Hochfest des Leibes und Blutes Christi (B)

Ex 24,3-8; Ps 116,12-13.15-16.17-18; Hebr 9,11-15; Mk 14,12-16.22-26

Ex 24
3 Mose kam und übermittelte dem Volk alle Worte und Rechtssatzungen des HERRN. Das ganze Volk antwortete einstimmig und sagte: Alles, was der HERR gesagt hat, wollen wir tun.

4 Mose schrieb alle Worte des HERRN auf. Am frühen Morgen stand er auf und errichtete am Fuß des Berges einen Altar und zwölf Steinmale für die zwölf Stämme Israels.
5 Er schickte die jungen Männer der Israeliten aus und sie brachten Brandopfer dar und schlachteten junge Stiere als Heilsopfer für den HERRN.
6 Mose nahm die Hälfte des Blutes und goss es in eine Schüssel, mit der anderen Hälfte besprengte er den Altar.
7 Darauf nahm er das Buch des Bundes und verlas es vor dem Volk. Sie antworteten: Alles, was der HERR gesagt hat, wollen wir tun; und wir wollen es hören.
8 Da nahm Mose das Blut, besprengte damit das Volk und sagte: Das ist das Blut des Bundes, den der HERR aufgrund all dieser Worte mit euch schließt.

Am heutigen Hochfest des Leibes und Blutes Christi verehren wir ganz intensiv den eucharistischen Herrn im allerheiligsten Sakrament. Dies geschah bereits an Gründonnerstag, doch das sich ankündigende Leiden überschattet dieses Ereignis immer so sehr, dass wir im 13. Jh. ein eigenes Fest für die Gesamtkirche erhalten haben. Wenn wir die Eucharistie begreifen möchten, müssen wir zunächst einmal zurückgehen in den Alten Bund. Gott greift Gegebenes auf, um es zu erfüllen. Bei jedem Bundesschluss, der in der Bibel berichtet wird, bringen die Bündnispartner anlässlich des Bundesschlusses ein Opfer dar. Als Gott mit dem Volk Israel am Sinai den Bund schließt, wird für alle Stämme ein Opfer dargebracht. Es werden zwölf Steinmale errichtet für jeden Stamm. Dann werden junge Stiere geopfert. Das Blut der Tiere wird verwendet, um damit den Altar zu besprengen. Das ist ein wichtiger Gestus, den wir im Hinterkopf behalten müssen.
Daraufhin werden alle Gebote verlesen, die Gott dem Mose aufgegeben hat. Die Anwesenden hören aufmerksam zu und versprechen, die Gebote Gottes vollständig zu halten. Die andere Hälfte des Opferblutes wird verwendet, um nun das Volk zu besprengen. Auch dies ist im Hinterkopf zu behalten, insbesondere die Worte, die Mose dazu spricht: „Das ist das Blut des Bundes, den der HERR aufgrund all dieser Worte mit euch schließt.“ Bei Bundesschlüssen gehört eine gewisse Gesetzgebung dazu, auf die Gott den Bündnispartner verpflichtet. Dies geschieht nicht um des Gesetzes willen, sondern Gott, dem begegneten Gegenüber zuliebe. Aus dem Grund beginnen auch die Zehn Gebote mit der Rede von Gottes Auszug der Israeliten aus Ägypten. Deshalb erklärt Mose den Menschen auch, dass Gott sie dem Volk gab, als von Angesicht zu Angesicht mit Mose gesprochen hat. Gottes Gebote kommen aus seiner Begegnung heraus.
Mit diesem Bundesschluss wird der Kult Israels begründet. Gott beruft Aaron zum Priester dieses Bundes. Von ihm soll sich das Priestertum Israels ableiten. Die Leviten sollen der priesterliche Stamm sein, geheiligt für Gott.
Ein drittes Element bei Bundesschlüssen ist immer ein Zeichen. Bei diesem Bundesschluss am Sinai sind die Steintafeln zu nennen, in die Gott selbst seine Gebote hineingeschrieben hat und die zum Ort seiner Gegenwart werden. In die Bundeslade hineingelegt und in das Allerheiligste des Offenbarungszelts gestellt kommt Gottes Schechina auf diesen Ort. Er wird also zum zentralen Ort der Anbetung für die Israeliten. All dies müssen wir bedenken, um zu begreifen, worauf Gott den Neuen Bund aufbaut.

Ps 116
12 Wie kann ich dem HERRN vergelten all das Gute, das er mir erwiesen?
13 Den Becher des Heils will ich erheben. Ausrufen will ich den Namen des HERRN.
15 Kostbar ist in den Augen des HERRN der Tod seiner Frommen.
16 Ach HERR, ich bin doch dein Knecht, dein Knecht bin ich, der Sohn deiner Magd! Gelöst hast du meine Fesseln.
17 Ich will dir ein Opfer des Dankes bringen, ausrufen will ich den Namen des HERRN.
18 Meine Gelübde will ich dem HERRN erfüllen in Gegenwart seines ganzen Volks
.

Heute beten wir einen Dankespsalm, der zum sogenannten Ägyptischen Hallel gehört (ein großes Loblied bestehend aus den Psalmen 113-118). Denselben Psalm haben wir an Gründonnerstag gebetet, mit dem das Hochfest Fronleichnam ja eng zusammenhängt. Das ägyptische Hallel wird so genannt, weil es an das erste Pessachfest in Ägypten erinnert. Das ägyptische Hallel ist zu den großen Wallfahrtsfesten gebetet worden, also haben die Juden zur Zeit Jesu dieses Hallel zum kommenden Pessachfest ebenfalls gebetet. Wir können uns durchaus vorstellen, dass Jesus auch im Abendmahlssaal dieses Hallel angestimmt hat, denn es war Tradition, dieses Loblied am Sederabend mit der Familie zu singen (und der Zwölferkreis war Jesu Familie). Auch für uns, die wir heute die Eucharistie verehren (Eucharistia=Danksagung!), ist dieser Dankespsalm absolut passend für die Liturgie:
„Wie kann ich dem HERRN vergelten all das Gute, das er mir erwiesen?“ Mit dieser rhetorischen Frage bringen schon die Israeliten zum Ausdruck, dass der Exodus mit der Befreiung aus dem Sklavenhaus Ägypten absoluter Gnadenerweis Gottes ist. Das Volk hätte es nie zustande gebracht, diese Befreiungsaktion erst einmal zu verdienen durch gute Taten und Opfer. Und auch wir können nur so beten, denn wer von uns hätte das Kreuzesopfer durch eigenes Gutsein zuerst verdienen können? Die übergroße Schuld mit den hohen Wellen ihrer todbringenden Konsequenzen hätte durch menschliche Kraft nie gesühnt werden können. Es war ein einziger Gnadenakt Gottes, seinen geliebten Sohn für uns dahinzugeben, um diese übergroße Schuld zu sühnen!
„Den Becher des Heils will ich erheben. Ausrufen will ich den Namen des HERRN.“ Jesus musste den Becher des Leidens und Todes trinken, von dem er voller Todesangst im Garten Getsemani noch gesagt hat: „Vater, nimm diesen Kelch von mir…doch nicht mein, sondern dein Wille geschehe“. Weil er ihn bereitwillig getrunken hat, ist er für uns zum Becher des Heils geworden! Wir rufen den Namen des HERRN an, bis er wiederkommt in Herrlichkeit. So geschehen in seinem Namen bis heute Zeichen und Wunder.
„Kostbar ist in den Augen des HERRN der Tod seiner Frommen.“ Das soll nicht heißen, dass Gott es gefällt, wenn Menschen sterben müssen. Es heißt vielmehr, dass der Preis für den Tod sehr hoch ist, weil die Frommen ihm kostbar sind. Und der Frommste ist Jesus Christus, sein eingeborener Sohn. Sein Tod ist so teuer, dass er mit dem Preis die Sünde der ganzen Welt loskaufen konnte!
„Gelöst hast du meine Fesseln.“ Dies bezieht sich zunächst auf die Fesseln des Sklavenhauses Ägypten, deren Lösung der Psalm ja dankend gedenkt. Der Kreis schließt sich aber mit der Befreiung aus der Sklaverei der Sünde durch die Erlösung Jesu Christi, der auf diese Weise noch viel existenziellere Fesseln gelöst hat! Er hat nicht nur unsere Fesseln des ewigen Todes gelöst, sondern wird am Ende der Zeiten dem Bösen endgültig die Fesseln anlegen!
„Ich will dir ein Opfer des Dankes bringen, ausrufen will ich den Namen des HERRN.“ Dies ist eine gelübdeartige Zusage, die liturgisch im Laufe der Wallfahrt ja umgesetzt wird. Es werden Opfer im Tempel von Jerusalem dargebracht. Wir lesen es an diesem heutigen Tag eucharistisch: Ja, wir bringen ein Opfer des Dankes dar, die Eucharistie, die Danksagung, die zwar auf den ersten Blick Mahl (ja, das darf man nicht vergessen), aber zutiefst vom Kern und Wesen her Opfer ist. Bis zur Zeit König Davids waren als Opfer ola und hattat, Brand- und Sündopfer vorherrschend. In seiner Regierungszeit rückt allerdings die todah, das Dankopfer, das mit Brot und Wein dargebracht wird, immer mehr in den Mittelpunkt. Danksagung ist ein Opferakt! Psalm 116, den wir hier betrachten, ist ein Lied, das man zur todah gebetet hat!
„Meine Gelübde will ich dem HERRN erfüllen in Gegenwart seines ganzen Volks.“ Diese Zusage im Kontext der Wallfahrt geschieht vor den Augen der anderen. Danksagung ist ein Opfervorgang, der nicht individuell bleibt, sondern in Versammlung. Deshalb feiern wir bis heute die Eucharistie in der Gemeinschaft der Heiligen – und damit sind nicht nur jene auf Erden gemeint, sondern auch die Heiligen, die bereits am Thron Gottes stehen, auch die Engel, die Gott dienen!

Hebr 9
11 Christus aber ist gekommen als Hohepriester der künftigen Güter durch das größere und vollkommenere Zelt, das nicht von Menschenhand gemacht, das heißt nicht von dieser Schöpfung ist.

12 Nicht mit dem Blut von Böcken und jungen Stieren, sondern mit seinem eigenen Blut ist er ein für alle Mal in das Heiligtum hineingegangen und so hat er eine ewige Erlösung bewirkt.
13 Denn wenn schon das Blut von Böcken und Stieren und die Asche einer jungen Kuh die Unreinen, die damit besprengt werden, so heiligt, dass sie leiblich rein werden,
14 um wie viel mehr wird das Blut Christi, der sich selbst als makelloses Opfer kraft des ewigen Geistes Gott dargebracht hat, unser Gewissen von toten Werken reinigen, damit wir dem lebendigen Gott dienen.
15 Und darum ist er der Mittler eines neuen Bundes; sein Tod hat die Erlösung von den im ersten Bund begangenen Übertretungen bewirkt, damit die Berufenen das verheißene ewige Erbe erhalten.

In der zweiten Lesung betrachten wir die Liturgie des Neuen Bundes mit Christus als „Hohepriester der künftigen Güter“. Schon allein diese Bezeichnung zeigt uns, dass er in einem anderen Heiligtum seinen Dienst ausübt als die Israeliten, denn der Tempel des Alten Bundes ist mittlerweile zerstört. Auch der nächste Satzteil zeigt, dass es sich um ein Heiligtum handelt, das nicht von Menschenhand gemacht ist: „durch das größere und vollkommenere Zelt, das nicht von Menschenhand gemacht, das heißt nicht von dieser Schöpfung ist.“ Wovon ist hier die Rede? Es geht um den himmlischen Tempel und den eigentlichen Gottesdienst, wohingegen der Kult des Alten sowie Neuen Bundes diesen originalen Gottesdienst nur abbildet. Die Kirchenväter sprechen vom Kult des Alten Bundes als Schatten des himmlischen Gottesdienstes, während der Kult des Neuen Bundes immerhin als Spiegelbild bezeichnet wird.
Das Opfer dieser himmlischen Liturgie ist das eigene Leben des wahren Hohepriesters Christus. Er hat nicht das Blut von Opfertieren, sondern sein eigenes Blut vergossen. Dabei ist es ein einmaliges und endgültiges Opfer im Gegensatz zu den regelmäßigen und zu wiederholenden Opfern des Alten Bundes, von denen wir in der ersten Lesung gehört haben. Christus wird dabei nicht immer wieder ans Kreuz geschlagen, auch in der Hl. Eucharistie nicht, sondern das eine und endgültige Opfer wird jeweils vergegenwärtigt.
Dass das Kreuzesopfer Jesu Christi wirklich ein Opfer ist, das kultische Bedeutung hat, sehen wir an dem Zerreißen des Tempelvorhangs in der Passionserzählung. Von oben bis unten zerreißt genau dieser Vorhang, der das Heilige vom Allerheiligsten abtrennt. Der Neue Bund überbietet den Alten Bund, Christus ist das Allerheiligste geworden, da ohnehin schon zu jener Zeit das alte Allerheiligste aus einem leeren Raum bestand. Die Bundeslade ist zu jener Zeit schon lange Zeit verschwunden. An ihre Stelle treten der Leib und das Blut Christi, das „Heiligtum“, das nicht von Menschenhand errichtet ist.
Sodann wird das Blut Jesu Christi in seiner Sühnewirkung und Reinigung mit dem sogenannten Reinigungswasser aus Num 19 verglichen. Wenn schon eine Mischung aus Quellwasser und der Asche einer roten Kuh, die als Sündopfer Gott dargebracht worden ist, die Wirkung haben, einen kultisch unreinen Menschen zu entsündigen, umso wie viel mehr hat das kostbare Blut Jesu Christi diese Wirkung! Christi Blut reinigt das Innere des Menschen von toten Werken, damit wir dem lebendigen Gott dienen. Was ist damit gemeint? Das Blutvergießen Jesu Christi stellt die Besiegelung des Neuen Bundes dar zwischen Gott und allen Menschen. Das ist aber kein Automatismus, sondern wenn wir diesen Bund annehmen, das heißt uns taufen lassen, werden wir besprengt mit diesem kostbaren Blut, das uns reinigt von aller Schuld. Wir denken an die Besprengung des Gottesvolkes in der ersten Lesung! Schon damals verstehen die Menschen, dass die Besprengung mit Opferblut sühnende Wirkung hat. Wir werden ganz vor Gott gerechtfertigt, was Tierblut nicht so umfassend bewirkt wie das Blut Jesu Christi. Das kann keine Gesetzestreue. Ich betone: Es geht hier um die Erlösung und Vergebung der Sünden. Diese erhalten wir durch die Erlösung Jesu Christi, nicht dadurch, dass wir die Torah halten. Das ist eine Anspielung auf die jüdische Sichtweise, dass der Mensch vor Gott gerechtfertigt werde durch Buchstabentreue. Kein Mensch kann über 600 Gebote am Tag einhalten. Das heißt, dass kein Mensch von sich aus die Erlösung erreichen kann. Wir können uns nicht selbst erlösen. Deshalb hat Christus diese für uns erwirkt (Was wir aus der Taufgnade machen, ist dann eine ganz andere Geschichte. Selbstverständlich sollen wir als Getaufte nun den Weg der Gebote gehen, zu dem wir ja aufgrund der Gnade befähigt sind! Aber es geht darum, was uns diese Rechtfertigung vor Gott erst schenkt. Und das können wir uns nicht selbst schenken. Selbsterlösung ist eine große Illusion). Die toten Werke sind also alle Versuche, aus eigener Kraft die Erlösung zu erlangen. Diese kann uns nur der Herr schenken, der wahre Hohepriester, der in einem Heiligtum dient, das nicht von Menschenhand errichtet ist. Damit die Christen aber begreifen, dass Christus Hohepriester ist, dass Eucharistie ein Opfer ist und den originalen Gottesdienst des Himmelreichs abbildet, bedient Gott sich des bisherigen Bundes mit seiner Liturgie, mit seinen Grundlagen, mit dem bisherigen biblischen Zeugnis. Gott ist ein wunderbarer Pädagoge. Wir verstehen die Hl. Eucharistie in ihrer Tiefe vor dem Hintergrund des Alten Bundes und der Reflexion in den Briefen des Neuen Testaments.

Mk 14
12 Am ersten Tag des Festes der Ungesäuerten Brote, an dem man das Paschalamm zu schlachten pflegte, sagten die Jünger zu Jesus: Wo sollen wir das Paschamahl für dich vorbereiten?

13 Da schickte er zwei seiner Jünger voraus und sagte zu ihnen: Geht in die Stadt; dort wird euch ein Mensch begegnen, der einen Wasserkrug trägt. Folgt ihm,
14 bis er in ein Haus hineingeht; dann sagt zu dem Herrn des Hauses: Der Meister lässt dich fragen: Wo ist der Raum, in dem ich mit meinen Jüngern das Paschalamm essen kann?
15 Und der Hausherr wird euch einen großen Raum im Obergeschoss zeigen, der schon für das Festmahl hergerichtet und mit Polstern ausgestattet ist. Dort bereitet alles für uns vor!
16 Die Jünger machten sich auf den Weg und kamen in die Stadt. Sie fanden alles so, wie er es ihnen gesagt hatte, und bereiteten das Paschamahl vor.
22 Während des Mahls nahm er das Brot und sprach den Lobpreis; dann brach er das Brot, reichte es ihnen und sagte: Nehmt, das ist mein Leib.

23 Dann nahm er den Kelch, sprach das Dankgebet, gab ihn den Jüngern und sie tranken alle daraus.
24 Und er sagte zu ihnen: Das ist mein Blut des Bundes, das für viele vergossen wird.
25 Amen, ich sage euch: Ich werde nicht mehr von der Frucht des Weinstocks trinken bis zu dem Tag, an dem ich von Neuem davon trinke im Reich Gottes.
26 Nach dem Lobgesang gingen sie zum Ölberg hinaus.

Im Evangelium hören wir nun vom letzten Abendmahl, dem Ereignis, bei dem Christus die Eucharistie und das Weihesakrament stiftet. Zunächst wird uns von der Vorbereitung des Passahmahls berichtet, das Jesus mit seinen Jüngern einnehmen wird. Christus ordnet seinen Jüngern an, wo sie alles vorbereiten sollen. Es wird alles so kommen, wie er es ihnen angekündigt hat. Er weiß schon um die Zukunft. Er erklärt, wo sie einen Menschen treffen werden, der sie zu einem Haus mit einem Obergeschoss führen wird. In der Lukasversion wird ein wichtiges Detail genannt, das uns begreifen lässt, warum das letzte Abendmahl überhaupt am Abend vor dem Rüsttag abgehalten wird statt am Abend darauf: Das Schöpfen von Wasser ist gar keine Aufgabe für Männer. Wenn die Jünger in der Stadt also einen Mann treffen, der einen Wasserkrug trägt, muss das heißen, dass es keine Frau gibt, die diese Aufgabe üblicherweise übernimmt. Wo ist dies der Fall? Im Bezirk der Essener. Jesus und seine Familie standen dieser Gruppe sehr nahe. Sie feierten das Passahmahl zu einem früheren Zeitpunkt, deshalb auch Jesus mit seinem Apostelkreis. Es wird also alles hergerichtet und die Jünger finden alles so vor, wie Jesus es angekündigt hat.
Nun ist es also soweit und Jesus nimmt das Mahl mit seinen Jüngern ein, bei dem er einen neuen Bund stiftet. Er nimmt Brot und Wein, spricht das Dankgebet darüber – die Jünger verstehen sofort, dass Jesus die todah vornimmt, das Dankopfer. Doch dann geschieht etwas Neues: Er sagt seinen Aposteln zu, dass das nicht mehr Wein und Brot sind, sondern sein Leib und sein Blut. Gerade beim dargebrachten Wein wird den Aposteln deutlich, dass Jesus hier einen neuen Bund schließt: Es ist das Blut des Bundes, mosaisches Vokabular. Schon damals sagte Mose über das Blut der Opfertiere „Blut des Bundes“. Damals wird das Volk damit besprengt. Hier werden die Apostel noch ein wenig nachdenklich sein, denn es wird in dem Moment kein Blut vergossen. Erst einige Stunden später wird es einem der Apostel aufgehen, dem einzigen, der unter dem Kreuz stehen wird! Er wird sehen, wie Christus sein Blut vergießt, wie das am Abend zuvor Gestiftete wirklich umgesetzt wird. Er wird die Vorbereitung des vorausgegangenen Abends begriffen haben und davon ausgehend das Geschehen des Karfreitags als einzigen Opferakt begriffen haben – Christus, der sich selbst darbringt als Hohepriester und Opfer zugleich. Die Gesetzgebung besteht in der Auslegung der Torah nach den Worten Christi, wie sie in der Bergpredigt zum Ausdruck gekommen ist. Das Zeichen dieses neuen Bundes sind Brot und Wein, die nicht mehr Brot und Wein, sondern das Fleisch und Blut Jesu Christi sind, die eucharistischen Gaben. Christus wird von der Frucht des Weinstocks erst wieder trinken im Himmelreich. Warum? Weil es dann das Freudenmahl, die Hochzeit des Lammes sein wird. Bis dahin wird ihm nur noch ein Kelch gereicht – der Kelch des Leidens.
Die Apostel haben im Abendmahlssaal das Unglaubliche erfahren: einen neuen Bundesschluss auf der Grundlage des Alten Bundes, ja man muss sagen, dass der Alte Bund in den Neuen Bund mündet. Sie haben verstanden, dass dieses Mahl nicht einfach Mahl, sondern ein Opferakt ist. Dies war ihnen schon zuvor klar, denn das Passahmahl ist stets schon Opferakt. Darin bestand nie ein Zweifel, auch in der Kirche nicht, bis in der Reformation die unheilvolle Engführung geschah, die Eucharistie auf ihren Mahlcharakter zu reduzieren, so als ob Gründonnerstag und Karfreitag nichts miteinander zu tun hätten. Sie hängen zuinnerst miteinander zusammen. Jesus besiegelt den Neuen Bund mit seinem eigenen Blut, das er vergossen hat, und mit dem durchbohrten Herzen, das er uns geschenkt hat. Immer wenn wir die Hl. Eucharistie feiern, wird dieses Schlüsselereignis der ganzen Welt in die Gegenwart geholt. Christus ist leibhaft gegenwärtig unter uns. Und er ist nicht nur da, sondern lässt sich von uns empfangen! Wir dürfen ihn physisch in uns aufnehmen, sodass er ein Teil von uns wird und wir ein Teil von ihm. Wie großartig! Durch den Zusammenhang von Gründonnerstag und Karfreitag im Mysterium der Eucharistie wird uns überhaupt erst begreiflich, warum wir den Leib Christi nicht nur äußerlich verehren, sondern durch einen Essvorgang in uns aufnehmen. Christus ist da und bleibt auch unter uns nach der Hl. Messe. Er ist bereit, sich uns auszusetzen und von uns in die Welt hinausgetragen zu werden! Er ließ es schon zu bei der ersten Monstranz – seiner Mutter Maria, als sie ihn zu Elisabet trug. Er lässt es bis heute zu und wir nehmen dies an Fronleichnam in Anspruch. Leider fallen die Sakramentsprozessionen in diesem Jahr aus, doch denken wir daran, dass auch wir zur menschlichen Monstranz werden, wenn wir den Herrn mit seiner ganzen Liebe zu den Menschen bringen. Aussetzung heißt nicht nur, dass er sich uns aussetzt. Aussetzung heißt auch, dass wir uns ihm aussetzen, seiner Liebe und Barmherzigkeit.

Gelobt und angebetet sei ohne End,
Jesus Christus im allerheiligsten Sakrament.

Ihre Magstrauss

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