Samstag der 31. Woche im Jahreskreis

Phil 4,10-19; Ps 112,1-2.5-6.8au. 9; Lk 16,9-15

Phil 4
10 Ich habe mich im Herrn besonders gefreut, dass ihr eure Sorge für mich wieder einmal entfalten konntet. Ihr hattet schon daran gedacht, aber es fehlte euch die Gelegenheit dazu.

11 Ich sage das nicht, weil ich Mangel leide; denn ich habe gelernt, mich in jeder Lage zurechtzufinden:
12 Ich weiß Entbehrungen zu ertragen, ich kann im Überfluss leben. In jedes und alles bin ich eingeweiht: in Sattsein und Hungern, Überfluss und Entbehrung.
13 Alles vermag ich durch den, der mich stärkt.
14 Doch ihr habt recht daran getan, an meiner Bedrängnis Anteil zu nehmen.
15 Ihr wisst selbst, ihr Philipper, dass ich beim Beginn der Verkündigung des Evangeliums, als ich aus Mazedonien aufbrach, mit keiner Gemeinde durch Geben und Nehmen verbunden war außer mit euch
16 und dass ihr mir auch in Thessalonich und auch sonst das eine und andere Mal etwas geschickt habt, um mir zu helfen.
17 Es geht mir nicht um die Gabe, es geht mir um den Gewinn, der euch mit Zinsen gutgeschrieben wird.
18 Ich habe alles empfangen und habe Überfluss; ich lebe in Fülle. Mir fehlt nichts mehr, seit ich von Epaphroditus eure Gaben erhielt, einen Wohlgeruch, eine angenehme Opfergabe, die Gott gefällt.
19 Mein Gott aber wird euch durch Christus Jesus alles, was ihr nötig habt, aus dem Reichtum seiner Herrlichkeit schenken.

In der Lesung hören wir aus dem letzten Kapitel des Philipperbriefes letzte Ermahnungen des Apostels. Paulus spricht sehr persönlich, denn er bringt seine eigene Situation ein: „Ich weiß Entbehrungen zu ertragen“ – ja, er sitzt zu jener Zeit im Gefängnis und dies nicht zum ersten Mal. Immer wieder wurde er festgenommen und erlitt dort natürlich einen großen Mangel – in erster Linie an Freiheit. Auch die vielen Reisen sind zu nennen, in denen er vieles entbehrt hat und krank wurde, fasten musste und viele Kilometer zurückgelegt hat. Oft hatte er nicht genug, aber er behielt seine innere Freude bei allem. Das ist der entscheidende Punkt, den er hier herausstellen möchte. Er findet sich in jeder Lage zurecht, weil er den Herrn im Herzen trägt. Deshalb ist es „egal“, ob er satt ist oder hungrig, in Überfluss hat oder im Mangel. Er weiß, dass er nicht allein ist und Christus ihn nie im Stich lässt. Dieser gibt ihm Kraft. Wohl verdeutlicht er dies, weil die Philipper ihm gegenüber großes Mitleid gezeigt haben. Er ist dankbar für ihre Sorge, die sie ihm wieder entfaltet haben, wie er am Anfang der Lesung andeutet. Vielleicht ist dem Philipperbrief ein Gemeindebrief vorausgegangen, in dem die Philipper ihm gegenüber Trauer über seinen Gefängnisaufenthalt gezeigt haben. Er scheint sie zu trösten damit, dass er trotz Gefangenschaft froh ist. Dennoch schätzt er es, dass die Gemeinde sich mit ihm verbunden fühlt. Sie haben offensichtlich alles getan, um ihn irgendwie zu unterstützen, selbst wenn er gar nicht mehr in Philippi war. Wohl haben sie für ihn gesammelt und Gaben zukommen lassen. Er sagt, dass es ihnen als „Zinsen gutgeschrieben wird.“ Wir müssen es so verstehen, dass er es ihnen nicht materiell zurückzahlen wird, sondern Gott es ihnen mit überreicher Gnade vergelten wird. Das Gute, das sie getan haben, wird ihnen in Form von Segen zugeschrieben – schon auf Erden, umso wie viel mehr in der Ewigkeit!
Vers 18 lässt durchblicken, dass die Gaben, die ihm zuteilgeworden sind, wohl auch in Form von Opfern bereitgestellt worden sind. Der Wohlgeruch könnte sich auf Weihrauch beziehen, wenn er mehr als bildhaft gemeint ist. Die Rede von der Opfergabe bezieht sich also entweder im übertragenen Sinne auf die guten Taten der Philipper, die gleichsam eine Opfergabe vor Gott ist, durch die er ihnen Gnade zukommen lässt, oder es ist wörtlich zu verstehen. Von Epaphroditus, der die Gaben ins Gefängnis gebracht hat, ist bekannt, dass er ein Geistlicher war. Die Philipper haben also vielleicht Messen für Paulus in Auftrag gegeben!
In Vers 19 erklärt Paulus, dass auch die Philipper in jeglicher Lebenslage den „Reichtum seiner Herrlichkeit“ empfangen werden und Gott ihnen alles Nötige verleihen wird. Er wird auch ihnen andere Menschen schicken, die sie unterstützen, ihnen die Kraft verleihen, in Bedrängnissituation standhaft zu bleiben und in verwirrenden Situationen am Glauben festzuhalten.

Ps 112
1 Halleluja! Selig der Mann, der den HERRN fürchtet und sich herzlich freut an seinen Geboten.

2 Seine Nachkommen werden mächtig im Land, das Geschlecht der Redlichen wird gesegnet.
5 Glücklich ein Mann, der gnädig ist und leiht ohne Zinsen, der nach dem Recht das Seine ordnet.

6 Niemals gerät er ins Wanken; ewig denkt man an den Gerechten.
8 Sein Herz ist getrost, er fürchtet sich nicht, er wird herabschauen auf seine Bedränger.

9 Reichlich gibt er den Armen, seine Gerechtigkeit hat Bestand für immer, seine Macht steht hoch in Ehren.

Heute beten wir einen Makarismus, eine Seligpreisung des Gottesfürchtigen im Psalm.
Selig zu preisen ist jener, der gottesfürchtig ist und an Gottes Geboten Gefallen hat. Im Hebräischen steht dort wörtlich „und die Gebote sehr wünscht“. Das Wünschen steht hier im Partizip und betont die anhaltende Sehnsucht nach Gottes Geboten, also ein Leben lang.
Wer so eingestellt ist, hat Segen von Gott. Dies wird anhand der typischen Segensindizien ausgedrückt: zahlreiche Nachkommen (Vers 2), Wohlstand und Reichtum (Vers 3, den wir heute nicht beten), bestehende Gerechtigkeit (Vers 3, heute auch nicht vorgesehen).
Diesen Segen Gottes stellt Paulus ja in der Lesung den Philippern in Aussicht.
Der Mensch soll barmherzig sein wie Gott im Himmel. Dies zeigt sich konkret z.B. an dem Verleih ohne Zinsen (Vers 5). So zu sein macht glücklich, weil man dann der Habgier nicht so schnell verfällt, die einen beherrschen und einschränken kann. Vor Gott ist so ein Mensch gut (dort steht טֹֽוב tov, „gut“), also gerecht. Paulus dagegen spricht von Zinsen – aber jene, die Gott dem Menschen zuteilwerden lässt! Er ist der einzige, der mit „Zinsen“ zurückzahlt – der immer mehrfach zurückgibt, wenn der Mensch ihm zuvor alles überlässt.
Der Psalm ist ein Zeugnis dafür, wie jemand gottesfürchtig ist – nicht nur durch „Herr, Herr“-Bekenntnis, sondern gerade auch durch barmherziges Handeln.
Wenn es dann in Vers 6 heißt „ewig denkt man an den Gerechten“, ist das auch ein Ausdruck von Segen. Das Vergessen des Namens durch die nachfolgenden Generationen ist nämlich ein Fluch und Zeichen des Todes. Dass man dagegen im Namen weiterbesteht, ist Zeichen des Wohlwollens Gottes. Deshalb ist es wichtig bei den Juden, Anamnese zu betreiben, über die Väter zu sprechen, die vergangenen Zeiten im Gespräch wieder aufleben zu lassen. So werden die Verstorbenen nie aus dem Blick geraten. Deshalb gehört die Erzählung vom Exodus auch zum Ritus des Sederabends dazu – bis heute.
Wer ein untadeliges Leben führt, muss auch keine Angst vor übler Nachrede oder bösen Gerüchten haben („böser Kunde“), da er sich nichts hat zuschulden kommen lassen. Er vertraut auf Gott, weil er vor ihm gerecht ist. Die üble Nachrede fällt auf den Feind zurück, weshalb es hier heißt, dass „er (…) auf seine Bedränger [hinabschauen wird].“ Und auf das gerechte Leben folgt die Macht „hoch in Ehren“. Gott verleiht denen Macht, die gerecht und barmherzig leben, nicht denen, die nach Macht streben. So ist es auch mit Reichtum: Gott schenkt jenen viel, bei denen er erkennt, dass sie daran nicht hängen und es gar nicht anstreben. Die dagegen reich sein wollen um des Reichtums willen, wird er ihn nicht schenken. Habgier und falscher Umgang sind vorprogrammiert.

Lk 16
9 Ich sage euch: Macht euch Freunde mit dem ungerechten Mammon, damit ihr in die ewigen Wohnungen aufgenommen werdet, wenn es zu Ende geht!
10 Wer in den kleinsten Dingen zuverlässig ist, der ist es auch in den großen, und wer bei den kleinsten Dingen Unrecht tut, der tut es auch bei den großen.

11 Wenn ihr nun im Umgang mit dem ungerechten Mammon nicht zuverlässig gewesen seid, wer wird euch dann das wahre Gut anvertrauen? 12 Und wenn ihr im Umgang mit dem fremden Gut nicht zuverlässig gewesen seid, wer wird euch dann das Eure geben?
13 Kein Sklave kann zwei Herren dienen; er wird entweder den einen hassen und den andern lieben oder er wird zu dem einen halten und den andern verachten. Ihr könnt nicht Gott dienen und dem Mammon.
14 Das alles hörten auch die Pharisäer, die sehr am Geld hingen, und sie lachten über ihn.

15 Da sagte er zu ihnen: Ihr stellt euch selbst vor den Menschen als gerecht hin; aber Gott kennt eure Herzen. Denn was die Menschen für großartig halten, das ist vor Gott ein Gräuel.

Der Psalm führt uns schon zum Evangelium, bei dem Jesu gestrige Worte weitergeführt werden und bei denen es um den rechten Umgang mit Besitz geht.
„Macht euch Freunde mit dem ungerechten Mammon“ meint, dass auch wenn Geld stinkt (wie gesagt ungerecht ist), man es instrumentalisieren muss zum Wohle des Reiches Gottes. Jesus möchte, dass die Jünger sich eine Scheibe abschneiden vom ungerechten und schlitzohrigen Verwalter des gestrigen Evangeliums. Sie sollen diese „Klugheit“ bei der Verwaltung seiner Güter an den Tag legen. Jesus traut den Geistlichen der Kirche zu, dass wenn er sie mit seinen geistlichen Vollmachten ausstattet, sie diese nach eigenem Ermessen verwalten können.
Und der Umgang mit dem Geld, das ja ein weltliches Gut ist, das zugleich aber für das Reich Gottes nützlich ist, soll die „Generalprobe“ einer richtigen Verwaltung darstellen. Wer schon nicht mit diesem weltlichen Gut verantwortungsvoll umgeht, kann umso weniger mit den übernatürlichen Gütern, den Heilsmitteln der Kirche, umgehen. Wer aber zuverlässig mit dem „ungerechten Mammon“ umgegangen ist, dem wird Gott das übernatürliche Gut nicht vorenthalten.
Zuverlässig verwalten tun jene den ungerechten Mammon, die ihr Herz daran nicht verlieren, der Habgier keine Chance gegeben und Gott an die erste Stelle gestellt haben. Man kann nicht zwei Herren dienen. Im Herzen ist nur Platz für einen – Gott oder den Mammon.
Jesus spricht über den rechten Umgang mit dem Geld, weil solche Menschen anwesend sind, auf die diese Worte besonders zutreffen. Die Pharisäer lachen nur über Jesu Worte, statt betroffen zu sein und in sich zu gehen.
Jesus sieht in ihre Herzen, die so voll sind vom ungerechten Mammon. So sagt er zu ihnen: „Gott kennt eure Herzen.“ Das müssen wir ganz an uns heranlassen. Lassen wir uns von diesen Worten auch heute ansprechen! Gott kennt auch unsere Herzen! Und wenn dort alles voll ist mit dem, was für ihn ein Gräuel ist, dann ist für ihn kein Platz mehr. „Was die Menschen für großartig halten“ meint dasselbe wie an anderer Stelle die Rede vom Schatz: „Denn wo dein Schatz ist, da ist auch dein Herz“. Gott ist aber ein eifersüchtiger Gott. Er möchte unsere ganze Liebe. Deshalb tut er alles, damit wir diese schädlichen Gräuel aus unseren Herzen verbannen. Er ist sogar Mensch geworden, um in Jesus Christus die Menschen direkt anzusprechen. Doch was tun die Angesprochenen? Sie lachen.

Gebe Gott uns, dass wir ihn nicht auslachen, wenn er uns anspricht, wenn er vielleicht durch andere Menschen zu uns vordringen möchte. Lassen wir uns von Gott belehren, denn er möchte unser Heil. Wie können wir seine Gnade und seinen Segen empfangen wie die Philipper, wenn unser Herz voll von Gräuel ist? Geben wir vielmehr von Herzen jenen, die bedürftig sind. Hängen wir nicht an den irdischen Gütern, sondern gehen wir zuverlässig mit ihnen um. Bewahren wir unsere Herzen, damit der Platz ganz Gott zur Verfügung steht. So werden wir wirklich reich beschenkt und erhalten am Ende die Herrlichkeit des Himmels.

Ihre Magstrauss

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