Mittwoch der 9. Woche im Jahreskreis

Tob 3,1-11a.16-17a; Ps 25,1-2.3-4.5-6.8-9; Mk 12,18-27

Tob 3
1 Da wurde ich in der Seele tieftraurig, ich seufzte, weinte und begann unter Seufzern zu beten:

2 Gerecht bist du, Herr, und alle deine Werke sind gerecht und alle deine Wege sind Barmherzigkeit und Wahrheit. Du bist der Richter der Welt.
3 Jetzt aber, o Herr, gedenke meiner und schau gnädig auf mich! Bestraf mich nicht für meine Sünden! Durch meine Versehen und die meiner Väter habe ich vor dir gesündigt.
4 Ich war ungehorsam gegen deine Gebote. Du hast uns preisgegeben zum Raub und in Gefangenschaft und Tod, zu Gespött und Gerede und zur Schmach unter allen Völkern, unter die du uns zerstreut hast.
5 Auch jetzt sind deine zahlreichen Urteile wahr, nach meinen Sünden an mir zu handeln. Denn deine Gebote haben wir nicht befolgt und sind nicht in Wahrheit vor dir gewandelt.
6 Jetzt aber, handle an mir nach deinem Wohlgefallen und befiehl, dass mein Geist von mir genommen werde! So kann ich von dieser Erde Abschied nehmen und zu Erde werden. Denn es ist besser für mich, zu sterben als zu leben. Lügnerische Spottreden habe ich gehört, tiefe Trauer erfüllt mich. Herr, befiehl, dass ich entlassen werde aus dieser Not! Entlass mich an den Ort der Ewigkeit! Wende dein Angesicht nicht von mir ab, Herr! Denn es ist besser für mich zu sterben, als viel Not anzusehen in meinem Leben und Spottreden zu hören.
7 Am selben Tag geschah es Sara, der Tochter Raguëls in Ekbatana in Medien, dass auch sie Spottreden von einer der Mägde ihres Vaters anhören musste.

8 Sie war sieben Männern zur Frau gegeben worden, aber der böse Dämon Aschmodai hatte sie getötet, bevor sie mit ihr zusammengekommen waren, wie es den Ehefrauen vorgeschrieben ist. Die Magd sagte zu ihr: Du bist es, die deine Männer tötet! Siehe, schon sieben Männern bist du zur Frau gegeben worden und nach keinem von ihnen bist du mit Namen genannt worden.
9 Warum behandelst du uns hart? Wenn deine Männer gestorben sind, so geh mit ihnen! Mögen wir in Ewigkeit weder Sohn noch Tochter von dir sehen!
10 An jenem Tag wurde Sara in der Seele traurig, sie weinte, ging hinauf in das Obergemach ihres Vaters und wollte sich erhängen. Aber sie dachte noch einmal nach und sagte: Niemals sollen sie meinen Vater verspotten und zu ihm sagen: Du hattest eine einzige geliebte Tochter und die hat sich vor Unglück erhängt. Dann würde ich meinen alten Vater noch vor Trauer in die Unterwelt bringen. Ich würde mich viel besser nicht erhängen, sondern den Herrn bitten, dass ich sterbe. Ich möchte in meinem Leben keine Spottreden mehr hören.

11 Zur selben Zeit breitete sie ihre Hände zum Fenster aus, betete und sagte: Gepriesen bist du, barmherziger Gott, und gepriesen ist dein Name in alle Ewigkeit!
16 Zu diesem Zeitpunkt wurde beider Gebet vor Gottes Herrlichkeit erhört.
17 Rafaël wurde gesandt, beide zu heilen: die weißen Flecken von Tobits Augen abzulösen und Sara, die Tochter Raguëls, Tobias, dem Sohn Tobits, zur Frau zu geben und den bösen Dämon Aschmodai von ihr zu lösen.

Heute hören wir wieder einen Abschnitt aus dem Buch Tobit. Gestern wurde uns berichtet, dass dieser durch den Kot von Spatzen erblindet ist und das Blatt sich nun gewendet hat: Nachdem er immer Notleidenden geholfen hat, ist es an der Zeit, dass er die Hilfe anderer Menschen annimmt. Als seiner Frau ein Ziegenböcklein geschenkt wird und er es als Diebesgut missversteht, schimpft seine Frau mit ihm, ja, man könnte fast sagen, verhöhnt ihn aufgrund der Gesamtsituation.
Heute hören wir die Fortsetzung, die zunächst aus einem Gebet Tobits besteht: Zu Anfang betont er die Gerechtigkeit und Barmherzigkeit Gottes. Es ist wichtig, in jeder Lebenslage Gott als guten Gott zu loben und zu preisen. Wir dürfen nicht der Versuchung erliegen, ihm böse Absichten zu unterstellen oder in eine Haltung des Haderns hineinzukommen.
Alles, was geschieht, richtet Gott in seiner absoluten Gerechtigkeit. Das begreift auch Tobit. Dann bittet er den Herrn um Vergebung für seine Sünden. Dass ihn die Erblindung getroffen hat, bewertet er also als Konsequenz seiner Sünde bzw. die seiner Vorfahren. Das ist bemerkenswert, weil er versteht, was wir die letzten zwei Tage im Psalm reflektiert haben: Fluch und Segen betreffen nie nur uns selbst, sondern gehen auf unsere Nachfahren über. Was er nun erlebt, deutet er als Folge der Sünde seiner Vorfahren, die Götzendienst betrieben haben und deshalb auch die assyrische Gefangenschaft provoziert haben. Insgesamt wird deutlich, dass Tobit, der so viel Gutes an seinen Landsleuten tut und so einen ausgeprägten Gerechtigkeitssinn hat, überhaupt nicht von sich überzeugt. Er sagt nicht: „Siehe, Herr, wie toll ich bin.!“ Vielmehr sieht er seine eigene Armut und Erlösungsbedürftigkeit. Es fällt auf, dass auch viele Heilige sich als die größten Sünder betrachten, weil sie so empfindlich für die noch so kleine Sünde und Unvollkommenheit werden. Tobit bemüht sich von Herzen um ein gutes Verhältnis zu Gott. So bittet er diesen vertrauensvoll darum, aus seiner Situation erlöst zu werden. Er bittet sogar darum, zu sterben, denn sein momentanes Leben ist ihm schlimmer als der Tod. Wir merken an seinen Worten, dass zu jener Zeit bereits eine Vorstellung vom Jenseits besteht, denn es heißt „Ort der Ewigkeit“.
Sodann erfolgt ein Cut bzw. ein Perspektivwechsel. Während Tobit in Ninive dem Spott der Mitmenschen ausgesetzt ist, ergeht es Sarah, der Tochter Reguels in Ekbatana ähnlich. Sie wird verspottet, weil sie von einem Dämon namens Aschmodai umsessen ist. Dieser sorgt dafür, dass in der Hochzeitsnacht ihre Männer jeweils versterben. Schon siebenmal wurde sie mit einem Mann verheiratet, doch jedesmal kam es nicht zum Vollzug der Ehe. Jeder der sieben Männer verstarb in der Hochzeitsnacht. Ihre Magd verspottet sie und wirft ihr sogar an den Kopf, dass sie den sieben Männern in den Tod folgen soll. Sie denkt aus lauter Verzweiflung tatsächlich darüber nach, sich umzubringen, kann es aber nicht übers Herz bringen, um ihren Vater nicht noch mehr in Trauer zu versetzen. So kommt auch sie in ihrer Not zu Gott und betet. Das ist immer der beste Weg, auch für uns. Wenn es uns schlecht geht, müssen wir uns mit aller Kraft an den Herrn klammern, ihm unser Herz ausschütten, ihn vertrauensvoll um Rettung bitten. Gott lässt keines seiner Kinder ungehört!
So tut auch sie, was für uns unerwartet erscheint: Sie lobt und preist Gott. Das ist uns wirklich ein Vorbild. Ihm gebührt immer Lob und Dank, egal in welcher Lebenslage. Wir können unser Gotteslob nicht von unseren eigenen Befindlichkeiten abhängig machen. Er ist immer derselbe, gestern, heute und in Ewigkeit. Ihr aufrichtiges Gotteslob sowie das Gotteslob Tobits werden erhört. Der Erzengel Rafael wird zu beiden gesandt, um sie zu heilen bzw. zu befreien. Gott hat sich Sarah als Frau des Sohnes Tobits, Tobias, ausersehen. Das Abenteuer beginnt. Der heutige Abschnitt endet jedoch an dieser Stelle.

Ps 25
1 Von David. Zu dir, HERR, erhebe ich meine Seele,
2 mein Gott, auf dich vertraue ich. Lass mich nicht zuschanden werden, lass meine Feinde nicht triumphieren!
3 Es wird ja niemand, der auf dich hofft, zuschanden; zuschanden wird, wer dir schnöde die Treue bricht.
4 Zeige mir, HERR, deine Wege, lehre mich deine Pfade!
5 Führe mich in deiner Treue und lehre mich; denn du bist der Gott meines Heils. Auf dich hoffe ich den ganzen Tag.
6 Gedenke deines Erbarmens, HERR, und der Taten deiner Gnade; denn sie bestehen seit Ewigkeit!
8 Der HERR ist gut und redlich, darum weist er Sünder auf den rechten Weg.
9 Die Armen leitet er nach seinem Recht, die Armen lehrt er seinen Weg.

Der Psalm, den wir als Antwort beten, ist ein Davidpsalm mit weisheitlichen Elementen. David empfiehlt sich ganz vertrauensvoll dem Herrn an. Er vertraut darauf, dass Gott ihm nur Gutes gibt und ganz auf seiner Seite steht. Von dieser Haltung her bittet er Gott darum, dass seine Feinde ihn nicht besiegen. Er begreift, dass wenn der Mensch ganz innig mit Gott verbunden ist, eine gute Beziehung zu ihm hat, Gottes Gnade in seinem Leben erfährt. Das ist auch der Grund, warum sowohl Tobit als auch Sarah von Gott gehört werden. Sie sind rechtschaffene Menschen, die vertrauensvoll ihren Vater um Hilfe anrufen so wie König David.
„Zeige mir, HERR, deine Wege“ ist in Krisensituationen die Bitte, das richtige Verhalten zu übernehmen und die richtigen Entscheidungen zu treffen. Gott zeige uns immer das richtige moralische Verhalten auf, indem er uns seinen Willen aufzeigt. Dies tut er durch sein Heiliges Wort und seine Gebote.
Dieser Psalm ist messianisch zu lesen, denn wir sehen das an der hebräischen Formulierung אֱלֹהֵ֣י יִשְׁעִ֑י elohe, jisch’i, was mit „Gott meines Heils“ übersetzt wird. Die Wurzel des Wortes „Heil“ ist dieselbe wie der Name Jesu. „Auf dich hoffe ich den ganzen Tag“ ist ein besonders intensiver Ausdruck messianischer Erwartung. Eine solche Sehnsucht sehen wir beim Volk Israel insbesondere in der Babylonischen Gefangenschaft, aber auch bei den Israeliten unter assyrischer Fremdherrschaft. Auch wir hoffen den ganzen Tag auf den Messias. Der „Tag“ kann bildlich auf das gesamte Leben bezogen werden, das Leben des Einzelnen sowie der gesamten Menschheit. Und je drastischer die Weltsituation ist, desto lauter wird der Schrei nach dem Gott des Heils.
Mit der Erwartung Gottes kommt auch hier die Frage nach dem Zustand der Menschen auf: „Gedenke deines Erbarmens“ zeigt das Verständnis auf, dass wenn Gott kommt, die Menschen vor ihm gut dastehen möchten. Auch hier ist der Wunsch spürbar, dass wenn Gott kommt, barmherzig mit den sündigen Menschen umgehen soll. So sollen auch wir beten und das tut die Kirche auch immer nach dem Vaterunser in der Hl. Messe: „Schau nicht auf unsere Sünden, sondern auf den Glauben deiner Kirche und schenke uns nach deinem Willen Einheit und Frieden.“ Das wird vor dem Kommen Jesu in der Kommunion gebetet, also bevor die Menschen ihn in ihr Herz aufnehmen. So sollen wir auch persönlich beten, auch dann, wenn Gottes Gegenwart ganz weit weg zu sein scheint. Denn er ist uns näher, als wir denken. Und bevor wir uns versehen, stehen wir vor ihm. Bekehren wir uns im steten Jetzt. Dann wird er auch barmherzig mit uns sein.

Mk 12
18 Von den Sadduzäern, die behaupten, es gebe keine Auferstehung, kamen einige zu Jesus und fragten ihn:

19 Meister, Mose hat uns vorgeschrieben: Wenn ein Mann, der einen Bruder hat, stirbt und eine Frau hinterlässt, aber kein Kind, dann soll sein Bruder die Frau nehmen und seinem Bruder Nachkommen verschaffen.
20 Es lebten einmal sieben Brüder. Der erste nahm sich eine Frau, und als er starb, hinterließ er keine Nachkommen.
21 Da nahm sie der zweite; auch er starb, ohne Nachkommen zu hinterlassen, und ebenso der dritte.
22 Keiner der sieben hatte Nachkommen. Als letzte von allen starb die Frau.
23 Wessen Frau wird sie nun bei der Auferstehung sein? Alle sieben haben sie doch zur Frau gehabt.
24 Jesus sagte zu ihnen: Ihr irrt euch, ihr kennt weder die Schrift noch die Macht Gottes.
25 Wenn nämlich die Menschen von den Toten auferstehen, heiraten sie nicht, noch lassen sie sich heiraten, sondern sind wie Engel im Himmel.
26 Dass aber die Toten auferstehen, habt ihr das nicht im Buch des Mose gelesen, in der Geschichte vom Dornbusch, in der Gott zu Mose spricht: Ich bin der Gott Abrahams, der Gott Isaaks und der Gott Jakobs?
27 Er ist kein Gott von Toten, sondern von Lebenden. Ihr irrt euch sehr.

Die heutige Episode aus der Lesung wirft ihre Schatten voraus. Was dort von Sarah berichtet wird, greifen die Sadduzäer im Evangelium auf, um Jesus eine Falle zu stellen. Sie sind eine religiöse Gruppe, die weder an die Auferstehung noch an Engel etc. glauben.
Sie erklären auch, warum Sarah ganze siebenmal versucht, zu heiraten: Aufgrund eines Dämons stirbt ihr Mann in der Hochzeitsnacht, wodurch dessen Bruder sie heiraten muss. Das ergibt sich aus dem jüdischen Recht, das für jene Situation die sogenannte Leviratsehe vorsieht: Ein naher Verwandter (z.B. Bruder) muss die Frau seines verstorbenen Verwandten heiraten, wenn er keine Kinder hinterlassen hat, damit dessen Blut über den Verwandten weitergegeben wird, auch wenn es nicht mehr genau dasselbe Blut ist. Über diesen Umweg soll die verstorbene Frau also einen Erben gebären.
Das Problem bei Sarah ist, dass sie mit diesem Fluch belastet ist. Deshalb stirbt auch der Bruder ihres ersten Mannes in der Hochzeitsnacht und der nächste Bruder muss sie heiraten. Auch er stirbt in der Hochzeitsnacht und so geht es weiter, bis alle sieben Brüder verstorben sind.
Die eigentliche Frage kommt nun: Was ist, wenn die Frau dann auch stirbt? Wessen Frau ist sie dann im Himmel, denn alle sieben waren ja mit ihr verheiratet.
Wir merken, dass die Sadduzäer diese Frage nicht ernst meinen, sondern Jesus sowie den Auferstehungsglauben verhöhnen, den sie strikt ablehnten.
Die Sadduzäer halten sich für besonders schlau und meinen, Jesus damit ins Stammeln zu bringen. Wie kann man auf so ein geniales Szenario denn auch eine Antwort finden! Oder? Nein. Sie haben gar nichts verstanden und so ist es ein Leichtes für Jesus, diese Frage zu beantworten:
„Wenn nämlich die Menschen von den Toten auferstehen, heiraten sie nicht, noch lassen sie sich heiraten, sondern sind wie Engel im Himmel.“ Die Ehe ist ein Sakrament, doch im Himmel wird es solche ja nicht mehr brauchen. Heiraten und Kinder bekommen ist eine Sache der irdischen Schöpfung. Im Himmel wird alles ganz anders sein. Jesus argumentiert mit dem ewigen Leben: Man muss sich nicht mehr vermehren, weil man ja nicht sterben wird. Die Menschen, die als Kinder Gottes ewig bei Gott leben, sind den Engeln gleich – vergeistigt.
Jesus verdeutlicht die Wahrheit der Auferstehung noch anhand eines anderen Beispiels, nämlich der Gottesoffenbarung im brennenden Dornbusch: Dort stellt sich Gott dem Mose ja als Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs vor. Wären diese für immer tot, würde Gott mit so einer Umschreibung von sich aussagen, er sei ein Gott von Toten, nicht von Lebenden. Gott ist aber ein Gott der Lebenden, denn für ihn leben die gläubigen Menschen ja. So schließt Jesus seine Ausführungen mit den Worten: „Ihr irrt euch sehr.“ So hat er in seiner göttlichen Weisheit einmal mehr jene mundtot gemacht, die ihm eine Falle stellen wollen.

Was wir heute alles hören und lernen, ist Gottes Güte, sein offenes Ohr, seine Bereitschaft, uns aus unseren Nöten zu retten. Wir lernen auch, dass es ein Leben nach dem Tod gibt. Schon in der Erzählung aus dem Buch Tobit wird deutlich, dass die Menschen an die Auferstehung glauben. Jesus greift dies auf und spitzt es zu. Dieses ewige Leben ist auch für uns elementar, die wir als Getaufte nämlich auf das ewige Leben zugehen. Wir sind erlöst zu einem Leben in Gottes ewiger Gegenwart. So können wir nicht verzweifeln und die Hoffnung aufgeben. Alles, was wir als Kinder Gottes und Erben von unserem Vater erbitten, wird uns gegeben. Er rettet uns aus jeder Not. Schauen wir genau hin. Wie viele Gebete hat er schon in unserem Leben erhört!

Ihre Magstrauss

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