Samstag der 9. Woche im Jahreskreis

Tob 12,1.5-15.20; Tob 13,2.6.7.8; Mk 12,38-44

Tob 12
1 Als die Hochzeitsfeierlichkeit an ihr Ende kam, rief Tobit seinen Sohn Tobias und sprach zu ihm: Kind, sieh zu, dem Mann, der mit dir gegangen ist, den Lohn zu geben und ihm auf den Lohn noch etwas draufzulegen!
5 Tobias rief ihn und sprach: Nimm die Hälfte von allem, was du mitgebracht hast, als deinen Lohn und zieh wohlbehalten weiter!
6 Da rief er die beiden zur Seite und sprach zu ihnen: Preist Gott und bekennt ihm vor allen Lebenden das Gute, was er euch getan hat, damit wir ihn preisen und seinem Namen lobsingen! Macht allen Menschen ehrend die Worte Gottes bekannt!

7 Es ist gut, das Geheimnis eines Königs zu wahren, die Werke Gottes aber zu offenbaren und ehrend zu bekennen. Tut das Gute und das Böse wird euch nicht finden!
8 Besser Gebet zusammen mit Wahrheit und Almosen zusammen mit Gerechtigkeit als Reichtum zusammen mit Unrecht. Almosen geben ist schöner als einen Goldschatz sammeln.
9 Almosen retten aus dem Tod, sie reinigen von aller Sünde. Die Almosen geben, werden mit Leben gesättigt werden.
10 Die Sünde und Unrecht begehen, sind Feinde ihres eigenen Lebens.
11 Ich will euch die ganze Wahrheit sagen und nichts vor euch verbergen. Ich sagte euch schon: Es ist gut, das Geheimnis eines Königs zu wahren, die Werke Gottes aber rühmend zu offenbaren.
12 Nun also: Als ihr gebetet habt, du und Sara, war ich es, der euer Gebet vor die Herrlichkeit des Herrn getragen hat und es dort in Erinnerung rief, und ebenso als du die Toten begrubst.
13 Als du nicht zögertest, aufzustehen und dein Mahl stehen zu lassen, und hingegangen bist, um dich um den Leichnam zu kümmern,
14 bin ich damals zu dir gesandt worden, um dich zu erproben. Zugleich hat Gott mich gesandt, dich zu heilen und Sara, deine Schwiegertochter.
15 Ich bin Rafaël, einer von den sieben Engeln, die bereitstehen und hineingehen vor die Herrlichkeit des Herrn.
20 Nun preist den Herrn auf der Erde und bekennt Gott! Siehe, ich gehe hinauf zu dem, der mich gesandt hat. Schreibt all dies auf, was euch geschehen ist! Und er stieg empor.

Heute hören wir in der Lesung noch einmal aus dem Buch Tobit. Gestern wurde uns von der freudenreichen Heimkehr des Tobias mit seiner Frau berichtet. Tobit ist geheilt worden. Die Bewährungsprobe hat ein Ende genommen.
Anscheinend ist es dann noch einmal zu Hochzeitsfeierlichkeiten im Hause Tobits gekommen, denn es heißt zu Anfang unseres heutigen Abschnitts, dass am Ende der Feierlichkeiten Tobit seinem Sohn aufträgt, Rafael einen reichen Lohn für seinen Dienst auszuzahlen. Bis jetzt ist ihnen verborgen geblieben, dass er kein gewöhnlicher Mann namens Asarja, sondern einer der Erzengel namens Rafael ist. So geht Tobias zu ihm, um ihm die Hälfe des Mitgebrachten zu schenken, doch dieser setzt zu einer kleinen Katechese an. Er ruft zum Lobpreis an Gott auf und erklärt, dass es wichtig ist, Almosen zu geben. Sie sind besser als ein Goldschatz. Er deutet an, dass er ein Geheimnis für seinen König bewahrt hat, doch nun ist es an der Zeit, das Geheimnis zu lüften. Er offenbart Tobias und Tobit, dass er einer der sieben Engel ist, die vor Gottes Angesicht treten in dessen himmlischem Heiligtum. Als Tobias und Sarah in ihrer Hochzeitsnacht zusammen gebetet haben und als Tobit augenblicklich von seinem Festmahl aufstand, um den Leichnam zu bestatten, hat der Engel es vor Gott getragen. Es ist Gottes Blick nicht entgangen, was sie Gutes getan haben.
Wir können uns vorstellen, wie erschrocken die Männer reagiert haben. Es wird uns im heutigen Abschnitt nicht berichtet, aber die zwei fallen vor Schreck auf ihre Gesichter, wobei der Engel zu ihnen sagt: Fürchtet euch nicht.
Die Lesung wird mit einem erneuten Lobpreisaufruf beschlossen. Rafael selbst wird in die Ewigkeit zurückgehen. Was aber alles geschehen ist, sollen die Männer schriftlich festhalten.

Tob 13
2 Denn er straft und hat Erbarmen. Er führt hinab in die tiefste Unterwelt unter der Erde und führt empor aus dem großen Verderben. Es gibt nichts, was seiner Hand entrinnt.
6 Wenn ihr euch ihm zuwendet mit eurem ganzen Herzen und mit eurer ganzen Seele vor ihm die Wahrheit tut, dann wird auch er sich euch zuwenden und sein Angesicht vor euch nicht verbergen. Jetzt aber betrachtet, was er an euch getan hat, und bekennt ihn aus vollem Mund! Preist den Herrn der Gerechtigkeit, erhebt den König der Ewigkeit! Ich will ihn bekennen im Land meiner Verbannung, seine Macht und Größe einem sündigen Volk verkünden. Kehrt um, ihr Sünder, und übt Gerechtigkeit vor ihm, unserm Herrn! Wer weiß, ob er euch nicht wieder wohlwill und euch Barmherzigkeit erweist!
7 Ich und meine Seele, wir jubeln freudig dem König des Himmels zu, meine Seele wird sich freuen alle Tage meines Lebens.
8 Preist den Herrn, alle Erwählten, und ihr alle, lobt seine Größe! Ruft Festtage aus und bekennt ihn!

Als Antwort auf die Lesung beten wir heute keinen Psalm, sondern stattdessen einen Lobgesang Tobits. Es ist ein weisheitliches Lied, denn Gottes Wirken in der Welt wird reflektiert.
Gott straft und hat Erbarmen. Er ist barmherzig und gerecht. Beides gehört zu ihm und beides gibt er zu gegebener Zeit. Gott führt in die Tiefe und auch wieder heraus. Er lässt zu, dass man in die Knie gezwungen wird, aber er hilft einem auch wieder auf. Dies lässt er oft zu, damit wir uns wieder daran erinnern, dass wir ohne ihn nichts tun können, damit wir unsere eigene Schwachheit sehen und von unserem hohen Ross herabsteigen. Tobit hat so vielen Menschen geholfen, dass er wieder daran erinnert werden musste, dass auch er Hilfe annehmen muss.
Gott schätzt unsere Aufrichtigkeit. Wenn wir von ganzem Herzen seine Nähe suchen und seinen Willen erfüllen möchten, dann nimmt er sich uns an. Und wenn wir auch scheitern – unsere aufrichtige Reue wird er mit Barmherzigkeit beantworten.
Gott hat im Leben Tobits wunderbare Taten vollbracht, weshalb dieser nicht anders kann, als Gott zu bekennen. Dies sollen all jene mit ihm gemeinsam tun, die all dieses Wirken gesehen haben. Die ganze Stadt hat den Geheilten gesehen, wie er voller Freude zum Stadttor Ninives gegangen ist, um seine neue Schwiegertochter abzuholen.
Tobit wird Gott nun auf noch intensivere Weise dem Nordreich Israel verkünden, damit diese wieder neu zum Glauben an ihn kommen und sich vom Götzendienst abkehren. Dies wird er tun, damit Gottes Barmherzigkeit nicht nur ihm als Einzelperson zuteilwird, sondern auch dem ganzen Volk in der Verbannung. Aufrichtige Reue und Umkehr wird auch die Barmherzigkeit Gottes auf die Israeliten bringen.
Tobit wird nur noch Grund zur Freude haben, denn das Ereignis hat sein ganzes Leben geprägt. Zum Schluss ruft er noch einmal dazu auf, Gott anzubeten, ihn zu bekennen und unaufhörlich zu preisen.
Seine Worte berühren uns. Er hat seine Lektion gelernt, die Bewährungsprobe bestanden und reflektiert Gottes Wesen, wie es wirklich ist – barmherzig und gerecht zugleich, seinen Kindern zugewandt, kein Gebet ignorierend. Beten wir, dass auch wir in schweren Situationen unseres Lebens die Lektion lernen und nicht verbittern. Mögen auch wir aus Bewährungen gestärkt hervorgehen und den Herrn noch intensiver preisen als zuvor.

Mk 12
38 Er lehrte sie und sagte: Nehmt euch in Acht vor den Schriftgelehrten! Sie gehen gern in langen Gewändern umher, lieben es, wenn man sie auf den Marktplätzen grüßt,
39 und sie wollen in der Synagoge die Ehrensitze und bei jedem Festmahl die Ehrenplätze haben.
40 Sie fressen die Häuser der Witwen auf und verrichten in ihrer Scheinheiligkeit lange Gebete. Umso härter wird das Urteil sein, das sie erwartet.
41 Als Jesus einmal dem Opferkasten gegenübersaß, sah er zu, wie die Leute Geld in den Kasten warfen. Viele Reiche kamen und gaben viel.
42 Da kam auch eine arme Witwe und warf zwei kleine Münzen hinein.
43 Er rief seine Jünger zu sich und sagte: Amen, ich sage euch: Diese arme Witwe hat mehr in den Opferkasten hineingeworfen als alle andern.
44 Denn sie alle haben nur etwas von ihrem Überfluss hineingeworfen; diese Frau aber, die kaum das Nötigste zum Leben hat, sie hat alles hergegeben, was sie besaß, ihren ganzen Lebensunterhalt.

Gestern erklärte Jesus den zuhörenden Menschen bereits, dass die Pharisäer und Schriftgelehrten im Grunde etwas missverstanden haben. Heute setzt er die Rede gegen die Schriftgelehrten fort: Ihr Problem ist ihre Ehrsucht. Sie tun alles nur, um gesehen und gelobt zu werden. Sie verlagern ihr ganzes Wirken auf das Äußere, Sichtbare und vernachlässigen das Innere komplett. Ihnen fehlt es komplett an Demut, denn sie wollen die Ehrenplätze, immerzu eine Bevorzugung. Die Demut Tobits aus den Lesungen der letzten Wochen ist überhaupt nichts, was sie sich aneignen. Sie sind auch nicht so aufrichtig wie der fromme Mann in Ninive. Statt wohltätig zu sein und die Nächstenliebe zu leben, nehmen die Schriftgelehrten sogar noch die armen Menschen aus. Was bringt es Gott, wenn jene lange Gebete verrichten, wenn diese weder aus dem Herzen gesprochen noch mit einem entsprechenden Lebenswandel einhergehen? Diese Heuchelei ist Gott zuwider.
Direkt im Anschluss hören wir eine weitere Episode, die das Verhalten einer Witwe den Schriftgelehrten gegenüberstellt. Witwen und Waisen sind jene, die keine Rechte haben. Es gibt keine Sozialversorgung, deshalb sind diese Personengruppen sehr arm und dem Tod ausgeliefert, wenn sie nicht die Wohltätigkeit ihrer barmherzigen Landsleute erfahren.
Diese Frau hat kaum etwas für sich, doch sie wirft ihren gesamten Lebensunterhalt in den Opferkasten im Tempelareal. Damit beweist sie ihre Liebe zu Gott und ihr großes Vertrauen auf seine gute Vorsehung. Gott sieht ihre große Aufrichtigkeit und dafür wird sie reichlich gesegnet. Wir wissen nicht, wie die Geschichte ausgeht, aber wir können uns vorstellen, dass Jesus ihr etwas gibt oder sie in den erweiterten Jüngerkreis aufnimmt.

Gott entgeht unsere Aufrichtigkeit nicht. Weder bei Tobit ist dies der Fall noch im Evangelium. Die Ganzhingabe ist es, die den Menschen so viel Segen verleiht. Gewiss hängt sie mit einem ordentlichen Vertrauensvorschuss zusammen, denn alles hinzugeben, ohne vorher zu wissen, ob man dafür belohnt wird, ist ein Sprung ins Ungewisse. Und doch dürfen wir alle Gott vertrauen, dass er unsere Aufrichtigkeit belohnen wird. So viele haben es uns doch vorgemacht, was haben wir also zu verlieren? Give all, get more.

Ihre Magstrauss


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