir mit dir zu tun, Sohn Gottes?“ Das ist eine typische Abwehraussage, die aus dem Mund von Dämonen immer wieder zu hören ist. Sie sind ja Geistwesen, die Gott ganz ablehnen. Sie sind so abgrundtief böse, dass sie die Gnade Gottes gar nicht aushalten können. Sie fragen Jesus, ob er gekommen ist, um sie „vor der Zeit zu quälen“. Das ist folgendermaßen zu verstehen: Vor der Erschaffung der Welt trug sich ja bereits der Abfall eines Teils von Engeln zu, bei dem Luzifer ihr Anführer ist. Sie werden aus dem Himmel verbannt und auf die Erde geworfen. Eine Andeutung findet sich in Lk, ansonsten lesen wir davon in der Johannesoffenbarung. Bis zum Ende der Welt hat der Böse nun einen gewissen Spielraum auf Erden, deshalb konnte er auch bei der Erschaffung der Erde in eine Schlange fahren und das erste Menschenpaar versuchen. Und deshalb sagen nun die Dämonen in den zwei Gadarenern zu Jesus, dass sie ja bis zu jener „Zeit“ die Freiheit dazu haben. Jesus quält sie durch den kommenden Exorzismus. Wie gesagt ist dieser Prozess für Dämonen sehr schmerzhaft, weshalb sie ihn anflehen, wenigstens in die naheliegende Schweineherde einfahren zu dürfen. Sie sind Geschöpfe Gottes, wenn auch abgefallene. Deshalb bitten sie Gott selbst auch um diesen Gefallen. Das zeigt uns: So mächtig der Böse in unserer Welt auch ist – er bewegt sich in dem Raum, den Gott streng vorgibt. Der Spielraum des Bösen hängt von Gott selbst ab. Das ist für uns tröstlich, weil wir dadurch nicht aus den Augen verlieren, wer der Stärkere ist.
Jesus gewährt es, treibt sie aus den zwei Männern und sie fahren in die Schweineherde. Diese stürzt sich den Abhang hinab, was uns zeigt: Selbstzerstörerisches Verhalten kommt vom Bösen.
Wir können uns bildlich vorstellen, wie die Hirten geguckt haben! Sie haben wohl den Schock ihres Lebens erlitten, als die gesamte Herde in den Tod gestürzt ist. Anhand der Masse erkennen wir übrigens auch, wie viele Dämonen eigentlich in den zwei Gadarenern gelebt haben.
Die Ereignisse sind so unfassbar, dass die Hirten den Bewohnern von Gadara alles erzählen müssen. Diese kommen daraufhin zu Jesus und bitten ihn, den Ort zu verlassen. Sie sind offensichtlich überfordert mich der ganzen Sache.
Für uns ist diese Geschichte entscheidend bei der Identität Jesu: Er ist der allmächtige Gott, dem sogar die Dämonen gehorchen. Gestern wurde uns seine schöpferische Allmacht vor Augen geführt, als der Sturm durch Jesu Wort zu toben aufhörte. Er ist wirklich der Sohn Gottes, als den die Dämonen ihn heute offenbart haben. Er ist mächtiger als alles Böse, was uns in diesem Leben widerfährt. So können wir unsere ganze Hoffnung auf ihn setzen. Wir werden nicht enttäuscht.

Ihre Magstrauss

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